Robert McConnell Heritage – Dschungelführer

Auf vielfachen Wunsch eine Gegenüberstellung von Dunhill, Robert McConnell Heritage Mark I und Mark II Tabaken. Alle Bilder sind in der Reihenfolge ihrer Entsprechungen abgebildet, so daß ein schneller Direktvergleich möglich ist.


Alfred Dunhill Tabake bis Oktober 2018

STG Scandinavian Tobacco Group


Robert McConnell Heritage Mark I (Oktober 2018-Oktober 2018)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp


 

Robert Mconnell Heritage Mark II (ab März 2019)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp

Sobald unser Head of Graphics, Art & Webdesign endlich von seinem bierseligen Kalvarienberg-Pfingstausflug aus fränkischer Flur zurück wieder zum Dienst erscheint, stellen wir auch eine schöne Grafik der Heritage Mark II ein, bis dahin bitte nur den Informationsgehalt zur Kenntnis nehmen.

22.06.2019: Nachdem der Herr Künstler schon wieder irgendwelche Almen heimsucht, habe ich selbst ein wenig die Grafik optimiert, allerdings bleibt für ihn noch Raum zur Optimierung.!!!!!!!

25.6.2019 Hätte er ein Alphorn zur Hand gehabt oder einen Juchitzer abgesetzt, hätte er mich viel schneller erreichen können. Als würde ich E-Mails lesen … Jetzt bin ich extra ins Tal herab geeilt, um die Grafik schnell neu zu malen. Jetzt gehts gleich in die Fränkische Schweiz, wo die Berge nur „Buggel“ sind, aber das Bier viel besser als in Österreich. Berg Heil …

ACHTUNG ! Eclipse (Mark I) / Highgate Mark II) entsprechen nicht dem Dunhill DeLuxe Navy Rolls, sondern sind unverändert der Orlik Bulls Eye Flake.

 

Mit der Maus über die Tabelle fahren und scrollen, auch Tiroler können das, sofern sie willens sind.

Pfeifenblog Cross Ref Dunhill-RMc Heritage 12.03.2019


Links zu den Pfeifenblog Heritage Reviews

Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Robert McConnell Heritage | Regent Street | ehemals Majesty Elizabeth

Robert McConnell Heritage | Barking Road | ehemals My Mixture Barking Road

Robert McConnell Heritage | Oriental Square | ehemals Durbar Square

Robert McConnell Heritage | Flake

Robert McConnell – Highgate, Mark II

Robert McConnell Heritage | Eclipse

Robert McConnell Heritage | Ready Rubbed

 




Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Denke ich an Covent Garden, dann denke ich nicht an Tabak. Unter all meinen Leidenschaften, derer es wirklich viele gibt, ist die Oper die größte. Die einzige, von der ich vielleicht ein bisschen was verstehe. Und deshalb ist es das Royal Opera House Covent Garden, woran ich bei diesem Namen denke. Nicht nur an viele lang vergangene legendäre Aufführungen, die uns dokumentiert sind, sondern auch an einen lieben Bekannten, einen Schotten, der in London lebt und der diese Opernleidenschaft teilt. Mit ihm saß ich vor vielen Jahren mal nach einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper in einem Wirtshaus und wir unterhielten uns beim Bier über Sängerinnen. Der Name einer damals zumindest stimmlich eher unerfreulichen Sopranistin fiel und er antwortete vollendet british: „Ich habe sie vor ein paar Jahren im Royal Opera House gehört. Es war einer dieser seltenen und denkwürdigen Momente, wo Debut und Abschiedsvorstellung auf denselben Abend fielen.“

Aber wie komme ich jetzt zum Tabak? Von gleichzeitigem Debut und Abschiedsvorstellung kann hier keine Rede sein, schon allein, weil ich vor diesem Review eine ganze Dose von Robert McConnells Covent Garden geraucht habe und das ist auch beim besten Willen nicht an einem Abend zu schaffen.

Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, bei diesem Tabak und seiner Qualität, die Dose nach der ersten Füllung zu entsorgen oder zu hoffen, dass sich irgendwer anderes daran erfreut. Man kann den Covent Garden, sofern man englische Mischungen mag, problemlos und durchaus auch mit Genuss rauchen. Das ist ein sehr solider Tabak. Und das ist ja schon mal was. Allerdings hat dieser Tabak eine Vorgeschichte und damit kommen wir dann doch zu einem Problem und vielleicht sogar zur erwähnten Abschiedsvorstellung. Aber der Reihe nach:

Der Covent Garden ist eine mittel-kräftige englische Mischung aus einer anständigen Portion Latakia, die recht gut mit Orient, Virginia und Perique balanciert ist. Das Tabakbild ist eher dunkel, aus der geöffneten Dose riecht er verführerisch rauchig ohne fordernd zu wirken. Er schmeckt rauchig mit ein paar recht dezenten Trockenfruchtnoten durch den Perique und das ganze auf einem schönen Teppich aus Orientals und Virginia. Das, was diesem Tabak fehlt, ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Ein solcher Tabak könnte auch als kräftigere englische Hausmischung in einem Händlersortiment stehen. Einem Anfänger würde man sie vermutlich dort nicht empfehlen, obwohl der Covent Garden durchaus als Einstieg in die vollere englische Richtung auch für den Anfänger gut geeignet wäre, weil ihm große Kanten oder gar eine größere Keule, die er auspacken könnte, völlig fehlen.

