Tabak | Bildband, Kompendium oder Katalog?

Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, Pfeifenblog sei gerade auf dem HU-Tobacco Trip. Aber ein solcher wäre durchaus zu vertreten, denn bei der derzeitigen Ödnis in der Tabakentwicklung, den gesetzlich geforderten Verschönerungsmaßnahmen für Verpackung und dem fehlenden Einfallsreichtum der meisten Hersteller, Blender, Fachhändler oder sonstigen Anbieter, ist eine Unternehmung wie die von Hans W. einer der zwei, drei tobacconistischen Leuchttürme, die wir in Deutschland haben. Nicht zu vergessen die mittlerweile traurige, europäische „Holzgewerkschaft“, die sich scheinbar der Allianz der Billigst-Estate-Konsumenten und von YouTube Kanalisten ergeben hat, die das sammlerische  Mittelmaß  noch einmal kräftig unterschreiten und in der Darbietung grottigen Dilettantismus abfeiern. Erschreckend, das sich damit tatsächlich ein Podium hat aufbauen lassen.

„Ihr sitt widderlich, ni’ mieh zo erdraare“ dichtete einst BAP`s Wolfgang, sicherlich für ein anderes, ernsthafteres Szenario, nichtsdestoweniger passend.

HU-Tobacco legt soeben ein kleines, liebevoll und sehr professionell gemachtes Büchlein, ein Brevier oder ein Katalog, über sein mittlerweile erstaunlich gewachsenes Angebot an interessanten Tabaken verschiedener Provenienzen, Formate und Geschmacksrichtungen vor.

Braucht es das ? Und wie.

Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert

Oscars Sinnspruch wirkt an dieser Stelle genauso überhöht wie der zuvor zitierte Text von BAP, trifft es aber genau. Zunächst die Aufmachung. Ein Bilderbuch, ästethisch, elegant. anstiftend, informativ. Ich bin völlig überrascht, was für ein kleines „Tabak Imperium“ Hans Wiedemann in den Jahren aufgebaut hat: United Passion Flakes & Blends, Hommage to my Friends, Original Warehouseblends, The Blender`s Pride und –meine Favoritin- die African Line.

Die Texte zu den einzelnen Tabaken aber sind das wahre Highlight und der Aspekt, der den über 70-seitigen Band so lesenswert macht. Keine sinnschwachen, blumigen und wenig aussagekräftigen Kurzbeschreibungen, wie wir sie von den meisten Tabakanbietern gewohnt sind (…. Florale, gemähte Alpenwiese mit im Nachgang hervorstechenden Aromen von gut abgehangenem Cross-Country Beef und bretonischem Salzlamm sowie Liquid Moly Schmierstoffen, umwölkt von einem Hauch Leberpastete) sondern fundiertes Wissen über Tabake, deren Komponenten, über Herstellungsprozesse, Definitionen von Geschmacksrichtungen, die allesamt HU-Tabake in einem anderen Licht zeigen. Und Lust darauf machen, den nächsten Tabakshop zu stürmen und sich einen Wochenendvorrat anzulegen. Das gelingt natürlich, wenn man im weltgewandten bayerischen Wellness-Ort Fürstenfeldbruck (bei München) oder in dessen Umgebung wohnt (Tabak Bosch), ansonsten bleibt der Onlinebezug.

Das Hans Wiedemann unterstützende Kreativ Team, hinreichend für ihren Professionalismus bei Wort und Bild bekannte Afficionados, legen aber noch Einmaliges drauf: zu fast allen Tabaken wird eine Pfeife abgebildet, deren Schöpfer Maßstäbe hinsichtlich Idee, Formensprache und Qualität in jeder Hinsicht gesetzt hat : Bo Nordh, Jörn Micke, Kurt Balleby, Poul Ilsted, Tom Eltang, Peter Hedegaard, Former und Jess Chonowitsch, die Künstler von Bang, die drei Generationen der Ivarssons, Japans Gotoh und Tokutomi, die Deutschen Rainer Barbi, Cornelius Mänz und Wolfgang Becker, generös zur Ablichtung zur Verfügung gestellt durch einen privaten Sammler. In dieser Dichte schwerlich öffentlich an anderer Stelle anzutreffen.

Der HU Tobacco Katalog wird so zu einem zeitlosen Kompendium, das ich nicht mehr missen möchte. Und immer wieder zur Hand nehmen werde, so wie ich es mit dem Dunhill Katalog von 1923 oder dem 1970er Jahre Kriswill Katalog mache. Eine klare Empfehlung für einen inspirierenden und wunderschönen Bildband.

HU Tobacco Hans Wiedemann
Pfeifentabake 2018
Text: Hans Wiedemann, Peter Hemmer, Arno van Goor
Design der Dosenetiketten: Alexander Broy | www.broy.de
Fotos: Alexander Broy
Layout & Design: broy new media

erhältlich bei HU Tobacco




HU Tobacco | Manyara

Rechtzeitig zur Pfeifenshow in Lohmar gibt es wieder einige neue Tabake von HU Tobacco, darunter auch einen aus der Afrika-Serie, an dem ich mitgewirkt habe (um das gleich vorweg zu sagen) und den ich hier kurz vorstellen möchte. Er heißt „Manyara“, benannt nach dem gleichnamigen See in Tansania und wie bei allen den Tabaken der Serie ist der Name auch hier eine Referenz an die Herkunft einiger dabei verwendeter Basistabake, nämlich Westafrika.

HU Tobacco ManyaraNach der wahnsinnig positiven Resonnanz auf die letzte Neuerscheinung, den Nyala, der ja eine Burley/Virginia/Perique basierte Mischung mit Zigarrenblattgut, in diesem Fall Havanna und Brasil, war, haben wir beschlossen, das Konzept „Zigarrentabak“ als Komponente eines trotzdem geschmacklich eindeutigen Pfeifentabaks zu wiederholen – nur eben ganz anders: Ist es beim Nyala ein karibischer Einschlag, welcher der süßen Burley Mischung das gewisse Etwas verleiht, so haben wir dieses Mal beim Manyara an die italienischen Toscani, also fermentiertes Kentucky-Blattgut, gedacht. Wieder sind es verschiedene Burleys, die den Geschmack mitbestimmen, allerdings abgemischt mit einem kräftigen Firecured Virginia, der dafür einen etwas kleineren Anteil hat. Dazu eben der Kentucky, wieder etwas Brasil und, auch hier dem Nyla nicht unähnlich, die nötige Menge Perique. Hinzu kommt noch eine geringe Menge cypriotischen Latakias, die sich geschmacklich aber ganz weit hinten anstellt und eigentlich eher die Funktion hat, die Würzigkeit ein klein wenig zu erhöhen und die breite Erdigkeit des Kentucky in Schach zu halten. Verbunden wird das alles mit einen kleinen, gerade ausreichenden Anteil Orient.

