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Kingfisher – eine Butera Legende

Es gibt so viele Tabake, die den meisten Rauchern nur noch als Legende bekannt sind und die sie nicht mehr genießen können. Deshalb macht es Sinn, Erfahrungsberichte festzuhalten und so finden Sie einige Reviews hier bei uns, die aktuelle „live Tests“ längst verschwundener Preziosen schildern. Die Autoren, allesamt erprobte „Veteranen“ der Tabakliga, haben durch gezieltes, vielfach jahrelanges lagern solcher Tabake, vorausschauend vorgesorgt. Ergänzend möchte ich erwähnen, daß wir kürzlich Zugriff auf einen größeren Vintage-Bestand eines befreundeten Sammlers erhielten und die Mitglieder der Münchner Runde damit versorgen konnten. Im August haben wir über den Bombay Court Extra berichtet, nun folgt der Kingfisher, den ich seit langen Jahren rauche und von dem ich immer noch einige Dosen „gebunkert“ habe.

In der Tat, es ist kein Schreibfehler an dieser Stelle: der seinerzeit auf den Britischen Inseln (Jersey) von J.F.Germain & Sons für Butera hergestellte und beginnend mit dem Jahr 2015 anscheinend heute sang – und klanglos eingestellte Kingfisher ist ein „Double Cut Krumble Kake“.

Ganze Tabakblätter werden zusammen geschichtet und dann in Kuchen gepresst, bis die Mischung der Blätter perfekt gereift ist. Diese Schichtung wird geschnitten, zu einem Band gesponnen und ein zweites Mal in Kuchen gepresst, anschliessend in Flakescheiben geschnitten (daher Double Cut) und in kleine 50g Rechteckdosen verpackt.

In der kleinen rechteckigen Dose mit dem wunderschönen Etikett befinden sich sorgsam nebeneinander und aufrechtstehende kleine „Schnittchen“, der gleiche Cut wie der ebenfalls von Germain  produzierte Penzance, allerdings von gänzlich anderer Konsistenz. Entnimmt man nämlich 2-3 davon,  zerbröseln sie sogleich in mittelgroße Brocken, das ist dann der Krumble Kake, der Krümel Kuchen. Der Eisvogel  besteht aus Virginia, Burley und Perique.

Zunächst bleibt festzustellen, daß es sich nicht in erster Linie um eine Virginia / Perique Mischung handelt und damit dürften die VA Liebhaber der reinen Lehre schon einmal ein Problem haben. Der Burley Anteil ist sehr hoch, es gibt denn auch eine ziemliche Portion Nikotin. Zumindest am Anfang macht sich ein deutliches Zigarrenaroma bemerkbar, nicht gerade angenehm, und scharfer Zitrus. Ist der Tabak und die Pfeife aber angewärmt, kommt der echte Kingfisher zutage: voll, rund, süßlich. Burley- und der Zitrusgeschmack weichen zurück und nun bin ich in einer wundervoll weichen VA Geschmacksfülle, deren Gesamtheit mich am ehesten an dunkle, getrocknete Feigen und an Hefe erinnert. Also, da muß man erst einmal durch.

In einer mittelgroßen Jörgen Larsen, die ich mit dem Eisvogel sorgsam (und andächtig) befüllt habe, bewährt er sich hervorragend. Ich rate ab, ihn in zu großen Pfeifen zu probieren, da der anfänglich hohe Nikotingehalt Wirkung zeigt. Kleine bis mittelgroße Köpfe bekommen ihm am besten. Die Scheiben, zwei, drei davon, zerbrösele ich leicht und lasse sie einfach in den Pfeifenkopf fallen, leicht andrücken. Knick&Falt funktioniert hier nicht, da die Scheiben sofort zerfallen. Nach zweimaligem anzünden brennt er problemlos und gleichmäßig über die gesamte Fläche. Er raucht sich trotz der Feuchte kühl und fast ohne Kondensat, feinste weiße Asche bleibt zurück.

Mir fällt eine sehr unikate Reaktion des Kingfishers auf: je länger er glimmt, um so häufiger verändert er die Geschmacksrichtung. Mal tritt der Burley mehr nach vorn, macht sich erdig, holzig und nussig schmeckbar. Die Virginias wiederum bieten eine kräftige, säuerliche und spritzige Zitrusnote, die einhergeht mit viel Brot, Zucker und dem typischen Virginia Heu. Ihre Gesamtwirkung ändert sich, da sie immer wieder die Führung übernehmen. Der erdige, holzige Perique bleibt stets als geringere Komponente in der Mitte der Geschmacksfülle, leicht pfefferig und mit einigen Gewürzaromen, ein wenig Feige und Pflaume. Ein dezenter Auftritt. Der Tabak benötigt bei gemächlichem Rauchen kaum Aufmerksamkeit, allerdings ist er nichts für Raucher, die sich solch komplexen und variierenden Geschmacksnuancen bisher nicht genähert haben. Der Abbrand ist langsam, ziemlich kühl, sauber und manchmal etwas sahnig.

Eine unverwechselbare Kombination aus würzigem Virginia, Burley und Perique. Ein leichter, süßer, weicher Rauch, subtil und komplex, mit einer Geschmackskurve, die von leicht pikant bis satt-kräftig zitronig reicht. Der Geschmack ist ziemlich nuanciert und neigt dazu, sich uter dem Rauchen öfter zu verändern.

Als Rarität rauche ihn natürlich nicht häufig, er soll etwas Besonderes bleiben, was er ohne Zweifel auch ist. Nach meinen Beobachtungen gewinnt der Kingfisher, wenn die Dose einige Wochen geöffnet ist. Dann sollte er zügig aufgeraucht werden, denn er vertrocknet sehr schnell. Wer mag schon Staub rauchen, auch wenn es ein Seltener ist. In meiner persönlichen Flake & Curly Favoritenliste befindet er sich unter den ersten 5 Plätzen, nach Penzance, Dunhill Flake, Escudo/DDLNR und Orlik Golden Sliced.

 

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Sir John´s Curly Cut – ein feiner OEM Tabak

Die Tabake, die von der John Aylesbury GmbH mit Sitz in München angeboten werden, sind seit der Gründung des Unternehmens im Jahre 1996 (in der heutigen Organisation) ein Begriff in der deutschen Tabakwelt. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Tabakhersteller, sondern um eine Art Einkaufspool für Fachhändler, die als selbstständige Firmen Aylesbury Mitglieder sind. Das Angebot von Aylesbury ist nur über diese derzeit 50 Fachhändler erhältlich. Heute stellen wir den Sir John`s Curly Cut vor, da er in der zwar ordentlichen, ansonsten aber recht beliebig erscheinenden Tabakreihe des Lieferanten ein wenig herausragt. Denn hier handelt sich um einen OEM-Tabak*, hergestellt vonMacBaren.

Und obwohl vom Tabakbild nur schwer vom MacBaren Stockton zu unterscheiden, ist er doch ein gänzlich anderer Tabak. Aylesbury bezeichnet ihn (wie MacBaren) als Roll Cake, die früher gängige Bezeichnung für Curly Cut. Sir John`s ist ein feiner Virginia, dem Dark Fired Cavendish* hinzugefügt wird. Ein sehr weicher, runder Tabak, der mit einem Top Flavour versehen ist, was ihm eine gewisse, nicht zu starke Süße verleiht. Von einem Strang, zu dem der Takak geflochten und gepresst wird, sind ovale Scheiben geschnitten. Sie zeigen den Querschnitt der verschiedenen Tabaksorten, ein sehr schöner, anregender Anblick. Da ich derzeit keinen Stockton „an Bord“ habe, die örtliche Tabaccheria aber den Sir John vorrätig hat, habe ich ihn in den letzten Wochen – ohne Überdruß – oft geraucht. Die soeben geöffnete Dose ist perfekt konditioniert.