Der Hersteller Kohlhase & Kopp hat den Covent Garden vorher kurzfristig unter dem Namen „Night Club“ auf den Markt gebracht und jetzt sind wir bei der Vorgeschichte: Der Night Club und damit auch der Covent Garden ist als Ersatz für die eingestellten Dunhill Tabake aus der STG Produktion gedacht gewesen. Der Dunhill Tabak, dem der Covent Garden (Night Club) nachempfunden wurde, ist die STG Version von Dunhills Night Cap. Diese Nachbildung ist, bis auf ein paar Nuancen, bei denen der Covent Garden meiner Meinung nach sogar besser abschneidet, weil er akzentuierter wirkt, recht gut gelungen. Allerdings kommen wir hier zu einem schier grotesken Sündenfall, an dem Kohlhase und Kopp erstmal vollkommen unschuldig ist.

Der Dunhill Night Cap, ob aus der originalen Dunhill Produktion (also vor 1981) oder der Murray’s Produktion, war ein Monument an Tabak! Ein fast endloses Geschmacksvolumen im Wechsel zwischen Latakia und Perique, kraftvoll und auch durchaus stark! Auch stark polarisierend, aber für diejenigen, denen der Night Cap zuviel war, gab es im Dunhill Portfolio ja reichlich Alternativen! Und just dieses beeindruckende Monument Night Cap wurde beim Produktionswechsel von Murray’s zu STG zu einer schier lächerlichen Karikatur geschrumpft! Alles, was den alten Night Cap ausgezeichnet hat, wurde bis zur Unkenntlichkeit glattgebürstet. Mehrheitstaugliche Beliebigkeit war das Resultat – und just dem ist der Covent Garden nachempfunden! Und dabei schneidet er sogar geringfügig besser ab als die STG Version des Night Caps!

Aber warum Kohlhase & Kopp bei dieser großen Fülle „neuer“ Tabake, die man da unter der McConnell Heritage Reihe auf einmal auf den Markt geworfen hat und die in dieser Fülle ja auch erstmal verkauft werden müssen, die Gelegenheit ausgelassen hat, diesen STG Sündenfall rückgängig zu machen und sich beim Covent Garden (Night Club) am Dunhill Original oder der Murray’s Version zu orientieren, das verstehe ich nicht. Nicht nur, dass man den eingefleischten Dunhill Fans ein Monument zumindest ansatzweise hätte zurückgeben können, es wäre auch ein Marketing Coup für die ganze Serie geworden, wenn man auf das „Original“ zurückgegriffen hätte. Was wir jetzt letztlich haben, ist dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Das ist in meinen Augen kein Gewinn.

 




Samuel Gawith | Grousemoor

Grousemoor? Grousemoor? … Da war doch was? Genau! Damals vor fast 20 Jahren war bei diesem Lakelands-Testpaket, das mir meine erste Begegnung mit dem Ennerdale bescherte, auch ein Stück Grousemoor Plug dabei und wie beim Ennerdale auch mußte ich die Füllung Grousemoor Plug nach einigen Zügen entsetzt räumen. Ein Tabak, der für wen auch immer aber eindeutig nicht für mich gemacht wurde! Aber erstens ist das fast zwanzig Jahre her und zweitens ist Plug ja nicht gleich Mixture und drittens rauche ich den Ennerdale inzwischen hin und wieder ja auch sehr gerne. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es nochmal mit dem Grousemoor.

GrousemoorWarum man den Grousemoor jetzt ausgerechnet nach der Moorhuhnjagd – die Flinte liegt auf dem Boden, die Hunde sitzen zufrieden daneben – rauchen soll? Keine Ahnung! Ginge es nach dem Geschmack, dann wäre der Grousemoor eher was für den Nachtisch eines anständigen Abendessens? Anstelle von süssem Gebäck? Aber ich bin ja auch kein Jäger!

„Grousemoor“, darunter „Golden Virginia Tobaccos“ steht auf der Vorderseite, „Eine Kombination aus per Hand entrippten Flue Cured Blättern“ auf der Rückseite. Von Aromatisierung steht da nichts! Irritierend! Schließlich kann ich mich noch all zu gut an die Bombe erinnern, die ich damals entsorgt hatte. Aber wie gesagt: Plug ist nicht gleich Mixture!

Öffnet man die Dose, dann hat man ein beeindruckend schönes Tabakbild von hellgelbem, goldenen Virginia-Blattgut vor Augen, das aber auch schon auf eine kleine Tücke hinweist, denn der Grousemoor ist nicht sehr homogen geschnitten: da wechseln sich feine Streifen mit gar nicht so kleinen Blattfetzen ab, was zwar optisch sehr attraktiv ist, für das Stopfen aber etwas Aufmerksamkeit bedeutet. Dann der Geruch. Leichte Zitrusnoten! Honig oder besser Bienenwachskerzen! Und dunkle Brotkruste! Dazu dezent florale Noten, wie wir sie von vielen der aromatisierten Lakeland-Virginias kennen. Das ganze allerdings mitnichten so intensiv, wie mir das vom Plug in Erinnerung ist.

