Neues von HU Tobacco: Night Owl und Dark Moor

Night Owl DoseIn Zeiten, in denen mal hier ein Tabakhersteller zu sperrt, mal dort ein Pfeifenhersteller und bedeutender Zulieferer die Produktion einstellt, von diversen Fachgeschäften ganz zu schweigen, und wir uns aufrichtig freuen, dass diese erschütternd lächerliche Posse um die skelettierten Reste von Dunhill-Tabak nun ihren Höhepunkt in ihrer Platzierung als Peterson-Tabake gefunden hat, in solchen Zeiten haben es Nischen Produzenten leicht, im tristen Gefilde des Mainstream-Marktes für Licht zu sorgen.

Natürlich sind diese Lichter klein und in Relation zum Gesamtmarkt gesehen nicht besonders hell, sodass sie nur von jenen gesehen werden, die danach schauen. Aber hat man sie mal gefunden, diese erleuchteten Nischen, dann merkt man schnell, wie außergewöhnlich schön solche Plätze sein können. Im eher dichten und herbstlich kalten Nebel bin ich gerne Wegweiser zu solchen kleinen Sonnen. Dark Moor DoseHans Wiedemann von HU Tobacco hat zwei neue Tabake herausgebracht, zwei ungewöhnliche Tabake bzw. zwei ungewöhnliche Interpretationen von stilistisch eigentlich gar nicht so Ungewöhnlichem. Und um es gleich vorweg zu nehmen: diese zwei Tabake gehören für mich zum Besten, was Hans in den letzten Jahren gemischt hat. Warum? Weil sich hier jemand sehr viele Gedanken um etwas stilistisch sehr individuelles, ausgefeiltes gemacht hat – jenseits davon Everybody’s Darling sein zu wollen und dabei trotzdem etwas geschaffen hat, was von vielen als das Besondere erkannt wird. Ich habe gehört, dass die Tabake, die gerade mal eine gute Woche auf dem Markt sind, bereits nachproduziert werden müssen. Das freut mich umso mehr!

Night Owl DoseAber jetzt endlich zum Tabak: Der erste heißt „Night Owl“, es ist eine Ribbon Cut Mixture auf Basis sehr vollmundiger, kraftvoller und süßer Red Virginias mit schokoladigen Burleys und etwas Perique. Die Besonderheit besteht in einer kleinen Menge Kentucky, welche der Mixture einen einzigartigen Charakter verleiht.

Nun gibt es im Portfolio von HU Tobacco ja schon ein paar sehr respektable Burley-Virginia basierte Mischungen und trotzdem eröffnet der Night Owl eine ganz neue stilistische Facette! Da sind der „Nashville County“ und der Huber/Pfeifenblog „Kurt Eisner“, die eher mittelkräftige, geradlinige Vertreter dieser Richtung sind, und der Makhuwa aus der Afrika-Reihe, der exaltiert schokoladig und trockenfrüchte-süss die Malawi-Burleys und den Perique ins Zentrum rückt. Der Night Owl dagegen ist deutlich kraftvoller und gänzlich anders balanciert, denn die intensive malzige Süße der Virginias findet mit der Schokolade des Burley-Anteils und der Trockenfrüchte Herrlichkeit des Periques zwar ein perfektes würziges Gegengewicht, aber es ist der Kentucky, der dafür sorgt, dass der Night Owl eine verhangene Erdigkeit erhält, die den Tabak nicht zu lieblich erscheinen lässt. Geschmacklich tritt der Kentucky nie in den Vordergrund, aber er wirkt im Wechselspiel der anderen Solisten wahre Wunder und macht den Tabak ungemein interessant, weil sich der Night Owl so nie auf eine Seite schlägt und doch alle Seiten vortrefflich bedient! Vollmundig malzig süß, cremig schokoladig, pikant und erdig mit den nötigen Kanten. Was will man mehr?

Night Owl TabakMan sollte den Night Owl vielleicht nicht vor dem Frühstück auf leeren Magen rauchen, da kann er schnell hinsichtlich seiner nicht unbeträchtlichen Stärke allzu fordernd wirken, aber wie der Name Night Owl schon sagt, nach einem anständigen Abendessen ist er auch mit seiner Kraft eigentlich kein Problem. Und wenn man doch Angst hat, dann nimmt man einfach eine kleinere Pfeife! Der Night Owl ist jeden Versuch wert! Dieser Tabak ist nicht nur Nachteule, er ist auch Nachtigall zugleich!

Füllen, Stopfen, Entzünden und Rauchen lässt sich der Night Owl vollkommen problemlos, gleichmäßig und kühl. Ein Füllung ist Hochgenuss pur voller Charakter, voll kreativer Originalität und ich wünschte, es würde viel mehr solche ausgefeilten Tabake geben, über die es sich zu sprechen lohnt, als dass wir uns darüber unterhalten müssten, welcher schale Schatten des Dunhill 965 jetzt der längere ist!

Dark Moor DoseDer zweite neue Tabak von HU Tobacco heißt Dark Moor. Hier handelt es sich um eine Ribbon Cut Mixture mit kleinen Ready Rubbed Flakes darunter. Im wesentlichen sind es hier verschiedene mittelbraune Virginias, die mit Kentucky und Perique balanciert sind. Wie der Night Owl auch ist der Dark Moor kein Bruder Leichtfuß, seine Stärke würde ich ähnlich dem Night Owl bei einer Skala von 1-6 auf 5 einschätzen.

Anders als beim Night Owl hält sich der Kentucky hier aber nicht so im Hintergrund, sondern gibt mit seiner leicht rauchigen Erdigkeit einen gewichtigen Solopart, der wiederum von einer schönen Portion Perique trockenfruchtig kontrastiert wird. Die Virginias liefern einen breiten und schön cremig süßen Teppich, ohne dass dieser Teppich je zu flauschig weich oder gar pappig wirken würde. Der Kentucky balanciert die Virginias mühelos aus und es entsteht, um beim Bild des Moores zu bleiben, eine Stimmung von dunkel schwerem feuchtem Waldboden, in dem die kühlen Nebelschwaden es gerade noch nicht vermochten, die Reste der verbliebenen Herbstsonnenwärme des vergangenen Tages zu vertreiben. Zwischendurch und nur in Ansätzen schafft es der Dark Moor, eine schöne sehr leichte und ätherische Ledrigkeit zu zeigen, wie sie bei Pfeifentabaken ziemlich selten ist. Zweifellos ist der Dark Moor bildlich genommen ein Herbsttabak, der den Weg in die häusliche Stube zu einem wärmenden Kaminfeuer und einem Glas Portwein weist.

Dark Moor TabakIch würde auch den Dark Moor eher für eine Pfeife nach dem Abendessen empfehlen, aber er ist kein Tabak, vor dem man hinsichtlich seiner Kraft Angst haben müsste. Er ist weit von Petersons Irish Flake oder MacBarens HH Bold Kentucky mit ihrer geschmacklich gewaltig kräftigen Kentucky-Donimanz entfernt. Von den S.Gawith Twists ganz zu schweigen. Ich habe den Dark Moor aus verschiedenen Pfeifen geraucht, aus neutralen Meerschaumpfeifen wie aus Pfeifen, aus denen ich sonst nur Virginias rauche, wie aus Latakia-Pfeifen und mir hat er am besten aus den Latakia-Pfeifen geschmeckt, denn das ätherische Latakia-Crossover im Hintergrund bekommt dem Dark Moor meines Erachtens sehr gut, weil es der erdigen Kentucky-Rauchigkeit eine zusätzlich andersartige rauchige Komponente gibt, ohne den Geschmack des Tabaks zu beeinträchtigen. Der Dark Moor ist im Geschmack ohnehin kräftig genug um sich nicht allzu sehr beeinträchtigen zu lassen.

Beide Tabake sind als Gruppentabake für die „Pipe Enthusiasts Germany“ entstanden. Das ist, soviel ich weiß, eine Facebookgruppe. Falls ich falsch liege (ich nutze Facebook nicht), möge man mich bitte berichtigen! Ich weiß nicht, wie groß der Anteil dieser Gruppe oder der Organisatoren aus dieser Gruppe am Stil und am Charakter dieser beiden Mischungen ist, aber man kann allen Beteiligten nur sagen, dass sie es gut gemacht haben. Sehr gut sogar! Und das gilt auch für die wunderschönen Etiketten, denen Chiaroscuro-Aquarelle von Alexander Broy zugrunde liegen, aber dazu kann er sicher selbst mehr sagen!?