Ich weiß, bei der puren Erwähnung von Latakia klingeln bei vielen eingefleischten Virginia/Perique Liebhabern alle Alarmglocken, aber beim Manyara ist das gänzlich unnötig, denn geschmacklich ist die Mischung von einer „englischen“ Latakiamischung soweit weg wie eine Giraffe vom Nordpol. Trotz des kleinen Latakiaanteils haben wir es beim Manyara mit einer naturbelassenen, relativ süß-cremigen und trotzdem recht würzigen Mixture zu tun, die sich durchaus auch (und vielleicht sogar in erster Linie) an Pfeifenraucher wendet, die mit Latakia nichts am Hut haben. Der Latakia ist hier eher wie eine Piccoloflöte in einer großen Orchesterbesetzung.

HU Tobacco ManyaraDas Tabakbild präsentiert sich entsprechend vielfältig: farblich die gesamte Palette vom grünlichen Orient über die verschiedenen Brauntöne der Burleys, des Kentuckys und des Virginias bis zum Schwarz des Periques und des Latakias. Eine ähnliche Bandbreite haben wir auch bei den Schnittarten mit verschiedenen Ribbon Cuts, Ready Rubbed Flakes und bei einem der Burleys Cube Cut. Das Ganze sieht nicht nur wunderschön vielschichtig aus, es gewährleistet auch ein perfekten, gleichmäßigen wie langsamen Abbrand.

Der Manyara lässt sich vollkommen problemlos stopfen und entzünden, ist für jede Brennkammergröße gleichsam geeignet und läßt sich genauso problemlos bis zu Ende rauchen. Das klingt eigentlich auch nach einem wunderbaren Anfängertabak, aber ich würde ihn eher erfahreneren Pfeifenrauchern empfehlen, erstens weil der Tabak sehr komplex ist und zweitens weil der Manyara kein Leichtgewicht ist. Kentucky, Dark Fired Virginia und der Perique sorgen für einen anständigen Körper. Trotzdem ist der Manyara weit entfernt von einer „Bombe“, gerade auch von einer „monotonen Bombe“, wie sie uns bei Kentucky-basierten Tabaken oft begegnet. Wir wollten explizit einen geschmacklich vom Kentucky geprägten Tabak kreieren, dem aber diese monotone Monumentalität abgeht und der stattdessen raffiniert und komplex ist. Ich persönlich finde, dass das dem Hans Wiedemann sehr gut gelungen ist und die ersten Reaktionen bestätigen das aufs Trefflichste.

HU Tobacco ManyaraWenn man nun den Manyara raucht, entfalten sich geschmacklich genauso viele Nuancen, wie man sie im Tabakbild schon optisch wahrnehmen kann. Von Beginn an und kontinuierlich bis zum Ende einer Füllung. Dabei entwickelt sich der Tabak nicht von einer bestimmten Richtung in eine andere, sondern dieses geschmackliche Feuerwerk von malziger Süsse, Kuchen, Brot, Erde, Leder, Schokolade, Nuss, Trockenfrüchte, Holz und Röstaromen hält über die gesamte Rauchdauer an. Der Manyara lässt immer etwas davon aufblitzen. Das macht ihn in meinen Augen so attraktiv, obwohl ich ansonsten ein großer Fan von „Entwicklungstabaken“ bin. Langweilig ist der Manyara nie, dazu ist er viel zu komplex und vielschichtig.

Übrigens trinke ich sehr gerne einen Kaffee zum Manyara und abends auch manchmal noch einen Grappa dazu und träume mich mit einem Anflug von Toscanello in eine neapolitanische Bar vor dreißig Jahren als das Rauchen dort noch erlaubt war….




HU Tobacco | RaiKo InBeTween

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenZu diesem Tabak bin ich mal wieder wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, also vielmehr wie der Fotograf zur Tabaksdose. Wie am Fließband des ehrenwerten Henry Ford stand ich und gab mich der Eintönigkeit meines Tuns hin. Sämtliche Tabaksdosen von HU Tobacco mussten geöffnet, ein Häufchen Tabak entnommen und dann pittoresk im Lichtzelt mit einer Pfeife drapiert fotografiert werden. Stunden vergingen, die Zeit schlich nur so dahin. Öffnen, Häuflein bilden, Dose hinstellen, Pfeife daneben, ausleuchten, Blende, Verschlusszeit, Klick. Dann Tabak wieder zurück in die Dose, Lichtbox staubsaugen, nächste Dose. Meine Gedanke schweiften unruhig durch Raum und Zeit, längst vom Körper getrennt. Würde ich diese stupide Gleichförmigkeit unbeschadet an Geist und Seele überleben? Welche Erschwerniszuschläge könnte ich Hans berechnen? Welche Gewerkschaft ist für mich armen Tabakknipser überhaupt zuständig? Musste ich mit einer Sehnenscheidenentzündung vom Tabaksdosenöffnen rechnen und was würde die Berufsgenossenschaft dazu sagen. Kurz es war ein Jammerthal – wie mein Freund der Gryphius Anderl, immer gesagt hat.

Einzige Entschädigung für diese jammervolle Plackerei war der Duft, der mich umgab. Zuerst hatte ich Bedenken, dass es mir wie einer Verkäuferin bei Douglas ginge, deren Atmosphäre von den unzähligen Düften irgendwann einmal so vermischt und gesättigt ist, dass sie davon träumt an einem Würst’lstand zu arbeiten. Aber so war es zum Glück überhaupt nicht. Jeder Dose entfleuchte ein anderer dezenter und appetitlicher Duft und verschwand mit dem Schliessen auch wieder. Das schöne an den HU-Tabaken ist, dass kein einziger Aromabomben-Däne darunter ist. Manchmal hielt ich mir auch die eine oder andere Dose direkt unter die Nase und inhalierte zur Motivationsteigerung die köstlichen Tabakdüfte.