GrousemoorEntzünden lässt sich die Füllung Grousemoor eigentlich recht problemlos, allerdings empfiehlt es sich wegen der Schnittart des Grousemoor auf Pfeifen zurückzugreifen, die nicht weniger als 20mm Brennkammerdurchmesser aufweisen. Das erleichtert das Rauchen ungemein. Mir geht es zumindest so. Dann der Geschack: Voluminös! Wundervoll süße Virginianoten, die sich immer behaupten können, und eine vollmundige Aromatisierung, die einem einerseits sehr vertraut vorkommt und die einen andererseits irritiert.

Das Vertraute sind die Zitrusnoten und der Honig, wie wir es ganz dezent von Orlik Golden Flake oder nicht ganz so dezent vom Huber Golden Flake (Ex Honeydew) her kennen, allerdings beim Grousemoor wesentlich intensiver als bei diesen beiden. Dazu gesellen sich nun florale Noten, die den Tabak leicht „seifig“ erscheinen lassen und sofort seine Herkunft und die damit verbundene Handschrift verraten. Gegen Ende der Füllung haben wir geschmacklich leichte Marzipannoten, womit der Grousemoor einen Blick zum Ennerdale riskiert. Im Vergleich zum Ennerdale fehlt es dem Grousemoor, was die Aromatisierung angeht, aber deutlich an Raffinesse! Der Grousemoor wirkt fast geradlinig und bei weitem nicht so geheimnisvoll. Hinsichtlich des Aromavolumens und des Crossovers, das der Grousemoor erzeugt, kann er sich aber schon mit dem Ennerdale messen: wir haben hier einen Hocharomaten in der Pfeife. Einen durchaus angenehmen! Der Grousemoor ist der ideale Tabak, wenn einem der Huber Golden Flake gefällt und man mal den Schritt zur englischen Aromatisierung wagen möchte!

GrousemoorDas Abbrandverhalten des Grousemoor ist tadellos, auch hält der Grousemoor sein Aroma kontinuierlich und zwar sowohl was die Aromatisierung angeht als auch was den Tabakgeschmack angeht, der immer präsent ist. Der Grousemoor ist zwar leichter als der Grousmoor Plug (der auch deutlich dunkler ist!), aber er ist kein leichter Tabak! Man kann ihn durchaus als Medium bezeichnen!

Einen Versuch ist der Tabak absolut wert!




HU Tobacco – Signature Tabake für CO-Pipes

Fehlende Kreativität können wir Hans Wiedemann und seiner HU Tobacco wahrlich nicht vorhalten, das belegen u.a. die Reihen Original Warehouse Blend, Blenders Pride sowie die mit Peter Hemmer entwickelte erfolgreiche Africa Linie. Sämtlich Tabake, die Maßstäbe bei Qualität und durch feinste, ausgefeilte Mischungen gesetzt haben. HU Tobacco hat kürzlich mit dem Pfeifenblog.de und Pfeifen Huber gemeinsam den „geschichtsträchtigen“ Kurt Eisner Virginia Blend entworfen, der durch seine Ausgewogenheit bereits jetzt ein gefragter Tabak für Virginia-Liebhaber geworden ist.


 
Pünktlich zur 14. Pfeifenmesse Lohmar (und laut Veranstalter Volker Bier leider auch der letzten) präsentiert Hans Wiedemann in Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Machern von CO-Pipes aus Hamm/Westfalen mit CO-Pipes Swan und CO-Pipes Bullet zwei Boutique -Tabake, die erstmals in Lohmar ausgiebig verköstigt werden können und ab dem 04.05.2019 bei ausgesuchten HU-Tobacco Bezugsquellen erhältlich sind.

Swan: verschiedene Virginias, Latakia, Black Cavendish und Perique, dazu ein merkliches Topping (grüner Apfel?), 100 g

Bullet: Ready Rubbed Flake aus Dark Red Virginias, ergänzt durch Perique, wenig Havanna und Brasiltabak. Auch hier ein deutliches, fruchtiges Topping, 100 g




Samuel Gawith | Skiff Mixture

Da sitzt er nun allein in seiner Jolle, der Segler. Noch nicht mal eine Pfeife raucht er. Klar, soll man ja auch nicht wegen des guten weil starken Windes und außerdem hat er ja genug damit zu tun, den anderen noch vor Windermere einzuholen. Vermutlich geht es also um die Pfeife danach? Und die ist englisch, keine Frage! An den Balkan denkt man da nicht, auch wenn sich der in Samuel Gawiths Skiff Mixture recht präsent zeigt.

