Pfeifen Huber | Selected Blend English

Pfeifen Huber, Freitagnachmittag gegen 14.00 Uhr: „Und, gibt’s irgendwas Neues?“ „Ne, eigentlich nicht… Doch Halt! Wir haben fünf neue Tabake! Gestern gekommen!“ Also wenn das nichts Neues ist! Diese fünf neuen Tabake sind eigentlich eine kleine Reihe, die sich „Selcted Blend“ nennt und sich in erster Linie einmal dadurch auszeichnet, dass die Tabake einheitlich in 50g Dosen konfektioniert sind. Das ist vor allem bei der hier besprochenen „Englischen Mischung“ sinnvoll und schließt eine Lücke im Sortiment der Huber Haustabake, denn alle anderen Huber-Latakiamischungen sind bislang nur in 100g Dosen erhältlich.

Huber Selected Blend English10 verschiedene „Englische Mischungen“ gibt es unter den Huber Tabaken, darunter auch den von mir sehr geschätzten „English Balkan“ oder die „Smoking Mixture“. So stellt sich die Frage, wie sich der „Selected Blend English“ innerhalb des Portfolios positioniert und ob eine Erweiterung um einen elften Latakiablend sinnvoller ist als etwa eine der bewährten Mischungen als 50g Dose anzubieten?

Die Herstellerpanegyrik lautet: „Eigenständig. Unverwechselbar. Rauchig duftiger Latakia aus Nordzypern wird abgerundet mit Virginia aus drei Kontinenten. Abseits von zugeführter Aromatisierung bietet diese Mischung unverfälschten Rauchgenuss für Puristen. Langfaseriger Schnitt.“

Huber Selected Blend EnglishVirginias und Latakia, sonst nichts. Das klingt erstmal wenig spektakulär, ist auch wenig spektakulär, aber es ist ziemlich gut gemacht und so ist der Selected Blend English ein Tabak, der mir vom ersten bis zum letzten Zug schmeckt und Freude macht. Diese fast schon puristische Reduzierung ist eigentlich gar keine, zeigt sich doch von Anfang an, wie vielschichtig eine gekonnte Kombination verschiedener Virginias sein kann. Kohlhase & Kopp, aus deren Haus der Huber Selected Blend English stammt, hat hier wieder einmal erstklassige Arbeit geleistet. Und genau deshalb kann sich der Tabak im Huber-Latakia-Sortiment auch gut behaupten und ergänzt das Angebot auf absolut überzeugende Art und Weise.

Der Huber Selected Blend English ist ein klassischer Ribbon Cut der neben den verschiedenen Virginia Grades aus einer anständigen Portion Latakias besteht, was ihn auf der einen Seite ordentlich rauchig macht, auf der anderen stehen aber die Virginias, die durchaus kräftig genug sind, um dem Tabak genügend Körper zu verleihen und ihm malzig süsse und erdige Noten mitgeben. Huber Selected Blend EnglishDas Geschmackserlebnis ist einerseits sehr direkt und fast ein bisschen rustikal, aber auch komplex und vielschichtig, wobei allerdings eine große geschmackliche Entwicklung über die ganze Füllung hinweg ausbleibt. Hier ist er vielleicht stilistisch am ehesten mit Samuel Gawiths Squadron Leader vergleichbar, der – obwohl er noch Orientals enthält – ähnlich direkt bei überschaubarer Entwicklung schmeckt. Auch qualitativ ist er diesem absolut ebenbürtig. Der Latakiaanteil wirkt nicht so sehr ätherisch wie etwa beim Huber English Balkan, dafür ist er perfekt eingebunden. Sein geschmacklicher Bruder ist der Dunhill BB 1938, der aber im vergleich zum Huber Selected Blend English ein wenig schmalbrüstiger wirkt.

Durch die verschiedenen Virginias ist der Selected Blend English unter den englischen Mischungen durchaus nicht leichtfüßig und ich empfinde ihn zwar nicht so rauchig voll wie den English Balkan, dafür aber als gehaltvoller und kräftiger. Die perfekte Balance das Tabaks verhindert, dass er langweilig wirkt, sodass ich ihn lieber rauche als den BB 1938, der für mich genau an dieser Stelle etwas kränkelt. Das ist aber ein Eindruck aus dem Gedächtnis mangels eines direkten Vergleichs der zwei Tabake.

Huber Selected Blend EnglishFür Freunde schnörkelloser Latakiamischungen hat der Selected Blend English absolut meine Empfehlung! Er ist in etwa das, was für den Virginia/Perique Liebhaber die alte Elizabethian Mixture war: eher wenig spektakulär aber schlicht herausragend gut! Wer das Spektakel sucht, möge unter den Huber Latakias den English Balkan probieren!

Stopfen, Anzünden und Rauchen lässt sich der Selected Blend English vollkommen problemlos, was ihn auch durchaus für Anfänger empfiehlt, die einen kräftigen Engländer probieren möchten.

Erhältlich ist der Huber Selected Blend English ausschließlich bei Pfeifen Huber in München zum derzeitigen Preis von Euro 12,50/50g (Stand März 2020).




Pfeifen Huber | Selected Blend – Flake Cut

Pfeifen Huber hat eine neue Tabakserie aufgelegt: Selected Blend. Der Tobacconist aus München sieht die „Blauen“ als Ergänzung zu den lange etablierten, fast ausschließlich in 100g Dosen angebotenen Reihen Danish, Virginia, Englisch, Flakes und den aromatisierten Tabaken. Selected Blend ist in 50g Runddosen verfügbar. Wir werden die 5 verschiedenen Tabake – English, Virginia, Irish, Aromatik und den Flake Cut in den nächsten Wochen ausgiebig testen und dann vorstellen. Während Peter Hemmer sich hier die Englische Mischung vorgenommen hat, widme ich mich erst einmal dem Flake Cut.

Wer wie ich bei den gepressten Tabaken eine besondere Vorliebe für die als „Band“ in die Dosen gelegten Tabake hegt (Huber Honeydew Flake – jetzt Golden Flake, Robert McConnell Old London, Rattray`s Marlin Flake) wird vom neuen Flake Cut angetan sein. Denn der besteht nicht aus vorgeschnittenen Flake Scheiben, sondern aus einzelnen „Tabakbändern“ von ungefähr 3,5 x 20 cm. Diese sind gleichmäßig und dünner als Flakescheiben geschnitten und das bringt nicht nur beim Befüllen der Pfeife Vorteile, da die Bänder sich einfacher knicken und falten lassen. Wer es vorzieht, den Tabak auf die bekannte barbarische, gefühllose Art zu zerreißen oder zu zerpflücken, mag das tun. Geht auch.

Hubers neuer Flake ist ein reiner Virginia, der aus der Dose einen wunderbaren Duft abgibt. Es ist ein ganz leichtes zusätzliches Aroma feststellbar, das sich aber perfekt dem Virginia unterordnet und dessen Eigenart wohltuend unterstützt. Der oder besser die Virginias sind gold- bis dunkelbraun und stammen von drei Kontinenten: Südamerika, Afrika und Asien. Sie werden in Blöcke gepresst und unterlaufen eine Reifezeit von 4 Wochen. Nach dem Reifeprozeß erfolgt der „Schnitt“ und – leider ein gesetzlich initierter Irrsinn – der Flake in die runde 50g Dose verbracht.

Knick&Falt also, damit sich tirolische Steinadler wieder echauffieren können. Für die große Stanwell reicht ein Bändchen für eine 3/4 Füllung. Die Kondition ist perfekt und so läßt sich das Rauchvergnügen ohne Umstände an. Und genau das ist es. Nach dem anzünden und nach einigen wenigen Minuten beginnt das Virginiafest. Der Flake bringt sogleich ein volles, dichtes virginiatypisches Geschmackserlebnis. Die natürliche Süße geht einher mit dem Geschmack von trockenem Heu und wer jetzt nicht vor lauter Euphorie beginnt, die gebotene Ruhe und Langsamkeit außer Acht zu lassen, wird reichlich belohnt. Der Flake entwickelt keine Spitzen. Hat er einmal seine „Betriebstemperatur“ erreicht, bleibt ein bis zum Ende hin gleichbleibender, voller Rauchgenuß. Ein wenig erinnert mich dieser Flake an den alten Heroen Richmond Medium Navy Cut, eher im Duft, ein wenig auch im Geschmack. Nur ist der Huber Flake Cut um einiges kräftiger, aber nicht was Nikotin betrifft. Hier erscheint er mir sogar ein wenig unter „Medium“ zu segeln, was aber sehr gut zur gesamten Komposition passt.