Peter Hemmer

Über die Etiketten

von Alexander Broy

Night Owl Pfeifentabak

Es war eine sehr gute Entscheidung Peter das Tabakreview der beiden Tabake, schreiben zu lassen, ich hätte das niemals so gekonnt. Ich kenne die beiden schon etwas länger, denn Hans hatte mich mit Vorabproben versorgt. Ich hatte den Auftrag die Dosen-Etiketten zu designen und tat mich mit den gelieferten Logos und Fotos sehr schwer. Nicht nur, weil die – alle Grafiker kennen das Problem – nicht in druckfähiger Auflösung waren, sondern das Alles war für mich sehr schwer fassbar. Also bat ich Hans Wiedemann, mir Proben zu schicken, damit ich mir ein vernünftiges Bild von dem Produkt machen könne, für das ich eine Verpackung designen sollte. Das war jetzt keine so revolutionäre Idee, ich denke auch die Designer für Früchstücksflocken probieren erst die Zuckerbrösel, bevor sie den Tiger malen …

Spätestens nach der zweiten oder dritten Pfeife war mir klar, dass ich da mit Handyfotos, Photoshop und ein paar flockigen Comic-Sans-Fonts nicht arbeiten würde können. Also ab ins Atelier. Diese beiden Kräuter verlangten nach Handgemachtem. Ich empfand sie als so erdig, schwer und düster, dass mir sofort klar wurde, dass ich mit schwarzer Tusche auf dunklem Papier arbeiten wollte. Ich bin eigentlich kein Sumi-e Maler, aber ich habe natürlich Tusche für meine Holzschnitte im Atelier.

Es waren einige Eulen und Moore, die ich gemalt habe, jedes Bild nach wenigen Minuten fertig und zu Fidibussen fürs Kaminfeuer degradiert. So läuft das bei solchen Bildern, es muss schnell gehen, oder gar nicht. 🙂

Aber was soll ich lang reden, ich habe einen relativ neuen YouTube-Channel und auf dem habe ich ein Video zu diesem Projekt veröffentlicht. Dieses darf ich euch hier empfehlen und artig fragen, ob ihr mich nicht abonnieren mögt – jeden Freitag gibt es ein neues Video vom Landschaftsmaler eures Vertrauens 😉




++++ Neues und nicht ganz so Neues ++++

++++ Der 1953 gegründete Berliner Tabakhersteller und Distributor Planta wurde von der dänischen MacBaren Tobacco Company /Svendborg übernommen und ist als Tabakhersteller Geschichte +++++ Die 1948 in Berlin von Pfeifenmacher Hubert Hartmann gegründete Pfeifenfabrik wurde im Jahre 1983 von der  Planta Tabak Manufaktur Dr. Manfred Obermann GmbH & Co. KG übernommen und in Pfeifenstudio Hartmann DB Design Berlin umbenannt. Bereits 2017 wurde der Betrieb eingestellt. ++++ Butz Choquin , einer der ältesten unabhängigen Pfeifenhersteller, der neben den eigenen Brands sehr aktiv im OEM-Geschäft tätig war (darunter auch für Dunhill), hat nach über 160 Jahren die Pforten geschlossen. Der bekannte Hersteller wurde 1858 im lothringischen Metz gegründet und 1951 nach St. Claude im französischen Jura verlegt, einem ehemaligen Zentrum der Pfeifenherstellung in Frankreich ++++




Peterson (Dunhill): die Rolls und der Flake sind zurück!

Zeit war`s. Nun müßen wir uns endlich nicht mehr einreden, daß der Robert McConnell Heritage Highgate der Nachfolger des mittlerweile legendären Escudo / Dunhill DeLuxe Navy Rolls sei, obwohl er eigentlich ausschaut wie der Orlik Bulls Eye Flake und auch so riecht und schmeckt (vermutlich ist das bei Kohlhase & Kopp eh noch keinem aufgefallen :)) und der in der Mark II Auflage quietschgelb mutierte Flake keineswegs auch nur annähernd an den Dunhill Flake heranreicht. Beide Original STG Produktionen sind zurück und verfügbar. Sie schmecken so, wie wir es lieben und viele von uns so schmerzlich vermißt haben und in deren Folge gibt es auch wieder die Early Morning Pipe, die Night Cap und die 965 Mixture, nicht als gelbe Chimären, sondern in der von STG in der Murray`s Nachfolge hergestellten „Fassung“.

Im gestrigen Freitagsclub der Münchner Runde wurden die Rolls und der Flake ausgiebig getestet …. und ja, die Dunhills sind wieder da, originalgetreu, schmackhaft, wundervoll.

Wen stört es da, dass statt des Dunhill Schriftzugs nun aus vertragsrechtlichen Gründen Peterson steht, das übrige Design ist wie zuvor.

Für diese beiden Tabake brauchen wir kein neues Review schreiben und können auf die hier bereits veröffentlichten verweisen, die nun wieder Gültigkeit haben. Das zeigt, wie nachhaltig der pfeifenblog.de arbeitet :))

Petersen (Dunhill) DELUXE NAVY Rolls

Peterson (Dunhill) FLAKE




The Danish Pipe Shop | Kopenhagen Reisebericht

Dänemark. Ein Pfeifenraucher assoziiert damit sofort Pfeifen mit ungewöhnlichen freien Formen und Tabake, die nach Vanille und/oder Lakritz schmecken. Neben England ist Dänemark sicherlich die bekannteste Pfeifenrauchernation. Pfeifenmacher der Familien Ivarsson und Chonowitsch, WØ Larson, Bo Nordh, Micke und viele mehr prägten den dänischen Stil der weichen, natürlichen und freien Form, die ganz im Gegensatz zu den strengen klassischen Modellen der Engländer, wie z.B. Dunhill oder BBB standen. Fährt man dieser Tage nach Dänemark, so bietet sich dem Besucher allerdings ein ganz ähnliches nüchternes Bild wie in Irland, England oder sonst wo auf der Welt: Pfeifenraucher sind kaum mehr Teil des Straßenbildes und Tabake werden an Tankstellen und Lotto-Toto Geschäften verkauft – immer die selben fünf langweiligen Pouches.

Ich fahre schon seit unzähligen Jahren nach Dänemark, allerdings nicht um dort teure Freehands zu erwerben oder mir besondere Tabake zuzulegen, sondern um den maximal langweiligsten Urlaub zu machen, den man für viel Geld bekommen kann. Die Landschaft der dänischen Westküste ist wundervoll und an jeder Stelle der Nordsee nahezu identisch. Es gibt die See, einen Strand, ein paar Dünen mit Ferienhäusern, einen Radweg und eine Straße. Ab und zu ist noch ein Fjord dazwischen, davon sieht aber auch einer aus, wie der andere. Die kleinen Städtchen die in das Flachland hinter den Dünen gestreut sind, sind an Langweiligkeit nicht zu überbieten. Alles hübsch, sauber und hygge. Es gibt nichts, was auch nur im entferntesten aufregend wäre. Ich liebe es dort im August bei schlechten Wetter mit Norwegerpulli und Lederhose auf der Düne zu stehen und Strandhafer zu malen.

Wo ich bisher aber noch nie gewesen war, war die Hauptstadt Kopenhagen und das habe ich dieses Jahr endlich nachgeholt. Als ich von meinen Reiseplänen im Münchner Pfeifenclub erzählte, wurde bei mir sofort eine riesige Bestellung My Own Blend 800Ø abgegeben. Wie ich solche Mengen einkaufen sollte, war mir zunächst ein Rätsel. Ich würde mir eines der berühmten Christiania Lastenräder leihen müssen und hoffen dass dort ein paar Euro-Paletten Tabak hinein passen würden.

Es gibt in Kopenhagen nur noch ein einziges richtiges Tabak- und Pfeifenfachgeschäft, einen Laden, der schon seit 1969 dort ansässig ist und bei dem es neben anderen Schätzen, eben diese eine Tabaklegende zu kaufen gibt: The Danish Pipeshop. Er wird in der zweiten Generation von Nikolaj Nielsen geführt und ist erst vor ein paar Jahren in ein größeres Ladengeschäft umgezogen. Dazu gibt es einen kleinen Film, den ich gerne empfehlen möchte. Ich habe Herrn Nielsen selbst auch dort angetroffen und mit ihm und einem seiner langjährigen Mitarbeitern ein sehr nettes Gespräch geführt. Überhaupt waren alle ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Ich wurde überall herumgeführt und durfte alles fotografieren.

