The Danish Pipe Shop | Kopenhagen Reisebericht

Dänemark. Ein Pfeifenraucher assoziiert damit sofort Pfeifen mit ungewöhnlichen freien Formen und Tabake, die nach Vanille und/oder Lakritz schmecken. Neben England ist Dänemark sicherlich die bekannteste Pfeifenrauchernation. Pfeifenmacher der Familien Ivarsson und Chonowitsch, WØ Larson, Bo Nordh, Micke und viele mehr prägten den dänischen Stil der weichen, natürlichen und freien Form, die ganz im Gegensatz zu den strengen klassischen Modellen der Engländer, wie z.B. Dunhill oder BBB standen. Fährt man dieser Tage nach Dänemark, so bietet sich dem Besucher allerdings ein ganz ähnliches nüchternes Bild wie in Irland, England oder sonst wo auf der Welt: Pfeifenraucher sind kaum mehr Teil des Straßenbildes und Tabake werden an Tankstellen und Lotto-Toto Geschäften verkauft – immer die selben fünf langweiligen Pouches.

Ich fahre schon seit unzähligen Jahren nach Dänemark, allerdings nicht um dort teure Freehands zu erwerben oder mir besondere Tabake zuzulegen, sondern um den maximal langweiligsten Urlaub zu machen, den man für viel Geld bekommen kann. Die Landschaft der dänischen Westküste ist wundervoll und an jeder Stelle der Nordsee nahezu identisch. Es gibt die See, einen Strand, ein paar Dünen mit Ferienhäusern, einen Radweg und eine Straße. Ab und zu ist noch ein Fjord dazwischen, davon sieht aber auch einer aus, wie der andere. Die kleinen Städtchen die in das Flachland hinter den Dünen gestreut sind, sind an Langweiligkeit nicht zu überbieten. Alles hübsch, sauber und hygge. Es gibt nichts, was auch nur im entferntesten aufregend wäre. Ich liebe es dort im August bei schlechten Wetter mit Norwegerpulli und Lederhose auf der Düne zu stehen und Strandhafer zu malen.

Wo ich bisher aber noch nie gewesen war, war die Hauptstadt Kopenhagen und das habe ich dieses Jahr endlich nachgeholt. Als ich von meinen Reiseplänen im Münchner Pfeifenclub erzählte, wurde bei mir sofort eine riesige Bestellung My Own Blend 800Ø abgegeben. Wie ich solche Mengen einkaufen sollte, war mir zunächst ein Rätsel. Ich würde mir eines der berühmten Christiania Lastenräder leihen müssen und hoffen dass dort ein paar Euro-Paletten Tabak hinein passen würden.

Es gibt in Kopenhagen nur noch ein einziges richtiges Tabak- und Pfeifenfachgeschäft, einen Laden, der schon seit 1969 dort ansässig ist und bei dem es neben anderen Schätzen, eben diese eine Tabaklegende zu kaufen gibt: The Danish Pipeshop. Er wird in der zweiten Generation von Nikolaj Nielsen geführt und ist erst vor ein paar Jahren in ein größeres Ladengeschäft umgezogen. Dazu gibt es einen kleinen Film, den ich gerne empfehlen möchte. Ich habe Herrn Nielsen selbst auch dort angetroffen und mit ihm und einem seiner langjährigen Mitarbeitern ein sehr nettes Gespräch geführt. Überhaupt waren alle ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Ich wurde überall herumgeführt und durfte alles fotografieren.

Da meine Familie mit mir in Kopenhagen war und auf mich wartete, konnte ich leider nicht all zu lange dort verweilen, obwohl ich sehr gerne all die kleinen Schubladen geöffnet hätte und mir die circa 4000 Pfeifen angesehen hätte, die es dort zu kaufen gibt. Das was ich gesehen habe, war umwerfend. Großartige Stücke, vom „Who is Who“ der dänischen Pfeifenmacherszene. Auch die kleine hügelige Raucherlounge hätte ich sehr gerne vollgequalmt, aber man kann eben nicht alles haben. Für einen jeden pfeifenrauchenden Kopenhagenbesucher gehört dieser Laden zum Pflichtprogramm, das steht ausser Frage.

Bevor ich an dieser Stelle meinen kleinen Reisebericht beschliesse, möchte ich noch einen kleinen Teaser für die nächsten Tabakreviews ankündigen. Ich habe mir aus dem Danish-Pipeshop neben des schon erwähnten 800 Ø noch zwei weitere wunderbare Spezialitäten mitgebracht (es ist schon erstaunlich wieviel in so ein Lastenrad passt). Es sind zwei Plugs, nämlich der „RIVER PLUG“ und der „5610“ aber dazu später mehr in diesem Theater äh Blog.

 




Two of a perfect Pair: McConnell Notting Hill und Oxford Street

Ich habe ein gewisses Faible für die vorgeblichen „Mauerblümchen“ unter den Tabaken, besonders bei Dunhill und seinen Nachfahren. Jenseits der vielgerühmten und vielgerauchten Early Mornings und 965er, die ich persönlich gar nicht soo toll finde, gibt es und gab es für mich immer echte Schätze bei den weniger frequentierten Mischungen zu entdecken. Der Aperitif mit seinem Feuerwerk an Geschmacks-Nuancen etwa, oder der wunderbar blumig-vielschichtige Durbar zum Beispiel, die die etablierten My Mixture 965 und London Mixture mehr als locker in die Tasche stecken.

Hier möchte ich von zwei weiteren „unscheinbareren Mixtures berichten. Keine von beiden ist in irgendeiner Weise „vielschichtig“ oder entwickelt während des genussvollen Verqualmens auch nur entfernt multidimensionale Überraschungen. Ganz im Gegenteil. Beide Tabake sind vergleichsweise einfach gestrickt und bleiben beharrlich beim einmal angeschlagenen Tonfall. Es ist die Rede von zwei Tabaken aus der „Heritage“-Reihe von McConnell, die ja insgesamt als Nachfolger / Nachbauten der derzeit nicht erhältlichen Dunhill-Klassiker angelegt sind. Eine Nachfolge unter dem Peterson-Label scheint zwar in Aussicht, aber unter schmerzhaften Verlusten, wie den eingangs genannten Sorten „Aperitif und Durbar“.