Dieser Tabak, der mit so wenig Komponenten daher kommt, ist für mich ein Volltreffer. So süffig, so geschmacklich naturrein. Ich werde noch ein, zwei Dosen kaufen und wenn sich da keine Abweichungen ergeben, wird das ein „Lagertabak“ für mich werden. Es bleiben noch zwei Gedanken: ich habe den Huber Flake Cut in verschieden großen Pfeifen geraucht, große – wie die im Artikel zu sehende Stanwell Premium – mittelgroße und auch kleine Dunhills und Foundations. In allen Pfeifen war es ein Genuß.

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Unverständlich allerdings bleibt für mich, warum nicht auf dem Bodenetikett die Zusammensetzung des Flakes angegeben wird. Ungenutzer Platz ist reichlich vorhanden. Das wurde aber schon oft auch bei Tabaken anderer Hersteller bemängelt. Es kann nicht an der Kostenbetrachtung des Produkt Managements liegen, hier haben die sogenannten Marketingschlafleute wieder einmal nicht mitgedacht

Pfeifen Huber, München
Selected Blend – Flake Cut
50g Runddose

ab sofort erhältlich hier




Archäologie – R and M (Rum & Maple)

Wer ἄλφα sagt, muß auch βῆτα sagen. Bei der letzten „Redaktionskonferenz“ des Pfeifenblog.de wurden die Aufgaben für die nächsten Artikel verteilt. Mein Thema wurde der Wechsel der Peterson Tabake zur Scandinavien Tobacco Group (STG). Na ja, auch die Übernahme von Planta durch MacBaren erschien mir interessant. Was ich aber nicht wußte, auch einer der Archetypen aller Aromaten gehört nun zu MacBaren, der neuerdings als R and M benamste frühere Rum & Maple Blend No. 53. Oh je, genau der Tabak, der schon immer auf meiner Hit- und Wunschliste stand. Was soll`s, ein Guter hält es aus und um einen Schlechten ist nicht schad.

Aktueller Aufdruck auf dem 50g Pouch, Unitas ist der deutsche Großhändler

Zunächst der wichtige Blick zurück. Rum & Maple war nicht immer, was er heute ist und auch das Image war um Längen besser. Den Tabak gab es in den USA schon in den 1940ern und seinerzeit setzte er sich zusammen aus syrischem Latakia, Virginia und North Carolina Tabak, dem Rum und Ahornsirup zugesetzt wurde. Der Original Hersteller war Larus & Brother Company aus Richmond im Staat Virginia, später übernahm Pinkerton Tobacco aus Kentucky die Fertigung. So ab 1964 gehörte der Rum and Maple zu Lane (mittlerweile STG Lane Limited, Crown Achievement, Captain Black) und anscheinend erfolgte da eine Rezepturänderung. Der Latakia wurde ersetzt durch Burley und Cavendish. Als Lane den Tabak nicht mehr weiter produzierte, übernahm die deutsche Planta und fertigte ihn bis 2019, bis Planta geschlossen wurde und die Tabakfertigung auf MacBaren überging.


Ich habe die 50g Pouch Packung gekauft, da mir die 100g Runddose ein zu großes Risiko dargestellt hat. Zu Recht, wie ich nach 3 Rauchproben weiß. Die erste Enttäuschung: nichts riecht auch nur annähernd nach Rum oder Ahornsirup, ein unangenehmer, muffiger Geruch entströmt, der alles sein kann, wahrscheinlich aber von einer moderigen Seegrasmatratze herrührt. Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung, aber als ich zuletzt vor 40 Jahren einmal an diesem Takak gerochen habe, gab es doch ein deutliches Rum und Ahornaroma, oder? Feststellen kann ich fast auschliesslich den Burley. Der R&M ist fein geschnitten und gut konditioniert. Bei der Wahl der Pfeife habe ich mich durch gewisse Vorahnungen zu einer uralten Lincoln Pfeife entschlossen. Ja, richtig – genau die aus der 1974er Plakatwerbung („Lincoln Cavendish – mehr hat der Mann, der Lincoln raucht).

So, und jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich habe den R and M drei Mal versucht zu rauchen und genauso oft die Pfeife nach der Hälfte geräumt. Dieser Blend ist eine geschmackliche Zumutung. Das einzige, was ich glaube heraus zu schmecken, ist der muffige Burley. Alles andere ist zugekleistert von einem undefinierbarem Aromagemisch.

Nun kann es sein, daß ich diesen heroischen Tabak völlig falsch beurteile, Geschmack unterliegt schließlich keinen gesetzlichen Verordnungen. Deshalb habe ich mich intensiv in amerikanischen Foren umgesehen, diese mag ich ganz besonders. Viele Kommentare haben etwas holzfällerhaftes und ich bin sicher, die Rezensenten tragen karierte Flanellhemden. Ich habe eine Strichliste geführt und bei 50 Kommentaren aufgehört. Sage und schreibe 45 haben den R&M über den grünen Klee gelobt, die übrigen 5 beklagten, daß erst nach Aufgabe der Produktion durch Lane und den Transfer nach „Germany“ (Planta scheint nicht bekannt zu sein) der Tabak sogar ungenießbar geworden sei. Sei`s drum, ich fühle mich richtig aufgehoben in der Minderheit.

Selbst wenn der geneigte Pfeifenraucher nostalgische Beweggründe vorgibt, um einen Versuch zu wagen, es muß davon abgeraten werden. Auch der Preis von 7€/50g ist wirkungslos. Mehr fällt mir dazu nicht ein, ich mache jetzt den Pouch wieder zu und rieche mindestens eine halbe Stunde in den Huber Balkan hinein.


R and M
seit 2019 von MacBaren
50g Pouch, 100g Runddose, 250g Dose




Samuel Gawith | Perfection

Mit der Perfektion habe ich es persönlich gar nicht so. Perfektion ist die Suche nach den 100%. Wir alle wissen, spätestens seit Vilfredo Pareto (1848–1923), dass 80% des Ergebnisses mit einem Aufwand von 20% zu erreichen sind … umgekehrt bedeuten die letzten paar Prozent bis zur Perfektion den allergrößte Aufwand. Nach diesem Pareto-Prinzip zu leben, macht einen zum „perfekten“ Mittelmaß zum „mit-geringstem-Aufwand-irgendetwas-ausreichend-Macher“. Deshalb ist dieses Prinzip perfekt für amerikanische und amerikanisierte Vollpfosten, die nichts wirklich können, aber hocheffektiv blöd daherreden … Schreibe ich mich gerade in Rage? Kann sein. Da ist jetzt auch ganz viel Selbsthasskritik dabei. Fehlt es mir selbst doch oft an der Zeit, der Lust und auch am Fleiß wirklich 100% zu geben, um 100% zu erreichen.

Das schöne an der Kunst ist, dass man die letzten 20% manchmal geschenkt bekommt. Von den Musen, vom eigenen Genius vom Universum oder dem heiligen Geist … keine Ahnung von wem, aber manchmal gelingt einem etwas, was man im Grunde nicht verdient hat. Das ist zum einen tröstlich aber zum anderen auch Futter für den Schweinehund, denn lieber hofft man, denn zu arbeiten … Aber ich werde mich bessern, ich verspreche es, hoch und heilig bei den Musen, der Sarasvati (meiner indischen Lieblingsgöttin) und dem heiligen Aloisius.