Da meine Familie mit mir in Kopenhagen war und auf mich wartete, konnte ich leider nicht all zu lange dort verweilen, obwohl ich sehr gerne all die kleinen Schubladen geöffnet hätte und mir die circa 4000 Pfeifen angesehen hätte, die es dort zu kaufen gibt. Das was ich gesehen habe, war umwerfend. Großartige Stücke, vom „Who is Who“ der dänischen Pfeifenmacherszene. Auch die kleine hügelige Raucherlounge hätte ich sehr gerne vollgequalmt, aber man kann eben nicht alles haben. Für einen jeden pfeifenrauchenden Kopenhagenbesucher gehört dieser Laden zum Pflichtprogramm, das steht ausser Frage.

Bevor ich an dieser Stelle meinen kleinen Reisebericht beschliesse, möchte ich noch einen kleinen Teaser für die nächsten Tabakreviews ankündigen. Ich habe mir aus dem Danish-Pipeshop neben des schon erwähnten 800 Ø noch zwei weitere wunderbare Spezialitäten mitgebracht (es ist schon erstaunlich wieviel in so ein Lastenrad passt). Es sind zwei Plugs, nämlich der „RIVER PLUG“ und der „5610“ aber dazu später mehr in diesem Theater äh Blog.

 




Cargo under sail – AVONTUUR Rum

„Es gibt sie noch, die guten alten Sachen“ oder so ähnlich lautet ein Werbespruch des namhaften Warenhauses für schöne Dinge aus zurückliegenden Zeiten, die eigentlich niemand braucht. Angewendet auf die neue Bewegung des althergebrachten Frachtensegeln allerdings ergibt das einen gänzlich anderen Sinn. Wie faszinierend und überzeugend die Idee ist, für gewisse Güter eine alternative Methode für den Transport zu schaffen, zeigt der TV Bericht des NDR „Frachtsegeln“ aus der Reihe „Die Nordstory“, den Sie am Ende des Berichtes ansehen können. Ein Muß für alle, die solchen Projekten aufgeschlossen sind. Ich bin zufällig beim mitternächtlichen Herumzappen auf die Sendung gestoßen und war HIN UND WEG. Das werden Sie auch sein, wenn Sie einem abenteuerlichen Optimismus, einer uneingeschränkten Passion und Leidenschaft trotz zunächst widriger Umstände, meist finanzieller Art, nicht gleichgültig gegenüberstehen.

Und so lernte ich die Abenteuer des 100 Jahre alten Gaffelschoners „AVONTUUR“ kennen, seines unglaublichen Kapitäns Cornelius Bockermann und einer fantastischen Land und See Mannschaft, die den Atlantik, die Karibik und andere Gewässer besegelt. AVONTUUR ist das niederländische Wort für Abenteuer, wahrlich bezeichnend  für das ganze Timbercoast Projekt. Timbercoast, so der Name der Reederei aus dem kleinen historischen Elsfleth in Niedersachsen, verschifft Produkte an Orte, an denen sie nicht produziert werden können. Somit wird ein Zeichen gesetzt gegen die Umweltzerstörung durch die internationale Schiffahrtsindustrie, die nie gekannte Ausmaße angenommen hat.

Dagegen nimmt sich die durch die Automobilindustrie verursachte wie die viel gerühmten Erdnüsse des Herrn Breuer aus. Der Naturschutzbund Deutschland gibt bekannt, daß ein Kreuzfahrtschiff an einem Tag so viele Luftschadstoffe verursacht wie eine Million Autos. Berechnungen für Containerschiffe, owohl nicht direkt vergleichbar, zeigen aber adäquate Verhältnisse.

Dieses nachhaltige Frachtsegeln schafft umweltfreundlich per Windkraft eine Verbindung zwischen öko-fairer Produktion und einem verantwortungsvollem Konsum. Denn die Erzeuger und Lieferanten von Timbercoast sind allesamt kleine Unternehmen, die der Umweltschonung verpflichtet sind.

Die Frachten-Törns, die Nordamerika, Mexiko, die Karibischen Inseln, Azoren, Kanaren, Kapverden, Madeira und Portugal anlaufen, dauern in der Regel zwischen 6 und 18 Monaten, bevor die AVONTUUR, derzeit noch der einzige Frachtensegler von Timbercoast, wieder in Elsfleth einläuft. Die gesegelten Waren, darunter Kaffee, Kakao, Rum, Gin, Korn, Schokolade, Honig und Salz, werden direkt im schönen Laden in Elsfleth und im Onlineshop angeboten. Dort habe ich auch die zwei Flaschen AVONTUUR Rum gekauft, die als  cargo under sail mein besonderes Augenmerk fanden. Wer im TV Bericht gesehen hat, wie die Crew an den Rum gelangt ist und mit welchen Mühen er an Bord geladen wurde, hat ein doppeltes Vergnügen an dieser Spirituose.


Die erfreuliche Zukunft: Kapitän Bockermann, der Visionär, hat im vergangenen Dezember einen ebenso realistisch visionären Investor gefunden, den deutschen Millardär Hans Georg Näder, ein besonderer Wohltäter auch auf anderen Feldern. Der passionierte Weltensegler und Besitzer der zur Zeit weltweit größten Carbon Segelyacht, die 70 Millionen Euro teure Pink Gin, plant mit Timbercoast zusammen eine Frachtensegler Flotte aufzubauen. Zwei Gleiche im Geiste haben sich zu einem Zeitpunkt getroffen, als für das AVONTUUR Abenteuer fast Matthäi am Letzten war und der Klabautermann bereits kräftig an den Masten zerrte. Welch ein Glück für diese von einer Botschaft für uns alle beseelten Idee.

Degustationsnotiz: Der ungemein elegante wie schlanke Rum lebt von seiner feinfruchtigen Frische. Dezente Vanillenoten unterlegen zart den Geschmack nach Quitten und frischen Äpfeln. Die für viele karibische Rums so typischen breiten Zuckerrohr- und Karamelnoten fehlen völlig. Dieser Rum ist schlank und sehr klar in seiner Fruchtigkeit. Er bewegt sich weitab von jedem Mainstream, demonstriert aber mit jedem Schluck überzeugend, dass wir es hier mit einer absolut erstklassigen Spirituose zu tun haben! (PH)

Der Rum stammt von der 3. Reise der AVONTUUR – die Voyage 5, so der Projektname – ist in Vorbereitung. Nachdem er 8 bis 10 Jahre in Eichenfässern auf La Palma (Kanaren) gelagert war, hat die AVONTUUR ihn zweimal auf der Route Nordamerika-Karibik und zurück gesegelt, bevor die Fässer in Elsfleth gelandet sind und auf 0,5 l Flaschen (42% Vol) abgezogen wurden. Am kommenden Freitag, 30. August 2019, werden wir die erste Flasche in der Münchner Runde öffnen, dazu den einen oder anderen Shanty singen und in Kürze über das Ergebnis berichten.

Es blieb nicht bei dieser ersten Flasche Rum: pünktlich zum Freitagsclub der Münchner Runde am 06.09.2019 ist der AVONTUUR “ Karibik Rum Junger Wilder“ eingetroffen, begleitet von einigen Tafeln AVONTUUR Schokolade, deren gesegelter Kakao aus Belize stammt.


Degustationsnotiz: Dieser karibische Rum Agricole verrät uns seine Herkunft schon eher, denn hier finden wir jene Noten von sehr reifen Bananen, holziger Vanille und Zuckerrohr, allerdings auch in einer eher untypischen, für Rum ziemlich exotischen Art und Weise: hier hat das Fassfinish (es sind für die Fahrt Zweitbelegungen von Sauternesfässern nachdem der Rum ein Jahr vor Ort in Bourbonfässern lagerte) seine Folgen viel deutlicher hinterlassen, was an dem intensiven Weissweinton zu riechen und zu schmecken ist. Das sehr junge und eminent frische Distillat mit seinen schönen Kanten (es ist ja ein Rum Agricole) wirkt wie hinter einem feinen Weissweinschleier, der mit seinen Noten fast ein bisschen an eine sehr frische und feinfruchtige Weissweingrappa erinnert und mit dem Rum eine durchaus untypische Wechselwirkung eingeht. Auch dieser Rum ist weit weg vom Mainstream, aber für sich gesehen ein ebenso eigenständiges wie eigenwilliges Spitzenprodukt. Wer eine süsse Begleitung zur Zigarre sucht, sollte ihn aber eher meiden… Einziger Kritikpunkt meinerseits: man hätte ihm vielleicht ein paar Alkoholprozente mehr lassen können (es sind 38%), um seine Kanten sogar noch ein bisschen stärker zu zeigen!? (PH)

 

 

AVONTUUR Voyages 1 und 3, so ist „unser“ Rum gesegelt.