Ich schichte, leicht geknickt, zwei, drei Scheiben in eine mittelgroße Pfeife. Obenauf ein wenig zerbröselter Sir John, damit der Anbrand besser funktioniert. Der Curly brennt hervorragend und schmeckt süffig von Beginn an, keinesfalls zu süß. Ist er richtig gestopft, so ist nur ein gelegentliches Andrücken mit dem Stopfer notwendig. Ein Vorteil, wenn die Scheiben nicht aufgedröselt, sondern nur geknickt werden. Ausserdem wird eine gänzlich andere Geschmacksdichte erzeugt, da immer die gesamte Scheibe mit allen unterschiedlichen Tabaken gleichzeitig glimmt.

Der langsame Raucher (ein Muß!) wird belohnt durch ein nahezu gleichbleibendes Geschmackserlebnis. Satt ist am Ende nicht der richtige Ausdruck, kommt dem Zustand des Virginia-Geniessers aber recht nahe.

Nicht ganz ebenbürtig, aber in der Ansicht fast identisch: Sir John`s Curly Cut und der hervorragende MacBaren Stockton

Der Sir John`s Curly Cut ist ein unproblematischer Tabak, er hat nicht die Raffinesse und Klasse des besonderen Stockton, den ich immer vorziehen würde. Für Raucher aber, die nur ab und an einen gesponnenen, gepressten Virginia geniessen möchten, ist er eine gute Wahl.

 

*Cavendish Verfahren: Tabak (das können verschiedene Sorten sein) wird mit Wasserdampf besprüht, eventuell Zucker und Aromastoffe zugesetzt und der Tabak gepresst, geröstet und anschliessend geschnitten. Eigentlich ist Cavendish kein Tabak, sondern ein Verfahren!

*OEM-Tabak: Original Equipment Manufacturer, auf Tabak bezogen bedeutet es, das der Anbieter oder Vermarkter nicht der Hersteller ist, sondern sich entweder eines bereits vorhandenen Tabaks bedient, der nur umbenannt ist oder für ihn entwickelt oder verändert wurde (Branding). Ein Beispiel dafür sind die meisten sogenannten Haustabake vieler Fachhändler, die vielfach von den großen Herstellern wie STG, MacBaren oder in Deutschland von Kohlhase & Kopp oder DTM stammen. In anderen Industrien gibt es weitere Ausprägungen des Begriffs.




Orlik Golden Sliced – der treue Begleiter

Es gibt Tabake, die sind wie die guten, alten Bekannten. Man denkt nicht ständig an sie, aber sie werden bei keiner Einladung vergessen. Und je länger der geneigte ambitionierte Pfeifenraucher ein solcher ist, umso mehr versammelen sich diese Tabake um ihn. Manchmal frönen sie ein Schattendasein, dann wiederum entsteht nach einer wohlfeilen Unterhaltung unter Gleichgesinnten oftmals der Vorsatz: ja, unbedingt, da öffne ich mal wieder eine Dose. Aus meinem „immerwährenden“ Portefeuille fallen mir da einige treue Bootsmänner ein: Capstan Blau, Erinmore Flake,  der Richmond Navy Flake – ein Tabak, der alles verzeiht, selbst die größe Gurke aus der Pfeifensammlung oder ein falsches Befüllen, die Legenden Penzance, Kingfisher oder Pelican und …. Orlik Golden Sliced.

Den Orlik Golden Sliced hat es gefühlt schon immer gegeben. Ich glaube gar, bereits zu Reformationszeiten. Nach Deutschland kam er um 2002. Nach Jahren der Stabilität hat sich sein Gewand einige, wenige Male geändert: aus der feinen, kleinen 50g Dose wurde die flache Rechteckdose und seit der fürchterlichen Gleichmacherei und den staatsverordneten Todesandrohungen gibt es nur noch 50g Pouches und die 100g Rundbüchse. Zum Glück wurde einer der drei schönsten Claims / Slogans unserer Tabakswelt beibehalten: neben dem unschlagbaren „Feuer, Pfeife, Stanwell“ und dem „Thinking Man“ von Peterson, das unnachahmliche “ SMOKED BY ALL SHREWED JUDGES“.

Sollte Pflicht sein: wer OGS raucht, muß währenddessen eine Perücke tragen

Es gibt Gerüchte, dass der Bundesfinanzminister zukünftig auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer verzichten wird, weil diese diametral den Aufkleber-Drohungen zuwiderläuft. Na ja, ein wenig Logik könnte man doch auch in solchen Ministerien verlangen, aber das scheint geradezu ausgeschlossen.

Mit Ausnahme einiger 100g Runddosen sind meine „rechteckigen Slices“ ausnahmslos aus der älteren Generation, die kleinen 8 x 6er wie auch die 9 x 8er. Einige sind gebacken, das Gros aber nicht. Für dieses Review öffne ich eine kleine und eine größere Rechteckdose, beide ungebacken, sowie eine 100g Runddose. Die Kleine kaufte ich 1996 in Copenhagen und sie ist dänisch bedruckt, die Große 50 g stammt aus diversen US Lieferungen von 2008, das sind immerhin auch schon über 13 Jahre!

Hersteller dieses Virginia Flakes ist STG, die Scandinavian Tobacco Group, der weltweit wohl größte Tabakskonzern, genauer dessen TochterOrlik Tobacco Company A/s mit Sitz in  Assens Dänemark. Der Flake besteht aus gepressten hellen und dunklen Virginia Tabaken und -jetzt wird es kurz verwirrend – entweder mit einer kleinen Zugabe von Burley oder Perique. Ich schmecke weder Burley noch Perique deutlich, Letzteren noch eher, aber mir liegen Dosen mit unterschiedlichen Angaben vor. Die „deutsche“ Runddose sagt darüber nichts aus:

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Nehmen wir es genau, dann ist Perique ein „gepimpter“ Burley, dem weitere Ingredienzen zugesetzt werden und der in Eichenfässern lange gelagert wird. Also halten wir uns mit den Orlik Unklarheiten nicht weiter auf, vielleicht ist es ja auch schlichtweg ein Druckfehler.

Der Schnitt des Flakes ist ein Band, wie wir es auch vom hervorragenden Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) her kennen. Hell- und dunkelbraun gesprenkelt, liegt es säuberlich gerollt in der 100 g Dose. Der Duft ist so wundervoll naturrein, daß ich nicht an eine oftmals zu lesende Aromatisierung glaube. Hervorstechend ist einé satte, virginiatypische Heunote, der sich ein feines, leicht süßliches Aroma (Zitrone, Pflaume?) unterordnet. Dieses entsteht sicherlich durch die lange Reifezeit während der Pressung und nicht durch irgendwelche Flavours.

Vom Tabakband schneide ich ein ca. 8 cm langes Stück und befülle eine mittelgroße Jörgen Larsen mit einer Mischung aus Knick&Falt und ein wenig aufgedröseltem Tabak. Trotz des Alters ist die Konsistenz perfekt und das Anzünden geht problemlos. Sobald die obere Schicht glimmt, entsteht ein gleichmäßiger Abbrand, der – langsames Rauchen und sorgfältiges Andrücken der Asche vorausgesetzt – ein perfektes Rauchvergnügen schafft. Der Orlik Golden Sliced ist ein mittelstarker bis eher leichter Flake, dessen Gesamteindruck am besten mit dem Attribut beschrieben ist, das ich schon einmal beim Honey Dew Flake verwendet habe: Süffig ! Über die gesamte Pfeifenlänge bleibt der Rauch weich und wird niemals bissig.