Der McConnell Notting Hill ist der Dunhill Standard Mixture nachempfunden. Das Original, zumal unter Murray- oder gar noch genuiner Dunhill-Produktion habe ich nie geraucht, daher fehlt mir hier der direkte Vergleich, früher war ja bekanntlich ohnehin alles besser. Der Notting Hill ist ein schwerer Tabak. Weniger vom Nikotingehalt, da spielt er bestenfalls in der Mittelklasse, als vielmehr von der beinahe schon als mächtig zu bezeichnenden Geschmacksfülle. Der Rauch ist dick und vollmundig, würzig und zugleich mild. Keine spritzigen „Oberlichter“ oder wechselnde Nuancen, der einmal angeschlagene Tonfall wird vom Anfang bis zum Ende durchgehlten. Ein Langweiler also? Mitnichten! Selten habe ich eine englische Mixture erlebt, die so perfekt abgestimmt war. Die Grundtabake – Latakia, Orient und Virginia – werden durch eine Röstung harmonisch miteinander verbunden und das Ergebnis ist einfach großartig. Mild, weich, sättigend und rund – in gewisser Weise ein Gegenpol zum Aperitif (als Nachbau: McConnell St. James Park“), der eben diese Tabake und zusätzlich einen feinen englischen Cavendish gleichsam in allen Nuancen aufzufächern scheint. Der St. James Park / Aperitif ist ein Tabak, den ich sehr schätze, wie man unschwer an meiner ausufernden Prosa erkennen mag. Aber immerhin: Der Notting Hill ist einer der wenigen Tabake, die mich dazu verleiten, mir immer noch eine weitere Pfeife zu stopfen, weil er so perfekt abgestimmt ist. Vielschichtigkeit ist (für mich jedenfalls) wohl doch nicht alles.

Und dann gibt es noch so etwas wie einen „kleinen Bruder“: Der Oxford Street (angelehnt an den Dunhill Standard Mixture Medium) besteht grundsätzlich aus den gleichen Basis-Tabaken wie der Notting Hill, auch er ist geröstet. Hier dominiert allerdings der Virginia, er ist deutlich „heller“ und spritziger, aber auch etwas schärfer im Geschmack. Sein spürbar leichteres Naturell macht ihn eher zu einem Allday-Tabak als es der opulente Notting Hill je sein könnte. Die tiefgründige Würzigkeit aus dem Latakia und Orient tritt deutlich in den Hintergrund, der recht trockene Virginia mit brotartigen Röstnoten übernimmt das Ruder. Das ist ein Tabak für entspannte Vormittagsstunden, am späteren Abend hat er im Vergleich dann doch zu wenig Gehalt.

Die beiden Tabake können ihre Verwandtschaft nicht verleugnen – durch die Röstung verschmelzen die Einzelkomponenten zu einem homogenen und in sich stimmigen Geschmack. Während der Notting Hill ein Hammer an Aromafülle ist, gibt sich der Oxford Street deutllich zurückhaltender und damit wohl auch tauglicher für Einsteiger in die Welt der englischen Mixtures. Mir persönlich ist er vielleicht einen Tick zu „harmlos“ geraten und konkurriert als leichter Allday-Tabak in meiner Tabakbar zum Beispiel mit klassischen dänischen Mixtures wie dem Stanwell Jubilee oder dem Mac Baren Plumcake (der übrigens ebenfalls einen gar nicht so geringen Latakia-Anteil hat). Aber das ist natürlich schon wieder höchst subjektiv. Wer vieldimensionale Schattierungen sucht, wird vielleicht von beiden McConnells enttäuscht sein, aber wer analog zur Musik – weniger nach Spaltklang, denn nach perfekt verschmolzenem Mischklang sucht, der ist hier am Ziel angelangt.




Die Rückkehr(?) der kleinen Dosen: Empire

Als T&P Jünger seit der Jungsteinzeit galt Planta fuer mich als Inbegriff mittelmäßigen Tabaks, der bisher nie in meine Pfeifen gelangt ist. Und ganz offen, ich habe mir nie die Mühe gemacht, Planta überhaupt näher zu betrachten. Zu perfekt ist das Angebot anderer Hersteller an hervorragenden Tabaken aller Couleur. Das so eine Einstellung nachgerade unklug sein kann, liegt auf der Hand. “Was interessieren mich Tatsachen, wenn ich Vorurteile pflegen kann”, wie mein geschätzter Namensvetter – Bodo II, der generös der Münchner Runde den freitäglichen Clubraum stellt, als goldene Regel bei unseren endlosen, eifernden Konversationen aufzeigt.

Planta. Es war an einem frühen Freitag Nachmittag vor 3 Wochen, an dem sich die *Münchner Vor-Runde gewöhnlich beim Fachhändler ihres Vertrauens einfindet. Wieder einmal (ja wie oft denn noch?) wurde über die idiotische Entwicklung bei Tabakdosen gesprochen. Das ein Flake nicht in eine runde Dose gehört, weil es in der Tat negative Auswirkungen auf den Tabak hat, solange er nicht rund geschnitten ist und das die so beliebten, praktischen kleinen rechteckigen Dosen schon seit langem verschwunden sind, beschäftigt uns alle wieder und immer wieder.

Kein Hersteller schafft es, allen gesetzlichen Bestimmungen bei der Verwendung von kleinen Rechteckdosen nachzukommen oder man entzieht sich den unikaten Dosenformen aus Kostengründen und zu Gunsten einer uniformen runden Behältnislandschaft oder, wie Samuel Gawith, die immer schon die grossen Rechteckdosen verwendet haben. MacBaren bildet eine Ausnahme und hat bei den Flakes die schönen kleinen Dosen beibehalten.

 

 

 

 

 

 

 

Kein weiterer Hersteller? Doch !! …… und jetzt kommt Planta ins Spiel.

Die Empire Reihe besteht aus drei verschieden Tabaken, sämtlich Flakes: Empire Perique, Empire Latakia und Empire Virginia. Alle drei kommen in den kleinen Rechteckdosen aus dem letzten Jahrhundert daher. Was für ein Augenschmauß. Innen sind die Flakescheiben noch durch eine durchsichtige, verschlossene Cellophanhülle “versiegelt”. So eine sorgfältige Verpackung hätte ich in der heutigen „kostenoptimierten“ Zeit nicht erwartet.

Gleich vorweg: der Virginia ist geschmacklos, langweilig und nichtssagend, der Latakia nahezu ohne Nuancen und gemessen an anderen Latakia Flakes flach und entbehrlich.
Aber der Perique: ein Glücksgriff.

Nach entfernen der Cellophan Hülle (dazu muß der Tabak einmal aus der Dose entnommen werden) strömt ein satter Brotgeruch entgegen. Die Primärnote stammt vom Perique, dem ein wenig  Orient Tabak und dark fired Virginia zugegeben wurde. Obwohl eine gewisse Süße die Vermutung nach einem Flavour zuläßt, glaube ich, daß diese aus dem Tabak selbst herrührt. Keinesfalls ist das ein für Planta so typisch aromatisierter Tabak.
Die Flakescheiben sind etwas dicker geschnitten als bei den Gepreßten von MacBaren, Capstan oder denen von Pfeifen Huber und auch die Preßdichte ist ein wenig niedriger, gibt aber ein schönes Tabakbild ab. Knick&Falt, meine bevorzugte Füllmethode, zeigt hier gewisse Schwächen, denn der Empire Perique löst sich relativ schnell in seine Bestandteile auf. Also, ein „hineindrehen“ in die Rauchkammer macht diesmal etwas mehr Sinn und schafft eine lockere Füllmenge trotz der Stärke der Scheiben und erspart das vollständige Aufdröseln.