Skiff MixtureGleich vorweg: die Skiff Mixture ist mein Lieblings-Latakiablend im Portfolio von Samuel Gawith! Und so war ich foh, dass es zum großen aber ungleich plumperen Bruder Squadron Leader schon ein Review gibt und mir hier die Skiff Mixture bleibt. Über den Squadron Leader etwas zu schreiben, heißt über einen kraftvollen Athleten zu schreiben, der mit seiner geradlinigen Art beeindruckt. Der ist eher ein Schwergewichtsboxer. Bei der Skiff Mixture begeben wir uns zum Florettfechten! Spitzentabake sind beide, gar keine Frage, Latakia haben beide satt und trotzdem könnte der stilistische Unterschied nicht größer sein!

Der Importeur Kohlhase&Kopp beschreibt den Tabak wie folgt: „Eine sogenannte Orient Mischung. Verschiedene Arten von Flue Cured geben dem Skiff die gelben und braunen Sprenkel. Gemischt mit Turkish- und Latakia-Tabaken.“

Skiff MixtureBetrachten wir das Tabakbild der Skiff Mixture, dann haben wir in der Tat eine satte Ribbon Cut Latakia Mischung mit wundervollen Kontrasten in den Virginias und Orientals. Nun sind Latakia, Virginia und Orientals ja auch die Kompenenten des Squadron Leaders und trotzdem kommt ein ganz anderer Tabak raus. Das liegt in erster Linie an den verwendeten Virginias, die der Skiff Mixture eine viel schlankere Basis geben als das beim Squadron Leader der Fall ist und die im Wechsel mit den Orientals und dem Latakia ein Feuerwerk an Raffinesse entfachen: Da kommen nicht nur in ewiggleicher Abfolge große rote beeindruckende Lichtbälle, da regnet es mal grüne Girlanden und zwischendurch glitzert es hell auf. Als ob eine Füllung Skiff Mixture einer geheimen Regie folgt – nie plakativ immer raffiniert! Die Virginias haben gerade genug Kraft und malzige Süsse um den Latakia mit seiner Rauchigkeit zu bändigen und die Orientals mit ihrer ätherischen Schlankeit verbinden das zu einer formidablen Vorstellung. Sie sind der eigentliche Regisseur des Ganzen! Und sie sorgen dafür, dass sich der Tabak während des Abbrands immer ein bisschen neu entwickelt und Spitzen freigibt.

Skiff MixtureEndzündet man eine Füllung Squadron Leader, dann weiß man vom ersten bis zum letzten Zug, was man hat. Und was man hat, ist ganz ohne Frage hervorragend! Aber das ist es dann auch. Eine Füllung Skiff Mixture zeigt alle Nuancen, die eine Balkan-Mischung haben kann und das immer mal so und dann wieder anders, von rauchig, süß, ätherisch, Malz, Kräuter, braun, grün bis schwarz. Sie ist das Gegenteil von geradliniger Konstante sondern ein sich während des Rauchens immer weiter entwickelndes Erlebnis. Für mich ist die Skiff Mixture einer der Referenztabake für Balkan-Mischungen schlechthin! Ob man sie nun als Allday-Tabak raucht und nur mal als Abwechslung, ich kann die Skiff Mixture nur jedem Latakia-Liebhaber ans Herz legen!

Das Entzünden und der Abbrand sind vollkommen problemlos. Der Tabak raucht sich gut bis zum Ende, ohne dass er zu stark würde oder sich geschmacklich zum Ende der Füllung hin auf irgendeine Seite schlagen würde. Von der Stärke her ist die Skiff Mixture höchstens mittelkräftig.

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 

 




Samuel Gawith – die 1792 Flake Bombe

1792 war nicht nur das Gründungsjahr für die Unternehmung des Tobacconisten Samuel Gawith, die uns heute noch maßgeblich im „Genußgriff“ hält, mit dem Habsburger Franz II. wurde auch der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Durch seinen Onkel und Vorgänger, Kaiser Joseph II, haben unsere armen österreichischen Freunde – und hier insbesondere die Tiroler- bis heute unter dem Tabakmonopol zu leiden. Und das bedeutet, daß sie die meisten der hier vorgestellten Tabake nur über dunkle Kanäle, verschwiegene Grenzstationen, hochgelegene Almen oder gar nicht bekommen können. So auch den im wahrsten Sinne des Wortes bombigen 1792 Flake.

Jörgen Larsen Bamboo – JL Grading

1792 Flake ist ein mustergültiger Virginia/Kentucky Flake, der aus dark fired* Tabaken besteht, die also im Ofen geröstet wurden. Anschliessend werden sie mit Wasserdampf befeuchtet und zu einem Cake gepreßt, der einige Stunden ruhen muß. Der Prozeß der Fermentierung hat eingesetzt. Nun wird dieser Cake in einer Presse unter hoher Hitze für drei bis vier Stunden (oder länger, je nach Rezeptur) quasi gebacken. Der jetzt recht dunkle Cake kühlt ab und verdichtet während des Auskühlens immer fester. Es entsteht ein Plug, der dann in Flakes geschnitten wird. Was den Tabak aber so besonders macht, ist ein durch aus der Tonkabohne gewonnenen Extrakt erzeugtes starkes Aroma, früher wurde es durch den mittlerweile zur Verwendung u.a. mit Tabak verbotenen Wirkstoff Cumarin erreicht. Cumarin wird unter anderem aus der Tonkabohne gewonnen. Und das beim 1792 Flake zur Aromatisierung eingesetzte natürliche Aroma ist ein Extrakt aus der Tonkabohne, der jetzt über die Flakescheiben gesprüht wird. Die Art und Dauer der Herstellung bestimmt u.a. auch den Nikotingehalt des Tabaks, dem beim 1792 Flake eine besondere Bedeutung zukommt.

