Pfeifen Huber | Selected Blend – Irish

Die Besprechung von Aromaten – Hocharomaten gar – ist kein besonders häufiges Ereignis in diesem Blog. Fast drängt sich ein Vergleich mit sophistischen Weinkennern auf, in deren Kreisen Rezepte für Sangria oder Glühpunsch dann auch eher unter vorgehaltener Hand ausgetauscht werden. Diskussionen zu „Naturbelassenen“ versus „Aromaten“ werden im Internet gerne mit ähnlich religiösem Eifer geführt wie die Frage, ob sich die Nutzer von Aktivkohlefiltern überhaupt als echte Pfeifenraucher betrachten dürfen. Tatsächlich hatte mich die Beschreibung durchaus neugierig gemacht: ein solider Anteil an Cube Cuts (kleine Flake-Würfelchen) zusammen mit dem weltweiten „ISO-Aromaten-Standard“ Virginia-Black Cavendish-Burley versprach einen langsam und problemlos rauchbaren Tabak. Dazu eine interessante Aromatisierung mit gebackenen Früchten (wie das wohl roch und schmeckte?), Vanille (ok, die ist ohnehin immer mit dabei) und Irish Whiskey (John Jameson & Sons oder Tullamore Dew?). Mit dieser Beschreibung war klar, dass das namensgebende „Irish“ bestimmt keine Remineszenz an Alltime-Klassiker wie den Erinmore Flake oder den überragenden Peterson University Flake war, sondern – so schloss ich messerscharf – aus einer besonders raffinierten Whiskey-Aromatisierung zu erklären war.

 

So dachte ich mir das jedenfalls.

Das Öffnen der hübschen blau-silbernen 50g-Dose offenbarte mir etwas radikal anderes. Das Tabakbild passte noch sehr gut zur Beschreibung: grob geschätzt gleiche Teile Virginia, Burley und Black Cavendish, dazwischen einige Cube Cuts, fein. Aber der Geruch? Der Geruch! Dazu muss ich etwas ausholen und in die „Altvorderenzeit der Hocharomaten“, die 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückblicken.

 

Damals eroberten innerhalb weniger Jahre zwei ausgesprochen revolutionäre Aromatabake den Markt: Einmal der Black Diamond (seinerzeit im Vertrieb von Stanwell, heute glänzt er in seiner Schmuckdose unter dem Larsen-Label) zusammen mit seinem „Tankstellen-Tabak“-Ableger Black Luxury (Danske Club, die „B“-Marke von Stanwell). Unglaublich weich und mild, mit einem damals enormen Anteil stark gesoßtem Black Cavendish, unbestimmt fruchtig-puddingartig, kann man den ganzen Tag durchrauchen, wird nie zu heftig oder zu langweilig. Bis heute übrigens nahezu unverändert und ein Stammgast in meiner Tabakbar. Und dann gab es noch den Indigo (ebenfalls Stanwell, auch er ist heute als Larsen gelabelt). Der Indigo war deutlich „lauter“: einen so heftig aromatisierten Tabak gab es vielleicht nie zuvor, ein ganz frisches, helles und markant-exotisches Frucht-Flavour hatte der und doch konnte man nie genau sagen, welche Frucht damit eigentlich gemeint war. Eine Füllung genügte und die Pfeife schmeckte noch Jahre später danach. Das war so ein bisschen wie der „grüne Apfel“, der plötzlich in allen Geschirrspülmitteln, Shampoos und was weiß ich noch alles eingesetzt wurde, einem „Apfel!“ ins Gesicht brüllte und der doch nicht wirklich nach Apfel roch.

Auch der heute vertriebene und spürbar reformulierte „Indigo“ trägt noch die Gene dieser Aromabombe in sich, ein wesensverwandter Tabak ist z.B. „Belle Epoque“ (heute ebenfalls Larsen), ein toll zu rauchender reiner Cube Cut, der mit zusätzlicher Vanille und Rum etwas anders abgestimmt ist. Ein modernes Mitglied dieser – wenn man so will – „Familie“ ist übrigens der 2019 erschienene Ashton Signature, der dieses sehr spezielle „Frucht“-Aroma recht raffiniert mit einem kleinen Anteil Latakia kombiniert.

Zurück zu unserem Huber „Irish“. Er ist für mich ein SEHR naher Verwandter dieser Tabake. Ich mag so etwas gerne ab und zu, für mich ist das wie eine nostalgische Reise zu meinen Pfeifen-Anfängen. Aus der Beschreibung hätte ich das allerdings im Leben nicht erwartet. Freilich darf man die Hersteller-Prosa von Tabaken nie ganz ernst nehmen, vom aktuellen Indigo wird schließlich auch behauptet, er wäre in Richtung Honig (keine Spur!), Vanille (im Leben nicht!) und Pflaume (hier muss eher der Werbetexter gemeint sein…) aromatisiert. Stattdessen könnte man einfach schreiben: „frisch, fruchtig und exotisch, aber total undefinierbar“ und man wüsste mehr. So geht es mir nun auch mit dem hier besprochenen „Irish“. Das ist eine moderne und clever gemachte Indigo-Variation, freilich ohne den Großvater 1:1 „nachzubauen“, durchaus schmackhaft, kann man (wenn man denn Hocharomaten zu rauchen versteht!) locker ohne Biss und Sottern bis auf den letzten Krümel aufrauchen, das Aroma und die Dauerwelle bleiben auch in München bei einsetzendem Frühling stabil, alles gut, an der Qualität ist rein gar nichts auszusetzen. Aber weshalb heißt der ausgerechnet „Irish“? Und wo soll der Whiskey sein? Die Vanille (vielleicht eine Spur!)? Hmmm.

Für wen ist nun der „Irish“?


Wer (wie auch ich) sich gerne ab und an in der Nostalgie der ersten Generation von Hocharomaten bedient, aber mit 100g-Dosen (besonders den ziemlich undichten Schmuckdosen) seine liebe Not hat, weil die nach ein paar Wochen staubtrocken geworden sind, der ist mit dem hübschen 50g-Doserl bestens bedient.

Sonntagnachmittag in die Stanwell 124 (oder die 162) gestopft und die Welt ist schön.

 

Sozusagen der DeLorean DMC-12 für die Zeitreise in die 80er Jahre. Der Preis ist in Ordnung, 100g Indigo oder Belle Epoque kosten fast genau das Doppelte wie die 50g hier.