Das Anzünden geschieht pflegeleicht, denn der Flake ist optimal konditioniert. Mild mit wenig Nikotin, aber kräftigem Periquegeschmack, schmeckt er in der Tat ausgezeichnet. Süffig und ohne jegliche Spitzen, glimmt er von Anfang bis zum „süßen“ Ende. Und das mag für manchen Abenteuer-Raucher zur Crux werden, dem ein durchgängig gleicher Rauchgenuß zu langweilig ist. Für mich aber ist es eher Ausdruck einer gelungenen Mischung und führt zu der Einschätzung, daß der Empire Perique ein richtiger Alltagstabak ist, der dem Raucher nicht schnell zuviel wird. Selbst wenn man ihn, wie ich es in den letzten Wochen getan habe, mehrfach am Tage raucht.

Fazit: ein gelungener Perique/Virginia Flake, dessen Abrundung durch Orientabak (e) u.a. eine leichte pfeffrige Note einbringt. Und die kleine Rechteckdose ist ein willkommener Zusatz.

Über Empire Latakia -selbst gebacken ein Beliebiger – und Virginia möchte ich keine weiteren Worte verlieren, da gehe ich jetzt lieber mit einem Buch in den Garten und rauche den Perique.

Empire Perique, Planta
9,90 € – kleine 50g Rechteckdose

Nicht durch Selbstversuch überprüft: vermutlich identisch mit Peter Heinrichs Reserve Crue No. 9, den Planta wohl als OEM-Version liefert.

*Münchner Vor-Runde: jeden Freitag um ca. 15:00h trifft sich die Münchner Runde in ihrem Clubraum. Einige allerdings rauchen schon gegen 14:00h vorher eine Pfeife bei Pfeifen Huber im Tal, das ist die Münchner Vor-Runde.



Tabak und geflügelte Worte: Penzance neu verpackt ?

In der vom Bertelsmann Buchclub geprägten 1960er Viertelwissen Gesellschaft, vielfach immer noch als Bildungsbürgertum bezeichnet, fand man in (fast) jeder Familie Büchmanns Sammlung der geflügelten Worte. Immerhin aus dem 19. Jahrhundert stammend – die erste Ausgabe gab es 1864 – gilt es weiterhin als ein Standardwerk für zitatenwütige Menschen. Jetzt habe ich wieder einmal darin geblättert, um die Tabak-Odyssee der letzten Monate zu verarbeiten, die anders als die homerische für mich völlig unbefriedigend geendet hat. Und der heutige Schlußpunkt wurde durch den iconischen Penzance gesetzt.

Die Situation ist hinreichend bekannt: ein Tabak, der jahrelang zu unseren Favoriten gehörte, der etwas Besonderes war, wird plötzlich nicht mehr hergestellt. Oder schlimmer noch, einst verschwunden, wieder als 100 % ig dem Original entsprechend auf den Markt geworfen. Die Pfeifenkommunen, darunter natürlich auch wir mit unserem Pfeifenblog.de, überschlagen sich mit der Bekanntgabe der Rauchergebnisse, in denen sich alle Einschätzungen und Erkenntnisse wiederfinden, die unser Sprachschatz so abgibt: exakt wie das Original, besser oder schlechter als das Original, kein Vergleich mit dem Original, gänzlich anderer Tabak, zu teuer oder zu billig, wird nicht mehr gebraucht, es gibt doch längst den Ostbahn-Schräg geflakten Machorka Curly, der um Längen besser ist/schmeckt und außerdem in den heute so geschmähten und raren Plastiktüten verpackt ist. Habe ich einmal als abschreckendes Beispiel hier erlebt.

Was bin ich trotz mich vermeintlich im Besitz höherer Weihen der Tobaccologie wähnend auf die blödsinnigsten und vermutlich ungeprüften Empfehlungen von Tabakspezialisten und zahlreichen Hausmarken-Fachhändlern hereingefallen. Habe Zeit, Geld und textlichen Aufwand betrieben, um letzlich diesen ganzen Schmarrn hinzuschmeißen und aufzugeben. Und sitze wieder klargeistig, entspannt bei meinem Balkan, den Spezialisten Full Virginia Flake, Epikur und Fayyum Kake, gönne mir ab und zu einen Penzance oder Sobranie 759, auch ein Marlin oder Orlik Golden Sliced mischt sich mit dem Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) darunter und bin …… rundum zufrieden.

Denn diese Mischungs-Verführer haben ab sofort keine Macht mehr über mich, müssen an mir vorbei laborieren oder, um im derzeitig angesagtem Duktus zu reden “ können mich jetzt aber mal so was von …. im Mondschein begegnen“, als da u.a. wären:

Hausmischung Bonner Koepp – Night Cap
Gerd Jansen Hausmischung 45 – My Own Blend 800 Ö
Gerd Jansen Bengal Slices – Bengal Slices –
Balkan Sobranie Mischung oder 759 – gefühlt eintausend verschiedene Anbieter, nur einer hats getroffen
Peter Heinrichs Strang – Escudo/ Navy Rolls als Plug, sieht so aus, ist es aber nicht
Robert McConnell Heritage – alle Tabake versprechen eine Nähe zu Dunhill – Pustekuchen!


Dies ist nur ein kleine Auswahl, die ich mir in jüngster Zeit „gegönnt“ habe. Den Vogel abgeschossen aber hat vor zwei Tagen ein Tabak, dessen Original Legende ist und das zu meiner Tabak DNA gehört: der 1820 Flake von JF Germains, der in vielen Foren und Blogs als der Penzance in anderer Verpackung, da vom gleichen Hersteller, gepriesen wird. Erhältlich nur in den USA und in Brexit UK. Letztere aber liefern nicht mehr ins Ausland, zumindest nicht ins europäische. Also habe ich mein Netzwerk ins Spiel gebracht. Ein englischer Freund, seit Geburt Nichtraucher, wurde gebeten, den 1820 Flake online an seine UK Adresse zu bestellen und einer weiteren Freundin zu übergeben, die einen Termin in Frankfurt/M wahrnehmen mußte. Sodann habe ich einen Münchner Bekannten aufgetan, der just an diesem Tag ebenfalls in Frankfurt zu tun hatte, brachte beide zusammen und vorgestern wurden mir zwei Pouches (!) in München ausgehändigt. Zu diesem Zeitpunkt war mir der horrende Preis von 38€ für 100g noch wurscht.

aus Online Shops in den USA & UK- Meinungsvielfalt !