AVONTUUR Voyage 2

AVONTUUR Voyage 4 und 5

 




Pfeifen aus Indonesien: Exotisches – zumindest aus unserer Sicht

Ein knappes Jahr ist es nun her, dass ich zum ersten Mal Pfeifen aus Indonesien gesehen habe. Das war in Singapur. David Yu hatte sie mitgebracht und Bodo damals auch hier darüber geschrieben. Nun hat uns unser Freund Dr. Mike Loh bei seinem letzten Besuch in München vor drei Wochen wiederum einige Pfeifen aus Indonesien mitgebracht, was ich zum Anlass nehmen möchte, auch etwas darüber zu schreiben, denn manches, was ich da gesehen habe, wirkt doch für unsere Pfeifentradition ungewöhnlich und fremd, manches aber ebenso vertraut wie traditionell. Interessant allemal! Was die Materialen angeht wie auch die Formen!

Das erste, was mir damals in Singapur ins Auge gestochen ist, das war die Zweiteilung auf dem Tisch mit den indonesischen Pfeifen: da waren Bruyère-Pfeifen in Shapes, wie wir sie hauptsächlich aus Nordeuropa kennen, teilweise mit gestalterischen Extremen spielend, teilweise fast dänische Klassik. Allesamt formal mit großer Sicherheit und absolut professionell gemacht. Man hatte das Gefühl, dass manche Pfeifen von Uwe Jopps Bogenbohrungen inspiriert waren, eher klein und in ihrer ästhetischen Wirkung filigran, andere Shapes wiesen Richtung Bo Nordh oder Love Geiger, sehr gut gemacht ohne allerdings eine so eindrucksvolle Maserungsqualität bieten zu können.

Und dann waren da Pfeifen aus heimischen indonesischen Hölzern, auch alle eher filigran und klein, nicht selten mit Bambusapplikationen, die atemberaubend schön und ungewöhnlich ausehen. Die haben es mir besonders angetan. Hier war die Maserungsqualität vorhanden, aber eben ganz anders als wir das gewohnt sind. Die Hölzer kennen wir bei Pfeifen eher an Applikationen ansonsten aus dem Messerbau. Ich war auch sehr neugierig, wie sich diese Hölzer hinsichtlich der Geschmacksentwicklung präsentieren.

Aus Palmholz ist die Pfeife, die ich mir damals in Singapur gekauft habe. Das Shape des Kopfes ist eine tendenziell eher flache Pfanne, die im Portfolio des Pfeifenmachers öfter zu sehen war und das sich nur im Holmansatz unterschied, was darauf hindeutet, dass der Kopf für den Pfeifenmacher im Ansatz relativ schnell zu drehen ist. Dieser Kopf ist formal gelungen, vielleicht, wenn man mehrere davon gleichzeitig sieht, ein bisschen neutral und erstmal in seiner Form wenig spektakulär. Das ändert sich aber schnell, wenn man die verschiedenen Holmansätze und die Bambusholme in Kombination sieht! Denn jetzt werden hier recht individuell unterschiedliche Pfeifen daraus, was nicht zuletzt – ausser an den unterschiedlichen Bohrungswinkeln – auch vor allem an den ungewöhnlichen Bambusapplikationen liegt, über die hier die Natur gestalterisch mitregiert.

Überhaupt ist „Natur“ ein zentrales Stichwort bei der Behandlung des Bambus‘ hier, denn die Rhizomen sind ziemlich naturbelassen, also gerade mal die Wurzelansätze abgeschliffen und grob gereinigt, nicht zurechtgebogen, nicht gebleicht und nicht einmal poliert. Somit eher das Gegenteil dessen, was man von europäischen Bambuspfeifen kennt. Nun mag man einwenden, dass dies ein Zeichen von ungenügender Sorgfalt sein könnte, mir dagegen hat gerade diese unbehandelte Natürlichkeit gefallen, da sie die artifizielle Gesamterscheinung der Pfeife „erdet“ und besonders macht. Ich sehe dieses „Stehenlassen“ der Natur als ein gestalterisches Konzept des Pfeifenmachers, das sich in sehr vielen der gesehenen Bambuspfeifen beobachten lässt.

Der Kopf ist klassisch Crossgrain geschnitten, nur dass natürlich die „Birdseyes“ und das Grain des Palmholzes in ihrer Maserung etwas anders aussehen, als wir das vom Bruyère gewohnt sind. Da ich keinerlei Ahnung habe, ob und wie dieses Holz für den Pfeifenbau vorbereitet wird, ob es ausgekocht wird etc., war ich sehr neugierig auf den Geschmack der Pfeife und auch durchaus etwas skeptisch, was sich als vollkommen unbegründet erwiesen hat. Das mag aber auch daran liegen, dass die Brennkammerbohrung mit Einrauchpaste versehen war und der Palmholz-Holmansatz gerade mal fünf bis sechs Millimeter lang ist und zur Verbindung mit dem Bambusholm vermutlich ein Edelstahlröhrchen enthält. Das heißt, der Rauch und das Kondensat kommen eigentlich kaum mit dem Palmholz in Verbindung, eher dann mit dem Bambus und das kennen wir geschmacklich ja von unseren Bambuspfeifen. Der Geschmack dieser Pfeife ist also vollkommen unspektakulär und sehr seriös. Absolut kein Grund zur Sorge.

Das sehr filgrane Ebonit-Mundstück mit einem extrem flachen und bequemen Biss sitzt mit einem recht dünnen, ausgedrehten Zapfen im Bambusholm. Da kommt man nun zu einem der „Größe“ geschuldeten Problem: die Rauchkanalbohrung des Mundstücks ist so klein im Durchmesser, dass man zwar mit dünnen Pfeifenreinigern mit Nylonkern keinerlei Problem hat, mit unseren dicken konischen Pfeifenreinigern mit ihrem Metallkern aber nur mit der dünnen Seite in den Rauchkanal kommt. Will man also während des Rauchens den Rauchkanal komplett reinigen und nicht nur im Mundstück, muss man das Mundstück abnehmen. Rauchen kann man die Pfeife vollkommen problemlos, für den Zug reicht die Bohrung aus. Für unsere Pfeifenreiniger aber ist sie nicht gemacht. Vermutlich gibt es in Indonesien andere, dünnere? Die Pfeife stammt von einem Pfeifenmacher Namens Mayung.

Bei der zweiten Pfeife, die ich hier vorstellen möchte, habe ich auf den allerersten Blick gar nicht erkannt, dass auch sie nicht aus Bruyère-Holz gemacht ist, von oben aus der Ferne sieht das Holz mit seiner rötlichen Beize und seiner Maserung einem Bruyère-Kopf recht ähnlich. Wieder waren es die Form und die Bambusapplikation, die mir als erstes ins Auge gestochen sind. Erst auf den zweiten genaueren Blick wurde ich stutzig, denn auf der Kopfunterseite gibt es eine recht dunkle Ader, die ich bei Bruyère-Holz so noch nie gesehen hatte und bei näherer Betrachtung fielen dann einige Details auf, die auch hier auf ein einheimisches indonesisches Holz hinweisen: es handelt sich um Amboina-Maserholz, das in ähnlichen Wurzelknollen wächst wie wir es vom Bruyère kennen. Der Maserungsverlauf des Amboina Maserholzes ist zwar dem Bruyère ähnlich, im Detail aber weit weniger regelmäßig und erinnert diesbezüglich eher an das Maserholz des Erdbeerbaumes, der botanisch allerdings zur selben Familie gehört wie Erica arborea, also eng mit unserem Bruyère Holz verwandt ist. Was das Amboina-Holz aber deutlich unterscheidet, das ist – neben dem Grain und den Birdseyes, wie wir es beim Bruyère ja kennen – eine feine, recht dunkle Binnenmaserung entlang der Jahresringe, die zwar recht unregelmäßig auftritt, aber bei genauem Hinsehen doch fast überall zu sehen ist.

Mich würde in diesem Fall auch sehr interessieren, wie sich das Holz verhält, wenn man es sandstrahlt, genauer ob diese feine Binnenmaserung Auswirkungen auf das Relief der Jahresringe hat? Mal sehen, vielleicht gelingt es mir ja, mal einen Block aufzutreiben?

Formal und auch konstruktiv ist diese Pfeife, wenn man vom Einsatz einer Bambusapplikation als Gemeinsamkeit mal absieht, eigentlich das Gegenteil der oben vorgestellten Palmholzpfeife. Der Kopf ist nicht gedreht sondern frei gemacht und bewegt sich formal zwischen einem Disc-Fish (Shape) und einem mimetischen (Kugel-?) Fisch.

