Samuel Gawith | Bothy Flake

Samuel Gawith hat uns seit 1792 zahlreiche hervorragende Tabake beschert und die Einordnung Lakeland Tobaccos geschaffen – zusammen mit Gawith & Hoggarth, mit denen sie seit der Trennung von 1865 ab März 2015 wieder vereint sind. Zahlreiche SG-Tabake sind hier im Pfeifenblog.de beschrieben, darunter auch der hervorragende Forum Plug EPIKUR. Der SG Bothy Flake ist bereits seit Herbst 2014 in Deutschland erhältlich und wird als  A Kearvaig Pipe Club Tobacco ausgewiesen. Bothy bezeichnet eine Hütte/Schutzhütte in meistens abgelegener Gegend, in der Regel ganz minimal ausgestattet. In ein solches Bothy ziehen sich die Herren des Kearvaig Pipe Club gelegentlich zu illustren Veranstaltungen zurück, die sie leider sehr geschmackvoll und honorig dokumentieren und auf ihrer Webseite (Meet the Crew!!!) veröffentlichen. Ich gehe darauf nicht weiter ein, die Fotos auf der Webseite sprechen für sich und lassen nicht vermuten, daß der Club sich wirklich dem passionierten Tabakgenuß und schönen Rauchgeräten widmet. Wie immer: cha­cun à son goût.

Der Flake, in der vorliegenden Dose einigermaßen gleichmäßig dünn geschnitten, wofür SG nicht gerade bekannt ist, gibt ein schönes Tabakbild ab. Allerdings: verglichen mit der Sorgfalt, die MacBaren oder Orlik (STG) auf den Schnitt verwenden, liegen immer noch Welten dazwischen. SG bleibt halt einfach schluderig.

sechs Flake-Scheiben, sechs unterschiedliche Stärken, das muß man erst mal hinbringen…

Ein üblicher SG Virginia mit wenig Latakia und vorgeblich mit „typischem Highland Malt Whisky“ veredelt. (eher wohl ESSENZ!!!!). Den riecht nur, wer die Inhaltsangabe vorher gelesen hat, ansonsten kann auch Terpentin oder irgendein Lacklöser verwendet worden sein. Sie sehen schon, wohin die Reise geht.

Der Flake ist ausnahmsweise nicht klatschfeucht, sondern zum „Sofortverzehr“ geeignet. Er läßt sich nach fachmännischer Befüllung unproblematisch anzünden und brennt oder glimmt, je nach Gusto. Und das war`s.

.. ist zwar dem Geschmack nicht abträglich, aber schön verpackt ist anders.

Ich weiß nicht, wie es gelingt, ein Nullaroma beim Abbrand zu erreichen. Ein geschätztes Mitglied der Münchner Runde, ausgewiesener Tabakkenner, spricht häufig von der Eindimensionalität gewisser Tabake. Ich habe das stets als ein schönes, aber nicht wirklich anwendbares und allgemeinverständliches Kriterium angenommen, bin nun aber durch den Bothy Flake erhellt worden. Es gibt tatsächlich auch noch eine Null-Dimension.

Mir fehlt die Fähigkeit, diesen Flake subtiler zu beschreiben, weil es eben nichts gibt, was zu berichten wäre. Weder etwas Negatives, noch es etwas Gutes. Das reine Nichts. Nach drei Versuchen habe ich es aufgegeben. Warum stelle ich ihn dann überhaupt vor? Na ja, die Dose ziert ein schöner Aufkleber.

Bessere Virginia Flakes gibt es zuhauf, auch aus der SG Produktion. Nimmt man den Dunhill Flake zum Vergleich (noch teilweise erhältlich, aber leider bereits Schnee von gestern), dann scheint der von einem anderen Stern zu kommen.

Samuel Gawith
Bothy Flake
A Kearvaig Pipe Club Tobacco
50g Rechteckdose – 13,60€
erhältlich im deutschen Fachhandel

 

Logo Samuel Gawith: copyright of Samuel Gawith & Company, Ltd



Soraya | Ihre kaiserliche Hoheit von HU Tobacco

Zunächst einmal muss ich mich für das lächerlich magere Fotomaterial bei Ihnen entschuldigen. Ausgerechnet, derjenige, der ständig die Tabaksdose als den heiligen Gral der Rauchwarenverpackung predigt, rezensiert die neueste HU Tobacco Kreation in einem Plastiksackerl. Dieser Umstand ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass ich diesmal nicht für das Dosendesign verantwortlich war und sich deshalb, weder Foto noch Dose in meinem Besitz befinden. Hans Wiedemann von HU hat mir den Soraya zum Probieren in diesem kleinen Plastiktüterl zugeschickt.