Der erste Dämpfer war die Verpackung: ein grünschwarzer Gawith & Hoggarth Pouch mit einem simplen Eitkett „JF Germains 1820 Flake 50g. Aha, da hat der Online Shop wohl selbst von einer größeren Liefermenge „abgefüllt und umverpackt“, natürlich entspricht das nicht der Abbildung auf der Shopseite. Und auch keineswegs dem Schnitt des Penzance, der in einer 50g Rechteckdose mit aufrechtstehenden Krumble Kake Scheiben verkauft wurde. Alles zu verschmerzen, wenn sich denn der Penzance in den Pouches befunden hätte. Was der sofortige Geruchstest ergab und was sich am nächsten Tag durch einen Direktvergleich mit dem Original bestätigte: alles, nur kein Penzance. Tabakbild, Farbe, Geruch und selbstredend der Geschmack gänzlich anders. qed, denn ich war nicht allein. Der Zeuge mag sich äußern, so er denn hier liest.

Nun kann man diesen Tabak gut rauchen, ein kräftiger, ehrlicher Latakia/Orient, aber keine Spur von Flake oder Kake, vielleicht ist er als „selbstzerbröselnd“ konzipiert. Glaube ich zwar nicht, denn auf so eine Idee kommt in dem paralysierten Vereinigten Königreich derzeit wohl niemand, da läuft ja eher alles auf Selbstzerstörung hinaus.  Aber wenn ich pochierte Jacobsmuscheln bestelle, möchte ich nicht frische Austern serviert bekommen, obwohl mir diese auch vorzüglich munden. Oder so: eine Currywurst Schranke darf nicht ungefragt durch einen Schaschlikspiess ersetzt werden.

Zurück zu Büchmann:

den Tag nicht vor dem Abend loben, nicht in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah, den Krieg um Troja nicht mit dem Zwillingsei beginnen, des Treibens müde sein, den Schein nicht die Wirklichkeit erreichen lassen, das Wenige nicht leicht aus den Augen verlieren und das Früher alles besser war, fand ich treffend für meine Suche nach dem unwiederbringlich Vergangenem. Die Suche ist jetzt eingestellt. Sie war ein vollständiger Mißerfolg. Dabei mache ich den Anbietern keinen Vorwurf, sie wissen es einfach nicht besser.

Ähem: die Suche ist eingestellt? Und was ist jetzt mit den neuen Dunhill Tabaken, die uns STG in Kürze auf den Tisch legt? Die, die einigen aus der K&K Heritage Reihe den Garaus machen werden? Aber selbstverständlich – kaufen, rauchen, beschreiben, bewerten ……. wozu sind wir Blogger?

 




STG erwirbt Dunhill-Tabake … Totgesagte leben (doch) länger?

Wenn ich auch nur noch einen einzigen Blogbeitrag über das Verschwinden, Wiederauferstehen, Umetikettierten oder sonstiges von diesen blöden Dunhill-Tabaken lesen muss, dann laufe ich schreiend davon und werde dieses verrauchte Onlinemedium für immer boykottieren!

Blöderweise bin ich einer der Autoren und nicht ganz unschuldig an der unlustigen Misere … Ich habe zunächst ganz leise Servus gesagt dann in einem zweiten Teil das Ende prognostiziert dann meinte Herr Falkenried, dass Trauer und Gram Schnee von Gestern sei, dann wurde ein Nachlassverwalter gefunden, dann hat Kohlhase&Kopp irgendwie herum geeiert und es wurden Umwege nötig und kürzlich erst wurde hier ein Dschungelführer durch das ganze Dosen- und Etikettenchaos herausgegeben.

Wir haben Dosen gekauft, fotografiert, beschnuppert, geraucht und verglichen. Welcher der Robert McConnell Heritage Nachbauten, denn ähnlich oder gar identisch ist. Die einen behaupteten, es handle sich um komplett andere Tabake, andere meinten absolut ähnliche Klone zu schmecken … Immer schwang die Hoffnung mit, das ein paar der liebgewonnenen Klassiker nicht für immer verloren seien.

Und dann diese Meldung: Die Scandinavian Tobacco Group erwirbt die Markenrechte an einigen Dunhill-Tabaken und nicht nur das, sie bekommen auch die Designs. Das heisst keine kindischen Umetikettierungsversuche mehr. Early Morning Pipe, Nightcap, Royal Yacht and Elizabethan Mixture werden wieder genau so heissen und auch genau so aussehen (bis auf die handtellergroßen Warnhinweise). Die große Frage aber wird sein, wie werden sie schmecken? Wie die letzte Version? ganz neu? Wie die Murrays … oder noch früher …

Hier findet der geneigte Leser die Original Pressemeldung vom 3. Juli (heute) zum selber nachlesen.

Darin heisst es, dass alle wahnsinnig stolz sind, diese tolle Marke in ihr Wahnsinnsporfolio mit unendlich tollen und kostbaren Produkten und Marken aufzunehmen. Und das der Vice-President of something very important (Regis Broersma, Senior Vice President for Scandinavian Tobacco Group’s Smoking Tobacco & Accessories Division) sich freut wie ein Schneekönig, weil irgendwas sein volles Potential ausschöpft und ganz viel Sales und Marketing … Bla, bla, laber, schwätz …

Ich sitze gerade auf meiner Terrasse geniesse die letzten Sonnenstrahlen, während sich der Rasensprenger bemüht, meinen Garten vor seinem Schicksal als verdörrte fränkische Wanderdüne zu bewahren, da ereilt mich der Hinweis einer unserer Leser auf diese überraschende Pressemeldung (Danke Markus). Vor mir liegen zwei Dosen Dunhill Flake … eine eckig, eine rund und ich sinniere noch wie das Runde in das Eckige kommt … ungefähr fünf Dosen Flake habe ich noch gebunkert … Ja, es wird ihn wieder geben. Den echten Dunhill-Flake keinen Dunhill-Fake …

Aber was wird dann aus den dutzenden von Robert McConnell Heritage Tabaken werden? Wird noch irgendjemand einen solchen Nachbau kaufen wollen, wenn es das Original bald wieder geben wird? Wird die Preisschraube nochmals angezogen werden, oder sind die „echten“ Dunhills dann etwa günstiger, als die Heritage-Tabake? Was machen die ganzen Ebay-Hyänen, die gerade alte Nightcaps für hunderte von Dollar anbieten? Fragen über Fragen, meine lieben Leser … die sicher bald, hier beantwortet werden …

 

 




Robert McConnell Heritage | Ready Rubbed

Nachdem es hier noch kein Review vom Robert McC Heritage Ready Rubbed gibt, hänge ich meine 2 Gedanken dazu mal an…

Derzeit schaffen es bei mir die Tabake aus der Mauerblümchen-Fraktion der Heritage-Reihe auf meine persönliche Favoritenliste. Der Ready Rubbed war war nach meiner Erinnerung schon zu Dunhill-Zeiten kein „Modetabak“, den jeder rauchen musste. Und nach dem Anzünden glaubte ich auch zu wissen warum:


 
Das Zeug war irgendwie sehr langweilig, schmeckte bestenfalls „neutral“ und wurde bei meinen Bemühungen, etwas an Geschmack herauszusaugen,  blitzschnell sehr heiß und bissig. Gottseidank hatte ich ihn in eine Peterson Spigot gestopft (schließlich ist heute Bloomsday!), also Aktivkohlefilter rausnehmen, etwas warten bis die Temperatur wieder ok war und nochmal versuchen.