Der japanische Einfluss auf die Kopfform ist offensichtlich. Besonders sind die Asymmetrie des Shapes, der verwendete Bambus und die Tatsache, dass auf einen Holmansatz gänzlich verzichtet ist und der gesamte Holm aus Bambus besteht. Wenn ich das richtig sehe, dann ist der Bambus hier kein gewöhnliches Rhizom, wie es sonst so verwendet wird, sondern das Übergangsstück zwischen unterirdischem Rhizom und überirdischem Bambusrohr. Jedenfalls ist der größte Teil dieses Bambusholms innen hohl. Der Übergang zum Kopf ist in Form zweier „Spacer“ gestaltet, ein erster aus Ebonit, ein zweiter aus Bambus, der vermutlich den verbindenden Zapfen bildet. Der Abschluss des Bambusholms ist wiederum eine sehr schön und sauber gearbeitete Amboina Maserholz Applikation, die den Mundstückszapfen aufnimmt.

Das heißt, dass wir bei diesem Holm – naturbedingt – einen Reverse-Calabash Effekt haben, der beim Rauchen ganz vorzüglich funktioniert, aber einen, hier konstruktiv bedingten, Nachteil hat, denn der Pfeifenreiniger kann aufgrund des „gebogenen“ Reverse Calabash Effektes und der drei verschiedenen Bohrachsen nicht in den Rauchkanal zur Brennkammer geführt werden. Das ist keine Schlamperei, sondern das geht hier technisch nicht. Nur ist das Abnehmen des Mundstücks während des Rauchens wegen des Reversed Calabash Effektes hier natürlich überhaupt kein Problem. Die Pfeife lässt sich wunderbar rauchen (und auch problemlos reinigen), das Holz tritt geschmacklich nicht – wie etwa Olivenholz am Anfang – in den Vordergrund und durch den Reversed Calabash ist der Rauch ausserordentlich kühl! Am meisten hat mich die extrem aufwändige Konstruktion der Pfeife überrascht, vor allem, wenn man bedenkt, das die verschiedenen Bohrachsen nicht nur vertikal verschoben sind, sondern sie sind am Übergang von Kopf und Bambusholm, der extremen Asymmetrie geschuldet, auch seitlich versetzt. Gestempelt bzw. gelasert ist die Pfeife mit „LSK Indonesia“. Mehr weiss ich nicht, nur finde ich im Netz mit dieser Angabe keinen Pfeifenmacher. Vielleicht kann Mike hier weiterhelfen?

Die dritte Pfeife, die ich hier vorstelle, und die einzige, die nicht meine ist, stammt vom selben Pfeifenmacher wie unschwer am Stempel zu sehen ist. Auch sie ist aus Amboina Maserholz gemacht, nur in der Färbung walnussfarben und hat eine Applikation aus Mammutknochen, die wiederum mit einem Spacer abgesetzt ist. Im Gegensatz zu meinen beiden Bambus-Pfeifen ist diese Pfeife formal viel weniger exotisch, in ihr zeigt sich, wie gut der Pfeifenmacher auch klassische dänische Formen beherrscht. Das besondere an dieser Pfeife ist neben dem exotischen Holz die Gestaltung des Holmes, der so tailliert ist, dass er an der Ober- wie Unterseite jeweils eine feine aber sehr wenig akzentuierte Kante bildet. Durch die schrägen Auflageflächen am Holm liegt die Pfeife sehr schön in der Hand. Betrachtet man die Maserung des Holzes, fällt sofort auf, wie wild und unregelmäßig das Holz ist. Vor allem im Vergleich zu meiner Amboina Pfeife, die zwar auch ein paar wildere Zonen hat, alles in allem aber auch über verhältnismäßig dichte Maserung verfügt.

Nun kenne ich das Holz nicht und weiß daher nicht, ob es sich hier nur um ein innereres Holz handelt im Vergleich zum Holz meiner Pfeife oder ob das Holz generell so vergleichsweise wild gemasert ist. Man kann sich aber natürlich fragen, ob hier bei der Wahl der Oberflächengestaltung nicht der weitgehende Verzicht auf Kontrast (so wie bei meiner Pfeife) die glücklichere Wahl gewesen wäre? Ich würde denken, dass ein uniform dunklerer Kopf die schöne ruhige und sehr souveräne Form der Pfeife viel besser zum Ausdruck gebracht hätte und vor allem auch durch den dann extremeren Kontrast zur Applikation diese noch besser zur Geltung gebracht hätte. Aber vielleicht sind hier auch die ästhetischen Konzepte zu unterschiedlich und für uns nicht so einfach nachvollziehbar? Denn man kann ja unschwer sehen, dass der Pfeifenmacher bei seinen Pfeifen sehr genau weiss, was er macht, und alles andere als ein unsicherer Anfänger ist! Beeindruckend finde ich diese Pfeifen allemal, vor allem vor dem Hintergrund, dass es in Indonesien keine viele jahrzehntelange Pfeifenmachertradition gibt wie in Europa.

 

Nachtrag:

Da will ich das kleine, schön gemachte Ledersäckchen, das oben mal abgebildet ist und in das ich immer nur die Pfeife gesteckt habe, leer zu anderen Säckchen legen und denke mir: da ist doch noch irgendwas drin! Und in der Tat finde ich ein kleines Stückchen Karton, das quasi die außerordentlich liebevoll gestaltete Visitenkarte des Pfeifenmachers ist und das neben seinem Namen Lie Sek Kian auf der Rückseite auch ein Bild mit Pfeifen bietet, auf dem auch unsere beiden zu sehen sind. Sieht sehr stimmungsvoll aus, wie ich finde, gerade so als käme das Säckchen direkt aus den Tropen. Na ja, stimmt ja auch. Damit wäre auch die Urheberschaft geklärt.

 




Tabak und geflügelte Worte: Penzance neu verpackt ?

In der vom Bertelsmann Buchclub geprägten 1960er Viertelwissen Gesellschaft, vielfach immer noch als Bildungsbürgertum bezeichnet, fand man in (fast) jeder Familie Büchmanns Sammlung der geflügelten Worte. Immerhin aus dem 19. Jahrhundert stammend – die erste Ausgabe gab es 1864 – gilt es weiterhin als ein Standardwerk für zitatenwütige Menschen. Jetzt habe ich wieder einmal darin geblättert, um die Tabak-Odyssee der letzten Monate zu verarbeiten, die anders als die homerische für mich völlig unbefriedigend geendet hat. Und der heutige Schlußpunkt wurde durch den iconischen Penzance gesetzt.

Die Situation ist hinreichend bekannt: ein Tabak, der jahrelang zu unseren Favoriten gehörte, der etwas Besonderes war, wird plötzlich nicht mehr hergestellt. Oder schlimmer noch, einst verschwunden, wieder als 100 % ig dem Original entsprechend auf den Markt geworfen. Die Pfeifenkommunen, darunter natürlich auch wir mit unserem Pfeifenblog.de, überschlagen sich mit der Bekanntgabe der Rauchergebnisse, in denen sich alle Einschätzungen und Erkenntnisse wiederfinden, die unser Sprachschatz so abgibt: exakt wie das Original, besser oder schlechter als das Original, kein Vergleich mit dem Original, gänzlich anderer Tabak, zu teuer oder zu billig, wird nicht mehr gebraucht, es gibt doch längst den Ostbahn-Schräg geflakten Machorka Curly, der um Längen besser ist/schmeckt und außerdem in den heute so geschmähten und raren Plastiktüten verpackt ist. Habe ich einmal als abschreckendes Beispiel hier erlebt.

Was bin ich trotz mich vermeintlich im Besitz höherer Weihen der Tobaccologie wähnend auf die blödsinnigsten und vermutlich ungeprüften Empfehlungen von Tabakspezialisten und zahlreichen Hausmarken-Fachhändlern hereingefallen. Habe Zeit, Geld und textlichen Aufwand betrieben, um letzlich diesen ganzen Schmarrn hinzuschmeißen und aufzugeben. Und sitze wieder klargeistig, entspannt bei meinem Balkan, den Spezialisten Full Virginia Flake, Epikur und Fayyum Kake, gönne mir ab und zu einen Penzance oder Sobranie 759, auch ein Marlin oder Orlik Golden Sliced mischt sich mit dem Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) darunter und bin …… rundum zufrieden.