Was erwartet man nun von einem Tabak oder allgemein einem Produkt, welches „Perfection“ heisst? Da liegt die Latte hoch, oder? Je höher die Latte, desto wahrscheinlicher reisst man sie, vor allem wenn man nur zu 80 Prozent anläuft. Was soll ich sagen, ich war sehr skeptisch, als ich die Dose beim Huber im Tal erworben habe. Eigentlich gefiel mir nur das Zamperl (Mundart: Hund), die hübsche hellblaue Farbe und die Tatsache, dass es über den Perfection von Samuel Gawith noch kein Review hier auf dem Blog gibt.

Die Dose öffnete ich gleich noch im Geschäft und wie meistens bei etwas weniger verbreiteten Tabak, steckte jeder der Anwesenden seinen Riechkolben in die Dose und nahm sich bei Gefallen, eine Füllung in seine Probierpfeife. Ich muss irgendwann noch versuchen dahinter zu kommen, warum immer, wenn ich einen neuen Tabak kaufe, alle auf einmal eine Liebe zu Giant-Pfeifen entwickeln – ein merkwürdiges Phänomen … Ich nahm mir also die paar Brösel, die noch in der Dose verblieben waren und stopfte mir eine Dunhill Nummer 1 zur Hälfte.

Der Tabak war perfekt konditioniert und ließ sich perfekt in die Pfeife stopfen und perfekt anzünden. Er brannte auch perfekt, absolute Perfektion bis hier her.
Es gibt Menschen, die empfinden Perfektion als langweilig und suchen nach dem Unperfektem, den Ecken und Kanten, dem Besonderen. Ich denke mal, die Suche nach zu feuchtem und schwer entzündbaren Tabak wird von wenigen betrieben, das ist etwas, was man einfach voraussetzt, was man glaubt erwarten zu können.

Beim Perfection handelt es sich um einen „milden Engländer“ etwas Latakia, mehr als eine Prise aber auch keine Balkanportion. Perfekt ausgewogen? Ja, irgendwie schon. Die Balance zwischen Virginias und Latakia stimmt. Aber? Keine Jubelrufe? Keine elegischen Ausführungen? Nein, leider nicht. Es ist ein toller Tabak, gute Qualität, 1a Geschmack, aber doch lässt er mich nicht jubeln. Vielleicht ist er doch zu perfekt? Ich würde ihn jedem empfehlen, der keine oder wenig Erfahrungen mit englischen Tabaken hat. Ich würde ihm sagen, dass das der perfekte Engländer ist, ein wohlschmeckender und einfach zu rauchender Pfeifentabak. Aber einem Kenner würde ich ihn niemals empfehlen.

Ist vielleicht Perfektion nur etwas für Anfänger? Liebt nur der erfahrene Connaisseur das Raue, das Extreme, das Skurrile kurz das Unperfekte?
Mir scheint, ein wenig könnte das so sein…

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Peterson Old Dublin – ein Brexit Gegner

Schlechte Nachrichten blenden wir im Pfeifenblog.de gewöhnlich einfach aus, die gehören nicht in unsere, sondern in die äußere Welt, die eh voll davon ist. So habe ich den aufklärerischen, renitenten Artikel von Alexander Broy aus dem vergangenen Jahr selbstverständlich ignoriert. Zumal mir bisher außer dem 3 P Plug und einem gelegentlichen Rauch mit University und Irish Flake nichts von Peterson in die Pfeifen geraten durfte. Und bis vor wenigen Monaten werkelte auch noch MacBaren daran rum, zu denen doch die Übernahme von Planta viel besser passt.

Aber nun ist ja die Scandinavian Tobacco Group (STG) am Ruder, hat die Peterson Tobacco Lizenzen erworben und die ersten Resultate aus „DER ANDEREN“ dänischen Fertigung liegen als 50 g Runddosen in den Regalen. Und da die beiden Irlands gerade in aller Munde sind und vielleicht für das britische Inselchen-Wundermännchen aus London zur Pita werden könnten, habe ich mir den Old Dublin vorgenommen.

Wer den Tabak nicht kennt und einen aromatisierten irischen Blend erwartet, wird zum Glück eines Besseren belehrt. Der Old Dublin ist eine saubere englische Latakia Mischung, die aus cypriotischem Latakia, hellem Virginia und einem kräftigen Anteil von Basma Orientabak aus Griechenland besteht und durch Black Cavendish abgerundet wird. Der Tabak ist für meine Vorlieben etwas zu fein geschnitten, wie auch einige Dunhill Tabake. Der Duft aus der Dose ist der eines feinen Engländers, wie wir ihn aus den 1950er/60er/70er Jahren her kennen. Der Latakia steht keineswegs im Vordergrund, sondern ist sorgsam auf Virginia und Orient abgestimmt. Das ist auch deutlich am Tabakbild zu sehen:

Diese typische englische Mischung hat einen leichten, nussigen, dennoch würzigen Unterton und ich denke, das ist auch dem hervorragenden Basma zu verdanken. Über das Befüllen einer Pfeife mit diesem Tabak lasse ich mich hier nicht aus, das sollte bekannt sein. Obwohl – ich werde den Old Dublin allen empfehlen, die bisher andere Geschmacksrichtungen bevorzugen und doch gerne einmal in eine Latakia Mischung hineinschnuppern wollen. Oder sogar Einsteigern, wenn ich sie von Cherry-Vanilla-Himbeeren Tabaken wegführen will. Der Old Dublin ist der richtige Tabak dazu. Fast ein wenig zu leicht in der Geschmacksdichte, mit wenig Nikotin – dennoch ein gelungenes, englisches Rauchvergnügen. Auch über die sogenannte Raumnote werden Sie von mir nichts hören. Ein Engländer riecht wie ein Engländer und Sie werden sich in einer Parfumerie oder bei Ihrer militant nichtrauchenden Tante nicht gut Freund machen.

Man kann einige Geschütze gegen ihn auffahren, da fallen mir die Skiff Mixture und der Squadron Leader von Samuel Gawith ein, keineswegs aber die Dunhill Mixture 965, wie in manchen Foren zu lesen ist. Das ist eine ganze andere Nummer.

 

Peterson Old Dublin
Made in Denmark  by STG
50 g Runddose

 




Der Wi(e)dergänger – Robert McConnell „Old London“

Robert McConnell`s Old London hat eine ähnlich zerfledderte Vita wie der Capstan, die Three Nuns, Dunhill Tabake oder die von Charles Rattray und zeigt einmal mehr den Niedergang der alten, traditionsreichen englischen Pfeifen-Tabakmanufakturen auf. Letzlich sind viele englische Tabake mit einer klangvollen Historie auf dem Kontinent* gelandet, entweder bei der Scandinavian Tobacco Group (STG), MacBaren oder Kohlhase & Kopp.

C.E. McConnell Ltd war ein kleiner Tabakhersteller in London, der von 1848 bis 1989 existierte und in seinen letzten „Lebensjahren“ nahezu ausschließlich OEM Tabake hergestellt hat, also Tabake für andere Brands, darunter für Rattray und Wessex, aber auch für zahlreiche US Distributoren wie z.B. Marble Arch. Unter anderem gingen die letzten Inhaber der Firma, die Brüder Ken und Michael McConnell (einen Robert hat es nie gegeben, das ist eine „Marketing Erfindung“, Robert McConnell war schlichtweg ein wohl nicht registrierter Zusatz zum rechtlichen Firmenamen) eine Liaison mit William Ashton-Taylor ein, der als Ergänzung zu seinen Ashton Pfeifen eine Tabaklinie aufbauen wollte. Und so wurde u.a. neben Black Parrot, Celebrated Sovereign, Original Old Church, Brindle Flake, Old Dog auch der Ashton Old London Pepple Cut geschaffen.