Das wird „ihrer kaiserlichen Hoheit, Soraya“ natürlich überhaupt nicht gerecht, vielmehr sollte der Tabak vielleicht in einem Fabergé Ei oder einem goldverzierten Ebenholzschachterl aufbewahrt werden, denn so viel möchte ich schon verraten, beim Soraya handelt es sich um eine wunderbar anmutige Orientalin.

Kaiserin Soraya Esfandiary Bakhtiary Bild: Wikipedia

Ich wollte den letzten Satz bewusst zweideutig halten, denn der Name dieses Tabaks könnte treffender nicht gewählt sein. Diejenigen, die sich noch an die Regenbogenpresse der 1950er bis 70er erinnern, sind mit dem Namen Soraya Esfandiary Bakhtiary vertraut. Soraya war die geheimnisvolle „deutsche“ Kaiserin auf dem persischen Thron. Naja, sie war nur halb Deutsche und halb Perserin und die erste Frau des letzten persischen Schahs (ja, genau der mit den Jubelpersern). Weil die Ehe kinderlos blieb, wurden sie jedoch geschieden und Soraya, die orientalische Schönheit, verbrachte ihre weiteren Jahre in der europäischen Jetset und war ein ständiger Gast in den Gazetten. Keine Ausgabe des Goldenen Blatts, der Bunte und Freizeit Revue ohne Fotos und Lügenmärchen journalistische Artikel über ihr glamouröses Leben an der Seite von Playboys Herren, wie Maximilian Schell und Gunther Sachs.

Und jetzt ist ihr eine sanfte und samtige Orient-Mischungen gewidmet (das ist eine absolut haltlose und dreiste Behauptung), die mir sehr gut gefällt und ich hatte ich schon einige Male das Glück den einen oder anderen Tabak aus Bodos Orientsammlung zu verkosten.

Obwohl der Tabak wenn überhaupt, nur homöopathische Mengen Latakia enthält, rauche ich ihn am liebsten aus einer Latakia-Pfeife ohne Filter. (Vielleicht deshalb, weil eine Spur Latakia im gut getan hätte?) Eine schöne, dunkle und geräumige Peter Hemmer Pfeife passt am besten zu dieser sanften Orientalin. Feingeschnittenes helles, gelbliches Tabakbild mit vereinzelten schwarzen Sprengseln. Mir ist nicht bekannt, welche Tabake im einzelnen in die Komposition eingeflossenstreuselt wurden, jedenfalls harmonieren sie perfekt. Hans Wiedemann hat diese Kreation mit Mitgliedern des Forums Pipe Dreams geschaffen. Drei verschiedene Orienttabake, etwas Virgina, Perique, Burley und einen Spur Black Cavendish sollen sich in der feinen Mischung befinden, heisst es, aber wir alle wissen: der gute Hans lässt sich nie ganz in die Karten blicken.

Alle Freunde des Orients, welche die großartigen Orient-Tabake von McClelland jetzt schon vermissen, sollten den Soraya unbedingt einmal probieren und auch denjenigen, welche einmal Orienttabake ohne Latakia probieren möchten, sei dieser Pfeifentabak empfohlen.

Ich schreibe diese Zeilen im ICE nach München – wo Soraya im Übrigen auf dem Westfriedhof begraben liegt – und freue mich sowohl auf die lieben Freunde im Pfeifenclub, als auch das letzte Restchen Soraya-Tabak dort geniessen zu können. Ich werde definitiv ein paar Dosen davon bei HU-Tobacco bestellen.




Paul Olsen | MY OWN BLEND 800 Ø

Es gibt so Tabake, die hat man mal vor vielen Jahren geraucht, fand sie ganz gut, ohne dass sie einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen hatten, und dann begegnen sie einem etliche Jahre später und man ist plötzlich sehr angetan und fragt sich, wieso man nicht schon viel früher gemerkt hat, dass es sich bei dem einen oder anderen um regelrechte Juwelen handelt. Ein solcher Tabak ist für mich der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø von STG. Ein Juwel ganz ohne Zweifel und ich hätte es vermutlich noch nicht einmal gemerkt, wenn es nicht hier schon ein Review zu dem Tabak gegeben hätte und mir nicht vom Autor dieses Reviews vor einem knappen Jahr eine Dose des Paul Olsen My Own Blend 800 Ø geschenkt worden wäre. Seitdem rauche ich ihn immer mal wieder und freue mich jedesmal.