Denn diese Mischungs-Verführer haben ab sofort keine Macht mehr über mich, müssen an mir vorbei laborieren oder, um im derzeitig angesagtem Duktus zu reden “ können mich jetzt aber mal so was von …. im Mondschein begegnen“, als da u.a. wären:

Hausmischung Bonner Koepp – Night Cap
Gerd Jansen Hausmischung 45 – My Own Blend 800 Ö
Gerd Jansen Bengal Slices – Bengal Slices –
Balkan Sobranie Mischung oder 759 – gefühlt eintausend verschiedene Anbieter, nur einer hats getroffen
Peter Heinrichs Strang – Escudo/ Navy Rolls als Plug, sieht so aus, ist es aber nicht
Robert McConnell Heritage – alle Tabake versprechen eine Nähe zu Dunhill – Pustekuchen!


Dies ist nur ein kleine Auswahl, die ich mir in jüngster Zeit „gegönnt“ habe. Den Vogel abgeschossen aber hat vor zwei Tagen ein Tabak, dessen Original Legende ist und das zu meiner Tabak DNA gehört: der 1820 Flake von JF Germains, der in vielen Foren und Blogs als der Penzance in anderer Verpackung, da vom gleichen Hersteller, gepriesen wird. Erhältlich nur in den USA und in Brexit UK. Letztere aber liefern nicht mehr ins Ausland, zumindest nicht ins europäische. Also habe ich mein Netzwerk ins Spiel gebracht. Ein englischer Freund, seit Geburt Nichtraucher, wurde gebeten, den 1820 Flake online an seine UK Adresse zu bestellen und einer weiteren Freundin zu übergeben, die einen Termin in Frankfurt/M wahrnehmen mußte. Sodann habe ich einen Münchner Bekannten aufgetan, der just an diesem Tag ebenfalls in Frankfurt zu tun hatte, brachte beide zusammen und vorgestern wurden mir zwei Pouches (!) in München ausgehändigt. Zu diesem Zeitpunkt war mir der horrende Preis von 38€ für 100g noch wurscht.

aus Online Shops in den USA & UK- Meinungsvielfalt !




Der erste Dämpfer war die Verpackung: ein grünschwarzer Gawith & Hoggarth Pouch mit einem simplen Eitkett „JF Germains 1820 Flake 50g. Aha, da hat der Online Shop wohl selbst von einer größeren Liefermenge „abgefüllt und umverpackt“, natürlich entspricht das nicht der Abbildung auf der Shopseite. Und auch keineswegs dem Schnitt des Penzance, der in einer 50g Rechteckdose mit aufrechtstehenden Krumble Kake Scheiben verkauft wurde. Alles zu verschmerzen, wenn sich denn der Penzance in den Pouches befunden hätte. Was der sofortige Geruchstest ergab und was sich am nächsten Tag durch einen Direktvergleich mit dem Original bestätigte: alles, nur kein Penzance. Tabakbild, Farbe, Geruch und selbstredend der Geschmack gänzlich anders. qed, denn ich war nicht allein. Der Zeuge mag sich äußern, so er denn hier liest.

Nun kann man diesen Tabak gut rauchen, ein kräftiger, ehrlicher Latakia/Orient, aber keine Spur von Flake oder Kake, vielleicht ist er als „selbstzerbröselnd“ konzipiert. Glaube ich zwar nicht, denn auf so eine Idee kommt in dem paralysierten Vereinigten Königreich derzeit, außer vielleicht Banksy, wohl niemand, da läuft ja eher alles auf Selbstzerstörung hinaus.  Aber wenn ich pochierte Jacobsmuscheln bestelle, möchte ich nicht frische Austern serviert bekommen, obwohl mir diese auch vorzüglich munden. Oder so: eine Currywurst Schranke darf nicht ungefragt durch einen Schaschlikspiess ersetzt werden.

Zurück zu Büchmann:

den Tag nicht vor dem Abend loben, nicht in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah, den Krieg um Troja nicht mit dem Zwillingsei beginnen, des Treibens müde sein, den Schein nicht die Wirklichkeit erreichen lassen, das Wenige nicht leicht aus den Augen verlieren und das Früher alles besser war, fand ich treffend für meine Suche nach dem unwiederbringlich Vergangenem. Die Suche ist jetzt eingestellt. Sie war ein vollständiger Mißerfolg. Dabei mache ich den Anbietern keinen Vorwurf, sie wissen es einfach nicht besser.

Ähem: die Suche ist eingestellt? Und was ist jetzt mit den neuen Dunhill Tabaken, die uns STG in Kürze auf den Tisch legt? Die, die einigen aus der K&K Heritage Reihe den Garaus machen werden? Aber selbstverständlich – kaufen, rauchen, beschreiben, bewerten ……. wozu sind wir Blogger?

&


UPDATE 28. September 2019 : die Rolls & der Flake sind endlich zurück und verfügbar !


nbsp;




Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Piccadilly Circus heißt also die neue „London Mixture“ in der Robert McConnell Heritage Reihe! Und so wird dieser Artikel nicht nur eine Beschreibung des neuen Tabaks beinhalten, man muss sich eigentlich auch ein paar Gedanken zum Werdegang der London Mixture machen, um dem Thema gerecht zu werden. London > City of London > Piccadilly Circus > ? Wir dürfen gespannt sein, wohin die Namensgebung eines großen Tabaks uns in Zukunft noch lokal hinschrumpft, sollte es nochmals einen Produktionswechsel geben, von denen die gute alte London Mixture schon einige hinter sich hat. Andererseits ist es nur allzu logisch, einen Namen zu wählen, den man sofort mit London assoziiert. Also „Piccadilly Circus“ nachdem der „City of London“ zu nah am Original angelehnt war und umgehend umbenannt wurde.

Alfred Dunhill „About Smoke“ Catalogue 1923 London Mixture

Der Referenztabak für Kohlhase & Kopps McConnell Heritage Piccadilly Circus war die STG Version von Dunhills „London Mixture“. Die London Mixture, ein Allzeit-Klassiker seit etwa 110 Jahren, war ein Tabak, der uns in vier verschiedenen Versionen vorliegt: dem „Original“ von Dunhill, produziert in England bis 1981, eine sehr seltene deutsche Lizenzproduktion von Van Eicken, über die man hier einen sehr schönen und klugen Artikel lesen kann, die uns in unserem Zusammenhang aber nicht weiter interessiert, die Version, die von Murray’s in Nordirland produziert wurde und schließlich die letzte Version, die von STG produziert wurde und im Jahr 2018 vom Markt verschwand.

Als „delightfully harmonious blend of Matured Virginia and Oriental Tobaccos. Soft and mellow, cool and fragrant“ wurde die London Mixture in Dunhills „About Smoke“ von 1923 angepriesen. In der Tat war die London Mixture im damaligen Tabak-Portfolio Dunhills eher rund, mild und ausgewogen im Vergleich zum „My Mixture 965“ oder dem „Durbar“, der ein größerer Bruder der London Mixture war, etwas akzentuierter mit einem höheren Latakia-Anteil. Das perfekte Wechselspiel zwischen den Virginias, den Orientals und dem Latakia zeichnete alle Versionen der London Mixture aus, obwohl sich diese Versionen stilistisch durchaus voneinander unterschieden haben. Allen war gemeinsam, dass die London Mixture immer ein perfekter Alldays Tabak war, sehr rund und trotzdem nicht langweilig. Unter den weniger extrovertierten Mixtures von Dunhill war sie immer mein Lieblingstabak und eine der Dunhill Mixtures, von denen ich, abgesehen von der deutschen Lizenzproduktion, alle Versionen geraucht habe. Und ich habe sie alle mit Genuss geraucht, auch die STG Version!

London Mixture und Derivate 1981 – 2019

Was nun interessiert, ist die Frage, wie der Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus im Vergleich zum Vorbild abschneidet? Antwort: Gut, aber mit einigen Unterschieden, die wir gleich sehen können, wenn wir das Tabakbild des Piccadilly Circus mit dem der STG London Mixture vergleichen! Die London Mixture wartet hier mit einem gleichmäßigeren dunkelbraunen Bild mit nur wenigen helleren Highlights auf, während der Piccadilly Circus zwar im Endeffekt auch eher dunkelbraun daherkommt, aber nicht nur etwas heller als die London Mixture wirkt sondern auch viel kontrastreicher mit schwarzen und hellbraunen Höhen und deutlich sichtbarem grünlichem Oriental. Geschmacklich zeigen sich beide Tabake anfangs trotz der optischen Unterschiede erstaunlich ähnlich: Es sind die Virginias, die hier eine sehr solide Grundlage bilden und mit ihrer malzigen Süsse gepaart mit genügend Kraft den sofort wahrnehmbaren Latakia ausbalancieren. Die ätherischen Orientals verweben diese beiden geschmacklichen Pole sanft zu einem dezent farbigen Vorhang, bei dem das Grün und das Gelb, wie wir es von einer Herbstwiese her kennen, im Vordergrund stehen. Nichts drängt sich in den Vordergrund: weder die Rauchigkeit des Latakias, noch die geschmackliche Breite der Virginias noch die feine süssliche Heuigkeit der Orientals. Alles wirkt rund und harmonisch in sich geschlossen. Zumindest vom Entzünden der Füllung bis etwa zum Ende des ersten Drittels.