Als C.E. McConnell nach 141 Jahren 1989 geschlossen wurde, übernahm Kohlhase & Kopp (K&K) quasi den Nachlaß und fertigte die Tabake für Europa und die USA, bis der letztere Markt von Ashton an McClelland vergeben wurde. Letztlich aber ging 2005 die Gesamtfertigung wieder zurück an K&K, die allerdings im Gegensatz zu McClelland nicht mehr die identischen Rezepturen von C.E. McConnell verwendeten, wie es ja so häufig bei Markenübernahmen geschieht. Die Robert McConnell Reihe (Robert McConnell Original und Heritage) ist nun vollständiger Bestandteil des K&K Portefeuille. Von der ursprünglichen C.E McConnell Ashton Reihe werden von K&K nur noch Black Parrot, Sovereign und Old London hergestellt, allerdings gibt es von K&K unter den Brands Robert McConnell und Ashton eine ganze Reihe weiterer, bemerkenswerter Tabake. Über die zunächst als Dunhill-Ersatz geplante Heritage Linie haben wir hier und in weiteren Artikeln ausführlich berichtet.


Der Robert McConnell Old London ist ein naturreiner Virginia Perique Flake mit Orientanteil (?), dem abweichend von den Ursprungsrezepturen in der K&K Version Black Cavendish hinzugefügt ist. Hergestellt wird der Basis Flake von STG, K&K übernimmt die Konfektionierung. Der Schnitt wird seit jeher mit Pebble Cut bezeichnet, was immer das sein mag. Ich würde ihn eher Ribbon  nennen, wie wir ihn vom Honeydew Flake  – jetzt Golden Flake  – vom Tobacconisten Pfeifen Huber her kennen. In der hohen 100g Dose liegt das breite Tabakband säuberlich gerollt und zeigt ein wunderschönes Bild.

Der Duft aus der geöffneten Dose ist wundervoll. Backflaumen, Heu, Pumpernickel, alten Port vemag ich zu riechen, alle Gerüche völlig naturrein. Die abrundende leichte Süße des Tabaks, im Duft wie auch im Geschmack, stammt vom nussigen, hellbraunen sowie einem aromareichen roten Virginia. Louisiana Perique bringt Würze…… und der Orient-Pfeffer? Nicht sicher bin ich, ob tatsächlich noch Mazedonischer Orienttabak Teil der Mischung ist. Ich vermute, dass der von der Ur-Rezeptur abweichende Black Cavendish diesen ersetzt hat. Allenfalls dürfte sich Orient nur noch in homöopathischen Mengen zu finden sein.

 

Das Flake-Band ist perfekt konditioniert. Sehr leicht lassen sich bröselfrei Stücke abdrehen. Ich befülle die Pfeife wie gewohnt mit Knick&Falt, die beste Methode, gepresste Tabake als einheitliche Komposition zu erfahren. Wer davon nicht überzeugt ist, nur über eingeschränkte Fingerfertigkeiten verfügt oder einfach seinem alpinen Widerspruchsgeist folgen muß, läßt es bleiben und bringt den Tabak in die Pfeife, wie er es mag, meinetwegen auch pulverisiert. Bei Knick&Falt darf der Tabak nicht zu fest gestopft werden, denn er quillt leicht bei zunehmender Hitze. Und deshalb gilt hier wieder einmal mehr: langsam, langsam rauchen. Windumtoste, regengepeitschte Mittagspausenrauchplätze meiden, denn auch die kleinste Flakepfeife braucht für den uneingeschränkten Old London Genuß länger als eine halbe Stunde.


Old London Pebble Cut ist ein komplexer Tabak, der ein vielschichtiges Geschmackserlebnis verschafft. Einerseits bringen die unterschiedlichen Virginias Süße und eine gewisse, nussige Leichtigkeit, während der Perique für Kraft und Würze zuständig ist. Ob der Orientersatz Black Cavendish zu einer großen Abweichung von der Ashton / C.E. McConnell /McClelland Old London Version führt, weiß ich nicht. Eine 100g Dose wurde kürzlich auf ebay für 200 US $ angeboten, das waren mir dann doch 5 $ zuviel, zumal mir der K&K Tabak hervorragend schmeckt. Orient hin oder her.

 

Obwohl kein Latakia in der Mischung verwendet wurde, möchte ich den Old London als einen typisch englischen Virgina-Perique Flake bezeichnen, der einen Hauch Nostalgie in den Genuß einbringt.  Eine geringe geschmackliche Nähe zum Rattray Marlin Flake ist feststellbar, kommt dieser letztlich ja auch von K&K.

Unterstützt habe ich das hervorragende Raucherlebnis mit einem wundervollen 2007er Niepoort Vintage Port, dessen Tiefe und Vollmundigkeit die des Old London perfekt abrundet.

 

* [Ironie ein]Ob der Brexit den zwei (drei) verbliebenen britischen Manufakturen Samuel Gawith & Gawith & Hoggarth und J.F. Germain & Son zum Wohl gerät oder zumindestens nicht schadet, bleibt abzuwarten. Womöglich werden sie dann ebenfalls in Dänemark oder Deutschland, also in der EU hergestellt.[Ironie aus]

 

 

 

 

 

 




Tabakdosen Design für die neue HU Tobacco Kollektion

Das Frühjahr wird irgendwann doch noch kommen und damit auch die neue Tabak-Kollektion Frühjahr 2020 von HU Tobacco.
Aus dem Hause Hans Wiedemann wird es drei neue Tabake geben, bzw. Tabake, die überhaupt nicht neu, sondern im Gegenteil sehr alt sind.
Der Tabakblender aus dem Ries hat vor gut zwei Jahren drei Tabak-Mischungen im Klimaraum bei Kohlhase&Kopp einlagern lassen und wird sie vermutlich rechtzeitig zur Pfeifenmesse in Hamm (die Lohmarer Pfeifenmesse gibt es ja nicht mehr) vorstellen. Im Vorfeld ist bei so einer Neuerscheinung viel zu tun und so natürlich auch Etiketten zu entwerfen, was auch dieses Mal wieder mein Job war. Das wundervolle an einem solchen Auftrag ist, dass man schon mal einen ersten Blick, viel mehr ein paar Pfeifenfüllungen vorab erhaschen kann.

Bei den neuen Tabaken handelt es sich um eine Virginiamischung, einen Virginia/Perique und einen gemäßigten Engländer.
Ich habe alle drei geraucht, möchte aber nach ein paar wenigen Pfeifenfüllungen kein abschliessendes Urteil oder gar ein Review verfassen. Erstens ist es dafür noch zu früh und zweitens bin ich vermutlich auch nicht der genaueste Analytiker. Deshalb werde ich mich eher künstlerisch zu den drei neuen „Alten“ äussern. Die erste Idee, die mir in den Sinn kam, als mir Hans Wiedemann von seinem Plan, Tabake zu „agen“ berichtete, war ein Faß. Faßlagerung assoziiert man mit kultivierter Reifung. Altes Holz, liebevolle Behandlung, kurzum „Reife“, statt nur „Alter“.  Nicht nur der Kopf ist rund, auch ein Faß und eben auch eine Tabakdose (zumindest von einer Seite betrachtet).

Das Label sollte also eine Faßanmutung bekommen und weiter lief die kreative Assoziationskette. Fässer verbindet man mit Rum, Whisky, Wein, Branntwein, Bier … Letzteres fällt aus, weil da Alterung nicht positiv besetzt ist. Aus irgendeinem Grund blieben wir bei etwas „spanischem“ hängen … Mir kam es irgendwie spanisch vor 😉 … (Portwein ist für mich auch irgendwie spanisch … warum auch immer). Im Spanischen gibt es so tolle Bezeichnungen „Gran Reserva“, „Limitada“ und dann das grandiose ñ in Años. („ALT“ „n“ und dann „n“ auf dem Apple und „ALT“ und 0209 (Ñ) oder 0241 (ñ) auf dem Ziffernblock)

Bei den Namen der Tabake schlug ich deshalb etwas aus der spanischen Kultur vor. Vielleicht Cervantes, Goya, Velázquez … Ganz am Ende mit unseren Überlegungen sind wir noch nicht … Bis auf Rocinante, das Pferd von Don Quixote der Name gefiel uns spontan so gut … aber noch ist nichts final.