Vorherrschend im Geschmack sind die leicht rauhen Virginias und deren trockensüßlich-säuerliche Stroh- oder Heunoten. Ich bemerke einen herben, leicht pfefferigen Zitruston, geröstetes Brot, leichte blumige und säuerliche Noten, aber ich schmecke keinen Burley. Burley in geringer Dosis hilft, eine Mischung zu homogenisieren. Allerdings benötigt der Blender eine ziemliche Menge von diesem Tabak, wenn er den Burleygeschmack stärker zur Wirkung bringen will. Das ist eben hier nicht der Fall.

Zum Ende hin nehmen die Aromen zu, werden komplexer, der Orlik wird leicht holzig und verdichted im Geschmack, aber keineswegs unangenehm. Fragt jemand nach dem Kondensat: bei mir gibt es keines!

Für Raucher, die reinen Tabakgeschmack mit einem winzigen Hauch von Süße mögen, ist der Orlik Golden Sliced genau der Richtige. Er enthält außerdem genug Nikotin, um ein gelungenes Rundum-Vergnügen zu gewährleisten. Ich halte nicht viel von dem Prädikat „All Day Smoke“ , das für mich einen Tabak eher abwertet. Dennoch: den Orlik rauche ich regelmäßig – mit Lust.

TIPP: Aromatenliebhaber werden mit ihm möglichwerweise einen leichteren Einstieg in die Virginia Welt finden, ein Versuch ist es wert.

 

In Vorbereitung: Review Orlik Dark Strong Kentucky




McClelland | BOMBAY EXTRA Personal Reserve

Schon wieder ein Tabak, den man nicht so ohne weiteres kaufen kann. Diesmal aber wirklich! Okay, vielleicht noch in irgendwelchen abgelegenen Schweizer Bergtälern oder für Millionenbeträge in der US-Bucht? Aber eigentlich ist dieser amerikanische Pfeifentabak schon ein Stück Geschichte, denn der Hersteller McClelland hat vor einiger Zeit unwiderruflich seine Produktion eingestellt.

Ursache für dieses Review war vor ein paar Monaten ein bisschen Corona-Frust! Als innerlich ziemlich gelassener Mensch kann ich damit eigentlich ganz gut umgehen, aber irgendwie dachte ich, ich müßte mir mal was gutes tun und eine wirklich besondere Dose Tabak öffnen. Ich meine, diese Dose Bombay Extra ist nur deshalb „besonders“, weil es meine letzte war! Und weil der Bombay Extra neben Frog Morton, Wilderness und Old Dog mein Lieblingslatakia aus dem Hause McClelland war!

Deshalb liegt über diesem Review auch ein Stück Melancholie. Dieses ganze Dunhill-McConnell-Peterson-Gedöns tangierte mich innerlich nur höchst peripher, aber die Nachricht, dass McClelland die Produktion einstellt, die hat mich wirklich getroffen! Das ist der größte Verlust für die Welt des Pfeiferauchens in den letzten Jahren! Einfach, weil hier eine ganze stilistisch einzigartige Tabakwelt fast von einem Tag auf den anderen verschwunden war.

Was aber war das stilistisch Einzigartige? Klar, an erster Stelle stehen hier die Virginias bzw. Virginia/Perique Mixtures und Flakes mit ihren prägnanten essig-saueren-süßen Fermentationsnoten, die einem zusammen mit der Malzsüße als Ketchupnoten in die Nase stiegen! Dann all die raffinierten Orientals, die zu wahren Meisterwerken komponiert waren. Und die Latakia-Mischungen, nicht selten fast ondoliert extrem und extrovertiert in der Komposition, die alle eines gemeinsam hatten: selbst die kantigsten und maskulinsten unter ihnen kamen alle auf einem breiten Teppich aus purem weich-dunklem Samt im Mund an! Diese Einzigartigkeit gibt es nicht mehr.

McClelland Bombay ExtraUnd um so eine Latakia-Mischung handelt es sich beim Bombay Extra! An dieser Stelle muß man ein bisschen ausholen, denn der Bombay Extra ist keine hundertprozentige Neumischung, sondern streng genommen ein Flanker zu einer der Standard Latakia-Mischungen aus McClellands Portfolio, dem Bombay Court, zu dem es hier ein Review gibt. Schauen wir uns dazu den Herstellertext an:

McClelland Bombay Extra„We began with Bombay Court, darkened the Virginias, added a touch of perique and increased the latakia, resulting in an enriched version of a unique and popular formula. This blend provides added depth and complexity for those seeking a richer, fuller, Oriental Mixture for after dinner or evening enjoyment.“

Wir haben es also mit einer klassischen Ribbon Cut Mixture zu tun, die aus dominantem Latakia, verschiedenen Orientals, etwas kraftvoll dunkel-süßer Virginias und einer nicht ganz kleinen Menge Periques besteht. Genau das können wir auch am Tabakbild, das für mich zu den schönsten überhaupt zählt, sehen.

McClelland Bombay ExtraErwartungsgemäß lässt sich der Bombay Extra ganz einfach stopfen, entzünden und langsam und kühl bis zum Ende der Füllung durchrauchen! Das garantiert einen langen entspannten Genuss und der stellt sich auch sofort nach dem Entzünden ein: Von Anfang an hat man ein volles und dabei sehr weiches rauchiges Latakia-Aroma im Mund, unterstützt von ein wenig malziger Grundsüße und durch die Orientals versehen mit einer unglaublich eleganten, ätherisch feinen Cremigkeit. Der Perique liefert mit seinen leicht schokoladigen Trockenfrüchtearomen den Gegenpart zum dominanten Latakia. Und das macht er nicht in der ersten Reihe, die dem Latakia vorbehalten ist, sondern quasi aus dem Hintergrund heraus aber doch merklich!

McClelland Bombay ExtraLatakia und Perique sollte man also mögen, denn zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich der Bombay Extra während des Rauchens. Die Virginias bilden mehr und mehr den Hintergrund, dabei aber immer eine schöne Basis bildend, und die Orientals ziehen sich gegen das Ende hin fast ganz zurück. Das heißt, diese ätherische Cremigkeit vom Anfang weicht einem Wechselspiel zwischen Latakia und Perique, wobei der Latakia für sich genommen sehr sehr weich daherkommt. Das ist eine Grundqualität, die auch den reinen Latakia zum Selbermischen von McClelland ausgezeichnet hat, weshalb er unter den reinen Latakias früher immer meine erste Wahl war! So bietet der Bombay Extra bis zum letzten Krümel wirklich Genuß der Extraklasse! Er erfüllt alle Anforderungen, die man an eine Spitzenmischung haben kann!