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenAls ich irgendwann die 50 Gramm Dose des RaiKo InBeTween aufschraubte stutzte ich kurz. Das Deckblatt hatte keine Windrose (also kein DTM Tabak), war aber dafür dunkel vollgesogen und ein absolut betörender Duft erreichte meine Nase. Das war ein Engländer, keine Frage – ordentlich Latakia. Als ich das Deckblatt an dem einiges an Tabak haftete, anhob verstärkte sich das wundervolle Aroma noch einmal. War der Tabak zu feucht? Ich entnahm eine große Portion und rieb den Tabak zwischen den Fingern. Er war perfekt, gar nicht feucht, aber irgendwie cremig. Es roch rauchig und herb, aber doch auch etwas süß, eine wundervolle Süße – Schokolade, Kakao! Hatte Hans etwa eine Latakiabombe mit Schokolade aromatisiert? Was für eine fantastische Idee! Nachdem das Foto geschossen war, wanderte der Tabak sofort in meine Kameratasche – den würde ich nicht mehr hergeben!

Während der gesamten Postproduktion der Aufnahmen habe ich diesen Tabak nun geraucht. Wie alle Engländer ohne Filter und das in verschiedenen Pfeifen. Auf den Fotos hier im Blog sieht man einmal eine filigrane Bamboo von Eckhard Stöhr, sowie eine recht wuchtige Mastro de Paja, Cherrywood. Ich habe natürlich inzwischen auch die Beschreibung zu diesem Tabak gelesen. Er besteht fast zur Hälfte aus zyprischen Latakia, ungesoßtem Black Cavendish und etwas Burley und Virginia. Und wie ich sofort richtig gerochen habe ist er mit Schokoladen Aroma versetzt. Um jetzt aber etwaigen Missverständnissen vorzubeugen – sehr dezent aromatisiert, aber doch schon merklich.

HU Tobacco InBeTween

Er schmeckt exakt so, wie er riecht, ist unglaublich sanft und cremig, beisst in keiner Sekunde auf der Zunge und wird auch beim unbedachten Rauchen niemals heiss. Ich würde ihn vom Nikotingehalt als recht leicht einstufen. Es ist ein unglaublich appetitlicher Tabakgenuss. Lange habe ich nicht mehr so etwas köstliches im englischen Tabaksegment geraucht.

Auch die Geschichte dieses Kleinods der Tabaksmischkunst möchte ich Ihnen auch nicht vorenthalten. Wie alle Tabake der „Hommage to my Friends“ Serie ist auch der InBeTween, der früher unter Namen ChocoLat verkauft wurde, in Zusammenarbeit mit einem von Hans Freunden entstanden. Ein Rainer – ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht mehr über seine Person sagen, als dass er eben mit Hans Wiedemann befreundet ist und in einem Pfeifenforum schon über seinen RaiKo-Tabak geschrieben hat. Weitere überschwängliche Lobpreisungen dieses Tabaks findet der geneigte Leser hier bei TobaccoReviews.

Ich empfehle ihn zu schwarzem Tee oder Kaffee, genossen wie ein winziges Stück dunkler 85 Prozentiger Bitterschokolade. Ich denke auch, der RaiKo könnte ein guter Einstiegs-Tabak in die Welt der Engländer sein. Ist es nicht wundervoll, dass so ein erstklassiger Tabak bei uns ohne Zoll-Gezeter einfach so zu haben ist? Man klaut ihn einfach am Set oder bestellt ihn im Internet.

Das einzig blöde war nur, dass ich ihn für dieses Blog noch einmal fotografieren musste …




Peterson | Special Reserve 2018 – Curly Cut

Die Welt der Tabakhersteller, Marketingspezialisten und der Strategieanalysten großer Multi-Lifestyle Konzerne dreht sich derzeit monatlich einmal um die eigene Achse. Während Dunhill und McClelland Tabake verschwinden sollen, Germains auf der wundervollen Kanalinsel Jersey die Esoterica Tabake nur noch als virtuelle Chimäre führen (obwohl sie stante pede stur Gegenteiliges behaupten), läßt sich Peterson anscheinend nicht beirren. Und bringt als limitierten Jahrestabak einen außergewöhnlichen Curly Cut, der seine Herkunft nicht verleugnen kann. Dazu später.

Eines vorweg: die 100g Blechdose kommt im Schlafrock daher, was für ein Glück. Entfernt man die Pappschachtel, erscheint eine Tabaksdose, wie sie sich der Tobacco-Gourmet wünscht: Racing Green, als käme sie direkt von der grünen Insel. Schweigen wir darüber, bevor irgendein ÖDPler oder gar ein aufgewachter Eurobürokrat das kritisch betrachtet.


 
Der Tabak ist nicht luftdicht verschlossen, der Deckel läßt sich ohne Werkzeuge wie Laguioles, Opinels, Münzen oder sonstiges Instrumentarium öffnen. Sodann bietet sich ein besonderer optischer Augenschmaus, der Liebhaber von Escudo, Navy Rolls, Bulls Eye Flake und Stockton in vernehmliches Durchatmen bringt. Es ist das schönste Tabakbild, das mir in letzter Zeit untergekommen ist. Und die Curlies scheinen von Hand mit großer Sorgfalt in die Dose gefühlt worden zu sein.



Der Tabak besteht aus gerollten und dann in dünne Scheiben (Curlies) geschnittenen goldenen Virginias und Kentucky. Anders als der optisch sehr ähnliche Stockton liegt ein Hauch von Vanillearoma über den Rolls. Ich habe in den überall von Händlern verwendeten Standardtexten – wohl die des Herstellers oder Importeurs – den Begriff „Luxustabak“ gelesen. Was für ein Blödsinn, wobei ich nicht einmal weiß, was denn ein solcher wäre. Das würde ich allenfalls für meinen geheimen Bestand an Balkan Sobranie 759 oder altem Cope´s Escudo gelten lassen. Ich vermute, daß die Attribute „handgerollt“ und Preis vielleicht dazu geführt haben. Gehen wir darüber hinweg.