Das Faß malte ich mit Guache auf Gessokarton und bearbeitete es dann in Photoshop und Indesign zu einem ersten Label, welches ich dann in ein sogenanntes Mockup umwandle, welches ihr hier schon mal vorab zu sehen bekommt. Und weil ich ja, wie vielleicht einige von euch wissen, schon seit längerem unter die YouTuber gegangen bin, lag es natürlich nahe, einen kleinen Film über den Design-Prozess zu drehen.

Darum werde ich jetzt auch gar nicht mehr so viel dazu schreiben, sondern sage: „FILM AB:“

Ein seriöses Review der Tabake wird es hier sicherlich auch bald geben, aber vielleicht von einem anderen (etwas seriöseren) Autor dieses Blogs. Da wird dann bestimmt auch geklärt werden, ob sich der Aufwand und die damit verbundenen Kosten der Lagerung von Erfolg gekrönt waren.
Eines kann ich schon vorab spoilern: (ich verrate es im Film ohnehin) Einer der drei Tabake ist, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, der absolute Wahnsinn …




Juragan Icoqu | Light Tamarin

Es ist immer so eine Sache, einen Bericht über einen Pfeifentabak zu schreiben, den man praktisch hierzulande trotz Internets kaum erwerben kann. Trotzdem ist dieser Tabak so interessant und für unsere Verhältnisse derart exotisch, dass ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten möchte.

Singapur Botanischer GartenZu den nennenswertesten landwirtschaftlichen Relikten der niederländischen Kolonialzeit in Indonesien gehört der Tabakanbau. Wir kennen hier hauptsächlich Sumatra und Java als Hauptanbaugebiete, die erstere Insel bekannt für ihre Zigarrentabakproduktion, die zweite nicht zuletzt für den Anbau von Pfeifentabak, der bis in die 50er Jahre – über den Handelsweg Niederlande – auch das Pfeifentabakangebot bei uns maßgeblich prägte. Dass in der Sulawesi Region, einer Insel zwischen Borneo und Papua-Neuguinea, auch Tabak angebaut wird, war mir bis vor kurzem vollkommen unbekannt. Genauer bis zu meinem letzten Besuch in Singapur im Dezember letzten Jahres, als mir unser lieber Freund David bei der samstagnachmittäglichen Pfeifen- und Zigarrenraucherrunde im Grande Vida eine durchsichtige Ziplock-Verpackung mit ausgesprochen seltsam anmutendem Tabak in die Hand gedrückt hat, die er bei einem seiner zahlreichen Aufenthalte in Indonesien erworben hatte. Er sagte mir, dass der Tabak aus Sulawesi von einem manufakturähnlichen Betrieb Namens Juragan Icoqu stammt und erklärte mir, was es mit dem seltsamen Aussehen des Tabaks auf sich hat. Dazu aber erst etwas später, denn unabhängig vom individuellen Herstellungsprozess haben wir es bei den indonesischen Pfeifentabaken, von denen ich inzwischen auch ein paar andere von anderen Herstellern kenne, mit einer Besonderheit zu tun: der Produktionsprozess von Pfeifentabak ist in den allermeisten Fällen aufgeteilt zwischen landwirtschaftlichem Tabakanbau, Handel mit Tabak und der Aufbereitung und Erstellung der Mischungen plus Marketing. Das ist in diesen Fällen anders, denn hier ist der komplette Herstellungsprozess in einer Hand und an einem Ort, das heißt grob gesagt, dass der Tabakbauer auch die Reifung, das Aufbereiten und das Mischen übernimmt. Für Pfeifentabak ist das sehr ungewöhnlich und es erklärt aber auch, warum diese Tabake in erster Linie auf dem inländischen, also indonesischen Markt vertrieben werden.

Juragan IcoquJuragan Icoqu stellt eine kleine Palette verschiedener Tabake her, die sich, soweit ich das sehe, in ihrem Grundherstellungsprozess alle mehr oder weniger ähneln, sich allerdings in ihrer Aromatisierung voneinander unterscheiden. Ein überhaupt nicht aromatisierter Tabak von Juragan Icoqu ist mir unbekannt. Wie der Name schon sagt, ist der Light Tamarin, also der Tabak um den es hier im Nähreren geht, mit Tamarinde aromatisiert. Das allerdings so dezent, dass die Aromatisierung kaum ins Gewicht fällt.

Das erste, was meinen Blick auf sich gezogen hat, als ich den Tabak bekommen habe, war dieses seltsam flache fast zusammengepresste fladenähnliche Gebilde sehr dunklen Tabaks, das sich in der Mitte des Ziplockbeutels abzeichnete. Wie die Scheibe eines Bohrkerns mutet der Tabak an, der sich, wenn man genauer hinschaut, als leicht gepresster und extrem feingeschnittener Ribbon Cut entpuppt. Vom klassischen Feinschnitt unterscheidet ihn lediglich die deutlich geringere Länge der feinen Streifen und das vereinzelte Vorhandensein einiger breiterer und größerer Blattteile. Diese fallen farblich mit ihrem dunklen Braun auch etwas heller aus als der feingeschnittene tiefschwarze Rest.

Jurangan Icoqu Light TamarinDavid erklärte mir, dass es sich bei dem Tabak um Firecured Burley handelt (ich würde denken, dass da auch Virginia mit drin ist) und dieser Tabak wird für den Curing Prozess bereits geschnitten, teilweise mit Palmsirup gesüsst, in relativ große Bambusrohre gepresst, die verschlossen werden. Auf diese Weise wird der Tabak in den Bambuspaketen zwar erhitzt, kommt aber relativ wenig in Kontakt mit dem Rauch der Feuer innerhalb der Scheune. Ist der Prozess abgeschlossen, wird der Tabak, der die zylindrische Form des hohlen Bambusrohres angenommen hat, in Scheiben geschnitten und portioniert. Eine solche Scheibe ist in dem Ziplockbeutel. Bemerkenswerterweise ähnelt dieser Curing Prozess, abgesehen natürlich von der Dauer, dem Herstellungsprozess von Lemang, einem klassischen indonesischen Reisgericht, bei dem Reis mit Kokosmilch in Bambusrohren verpackt über offenem Feuer gekocht wird. Von unseren westlichen Tabaktypen ähnelt der Juragan Icoqu Light Tamarin am ehesten einem nicht oder eben sehr dezent aromatisierten Black Cavendish.

Jurangan Icoqu Light TamarinWie aber raucht sich dieser Tabak und wie schmeckt er? Wie oben schon erwähnt, ist der Juragan Icoqu Light Tamarin relativ fein geschnitten und kommt auch ein bisschen trocken daher, was sein Abbrandverhalten nicht ganz unproblematisch gestaltet: er brennt relativ schnell und tendenziell auch heiss, was man einerseits korrigieren kann, in dem man den Tabak etwas befeuchtet, behutsam raucht und Pfeifen benutzt, die kleinere Brennkammerdurchmesser aufweisen. Berücksichtigt man das, dann belohnt einen der Tabak mit einem sehr tiefen intensiven vollem Malzgeschmack mit leichter Rauchigkeit, der erstaunlich wenig süss wirkt. Ich hatte hier deutlich Süsseres erwartet, was vermutlich damit zu tun hat, dass der Tabak, wenn überhaupt, nur sehr dezent gesüsst wurde und das ganz leichte Tamarindenaroma mit seinen säuerlichen Holznoten das sehr gut balancieren kann. Macht sich dieses Tamarindenaroma im Geschmack erst relativ gegen Ende einer Füllung bemerkbar, so riecht man es im ungerauchten Tabak sofort, indem es eine Spur dieser McClelland Ketchupnote beisteuert, die bei der Kombination von Malzsüsse und Säure entsteht. Geschmacklich hat der Tabak allerdings nichts mit McClelland zu tun! Deutlich sagen muß man, dass der Juragan Icoqu Light Tamarin relativ nikotinstark ist, was ich aber ausgleiche, indem ich kleine Pfeifen benutze.