Wer bis jetzt lesend durchgehalten hat, bekommt noch eine Pfeifenraucher-Anekdote dazu: Während des letzten Lockdowns saß ich eines Vormittags bei mir ganz in der Nähe in einem Park auf der Bank eine Dunhill mit Bombay Extra rauchend. Eine junge Frau mit ihrem etwa dreijährigen Sohn kommen vorbei, der kleine Bub auf einem Laufrad einige Meter vor der Mutter. Auf meiner Höhe bleibt er kurz stehen, schaut mich neugierig an und sagt ganz freundlich „Hallo!“ Ich: „Hallo!“ Er fährt weiter und sagt zu seiner Mutter: „Mama, hier riechts nach Kohle!…Von dem Mann!“ Mutter: „Das riecht nicht nach Kohle, das riecht nach Pfeife!““Mama, ich will auch eine Pfeife!““Aber da bist du noch viel zu klein das ist nichts…(Rest unverständlich)““Mama ich möchte aber eine Pfeife!““Nein das…(unverständlich)“ „Mamma, ICH  WILL  AABERR!“

Also sollte jemand noch eine Dose haben oder irgendwie noch an eine Dose kommen: meine Empfehlung hat der Bombay Extra allemal, ein toller Tabak!

 

 

 




Cornell & Diehl | Byzantium

Boah! Was für ein fürchterlicher Scheisstabak ist das denn? Muffig ohne Ende! Dazu noch patschnass! Dabei kommt der gar nicht in Plastiktüten sondern kultiviert in Dosen mit ansehnlichem Etikett über den Atlantik geflogen! Mein erster Eindruck war schlicht schockierend. Aber er war auch einem unglücklichen Umstand geschuldet:

Kurzfristig beschlossen, einen Spaziergang im Olympiapark zu unternehmen, Bus fährt gleich und nur alle zwanzig Minuten am Sonntag, schnell noch eine Pfeife gestopft, neue Dose unbekannten Tabaks geöffnet, Cornell & Diehl, die sonst immer auf der trockenen Seite konfektioniert sind, diesmal nicht. Trotzdem gestopft. Bus gerade noch erwischt. Angekommen und nach wenigen Minuten versucht, den Tabak anzuzünden. Versucht, den Tabak anzuzünden. Nochmal. Und nochmal. Frau ungeduldig. Katastrophe biblischen Ausmaßes! Dagegen muss die Durchquerung des Roten Meeres ein Spaziergang gewesen sein! Geschworen, mich nie wieder über das Anzünden eines frischen S. Gawith Flakes zu beschweren! Irgendwann, vermutlich in Folge göttlichen Eingreifens (Gott konnte sicher das Elend nicht mehr mit ansehen), doch noch erfolgreich gewesen! 50 Meter spaziert. Stehengeblieben. Musste Nachzünden. 100 Meter spaziert. Nachzünden! Frau genervt (so stelle ich mir das Gekeife zwischen Moses und Aaron vor)! Usw. usw.. Nach zwanzig Minuten entnervt die Pfeife notgeräumt! Gottseidank hatte ich noch Toscanelli dabei: großer, zutiefst befriedigender Genuss stellte sich unmittelbar ein! Entspannung der Lage! Zufriedenheit. Toscanelli sind schwer unterschätzt!

Cornell & Diehl ByzantiumDie Dose Byzantium habe ich erst einmal ein paar Tage nur von außen angeschaut und mich gefragt, warum der Tabak nicht besser „Sultan Mehmets Rache“ heißt? Dann tat er mir leid und ich dachte, versuch’s nochmal! So einen Tabak wirft man doch nicht einfach weg! Und wenn du Zeit und Ruhe hast, dann kann man den vielleicht doch noch rauchen? Und was soll ich sagen: ein Wunder, ein Wunder!

Na ja, okay, kein wirkliches Wunder, eher eines, das diesen lausig schlecht schließenden Plastikdeckeln der Cornell & Diehl Dosen geschuldet ist, denn der Tabak war nach den paar Tagen genau da, wo die Tabake von Cornell & Diehl sonst beim Öffnen sind: auf der leicht trockenen Seite! Und eigentlich beginnt erst jetzt das Review.

Der Byzantium ist eine Ribbon Cut Mixture, die aus einem wirklich großen Latakia-Anteil besteht, Orientals und etwas Perique. Das Tabakbild ist fast schwarz, grünlich dunkelbraun durchsetzt und neben gröber geschnittenem Blattgut gibt es auch recht feines Gebrösel. Aber immer noch Blattgut, also nicht dieser „staubige“ Rest, wie er manchmal am Ende der Dose übrig bleibt! Ich würde deshalb für den Byzantium keine allzu kleinen Brennkammern empfehlen! Dunhill Group 3 geht aber noch sehr gut!

Cornell & Diehl ByzantiumDer Geruch des Byzantium ist überraschend: erwartbar ist die opulente Rauchigkeit des Latakias, was bei Cornell & Diehl aber eher überrascht, das ist eine deutlich wahrnehmbare säuerliche Note, fast wie bei einem McClelland das Ketchup nur hier mit deutlich weniger Tomatensüsse! Vor allem bei der frisch geöffneten Dose finden sich diese sauren Noten, wird der Byzantium trockener, dann wird der Eindruck etwas weicher! Insgesamt ist da aber doch ein eher gewöhnungsbedürftiges und nicht unbedingt harmonisches Geruchsbild!

Der Byzantium lässt sich vollkommen problemlos stopfen und jetzt, da er eher trocken ist, auch vollkommen problemlos anzünden! In diesem Zustand glimmt er auch problemlos ab. Und in diesem Zustand zeigt der Tabak auch seine ganze Klasse und eröffnet uns ein heutzutage fast ungewöhnliches, sogar extremes Geschmacksbild, das bestimmt nicht dazu taugt, everybody’s darling zu sein: der Byzantium dürfte ein Tabak sein, der polarisiert!

Warum? Weil der Byzantium nicht nur sehr rauchig ist, zwar über die nötige Grundsüsse verfügt, aber trotzdem weit davon entfernt ist, mit einer schmeichelnden Süsse versehen zu sein, und weil er vor allem extrem erdig und damit kantig wirkt! Der Byzantium ist ein Tabak, der sofort seine Ellenbogen ausfährt, da gibt es nichts, was gefällig wirkt, auch gar nicht so wirken will! Selbst der Perique, sonst oft Garant für schwer-aromatischen Wohlgeschmack, ist hier so dosiert, dass der Byzantium nicht vom Weg der Zivilisation abkommt!

In seiner Art wirkt der Byzantium wie ein wenig aus der Zeit gefallen, fast ein Retro-Tabak. Der Stil der Komposition – nicht der Geschmack(!) – erinnert zwangsläufig an den alten Dunhill Nightcap! Das nur, um zu verdeutlichen, mit was für einer Granate man es beim Byzantium zu tun hat! Und vielleicht auch, warum er in meinen Augen polarisieren dürfte!

Cornell & Diehl ByzantiumNach dem Entzünden haben wir geschmacklich neben der Latakia-Rauchigkeit eine eigentlich nicht allzu breite Basis mit erdigen Noten verbunden mit feuchtem Laub, Moos und Unterholz. Das, was hier erst einmal „schwer“ klingt, schmeckt aber gar nicht „schwer“: es fühlt sich ein bisschen wie eine Wanderung im Bergwald nach einer Stunde und nicht nach sechs Stunden und 1000 Höhenmetern an! Die Orientals wirken grün und ganz leicht cremig, von cremiger Malzsüsse aber keine Spur! Die Substanz, die sie dem Tabak verleihen, ist ganz leicht süßlich und durchaus leichtfüssig, wobei die Leichtfüssigkeit vom Rest sofort im wahrsten Sinne des Wortes geerdet wird. Der geschmackliche Gesamteindruck ist „herb“ und daran ändert auch der Perique nichts, der im Einklang mit den süßlich grünen Orientals lediglich dafür sorgt, dass wir es beim Byzantium nicht mit einem Tabak zu tun haben, den man „rustikal“ nennen könnte.