Der Geruch aus der geöffneten Dose ist sehr verführerisch, einfach köstlich. Nur habe ich aber mit aromatisierten Tabaken aller Couleur ein Problem, denn ich rauche auf der naturreinen Schiene. Doch hier ist es anders. Das leichte Aroma ist überhaupt nicht störend, im Gegenteil. Ich beruhige mich ob dieses persönlichen Sakrilegs, schließlich trinke ich ja auch Süßweine zur Vorspeise oder zum Dessert. Und dieser Peterson macht es mir wirklich leicht.

Um stilgerecht zu bleiben, befülle ich eine schwarze Peterson Spigot 999 und zwar so, wie ich es immer mache: mit der umstrittenen Knick&Falt Methode, mit der blutige Anfänger, Geduldlose oder Schnellraucher nicht klar kommen. Erst im oberen Drittel der Rauchkammer drösele ich eineinhalb Curliess auf, um einen leichten und vollständigen Anbrand zu erreichen.


 
Der Curly entwickelt sofort ein mittleres Aroma, eigentlich schmeckt mehr der Virginia durch als das Aroma, der Kentucky bringt die geschmackliche Tiefe. Entscheidend für die gleichbleibende Geschmacksentfaltung, die diesen Tabak trägt, ist wie immer ein besonders langsames Rauchen. Die fast unmerkliche geschmackliche Süße des hervorragend glimmenden Tabaks läßt kaum das typische Virginia-Heu schmecken und deutet auf einen Blender, der sein Kunstwerk versteht.

 

Vielleicht führt eine solche Fertigkeit des Tobacconisten und ebensolche erstklassigen Kompeneten, dazu die Erfahrung eines gestandenen Tabak-Gourmets und Rauchers zu dem Gedanken, man habe doch gerade einiges an Luxus genossen. Zweifelsohne locker die 23 € /100g wert.

Resumee: dieser aromatisierte Curly Cut ist eine Sünde wert, immer wieder. Ein köstlicher Tabak mit eigenem Charakter, der auch zum Ende einer Pfeife hin nie bissig oder trocken wird. Für Freunde des „gemäßigten“ Virginias ein Muß.

Als Jahrestabak ist er limitiert, was wohl nicht die Menge, sondern die Verfügbarkeitsdauer betrifft. Die Dose ist nicht luftdicht, wie bereits erwähnt. Wer also eine gewisse Menge lagern will (sehr empfohlen), der sollte in Schraubdeckelgläser umfüllen und die leere Dose entweder ins Regal stellen oder Büroklammern darin aufbewahren.

Übrigens: wer gerne mal einen sonntäglichen Virginia-Nachmittag zelebrieren möchte, dem empfehle ich mit dem Huber Honeydew Flake (jetzt Virginia Golden Flake) und einem LBV Portwein zu beginnen, gefolgt vom Peterson Special Reserve 2018 und abgeschlossen mit einem Dunhill Flake oder Orlik Golden Sliced und dem einen oder anderen Single Malt, bloß keinen Bourbon oder ein anderes US-amerikanisches Getränk.

 




Der stille Tod des Plastikdeckerls

Unbemerkt vom gewaltigen Getöse des Niedergangs großer Weltmarken und Tabakfabriken, ereignet sich derzeit eine nicht minder schreckliche Tragödie. Lautstark beklagen wir das Ende von Tabaken, die wir hier bei uns entweder gar nicht kaufen konnten, oder sie uns aufgrund des unverschämten Preises ohnehin nicht mehr gekauft haben, während ein so lieb gewonnenes Accessoires der Pfeifenwelt, wie das Plastikdeckerl, unbeweint sang- und klanglos verschwindet.

Manch einem ist es in diesen stürmischen Zeiten vielleicht noch gar nicht aufgefallen, aber die Malerdosen von Kohlhase & Kopp und DTM haben keine Plastikdeckerl mehr. Mein Huber Virginia Ready Rubbed, mein Indaba, der Fayyum Special Kake alle sind jetzt oben ohne.

Manchmal denke ich, dass dieses Geschrei und Gezeter um das Verschwinden von Dunhill und McClelland nur angezettelt wurde, um uns abzulenken und uns still und heimlich etwas zu nehmen, was wir für selbstverständlich hielten. Im Bundestag werden solche hinterhältigen Taktiken ja zur Genüge praktiziert, wie wir wissen. Grosse Ablenkungsdiskussionen oder Fussballweltmeisterschaften und zack, werden Gesetze beschlossen, die keiner mit klarem Verstand je für möglich gehalten hätte.

Ich als ÖkofaschistUmweltschützer begrüsse natürlich, dass nicht mehr so viel Plastik unsere Umwelt belastet, aber ich als Pfeifenraucher sorge mich natürlich um die Kondition meiner angebrochenen Tabakdosen.

Aber nicht nur das ist es, was mir Sorge bereitet. Diese Plastikdeckel werden bei mir im Atelier als Farbpaletten recycelt und auch von Peter Hemmer weiss ich, dass dieser sie zum Anrühren seiner Holzbeizen nutzt. Was werden wir in Zukunft ohne sie tun?

Wir leben in einer Zeit in der wir ständig Abschied nehmen müssen, weil wir Pfeifenraucher eben ein Nischenmarkt sind. Nischen und Biotope werden immer winziger und seltener, damit muss man sich wohl abfinden, oder?
Aber kein Grund nicht doch noch eine noch so ungehörte Ode auf ein kleines Plastikstückerl zu singen.




Nach Dunhill schliesst jetzt auch McClelland

Den letzen Schock hat der Pfeifenraucher gerade ebenso verdaut und sich in seiner sprichwörtlichen Besonnenheit zurückgelehnt und für sich beschlossen, dass sich die (Pfeifen-)Welt auch ohne Nightcap, Early Morning Pipe und Navy Rolls weiterdrehen wird, da erschüttert die nächste Meldung unsere kleine Welt.