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø hätte durchaus da Zeug dazu, einer meiner Standardtabake zu sein, wäre er in Deutschland erhältlich. Es gibt ihn aber nur in Dänemark. Schade eigentlich. Wie es überhaupt in der Paul Olsen Reihe, seien es die Standard Blends wie die Individuel Blends (zu der der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø gehört), einige Tabake gibt, die wunderschön sind. Die älteren werden sich noch an den Dannebrog oder den Kong Frederick erinnern, die auch hierzulande erhältlich waren.

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ist im weitesten Sinn eine englische, satt latakialastige Mischung auf Virginiabasis mit Black Cavendish, Kentucky und Perique. Der Tabak ist hervorragend ausbalanciert und stilistisch etwas besonderes, denn er ist mit seinen ausgeprägten Primäraromen fast ätherisch modern, während er aber auf der anderen Seite ein großes Fenster zu den „schweren“ englischen Klassikern wie Simmons Down The Road, Balkan Sobranie Smoking Mixture oder Dunhills 965 mit ihrer maskulinen Erdigkeit offen lässt. Diesen erdigen Stil, den man heute fast nur noch beim Squadron Leader von S.Gawith findet, paart der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø mit Raffinesse und einer Spur Leichtigkeit, eine Stilistik, die dem Squadron Leader vollkommen fehlt. Mir geht’s hier aber nur um den stilistischen Vergleich, geschmacklich unterscheiden sich die Tabake alle sehr voneinander!

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ist ein klassischer Ribbon Cut, der in perfekter Konditionierung aus der 100g Malerdose daherkommt und sich erwartungsgemäß vollkommen problemlos stopfen, entzünden und rauchen lässt. Problemlos bis zum Ende der Füllung, wobei der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ein Tabak ist, der sich „entwickelt“ beim Rauchen: Er beginnt mild, unglaublich weich und samtig. Der Latakia sorgt für die Rauchigkeit, weich eingebettet in die perfekte Balance von Virginia, Black Cavendish und Kentucky(?). Wie in einem dicken behaglichen Federbett. Erst so ab der Hälfte der Füllung verändern sich die Verhältnisse und der Geschmack wird nicht nur deutlich voller, er wird jetzt auch erdiger und kantiger. Die weiche Cremigkeit ist weg, dabei blitzt nun ganz leicht die schokoladige Trockenfrüchtenote des Periques durch und sorgt wieder für eine schöne Balance im Kontrast zur rauchigen Erdigkeit. Langweilig wird einem mit dem Paul Olsen My Own Blend 800 Ø nie!

Paul Olsen My Own Blend 800 ØWas ganz interessant ist, das ist die Tatsache, dass der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø von der Grundkonstruktion her – sieht man mal vom Perique ab – dem HU Fayyum nicht ganz unähnlich ist, nur dass die Komponenten anders gewichtet sind: Der Latakiaanteil des Fayyums ist etwas höher und die Virginias sind kraftvoller. Trotz seiner Erdigkeit wirkt der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø im Vergleich zum Fayyum ein bisschen wie die kleine Schwester, die aber nicht weniger attraktiv ist! Vielleicht ist der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø nicht ganz so imposant wie der Fayyum oder gar der Fayyum Cake, aber auf eine andere Art genauso tiefgründig. Auf jeden Fall handelt es sich, wie es auf den Papierscheibchen in den aktuellen Dosen so schön heißt, um „fineste kvalitet“. Fazit: Sehr zu empfehlen!

 




Das Ende der Peterson Tabake? – Die inoffizielle Streichliste der STG

Großmundig hat die Scandinavian Tobacco Group in Ihrer Pressemeldung vom 20. Juli 2018 verkündet, mit dem Kauf der Peterson Tabak Lizenzen von der Kapp & Peterson Limited in Irland, noch weiter wachsen zu wollen. Im „important premium pipe tobacco segment“ wollen sie mit diesen Tabaken höchster Reputation weiter noch mehr Umsatz in den „important tobacco markets“ machen. Weil die so einen „solid reputation“ haben und überhaupt so toll ins Portfolio passen und sich so tolle Synergien finden lassen (bla, bla, fasel, schwätz …)

Namentlich erwähnt werden in der Pressemeldung die Tabake „Sherlock Holmes“, „Old Dublin“ und „Connoisseur’s Choice“.

Am 23. Oktober gibt es eine neue Pressemeldung mit noch großartigeren Neuigkeiten. Sie haben ein tolles Programm gelauncht, was den „mid-term EBITA Growth“ supportet. Damit werden sie 3-5% „organic“ Wachsen.
Erst habe ich ja gedacht, sie wollen nur noch Organic-Tobacco anbauen und mein „innerer Öko-Hippie“ begann schon in seinen Jesuslatschen zu tanzen, aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken.