Rustikal ist der Byzantium wirklich nicht, aber ein Tabak, der vor kantiger Männlichkeit nur so strotzt: das weisse Hemd ist einen Knopf zuviel auf, aber es wird noch ein dunkler Blazer getragen! Für Anfänger würde ich den Byzantium nicht empfehlen, denn dafür ist die oben erwähnte Granate eine Spur zu groß und auch durchaus zu „full“: ein Macho, aber ein echter, keiner der etwas sein will, was er nicht ist! Für eingefleischte Latakianer, vielleicht auch jene, die solche Tabake wie den alten(!) Nightcap vermissen, kann der Byzantium eine Offenbarung sein! Aber Vorsicht: der alte Nightcap war immer noch alter englischer Adel! Davon ist der Byzantium weit entfernt.

Trotz meiner Anfangsschwierigkeiten möchte ich den Tabak gerne empfehlen, mir gefällt er in seiner Sperrigkeit wirklich sehr gut und jeder, der bis jetzt gelesen hat, weiß, worauf er sich einlässt… Also: nur Mut!

 




Cornell & Diehl | Bow-Legged Bear

Man könnte den Eindruck haben, da wird gepresst, was nicht bis drei auf’m Baum ist. Was bei uns eher die Ausnahme ist, nämlich Mixtures zu Krumble Kakes zu pressen, das ist bei Cornell & Diehl weit verbreitete Normalität. Und diese Normalität schenkt uns Tabake, die über wunderbare Abbrandeigenschaften verfügen und uns damit ziemlich eindrucksvolle Geschmackserlebnisse bescheren. Man könnte auch sagen: „Das ist der Triumph der Langsamkeit“! Der Bow-Legged Bear ist ein Paradebeispiel dafür!

Cornell & Diehl Bow Legged BearBeim Pfeiferauchen ist Langsamkeit ein Zauberwort, denn je langsamer ein Tabak abglimmt, desto mehr Geschmacksnuancen kann dieser Tabak entfalten. Das ist der Grund, warum man von Herstellerseite erst den Aufwand des Pressens und des Portionierens und dann auf Raucherseite den des Aufbereitens betreibt. Nun ist es aber keineswegs so, dass jeder Tabak bzw. jede Mixture gewinnt, wenn man sie nur presst! Einen Tankstellentabak im Beutel wird man nicht zum Rollce Royce pimpen können, auch wenn man sich das nach all dem Aufwand noch so sehr einbilden mag. Taugt das Blattgut nicht, wird’s auch nach dem Pressen nicht taugen… Denn die Geschmacksnuancen müssen im Tabak angelegt sein, das Pressen bringt keine neuen, es hilft nur, dass sie sich beim Rauchen besser entfalten können!

Im Prinzip gibt es zwei Arten von herausragenden Krumble Kakes: klassische Mischungen mit einem hohen Anteil sogenannter Würztabake und reine Virginia bzw. Virginia/Perique Mischungen mit komplexen Anteilen hochwertigster Virginias. Zu den ersteren zählt der Bow-Legged Bear.

Cornell & Diehl Bow Legged BearUnser krummbeiniger Bär, der sich Pfeife rauchend als Tabakbauer verdingt, steht für eine klassische englische Mischung, der man bei Cornell & Diehl ganz unklassisch amerikanisch Burleys und Perique hinzugefügt hat. Die Mischung ist komplex und vielschichtig, obwohl der Latakia-Anteil geschmacklich wie auch im Geruch aus der Dose dominant ist. Von den Würztabaken spielt der Perique eine deutlich untergeordnete Rolle, auch wenn er auszumachen ist und für eine wundervolle geschmackliche Abrundung sorgt mit seinen dunkel-fruchtigen Aromen. Der Tabak ist durchaus „Full“ im Geschmack, wie es auch auf der Dose steht, trotzdem ist der Bow-Legged Bear kein überwältigend starker Tabak, was letztlich dem hohen Latakia-Anteil zu verdanken ist.

Cornell & Diehl Bow Legged BearÖffnet man die Dose, hat man sofort die ätherische Rauchigkeit einer englischen Mischung in der Nase, aber man merkt auch gleich, dass da eine seriöse, aber nicht zu breite Substanz an Virginias vorhanden ist. Das Schokoladige/Nussige des Burleys lässt sich für mich nicht ausmachen, es ist gut verpackt. Geschmacklich wird das dann etwas anders, denn Burley und Perique verbünden sich, um den Bow-Legged Bear schön abzurunden.

Hat man erst den ganzen Cornell & Diehl-typischen Papierkram irgendwie beiseite geschafft, prangen einem zwei gepresste Quader dunkelbraunen Tabaks entgegen, den man sich vielleicht aufgrund des Geruchs sogar noch etwas schwärzer erwartet hätte. Die Konsistenz der Quader ist dicht und fest, fest genug, dass der Tabak nicht sofort auseinanderbröselt, wenn man ein Stück herausnimmt und auch fest genug, um den Bow-Legged Bear mit dem Messer in relativ dünne Scheibchen zu schneiden. Man kann den Tabak zwar auch direkt vom Quader bröseln und in die Pfeife füllen, aber mit der „Scheibchenmethode“ bleiben nach dem grobem Aufrubbeln der abgeschnitten Scheibchen kleine lockere „Cubes“ übrig, die meiner Erfahrung nach einen noch langsameren Abbrand gewährleisten. Bei sehr locker gepressten Krumble Kakes funktioniert das nicht und man kann sich den Schritt des Schneiden getrost sparen, hier in diesem Fall beim Bow-Legged Bear funktioniert es mustergültig!

Cornell & Diehl Bow Legged BearDas Stopfen ist dann vollkommen problemlos, ganz oben drauf kommt eh der feinere Rest, und auch das Anzünden geht ohne Komplikationen, denn der Bow-Legged Bear kommt mit perfekter Feuchtigkeit aus der Dose. Er ist, wie bei vielen Cornell & Diehl Tabaken üblich, eher auf der trockenen Seite!

Was bis jetzt alles eher spektakulär klingt, das relativiert sich etwas beim ersten Eindruck im Geschmack: Die Virginias legen einen dichten Teppich an malziger Süsse mit Aromen von süsser leicht holziger Creme und frischem Schwarzbrot aus. Dazu kommen Röstnoten und die satte Rauchigkeit des Latakias. Lediglich die Orientals sorgen dafür, dass wir keinen allzu dicken schweren Eindruck haben, sie verleihen dem Bow-Legged Bear genau das Maß an Leichtigkeit, das es braucht, um nicht uninteressant zu wirken.

Cornell & Diehl Bow Legged BearDas besonders Interessante an diesem Tabak aber ist die Abrundung durch den Burley und den Perique! Und das nicht zuletzt deshalb, weil sich diese Abrundung geschmacklich entwickelt: Kommt der Bow-Legged Bear am Anfang nach dem Entzünden eher geradlinig daher, so entfalten sich diese leicht nussig-schokoladigen und trockenfruchtigen Aromen des Burleys und des Periques mit der Rauchdauer und durch den extrem langsamen Abbrands des Krumble Kakes!