Oha. Was für ein Unterschied! Frisch-süßer Virginia und etwas sehr angenehm Würziges war plötzlich da und das in einer Fülle, die mich sofort den richtigen Rhythmus finden ließ, um das Kraut kühl und langsam zu rauchen. K&K schreibt etwas von Burley auf der Dose, an anderer Stelle liest man von Orientals, die mit drin sein sollen.

Während zu Dunhill /STG Zeiten noch vermutet werden konnte, das Rauchen tödlich sein könnte, ist es beim Heritage Ready Rubbed gemäß Aufkleber gesicherte Erkenntnis. Was knappe vier Jahre so ausmachen können.

Während zu Dunhill /STG Zeiten noch vermutet werden konnte, das Rauchen tödlich sein könnte, ist es beim Heritage Ready Rubbed gemäß Aufkleber gesicherte Erkenntnis. Was knappe vier Jahre so ausmachen können.

 

Geschmacklich (aber was weiß ich denn schon) tippe ich eher auf letzteres, vielleicht auch Burley & Orient. Ein Hammer von einem Tabak, vielschichtig, perfekt abgestimmt aber vom Nikotin sehr verträglich (im Gegensatz z.B. zum Barking Road, den ich bestimmt nie auf leeren Magen rauchen würde). Im letzten Drittel darf der Filter wieder rein, dann hat sich genug „Power“ im Tabak angesammelt und die Geschmacksfülle bleibt, ohne zu scharf zu werden.

Ein Tabak, der sich ohne Filter (oder mit mehr Disziplin als mir gegeben ist) optimal erschließt, vielleicht auch etwas für breitere, nicht zu tiefe Pfeifenköpfe (die viel beschworene „Flakepfeife“), die zu Beginn der Pfeife nicht schon alleine aufgrund der Tabakmenge alle Nuancen herausfiltern. Vielleicht sollte ich auch mal andere Filter (Meerschaum?) ausprobieren, die etwas weniger stark eingreifen.

 

Die „vielbeschworene“ Flakepfeife hier ist eine Hennen mit Hornapplikation

Happy Smoking und laßt bei Gelegenheit einmal hören, was Eure Versuche mit dem Heritage Ready Rubbed so ergeben haben …..

Andreas




Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Piccadilly Circus heißt also die neue „London Mixture“ in der Robert McConnell Heritage Reihe! Und so wird dieser Artikel nicht nur eine Beschreibung des neuen Tabaks beinhalten, man muss sich eigentlich auch ein paar Gedanken zum Werdegang der London Mixture machen, um dem Thema gerecht zu werden. London > City of London > Piccadilly Circus > ? Wir dürfen gespannt sein, wohin die Namensgebung eines großen Tabaks uns in Zukunft noch lokal hinschrumpft, sollte es nochmals einen Produktionswechsel geben, von denen die gute alte London Mixture schon einige hinter sich hat. Andererseits ist es nur allzu logisch, einen Namen zu wählen, den man sofort mit London assoziiert. Also „Piccadilly Circus“ nachdem der „City of London“ zu nah am Original angelehnt war und umgehend umbenannt wurde.

Alfred Dunhill „About Smoke“ Catalogue 1923 London Mixture

Der Referenztabak für Kohlhase & Kopps McConnell Heritage Piccadilly Circus war die STG Version von Dunhills „London Mixture“. Die London Mixture, ein Allzeit-Klassiker seit etwa 110 Jahren, war ein Tabak, der uns in vier verschiedenen Versionen vorliegt: dem „Original“ von Dunhill, produziert in England bis 1981, eine sehr seltene deutsche Lizenzproduktion von Van Eicken, über die man hier einen sehr schönen und klugen Artikel lesen kann, die uns in unserem Zusammenhang aber nicht weiter interessiert, die Version, die von Murray’s in Nordirland produziert wurde und schließlich die letzte Version, die von STG produziert wurde und im Jahr 2018 vom Markt verschwand.

Als „delightfully harmonious blend of Matured Virginia and Oriental Tobaccos. Soft and mellow, cool and fragrant“ wurde die London Mixture in Dunhills „About Smoke“ von 1923 angepriesen. In der Tat war die London Mixture im damaligen Tabak-Portfolio Dunhills eher rund, mild und ausgewogen im Vergleich zum „My Mixture 965“ oder dem „Durbar“, der ein größerer Bruder der London Mixture war, etwas akzentuierter mit einem höheren Latakia-Anteil. Das perfekte Wechselspiel zwischen den Virginias, den Orientals und dem Latakia zeichnete alle Versionen der London Mixture aus, obwohl sich diese Versionen stilistisch durchaus voneinander unterschieden haben. Allen war gemeinsam, dass die London Mixture immer ein perfekter Alldays Tabak war, sehr rund und trotzdem nicht langweilig. Unter den weniger extrovertierten Mixtures von Dunhill war sie immer mein Lieblingstabak und eine der Dunhill Mixtures, von denen ich, abgesehen von der deutschen Lizenzproduktion, alle Versionen geraucht habe. Und ich habe sie alle mit Genuss geraucht, auch die STG Version!

London Mixture und Derivate 1981 – 2019

Was nun interessiert, ist die Frage, wie der Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus im Vergleich zum Vorbild abschneidet? Antwort: Gut, aber mit einigen Unterschieden, die wir gleich sehen können, wenn wir das Tabakbild des Piccadilly Circus mit dem der STG London Mixture vergleichen! Die London Mixture wartet hier mit einem gleichmäßigeren dunkelbraunen Bild mit nur wenigen helleren Highlights auf, während der Piccadilly Circus zwar im Endeffekt auch eher dunkelbraun daherkommt, aber nicht nur etwas heller als die London Mixture wirkt sondern auch viel kontrastreicher mit schwarzen und hellbraunen Höhen und deutlich sichtbarem grünlichem Oriental. Geschmacklich zeigen sich beide Tabake anfangs trotz der optischen Unterschiede erstaunlich ähnlich: Es sind die Virginias, die hier eine sehr solide Grundlage bilden und mit ihrer malzigen Süsse gepaart mit genügend Kraft den sofort wahrnehmbaren Latakia ausbalancieren. Die ätherischen Orientals verweben diese beiden geschmacklichen Pole sanft zu einem dezent farbigen Vorhang, bei dem das Grün und das Gelb, wie wir es von einer Herbstwiese her kennen, im Vordergrund stehen. Nichts drängt sich in den Vordergrund: weder die Rauchigkeit des Latakias, noch die geschmackliche Breite der Virginias noch die feine süssliche Heuigkeit der Orientals. Alles wirkt rund und harmonisch in sich geschlossen. Zumindest vom Entzünden der Füllung bis etwa zum Ende des ersten Drittels.