Es folgen noch einige Absätze langweiliger Speichelleckereien und Arschkriechereien bei den Shareholdern, leider bin ich bei der Lektüre immer wieder eingenickt. Behalten habe ich nur, dass 100-120 „White-Collar Positions“ redundant geworden sind. Das ist eine tolle Nachricht, denn dann können sie die ja entlassen und dann und machen noch mehr „organic groth“, was die Shareholder wieder jubeln lassen wird.

Das blöde an der Geschichte ist nur, dass mit den 100-120 Weiss-Krägen auch zehn Peterson-Tabake entlassen werden. Das hat die Scandinavian Tobacco Group (noch) nicht per Presseinformation verkündet – ich vermute mal sie feilen noch an schmeichelnden Euphemismen und enthusiastischen Jubelrufen – das hat Cigarworld auf Facebook geleakt. Leider konnte ich keinen weiteren Quellen finden, die Nachricht ist noch ganz frisch …

Das ist die inoffizielle Streichliste der Peterson Tabake, laut Cigarworld

3P
De Luxe Mixture
Founders Choice
Hyde Park
Irish Mixture
Irish Oak
Killarney
Luxury Blend
Original 1865
Sunset Breeze

Wir werden sofort berichten, wenn es Konkreteres zu berichten gibt.
Wir haben unsere rasenden Reporter, verdeckten Ermittler und Whistle Blower schon aktiviert.

Sollten Sie, lieber Leser, auch zu den „üblich gut unterrichteten Kreisen“ zählen, nutzen sie bitte die Kommentarfunktion.
Um welchen Tabak tut es Ihnen am meisten leid, werden sie neben Ihrer Europalette Nightcap auch noch eine Palette 3P in den Keller stellen?

Ich werde jedenfalls erstmal ein paar irische „Writers Tears“ weinen und mich fragen, wie das alles weitergehen soll …

///// NACHTRAG 8.11.2018

Wir haben gerade eine Bestätigung von STG bekommen. Es ist tatsächlich so, von siebzehn Peterson Tabaken wird auf sieben reduziert werden.
Die verbliebenen Sieben werden nicht mehr, wie bisher von Mac Baren, sondern mit gleicher Rezeptur von STG produziert werden.
Wir sind gespannt, wie sich das auf den Geschmack und die Qualität der Mischungen auswirken wird. Ich persönlich denke, dass sich das eher positiv, denn negativ auswirken wird.

Zudem wird es 2018 keinen Weihnachtstabak geben. STG bricht damit mit einer jahrelangen Tradition, vermutlich aus logistischen Gründen.

Vielen Dank an Jens Meyer fürs Nachhaken bei der STG.




Epikur – unverändert eine Offenbarung

Immer wieder wird uns die Frage gestellt, ob denn der Plug Epikur auch nach der Schliessung des Forums Pfeifen und mehr weiterhin verfügbar ist. Aber ja doch, denn dieser Ausnahmetabak erfreut sich einer stetigen Beliebtheit und hat längst einen Stammplatz im breiten Tabakangebot von Pfeifen Huber (Laden in München oder im Webshop) eingenommen.




Robert McDunhill – Umwege scheinbar notwendig

Die Welt der Pfeifentabake könnte so schön sein, so einfach. Wenn da nicht ständig widrig agierende „Marktbeteiligte“ Unordnung durch oftmals unbedachte Machenschaften – um nicht von dilettantischen zu sprechen – schafften oder wenn schlichtweg vorgeblich „politisch korrekt“ zusammengeführte Produktwelten von Multi-Konzernen mit drakonischen Aktionen seit Jahren Tabake, Pfeifen und Accessoires als mißliebig ins Aus manövrieren. Das deprimierendste Beispiel ist die Tabak & Pfeifen Sparte von Dunhill. Was da der schweizerische Richemont Konzern, Eigentümer von Dunhill, in den vergangenen Jahren angestellt hat, ist einem verqueren, aber sehr erfolgreichem Lifestyle Primat geschuldet. Neben Lederwaren, Bekleidung, Schuhe, Brillen, Parfüm, Schreibgeräte und Uhren, sämtlich in Top Preisgmenten angesiedelt, werden unverändert Feuerzeuge angeboten. Niemand scheint bei Richmonte daran zu denken, das irgend etwas anderes als Wälder, Papierkörbe oder Gebäude damit angezündet werden könnten, auf keinen Fall so schmuddeliges wie Tabakwaren. Das Dunhill Tabak Problem wurde eh vor Jahren an BAT übergeben und die Alfred Dunhill Manufacturing Limited hat längst die Pfeifenvermarktung in die blödsinnige White Spot ausgelagert, die allerdings frecherweise auf ein Gründungsdatum 1912 verweist. Wir Pfeifenraucher müssen in deren Augen irgendwie verblödete Consumer sein…….