Einhergehend mit dieser geschmacklichen Entwicklung des Bow-Legged Bears entwickelt sich auch die Fülle des Tabaks. Er startet „medium“ und entwickelt sich immer mehr in Richtung „full“, aber das tut er nicht, indem nur alles stärker wird, sondern indem die Aromenfülle zunimmt und der Perique immer deutlicher wird! Und das alles im Zeitlupentempo! Eine durchschnittlich große Füllung etwa Dunhill Group 4 braucht locker zwei bis zweieinhalb Stunden bis sie aufgeraucht ist. Und das ohne jede Aufmerksamkeit oder Nachzünden!

Für mich wäre der Bow-Legged Bear ein perfekter Alldays Smoke, wäre er nicht auch interessant genug für nach dem Abendessen! Nur: Zeit muß man für den Tabak mitbringen – aber was gibt es schöneres, als Zeit zu haben… Wenn man Gelegenheit hat, an den Tabak zu kommen: Probieren lohnt sich sehr!




Cornell & Diehl | Pirate Kake

Mit den albernen Verfilmungen der „Pirates of the Caribbean“ (Fluch der Karibik) kann ich nichts anfangen. So etwas langweilt mich. Nicht gerade zu Tode, dazu ist mir das zu unwichtig, aber es bringt immer mal wieder die Gedanken zurück zu Piratengeschichten, dokumentarisch oder romanhaft, die ich früher verschlungen habe. Als ich eine Dose des Pirate Kakes öffnete und dieser fast strenge, sehr trockene und atemberaubend volle, traditionelle Geruch sich wie weiland der Djinn aus Aladins Wunderlampe verströmte, war die Assoziation sofort da: ja, so muß es auf den alten Seelenverkäufern überall gerochen haben. Fantasie, sicher, aber eine schöne, wie ich finde.

Pirate Kake, Bang und Old Boy (mit „Pimp my Old Boy“ von Tobias Schneider Design, München)

Genau heißt der Tabak gemäß Aufdruck #970P Pirate Kake, das ist wenig prosaisch und kryptisch. Nicht kryptisch aber ist der mit nahezu über Zweidrittel äußerst hohe Anteil von zypriotischem Latakia. Im Unterschied zu den früher verfügbaren Latakia-Sorten aus Syrien und dem Libanon ist dieser für mich fast bestechender kultiviert: Leder und Erde, ein wenig Weihrauch und Zitrone und natürlich viel Rauch, ich entdecke einen Hauch Lorbeer, wie bei der berühmten Aleppo Seife. Vielleicht war ja auch Zenobia, die Herrscherin von Palmyra im 3. Jahrhundert, an der Kultivierung der Tabakspflanze beteiligt. Geraucht wurde seinerzeit zwar nicht, aber reichlich Räucheropfer dargebracht. Na ja, was einem so in den Sinn kommt, wenn man sich gerade mit Palmyra intensiv beschäftigt und dieser wundervolle Tabak ein wenig das Hirn vernebelt.

Das hier eine hervorragende Komposition und keinesfalls eine vordringliche Latakiabombe entstanden ist, liegt an den weiteren Komponenten des Kakes. Da ist als wichtiges Pendant zum Zyprioten ein (geschmacklich) trockener, holziger Orient (türkisch), der zur sacht buttrigen Süße eine leicht pfeffrige Würze, gepaart mit einem Hauch von Zitrone und einer floralen Note mitbringt. Latakia und Orient werden abgerundet durch einen geringen Zusatz von *Burley Cavendish und zusammen ergibt sich eine wirklich unikate Mischung.

Die 50g Dose beinhaltet zwei Blocks gepresster Mischung, nicht so fest wie ein Plug oder Flake, sie erscheinen mir aber etwas fester gepreßt als der hervorragende Fayyum Kake von HU- Tobacco. Die Kakes können, müßen aber nicht geschnitten werden. Man kann sie auch einfach abbröseln. Ich allerdings schneide mit einer feinen Klinge dünne Scheiben herunter und zerbrösele diese grob.

Ist er aufgrund der Anteile der Komponenten vielleicht zu eindimensional, zu wenig komplex? Für mich auf gar keinen Fall. Der Pirate Kake ist sehr ausgewogen, setzt aber dennoch deutliche kongruente Akzente, bei denen Latakia, Oriental und der Dritte im Bunde, der Burley, als Teamplayer arrangiert wurden.

Weitere Akzente – und zwar deutliche – setzt er in seiner bis zu mittelbaren Umgebung, nicht jeder unserer Zeitgenossen wird den Duft tolerabel finden. Aber solange die Jungen eines Nachbarn noch mit aufgebrezelten Zündapp-Zweitaktern die Luft verpesten und ihr Gemisch selber zusammenstellen ……..

Pirate Kake gibt es meines Wissens nur in den USA und allenfalls in der Schweiz, sowie auch der hier beschriebene Cornell & Diehl Black Frigate . Eine Beschaffung lohnt allemal.

 

*Cavendish
Cavendish ist keine Tabaksorte, sondern ein Methode der Trocknung und des Schnitts von meistens Virginia, Kentucky oder Burley Tabaken, kann aber theoretisch aus vielen Tabaksorten erzeugt werden. Der Prozess beginnt mit dem Pressen der Tabakblätter zu einem Kuchen von etwa 2-3 cm Stärke. Durch Hitze und/oder Dampf und Feuer erfolgt eine Fermentierung, die dem Tabak eine gewisse Milde und natürliche Süße bringt. Vielfach werden auch Aromen zugesetzt, was dann eher zu einem zwiespältigen Erlebnis führt, wenn der Raucher natürliche Tabake bevorzugt. In der Regel wird dieser Kuchen mehrere Tage, manchmal Wochen gelagert, um eine bessere Reifung zu erhalten. Dann wird er geschnitten und für die Mischungen verwendet.

Mit der Bitte um Beachtung

Von Zeit zu Zeit müssen wir daraufhinweisen, das die hier veröffentlichten Rezensionen ausschließlich die Einschätzung und Beurteilung des Autors darstellen. Vorlieben, Geschmacksempfinden und Qualitätsfeststellungen sind immer subjektiv und können von Lesern gänzlich anders gesehen werden. Wenn Sie manchen Artikeln kritisch gegenüberstehen oder wenn Sie andere Erfahrungen gemacht haben, so äußern Sie sich gerne mit Kommentaren. Wir freuen uns darüber, denn nichts ist für uns so frustierend, wie ausbleibende Reaktionen.




Cornell & Diehl | Black Frigate

Er zählt angeblich zu den beliebtesten Tabaken von Cornell & Diehl, ist in Europa, glaube ich, nur bei unseren Nachbarn in der Schweiz erhältlich und taucht in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande kaum auf. Das ist ebenso schade wie unerklärlich, denn der Black Frigate ist ein ziemlich eindrucksvoller Tabak, der auf der einen Seite ein bisschen zwischen den Stühlen sitzt, obwohl er andererseits den Platz im Lehnsessel verdient hätte. Zeit, mal einen Blick darauf zu richten!

Cornell & Diehl Black FrigateAm besten beginne ich mit einem Vergleich zu einem Tabak, der vorbehaltlich brexitärer Entwicklungen, auch bei uns erhältlich ist, nämlich zu Samuel Gawith’s Navy Flake, einem Tabak, der eine ähnliche Intention wie der Black Frigate hat, geschmacklich und stilistisch durchaus vergleichbar ist, auch wenn die Zusammensetzung der vorhandenen Tabake sich bei beiden etwas unterscheidet. Wichtiger ist, was die Tabake verbindet und das ist bei beiden die Kombination einer Rum-Aromatisierung mit Latakia!