Piccadilly Circus mit einer 1930/40er Comoy’s Grand Slam Patent, Shape 158 Small Apple

Dann entwickeln sich die beiden Tabake etwas unterschiedlich, allerdings in Nuancen um das gleich vorweg deutlich zu machen! Und zwar so, wie es der optische Eindruck der beiden Tabakbilder bereits vermuten ließ. Der Piccadilly Circus schlägt sich jetzt auf die blumigere, leichtere Seite. Die Orientals wirken frischer, unsere Herbstwiese hat noch nicht ganz soviel Sonne und Trockenheit abbekommen, weshalb die grünen Gräser noch die Oberhand behalten und im Duft die Kräutrigkeit noch wesentlich präsenter ist. Auch die Virginias scheinen mit ihrer Süsse letztlich etwas schmalbrüstiger auszufallen als Anfangs gedacht. Der Geschackseindruck ist sehr harmonisch, die Rauchigkeit des Latakias wirkt grüner eingefangen.

STG London Mixture mit Pre-WWII Dunhill Shell Briar Shape 36 Liverpool

Im kleinen Gegensatz zum Piccadilly Circus entwickelt sich die STG London Mixture etwas anders: sie wirkt geringfügig stärker und kräftiger, legt zum Ende hin etwas mehr zu als der Piccadilly Circus, allerdings nicht unbedingt was ihre Stärke angeht, der Eindruck ist eher dem etwas anderen Stil geschuldet, denn wo sich der Piccadilly Circus geschmacklich frischer und grüner entwickelt, da herrscht bei der London Mixture der Spätherbst mit seiner veränderten Aromatik! Dunkler, trockener, mit dem Duft von nassem Laub und Erde. Die Süsse des Tabaks wirkt schwerer und breiter, seine Rauchigkeit, wenngleich auch hier perfekt eingebunden, lastet harmonisch über der Frische. Blickt der Herbst des Piccadilly Circus noch auf den Spätsommer, so weist uns die London Mixture den Blick auf den Frühnebel, den ersten Schnee und das Wärmende eines Kaminfeuers. Aber wie schon weiter oben gesagt: es handelt sich hier um Nuancen, um die sich die beiden Tabake während der letzten beiden Drittel einer Füllung unterschiedlich entwickeln! In der Quintessenz ist der Piccadilly Circus als Nachempfindung der STG London Mixture ausgezeichnet gelungen und die beiden Tabake zeigen doch sehr ähnliche Charakterzüge, zumindest so ähnlich, dass man den Robert McConnell Piccadilly Circus problemlos als Nachfolger der STG Dunhill London Mixture rauchen kann!

Interessant wird es allerdings, wenn wir den Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus und die STG Version der London Mixture in ihren unterschiedlichen Nuancen mit den beiden vorhergehenden Versionen der Dunhill London Mixture vergleichen, also der Murray’s Version nach 1981 und der originalen Dunhill Version von vor 1981! Nicht dass jetzt falsche Hoffnungen geweckt werden: keine der beiden Vorgängerversionen wird in irgendeiner Weise von der STG London Mixture oder dem Piccadilly Circus im Sinne einer möglichst nahen Kopie erreicht. Etwas, was allerdings auch die Murray’s Version im Vergleich zum Dunhill’schen Original überhaupt nicht geschafft hat! Das darf man ja nicht vergessen bei all den Fragen um die Authenzität der jeweiligen Neuauflagen und Produktionsverlagerungen. Viel sinnvoller scheint es mir, die Tabake für sich zu begreifen und Überschneidungen und Unterschiede deutlich zu machen.

Und bei diesen oben genannten etwas unterschiedlich verlaufenden letzten beiden Dritteln der STG Dunhill Mixture und des Piccadilly Circus nähern sich diese beiden Tabake dann doch auf ihre Art den Vorläuferversionen an: die STG London Mixture lässt mit ihrem dunkleren, kräftigeren und erdigeren Finish die Murray’s Version zumindest als ein Schatten nochmal durchblitzen – es war ja auch diese Version, welche durch die STG London Mixture ersetzt wurde. Aber wie gesagt „als Schatten“, denn von der erdigen Kraft der Murray’s Version ist die STG London Mixture sehr weit weg. Beim Piccadilly Circus dagegen ist es die leichtfüßigere Eleganz, die einen – wenn auch sehr sehr weiten – Blick auf das Dunhill Original wirft. Um einem Vergleich mit der Original Dunhill Mixture aber überhaupt standhalten zu können, ist der Piccadilly Circus viel zu schmalbrüstig. So ein Vergleich verbietet sich! Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass wir dann sehr alte Tabake mit sehr jungen vergleichen müssten. Nur bleibt uns keine andere Wahl, als genau das zu tun, wenn wir wissen wollen, worin sich ein bestimmter Stil eines Tabaks zeigt.

Es war Anfang 2007 als ein amerikanischer Bekannter von mir geschäftlich in München war und ich ihn bat, mir ein paar Dosen des gerade neu erschienenen Westminster von Greg Pease mitzubringen. Der war explizit von Pease als eine Nachempfindung der originalen Dunhill London Mixture kreiert worden. Zu meiner großen Freude und Überraschung brachte jener Bekannte damals nicht nur den georderten Westminster mit, sondern auch eine Dose der originalen Dunhill London Mixture. Einem direkten Vergleich stand nichts mehr im Wege und ich öffnete auch noch eine Dose Murray’s Dunhill London Mixture, die auch schon vom Markt verschwunden war, damit wir alle Versionen am selben Nachmittag gegeneinander rauchen konnten. Die STG Version der London Mixture gab es damals noch nicht.

Wir begannen mit der Dunhill Version, die ein mittelkräftiger, geschmacklich voller Tabak von unfassbarer Eleganz war: natürlich waren die rauchigen Primäraromen des Latakias altersbedingt fast vollkommen in das komplexe Geschmacksbild eingebunden, was eine frische Latakia-Mischung bei einem nennenswerten Latakia Anteil so gar nicht leisten kann, aber das Fantastische an diesem Tabak war, wie sich die Orientals in den Vordergrund gespielt haben und mit ihrer blumigen Art die durchaus vollen Virginias mühelos in Schach gehalten haben. Der Latakia lieferte nur einen dezent rauchigen und doch ätherischen Schleier.