We’re just going to close the doors

Mit diesem Statement gegenüber einem User des amerikanischen Pfeifenforums erklärt Mary McNiel, ihren Eintritt in den Ruhestand. Nach 40 Jahren werden Mary und Mike McNiel, die Eigentümer von McClelland Tobacco Company die Pforten für immer schliessen. Als Begründung geben sie die strengen Regularien der amerikanischen Behörden an, die zu Rohstoffverknappung und sinkender Qualität bei den Rohtabaken geführt habe. Wann die letzte Tabakdose die Fabrik in Kansas City, Missouri verlassen wird, ist noch unklar. Vermutlich dann, wenn das letzte Bröserl Tabak eingedost wurde.

Dieses Ende eine großen Tabakfabrik ist aus meiner Sicht deutlich schwerer zu verkraften, als der Dunhills,  obwohl die Tabake des sympathischen Unternehmens mit dem lustigen Wal auf dem Logo hier in Deutschland gar nicht erhältlich waren. Sie werden viel schwerer zu Ersetzen sein, weil es für einige Produktlinien keine Entsprechungen bei anderen Herstellern gibt. Nehmen wir zum Beispiel die „Grand Orientals“ oder die „Frog Mortons“ Serie. Schon allein wegen der grandiosen Froschdosen unersetzbar. Die „Matured Virginias“ werden mir persönlich nicht so fehlen, aber ich kenne einige Pfeifenraucher, die jetzt Tränen in Augen haben werden.

Schaut man auf die Webseiten der amerikanischen Tabakhändler so hat man selten so viele „Out of Stock“ Anzeigen ausserhalb des Esoterica Sortiments gesehen. Es wird wild gehamstert und wir können hier in Europa meist nur hilflos zusehen.

Ich weiss nicht so viel über die konkreten Auswirkungen der amerikanischen FDA Regulations, vielleicht könnte einer von Ihnen, liebe Leser, hier in der Kommentarfunktion etwas Licht ins Dunkel bringen. Mich würden die Hintergründe sehr interessieren.

 




McClelland | Legends

Der Stoff aus dem Legenden sind? In unserem Fall sind das ganz profan Virginias, Orientals und eine anständige Portion Latakia! Soweit so gut. Klingt erstmal wenig spektakulär für eine klassische englische Mischung, die McClelland da vor einigen Jahren aufgelegt hat. Als ich den Tabak, den ich nicht kannte, vor ein paar Monaten bei einem Händler gesehen habe, musste eine Dose mitgenommen werden. Schon allein aus purer Neugierde und Vorfreude, denn der „Legends“, den McClelland in seiner „Collector Blend Series“ angesiedelt hat, lies durch die Gestaltung des Etiketts eine gewisse Verwandschaft zu einem von mir sehr geschätzten anderen McClelland Blend erkennen, dem „Wilderness“. Damit war nicht nur die Vorfreude groß – meine Erwartungshaltung war es ebenso! Und um es gleich vorweg zu sagen: Leider! Denn der Tabak konnte diese nicht wirklich voll erfüllen.

McClelland LegendsIch will damit keineswegs sagen, dass der „Legends“ ein schlechter Tabak sei. Nein, der „Legends ist sogar ein sehr guter Tabak, nur kennen wir alle den Spruch: „Das Bessere ist der Feind des Guten“ und der ist in diesem Fall nur sehr wahr. Aber der Reihe nach!

Wie der „Wilderness“ ist auch der „Legends“ mit einem in den Staaten sehr bekannten Pfeifenraucher und Autor verbunden: Fred Hanna. Er ist der Blender der beiden genannten Tabake. In erster Linie ist er aber Pfeifensammler und Autor des Buches „The Perfect Smoke. Gourmet Pipe Smoking for Relaxation and Reflection“.

Alles klar? Kleiner geht’s offensichtlich nicht auf der anderen Seite des großen Teichs? Schließlich muss sich die Publikation neben Herrn Newcombe und Herrn Hacker behaupten und die haben von zurückhaltendem Understatement auch noch nie was gehört. Als ich das Buch zum ersten Mal bei einem Freund in Händen hielt und angefangen habe, ein bisschen drin zu lesen, hat mich jener fast schroff unterbrochen und gesagt: „Nein, lesen brauchst du das nicht! Aber es sind ein paar tolle Fotos drin!“ In der Tat hatte ich noch nie soviele schöne Fotos von perfektem Straight Grain auf einem Haufen gesehen, aber ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier eine Art Wettbewerb „Wer hat die dichteste?“ stattfindet. Dass sich die Formenvielfalt all der Pfeifen im Prinzip auf zwei archetypische Shapes beschränkt, nämlich Dublin basierte und Brandy basierte ist der Natur geschuldet, macht es trotz des vermeintlichen Versuchs, Superlativen zu zeigen, nicht wirklich spannender.

Aber es geht ja eigentlich um den Tabak nicht um eine Buchrezension, nur denkt man natürlich bei dem Titel des Blends „Legends“ unweigerlich an das publizistische Umfeld, was in die Irre führt, denn der Titel will gar nicht suggerieren, dass wir es hier mit was Legendärem zu tun haben, sondern er will thematisieren, dass dieser Blend eine Reminiszenz darstellen soll an die legendären englischen Blends der Vergangenheit, die im Lauf der Zeit vom Markt verschwunden sind und nur noch in Erinnerungen weiterleben oder auf dem horrend hochpreisigen Sammlermarkt unverschämt elitär in sehr beschränkter Disponibilität verfügbar sind. So oder so geht es also letztlich um eine nikotinhaltige „Suche nach der verlorenen Zeit“. Die Tragik ist nun, dass der „Legends“ meiner Meinung nach gerade in dem Moment an seinem Anspruch scheitert, in dem man „die Madelaine in den Tee tunkt“, also den Tabak entzündet und den ersten Zug nimmt: diese legendären Blends der Vergangenheit sind da einfach nicht! Auch nicht die Erinnerungen. Gleichwohl schmeckt’s gut.