Cornell & Diehl Black FrigateUnd da wären wir schon bei „zwischen den Stühlen“ angekommen, da eingeschworene Latakia-Raucher im Regelfall froh sind, wenn ihre rauchigen Lieblingstabake nicht durch irgendeine Form von Aromatisierung im Geschmack beeinträchtigt werden. Das passiert beim Black Frigate allerdings in sehr überschaubarem Maße und passt darüber hinaus ganz vorzüglich zum Geschmacksbild des Tabaks. Die Aromatisierung hier ist definitiv keine, vor der man Bedenken haben müsste, zumal der Rum, den man beim Black Frigate ganz leicht im Hintergund schmeckt, keine dieser plumpen vordergründig fruchtigen Zuckerbomben ist sondern stilistisch eher einem Rhum Agricole entspricht: Raucherclub statt Mädelsabend!

Im direkten Vergleich zum Navy Flake von Samuel Gawith würde ich die Aromatisierung beim Black Frigate als deutlicher wahrnehmbar einschätzen, allerdings sind dabei einerseits die Chargenschwankungen bei Gawith zu berücksichtigen und andererseits der Charakter der Tabakbasis: Während beim Navy Flake nur ein relativ dezenter Latakiaanteil zu Buche schlägt, haben wir es beim Black Frigate mit einem signifikanten Latakiaanteil zu tun. Cornell & Diehl Black FrigateUnd dieser höhere Latakiaanteil kann natürlich auch eine etwas intensivere Aromatisierung recht problemlos ausbalancieren! Das heißt jetzt nicht, daß wir es beim Black Frigate mit einer Latakiabombe zu tun haben, aber die Entermesser auf der schwarzen Fregatte sind schon deutlich länger als bei der gesitteten Royal Navy und für die richtigen Mordwerkzeuge hat Cornell & Diehl ja immer noch den Pirate Kake im Programm…

Cornell & Diehl Black FrigateWährend beim Navy Flake das, was Samuel Gawith am besten kann, nämlich ein Virginia-Flake mit Latakia die Grundlage bildet, sind es beim Black Frigate Navy Cavendish, also dunkelst fermentierte Virginias, mit diversen Orientals und Latakia. Und zwar als Ribbon Cut Mixture, die zu einem Krumble Kake gepresst wurde. Unabhängig von seiner Aromatisierung wartet dieser Tabak mit einer hohen aber gleichzeitig dezenten Grundsüsse auf, der die Orientals einen leicht ätherischen Charakter verleihen, wie wir ihn von klassisch englischen Mixtures her kennen. Das alles hat zur Folge, dass der Black Frigate nicht nur einen sehr harmonischen Eindruck hinterlässt, sondern vom ersten bis zum letzten Zug auch sehr natürlich wirkt: niemals hat man das Gefühl, dass man es mit einem konstruierten Aromaten zu tun hat!

Durch seine Aufbereitung als Krumble Kake, der relativ trocken trocken ausfällt und auch nicht übermaßig stark gepresst wurde, wird der Black Frigate unglaublich ergiebig: an eine Füllung, die vollkommen problemlos zu stopfen ist, raucht man eine gefühlte Ewigkeit! Und zwar kühl, gleichmäßig und völlig ohne jegliches Nachzünden! Der Geschmack ist entsprechend vollmundig, sehr erdig und cremig zugleich mit fruchtigen und rauchigen Anklängen: Genuß pur! Cornell & Diehl Black FrigateWas die Stärke angeht muss man allerdings konstatieren, dass die schwarze Fregatte doch eher ein Linienschiff ist: hier wird aus zwei Kanonendecks gefeuert, also irgendwo zwischen Medium und Full! Eher nichts für nach dem Frühstück aber nach dem Abendessen gar kein Problem. Ob der Black Frigate nun der perfekte Alldays Smoke ist muss dann letztlich jeder für sich entscheiden, denn die Wahrnehmung und Verträglichkeit von Nikotin ist unterschiedlich! Großen Genuß gibt’s aber immer! Ein sehr empfehlenswerter Tabak!




BREXIT | Samuel-Gawith liefert nicht mehr in die EU

Die Nachricht kam jetzt nicht so wahnsinnig überraschend, aber es ist passiert:

Samuel Gawith wird auf absehbare Zeit Kontinentaleuropa nicht mehr beliefern.

Wie wir aus den üblicherweise gut unterrichteten Kreisen erfuhren, hat sich Samuel Gawith also die Gawith Hoggarth & Co Ltd. entschieden bis auf weiteres nicht mehr in die EU zu liefern. Pfeifen-Huber in München konnte sich bei Kohlhase & Kopp noch einmal ordentlich mit Tabak des britischen Herstellers eindecken, dann war Schluss, wie der Importeur bestätigte. Auf die Nachfrage, ob es die beliebten Tabake aus den Lakelands hier je wieder geben würde, wurde mit einem sehr vagen: “ … Möglicherweise irgendwann, aber dann sehr, sehr viel teurer“ geantwortet.

Dabei hätte man die endlosen LKW-Schlangen bei der Zollabfertigung in die EU sehr gut nutzen können, die Tabake altern zu lassen (Agen, sagt man dazu neuerdings). 3 Monate in einem Sattelauflieger gereift, das wäre doch bestimmt ein enormer Zugewinn an Geschmacksnuancen gewesen. Schade, eine verpasste Chance.

Ich habe keine Lust hier viel über den Brexit zu schreiben, das überlasse ich anderen. 4 Jahre lang hin und her, das hat mich unheimlich genervt. Am Ende ist man einfach nur noch froh, dass es vorbei ist, so geht mir das. Was meint ihr?

Jedenfalls, schlage ich vor, dass ihr so schnell wie möglich die ganzen Klopapierrollen und Hefewürfel bei Ebay-Kleinanzeigen verhökert und den Keller für Samuel-Gawith-Dosen leer räumt, denn jetzt ist die Zeit zu bunkern, zu horten und zu hamstern.

Wer sich noch einmal informieren möchte, welche Tabake wie schmecken, sich am meisten lohnen, oder am schmerzlichsten vermisst werden, der sei auf unser riesiges Archiv verwiesen, in dem wir sämtliche Tabake des Herstellers besprochen haben.

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 




Gawith Hoggarth & Co | Bob’s Chocolate Flake

Wenn es um die Rezension von „Schokoladen-Tabaken“ geht, kommt man an meiner Wenigkeit unmöglich vorbei. Mit aller mir eigenen Bescheidenheit: Man kann mich schon mit Fug und Recht, den Ranicki des Schokoladen-Aromas nennen, schliesslich ist dies schon mein drittes Review zu diesem Thema. 2018 schrieb ich hier über den HU Tobacco | RaiKo InBeTween und 2019 über das Fehlen der Schokolade im Samuel Gawith | CF Flake. 
Einer, der meine Expertise zu diesem Thema anscheinend tatsächlich anerkennt, ist der langjährige Leser Stephan T. aus München. Und nicht nur das, er kontaktierte mich nach meinem letzten Aufruf zu einer Empfehlung eines weiteren Schokoladen-Aroma-Tabaks und sandte mir dann umgehend eine überaus großzügige Portion Gawith Hoggarth & Co – Bob’s Chocolate Flake zu. Vielen herzlichen Dank, Stephan.
Neben der Tatsache, dass es sich wirklich um eine riesige Rauchprobe handelte, war der Flake noch dazu hochprofessionell vakuumiert und eingeschweißt. Das war vermutlich auch der Grund dafür, dass er so lange bei mir herumlag, bis ich mich endlich einmal dazu aufraffen konnte, ihn zu probieren. Es bestand einfach kein Druck aufgrund zu befürchtender Alterung oder Austrocknung.
Aber nun genug der Vorrede und Dankesworte, was ist das für ein Tabak?
Möchte man als Autor des Pfeifenblogs seine Leser auf einen winzigen Bruchteil reduzieren, dann muss man einfach nur gewisse Begriffe wie zufällig in den Text einstreuen. Bei einem habe ich das schon gemacht: „AROMA“. Mindestens die Hälfte der Leser hat sich schon angeekelt abgewendet, ein Teil der Leserschaft ist allerdings jetzt gerade wirklich neugierig geworden: „Mmmm Aroma, lecker!“ denken sie sich. Den Aromaten-Raucher vergraulen? Das kann ich: „LATAKIA“, so jetzt sind wir unter uns, wer raucht schon aromatisierte Engländer? 
„Sind noch ein paar Leser da? Hallo? lesen Sie mich noch?“
„Ah, da sind Sie ja, ein ganz Hartgesottener …“ kein Problem ich habe noch ein Reizwort zum Wegklicken: „LAKELAND“