Wer etwas wirklich „Irisches“ sucht, wird dagegen eher enttäuscht sein. Dann lieber den unerreichten University Flake in einer Peterson Sherlock Holmes und dazu eine Seite aus James Joyces Ulysses (für Mutige: einen Satz aus James Joyces Finnegans Wake mit mindestens einem ordentlichen Glas Jameson‘s). Wer etwas KRÄFTIG Irisches sucht, der greife zum DFK-Monster Peterson Irish Flake. Nikotin zum Abwinken. Der Huber „Irish“ enthält mit Sicherheit Nikotin, allerdings nichts, was einem nach (oder vor) dem Frühstück Sorgen bereiten müsste.


 

Wer dagegen unikate Aromaten sucht, der mag zu Hubers Amerika Special greifen oder zur Auslese No 1 (beides Virginia und Burley ohne Black Cavendish mit zwei ganz unterschiedlichen nussigen Aromen) oder zur Auslese No.3 (Virginia mit ganz leichtem Pflaumenaroma). Wer einen Aromaten wirklich alter Schule sucht, der mag den Larsen Nr. 32 Curly Flake oder den Larsen Classic versuchen (beide leicht mit Karamell versetzt und praktisch ohne Black Cavendish).

Fazit

Ein unzweifelhaft guter Hocharomat, handwerklich wie zu erwarten tadellos, vom Geschmack und Aroma allerdings nicht wirklich neu und ein gutes Stück weit weg von der Prosa der Beschreibung.

erhältlich hier




Peterson | Irish Dew – auf Abwegen

Diesen Tabak gibt es schon einige Jahre und die vom Hersteller hervorgehobene Aromatisierung hat mich davon abgehalten, ihn zu rauchen. Die Beschreibung klingt denn auch für einen Pfeifenraucher, der (fast) ausschließlich naturbelassene Tabake genießt, ein wenig abenteuerlich: Whisky und Vanille, irgendein Fruchtblüten-Aroma – also ein Misch Masch, da nicht näher bezeichnet und Schokolade (wenigstens keine heiße). Sie erkennen an dieser Einführung schon meine Skepsis und auch einen gelinden Unwillen, mich mit einer solchen Aromabombe zu befassen. Dann das „Aha oder Öha“ , denn alles kam ganz anders.

 

Peterson, deren Tabake -abgesehen von den neuen Dunhill-Petersons)- nicht unbedingt auf meiner Tagesmenukarte stehen, hatten mich im März 2018 schon einmal sehr angenehm mit einem Saisontabak überrascht. Dennoch bedurfte es eines Hinweises vom Tobacconisten meines unverrückbaren Vertrauens, denn allein das Racing Green des Pouches hätte mich nicht zum Kauf veranlaßt. Obwohl, irgendwie blendete sich bereits die Verpackung der Peterson Special Reserve assoziativ in den Kaufanreiz ein. Zum Glück, wie ich jetzt weiß.

Dose ist nicht! Der Ready Rubbed Flake wird in einem Pouch angeboten, perfiderweise mit 40g Inhalt. Wer schaut denn so genau auf die Angaben, scheint das Kalkül des Herstellers zu sein. Vielleicht steht da ein profitmaximierender Plan dahinter, denn bekanntlich werden im Brexit Country Pouches sogar mit 25g Tabak verkauft. Da ich, wie Sie vermutlich auch, diesen Tabak nicht unverzüglich völlig aufrauchen werde, sollte er in ein Schraubdeckelglas umgefüllt werden, um Austrocknen zu vermeiden. Denn nach ungefähr einer Woche im geöffneten Pouch ist er bereits zu trocken.

Also – das Vaku-Siegel gebrochen und ……..die Überraschung. Ich rieche weder etwas von Whisky, Schokolade, noch von Vanille und auch nixen von irgendwelchem Früchte-Laub. Was duftet, ist ein wundervoller Virgina und der etwas dunkler-nussartig riechende Burley. Denn aus nichts anderem besteht der Irish Dew, 2-3 verschiedene Virginias (hell und rotbraun) und ein gerösteter Burley. Natürlich liegt da ein leichtes Casing über der ganzen Geschichte, aber so unaufdringlich, so sachte, daß es tatsächlich angenehm ist und ich die Gedanken daran ausblende.

 

Das ausgewogene Tabakbild ist typisch für einen ready rubbed Flake, teilweise finden sich noch gepresste Stücke in der Mischung. Es gefällt mir auch, dass die Mischung ziemlich breit geschnitten ist, denn das erhöht für mich den Rauchgenuß und fördert ein besonders langsames Rauchen. Zum Befüllen der Pfeife mag ich keinen Kommentar abgeben.

Die Kondition ist sehr gut, nicht zu feucht, nicht zu trocken. Hat man zuoberst einige Flakebrocken liegen, kann das Zündeln etwas langwierig werden, aber wer hat die schon. Ist es gelungen und glimmt die gesamte Oberfläche, merken Sie es. Das ist ein probater Virgina und kein vorrangig aromatisierter Tabak, dessen Heugeschmack vortrefflich vom Burley abgerundet wird. Die nussige Gesamtsüße kommt mir so sehr natürlich vor und ich rauche die 4 Testpfeifen ganz besonders langsam – und genußvoll.

In der Tat empfehle ich, den Irish Dew mit etwas Aufmerksamkeit zu rauchen, er hat die Tendenz, leicht zu heiß zu werden und wird dann geschmacklich zu trocken. Der Abbrand ist hervorragend (nein, – ich erwähne nicht mehr den reinweißen Ascherest als wichtigstes Ergebnis für den Rauchgenuß!). Die vermeintliche Natürsüße und der Nussgeschmack bleiben von Anfang bis Ende gleich gut. Das spricht für die Güte des Tabaks und die Fähigkeit des Blenders, aber das ist man ja von STG gewohnt:

 

Wohl bekomm`s, in der wahren Bedeutung des Wunsches.