Der neueste Aufreger, die Aufgabe der Dunhill Tabake (wir haben ausgiebig in verschiedenen Artikeln berichtet), führte anscheinend in den letzten Wochen zu einer Belebung für den Brand: fast alle Bestände im deutschen Fachhandel sind in Windeseile abverkauft worden, gibt es doch einen großen Markt von Liebhabern, die die aussterbenden Dunhills lagern werden.

Hoffnung kam auf, das der deutsche Hersteller und Distributor Kohlhase & Kopp, ein sehr renommiertes Unternehmen, mit seiner neuen Robert McConnell Heritage Reihe die Legende fortführen wird. Hat man doch mit der starken Scandinavian Tobacco Group (Orlik) einen der mächtigsten Partner in dieser Industrie an Bord. So gut wie es angelaufen ist, so schnell ist das Vorhaben ab sofort gestoppt. Nach Aussagen von K&K wird derzeit das Branding – also Namen und Etiketten – neu überarbeitet und die Tabake werden zur Zeit nicht an den Fachhandel geliefert. Das wirft einige Fragen auf: werden die von uns bereits durchgeführten Tabakreviews unverändert gültig sein? Laut K&K sind die Rezepturen von den vorzunehmenden Änderungen nicht betroffen. Hat man sich denn nicht mit der BAT (weiterhin Inhaber der Markenrechte) und STG abgesprochen, welches Layout mit welchen Bestandteilen der Dunhill Etiketten verwendet werden dürfen?

Weniger als wir ambitionierte Afficionadas dürfte der Fachhandel von diesem Tohuwabohu betroffen sein. Dosen rein, Dosen raus. Als ich gestern in der wundervollen Umgebung meines Tobacconisten des unbeirrbaren Vertrauens eine Pfeife so vor mich hin rauchte, unbelästigt von irgendwelchen verkäuferischen Ansprachen und meinen Gedanken freien Lauf ließ, schweifte mein Blick über die ausladende Tabakpräsentation. Und siehe da, ich wähnte mich in zurückliegenden Zeiten. Das Regal mit den Dunhill Tabaken war wieder vollbestückt und von RMcC Heritage nichts in Sicht …….

Da sag mir einer, Zeitreisen seien nicht möglich. Dazu braucht man lediglich ein paar Gramm vorzüglichen Tabaks. Und muß dieser Buchempfehlung unbedingt nachkommen.

Wir werden in dieser Causa weiter berichten, bleiben Sie uns gewogen.

 

 


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Review: Robert McConnell Heritage Majesty Elizabeth

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Review: Robert McConnell Heritage Flake

Review: Robert McConnell Heritage Durbar Square

Review: Robert McConnell Heritage My Mixture Barking Road

 




Robert McConnell Heritage | Majesty Elizabeth

Majesty Elizabeth – Ein guter Freund von mir erzählt hin und wieder die Geschichte von einem freiherrlichen Bekannten, irgendeines Baron Schlagmichtot, der in geselliger, überwiegend aristokratischer Runde von seinem Urlaub berichtete und diesen Bericht mit dem gewichtigen Satz abschloss: „Und dann haben wir noch die Tante Lizzy besucht“. Auf die fragenden Blicke seiner Zuhörerschaft erklärte er im vollendetsten Graf-Bobby-Tonfall: „Na – England!“ Unweigerlich musste ich an diese Geschichte denken, als ich meine neue Dose Robert McConnell Majesty Elizabeth aufgemacht und mir dabei vorgestellt habe, wie man in einem Gewerbegebiet zwischen Pinneberg und Hamburg ersonnen haben mag, der englischen Monarchin ein Denkmal zu setzen, das keinem anderen Zweck dient, als sich in Asche aufzulösen. Das aber immerhin mit sehr großem Genuss! Und das ist ja schließlich die Hauptsache!

Aus Dunhills Elizabethan Mixture, Hommage an ein ganzes Zeitalter, versinnbildlicht auf der Dose mit Butzenfenster, Tonpfeife, einem Buch und dem Modell einer englische Galeone, das alles auf einer Seekarte, den Bogen schlagend von Shakespeare zu Francis Drake, wurde durch die Neuauflage Robert McConnells Majesty Elizabeth. Welche Elizabeth ist egal. Hauptsache der Wiedererkennungswert stimmt! Und der stimmt nicht nur beim Namen, er stimmt auch beim Tabak!