Da sich der Tabak geschmacklich über die gesamte Füllungslänge hin, von der Zunahme des Tamarindenaromas gegen das Ende abgesehen, kaum verändert, sind kleinere Pfeifen für mich hier eh die bessere Wahl. Der Eindruck, den der Tabak hinterlässt, ist sehr direkt, sehr vollmundig mit einem durchaus rustikalen Charme, der als Abwechslung zu meinen englischen Mischungen oder den VA/Periques große Freude macht. Als Alltagstabak wäre er mir nicht vielschichtig genug. Wenn man aber die Gelegenheit hat, einen solchen Tabak zu probieren, sollte man sich nicht scheuen…

 




Ein Gruß mit Rückblick: 2019

Pfeifenblog.de wird betrieben von drei Köpfen, die in ihrer Ausprägung, den Ansichten und „Irgendwie und Sowieso“ durchaus eigenständig und unterschiedlich sind. Und so ist es nur logisch, dass der Rückblick auf das heute zu Ende gehende Jahr 2019 verschiedene Sichtweisen erlaubt. Das ist alles andere als dogmatisch und so leistet sich der Blog demnach auch drei Rückblicke. Unseren Abonnenten und der Leserschaft wünschen wir einen geruhsamen Übergang in das nächste Jahr. Bleiben Sie uns gewogen.

Ihr TRIO PFEIFENBLOG


BODO FALKENRIED

Jahresrückblicke sind längst nicht mehr, was sie waren. Erstens wurde das Jahr auf 11 Monate gekürzt, da vermutlich die „Moderatoren“ dieser bahnbrechenden Medienereignisse die Zwölf, vom „Dutzend“ ganz zu schweigen, nicht mehr kennen, so daß der Dezember  nicht mehr vorkommt. Ob die meisten von ihnen ohnehin nicht einmal bis Drei zählen können, lasse ich offen. Also, zu Beginn des Fernsehzeitalters gab es exakt am 31.12. eines Jahres den Jahresrückblick, zuerst im Ersten, später dann gefolgt von den Mainzern. Und bei beiden Sendern hieß die Sendung Jahresrückblick und nicht wie heute z.B. beim Herrn Überflüssig Lanz „Menschen 2019“ mit Sarah Connor, den Toten Hosen und der Kelly Family, gesendet bereits am 20.Dezember. Demnach ist für die restlichen 11 Tage des Jahres diese Spezies scheinbar eliminiert. Politik gibt es bei dem Lanz-Format nur marginal, dafür aber ein bedeutsames Statement vom neuen Kapitän der Nation, dem diese Rolle eine Herzensangelegenheit sei, kann aber eigentlich noch nicht als Rückblick gelten, denn er gleitet erst heute Abend zum ersten Mal durch die Gewässer. Zurück blicken auch Dieter Bohlen und ein gewisser Bruce Darnell (?) bei RTL, im SAT gibt es gleiche mehrere Jahresrückblicke, darunter besonders erwähnenswert der von Annemarie Carpendale am 17.12. in Prosieben, wer immer diese Dame auch ist.

Eine Inflation finden wir bei den satirischen Jahresrückblicken und eingedenk der Tatsache, daß heute jeder, der einen Satz in normaler deutscher Umgangssprache nicht einmal unverständlich beenden kann, bereits ein Comedian sein soll, gilt offensichtlich als TV-Förderprogramm für diese Semantik-Eleven. Gespannt sein darf man wohl nur auf die Platzhirsche des Genres, Dieter Nuhr und den klugerweise unterjährig so abwesenden Urban Priol mit TILT.

Wie anders sieht es da in der unüberschaubaren, riesigen Gemeinde der Pfeifentabakgenießer, Pfeifen- und Zigarrenrauchern aus, mit ihrer stetig wachsenden Anzahl von abermillionen Mitgliedern? Wie hat sich deren Welt in 2019 gedreht, wann ist sie stillgestanden , wann hat sie Fahrt aufgenommen und wie lange wird das noch alles so weitergehen? Wobei letztere Frage ja in einem Rückblick gar nicht gestellt werden darf.

Der Anfang des Jahres hat uns den bereits im letzten Quartal 2018 Fahrt aufnehmenden Tsunami um die Dunhill Tabake deutlicher beschert, der dann im Juni/Juli gerüchterweise und endlich im September realiter die Welt der Dunhillianer wieder eingenordet hat. (Fast) alles wieder da und alles wieder unverändert wie zuvor, STG sei`s gedankt. Den Robert McConnell Heritage-Spuk von Kohlhase & Kopp mag man als durchaus daseinsberechtigtes Interregnum betrachten, wenn es auch in die Nähe einer Eselei gerückt werden kann. Egal, Schnee von …. diesem Jahr.

Planta hat die Segel gestrichen und ist unter das Dach von MacBaren geschlüpft, das Unternehmen existiert nicht mehr. Dafür ist Hans Wiedemann mit seiner HU Tobacco kreativ wie eh und je, wahre Meisterleistungen sind der Dark Moor und die Night Owl geworden. Das bayerische 100jährige Jubiläum der Abschaffung der Monarchie brachte uns u.a. den Kurt Eisner Tabak und ….. das war es auch schon. Ansonsten gähnende Langeweile an der Tabakfront (eigentlich haben wir doch alles, was wir uns wünschen) und gleiches gilt auch für die Holzfront. Alte Protagonisten, die üblichen sicheren Bänke, wenig Neues und Kreatives, in Deutschland macht einzig CO Pipes neugierig. Anders in Asien, wo sich viel Interessantes auftut, zum Beispiel in Taiwan und Indonesien.

Zugenommen in 2019 hat die Anzahl der You Tube Kanäle, die Wissen und Anreiz rund um Pfeife und Tabak bieten wollen. Hier sehen wir eine ähnliche Entwicklung wie bei den satirischen Jahresrückblicken: nur wenige sind berufen. Bei diesen Formaten ist festzustellen, dass die Sprechpausen durch unzählig zu wiederholendes Anzünden der Pfeife oftmals mehr Zeit einnehmen als die eigentliche Berichterstattung. Das es eine Schneidetechnik gibt, scheint da keine Rolle zu spielen.

Fazit kurz und bündig: Der zum Jahresanfang erwähnte Tsunami hat sich sehr schnell in ein schmalbrüstiges, plätscherndes Rinnsaal geformt und so war das gesamte pipologische Jahr 2019.


ALEXANDER BROY

Ich habe schon seit Jahrzehnten kein „Fernsehen“ mehr geschaut, deshalb kann ich zu dieser Form von Jahresrückblick wenig beitragen, aber dass am 20. Dezember ein erster Jahresrückblick erscheint, ist nicht ganz unsinnig. Der 20. Dezember ist der Tag des Ungläubigen Thomas und in einigen Kulturen beginnt mit diesem Tag die Zeit der Raunächte. Die alten Kalender konnten die Tage der Sonnenwenden nicht so genau bestimmen und so blieben durch ein paar Rechenfehler immer ein paar Tage übrig. Das sind die Raunächte, die nicht den Lebenden, sondern den Toten, den Göttern, Geistern und Dämonen gehören. Am 20. schlachtete man einen Eber einerseits als Opfer und andererseits als Weihnachtsschmaus, denn während der Raunächte verlässt man besser nicht sein Heim. Ob man nun einen heiligen Eber schlachtet, oder nur wieder eine andere Sau durchs Dorf treibt, egal. Das Jahr ist rum, da kommt nichts mehr, ausser der Perchta oder dem Heiland.