 

Peterson Irish Dew Mixture
40g Pouch

 

 




Pfeifen Huber | Selected Blend Virginia

Wissen sie lieber Leser, was ein „Guilty-Pleasure“ ist?
Nein? So nennt man neu-deutsch ein Vergnügen, für welches man sich eigentlich schämt.
Ein Literaturkenner, der manchmal heimlich ein „Walt Disney’s Lustiges Taschenbuch“ zur Hand nimmt, ein ernsthafter Cineast, der sonst nur französischen Arthouse, sich in einer fremden Stadt heimlich ins Kino schleicht um einen Marvel-Superhelden-Film zu sehen. Ein Sternekoch mit dunkler Brille am Currywurststand … Sie wissen, was ich meine …
Haben Sie auch ein „Guilty-Pleasure“? Dann schreiben Sie doch bitte einen Kommentar (gerne auch anonym, ich werde ihn diesmal ausnahmsweise trotzdem freischalten)
Die Liste meiner eigenen „verschämten Genüsse“ ist mindestens so lang, wie die meiner Laster, das würde hier zu weit führen. Allerdings ist es mit meinem Schamgefühl nicht so weit her und so ergötze ich mich offen und breitbeinig an Countrymusik, Marillenschnaps, Spitzweggemälden, Krankenhausserien und Toffifee. Toffifee? Ja, Sie wissen schon: *singt*: „Mit Karamell und Haselnuss mit Nougatcreme und Schokoguss … Es steckt viel Spaß in Toffifee“ Das einzige mir bekannte Nahrungsmittel, welches die komplette Zutatenliste im Werbe-Jingle Preis gibt. Dafür hätte die Firma Storck eigentlich einen Transparenz-Preis verdient, aber das ist eine andere Geschichte.


Präambel:
Bei dem Autor dieser Zeilen handelt es sich um einen der letzten wirklich ernsthaften Pfeifenraucher. Einem bei dem nur ausgewählte, limitierte, geagede Bio-Tabake absoluter Natürlichkeit, in ausschliesslich von skandinavischen Highgradern handgeschnitzten Pfeifen mit makellosem Straight-Grain genossen werden. Einem der maximal drei schwefelfreie Streichhölzer pro Pfeife verwendet, der eher das Rauchen aufgeben würde, als zum Beispiel (ich traue mich kaum dieses Wort zu tippen), einen Aromaten zu rauchen.
Ausgerechnet mir, schickt Pfeifen Huber aus München den „SELECTED BLEND – Virginia“ zur Rezension zu. Einen, Sie werden es erraten – aromatisierten Tabak.
„Virgina“ klingt ja erstmal jungfräulich und rein … aber weit gefehlt…

Arglos öffne ich die Dose und mir bleibt die Luft weg. Die Schokolade und die Vanille, die bei meinen Tabakreviews von Chocolate Flake und Perfection, obgleich versprochen, völlig fehlten, strömen jetzt aus dieser Dose. Als gäbe es einen universellen Joulschen-Aromen-Erhaltungssatz „Die Anzahl der Aromamoleküle in allen Pfeifentabaken ist immer konstant“ Möglicherweise haben die Herren Kohlhase und Kopp ein paar Kanister Aromastoffe aus dem Lager von Samuel Gawith entwendet und diese dann über den Huber Virginia gekippt …

Das hört sich jetzt unschön an, das ist mir bewusst, aber bevor mir Herr Huber jetzt gleich Hausverbot erteilt und ich im Tal ein für immer Geächteter sein werde, bitte ich sie sich meine Eingangsworte in Erinnerung zu rufen: Die von meinem Guilty-Pleasure. Dieser Dose entströmt der wundervolle, einzigartige und unverwechselbare Duft von Toffifee! Auf der Herstellliste finden sich zwar andere Angaben, aber wir wissen ja alle, was wir von diesen zu halten haben. „Sahnekaramell, Vanille, Cappuccino und Holunderbeeren“ Sahnekaramell und Vanille ja … der Rest ist Quatsch.
Das Aroma heisst: Toffifee!

Nachdem ich mehrere Minuten den Geruch genossen habe, stopfe ich mir die Mischung gierig in eine Pfeife –  eine 2018er Caminetto (auch von Pfeifen Huber) Ich zünde, rieche, ziehe, hauche … unglaublich … erst schmecke ich nur etwas Virginia, aber dann kommt die Toffifee-Keule. Wundervoll! Während ich mich also an diesen satten und süßen Aromen ergötze, versuche ich den Tabak zu dekonstruieren:

Ein paar Curlyscheiben entdecke ich sofort. Helle Virginias, mittelbraune Burleystreifen und auch ein Bisserl zerrissener Flake, aber das könnte auch eine zerfledderte Curlyscheibe sein und dann auch etwas tiefschwarzer Black Cavendish. Ich traue letzterem kein Stück über den Weg, nicht zu unrecht ist er als Rauchpappe verschrien. Ich bin mir sicher, spätestens nach 17,5 Zügen wird das Aromaverflogen sein und ich werde an einer farblosen, langweiligen Knöselmischung herum nuckeln.
Ich starte meinen Computer, logge mich im Adminbereich des Pfeifenblogs ein und beginne zu tippen. Ich fotografiere die Dose, deren Inhalt und so weiter, was ein Tabakrezensent eben den ganzen Tag so macht. Eine knappe Stunde später ist die Pfeife aus. Ich habe kein einziges Mal nachgefeuert, höchsten ein, zwei mal gedankenverloren nachgestopft. Aus dem Pfeifenkopf rieselt hellgraue Asche. Ich stopfe die nächste Pfeife und kann es kaum glauben. Das Toffifee-Aroma hat auch diesmal die g e s a m t e Füllung durchgehalten! Unglaublich! Auch die zweite Pfeife (eine Peter Klein aus Dänemark) schmeckt gleichermassen lecker und lässt an keiner Stelle nach. Was für ein Tabak oder besser: Was für eine Aromat!

Ich bin mir sicher, wären alle Aromaten von einer solchen Qualität, wie der Selected Blend Virginia, sie hätten nicht einen solch schlechten Ruf. Auch bei Aromaten merkt man ganz klar, die Qualität der Grundtabake und die ist bei diesem Blend definitiv außerordentlich hoch.

Fazit: Dieser Tabak reiht sich ein in meine (fast endlose) Liste von Guilty-Pleasures, aber ich werde es natürlich immer abstreiten, jemals Aromaten zu rauchen, versteht sich – oder?




Pfeifen Huber | Selected Blend English

Pfeifen Huber, Freitagnachmittag gegen 14.00 Uhr: „Und, gibt’s irgendwas Neues?“ „Ne, eigentlich nicht… Doch Halt! Wir haben fünf neue Tabake! Gestern gekommen!“ Also wenn das nichts Neues ist! Diese fünf neuen Tabake sind eigentlich eine kleine Reihe, die sich „Selcted Blend“ nennt und sich in erster Linie einmal dadurch auszeichnet, dass die Tabake einheitlich in 50g Dosen konfektioniert sind. Das ist vor allem bei der hier besprochenen „Englischen Mischung“ sinnvoll und schließt eine Lücke im Sortiment der Huber Haustabake, denn alle anderen Huber-Latakiamischungen sind bislang nur in 100g Dosen erhältlich.