Das Tabakbild von McConnells Majesty Elizabeth ist optisch nicht von der STG Version der Elizabethan Mixture zu unterscheiden, lediglich die Vorgängerversion von Murrays war etwas dunkler. Auch im Geruch aus der geöffneten Dose sind keinerlei Veränderungen zu bemerken. Die Veränderungen, die hier vorgenommen worden sind, sind so subtil, dass sie einem nicht auffallen.

Das einzige, was mir aufgefallen ist: für meinen Geschmack ist der Tabak der neuen McConnell Majesty Elizabeth ein wenig zu feucht. Nicht, dass man den Tabak so nicht rauchen könnte. Das kann man sehr gut. Aber wenn man ihn ein wenig abtrocknen lässt, entwickelt der Majesty Elizabeth etwas intensivere Geschmacksnoten. Alles in allem aber kein Problem. Mir ist das nur aufgefallen, denn im Gegensatz zur Majesty Elizabeth waren die anderen beiden von mir bislang probierten neuen McConnell Versionen der ehemaligen Dunhill Tabake, der Durbar Square und der My Mixture Barking Road, eher auf der trockeneren Seite, was mir persönlich lieber ist.

Das Abbrandverhalten ist trotz der höheren Feuchtigkeit absolut tadellos und somit eine der Stärken der alten Dunhill Elizabethan Mixture in die neue Version perfekt übersetzt! Geschmackliche Unterschiede kann ich keine nennenswerten feststellen, weshalb ich auch hier auf mein Review zur Elizabethan Mixture verweisen darf. Ich könnte nichts neues dazu schreiben. Dort finden sich auch Fotos vom Tabakbild der STG und der Murrays Version zum Vergleich, wenn man ihn denn bräuchte.

Zusammenfassend kann man konstatieren, dass diese Neuauflage für die Raucher ein großer Gewinn ist und die Unterschiede bei den von mir bislang gerauchten Mixtures entweder kaum wahrnehmbar sind oder sich in einem recht übersichtlichen Maß bewegen – im Gegensatz zum Robert McConnell Eclipse oder gegebenfalls zum Robert McConnell Flake, also den Press-Tabak Versionen. Wenn man bedenkt, dass die Wechsel von Dunhill zu Murrays und von Murrays zu STG jeweils wesentlich gravierender ausfielen, dann kann man froh sein, wieviel hier bewahrt wurde! Auch, wenn der eine Traditonsmarkenname durch einen anderen Traditonsmarkennamen ersetzt werden musste.




Robert McConnell Heritage | My Mixture Barking Road

Namentlich haben wir es hier mit einem schlichten Umzug zu tun: Von der Baker Street in den Londoner Osten, in die Barking Road. Der Hausstand wurde mitgenommen und in den neuen Räumen eingerichtet. Der neue Stil ist der alte, wenngleich die neue Bleibe ein wenig heller ausfällt als es die alte war. Alles wirkt eine Nuance großzügiger und weiter, aber das dunkle Parkett und die roten stoffbespannten Wände sind geblieben. Die alten hohen Bücheregale dominieren die Räume wie ehedem, nur die in dunkelbraunes Leder gebundenen Bücher hatten noch nicht genügend Zeit ihren gewohnten Staub anzusetzen. Der Strauß dunkelroter Dahlien und die Schale mit frischem Obst auf dem kleinen Tisch zwischen den schweren Ledersesseln erfüllen den Raum mit ihrem süßlichen Duft, dem es aber jetzt schon schwer fällt, sich gegenüber dem alten Muff des bedruckten Papiers zu behaupten. Draußen regnet es.

Als STG vor ziemlich genau zwei Jahren den Dunhill 221b Baker Street herausbrachte, war ich glücklich, denn ich hatte einen Tabak gefunden, der so ganz perfekt mein Standardsortiment an Latakia-lastigen Mischungen und Viginia- und Virginia/Perique Flakes und Curlies bereicherte. Schwer, kraftvoll, würzig und das alles ohne Latakia und ohne die süsse weiche Cremigkeit der Flakes. Wie fällt nun das Nachfolgeprodukt, der Robert McConnell My Mixture Barking Road aus? Kann er die Geschmackskomponenten, die den Baker Street so einzigartig gemacht haben, bewahren? Klare Antwort: Jein!