Piccadilly Circus mit einer 1930/40er Comoy’s Grand Slam Patent, Shape 158 Small Apple

Dann entwickeln sich die beiden Tabake etwas unterschiedlich, allerdings in Nuancen um das gleich vorweg deutlich zu machen! Und zwar so, wie es der optische Eindruck der beiden Tabakbilder bereits vermuten ließ. Der Piccadilly Circus schlägt sich jetzt auf die blumigere, leichtere Seite. Die Orientals wirken frischer, unsere Herbstwiese hat noch nicht ganz soviel Sonne und Trockenheit abbekommen, weshalb die grünen Gräser noch die Oberhand behalten und im Duft die Kräutrigkeit noch wesentlich präsenter ist. Auch die Virginias scheinen mit ihrer Süsse letztlich etwas schmalbrüstiger auszufallen als Anfangs gedacht. Der Geschackseindruck ist sehr harmonisch, die Rauchigkeit des Latakias wirkt grüner eingefangen.

STG London Mixture mit Pre-WWII Dunhill Shell Briar Shape 36 Liverpool

Im kleinen Gegensatz zum Piccadilly Circus entwickelt sich die STG London Mixture etwas anders: sie wirkt geringfügig stärker und kräftiger, legt zum Ende hin etwas mehr zu als der Piccadilly Circus, allerdings nicht unbedingt was ihre Stärke angeht, der Eindruck ist eher dem etwas anderen Stil geschuldet, denn wo sich der Piccadilly Circus geschmacklich frischer und grüner entwickelt, da herrscht bei der London Mixture der Spätherbst mit seiner veränderten Aromatik! Dunkler, trockener, mit dem Duft von nassem Laub und Erde. Die Süsse des Tabaks wirkt schwerer und breiter, seine Rauchigkeit, wenngleich auch hier perfekt eingebunden, lastet harmonisch über der Frische. Blickt der Herbst des Piccadilly Circus noch auf den Spätsommer, so weist uns die London Mixture den Blick auf den Frühnebel, den ersten Schnee und das Wärmende eines Kaminfeuers. Aber wie schon weiter oben gesagt: es handelt sich hier um Nuancen, um die sich die beiden Tabake während der letzten beiden Drittel einer Füllung unterschiedlich entwickeln! In der Quintessenz ist der Piccadilly Circus als Nachempfindung der STG London Mixture ausgezeichnet gelungen und die beiden Tabake zeigen doch sehr ähnliche Charakterzüge, zumindest so ähnlich, dass man den Robert McConnell Piccadilly Circus problemlos als Nachfolger der STG Dunhill London Mixture rauchen kann!

Interessant wird es allerdings, wenn wir den Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus und die STG Version der London Mixture in ihren unterschiedlichen Nuancen mit den beiden vorhergehenden Versionen der Dunhill London Mixture vergleichen, also der Murray’s Version nach 1981 und der originalen Dunhill Version von vor 1981! Nicht dass jetzt falsche Hoffnungen geweckt werden: keine der beiden Vorgängerversionen wird in irgendeiner Weise von der STG London Mixture oder dem Piccadilly Circus im Sinne einer möglichst nahen Kopie erreicht. Etwas, was allerdings auch die Murray’s Version im Vergleich zum Dunhill’schen Original überhaupt nicht geschafft hat! Das darf man ja nicht vergessen bei all den Fragen um die Authenzität der jeweiligen Neuauflagen und Produktionsverlagerungen. Viel sinnvoller scheint es mir, die Tabake für sich zu begreifen und Überschneidungen und Unterschiede deutlich zu machen.

Und bei diesen oben genannten etwas unterschiedlich verlaufenden letzten beiden Dritteln der STG Dunhill Mixture und des Piccadilly Circus nähern sich diese beiden Tabake dann doch auf ihre Art den Vorläuferversionen an: die STG London Mixture lässt mit ihrem dunkleren, kräftigeren und erdigeren Finish die Murray’s Version zumindest als ein Schatten nochmal durchblitzen – es war ja auch diese Version, welche durch die STG London Mixture ersetzt wurde. Aber wie gesagt „als Schatten“, denn von der erdigen Kraft der Murray’s Version ist die STG London Mixture sehr weit weg. Beim Piccadilly Circus dagegen ist es die leichtfüßigere Eleganz, die einen – wenn auch sehr sehr weiten – Blick auf das Dunhill Original wirft. Um einem Vergleich mit der Original Dunhill Mixture aber überhaupt standhalten zu können, ist der Piccadilly Circus viel zu schmalbrüstig. So ein Vergleich verbietet sich! Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass wir dann sehr alte Tabake mit sehr jungen vergleichen müssten. Nur bleibt uns keine andere Wahl, als genau das zu tun, wenn wir wissen wollen, worin sich ein bestimmter Stil eines Tabaks zeigt.

Es war Anfang 2007 als ein amerikanischer Bekannter von mir geschäftlich in München war und ich ihn bat, mir ein paar Dosen des gerade neu erschienenen Westminster von Greg Pease mitzubringen. Der war explizit von Pease als eine Nachempfindung der originalen Dunhill London Mixture kreiert worden. Zu meiner großen Freude und Überraschung brachte jener Bekannte damals nicht nur den georderten Westminster mit, sondern auch eine Dose der originalen Dunhill London Mixture. Einem direkten Vergleich stand nichts mehr im Wege und ich öffnete auch noch eine Dose Murray’s Dunhill London Mixture, die auch schon vom Markt verschwunden war, damit wir alle Versionen am selben Nachmittag gegeneinander rauchen konnten. Die STG Version der London Mixture gab es damals noch nicht.

Wir begannen mit der Dunhill Version, die ein mittelkräftiger, geschmacklich voller Tabak von unfassbarer Eleganz war: natürlich waren die rauchigen Primäraromen des Latakias altersbedingt fast vollkommen in das komplexe Geschmacksbild eingebunden, was eine frische Latakia-Mischung bei einem nennenswerten Latakia Anteil so gar nicht leisten kann, aber das Fantastische an diesem Tabak war, wie sich die Orientals in den Vordergrund gespielt haben und mit ihrer blumigen Art die durchaus vollen Virginias mühelos in Schach gehalten haben. Der Latakia lieferte nur einen dezent rauchigen und doch ätherischen Schleier.

Und just diese Raffinesse des Tabaks, dieses Wechselspiel von Orientals und Virginia, die geschmacklich sehr akzentuiert auftreten ohne in irgendeiner Weise schwer oder stark zu wirken, die hat Pease mit seinem Westminster perfekt erwischt, allerdings mit einem Latakiaanteil, der sich notgedrungen frisch viel prägnanter präsentiert als in einem sehr gereiften alten Tabak! Wir waren uns sicher, dass der Westminster sich da bewegt, wo die Original Dunhill Mixture frisch gewesen ist. Im Gegensatz dazu war die Murray’s Version mit ihrer erdigen Kraft so reizvoll wie ein gealterter Catcher. Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich rauche auch die Murray’s Version gerne, nur liegen deren Qualitäten in einer kraftvollen Direktheit. Im Vergleich wirkt sie schwerfällig, fast plump und sehr weit weg von der Raffinesse des Originals.

Also: wenn jemand den Versuch wagen will und sich auf die Spuren der Original Dunhill London Mixture begeben möchte, so sei ihm der Westminster von Greg Pease wärmstens ans Herz gelegt! Will man aber die Mühen einer Tabakbestellung in den USA meiden und nur zum nächsten Tabakladen gehen und einen Tabak, der in diese Richtung geht, kaufen, dann hat man mit dem Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus einen ebenso soliden wie brauchbaren Vertreter zur Verfügung!




Dr. John † | Hymnen aus New Orleans

Dr. John alias Malcolm „Mac“ John Rebennack Jr., Beiname „The Night Tripper, geboren 1941 in New Orleans, ist überraschend vorgestern 77 jährig einem Herzinfarkt erlegen. Kaum ein Musiker der neuzeitlichen populären Musik hat die Mississippi Schwüle, das kreolische Erbe und den speziellen musikalischen Lebenstil zwischen Voodoo, Psychodelic, R & B, Blues und Rock, typisch für den Süden der USA und speziell New Orleans, so treffend wiedergegeben. Stets atmospärische Musik, vielfach schräg, vielfach Voodoo und Gumbo ….