Huber Selected Blend English10 verschiedene „Englische Mischungen“ gibt es unter den Huber Tabaken, darunter auch den von mir sehr geschätzten „English Balkan“ oder die „Smoking Mixture“. So stellt sich die Frage, wie sich der „Selected Blend English“ innerhalb des Portfolios positioniert und ob eine Erweiterung um einen elften Latakiablend sinnvoller ist als etwa eine der bewährten Mischungen als 50g Dose anzubieten?

Die Herstellerpanegyrik lautet: „Eigenständig. Unverwechselbar. Rauchig duftiger Latakia aus Nordzypern wird abgerundet mit Virginia aus drei Kontinenten. Abseits von zugeführter Aromatisierung bietet diese Mischung unverfälschten Rauchgenuss für Puristen. Langfaseriger Schnitt.“

Huber Selected Blend EnglishVirginias und Latakia, sonst nichts. Das klingt erstmal wenig spektakulär, ist auch wenig spektakulär, aber es ist ziemlich gut gemacht und so ist der Selected Blend English ein Tabak, der mir vom ersten bis zum letzten Zug schmeckt und Freude macht. Diese fast schon puristische Reduzierung ist eigentlich gar keine, zeigt sich doch von Anfang an, wie vielschichtig eine gekonnte Kombination verschiedener Virginias sein kann. Kohlhase & Kopp, aus deren Haus der Huber Selected Blend English stammt, hat hier wieder einmal erstklassige Arbeit geleistet. Und genau deshalb kann sich der Tabak im Huber-Latakia-Sortiment auch gut behaupten und ergänzt das Angebot auf absolut überzeugende Art und Weise.

Der Huber Selected Blend English ist ein klassischer Ribbon Cut der neben den verschiedenen Virginia Grades aus einer anständigen Portion Latakias besteht, was ihn auf der einen Seite ordentlich rauchig macht, auf der anderen stehen aber die Virginias, die durchaus kräftig genug sind, um dem Tabak genügend Körper zu verleihen und ihm malzig süsse und erdige Noten mitgeben. Huber Selected Blend EnglishDas Geschmackserlebnis ist einerseits sehr direkt und fast ein bisschen rustikal, aber auch komplex und vielschichtig, wobei allerdings eine große geschmackliche Entwicklung über die ganze Füllung hinweg ausbleibt. Hier ist er vielleicht stilistisch am ehesten mit Samuel Gawiths Squadron Leader vergleichbar, der – obwohl er noch Orientals enthält – ähnlich direkt bei überschaubarer Entwicklung schmeckt. Auch qualitativ ist er diesem absolut ebenbürtig. Der Latakiaanteil wirkt nicht so sehr ätherisch wie etwa beim Huber English Balkan, dafür ist er perfekt eingebunden. Sein geschmacklicher Bruder ist der Dunhill BB 1938, der aber im vergleich zum Huber Selected Blend English ein wenig schmalbrüstiger wirkt.

Durch die verschiedenen Virginias ist der Selected Blend English unter den englischen Mischungen durchaus nicht leichtfüßig und ich empfinde ihn zwar nicht so rauchig voll wie den English Balkan, dafür aber als gehaltvoller und kräftiger. Die perfekte Balance das Tabaks verhindert, dass er langweilig wirkt, sodass ich ihn lieber rauche als den BB 1938, der für mich genau an dieser Stelle etwas kränkelt. Das ist aber ein Eindruck aus dem Gedächtnis mangels eines direkten Vergleichs der zwei Tabake.

Huber Selected Blend EnglishFür Freunde schnörkelloser Latakiamischungen hat der Selected Blend English absolut meine Empfehlung! Er ist in etwa das, was für den Virginia/Perique Liebhaber die alte Elizabethian Mixture war: eher wenig spektakulär aber schlicht herausragend gut! Wer das Spektakel sucht, möge unter den Huber Latakias den English Balkan probieren!

Stopfen, Anzünden und Rauchen lässt sich der Selected Blend English vollkommen problemlos, was ihn auch durchaus für Anfänger empfiehlt, die einen kräftigen Engländer probieren möchten.

Erhältlich ist der Huber Selected Blend English ausschließlich bei Pfeifen Huber in München zum derzeitigen Preis von Euro 12,50/50g (Stand März 2020).




Pfeifen Huber | Selected Blend – Flake Cut

Pfeifen Huber hat eine neue Tabakserie aufgelegt: Selected Blend. Der Tobacconist aus München sieht die „Blauen“ als Ergänzung zu den lange etablierten, fast ausschließlich in 100g Dosen angebotenen Reihen Danish, Virginia, Englisch, Flakes und den aromatisierten Tabaken. Selected Blend ist in 50g Runddosen verfügbar. Wir werden die 5 verschiedenen Tabake – English, Virginia, Irish, Aromatik und den Flake Cut in den nächsten Wochen ausgiebig testen und dann vorstellen. Während Peter Hemmer sich hier die Englische Mischung vorgenommen hat, widme ich mich erst einmal dem Flake Cut.

Wer wie ich bei den gepressten Tabaken eine besondere Vorliebe für die als „Band“ in die Dosen gelegten Tabake hegt (Huber Honeydew Flake – jetzt Golden Flake, Robert McConnell Old London, Rattray`s Marlin Flake) wird vom neuen Flake Cut angetan sein. Denn der besteht nicht aus vorgeschnittenen Flake Scheiben, sondern aus einzelnen „Tabakbändern“ von ungefähr 3,5 x 20 cm. Diese sind gleichmäßig und dünner als Flakescheiben geschnitten und das bringt nicht nur beim Befüllen der Pfeife Vorteile, da die Bänder sich einfacher knicken und falten lassen. Wer es vorzieht, den Tabak auf die bekannte barbarische, gefühllose Art zu zerreißen oder zu zerpflücken, mag das tun. Geht auch.

Hubers neuer Flake ist ein reiner Virginia, der aus der Dose einen wunderbaren Duft abgibt. Es ist ein ganz leichtes zusätzliches Aroma feststellbar, das sich aber perfekt dem Virginia unterordnet und dessen Eigenart wohltuend unterstützt. Der oder besser die Virginias sind gold- bis dunkelbraun und stammen von drei Kontinenten: Südamerika, Afrika und Asien. Sie werden in Blöcke gepresst und unterlaufen eine Reifezeit von 4 Wochen. Nach dem Reifeprozeß erfolgt der „Schnitt“ und – leider ein gesetzlich initierter Irrsinn – der Flake in die runde 50g Dose verbracht.