Zunächst ist das Tabakbild des McConnell Barking Road signifikant heller als beim Baker Street, was sich vor allem auf die verwendeten Virginias zurückführen lassen dürfte. Beim Duft des Tabaks aus der Dose dagegen lassen sich kaum Unterschiede ausmachen: der McConnell Barking Road ist etwas fruchtiger als es der Baker Street ist, aber der schwere Kentucky dominiert bei beiden Mixtures das Geruchsbild in identischer Weise. Das lässt erstmal hoffen und diese Hoffnung wird geschmacklich auch nicht enttäuscht!

Allerdings sind die Modifikationen schon spürbar. Es ist klar, dass der Robert McConnell My Mixture Barking Road keine 1:1 Übertragung des 221b Baker Street ist: Der Barking Road hat zwar auch diese prägende Erdigkeit des Vorbilds, was natürlich dem Kentucky geschuldet ist, auch an Körper kann er es mit seinem Vorbild aufnehmen, allerdings wirkt der McConnell Barking Road insgesamt etwas weicher, runder und vor allem süsser als der Dunhill 221b Baker Street. Kurz auf einen Nenner gebracht könnte man sagen, dass man hier zu Lasten der Würzigkeit auf etwas mehr Süsse gesetzt hat. Vielleicht auch mehr auf den Royal Yacht-Anteil mit seinem Casing? Aber dazu kann ich nichts sagen, denn den Nachfolger des Royal Yachts habe ich noch nicht geraucht. Der McConnell Barking Road ist immer noch ein ganz hervorragender Tabak, aber es ist ein kleiner Schritt in Richtung Mainstream, den man hier eingeschlagen hat. Ein kleiner Schritt zugegeben, aber ein Schritt.

Das muss per se kein Nachteil sein, vor allem könnte ich mir vorstellen, dass der Tabak so vielleicht eine Klientel anspricht, die etwas größer ist als die bisherige, denn vielen, denen der 221b Baker Street zu kantig war, könnte die My Mixture Barking Road mit ihrer ein bisschen schmeichelnden Süsse besser gefallen? Das Vorbild verleugnet der McConnell Barking Street trotzdem nicht, dazu sind die Veränderungen nicht substanziell genug, sodass ihn auch diejenigen gut rauchen werden können, die eingefleischte Fans des bisherigen 221b Baker Streets waren.

Insgesamt würde ich den Robert McConnell My Mixture Barking Road empfehlen. Das alte ausführliche Review des Dunhill 221b Baker Street hat nach wie vor seine Gültigkeit, nur muss man sich eben die höhere Süsse und das weichere Erscheinungsbild mit „reinlesen“! Der Barking Road ist immer noch eine gestandene, auch immer noch genug kantige Mixture, der man nur etwas mehr Charme verpasst hat. Es gibt ein bisschen Enttäuschung meinerseits, aber die Freude über das „Gerettete“ wiegt sie bei weitem auf!




Noch ein Heritage Tabak?

Es ist ja scheinbar Mode geworden, Tabake, die es nicht mehr zu kaufen gibt, unter sehr ähnlicher Bezeichnung und Dosengestaltung wieder auf dem Markt zu bringen.
Aus einer „Night Cap“ wurde kurzerhand ein „Night Club“, aus einer „Early Morning Pipe“ wurde ein „Early Bird“, was die Bedeutung der beiden Namen im Grunde ad absurdum führt, aber egal.
Ein ähnlicher Name, unterstützt durch geschickte Farbcodierung des Labels, soll dem verzweifelten Dunhill-Raucher den Weg zum gewohnten Tabak weisen. Das dies nicht immer gelingt und manchmal sogar zu bizarren Verwechslungen führt, wissen wir inzwischen.

Keinesfalls würde ich behaupten, dass dies eine plumpe Bauernfängerei ist. Niemals würde ich einem Tabakonisten unterstellen, dass er aus der Not verzweifelter Dunhillisten Kapital schlagen wolle oder gar, dass er irgendwelche Provinz-Hausmischungen als Dunhill Heritage Tabake zu horrenden Preisen verscheuern will.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Hersteller dieser – im übrigen wie tschechische Fußballtrikot-Fälschungen wirkenden – Tabaksdosen nur das beste im Sinn hatte. Er wollte die Lücke stopfen, die durch den Rückzug Dunhills aus dem Tabakgeschäft entstanden ist und dies aus reiner Menschenfreundlichkeit. Uns Pfeifenrauchern sollten diese wunderbaren Tabake erhalten bleiben.