Was das Tabakjahr angeht, so gab es für mich tatsächlich auch nur diese drei Tabake Kurt Eisner Tabak, Dark Moor und die Night Owl da stimme ich meinem Vorredner zu.  Hans Wiedemann hat spätestens mit diesen Dreien bewiesen, dass HU-Tobacco zu den ganz Grossen zählt. Diese drei Tabake waren auch mit Abstand seine erfolgreichsten Kreationen. Ich freue mich sehr, dass wir zu diesem Erfolg auch einen kleinen Teil beitragen konnten. An Planta verschwende ich keinen einzigen Gedanken (Mist, schon passiert) und Dunhill ist eine wunderbare Erinnerung an vergangene, goldene Zeiten. Ob die Navy Rolls von Dunhill, STG, Peterson oder sonst wem kommen, ist mir egal, ich rauche nur Escudo 😉 (Egal, ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien)

Ich liebe YouTube und ich mag auch die neuen und alten „Pfeifen-Tabak-Youtuber“. Viele Videos haben vielleicht nicht den „Production-Value“ von HBO und nicht jeder PfeifenTuber hat das Charisma von Luis Trenker oder auch den Sachverstand von … weiss nicht ich hör jetzt auf … aber es ist eine nette, sympathische und liebenswerte Community entstanden, die zwischen lehrreich, meditativ, entspannend und (auch unfreiwillig) komisch schwankt. Also ich schau da sehr gerne immer wieder rein.
Und da ich der einzige von uns Bloggern bin, der einen Facebook-Account hat, will ich auch da einen kleine Rückschau liefern.
Die Foren sind tot, danke DSGVO! *Sarkasmus-Schild-hoch* was blieb sind ein paar Blogs und Facebook. Und auch auch was dieses sonst sehr zwiespältige Social-Network angeht, hege ich was die Pfeifengruppen angeht auch dahingehend überwiegend positive Gefühle. Auch da sind viele sympathische, nette und auch kauzige Menschen unterwegs, die man einfach gern haben muss und von denen man gern Bilder sieht und Geschichten liest. (Naja, nicht alle, aber eben doch recht viele).

Von mir also nur Versöhnliches, 2019 war für mich ein schönes Pfeifenjahr. Kommt gut rüber, bleibt gesund, bis nächstes Jahr, euer Alexander.


PETER HEMMER

Mit den Rückblicken ist es immer so eine Sache. Sie machen nur Sinn, wenn man so Erblicktes mitnimmt in den Blick nach vorne. Und trotz manchen Lichtblicks war das Jahr 2019 in fast jeder Hinsicht ein eher dunkles Jahr, auf das wir da zurückblicken.

Mein persönlicher Lichtblick – und das meine ich vollkommen ehrlich und aufrichtig – ist Greta Thunberg! Nicht, dass sie schnell mal die Welt verändert hätte, die Klimaerwärmung gestoppt oder das Artensterben aufgehalten hätte, oder wir schlechte Menschen wären, weil wir nicht im Segelboot reisen. Nein, es ist diese bewundernswerte Kompromisslosigkeit, mit der sie versucht, sich unserem kollektiven Selbstmord auf Raten entgegenzustellen und an der all diese professionelle, gezielt ins Nirwana führende Kompromissphrasendrescherei des Politbetriebes einfach mal folgenlos abperlt!

Uns kommt unsere Lebensgrundlage abhanden. Mal wird sie uns weggespült, dann trocknet sie uns weg oder sie brennt uns weg und sie stirbt uns weg, immer irgendwo, immer in noch bedrohlicheren Ausmaßen, erst reicht noch das Saarland als Größenvergleich, dann ist es Brandenburg und ein Ende ist irgendwie nicht in Sicht. Da sitzt jemand bei einem Vortrag in der LMU und ein Agrarwissenschaftler erklärt, dass in Bayern aufgrund des Insektensterbens und des Klimas Landwirtschaft, je nach Gutachten, in 10 – 30 Jahren unmöglich sein würde. Nicht im australischen Busch oder im Mündungsdelta Bangladeshs, nein bei uns!

Und dann schauen wir uns an, wie politische Entscheidungsprozesse bei uns ablaufen. Mit ihren verdeckten Lobbyschlachten, dem anbiedernden Kampf um Wählerstimmen, die von immer mehr alten Menschen stammen, obwohl Politik langfristig für junge Menschen gemacht werden muss. Das alles gestaltet sich schwierig und braucht Zeit. Zeit, die wir nicht mehr haben. Von globalen wirtschaftlichen Interessen und nationalem Machtstreben ganz zu schweigen. Und dem stellt sich dieses Mädchen entgegen – „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen.“ – und blamiert diesen ganzen Zirkus bis ins Mark! Wir sollten uns ein Stück von diesem Lichtblick mitnehmen!

Pfeife 2019? Gab’s da was außer Horror?

Untaugliche Influencer, die eher ihrer eigenen Eitelkeit fröhnen als die horriblen Entwicklungen, an denen sie teilweise selbst Schuld sind, zu benennen. Immer mehr Pfeifenmacher, die immer weniger können – Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Fachhändler, der mit 65% Rabatt einen der besten deutschen Pfeifenmacher aus seinem Sortiment schießt und damit natürlich beschädigt, einfach, weil sich dessen Pfeifen nicht von ganz alleine verkauft haben.

Und letztlich das Aus von Butz-Choquin im September. Mal nur zum Überlegen: da geht es nicht nur um eine Marke mittelprächtigen aber durchaus seriösen Rufs weniger, da geht es viel mehr um einen der großen Zulieferer der Pfeifenwelt. Das ist Krise pur, denn wenn da noch andere nachfolgen, wird es keine Coupeure mehr geben, denn die leben nicht von der Hand voll Kanteln, die sie einzelnen Pfeifenmachern verkaufen, die leben von den Mengen für die Industrie. Das ist eine existenzielle Frage für das Fortbestehen der Pfeifenkultur. Was kann man machen? Serienpfeifen, wenn es nicht seltene oder alte Sammlerstücke sind, gefälligst nicht als Estates kaufen! Leute, die auf Pfeifenmessen stolz mit einer Plastiktüte voll unaufgearbeiteter einfacher Serienpfeifen daherkommen und deren Verkäufer, dienen nicht der Pfeifenkultur, das sind die Totengräber derselbigen! Das gilt natürlich genauso für den Online-Handel! Der Markt ist eh schon so unter Druck, da sollten diejenigen, die ihn stützen könnten, ihn nicht auch noch schwächen, in dem sie sich keinerlei Gedanken machen, welche Folgen ihr Kaufverhalten hat.

Und Tabak?

HU Tobacco „Darkmoor“ forever! Mein Tabak des Jahres! Und vor allem, die Freude, zu sehen, wie Hans Wiedemann mit einem Tabak, der stilistisch so sehr „seiner“ ist, einen richtigen Volltreffer gelandet hat! Gleich danach folgen auch bei mir der „Kurt Eisner“ von HU für Huber und der Night Owl. Anders als Bodo bin ich aber auch ein großer Fan der McConnell Heritage Reihe, denn da sind etliche Tabake, die deutlich interessanter geraten sind als ihre Vorbilder und deshalb für mich einen Gewinn darstellen. Dieses Marketingdesaster am Anfang hin oder her, die Tabake sind erstklassig! Und die Wiedergeburt der Dunhills als Petersons ist für Leute, die immer schon 911er gefahren haben und denen jetzt wurscht ist, dass da nicht mehr Porsche sondern FIAT drauf steht. Recht so, schließlich rauchen wir keine Dosen mit ihren Etiketten sondern den Inhalt und der ist gut!

In der Süddeutschen der letzten Tage war zu lesen, dass in deutschen Haushalten mehr als ein Drittel allen gekauften Brotes weggeworfen wird, dass die Anzahl der SUV Zulassungen auf einem Rekordhoch ist und weiter steigen soll, und vor allem, dass 15% der jährlichen Feinstaubbelastung ausschließlich in der Silvesternacht erzeugt wird! Für unsere Gattungsbezeichnung haben wir „Homo sapiens“ gewählt, irgendwann mal, wobei sapiens für „verständig, vernünftig, klug, weise, einsichtsvoll“ steht. In diesem Sinne mit dem schönsten und lustigsten aller Silvesterfeuerwerke ins Neue Jahr 2020 mit allen guten Wünschen!