Und just diese Raffinesse des Tabaks, dieses Wechselspiel von Orientals und Virginia, die geschmacklich sehr akzentuiert auftreten ohne in irgendeiner Weise schwer oder stark zu wirken, die hat Pease mit seinem Westminster perfekt erwischt, allerdings mit einem Latakiaanteil, der sich notgedrungen frisch viel prägnanter präsentiert als in einem sehr gereiften alten Tabak! Wir waren uns sicher, dass der Westminster sich da bewegt, wo die Original Dunhill Mixture frisch gewesen ist. Im Gegensatz dazu war die Murray’s Version mit ihrer erdigen Kraft so reizvoll wie ein gealterter Catcher. Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich rauche auch die Murray’s Version gerne, nur liegen deren Qualitäten in einer kraftvollen Direktheit. Im Vergleich wirkt sie schwerfällig, fast plump und sehr weit weg von der Raffinesse des Originals.

Also: wenn jemand den Versuch wagen will und sich auf die Spuren der Original Dunhill London Mixture begeben möchte, so sei ihm der Westminster von Greg Pease wärmstens ans Herz gelegt! Will man aber die Mühen einer Tabakbestellung in den USA meiden und nur zum nächsten Tabakladen gehen und einen Tabak, der in diese Richtung geht, kaufen, dann hat man mit dem Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus einen ebenso soliden wie brauchbaren Vertreter zur Verfügung!




Robert McConnell Heritage – Dschungelführer

Auf vielfachen Wunsch eine Gegenüberstellung von Dunhill, Robert McConnell Heritage Mark I und Mark II Tabaken. Alle Bilder sind in der Reihenfolge ihrer Entsprechungen abgebildet, so daß ein schneller Direktvergleich möglich ist.


Alfred Dunhill Tabake bis Oktober 2018

STG Scandinavian Tobacco Group


Robert McConnell Heritage Mark I (Oktober 2018-Oktober 2018)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp


 

Robert Mconnell Heritage Mark II (ab März 2019)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp

Sobald unser Head of Graphics, Art & Webdesign endlich von seinem bierseligen Kalvarienberg-Pfingstausflug aus fränkischer Flur zurück wieder zum Dienst erscheint, stellen wir auch eine schöne Grafik der Heritage Mark II ein, bis dahin bitte nur den Informationsgehalt zur Kenntnis nehmen.

22.06.2019: Nachdem der Herr Künstler schon wieder irgendwelche Almen heimsucht, habe ich selbst ein wenig die Grafik optimiert, allerdings bleibt für ihn noch Raum zur Optimierung.!!!!!!!

25.6.2019 Hätte er ein Alphorn zur Hand gehabt oder einen Juchitzer abgesetzt, hätte er mich viel schneller erreichen können. Als würde ich E-Mails lesen … Jetzt bin ich extra ins Tal herab geeilt, um die Grafik schnell neu zu malen. Jetzt gehts gleich in die Fränkische Schweiz, wo die Berge nur „Buggel“ sind, aber das Bier viel besser als in Österreich. Berg Heil …

ACHTUNG ! Eclipse (Mark I) / Highgate Mark II) entsprechen nicht dem Dunhill DeLuxe Navy Rolls, sondern sind unverändert der Orlik Bulls Eye Flake.

 

Mit der Maus über die Tabelle fahren und scrollen, auch Tiroler können das, sofern sie willens sind.

Pfeifenblog Cross Ref Dunhill-RMc Heritage 12.03.2019


Links zu den Pfeifenblog Heritage Reviews

Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Robert McConnell Heritage | Regent Street | ehemals Majesty Elizabeth

Robert McConnell Heritage | Barking Road | ehemals My Mixture Barking Road

Robert McConnell Heritage | Oriental Square | ehemals Durbar Square

Robert McConnell Heritage | Flake

Robert McConnell – Highgate, Mark II

Robert McConnell Heritage | Eclipse

Robert McConnell Heritage | Ready Rubbed

 




Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Denke ich an Covent Garden, dann denke ich nicht an Tabak. Unter all meinen Leidenschaften, derer es wirklich viele gibt, ist die Oper die größte. Die einzige, von der ich vielleicht ein bisschen was verstehe. Und deshalb ist es das Royal Opera House Covent Garden, woran ich bei diesem Namen denke. Nicht nur an viele lang vergangene legendäre Aufführungen, die uns dokumentiert sind, sondern auch an einen lieben Bekannten, einen Schotten, der in London lebt und der diese Opernleidenschaft teilt. Mit ihm saß ich vor vielen Jahren mal nach einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper in einem Wirtshaus und wir unterhielten uns beim Bier über Sängerinnen. Der Name einer damals zumindest stimmlich eher unerfreulichen Sopranistin fiel und er antwortete vollendet british: „Ich habe sie vor ein paar Jahren im Royal Opera House gehört. Es war einer dieser seltenen und denkwürdigen Momente, wo Debut und Abschiedsvorstellung auf denselben Abend fielen.“

Aber wie komme ich jetzt zum Tabak? Von gleichzeitigem Debut und Abschiedsvorstellung kann hier keine Rede sein, schon allein, weil ich vor diesem Review eine ganze Dose von Robert McConnells Covent Garden geraucht habe und das ist auch beim besten Willen nicht an einem Abend zu schaffen.

Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, bei diesem Tabak und seiner Qualität, die Dose nach der ersten Füllung zu entsorgen oder zu hoffen, dass sich irgendwer anderes daran erfreut. Man kann den Covent Garden, sofern man englische Mischungen mag, problemlos und durchaus auch mit Genuss rauchen. Das ist ein sehr solider Tabak. Und das ist ja schon mal was. Allerdings hat dieser Tabak eine Vorgeschichte und damit kommen wir dann doch zu einem Problem und vielleicht sogar zur erwähnten Abschiedsvorstellung. Aber der Reihe nach:

Der Covent Garden ist eine mittel-kräftige englische Mischung aus einer anständigen Portion Latakia, die recht gut mit Orient, Virginia und Perique balanciert ist. Das Tabakbild ist eher dunkel, aus der geöffneten Dose riecht er verführerisch rauchig ohne fordernd zu wirken. Er schmeckt rauchig mit ein paar recht dezenten Trockenfruchtnoten durch den Perique und das ganze auf einem schönen Teppich aus Orientals und Virginia. Das, was diesem Tabak fehlt, ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Ein solcher Tabak könnte auch als kräftigere englische Hausmischung in einem Händlersortiment stehen. Einem Anfänger würde man sie vermutlich dort nicht empfehlen, obwohl der Covent Garden durchaus als Einstieg in die vollere englische Richtung auch für den Anfänger gut geeignet wäre, weil ihm große Kanten oder gar eine größere Keule, die er auspacken könnte, völlig fehlen.

Der Hersteller Kohlhase & Kopp hat den Covent Garden vorher kurzfristig unter dem Namen „Night Club“ auf den Markt gebracht und jetzt sind wir bei der Vorgeschichte: Der Night Club und damit auch der Covent Garden ist als Ersatz für die eingestellten Dunhill Tabake aus der STG Produktion gedacht gewesen. Der Dunhill Tabak, dem der Covent Garden (Night Club) nachempfunden wurde, ist die STG Version von Dunhills Night Cap. Diese Nachbildung ist, bis auf ein paar Nuancen, bei denen der Covent Garden meiner Meinung nach sogar besser abschneidet, weil er akzentuierter wirkt, recht gut gelungen. Allerdings kommen wir hier zu einem schier grotesken Sündenfall, an dem Kohlhase und Kopp erstmal vollkommen unschuldig ist.