Knick&Falt also, damit sich tirolische Steinadler wieder echauffieren können. Für die große Stanwell reicht ein Bändchen für eine 3/4 Füllung. Die Kondition ist perfekt und so läßt sich das Rauchvergnügen ohne Umstände an. Und genau das ist es. Nach dem anzünden und nach einigen wenigen Minuten beginnt das Virginiafest. Der Flake bringt sogleich ein volles, dichtes virginiatypisches Geschmackserlebnis. Die natürliche Süße geht einher mit dem Geschmack von trockenem Heu und wer jetzt nicht vor lauter Euphorie beginnt, die gebotene Ruhe und Langsamkeit außer Acht zu lassen, wird reichlich belohnt. Der Flake entwickelt keine Spitzen. Hat er einmal seine „Betriebstemperatur“ erreicht, bleibt ein bis zum Ende hin gleichbleibender, voller Rauchgenuß. Ein wenig erinnert mich dieser Flake an den alten Heroen Richmond Medium Navy Cut, eher im Duft, ein wenig auch im Geschmack. Nur ist der Huber Flake Cut um einiges kräftiger, aber nicht was Nikotin betrifft. Hier erscheint er mir sogar ein wenig unter „Medium“ zu segeln, was aber sehr gut zur gesamten Komposition passt.

Dieser Tabak, der mit so wenig Komponenten daher kommt, ist für mich ein Volltreffer. So süffig, so geschmacklich naturrein. Ich werde noch ein, zwei Dosen kaufen und wenn sich da keine Abweichungen ergeben, wird das ein „Lagertabak“ für mich werden. Es bleiben noch zwei Gedanken: ich habe den Huber Flake Cut in verschieden großen Pfeifen geraucht, große – wie die im Artikel zu sehende Stanwell Premium – mittelgroße und auch kleine Dunhills und Foundations. In allen Pfeifen war es ein Genuß.

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Unverständlich allerdings bleibt für mich, warum nicht auf dem Bodenetikett die Zusammensetzung des Flakes angegeben wird. Ungenutzer Platz ist reichlich vorhanden. Das wurde aber schon oft auch bei Tabaken anderer Hersteller bemängelt. Es kann nicht an der Kostenbetrachtung des Produkt Managements liegen, hier haben die sogenannten Marketingschlafleute wieder einmal nicht mitgedacht

Pfeifen Huber, München
Selected Blend – Flake Cut
50g Runddose

ab sofort erhältlich hier




Archäologie – R and M (Rum & Maple)

Wer ἄλφα sagt, muß auch βῆτα sagen. Bei der letzten „Redaktionskonferenz“ des Pfeifenblog.de wurden die Aufgaben für die nächsten Artikel verteilt. Mein Thema wurde der Wechsel der Peterson Tabake zur Scandinavien Tobacco Group (STG). Na ja, auch die Übernahme von Planta durch MacBaren erschien mir interessant. Was ich aber nicht wußte, auch einer der Archetypen aller Aromaten gehört nun zu MacBaren, der neuerdings als R and M benamste frühere Rum & Maple Blend No. 53. Oh je, genau der Tabak, der schon immer auf meiner Hit- und Wunschliste stand. Was soll`s, ein Guter hält es aus und um einen Schlechten ist nicht schad.

Aktueller Aufdruck auf dem 50g Pouch, Unitas ist der deutsche Großhändler

Zunächst der wichtige Blick zurück. Rum & Maple war nicht immer, was er heute ist und auch das Image war um Längen besser. Den Tabak gab es in den USA schon in den 1940ern und seinerzeit setzte er sich zusammen aus syrischem Latakia, Virginia und North Carolina Tabak, dem Rum und Ahornsirup zugesetzt wurde. Der Original Hersteller war Larus & Brother Company aus Richmond im Staat Virginia, später übernahm Pinkerton Tobacco aus Kentucky die Fertigung. So ab 1964 gehörte der Rum and Maple zu Lane (mittlerweile STG Lane Limited, Crown Achievement, Captain Black) und anscheinend erfolgte da eine Rezepturänderung. Der Latakia wurde ersetzt durch Burley und Cavendish. Als Lane den Tabak nicht mehr weiter produzierte, übernahm die deutsche Planta und fertigte ihn bis 2019, bis Planta geschlossen wurde und die Tabakfertigung auf MacBaren überging.


Ich habe die 50g Pouch Packung gekauft, da mir die 100g Runddose ein zu großes Risiko dargestellt hat. Zu Recht, wie ich nach 3 Rauchproben weiß. Die erste Enttäuschung: nichts riecht auch nur annähernd nach Rum oder Ahornsirup, ein unangenehmer, muffiger Geruch entströmt, der alles sein kann, wahrscheinlich aber von einer moderigen Seegrasmatratze herrührt. Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung, aber als ich zuletzt vor 40 Jahren einmal an diesem Takak gerochen habe, gab es doch ein deutliches Rum und Ahornaroma, oder? Feststellen kann ich fast auschliesslich den Burley. Der R&M ist fein geschnitten und gut konditioniert. Bei der Wahl der Pfeife habe ich mich durch gewisse Vorahnungen zu einer uralten Lincoln Pfeife entschlossen. Ja, richtig – genau die aus der 1974er Plakatwerbung („Lincoln Cavendish – mehr hat der Mann, der Lincoln raucht).

So, und jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich habe den R and M drei Mal versucht zu rauchen und genauso oft die Pfeife nach der Hälfte geräumt. Dieser Blend ist eine geschmackliche Zumutung. Das einzige, was ich glaube heraus zu schmecken, ist der muffige Burley. Alles andere ist zugekleistert von einem undefinierbarem Aromagemisch.

Nun kann es sein, daß ich diesen heroischen Tabak völlig falsch beurteile, Geschmack unterliegt schließlich keinen gesetzlichen Verordnungen. Deshalb habe ich mich intensiv in amerikanischen Foren umgesehen, diese mag ich ganz besonders. Viele Kommentare haben etwas holzfällerhaftes und ich bin sicher, die Rezensenten tragen karierte Flanellhemden. Ich habe eine Strichliste geführt und bei 50 Kommentaren aufgehört. Sage und schreibe 45 haben den R&M über den grünen Klee gelobt, die übrigen 5 beklagten, daß erst nach Aufgabe der Produktion durch Lane und den Transfer nach „Germany“ (Planta scheint nicht bekannt zu sein) der Tabak sogar ungenießbar geworden sei. Sei`s drum, ich fühle mich richtig aufgehoben in der Minderheit.