McClelland LegendsDer „Legends“ besteht aus verschiedenen dunkleren Virginias („dark stoved“ und „red“ steht auf der Dose), einigen Orienttabaken, genannt werden Mahalla und Drama, und schließlich ein substantieller Anteil an cypriotischem Latakia. Das Tabakbild ist dunkel. Der „Legends“ sieht genau so aus, wie man sich eine substantielle englische Mischung erwartet. Der hohe Latakiaanteil gewährleistet neben seiner geschmacklichen Vormachtstellung auch die Tatsache, dass der Tabak zu jeder Zeit gut zu rauchen ist und den Raucher nicht zu sehr fordert – Stärke: Medium. Geschmack: Full. Und der ist erstmal rauchig! Richtig rauchig! Man sollte Latakia also schon lieben und gewohnt sein, wenn man den „Legends“ probieren mag. Ein Einsteigertabak in die Welt der Latakia-Mischungen ist der „Legends“ nicht wirklich. Obwohl er sich mit seinem mittleren Ribbon Cut vollkommen problemlos stopfen, anzünden und rauchen lässt. Ganz egal wie groß oder klein die Brennkammer der Pfeife ausfällt.

Entzündet man den Tabak, dann dominiert sofort sehr attraktiv der Latakia mit seinen ätherisch rauchigen Noten. Unwiderstehlich! Und man glaubt der Beschreibung, die von „Top-quality Cyprian Latakia“ spricht, sofort aufs Wort. Dieser Latakia bleibt aber nicht allein im Vordergrund stehen, sondern er wird fest getragen von einer Virginia-Basis, die mit ihrer malzigen Fülle für den nötigen Körper sorgt. Man hat den Eindruck, als ob die Virginias den Latakia regelrecht weich betten. Neben diesen vollmundigen Virginias liefern die Orienttabake zusätzliche Süße und funktionieren fast wie ein Schlüssel, der uns die Tür, die zur Harmonie des „Legends“ führt, aufsperrt. Mit Orienttabaken ist es immer so eine Sache, denn diese sind geschmacklich extrem feine, feingliedrig dezente Tabake, die aber gerade in Kombination mit anderen, geschmacklich dominanteren Tabaken, regelrechte Wunder bewirken können: sie binden hier alles ein und sorgen für eine perfekte Balance, was sich vor allem beim weiteren Abbrand des Tabaks bemerkbar macht. Man raucht keinen Latakia, der auf einer Virginabasis schwebt, sondern eine sehr runde, füllige, süße und trotzdem recht rauchige englische Mischung!

Aber warum scheitert der Tabak nun an seinem Anspruch, an die klassischen englischen Mischungen zu erinnern? Ganz einfach: weil er von McClelland ist und man dies dem Tabak schon beim ersten Riechen an der frisch geöffneten Dose anmerkt. Beim Geschmack sowieso. Das ist für den Tabak per se überhaupt kein Nachteil, ganz im Gegenteil! Aber es fehlt ihm vollkommen an jener einzigartigen Erdigkeit in der Basis, die so viele alte englische Klassiker ausgezeichnet hat und die ja gerade die stilistische Qualität ist, die verloren scheint. Der „Legends“ ist ohne Zweifel eine außerordentlich gut gemachte englische Mischung, die jede Empfehlung wert ist, aber, auch wenn diese Überlegung müßig ist, es wäre für mich interessant zu sehen, was rausgekommen wäre, wenn Hanna diesen Versuch einer Reminiszenz mit Tabaken von Cornell&Diehl gemacht hätte. Nicht dass die besser wären. Gar nicht. Aber ich würde denken, dass er sich mit deren Basistabaken leichter getan hätte, sein Ziel zu erreichen…? Wie gesagt: eine müßige Überlegung! Trotzdem ist der „Legends“ ein absoluter Spitzentabak, den man sehr gerne raucht. An die Raffinesse des „Wilderness“ reicht er allerdings nicht ansatzweise heran, dazu ist er zu geradlinig.

 




Alfred Dunhill | Das Ende (Teil2)

Dunhill TabakeDa soll noch einmal jemand sagen, dass wir Blogger nicht auch seriöse Recherche-Arbeit leisten können, wie man sie früher nur aus den HolzQualitätsmedien kannte. Nur liegt mir natürlich jede Form von Eigenlob fern, aber für diesen zweiten Teil der Abschied-von-Dunhill-Saga (Teil 1 finden Sie hier) habe ich eine investigativ-journalistische Höchstleistung vollbracht, indem ich einem Gerücht, welches ich in amerikanischen Foren und Blogs herumgeistert hartnäckig nachgegangen bin und mich um eine offizielle Stellungnahme bemüht habe.

Na gut, ich habe mich jetzt nicht wie Günter Wallraff monatelang verdeckt als Flake-Presser bei BAT eingeschleust, um mehr über die Zukunft der Dunhill-Tabake herauszufinden, aber immerhin habe ich eigenhändig eine E-Mail geschrieben und tatsächlich eine Antwort erhalten.

Leider ist es tatsächlich so, dass die Dunhill-Tabake nicht mehr hergestellt werden.

Kohlhase & Kopp, die den Import und Vertrieb für Deutschland inne haben, haben es mir schriftlich bestätigt, es ist aus. Ob die Marke von BAT verkauft wird, oder ob sich jemals wieder jemand finden wird, der weitermachen wird, wusste Kohlhase & Kopp natürlich nicht.

Spätestens jetzt nach dem Veröffentlichen dieses Artikels wird das große Rennen losgehen und ich sehe schon den einen oder anderen Leser vor mir, der mit dem Bollerwagen von Tabakladen zu Tabakladen zieht und Hamsterkäufe tätigt. Damit Sie liebe Leser auch wissen, mit was sie ihre Keller und Speicher anfüllen sollen, finden Sie hier mit einem Klick eine Vielzahl von Dunhill Tabakreviews im Blog.

Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg beim Sammeln und Raffen hoffe aber, dass Sie stets faire Sportsmänner und Gentlemen bleiben. Ich will von keinen Handgreiflichkeiten beim Tabakonisten hören. Wobei … wenn ich so darüber nachdenke, sollte ich doch eben beim Huber im Tal anrufen … ein Sicherheitsdienst wäre vielleicht doch nicht so schlecht …

 




Tabak & Digital Hype

Tabakliebhaber, die unsere Vorstellungen von Tabaken -sogenannte reviews- und die vielen Anmerkungen dazu von Zeit zu Zeit oder gar regelmäßig lesen, sind genau solche: anspruchsvolle Geniesser, die neben dem reinen Genuß immer eine gewisse „Umgebung“ brauchen. Sei es eine räumliche, eine gesellschaftliche oder eine, die der Tabak durch Format und Verpackung mitliefert.