Der Dunhill Night Cap, ob aus der originalen Dunhill Produktion (also vor 1981) oder der Murray’s Produktion, war ein Monument an Tabak! Ein fast endloses Geschmacksvolumen im Wechsel zwischen Latakia und Perique, kraftvoll und auch durchaus stark! Auch stark polarisierend, aber für diejenigen, denen der Night Cap zuviel war, gab es im Dunhill Portfolio ja reichlich Alternativen! Und just dieses beeindruckende Monument Night Cap wurde beim Produktionswechsel von Murray’s zu STG zu einer schier lächerlichen Karikatur geschrumpft! Alles, was den alten Night Cap ausgezeichnet hat, wurde bis zur Unkenntlichkeit glattgebürstet. Mehrheitstaugliche Beliebigkeit war das Resultat – und just dem ist der Covent Garden nachempfunden! Und dabei schneidet er sogar geringfügig besser ab als die STG Version des Night Caps!

Aber warum Kohlhase & Kopp bei dieser großen Fülle „neuer“ Tabake, die man da unter der McConnell Heritage Reihe auf einmal auf den Markt geworfen hat und die in dieser Fülle ja auch erstmal verkauft werden müssen, die Gelegenheit ausgelassen hat, diesen STG Sündenfall rückgängig zu machen und sich beim Covent Garden (Night Club) am Dunhill Original oder der Murray’s Version zu orientieren, das verstehe ich nicht. Nicht nur, dass man den eingefleischten Dunhill Fans ein Monument zumindest ansatzweise hätte zurückgeben können, es wäre auch ein Marketing Coup für die ganze Serie geworden, wenn man auf das „Original“ zurückgegriffen hätte. Was wir jetzt letztlich haben, ist dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Das ist in meinen Augen kein Gewinn.

 




Samuel Gawith | Grousemoor

Grousemoor? Grousemoor? … Da war doch was? Genau! Damals vor fast 20 Jahren war bei diesem Lakelands-Testpaket, das mir meine erste Begegnung mit dem Ennerdale bescherte, auch ein Stück Grousemoor Plug dabei und wie beim Ennerdale auch mußte ich die Füllung Grousemoor Plug nach einigen Zügen entsetzt räumen. Ein Tabak, der für wen auch immer aber eindeutig nicht für mich gemacht wurde! Aber erstens ist das fast zwanzig Jahre her und zweitens ist Plug ja nicht gleich Mixture und drittens rauche ich den Ennerdale inzwischen hin und wieder ja auch sehr gerne. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es nochmal mit dem Grousemoor.

GrousemoorWarum man den Grousemoor jetzt ausgerechnet nach der Moorhuhnjagd – die Flinte liegt auf dem Boden, die Hunde sitzen zufrieden daneben – rauchen soll? Keine Ahnung! Ginge es nach dem Geschmack, dann wäre der Grousemoor eher was für den Nachtisch eines anständigen Abendessens? Anstelle von süssem Gebäck? Aber ich bin ja auch kein Jäger!

„Grousemoor“, darunter „Golden Virginia Tobaccos“ steht auf der Vorderseite, „Eine Kombination aus per Hand entrippten Flue Cured Blättern“ auf der Rückseite. Von Aromatisierung steht da nichts! Irritierend! Schließlich kann ich mich noch all zu gut an die Bombe erinnern, die ich damals entsorgt hatte. Aber wie gesagt: Plug ist nicht gleich Mixture!

Öffnet man die Dose, dann hat man ein beeindruckend schönes Tabakbild von hellgelbem, goldenen Virginia-Blattgut vor Augen, das aber auch schon auf eine kleine Tücke hinweist, denn der Grousemoor ist nicht sehr homogen geschnitten: da wechseln sich feine Streifen mit gar nicht so kleinen Blattfetzen ab, was zwar optisch sehr attraktiv ist, für das Stopfen aber etwas Aufmerksamkeit bedeutet. Dann der Geruch. Leichte Zitrusnoten! Honig oder besser Bienenwachskerzen! Und dunkle Brotkruste! Dazu dezent florale Noten, wie wir sie von vielen der aromatisierten Lakeland-Virginias kennen. Das ganze allerdings mitnichten so intensiv, wie mir das vom Plug in Erinnerung ist.

GrousemoorEntzünden lässt sich die Füllung Grousemoor eigentlich recht problemlos, allerdings empfiehlt es sich wegen der Schnittart des Grousemoor auf Pfeifen zurückzugreifen, die nicht weniger als 20mm Brennkammerdurchmesser aufweisen. Das erleichtert das Rauchen ungemein. Mir geht es zumindest so. Dann der Geschack: Voluminös! Wundervoll süße Virginianoten, die sich immer behaupten können, und eine vollmundige Aromatisierung, die einem einerseits sehr vertraut vorkommt und die einen andererseits irritiert.

Das Vertraute sind die Zitrusnoten und der Honig, wie wir es ganz dezent von Orlik Golden Flake oder nicht ganz so dezent vom Huber Golden Flake (Ex Honeydew) her kennen, allerdings beim Grousemoor wesentlich intensiver als bei diesen beiden. Dazu gesellen sich nun florale Noten, die den Tabak leicht „seifig“ erscheinen lassen und sofort seine Herkunft und die damit verbundene Handschrift verraten. Gegen Ende der Füllung haben wir geschmacklich leichte Marzipannoten, womit der Grousemoor einen Blick zum Ennerdale riskiert. Im Vergleich zum Ennerdale fehlt es dem Grousemoor, was die Aromatisierung angeht, aber deutlich an Raffinesse! Der Grousemoor wirkt fast geradlinig und bei weitem nicht so geheimnisvoll. Hinsichtlich des Aromavolumens und des Crossovers, das der Grousemoor erzeugt, kann er sich aber schon mit dem Ennerdale messen: wir haben hier einen Hocharomaten in der Pfeife. Einen durchaus angenehmen! Der Grousemoor ist der ideale Tabak, wenn einem der Huber Golden Flake gefällt und man mal den Schritt zur englischen Aromatisierung wagen möchte!

GrousemoorDas Abbrandverhalten des Grousemoor ist tadellos, auch hält der Grousemoor sein Aroma kontinuierlich und zwar sowohl was die Aromatisierung angeht als auch was den Tabakgeschmack angeht, der immer präsent ist. Der Grousemoor ist zwar leichter als der Grousmoor Plug (der auch deutlich dunkler ist!), aber er ist kein leichter Tabak! Man kann ihn durchaus als Medium bezeichnen!

Einen Versuch ist der Tabak absolut wert!