Selbst wenn der geneigte Pfeifenraucher nostalgische Beweggründe vorgibt, um einen Versuch zu wagen, es muß davon abgeraten werden. Auch der Preis von 7€/50g ist wirkungslos. Mehr fällt mir dazu nicht ein, ich mache jetzt den Pouch wieder zu und rieche mindestens eine halbe Stunde in den Huber Balkan hinein.


R and M
seit 2019 von MacBaren
50g Pouch, 100g Runddose, 250g Dose




Samuel Gawith | Perfection

Mit der Perfektion habe ich es persönlich gar nicht so. Perfektion ist die Suche nach den 100%. Wir alle wissen, spätestens seit Vilfredo Pareto (1848–1923), dass 80% des Ergebnisses mit einem Aufwand von 20% zu erreichen sind … umgekehrt bedeuten die letzten paar Prozent bis zur Perfektion den allergrößte Aufwand. Nach diesem Pareto-Prinzip zu leben, macht einen zum „perfekten“ Mittelmaß zum „mit-geringstem-Aufwand-irgendetwas-ausreichend-Macher“. Deshalb ist dieses Prinzip perfekt für amerikanische und amerikanisierte Vollpfosten, die nichts wirklich können, aber hocheffektiv blöd daherreden … Schreibe ich mich gerade in Rage? Kann sein. Da ist jetzt auch ganz viel Selbsthasskritik dabei. Fehlt es mir selbst doch oft an der Zeit, der Lust und auch am Fleiß wirklich 100% zu geben, um 100% zu erreichen.

Das schöne an der Kunst ist, dass man die letzten 20% manchmal geschenkt bekommt. Von den Musen, vom eigenen Genius vom Universum oder dem heiligen Geist … keine Ahnung von wem, aber manchmal gelingt einem etwas, was man im Grunde nicht verdient hat. Das ist zum einen tröstlich aber zum anderen auch Futter für den Schweinehund, denn lieber hofft man, denn zu arbeiten … Aber ich werde mich bessern, ich verspreche es, hoch und heilig bei den Musen, der Sarasvati (meiner indischen Lieblingsgöttin) und dem heiligen Aloisius.

Was erwartet man nun von einem Tabak oder allgemein einem Produkt, welches „Perfection“ heisst? Da liegt die Latte hoch, oder? Je höher die Latte, desto wahrscheinlicher reisst man sie, vor allem wenn man nur zu 80 Prozent anläuft. Was soll ich sagen, ich war sehr skeptisch, als ich die Dose beim Huber im Tal erworben habe. Eigentlich gefiel mir nur das Zamperl (Mundart: Hund), die hübsche hellblaue Farbe und die Tatsache, dass es über den Perfection von Samuel Gawith noch kein Review hier auf dem Blog gibt.

Die Dose öffnete ich gleich noch im Geschäft und wie meistens bei etwas weniger verbreiteten Tabak, steckte jeder der Anwesenden seinen Riechkolben in die Dose und nahm sich bei Gefallen, eine Füllung in seine Probierpfeife. Ich muss irgendwann noch versuchen dahinter zu kommen, warum immer, wenn ich einen neuen Tabak kaufe, alle auf einmal eine Liebe zu Giant-Pfeifen entwickeln – ein merkwürdiges Phänomen … Ich nahm mir also die paar Brösel, die noch in der Dose verblieben waren und stopfte mir eine Dunhill Nummer 1 zur Hälfte.

Der Tabak war perfekt konditioniert und ließ sich perfekt in die Pfeife stopfen und perfekt anzünden. Er brannte auch perfekt, absolute Perfektion bis hier her.
Es gibt Menschen, die empfinden Perfektion als langweilig und suchen nach dem Unperfektem, den Ecken und Kanten, dem Besonderen. Ich denke mal, die Suche nach zu feuchtem und schwer entzündbaren Tabak wird von wenigen betrieben, das ist etwas, was man einfach voraussetzt, was man glaubt erwarten zu können.

Beim Perfection handelt es sich um einen „milden Engländer“ etwas Latakia, mehr als eine Prise aber auch keine Balkanportion. Perfekt ausgewogen? Ja, irgendwie schon. Die Balance zwischen Virginias und Latakia stimmt. Aber? Keine Jubelrufe? Keine elegischen Ausführungen? Nein, leider nicht. Es ist ein toller Tabak, gute Qualität, 1a Geschmack, aber doch lässt er mich nicht jubeln. Vielleicht ist er doch zu perfekt? Ich würde ihn jedem empfehlen, der keine oder wenig Erfahrungen mit englischen Tabaken hat. Ich würde ihm sagen, dass das der perfekte Engländer ist, ein wohlschmeckender und einfach zu rauchender Pfeifentabak. Aber einem Kenner würde ich ihn niemals empfehlen.

Ist vielleicht Perfektion nur etwas für Anfänger? Liebt nur der erfahrene Connaisseur das Raue, das Extreme, das Skurrile kurz das Unperfekte?
Mir scheint, ein wenig könnte das so sein…

 

 

 




Peterson Old Dublin – ein Brexit Gegner

Schlechte Nachrichten blenden wir im Pfeifenblog.de gewöhnlich einfach aus, die gehören nicht in unsere, sondern in die äußere Welt, die eh voll davon ist. So habe ich den aufklärerischen, renitenten Artikel von Alexander Broy aus dem vergangenen Jahr selbstverständlich ignoriert. Zumal mir bisher außer dem 3 P Plug und einem gelegentlichen Rauch mit University und Irish Flake nichts von Peterson in die Pfeifen geraten durfte. Und bis vor wenigen Monaten werkelte auch noch MacBaren daran rum, zu denen doch die Übernahme von Planta viel besser passt.

Aber nun ist ja die Scandinavian Tobacco Group (STG) am Ruder, hat die Peterson Tobacco Lizenzen erworben und die ersten Resultate aus „DER ANDEREN“ dänischen Fertigung liegen als 50 g Runddosen in den Regalen. Und da die beiden Irlands gerade in aller Munde sind und vielleicht für das britische Inselchen-Wundermännchen aus London zur Pita werden könnten, habe ich mir den Old Dublin vorgenommen.