 

Wie die anderen vor kurzem getesteten Samuel Gawith Flakes ist auch dieser hier nicht zu feucht und geradezu perfekt konditioniert. Wenn das so bleibt, dann entfällt zukünftig die Klage über die grundsätzlich zu feuchten SGs. Auch der Schnitt ist zufrieden-stellend und so kann der Rauchversuch beginnen. Natürlich wird die kleine JL Bamboo mit KNICK&FALT befüllt. Der 1792 Flake traut sich was. Sein Nikotingehalt ist dermaßen bombig, daß mir zum Ende der ersten, zweiten und dritten Pfeife, zwischen deren Gebrauch immer so 2-3 Stunden lagen, ziemlich blümerant wurde. Der Magen rief förmlich nach dem alten Hausmittel Kaiser Natron, das ich in der Küche zum blanchieren von Gemüse und gegen gelegentlich auftretendes Sodbrennen verwende und deshalb immer vorrätig habe. Das müßte eigentlich die Schlußbemerkung dieses Reviews sein, aber so sind Sie schon einmal im Bilde.

Zur erdigen, schwarzbrotartigen, kräftigen Malznote hat der Tabak ein ansprechendes „Waldmeister-Aroma“, das aber weder aufdringlich, aufgesetzt, noch künstlich wirkt und den Röst-Virginia hervorragend ergänzt. Obwohl er für meinen Geschmack zu den sehr starken Tabaken zählt ist, bringt er dennoch eine fast milde Grundstimmung.

Fazit

Ein bemerkswerter, sehr eigenständiger Virginia Flake mit „süffiger“ Hauptnote und durchdringender Wirkung, so daß ich ihn als besonderen Gelegenheitsrauch empfehle. Er verlangt den „ganzen Mann“ ob seiner geschmacklichen Stärke und seines hohen Nikotingehaltes. Er war einen, zwei Versuche wert, ich werde ihn allerdings nur noch in Ausnahmefällen rauchen.

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 

 

 

 

 

 


*Arten der Trocknung

Trocknung durch Sonne – Sun cured, z.B. Orient Tabake
Trocknung durch heiße Luft – Flue cured, z.B. Virginia Tabake
Trocknung an der Luft – Air cured, z.B. Burley Tabake
Trocknung über offenem Feuer – Dark fired, z.B. Kentucky (Würz-)Tabake, aber auch Burley




Samuel Gawith | CF Flake – Wo bitte ist die Schokolade?

Samuel Gawith CF FlakeWie unsere stets bestens informierten Leser wissen, ist es laut Gesetz nicht mehr erlaubt gesundheitsschädlichen Tabak namentlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. So kann man zum Beispiel einen Pfeifentabak nicht mehr „Schweineschmalz-Zucker Flake“ nennen, weil der Verbraucher dadurch suggeriert bekäme, dass es sich nicht um eine giftige Substanz, sondern um so etwas gesundes, wie Schweineschmalz oder Zucker, handeln könnte. Deshalb heisst Rum&Maple jetzt R&M, der Honey-Dew Flake jetzt Golden Flake. Ob jetzt mehr Menschen durch Pfeifenrauch, oder durch Rum, Gold oder Zucker gestorben sind, weiss ich nicht; auch nicht, wie ein Tabak mit Schweineschmalz-Casing schmeckt oder ob es gesünder ist dieses zu essen, denn zu rauchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Tatsache ist, dass der Samuel Gawith Chocolate Flake, jetzt CF Flake heisst.
Warum Chocolate mit „CF“ abgekürzt wird und man den Tabak nicht „C Flake“ nennt, ist ein weiteres Mysterium.
Ich habe durch den HU Tobacco „Raiko InBeTween“ meine Leidenschaft für Schokoladen-Tabak für mich entdeckt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an mein hymnenhaftes Review? Wenn nicht, hier ist der Link.
Da wir ja gerade versuchen sämtliche Samuel Gawith Tabake zu besprechen, fiel meine Wahl deshalb auf ein „Stückerl Schoklad“ (süddeutsch für „eine Rippe Schokolade“)