In letzter Zeit ist mir auf digitalen Plattformen eine verstärkte Erwähnung von Tabaken des Pfeifen und Tabakdepot Motzek in Kiel aufgefallen, das in Nachfolge von Herbert Motzek nun von Thomas Darasz (TAK Tabak aus Kiel)  übernommen und weitergeführt. Hatte ich aus früheren Zeiten gelegentlich den Motzek-Curly Strang als im Vergleich zu ähnlichen Formaten als zwar rauchbar, aber nicht herausragend in Erinnerung, war mir bisher das frühere und das jetzige Programm mehr oder weniger unbekannt geblieben. Und kann nach den aktuellen Raucherfahrungen auch weitgehend so bleiben.

Besonderes? Leider -wie so oft – eine weitgehend haltlose Marrckettting-Aussage

Nun wissen wir alle, das „Geschmäcker verschieden“ sein können. Zuviele Faktoren spielen bei der Beurteilung von Genüssen eine Rolle, bis hin zur momentanen mentalen oder physischen Verfassung. Gerade vergangene Woche vertieften wir uns im Freitags-Club der Münchner Runde in das Thema „was ist scharf und wie scharf darf es sein“ und waren uns mit Zuhilfenahme dieses hervorragenden Artikels über Chili einig, daß oftmals die persönliche Tagesform eine Rolle spielt.

Um dieses Manko bei einem Tabaktest weitgehend zu umgehen, muß der Tester sich gewisser Mühen unterziehen, wenn er empfindungsgerecht bleiben will. Ergo habe ich mich gerne einem kleinen Rauchmarathon unterworfen und vier Motzek-Tabake aus der Hausmarken-Reihe (TAK Tabak aus Kiel) des Händlers intensiv geraucht. Das Resumee vorweg: weitgehend enttäuschend und von stupender Mittelmäßigkeit.

Das allerdings mag nicht von allen Tabakliebhabern, die Motzek Tabake erprobt haben, so akzeptiert werden. Unter Umständen ist mein Anspruch zu hoch, den ich aber nach 50 Jahren Intensiv-Erfahrung mit Tabak sicher nicht herunterschrauben werde.

Es beginnt mit der Verpackung, deren Lieblosigkeit nicht zu übertreffen ist und eventuell von dauerhaft auf der Landstrasse wandernden Zeitgenossen als praktisch angesehen werden kann. Mein erster Gedanke: wer behauptet, er macht aus Tabak etwas Besonderes ( Etikettenaufdruck!) und liefert mir diesen dermassen trashig und unappetitlich verpackt, kann womöglich auch nicht anspruchsvoll blenden. Oder hat ausschliesslich einen möglichst niedrigen Preis als Ziel, der für den Afficionado absolut keine Rolle spielt. Und ich hatte gedacht, die Nachkriegsjahre seien vergessen.


Mehrfach zu unterschiedlichen Tageszeiten und Gemütsverfassungen geraucht wurden

Latakia Cake · Latakia Evening · Old Lousiana Mix · Tom`s Dark Twist


TAK Latakia Cake

Für einen Kake dieser Machart liegt die Messlatte recht hoch, nicht nur durch die nur noch in hömopathischen Mengen produzierte Legende Pencanze, sondern durch weitere richtig gute Kakes wie Ten To Midnight, Pirate Cake und vor allem durch den außergewöhnlichen Fayyum Cake. Also: wenn die Basis schon belanglos ist, bleibt sie es auch dann, wenn man sie presst. Da frage ich mich, was andere Rezensenten geraucht haben, die diesen – freundlich ausgedrückt – me-too Tabak gänzlich anders würdigen. Wie gesagt, er brennt – stopfen, zünden gelingt ganz einfach, denn Konsistenz und Feuchtigkeitsgehalt sind gut. Was fehlt, ist irgendein Quantum an Geschmack, hier ist die Neutralität scheinbar zum Prinzip erhoben worden. Auch eine Methode. Meine Probanten-Pfeife, eine Stanwell Shape 11, hat die 3 Versuche stoisch über sich ergehen lassen.


TAK Latakia Evening

Dieser Blend hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Er setzt einige wenige stärkere Akzente wie der Latakia Kake, aber auch er hat einfach zu viele bessere Beispiele vor sich, die mit seiner Allerweltsbeschaffenheit nicht einhergehen. Und die sind Legion. Fangen wir mal beim überragenden English Balkan an, der so viele hervorragende Mitstreiter hat wie den Larry`s Blend, Dunhill Durbar, Wilderness und Westminster. Und denke ich an die sorgsam gemischten Zulu, Khoisaan oder Fayyum von HU-Tobacco, dann verstehe ich nicht, warum Ernergie und Kosten für diesen Latakia Evening aufgebracht werden.  Denn diese Beispiele, die nicht mit heißer Nadel gestrickt auf den Markt gebracht werden, sind allesamt eigenständige „Charaktere“. Was nun den Latakia Evening wirklich ausmacht, ist eben diese Beliebigkeit. Damit gibt sich kein leidenschaftlicher Blender zufrieden, ein ebensolcher Tabakliebhaber erst recht nicht. Auch hier gilt: befüllen und zünden sowie Abbrand gut, ansonsten schlichtweg überflüssig. Hier reichte mir ein zweimaliger Versuch, der 1975er Svendborg Rhodesian ebenfalls.