Wer den Tabak nicht kennt und einen aromatisierten irischen Blend erwartet, wird zum Glück eines Besseren belehrt. Der Old Dublin ist eine saubere englische Latakia Mischung, die aus cypriotischem Latakia, hellem Virginia und einem kräftigen Anteil von Basma Orientabak aus Griechenland besteht und durch Black Cavendish abgerundet wird. Der Tabak ist für meine Vorlieben etwas zu fein geschnitten, wie auch einige Dunhill Tabake. Der Duft aus der Dose ist der eines feinen Engländers, wie wir ihn aus den 1950er/60er/70er Jahren her kennen. Der Latakia steht keineswegs im Vordergrund, sondern ist sorgsam auf Virginia und Orient abgestimmt. Das ist auch deutlich am Tabakbild zu sehen:

Diese typische englische Mischung hat einen leichten, nussigen, dennoch würzigen Unterton und ich denke, das ist auch dem hervorragenden Basma zu verdanken. Über das Befüllen einer Pfeife mit diesem Tabak lasse ich mich hier nicht aus, das sollte bekannt sein. Obwohl – ich werde den Old Dublin allen empfehlen, die bisher andere Geschmacksrichtungen bevorzugen und doch gerne einmal in eine Latakia Mischung hineinschnuppern wollen. Oder sogar Einsteigern, wenn ich sie von Cherry-Vanilla-Himbeeren Tabaken wegführen will. Der Old Dublin ist der richtige Tabak dazu. Fast ein wenig zu leicht in der Geschmacksdichte, mit wenig Nikotin – dennoch ein gelungenes, englisches Rauchvergnügen. Auch über die sogenannte Raumnote werden Sie von mir nichts hören. Ein Engländer riecht wie ein Engländer und Sie werden sich in einer Parfumerie oder bei Ihrer militant nichtrauchenden Tante nicht gut Freund machen.

Man kann einige Geschütze gegen ihn auffahren, da fallen mir die Skiff Mixture und der Squadron Leader von Samuel Gawith ein, keineswegs aber die Dunhill Mixture 965, wie in manchen Foren zu lesen ist. Das ist eine ganze andere Nummer.

 

Peterson Old Dublin
Made in Denmark  by STG
50 g Runddose

 




Der Wi(e)dergänger – Robert McConnell „Old London“

Robert McConnell`s Old London hat eine ähnlich zerfledderte Vita wie der Capstan, die Three Nuns, Dunhill Tabake oder die von Charles Rattray und zeigt einmal mehr den Niedergang der alten, traditionsreichen englischen Pfeifen-Tabakmanufakturen auf. Letzlich sind viele englische Tabake mit einer klangvollen Historie auf dem Kontinent* gelandet, entweder bei der Scandinavian Tobacco Group (STG), MacBaren oder Kohlhase & Kopp.

C.E. McConnell Ltd war ein kleiner Tabakhersteller in London, der von 1848 bis 1989 existierte und in seinen letzten „Lebensjahren“ nahezu ausschließlich OEM Tabake hergestellt hat, also Tabake für andere Brands, darunter für Rattray und Wessex, aber auch für zahlreiche US Distributoren wie z.B. Marble Arch. Unter anderem gingen die letzten Inhaber der Firma, die Brüder Ken und Michael McConnell (einen Robert hat es nie gegeben, das ist eine „Marketing Erfindung“, Robert McConnell war schlichtweg ein wohl nicht registrierter Zusatz zum rechtlichen Firmenamen) eine Liaison mit William Ashton-Taylor ein, der als Ergänzung zu seinen Ashton Pfeifen eine Tabaklinie aufbauen wollte. Und so wurde u.a. neben Black Parrot, Celebrated Sovereign, Original Old Church, Brindle Flake, Old Dog auch der Ashton Old London Pepple Cut geschaffen.

Als C.E. McConnell nach 141 Jahren 1989 geschlossen wurde, übernahm Kohlhase & Kopp (K&K) quasi den Nachlaß und fertigte die Tabake für Europa und die USA, bis der letztere Markt von Ashton an McClelland vergeben wurde. Letztlich aber ging 2005 die Gesamtfertigung wieder zurück an K&K, die allerdings im Gegensatz zu McClelland nicht mehr die identischen Rezepturen von C.E. McConnell verwendeten, wie es ja so häufig bei Markenübernahmen geschieht. Die Robert McConnell Reihe (Robert McConnell Original und Heritage) ist nun vollständiger Bestandteil des K&K Portefeuille. Von der ursprünglichen C.E McConnell Ashton Reihe werden von K&K nur noch Black Parrot, Sovereign und Old London hergestellt, allerdings gibt es von K&K unter den Brands Robert McConnell und Ashton eine ganze Reihe weiterer, bemerkenswerter Tabake. Über die zunächst als Dunhill-Ersatz geplante Heritage Linie haben wir hier und in weiteren Artikeln ausführlich berichtet.


Der Robert McConnell Old London ist ein naturreiner Virginia Perique Flake mit Orientanteil (?), dem abweichend von den Ursprungsrezepturen in der K&K Version Black Cavendish hinzugefügt ist. Hergestellt wird der Basis Flake von STG, K&K übernimmt die Konfektionierung. Der Schnitt wird seit jeher mit Pebble Cut bezeichnet, was immer das sein mag. Ich würde ihn eher Ribbon  nennen, wie wir ihn vom Honeydew Flake  – jetzt Golden Flake  – vom Tobacconisten Pfeifen Huber her kennen. In der hohen 100g Dose liegt das breite Tabakband säuberlich gerollt und zeigt ein wunderschönes Bild.

Der Duft aus der geöffneten Dose ist wundervoll. Backflaumen, Heu, Pumpernickel, alten Port vemag ich zu riechen, alle Gerüche völlig naturrein. Die abrundende leichte Süße des Tabaks, im Duft wie auch im Geschmack, stammt vom nussigen, hellbraunen sowie einem aromareichen roten Virginia. Louisiana Perique bringt Würze…… und der Orient-Pfeffer? Nicht sicher bin ich, ob tatsächlich noch Mazedonischer Orienttabak Teil der Mischung ist. Ich vermute, dass der von der Ur-Rezeptur abweichende Black Cavendish diesen ersetzt hat. Allenfalls dürfte sich Orient nur noch in homöopathischen Mengen zu finden sein.