Samuel Gawith CF FlakeJens Meyer von Pfeifen Huber, bei dem ich die Dose CF Flake erwerben wollte, stellte meine Wahl mit heftigen Worten in Frage und wollte ihn mir gar nicht erst aushändigen. Roland schüttelte den Kopf wie ein Metaller auf Wacken. Mein geschätzter Blog-Kollege Peter Hemmer, meinte hingegen, das sei durchaus ein schöner, schokoladiger Tabak, den man sehr wohl gut rauchen könne. Bevor es zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, hatte ich die Dose aufgehebelt und damit Tatsachen geschaffen. Nach einem deftigen Weisswurstfrühstück hatte einfach Lust auf Schokolade.
Deckel auf, Papier zur Seite gebogen, Rüssel reingehalten und tief inhaliert …
Eine atemlose Stille senkte sich über das altehrwürdige Ladengeschäft in der Münchner Innenstadt. Draussen im Tal hörten die fön-gestressten Porschefahrer auf ihre Cayenne-Hupen zu malträtieren, die japanischen Touristen senkten andächtig die Kameras und die sonnenbebrillten Damen schlossen ihre Schlauchbootlippen und sahen von ihrem Soja-Latte auf … Ich dagegen schnüffelte, wie ein hyperaktives Trüffelschwein in der eckigen Metalldose herum.
„Und?“, hielt es Bodo nicht mehr aus und sah mich fragend an?
„I woas ned“, antwortete ich unsicher.
„Lass amal riecha“, schwupp war die Dose meinen Händen entrissen und wurde ungeduldig unter sämtliche Nasen des Münchner Pfeifenclubs gehalten.
Betretenes Schweigen, Kopfschütteln, Ratlosigkeit.
Durch die geöffnete Tür hörte man einen Polizeibeamten, der die Passanten zum Weitergehen aufforderte. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu riechen …“

„Nix!“ kein noch so kleines Schokoladenaroma Molekül war im Raum. Ein regelrechtes Schokoladen-Vakuum hatte sich in der Landeshauptstadt gebildet.
Dann von einer Sekunde zur anderen, ging man wieder zur Tagesordnung über, es wurde geschwatzt, getrunken, geraucht und auch wieder gehupt. Ich war froh mit meiner Tabakdose nicht mehr ganz so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und stopfte den CF Flake in meine Peterson Spigot.

Samuel Gawith CF FlakeDer Flake ist ordentlich geschnitten, dünne bestens konditionierte Scheiben von einer satten braunen Farbe, helle und dunkle Streifen durchziehen diesen Flake, der aus Virginia und Burley besteht. Das Tabakbild ist außerordentlich appetitlich anzusehen. Ich knicke und falte den Flake und stopfe ihn in die Pfeife. Leider hat niemand ein goldenes Dupont zur Hand, ein silbernes Unique tut es aber zur Not auch. Der Tabak brennt sofort, ich lasse ihn nach ein paar Zügen ausgehen, stopfe nach und zünde ihn erneut an. Danach ist kein weiteres Nachfeuern nötig. Der Tabak brennt sehr gut und gleichmäßig und schmeckt nach Virginia und Burley.
Nach Virginia und Burley … und? …und noch? … sonst nach nichts, gar nichts!

Der Tabakblender hat anscheinend in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Schokolade nicht nur aus dem Namen entfernt.

Die Münchner Stehrunde schnüffelt ein wenig an meinem Rauch herum und wendet sich desinteressiert ab. Herr Falkenried empfiehlt mir noch einen kleinen Schokoladenladen eine Strasse weiter, für den Fall, dass ich immer noch Lust auf eine Stück Schokolade hätte. Auf dem Weg zum Pfeifenclub gehe ich tatsächlich dort noch schnell vorbei und kaufe eine handgefertigte Tafel 85%iger Bocatorena aus Panama, welche fast so teuer ist wie der Tabak.

Der CF Flake wird im Club dann noch von einigen weiteren Herren geraucht, aber niemand kann auch nur homöopathische Dosen von Schokolade erschmecken, oder erriechen. Ich verteile daraufhin ein paar Stücke meiner Bocatorena und empfehle sie während des Rauchgenusses an den Gaumen zu kleben. Das funktioniert, ist aber bescheuert und nicht Sinn der Sache.

Der Tabak an sich schmeckt ganz okay, ohne Höhen und Tiefen, es ist einfach ein x-beliebiger Flake, der niemanden vom Hocker hauen wird und kann auch von Allergikern geraucht werden, er enthält nicht einmal kleinste Spuren von Kakao.

 

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 

 




Samuel Gawith – Full Virginia Flake

Samuel Gawith aus Kendal im Lake District – daher der Begriff Lakeland Tabak – ist der legendäre Hersteller des Full Virginia Flake, der wie kein anderer aus der breiten Produktpalette der 1792 gegründeten Manufaktur das Herz der Liebhaber naturreinen Flakes höher schlagen läßt, mehr noch als der seines Bruders, des Kendal Plugs. Er ist ein Virginia der reinsten Art, egal, in welcher seiner 2 Aufmachungen er genossen wird. Sei es als Plug oder als Flake in der Rechteckdose. In jedem Fall handelt es sich um naturreinen Virginiatabak, der durch maschinelle Pressung „verbäckt“ und fermentiert wird. Unterstützt ist der Fermentierungsprozeß durch Hinzusetzung von Wasserdampf, je länger dieser Fermentprozeß dauert, je stärker ist der freigesetzte Zucker, der für eine starke Süße des Full Virginia sorgt.