Er hat lange nicht veröffentlich – zuletzt 2014 Ske-Dat-De-Dat – The Spirit of Satch, eine vielseitige Reminiszenz an einen anderen großen Sohn der Stadt, Louis Armstrong,  aber das Repertoire der Veröffentlichungen ist umfangreich, ich besitze über 20 seiner Alben, es gibt aber noch weit mehr. Für Dr.John Einsteiger seien die zwei Alben  Dr. John Plays Mac Rebenack Vol 1 und 2  empfohlen →

 

Ich stelle hier vor die CD N’Awlinz Dis, Dat, or D’Udda ( lautsprachig für: New Orleans, dies, das und anderes) aus dem Jahre 2004, relaxed, laid back oder was für Attribute gewöhnlich damit verbunden werden, aber so klingt es tatsächlich. Bitte achten Sie auf die Titel „When the Saints….“ und lassen Sie sich von einer wieder einmal unglaublichen Mavis Staples vereinnahmen. Ja, es ist heiß, es ist schwül in New Orleans, es riecht nach Absinth und Gumbo und all das werden Sie aus Ihren Lautsprechern hören, verspüren.

Sie sollten einen guten Drink zur Unterstützung wählen, einen, der die spezielle Stimmung Dr. John`s Musik fördert, zum Beispiel den Boulevardier, hier treffend beschrieben. Und meine Favoriten Escudo/Navy Rolls oder der satte Epikur tun ein weiteres, um ein wenig kreolisch zu fühlen. Und vielleicht lesen Sie dazu den detailreichen Nachruf aus der Süddeutschen Zeitung.

Dr. John war stets ein Vermittler zwischen Blues, Jazz, Latin, Mardi Gras, kreolischen und psychodelischen Einflüssen, vielfach überlagert von Voodoo Kult Stimmungen. Mit ihm spielten “ Gott und die Welt“ und auf diesem Album u.a.  B.B. King, Willie Nelson, Mavis Staples und Cyril Neville, sehen Sie weiter unten die Liste der Lieder dieses Albums, ich habe die beteiligten Musiker aufgeführt. Und wer nicht sogleich vom ersten Stück Quatre Parishe wegbeamt, muß zu Helene Fischer oder auf das Boot mit Florian wechseln.

Quatre Parishe
When the Saints Go Marching In feat. Mavis Staples
Lay My Burden Down feat. Mavis Staples
Marie Laveau feat. Cyril Neville
Dear Old Southland feat. Nicholas Payton
Dis, Dat or d’Udda
Chickee le Pas feat. Cyril Neville, Mardi Gras Indians
The Monkey feat. Eddie Bo, Mavis Staples
I Ate Up the Apple Tree feat. Randy Newman
You Ain’t Such a Much feat. Snooks Eaglin, Willie Nelson
Hen Layin‘ Rooster feat. Clarence „Gatemouth“ Brown, B.B. King
Stakalee
Eh Las Bas
St. James Infirmary feat. Eddie Bo
Time Marches On feat. Willie Nelson , B.B.King
I’m Goin‘ Home feat. Cyril Neville





Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Denke ich an Covent Garden, dann denke ich nicht an Tabak. Unter all meinen Leidenschaften, derer es wirklich viele gibt, ist die Oper die größte. Die einzige, von der ich vielleicht ein bisschen was verstehe. Und deshalb ist es das Royal Opera House Covent Garden, woran ich bei diesem Namen denke. Nicht nur an viele lang vergangene legendäre Aufführungen, die uns dokumentiert sind, sondern auch an einen lieben Bekannten, einen Schotten, der in London lebt und der diese Opernleidenschaft teilt. Mit ihm saß ich vor vielen Jahren mal nach einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper in einem Wirtshaus und wir unterhielten uns beim Bier über Sängerinnen. Der Name einer damals zumindest stimmlich eher unerfreulichen Sopranistin fiel und er antwortete vollendet british: „Ich habe sie vor ein paar Jahren im Royal Opera House gehört. Es war einer dieser seltenen und denkwürdigen Momente, wo Debut und Abschiedsvorstellung auf denselben Abend fielen.“

Aber wie komme ich jetzt zum Tabak? Von gleichzeitigem Debut und Abschiedsvorstellung kann hier keine Rede sein, schon allein, weil ich vor diesem Review eine ganze Dose von Robert McConnells Covent Garden geraucht habe und das ist auch beim besten Willen nicht an einem Abend zu schaffen.

Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, bei diesem Tabak und seiner Qualität, die Dose nach der ersten Füllung zu entsorgen oder zu hoffen, dass sich irgendwer anderes daran erfreut. Man kann den Covent Garden, sofern man englische Mischungen mag, problemlos und durchaus auch mit Genuss rauchen. Das ist ein sehr solider Tabak. Und das ist ja schon mal was. Allerdings hat dieser Tabak eine Vorgeschichte und damit kommen wir dann doch zu einem Problem und vielleicht sogar zur erwähnten Abschiedsvorstellung. Aber der Reihe nach:

Der Covent Garden ist eine mittel-kräftige englische Mischung aus einer anständigen Portion Latakia, die recht gut mit Orient, Virginia und Perique balanciert ist. Das Tabakbild ist eher dunkel, aus der geöffneten Dose riecht er verführerisch rauchig ohne fordernd zu wirken. Er schmeckt rauchig mit ein paar recht dezenten Trockenfruchtnoten durch den Perique und das ganze auf einem schönen Teppich aus Orientals und Virginia. Das, was diesem Tabak fehlt, ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Ein solcher Tabak könnte auch als kräftigere englische Hausmischung in einem Händlersortiment stehen. Einem Anfänger würde man sie vermutlich dort nicht empfehlen, obwohl der Covent Garden durchaus als Einstieg in die vollere englische Richtung auch für den Anfänger gut geeignet wäre, weil ihm große Kanten oder gar eine größere Keule, die er auspacken könnte, völlig fehlen.

Der Hersteller Kohlhase & Kopp hat den Covent Garden vorher kurzfristig unter dem Namen „Night Club“ auf den Markt gebracht und jetzt sind wir bei der Vorgeschichte: Der Night Club und damit auch der Covent Garden ist als Ersatz für die eingestellten Dunhill Tabake aus der STG Produktion gedacht gewesen. Der Dunhill Tabak, dem der Covent Garden (Night Club) nachempfunden wurde, ist die STG Version von Dunhills Night Cap. Diese Nachbildung ist, bis auf ein paar Nuancen, bei denen der Covent Garden meiner Meinung nach sogar besser abschneidet, weil er akzentuierter wirkt, recht gut gelungen. Allerdings kommen wir hier zu einem schier grotesken Sündenfall, an dem Kohlhase und Kopp erstmal vollkommen unschuldig ist.

Der Dunhill Night Cap, ob aus der originalen Dunhill Produktion (also vor 1981) oder der Murray’s Produktion, war ein Monument an Tabak! Ein fast endloses Geschmacksvolumen im Wechsel zwischen Latakia und Perique, kraftvoll und auch durchaus stark! Auch stark polarisierend, aber für diejenigen, denen der Night Cap zuviel war, gab es im Dunhill Portfolio ja reichlich Alternativen! Und just dieses beeindruckende Monument Night Cap wurde beim Produktionswechsel von Murray’s zu STG zu einer schier lächerlichen Karikatur geschrumpft! Alles, was den alten Night Cap ausgezeichnet hat, wurde bis zur Unkenntlichkeit glattgebürstet. Mehrheitstaugliche Beliebigkeit war das Resultat – und just dem ist der Covent Garden nachempfunden! Und dabei schneidet er sogar geringfügig besser ab als die STG Version des Night Caps!

Aber warum Kohlhase & Kopp bei dieser großen Fülle „neuer“ Tabake, die man da unter der McConnell Heritage Reihe auf einmal auf den Markt geworfen hat und die in dieser Fülle ja auch erstmal verkauft werden müssen, die Gelegenheit ausgelassen hat, diesen STG Sündenfall rückgängig zu machen und sich beim Covent Garden (Night Club) am Dunhill Original oder der Murray’s Version zu orientieren, das verstehe ich nicht. Nicht nur, dass man den eingefleischten Dunhill Fans ein Monument zumindest ansatzweise hätte zurückgeben können, es wäre auch ein Marketing Coup für die ganze Serie geworden, wenn man auf das „Original“ zurückgegriffen hätte. Was wir jetzt letztlich haben, ist dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Das ist in meinen Augen kein Gewinn.