 

Das Flake-Band ist perfekt konditioniert. Sehr leicht lassen sich bröselfrei Stücke abdrehen. Ich befülle die Pfeife wie gewohnt mit Knick&Falt, die beste Methode, gepresste Tabake als einheitliche Komposition zu erfahren. Wer davon nicht überzeugt ist, nur über eingeschränkte Fingerfertigkeiten verfügt oder einfach seinem alpinen Widerspruchsgeist folgen muß, läßt es bleiben und bringt den Tabak in die Pfeife, wie er es mag, meinetwegen auch pulverisiert. Bei Knick&Falt darf der Tabak nicht zu fest gestopft werden, denn er quillt leicht bei zunehmender Hitze. Und deshalb gilt hier wieder einmal mehr: langsam, langsam rauchen. Windumtoste, regengepeitschte Mittagspausenrauchplätze meiden, denn auch die kleinste Flakepfeife braucht für den uneingeschränkten Old London Genuß länger als eine halbe Stunde.


Old London Pebble Cut ist ein komplexer Tabak, der ein vielschichtiges Geschmackserlebnis verschafft. Einerseits bringen die unterschiedlichen Virginias Süße und eine gewisse, nussige Leichtigkeit, während der Perique für Kraft und Würze zuständig ist. Ob der Orientersatz Black Cavendish zu einer großen Abweichung von der Ashton / C.E. McConnell /McClelland Old London Version führt, weiß ich nicht. Eine 100g Dose wurde kürzlich auf ebay für 200 US $ angeboten, das waren mir dann doch 5 $ zuviel, zumal mir der K&K Tabak hervorragend schmeckt. Orient hin oder her.

 

Obwohl kein Latakia in der Mischung verwendet wurde, möchte ich den Old London als einen typisch englischen Virgina-Perique Flake bezeichnen, der einen Hauch Nostalgie in den Genuß einbringt.  Eine geringe geschmackliche Nähe zum Rattray Marlin Flake ist feststellbar, kommt dieser letztlich ja auch von K&K.

Unterstützt habe ich das hervorragende Raucherlebnis mit einem wundervollen 2007er Niepoort Vintage Port, dessen Tiefe und Vollmundigkeit die des Old London perfekt abrundet.

 

* [Ironie ein]Ob der Brexit den zwei (drei) verbliebenen britischen Manufakturen Samuel Gawith & Gawith & Hoggarth und J.F. Germain & Son zum Wohl gerät oder zumindestens nicht schadet, bleibt abzuwarten. Womöglich werden sie dann ebenfalls in Dänemark oder Deutschland, also in der EU hergestellt.[Ironie aus]

 

 

 

 

 

 




Tabakdosen Design für die neue HU Tobacco Kollektion

Das Frühjahr wird irgendwann doch noch kommen und damit auch die neue Tabak-Kollektion Frühjahr 2020 von HU Tobacco.
Aus dem Hause Hans Wiedemann wird es drei neue Tabake geben, bzw. Tabake, die überhaupt nicht neu, sondern im Gegenteil sehr alt sind.
Der Tabakblender aus dem Ries hat vor gut zwei Jahren drei Tabak-Mischungen im Klimaraum bei Kohlhase&Kopp einlagern lassen und wird sie vermutlich rechtzeitig zur Pfeifenmesse in Hamm (die Lohmarer Pfeifenmesse gibt es ja nicht mehr) vorstellen. Im Vorfeld ist bei so einer Neuerscheinung viel zu tun und so natürlich auch Etiketten zu entwerfen, was auch dieses Mal wieder mein Job war. Das wundervolle an einem solchen Auftrag ist, dass man schon mal einen ersten Blick, viel mehr ein paar Pfeifenfüllungen vorab erhaschen kann.

Bei den neuen Tabaken handelt es sich um eine Virginiamischung, einen Virginia/Perique und einen gemäßigten Engländer.
Ich habe alle drei geraucht, möchte aber nach ein paar wenigen Pfeifenfüllungen kein abschliessendes Urteil oder gar ein Review verfassen. Erstens ist es dafür noch zu früh und zweitens bin ich vermutlich auch nicht der genaueste Analytiker. Deshalb werde ich mich eher künstlerisch zu den drei neuen „Alten“ äussern. Die erste Idee, die mir in den Sinn kam, als mir Hans Wiedemann von seinem Plan, Tabake zu „agen“ berichtete, war ein Faß. Faßlagerung assoziiert man mit kultivierter Reifung. Altes Holz, liebevolle Behandlung, kurzum „Reife“, statt nur „Alter“.  Nicht nur der Kopf ist rund, auch ein Faß und eben auch eine Tabakdose (zumindest von einer Seite betrachtet).

Das Label sollte also eine Faßanmutung bekommen und weiter lief die kreative Assoziationskette. Fässer verbindet man mit Rum, Whisky, Wein, Branntwein, Bier … Letzteres fällt aus, weil da Alterung nicht positiv besetzt ist. Aus irgendeinem Grund blieben wir bei etwas „spanischem“ hängen … Mir kam es irgendwie spanisch vor 😉 … (Portwein ist für mich auch irgendwie spanisch … warum auch immer). Im Spanischen gibt es so tolle Bezeichnungen „Gran Reserva“, „Limitada“ und dann das grandiose ñ in Años. („ALT“ „n“ und dann „n“ auf dem Apple und „ALT“ und 0209 (Ñ) oder 0241 (ñ) auf dem Ziffernblock)

Bei den Namen der Tabake schlug ich deshalb etwas aus der spanischen Kultur vor. Vielleicht Cervantes, Goya, Velázquez … Ganz am Ende mit unseren Überlegungen sind wir noch nicht … Bis auf Rocinante, das Pferd von Don Quixote der Name gefiel uns spontan so gut … aber noch ist nichts final.

Das Faß malte ich mit Guache auf Gessokarton und bearbeitete es dann in Photoshop und Indesign zu einem ersten Label, welches ich dann in ein sogenanntes Mockup umwandle, welches ihr hier schon mal vorab zu sehen bekommt. Und weil ich ja, wie vielleicht einige von euch wissen, schon seit längerem unter die YouTuber gegangen bin, lag es natürlich nahe, einen kleinen Film über den Design-Prozess zu drehen.

Darum werde ich jetzt auch gar nicht mehr so viel dazu schreiben, sondern sage: „FILM AB:“

Ein seriöses Review der Tabake wird es hier sicherlich auch bald geben, aber vielleicht von einem anderen (etwas seriöseren) Autor dieses Blogs. Da wird dann bestimmt auch geklärt werden, ob sich der Aufwand und die damit verbundenen Kosten der Lagerung von Erfolg gekrönt waren.
Eines kann ich schon vorab spoilern: (ich verrate es im Film ohnehin) Einer der drei Tabake ist, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, der absolute Wahnsinn …