Pfeife: Unikat von Jörgen Larsen (JL) für die Reihe Kriswill Supreme – 360 ° straight grain

Der Full Virginia Flake ist völlig naturrein. Es gibt kein casing (wie vielfach behauptet), kein künstliches Flavour, nichts dergleichen. Was man schmeckt und riecht ist der reine, lediglich fermentierte Tabak. Es ist darauf zu achten, ihn langsam zu rauchen, um übergroße Hitzeentwicklung zu vermeiden. So bleibt der Genuß unverändert bis zum letzten Zug, der einen reinweißen Ascherest hinterläßt.

 

 

 

Zwar bin ich versucht, jetzt alle die Geschmacks- und Duftnuancen zu beschreiben, die ich glaube, zu empfinden. Ich erspare das den Lesern und rate einfach zum Selbstversuch.

Es gibt ihn in einer 50 g fassenden Rechteckdose. Der Tabak ist in der Dose flakeüblich geschichtet, wenn auch nicht so fein, wie wir es vom F&T Vintage, dem Orlik Golden Sliced oder Erinmore Flake u.a. gewohnt ist. Teilweise sind die Scheiben nicht einmal gleich lang. Sicher hat das keine geschmacklichen Auswirkungen, aber das Auge ißt bekanntlich mit. Der Tabak wird mit Knick / Falt gestopft und brennt natürlich leichter an als die Plug-Version. Geschmacklich kommt er mir nicht ganz so intensiv naturrein / süß / kräftig vor wie der Plug, was erklärlich ist und sich auch von der Schneidetechnik her ableiten läßt. Der Abbrand ist wunderbar, herrliche Virginiasüße füllt den Gaumen – und den Raum. Je länger der Tabak glüht, umso runder, vollmundiger und befriedigender wird sein Geschmack. Der Unterschied zum Plug erschließt sich nur dem erfahrenen Plug-iator, so daß die Flakeversion eindeutig zu empfehlen ist, wenn es darum geht, den wohl besten Full Virginia auf diesem Globus zu genießen und die behaupteten höheren Weihen des Plugs nicht im Vordergrund stehen.

Wem der Flake zu kräftig, zu süß oder sonstwie unbehaglich ist, kann auch den SG Best Brown Flake probieren, der aus den gleichen Tabaken besteht, aber einer kürzeren Fermentierungsdauer unterzogen wird.

Verfügbar im gut sortierten deutschen Fachhandel und hier.

 

Die ultimative Steigerung des FVF – klick ins Bild

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 

 




Three Nuns – Die grüne Nonne

Ich weiß, früher waren die Maler mit der grünen Fee unterwegs, ich hingegen bin mit einer grünen Nonne auf die Berge gestiegen und bevor jemand fragt, nein es war nicht die Jungfrau, es waren die Berge rund um die Seiseralm auf denen ich mit der Feldstaffelei unterwegs war.

Bevor es jetzt schon wieder ausschweifend bizarr zu werden droht, versuche ich mich in Sachlichkeit. Ich spreche von dem neuen Pfeifentabak Three Nuns GREEN. Letztes Mal hatte ich von meiner Enttäuschung über die gelbe Version des neuen Three Nuns von Mac Baren berichtet, die ich leider als eher belanglos empfunden habe. Vielleicht lag es diesmal auch an der wundervollen Umgegebung, die mich überaus positiv gestimmt hatte, aber der „grüne“ Tabak hat mir ausgesprochen gut gemundet. Wie fast jedes Jahr weile ich um Fasching herum eine Woche in Südtirol auf der Seiseralm, einer der schönsten Orte auf diesem Erdenrund. Berge rundherum, ein Panorama zum Niederknien und wenn man, wie ich die Gegend und die Wege gut kennt, kann man stundenlang einsam durch eine gezuckerte Landschaft wandern, ohne von blöden Plastik-Menschen auf Ihren Carving-Ski belästigt zu werden, die sich von dieselgetriebenen Paternostern mit sitzgeheizten Sesseln nach oben tragen zu lassen, nur um dann wieder dichtgedrängt auf festgewalzten Almwiesen herunter zu rasen. Ich bin meist mit Schneeschuhen unterwegs und gelange so auch an Flecken völliger Einsamkeit.

Kaum schöner kann ich mir mein Leben vorstellen, als wenn ich auf meinem Klappstuhl im Schnee sitze, einsame Berghütten und schneebedeckte Gipfel male und dabei ein Pfeiferl rauche. Dazu geniesse ich je nach Tageszeit heißen schwarzen Tee aus einer Thermoskanne oder auch ein Schlückerl Marille aus dem Flachmann. Da mein Tagesgepäck mit Stuhl, warmer Kleidung und den Malsachen, ohnehin schon recht schwer ist, nahm ich diesmal nur eine einzige Pfeife mit, über die ich an anderer Stelle schon berichtet habe: meine Caminetto mit Deckel. Sie hat das absolut gut vertragen, vermutlich weil ich selten mehr als eine Füllung pro Tag daraus geraucht habe.