Dass dies bei den Navy Rolls nicht wirklich gelang, lag bestimmt daran, dass der Schülerpraktikant die falschen Röllchen in die Eclipse-Dosen gepackt hat, die sehen sich aber auch alle verflucht ähnlich diese blöden Medaillons, Escudos, Rollcakes … runde Scheiben halt. Auch dass in die Robert McDunhill Flake-Dose die Hausmischung 246 von Tabak Hüttensköller aus Castrop-Rauxel gewandert ist, ist bestimmt auf den eifrigen aber nicht gleichermaßen aufmerksamen jungen Mann zurückzuführen. Die nächsten Chargen werden bestimmt wieder richtig sortiert im Handel sein und der Praktikant wieder zurück in den wohlmeinenden Händen seiner Steiner-Pädagogen.

Gänzlich verblüfft war ich allerdings, als mir ein Tabak mit dem merkwürdigen Namen „Penzayyum“ in die Hände fiel. Der Name kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Er erinnert mich an irgendetwas ich komme nur leider nicht drauf …
Auch das ungewöhnliche Dosendesign habe ich schon einmal irgendwo gesehen. Auch dieser mir bisher unbekannte Tabak scheint ein so genannter „Heritage-Tabak“ zu sein. Wenn Sie lieber Leser mir auf die Sprünge helfen könnten, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Der Tabak schmeckt jedenfalls großartig, satt nach Latakia und hat dabei eine solche Weichheit, dass er Mund zu schmelzen scheint, ich bin überwältigt.

Und so verbleibe ich, endlich doch versöhnt mit der Heritage-Mode, Ihr Alexander

 

 




Robert McConnell Heritage | Durbar Square

Erst vor wenigen Jahren wieder neu aufgelegt hat sich Dunhills Durbar, immerhin eine Mixture, die zum Urgestein der Dunhill Tabake zählte, schnell etabliert und wurde – nicht nur bei mir – zu einer der beliebtesten Latakia-Mischungen der Marke. Seit 2018, wie hier zu lesen, ist Dunhills Durbar schon wieder Geschichte. Wirklich? Nein! Nur der Markenname fehlt. STG bzw. Kohlhaase&Kopp haben die Mixture als Robert McConnell Durbar Square „gerettet“. Die Frage ist nur, wie gut ihnen das gelungen ist? Nach den Meldungen zum Flake und der Erfahrung des Eclipse war ich da erstmal sehr skeptisch, denn es hieß ja: alle Tabake außer dem Eclipse seien leicht verändert worden und wenn schon der „unveränderte“ Eclipse ein deutlich anderer Tabak ist, wie mag dann aus dem Durbar ein Durbar Square geworden sein? Meine Neugier war groß.

Die erste Frage, die sich stellt, ist die nach dem Tabakbild und dem Geruch aus der Dose: während sich im Geruch keine nennenswerten Unterschiede ausmachen lassen, ist das Tabakbild ganz geringfügig anders, nämlich etwas mehr dominiert vom bräunlichen Blattgut in Relation zum grünlichen, das aber auch beim Durbar nur vereinzelt durchscheint. Der Latakiaanteil dürfte einigermaßen identisch sein. Daß hier nur geringfügig an der Rezeptur gedreht wurde, das kann man sehen.

Stellt sich als nächstes die Frage nach dem Geschmack und den Raucheigenschaften. Ich habe nun von jeder Version sechs Füllungen geraucht, zweimal sogar simultan, um die Unterschiede zu erkunden. Nun muss man aber bedenken, dass der Dunhill Durbar im Gegensatz zum McConnell Durbar Square ja zwangsweise nicht ganz frisch in der Dose ist (der Dunhill muss ja noch 2017 produziert worden sein), was grundsätzlich schon einen Unterschied macht, denn Tabak entwickelt sich und zwar relativ stark in den ersten zwei Monaten nach dem Mischen und konfektionieren und dann langsam und stetig. Das ist ein bisschen wie beim Wein.

Wenn man also diesen „Vorsprung“, den die alte Version hat, berücksichtigt, dann würde ich zu dem Schluss kommen, dass hier zwar geschmacklich Unterschiede festzustellen sind, diese aber eben dem Reifevorsprung geschuldet sind und so marginal ausfallen, dass sich das Geschmacksbild nicht verändert hat und alle Charakteristiken, für die die Dunhill Version steht bzw. stand, sich auch in der neuen Robert McConnell Version wiederfinden. Erleichtert darf ich deshalb für diejenigen, die eine präzisere Beschreibung des Tabaks wollen, auf mein Review zum Dunhill Durbar verweisen, ich könnte nichts anderes zur McConnell Verion schreiben! Meine Empfehlung hat der neue wie der alte Tabak: wenn einem der Dunhill Durbar gefallen hat, kann man ohne jegliche Bedenken auch Robert McConnell’s Durbar Square kaufen!