So, spätestens jetzt schreibe ich nur noch für mich selbst… „Liebes Tagebuch…“

Um den großzügigen Spender dieser Tabakprobe zu ehren, bemühe ich mich jetzt um eine gewisse Seriosität.
Nachdem ich den Tabak aus seiner Folie geschnitten habe, schnuppere ich natürlich sofort daran. Tatsächlich kann ich eine gehörige Portion Schokoladenaroma riechen. Ich vernehme aber auch etwas Erde und ein kleines Bisschen Rauch. Ganz Profi-Tabak-Rezensent, habe ich natürlich immer Lineal und Messschieber zur Hand. Die ordentlichen dunkelbraunen Flakescheiben sind 15cm lang und 3cm breit und weisen eine Dicke von 1,75mm auf. Es handelt sich wohl um die Bulk-Version des Tabaks, denn so lang ist keine Dose.

Die Feuchtigkeit ist als absolut ideal zu bezeichnen, ist aber sicherlich der hervorragenden Behandlung durch den Spender zu verdanken, wie der Tabak direkt aus der Originalverpackung beschaffen ist, vermag ich aus Mangel an einer solchen, natürlich nicht zu sagen. Ich knicke, falte und brösel den Tabak in eine kleine filterlose Pfeife. Es ist mal wieder die kleine rustizierte Bambuspfeife des leider 2018 verstorbenen Pfeifenmachers Eckhard Stör.

Anfänglich ziert sich der Tabak, weil er doch relativ grob gefaltet ist, wenn er allerdings dann brennt, erlebt man einen langen und ungestörten Rauchgenuß ohne lästiges Nachfeuern.

Ich habe den Tabak bestimmt an die zehn mal geraucht und dies sind die Aromen, die ich herausschmecken konnte:
Etwas „van Houten Kakaopulver“ Kennt das noch jemand? (Meine Mutter hatte mir damit früher immer meinen Kakao angerührt), dann etwas Flieder (blumig) und Vanille. Das ist jetzt bestimmt keine vollständige Aromenliste, sondern das, was ich persönlich eben sinnlich erfahren konnte.

Ich hatte ja vorhin das Reizwort „LAKELAND“ fallen lassen, um damit auch noch den letzten Leser abzuhalten bis zu dieser Stelle zu kommen. Sie, liebe*r Leser*in wissen vermutlich nicht, was das bedeutet, sonst würden Sie ja hier nicht mehr weiterlesen, also will ich es kurz erläutern. Als Lakeland bezeichnet man Tabake, die ursprünglich aus der Umgebung des „Lake District National Parks“, genauer gesagt aus der Stadt Kendal stammen. Dort entstanden aus einer Schnupftabakfabrik namens Gawith, Hoggarth and Cie die beiden (erst getrennten und inzwischen wiedervereinten) Firmen Samuel Gawith und Gawith Hoggarth.

Aus juristischen Gründen, war es in England nicht erlaubt künstliche Aromastoffe zu verwenden, Verfahren mit in Alkohol und Ölen gelösten natürlichen Aromen, wie sie in der Parfum-Produktion Verwendung finden, waren (warum auch immer) jedoch zugelassen. Deshalb war es den Engländern nicht möglich – wie bei uns Vanillin-Pulver und Kirsch-Aroma über den Tabak zu sprühen, sondern sie hatten ihn zu „parfümieren“. Dieses etwas andere Verfahren führt zu einer manchmal etwas sonderbar anmutenden Begleiterscheinung, welche unter Tabakkennern als „seifig“ beschrieben wird. Die einen lieben es, die meisten hassen es. Berühmtestes Beispiel für seifigen Tabak ist der „Ennerdale“, der Tabak, der bisher die meisten Pfeifen auf dem Gewissen hat, weil diese nach dem einmaligen Gebrauch diesen besonderen „Au goût“ nie mehr los werden. Anmerkung: Die von mir entwickelte Reinigungsmethode mit Golden Glow (in dem Artikel ganz unten beschrieben) ist leider noch nicht jedem bekannt.

Bob’s Chocolate Flake ist allerdings nicht seifig, man könnte ihn nur vielleicht als etwas „ölig“ bezeichnen, was mich persönlich überhaupt nicht stört. Sonst kann ich mit Lakeland-Tabaken nämlich eigentlich nicht sehr viel anfangen. Überhaupt ist die Aromatisierung als durchaus dezent zu bezeichnen, was auch für den Latakiaanteil in diesem Tabak zutrifft. Laut meiner Recherchen enthält der Tabak lediglich 8% Latakia, dafür viel Virginia und ein wenig Burley. Also war auch das kein Grund weitere Pfeifenraucher zu verschrecken.

Lassen Sie mich also zusammenfassen:
Erst vergraule ich alle „Natur-Tabak-Raucher“ mit der Erwähnung von AROMA, welches ich dann aber Seiten später als „sehr dezent“ beschreibe.
Dann die Aromatenraucher mit dem Reizwort „LATAKIA“, bei einem winzigen Anteil dieses Würztabaks von nur 8%.
Und dann auch noch die Lakeland-Feinde, obwohl der Tabak überhaupt nicht seifig, sondern höchstens etwas ölig schmeckt.

Wie kann man einen wirklich guten Tabak, der im Grunde jedem vorzüglich schmecken könnte, so rezensieren?
Ich kann das, wie Sie sehen …

„Dieser auf Virginia-Basis kreierte Flake mit einem Hauch rauchiger Latakiawürze und einer leicht floralen Schokoladennote ist ein einzigartiger Tabakgenuss.“ Auch so hätte man dieses Tabakreview beginnen können, aber das wäre mir zu langweilig geworden.
Aber es ist tatsächlich genau so. Bob’s Chocolate Flake ist ein wirklich guter Tabak. Viel schokoladiger, als der enttäuschende CF-Flake und nicht so rauchig, englisch wie der HU-RaikoInBetween. Keine Aromabombe, sondern ein ausgewogener sehr feiner und intensiver Tabak. Die Stärke würde ich als „mittel/stark“ einordnen.
Ich habe den Tabak ausnahmslos ohne Filter geraucht, niemals hat er auf der Zunge gebissen oder war je unangenehm, jederzeit kühl und vollmundig.

Der einzige Wermutstropfen: Man kann ihn hierzulande nicht kaufen. Geschockt? Ich hätte das auch gleich zu Anfangs erwähnen können, aber dann hätten NICHT EINMAL SIE weitergelesen …