TAK Old Louisiana Mix

Bei diesem – dem dritten Versuchsrauch – frage ich mich allmählich, was der Blender da macht. Eine Virginia Perique Mischung, so beliebig wie die zwei zuvor probierten Tabake. Ich schmecke Malz, ein wenig Virginia-Heu, eingemachte Früchte, allerdings nur in ganz schwachen Spuren. Das Tabakbild ist in Ordnung, kleine Curlies im Mix, teilweise schon zerbröselt.  Ist der etwa für Anfänger entwickelt, die sich erstmals einem VAP nähern wollen? Ich konnte nicht einmal im Ansatz irgendeine Geschmacksnote feststellen. Damit mein Urteil etwas mehr Fundament bekommt: die Elizabethan Mixture, sicherlich kein allzu aufregender Tabak und eine der „simpelsten“ Dunhill Blends, hat trotzdem mehr Raffinesse, vor allem einen runden Geschmack und zeigt, was ein Weltklasse Blender zustande bringt. Dieser Louisiana ist für die Katz. Egal in welcher Pfeife. Ich benutzte eine Former, der es auch wieder egal war.


TAK Tom`s Dark Twist

Endlich: bei diesem Twist hat sich der Blender etwas gedacht, wenn auch nicht konsequent zuende geführt. Die Mischungsidee ist richtig gut und läßt hoffen: 50% Kentucky und 50% Perique! Geschmacklich ein Volltreffer. Das Gute liegt wieder einmal im Einfachen. In Kombination mit der für den Perique typischen Pflaumen-Früchtebrot-Fruchtigkeit liefert der Twist eine wundervolle Weichheit! Wie ein Twist geschnitten und befüllt wird, ist wohl bekannt. Die Voraussetzung für ein angenehmes Rauchvergnügen ist also gegeben und die erste Forumpfeife aus dem Jahre 2010 hat das richtige Format. Was man aber wissen muß: beide Tabakkomponenten zählen zu den stärksten ihrer Fraktion, sowohl was den Geschmack und den Nikotingehalt betrifft. Und damit hat der Tom`s Dark Twist für mich ein Problem, das mich an den Black XX erinnert (wobei der G&H im Gegensatz nicht einmal schmeckt): er ist schlichtweg so stark, dass bei mir kein Rauchvergnügen aufkommt. Klar: ist er zu stark, bist Du zu schwach. Aber ich will schliesslich keine Mutprobe veranstalten, sondern geniessen. Schade, dass eine geniale Idee nicht ausgereift umgesetzt wurde. Hat aber Verbesserungspotential. Zum Beispiel ein wenig Black Cavendish?


Wir Tabakliebhaber sind eine bedrohte Lebensart, das gilt auch für unser Versorgungsumfeld. Umso dankbarer muß man für jeden Hersteller, Großhändler und Fachhändler sein, der mit Ideen und viel Herzblut, die „Versorgungslage“ spannend, nachhaltig und verläßlich hält. Dafür gibt es in den USA zahlreiche „Boutique-Blender“ wie z.B. G.L.Pease und Russ Ouellette deren hervorragende Blends richtig „Lust auf mehr“ machen und Gaumen und Auge erfreuen. Deutschland ist ganz bestimmt keine „Boutique-Tobacco Diaspora“. Bieten doch z.B. HU-Tobacco, Peter Heinrichs und Pfeifen Huber – u.a. von Manufakturen wie Kohlhase & Kopp, DTM, Planta oder STG engagiert schon beim Tabakdesign unterstützt- eine sehr große Anzahl von sorgfältig produzierten Tabaken, die oft unikat sind, ausgesuchte Nischen versorgen und deren Erscheinungsbild den Erwartungen von uns Geniessern entsprechen. Blender, die uns Tabakliebhabern das Gefühl geben, eingehend nachgedacht zu haben. Die Wissen, Erfahrung und Ambition für Entwicklung und Produktion von rundum befriedigenden Tabaken einsetzen. Ein wenig überhöht: die für ihr Ziel brennen. Zum Glück gibt es die auch in Deutschland, q.e.d. !

Da hat der Tabak aus Kiel noch reichlich Luft nach oben.

Bezug
Pfeifen und Zigarrendepot Herbert Motzek
Inh. Thomas Darasz
Knooper Weg 46
D-24103 Kiel
Telefon +49 431 554162
www.dein-tabak.de

VK Preise je 100g Plastikbeutel
Latakia Cake – 17 €
Latakia Evening – 14 €
Old Lousiana Mix – 17 €
Tom`s Dark Twist – 19 €




St James Flake neu oder …

St. James FlakeIch habe mir seit langem mal wieder eine Dose St James Flake gekauft, obwohl (und hier streiten sich die Geister) der Bulk die bessere Alternative wäre. Bekomme ich aber im Moment nicht und daher muß ich mich mit einer Dose zufrieden geben.
Am ersten Weihnachtsfeiertag war es dann soweit. Ich habe mich richtig gefreut, diese schönen dunklen Platten herauszunehmen und falls sie gar so feucht sind, auch gleich zu rauchen. Man muss wissen, dass dieser Tabak jahrelang zu meinen Lieblingen gehörte und deshalb von mir immer in 500 Gramm Packungen gekauft wurde.

Doch schon beim Öffnen wurde mir klar, das ist nicht mein St James. Gab es eine neue Version und ich habe es gar nicht mitbekommen?Es war ein sehr guter Virginia aber eben nicht mein St James.
War es ein Full Virginia oder Best Brown?
Dann fiel mir ein, dass es vor Jahren schon einmal eine Diskussion im Forum gab, bei der es ebenfalls um Samuel Gawith und um verwechselten Dosen ging.
Ich habe kurz recherchiert und bin im Jahr 2009 fündig geworden. Die Pumleser erinnern sich vielleicht noch.
Auch hier ging es um St James, gekauft beim Diehl und Pfeifen Huber. Das Fazit war letztlich die Vermutung, dass einer beim Verpacken den falschen Deckel drauf gemacht hat. Doch dann kam es noch schlimmer. Einer hatte 2 verschiedene Flakes in einer Dose.

Nun stellt sich die Frage, passiert das bei Samuel Gawith öfters, oder habe ich einen natürlich gealterten Virginia aus dem Jahr 2009 erwischt, der jahrelang ein einsames Dasein in den Regalen vom Pfeifen Huber fristete und nun endlich von mir erlöst wurde?
Um das herauszufinden, muss ich mir noch einmal 1 oder 2 Dosen kaufen. Das wird zwar meine Frage nicht beantworten, aber vielleicht erwische ich dann doch meinen geliebten St James.