 

 

 




Dupont: Blödsinn ohne System

Ein Feuerzeug ist ein Feuerzeug ist ein Feuerzeug. Wir Pfeifenraucher wissen, daß es ein nachgerade sinnentleerter Spruch ist. Vielmehr gilt, daß die Wichtigkeit dieses Utensils gleich nach Pfeife und Tabak gesetzt ist, also noch vor Stopfern und Reinigern. Unikate Anwender von Streich- oder Zündhölzern, die man in der Regel oftmals in einsamen Almregionen in den Landschaften um Tirol herum noch antrifft, mögen hier bitte nicht weiterlesen. Das am weitesten verbreitete Feuerungsmittel ist zweifelsohne das „Old Boy“ des japanischen Herstellers ITT Corona. Ein edles, nahezu unkaputtbares Werkzeug, ohne das ich z.B. nie außer Haus gehe. Ich kann wundersame Geschichterln aus über 50 Jahren mit Old Boy erzählen, vielleicht mache ich das am Ende dieses Artikels.

Jetzt aber zum besten aller besten Feuerzeuge. Das stammt vom Franzosen, nein, nicht vom Emmanuel. Auch nicht vom Chemie- und Life Style Multi DuPont. Ich spreche von der Pariser ST Dupont.

ST ist das Initial des Gründers Simon Tissot Dupont, der 1872 eine Werkstatt für erlesene Reisekoffer ins Leben rief. Aus Gründen, die nun einmal in der Bestimmung der Menschen liegen, hat der Gründer die Aufnahme der Feuerzeugherstellung ab dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt.

Ich rauche und sammle (vor allem) Pfeifen seit genau 52 Jahren. Niemals habe ich eine Zigarette oder gar eine Zigarre angerührt. Letzters mag sich vielleicht einmal ändern, zumal die Anzahl der „auch Zigarren“-Raucher in meiner Umgebung zunimmt. Am Anfang standen die Welthölzer, dann aber begann mit dem Ende der studentischen Klammheit das werkzeugunterstützte Zünden. Natürlich mit Old Boys, die unverändert eingesetzt werden.

Irgendwann bekam ich ein Dupont in die Hand. Und war hin und weg. Was für eine Präzision bei Material und Funktion, was für eine Wertigkeit und …. ganz wichtig ….was für eine Haptik. Dazu der hi-fi taugliche Klang des zuschnappenden Deckels. Kein ZIPPO Gescheppere, sondern ein ikonischer, sonorer, mitteldumpfer Ton mit ganz leichtem Delay. Der TabaK & Pfeifenhändler meines uneingeschränkten Vertrauens  aus dem Münchner Tal brauchte mich nicht zu überreden und nachdem das Dupont von ihm auf Pfeifenbetrieb umgerüstet wurde, ward ich zum Adepten dieser Luxusmarke. Das alles ereignete sich in den 1980er Jahren und Dupont ist seitdem ein Synonym für höchste Zufriedenheit für mich. Bis gestern.

Das Befüllen unserer Zündwerkzeuge – egal ob Dunhill oder Old Boy – verläuft aus verschiedenen Anlässen immer mal wieder aus dem Ruder. Wir kennen das und brauchen diesen Umstand nicht weiter zu vertiefen.

Nicht so bei Dupont. Da gibt es eine Kartusche, die exakt der Füllmenge des Tanks entspricht und über ein Schraubgewinde verfügt. Diese Schraubverbindung ist der Clou, der zu einer präzisen, verlustfreien Füllung führt. Passt zum Perfektionsanspruch von Dupont. Außerdem: selbst wenn ich mein Dupont über Monate hinweg nicht benutze, nie entweicht Gas. Nun haben offensichtlich diese überall präsenten Kostencontroller oder schwachmatige Marrkettingnianer auch bei der St Dupont zugeschlagen und sind wohl der Meinung, dass eine Profitsicherung nur durch Fortfall der bewährten Gaskartusche zu erreichen sei.

Und so gibt es sie nicht mehr und der Luxus-Affine muß sich nun in die Reihe der schnöden Allzweckgasflaschennutzer einreihen. Wie doof ist das denn? Eine technische perfekte Prozedur wird durch ein oftmals tückisches Verfahren ersetzt. Nun muß mit irgendwelchen Adaptern an der Allzwecksampulle gearbeitet werden, um in das Innengewinde des Feuerzeugs zu passen. Und die schiere Lust am Objekt ist getrübt.

Was bleibt? Zurück zum Old Boy und / oder Zündhölzern.


Ach so, ja, die Geschichterl.

Es war im Juli 198? im Hafen von Paimpol an der Côtes-d’Armor in der Bretagne, jahrelang mein „Heimathafen“ im Juli und November. Zwei Mal im Jahr findet sich die „Grande Marée“ ein, die Große Ebbe, bei der sich der Tidenhub bis zu 20 m auswirkt. Man segelt einige Meilen hinaus und steht dann mit zunehmend abfliessendem Wasser irgendwann auf dem Meeresgrund. Ideal zum Suchen von Muscheln aller Art, die roh unter Zuführung einiger Flaschen Sauternes genossen werden. Meine Favoriten sind die Praire mit ihrem nußgleichen Geschmack und ihrer wundervollen Bißfestigkeit. Wie auch immer, irgendwann setzt die Flut ein und man begibt sich peu à peu zurück in den Hafen.

Erst die Flut – dann die Ebbe, in etwa gleicher Standort

Sei es, daß der Sauternes ein gut Maß daran hatte oder am Ende das Boot sogar ein wenig angetrunken war, jedenfalls fiel mir mein altes, bewährtes Old Boy, das mit dem rotbraunen Bruyeremantel, beim offensichtlich untauglichem Versuch, eine Pfeife anzuzünden, direkt zwischen Bordwand und Kaimauer ins wieder voll geflutete Hafenbecken. Entkleidet war ich schnell und Schillers Taucher („ich wag es [..] zu tauchen in diesen Schlund“) brachte mir zusätzlichen Ansporn, obwohl ich dessen nicht gebraucht hätte. Dennoch war den zig-„Tauchgängen“ kein Erfolg beschieden und mit großer Trauer mußten einige Flaschen Cidre brut, nur wenige Stunden zuvor gefangene Araignées und die eine oder andere Auster helfen, den Eiweißspiegel stabil zu halten und die Gedanken an den herben Verlust wenigstens für die Nacht zu verdrängen.
Nach einem stärkenden Frühstück mit Galettes und frisch im Kamin geräucherten kleinen Makrelen ging ich zum Hafen, es war wieder Ebbe. Die Boote lagen auf dem Grund und ich begab mich in den Schlick. Und das Glück war mir hold, trotz der „Charybdis` Geheul“. Unter einem kleinen Granitfelsen lugte das blitzende Gold meines Old Boys hervor. Nach der Bergung habe ich es zunächst entlüftet und mit einem Fön getrocknet, der Holzmantel hatte durch das Salzwasser bereits einige Farbe verloren. Auffüllen und anzünden – das war es. Bis heute. Einwandfrei.

 

Einige Jahre später, Dezember, viel Schnee in München. Auf dem Weg vom Haus zum Gartenhaus, in dem sich mein Polierwerkplatz befindet, so ca. 20 m, rutscht mir das selbige Old Boy von einem Tablett mit zu reinigenden Pfeifen in den Schnee ….. und ward verschwunden. Stundenlange Suche, trotz Schneeschaufel, Katze, Nachbarshund und familiärer Hilfe, es blieb perdu. Tags darauf habe ich mir ein neues Old Boy, diesmal mit dunkelbrauner Strahlung gekauft, damit ich überleben konnte. Dann kam der März, der Schnee hatte keine Chance mehr gegen die Frühlingssonne und siehe da …… das Old Boy fand sich wieder ein.


Es gibt einen Film mit Peter Ustinov und Michael York, Flucht ins 23 Jahrhundert. Nach einem Weltkrieg (?) halten sich die Menschen nur noch innerhalb einer Glaskuppel auf, die Außenwelt (New York) ist völlig verdschungelt und in einer Höhle findet Ustinov einen über 200 Jahre alten, verrosteten VW Käfer, in dem noch der Schlüssel steckt. Er dreht diesen um und der Motor springt an.

 


Warum ich diesen Schlenker mache? So erging es mir mit dem Old Boy: finden, Reibrad drehen – und brennt! Nach zweieinhalb Monaten unter Schnee.