Insgesamt ist das ein schöner Virgina/Perique Tabak, der sich problemlos auf über 2000 Meter (und auch darunter) rauchen lässt und wirklich gut schmeckt. Auch wenn es wieder heissen wird: das Geld sei bei Genuss egal, mir persönlich ist er mit 17,20 Euro für 50g zu teuer, aber mir ist natürlich auch klar, dass ein Rope-Tabak in der Herstellung eben deutlich teurer ist, als ein einfacher Flake.

Fazit: Die Grüne Nonne ist nach meiner Ansicht, die beste „zeitgenössische“ Nonne und insgesamt eine klare Empfehlung, für den der nicht auf den Preis schauen muss und gerne Curly Flakes raucht.

 




Samuel Gawith – Balkan Flake

Nach dem totalen Reinfall mit dem Black XX stand mir der weitere Sinn nach etwas geschmacklich abgehobenerem aus den Lakelands und da der Traditionalist Samuel Gawith vielfach bewiesen hat, wie gut er das eigentlich kann, habe ich mich nach Full Virginia Flake, Brown No.4 und Kendal Cream Flake (alle Reviews im Pfeifenblog) mal wieder dem Balkan Flake zugewandt, den ich einige Zeit nicht geraucht habe. Nicht zuletzt deshalb, weil der Tabakhändler meines ultimativen Vertrauens seit geraumer Zeit die gesamte SG Palette führt. Umwege über die Schweiz, das Veruneinigte Brexitreich oder gar die USA gehören nun zum Glück der trüblichen Vergangenheit an.

Vorweggenommen: fürwahr ein köstliches Raucherlebnis.

Für den Liebhaber alter, englischer Geschmacksrichtungen zählte der Penzance aus dem Hause Butera / Esoterica sicherlich zu den bevorzugten. Immer schon schwer zu beschaffen und mittlerweile wohl vollständig aufgegeben -wie einige namhafte Engländer aus der Reihe, die von Germains hergestellt wurden- hat er nun dem Balkan Flake ein zusätzliches Terrain in meiner persönlichen Rankingliste überlassen.

Wie die meisten Flakes von SG, war auch der Probant früher sehr feucht. Mich störte das nicht sonderlich, denn trocken werden sie ohne weiteres Zutun ohnehin. Probiert aber habe ich den Tabak für dieses Review aus einer neuen Charge von 2019 und da war der Flake fast schon etwas zu trocken. Chargenschwankung? Der Liaison mit Gawith & Hoggarth geschuldet? Ich werde das beobachten.

Aber der Duft! Der Duft, der aus der Dose entströmt, der bringt Dich weg. In ein englisches Comptoir, mit grünen oder braunen Carlton Chairs, mit dunklen Mahagoninmöbeln, hochglänzenden Bodendielen, mit der gut bestückten Bar mit Single Malts, alten Ports. Und all den Vintage-Tabaken wie Cope, Drucquer, Sobranie, Simmons und Fribourg & Treyer, den alten Dunhills und Bells.

Schwer erdig, Torf steht im Vordergrund, ein wenig Teer, Hafengeruch. Das ist der Latakia. Der Virginia bringt eine schwache Süße ins Geruchsbild. Für den Liebhaber naturreiner Tabake der Himmel auf Erden.

Zum Glück sind die Flakes dünn geschnitten. Nicht selbstverständlich bei den Kendalianern, die das Geschäft bereit seit 1792 betreiben und immer noch Ausreißer bei den Chargen hinbekommen. Was gerne mit Chargenschwankungen erklärt wird (auch bei anderen Tobacconisten), ist meistens einfach Schlamperei und mangelnde Qualitätskontrolle.

Ich habe eine zweite Dose geöffnet, und da sieht das Tabakbild ein wenig anders aus.
Die Flakes zeigen eine hohe Pressdichte, die verschiedenen Tabaksorten sehen aus wie aus einem Guß, erst bei einiger Vergrößerung lassen sich Strukturen auf dem Foto erkennen:

Mit Knick & Falt befülle ich eine Stanwell Shape 11, die zum Proberauchen mit ihrem breiten Kopf geeignet erscheint. Obenauf kleinere Tabakkrümmel, damit das Anzünden leichter geht. Wichtig, wie bei allen Plugs, Flakes und Curlies, daß die gesamte Oberfläche in Brand gesetzt wird. Ab da beginnt der Rauchgenuß, der sich nach wenigen Minuten, nach Erreichen der Betriebstemperatur, einstellt.

 

Erstaunlich ist immer wieder, wie sanft und milde der Balkan Flake ist, weder kratzig, noch mit brachialer Nikotinladung wartet er auf. Er bleibt ein Mittelgewicht bis zum Ende. Der geübte Langsamraucher wird es zu einem trockenen, weiß-grauen Ascherest bringen. Wem die Pfeife öfter ausgeht oder sie unbedingt während eines Dauerlaufs rauchen muß, kann einiges an Kondensat erwarten.

 

 

 

 


Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild