Cornell & Diehl | Black Frigate

Er zählt angeblich zu den beliebtesten Tabaken von Cornell & Diehl, ist in Europa, glaube ich, nur bei unseren Nachbarn in der Schweiz erhältlich und taucht in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande kaum auf. Das ist ebenso schade wie unerklärlich, denn der Black Frigate ist ein ziemlich eindrucksvoller Tabak, der auf der einen Seite ein bisschen zwischen den Stühlen sitzt, obwohl er andererseits den Platz im Lehnsessel verdient hätte. Zeit, mal einen Blick darauf zu richten!

Cornell & Diehl Black FrigateAm besten beginne ich mit einem Vergleich zu einem Tabak, der vorbehaltlich brexitärer Entwicklungen, auch bei uns erhältlich ist, nämlich zu Samuel Gawith’s Navy Flake, einem Tabak, der eine ähnliche Intention wie der Black Frigate hat, geschmacklich und stilistisch durchaus vergleichbar ist, auch wenn die Zusammensetzung der vorhandenen Tabake sich bei beiden etwas unterscheidet. Wichtiger ist, was die Tabake verbindet und das ist bei beiden die Kombination einer Rum-Aromatisierung mit Latakia!

Cornell & Diehl Black FrigateUnd da wären wir schon bei „zwischen den Stühlen“ angekommen, da eingeschworene Latakia-Raucher im Regelfall froh sind, wenn ihre rauchigen Lieblingstabake nicht durch irgendeine Form von Aromatisierung im Geschmack beeinträchtigt werden. Das passiert beim Black Frigate allerdings in sehr überschaubarem Maße und passt darüber hinaus ganz vorzüglich zum Geschmacksbild des Tabaks. Die Aromatisierung hier ist definitiv keine, vor der man Bedenken haben müsste, zumal der Rum, den man beim Black Frigate ganz leicht im Hintergund schmeckt, keine dieser plumpen vordergründig fruchtigen Zuckerbomben ist sondern stilistisch eher einem Rhum Agricole entspricht: Raucherclub statt Mädelsabend!

Im direkten Vergleich zum Navy Flake von Samuel Gawith würde ich die Aromatisierung beim Black Frigate als deutlicher wahrnehmbar einschätzen, allerdings sind dabei einerseits die Chargenschwankungen bei Gawith zu berücksichtigen und andererseits der Charakter der Tabakbasis: Während beim Navy Flake nur ein relativ dezenter Latakiaanteil zu Buche schlägt, haben wir es beim Black Frigate mit einem signifikanten Latakiaanteil zu tun. Cornell & Diehl Black FrigateUnd dieser höhere Latakiaanteil kann natürlich auch eine etwas intensivere Aromatisierung recht problemlos ausbalancieren! Das heißt jetzt nicht, daß wir es beim Black Frigate mit einer Latakiabombe zu tun haben, aber die Entermesser auf der schwarzen Fregatte sind schon deutlich länger als bei der gesitteten Royal Navy und für die richtigen Mordwerkzeuge hat Cornell & Diehl ja immer noch den Pirate Kake im Programm…

Cornell & Diehl Black FrigateWährend beim Navy Flake das, was Samuel Gawith am besten kann, nämlich ein Virginia-Flake mit Latakia die Grundlage bildet, sind es beim Black Frigate Navy Cavendish, also dunkelst fermentierte Virginias, mit diversen Orientals und Latakia. Und zwar als Ribbon Cut Mixture, die zu einem Krumble Kake gepresst wurde. Unabhängig von seiner Aromatisierung wartet dieser Tabak mit einer hohen aber gleichzeitig dezenten Grundsüsse auf, der die Orientals einen leicht ätherischen Charakter verleihen, wie wir ihn von klassisch englischen Mixtures her kennen. Das alles hat zur Folge, dass der Black Frigate nicht nur einen sehr harmonischen Eindruck hinterlässt, sondern vom ersten bis zum letzten Zug auch sehr natürlich wirkt: niemals hat man das Gefühl, dass man es mit einem konstruierten Aromaten zu tun hat!

Durch seine Aufbereitung als Krumble Kake, der relativ trocken trocken ausfällt und auch nicht übermaßig stark gepresst wurde, wird der Black Frigate unglaublich ergiebig: an eine Füllung, die vollkommen problemlos zu stopfen ist, raucht man eine gefühlte Ewigkeit! Und zwar kühl, gleichmäßig und völlig ohne jegliches Nachzünden! Der Geschmack ist entsprechend vollmundig, sehr erdig und cremig zugleich mit fruchtigen und rauchigen Anklängen: Genuß pur! Cornell & Diehl Black FrigateWas die Stärke angeht muss man allerdings konstatieren, dass die schwarze Fregatte doch eher ein Linienschiff ist: hier wird aus zwei Kanonendecks gefeuert, also irgendwo zwischen Medium und Full! Eher nichts für nach dem Frühstück aber nach dem Abendessen gar kein Problem. Ob der Black Frigate nun der perfekte Alldays Smoke ist muss dann letztlich jeder für sich entscheiden, denn die Wahrnehmung und Verträglichkeit von Nikotin ist unterschiedlich! Großen Genuß gibt’s aber immer! Ein sehr empfehlenswerter Tabak!




STG ohne Hardware: Trennung von Dunhill/White Spot und Winslow

Dunhill Pfeifen (das idiotische „White Spot“ kommt mir nach über 50 Jahren unveränderter Begeisterung über Dunhills irgendwie nicht aus der Feder) und die von Poul Winslow werden ab dem 01.07.2021 vom italienischen Distributor Augusta srl, Rom, (u.a. Castello) vertrieben. Augusta zeichnet bereits für den Vertrieb von Dunhill in der Schweiz, Irland, USA und Italien verantwortlich und hat soeben in Duisburg ein Büro eröffnet, das für dendeutschen und österreichischen Markt zuständig ist. Markus Wirtz, lange Jahre bei STG verantwortlich für die STG Pfeifensparte in Deutschland, leitet die Niederlassung und damit ändert sich für den Fachhandel bis auf eine geänderte Fakturierung wohl nichts. Es reden weiterhin die gleichen Beteiligten miteinander.

Dunhill 4111 Cumberland aus der „Vor-White Spot“ Zeit.

STG verabschiedet sich damit vollständig aus dem „Hardwaregeschäft“, es sei daran erinnert, dass auch einmal Stanwell zu STG gehörte.

Veränderungen in der Pfeifenbranche gibt es immer wieder. Anders als bei Peterson & Kapp, die 2018 in den Besitz von Laudisi Enterprises (USA, u.a. Cornell & Diehl, Smokingpipes) übergingen, haben bei Dunhill und Winslow nicht die Besitzverhältnisse, sondern nur die Distributionspartner gewechselt. Wir Pfeifenraucher werden davon wohl kaum etwas bemerken, solange die Produktpolitik und die Verfügbarkeit unverändert bleiben.

3 Winslow-Pfeifen mit Kontrastbeizung. einmal anders als die beliebten Großformate des dänischen Pfeifenmachers.

Alle abgebildeten Pfeifen im Besitz des Autors.

 

STG = Scandinavian Tobacco Group




Pfeifendeckel – Deckelpfeifen

Übersicht über die wichtigsten Deckelvarianten – ein Versuch.

Der eine oder andere von euch, kann es sicher schon nicht mehr hören oder lesen. Mein Pfeifendeckel-Fetisch interessiert doch keine Sau, dachte ich auch immer, aber schrieb trotzdem darüber. Doch zeigt mir überraschenderweise die Statistik, dass diese Artikel sehr viel gelesen werden. Aber vielleicht spricht das nicht unbedingt für dieses Thema, sondern nur für die Tatsache, dass hier zu wenig wirklich interessante Artikel veröffentlicht werden und dass meine Deckel-Elegien aus lauter Verzweiflung trotzdem angeklickt werden. Aber ich kann euch versprechen, dieser Beitrag erschlägt das Thema Pfeifendeckel endgültig und erschöpfend. Nach dieser Arbeit, wird jede weitere Zeile nur Wiederholung des bereits von mir Gesagtem sein. Und auch ich lasse euch danach für immer in Ruhe damit, versprochen.

Den Link zur achtbändigen Druckvariante des „Almanach der Deckelpfeife im Wandel der Zeit unter der besonderen Berücksichtigung sozikultureller Einflüsse auf das Rauchverhalten des westlichen Abendlands“ folgt sofort nach Drucklegung.

Lesen Sie jetzt schon einige Kapitel vorab:

Klappen, Schwenken, Schieben und Kippen.

Klappen

Bruyere Garantie

Peterson Silver Wind Cap

Der Klassiker: Ein Metalldeckel wird mittels eines Scharniers nach oben und natürlich auch wieder unten geklappt. Meist passiert das längs zur Holmrichtung vom Raucher weg, damit er oder sie hineinschauen und bequem nachfeuern kann. Der Verschlussmechanismus ist eine Metalllippe, die sich sich über eine feste Stelle am Kopfrand stülpt und den Deckel nach leichtem Druck schliesst. Das gibt es natürlich in unterschiedlicher Ausführung aber im Grunde ist das Prinzip immer gleich, simpel und selbsterklärend. Die deutlichen Unterschiede sind in erster Linie qualitativer Art. Während meine Peterson zum Beispiel eine massive Echtsilber Applikation hat, hängt auf der Bruyere Garantie nur ein windiger Blechdeckel schief herum. Von Dunhill soll es sogar Deckel aus massivem Gold geben, einen solchen kann ich euch aber leider nicht zeigen, schliesslich bin ich nur ein einfacher Junge aus der Isarvorstadt. (Ihr wisst schon, in der Kindheit nur im Winter Schuhe und nach dem Krieg mit dem Bollerwagen aufs Land zum Kartoffeln kaufen und so … wir hatten ja nix.)

Schwenken

Das Schwenken oder Schieben als Verschlussmechanismus ist schon etwas ungewöhnlicher und mutet auch viel moderner und weniger großväterlich an. Für das Schieben wird eine Achse benötigt, diese Funktion übernimmt meist eine Schraube, die in den Pfeifenkopf hineingeschraubt wurde. Der Deckel wird an der Achse horizontal von der Rauchkammer weg, bzw. auch wieder auf sie zu bewegt.

Aufsetzen, oder Schlitzen?

Maestro de Paja – Fatta a Mano

Caminetto

Bei den Schiebedeckeln ist der Variantenreichtum deutlich ausgeprägter. Ganz grundsätzlich kann man die Patente unterscheiden, in dem man die vertikale Position der Deckel betrachtet. Die einfachste und auch primitivste Variante ist, wie auch meiner Vauen Duke der Deckel, der auf der Pfeife oben aufliegt, man kann den Messingdeckel an der Schraube um 360 Grad drehen.

Schon ein etwas ausgefeilter ist der Mechanismus meiner Caminetto. Hier befindet sich der Deckel zwar auch oben auf dem Kopfrand, dieser ist aber mit einer weiteren Metallschicht ausgekleidet. Zudem verhindert eine Nut im Metall und ein winziger Stift auf der Unterseite des Deckels, dass der Deckel zu weit geschwenkt wird.

Maestro de Paja – Fatta a Mano

Bei meinen beiden Schwestern aus dem Hause Maestro de Paja befindet sich die gesamte Mechanik im Deckel, der aus mehreren Teilen besteht. Der Schwenkdeckel läuft in einer mittig zum Teil geschlitzten stählernen Kopfrand-Applikation. Hier rastet der Deckel nicht ein, sondern stoppt in der geschlossenen Position, weil der Schlitz zu Ende ist. Ein kleiner Vogelkopf dient hier als Griff fürs Auf- und zuschwenken.

Schneiderwind W.O. Selection Brebbia

Der aufwändigste Schwenkmechanismus ist bei der Schneiderwind W.O. Selection Brebbia verbaut. Hier ist nicht der Deckel geschlitzt, sondern der Pfeifenkopf selbst. Es ist auch keine primitive Schraube, die hier Achse dient, sondern ein Stahlstift, der hier in den Kopf getrieben wurde. Auf dem Kopfrand befindet sich eine filigrane Silberarbeit. Innen und aussen befindet sich jeweils ein schmaler Silberring. Das Bird-Eye Muster des Bruyeres-Rands kommt dadurch noch besser zur Geltung. Zudem sorgen zwei winzige Silbernasen dafür, dass der Deckel angenehm fest einrastet. Da wackelt nichts, das ist ungeheuer stabil und zugleich filigran und edel hier ist auch der Deckel aus Sterlingsilber.

Kippen

Butz-Choquin Auto-Sport 1601

Den für mich ungewöhnlichsten Deckelmechanismus hat meine neue Butz-Choquin Auto-Sport 1601. Ich erhielt sie von einem Zuschauer meines YouTube-Kanals, der genau wusste in wessen Händen bizarre Deckelpfeifen gehören, Danke nochmals. Es handelt sich dabei um die rustizierte Variante dieses Modells. Beim flüchtigem Blick glaubt man fast, der Deckel sei aus dem gleichen Holz geschnitzt, wie die Pfeife selbst. Das ist aber mitnichten so. Es ist nicht einmal Holz, der Deckel ist aus Bakelit, einem sehr altertümlichen Kunststoff und er wurde mit dem gleichen Muster rustiziert, wie der Pfeifenkopf und sieht auch farblich täuschend gleich aus. Der Deckel wird zum Öffnen nach hinten gekippt, sehr lässig! Der Name Auto-Sport verrät einem sogleich für welche Zielgruppe diese Pfeife entwickelt wurde. Der sportliche Cabrio-Fahrer sollte trotz Fahrtwind geschützt von Funkenflug dem genussvollen Pfeifenrauch frönen. Ohne diesen Deckel würde der Fahrtwind bei sportlicher Fahrweise die Glut so sehr anheizen, dass von dem Bruyèreholz bald nichts mehr übrig sein würde, meinten die Erfinder. Zusätzlich ist die Oberseite des Kopfes vorne auch etwas erhöht, was einen zusätzlichen Schutz der Glut gewährt.

Materialien

Wie ihr aus dem vorherigen Beschreibungen entnehmen konntet, kommen für die Deckel verschiedenste Materialien zur Anwendung.
Gold, Silber, Edelstahl, Blech (vernickelt, verchromt), Messing, Holz (Bruyere) und Bakelit. Welches Material verwendet wird, hängt glaube ich in erster Linie mit der Preisgestaltung der Pfeife zusammen. Alle diese Materialien erfüllen ihren Zweck, sie schützen vor Wind und Wetter und halten die Funken im Pfeifenkopfinneren. Mit der Hitze der Brennkammer kommen sie allesamt gut zurecht. Den einzigen wirklichen Vorteil kann ich bei der Kombination von Bruyere und Silber bemerken (Caminetto). Durch die isolierende Wirkung des Holzes wird das Metall nicht heiss. Das verhindert, dass man sich bei der Bedienung des Deckelmechanismus‘ nicht die Pfoten verbrennt. Und damit sind wir schon beim nächsten Teil angelangt.

Handhabung

Warum sollte man den Deckel während des Rauchens überhaupt anfassen? Natürlich, weil man nachfeuern muss. Möglicherweise gibt es Raucher unter uns, die ihre Pfeife, einmal entzündet, bis zum Ausschütten des legendären grauen Ascherests, nicht mehr anfassen müssen, ich gehöre leider nicht dazu. Ich bin viel zu g’schaftig und unkonzentriert. Ich muss immer wieder nachfeuern und dazu ist es eigentlich nötig, den Deckel zu öffenen. Eigentlich? Ja, bei einigen Modellen ist es nämlich nicht unbedingt erforderlich. Bei einem oben geschlossenen Deckel, bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als vor dem Anzünden zu öffnen, aber durch einige der Löcher kann man durchaus hindurchzünden, wenn man eine genügend starke Flamme nutzt. Da ich draussen fast immer einen Pfeifen-Zippo benutze, geht das vortrefflich. Das ist sicherlich alles andere als elegant, aber mache ich hin und wieder, muss ich zugeben.

B.B.K Brunner-Buhofer, kurz auch Bru-Bu

Luftzufuhr

Eine jede Verbrennung braucht Sauerstoff, da muss man kein promovierter Chemiker sein, um das zu wissen. Deshalb wäre ein hermetisch schliessender Deckel nur ein sehr kurzer Rauchgenuss. Eine jede Abdeckung der Rauchkammer braucht Lücken, um Luft an die Glut zu lassen. Dabei kommen zwei verschiedene Arten der Luftzufuhr zur Anwendung: Löcher oben oder seitliche Schlitze. Die Löcher im Deckel sind am Verbreitetsten, aber bei Starkregen nur so mittel-gut. Für hochalpines Gelände (München->Verona) oder im immer-verregneten-südskandinavische-Tiefland (Aschaffenburg->Bergen) braucht man einen oben geschlossenen Deckel. Seitliche Luftschlitze sorgen bei diesen Pfeifen für die Sauerstoffzufuhr.

Pflege und Reinigung.

Jede Applikation auf einer Pfeife ist ein zusätzlicher Schmutzfänger.
Verbringen wir sowieso nicht schon unzählige Stunden unseres Lebens mit einem Silberputztuch in der Hand? Kommen zu den Silberbechern, den Serviettenringen, dem Besteck und Teekannen jetzt auch noch lauter Zierringe, Army-Mounts und Pfeifendeckel dazu? Ja, so ist es leider.
Rauch der nach oben steigt nimmt ordentlich Teer, Asche und Wasweissichnochalles mit und dieses Zeug klebt dann innen am Pfeifendeckel fest. Und nicht nur das, auch die Scharniere verkleben mit der Zeit. Eine Deckelpfeife ist ein „High-Maintenance-Rauchgerät“ das ist leider so. Vielleicht ist sie deshalb so aus der Mode gekommen. Obwohl seit 2020 eigentlich jeder Mensch mindestes zwei Hunde zu haben scheint, (Das habe ich anhand der gestiegenen Vollgeschissenheit der Pegnitz-Auen und Trottoirs hochgerechnet) werden Deckelpfeifen immer seltener, obwohl ich mir nicht besseres auf eine Hunderunde, als eine solche Outdoorpfeife vorstellen kann. Aber wer will schon zusätzlich zu den Hundekotbeuteln auch noch Silberputztücher mit auf die Gassirunde mitnehmen. (Ausserdem wären dann die Parkanlagen auch noch mit gebrauchten Silberputztüchern vermüllt).

Schluss mit den Gehässigkeiten, aber es ist tatsächlich so, Deckelpfeifen machen Arbeit. Aussen wische ich einfach nur mit dem Tuch über die Deckel, das reicht. Ein Silberputztuch reinigt im übrigen auch alle anderen Metalle sehr gut und innen … Naja, sagen wir es mal so, bei mir fällt das in die Kategorie Jahresinspektion. Wenn möglich schraube ich die Deckel ab und gönne der Unterseite einen ausführlichen Putz mit Wattestäbchen, Alkohol, und Silberputzmittel. Bei besonders hartnäckigen Fällen gehe ich mit Grillreinigern oder sogar Backofenspray an die verdreckten Kamine. Das hört sich brutal an, ist aber effektiv.

Lieber Leser, sind jetzt noch irgendwelche Fragen zu Deckelpfeifen offen geblieben?

Ich kann es mir kaum vorstellen. Wenn doch, so freue ich mich über Kommentare hier unter dem Artikel. Ansonsten, habt ihr auch ein paar Deckelpfeifen in eurem Besitz, oder pflegt ihr einen anderen (Pfeifen)-Fetisch?

 




Vauen Duke als Deckelpfeife – ein Restaurationsbericht

Pfeifen mit Deckel sind meine ganz besondere Leidenschaft. Aber es ist nicht nur die Sammelleidenschaft, die mich antreibt, meine Deckelpfeifen kommen auch oft zum Einsatz, da ich sehr viel in der zum Teil auch unwirtlichen Natur unterwegs bin, oder mich in meiner hobelspanübersäten Werkstatt aufhalte. Die Deckel schützen zum einen die Brennkammer der Pfeifen vor Wind, Regen und Schnee und auf der anderen Seite die Natur und mein Atelier vor Funkenflug. Mein Sammlung ist nicht groß, oder gar vollständig zu nennen, es ist gerade einmal vielleicht ein gutes (zum Teil dreckiges) Dutzend. Ich sammle eher extensiv. Ich beobachte Ebay und hin und wieder auch ein paar Estate-Händler und es kommt zuweilen auch vor, dass mir ein Zuschauer meines Youtube-Kanals, der von diesem Hobby weiß, eine Pfeife anbietet oder gar überlässt. Spätestens seit meinem Video über meine Deckelpfeifen von der verschneiten Seiser Alm, ist meine Liebe zu diesen skurrilen Rauchgeräten hinlänglich bekannt. Auch habe ich hier im Blog schon über die Restaurierung einer BBK und einer Passatore berichtet.

Es sind aber nicht die alpenländischen Gesteckpfeifen, die sogenannten Jägerpfeifen, die mich interessieren, es sind eher die „normalen“ oder gar eleganten Pfeifen, die mich anziehen. Eine meiner allerliebsten ist eine Peterson mit Silberapplikation und schon lange träume ich von einer Deckel-Dunhill, die war aber bisher ausserhalb der finanziellen Möglichkeiten eines armen Künstlers.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein unglaubliches Glück und es ging mir eine ausserordenlich anmutige Schönheit ins Netz, die auch einen weißen Punkt auf dem Mundstück aufweist, keinen White-Spot, sondern eine fränkische Grazie, eine Weißpunkt Vauen aus Nürnberg. Der Zustand dieser Pfeife war so mittel. Keine schweren Macken und Schäden, nur etwas verdreckt und ungepflegt. Die Deckel sind echte Rußfänger, das bin ich gewöhnt und das Mundstück war gelinde gesagt, unappetitlich. Ich bastel und restauriere ja unglaublich gerne und so machte ich mich bald an die Arbeit. Beim Auseinandernehmen der Pfeife wunderte ich mich jedoch etwas, der 9mm Zapfen steckte im Pfeifenholm, nicht wie sonst im Mundstück, das machte mich stutzig. Ich vermutete zunächst, dass diese Pfeife in der Vergangenheit einmal einer unsachgemäßen Reparatur unterzogen wurde, oder der Zapfen sich im Holm festgefressen hatte. Mit sanfter Gewalt, konnte ich ihn nicht lösen, also ließ ich ihn erst einmal stecken. Bei einem unserer Videotelefonate mit meinem Freund und Mitautor dieses Blogs Bodo Falkenried, zeigte ich ihm stolz meine Neuerwerbung und fragte ihn nach seiner Meinung zu dem „Zapfenproblem“. Sein Rat war schlicht und geradeaus. „Frag doch einfach Vauen“, meinte er.

„Sehr geehrte Damen und Herren …
… langweilige Höflichkeiten und dieses in dieser Zeit unumgängliche Bla, bla, ich hoffe alle sind gesund … bla, bla …
… Ich habe eine alte Vauen Duke mit Messing-Deckel gebraucht erworben … sollten Sie Informationen zu dieser Serie haben … Alter usw. würde ich mich freuen.
... fasel, laber, schwätz…
Am aller drängensten beschäftig mich aber – da ich die Pfeife restaurieren möchte – die Frage nach dem Zapfen. Wie Sie auf dem angehängten Foto erkennen können, steckt der 9mm Zapfen in der Pfeife, nicht im Mundstück. Da ich die Pfeife in ihren Originalzustand zurück versetzen möchte, wollte ich Sie fragen, ob das im Original so war, oder ob sich das um eine nachträgliche Modifikation oder Reparatur handelt?
Danksagung, Höflichkeiten, Grußformel … trallala … 

Wie der/die geneigte Leser*in schon mitbekommen haben wird: ich habe hier etwas gekürzt.

Umgehend erhielt ich Antwort von Vauen.
Mit dem freundlichen Hinweis, dass es besser wäre, das versprochene Foto der E-Mail auch anzuhängen …

Na, toll! Ich Trottel! Also sofort das Foto mit etwas Asche auf dem Haupt hinterher geschickt.

Ich merke gerade, wenn ich weiterhin – auch in gekürzter Form – meine Korrespondenz mit Vauen hier schildere, ist der Server bald voll.
Ich fasse also zusammen:

Erstens ist das Vauen-Team unglaublich freundlich, kompetent und zuvorkommend, das hat mich sehr beeindruckt. Ich wurde mit allen Informationen versorgt, die ich angefragt hatte, sogar einen Scan aus dem Katalog habe ich bekommen. Sollte das hier jemand von der Firma Vauen lesen, nochmals vielen Dank, ihr seid super! Und entschuldigt bitte, dass ich so nervig war.

Was habe ich also von Vauen konkret über meine Pfeife erfahren?

  • Sie ist aus der Serie Duke, einer eleganten „Life-Style“ Serie aus den 1980er Jahren.
  • Alle dunkelbraun, lackiert, Weisspunktqualität und Messingapplikation.
  • Mein Modell, eine Prince hat die Shape-Nummer 054. Es gab noch eine Half?- Bent 505 und eine Billard 286.
  • Die Pfeife stammt aus dem August 1988
  • Der Preis betrug damals 165.- DM, das war also eine Pfeife nur für die ganz feinen Leute … 😉
  • Es gab kein Standard-Modell mit Deckel, das war wohl eine Sonderanfertigung auf Kundenwunsch. (Das zeigt mir, dass der Vauen-Service auch in den Achtzigern schon beachtenswert kundenorientiert war.)
  • Und das wichtigste: Der Zapfen war bei meiner Pfeife schon immer im Pfeifenholm. Bei den Pfeifenköpfen der Nummern 050 bis 056 waren früher die Zapfen im Original im Holm befestigt.

Aus dem Vauen Katalog 1988. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Vauen

Ich sage euch, allein diese Katalogseite hat mich umgehauen. Tagelang bin ich mit einem (debilen) Lächeln auf den Lippen herumgehüpft. Was für ein Prachtstück des 1980er Jahre Werbedesigns. Genau das war meine Jugend. Diese Mode! Viel zu starke Schulterpolster und Glitzerstoff. Im Strassencafé Pariser Bistro-Bestuhlung. Dieses Pärchen trinkt vor dem Opernbesuch noch eben – wie könnte es anders sein – einen Kir-Royal … Oder sind die beiden vom Film? Der Rahmen in Gestalt einer Filmperforation deutet es subtil an? Der Schriftzug von DUKE in so einem Art-Deco-Font – Damals von meinen Grafiker-Kollegen sicher noch von Hand vom Letraset-Bogen gerubbelt, auf purem, grellen Magenta-Grund. Diese Broschüre gehört ins Design-Museum. Das waren die 80er! Ihr merkt schon, ich kann mich gar nicht beruhigen. Ich war damals kurz vor dem Abitur und wollte danach eigentlich Grafik-Design studieren …

Während ich also damals im August 1988 im englischen Garten und an der Isar meine letzten Sommerferien genoß, wurde in der fränkischen Manufaktur – vielleicht für einen passionierten Operngänger – diese Prince mit einem Deckel maßgefertigt. Vermutlich hatte der feine Herr Angst vor Asche und Tabak in den Taschen seines todschicken Armani-Smokings. Damals gab es für Opernkarten noch meterlange Wartelisten, die Nürnberger Oper ist ein wunderschönes Haus und man durfte im Foyer noch Pfeife rauchen.
Da ich die Pfeife von einem Antiquitätenhändler in Nürnberg bezogen habe, blieb die Pfeife wohl ihr bisheriges Leben auch hier in der Frankenmetropole und da wird sie auch bleiben. Ich war wild entschlossen, diesem schönen Stücke seinen Achtzigerjahre-Glanz zurückzugeben.

Die Restauration

Zunächst einmal musste ich den Deckel vorsichtig abschrauben, dazu musste ich nur mit einem Uhrmacherschraubenzieher die kleine Messingschraube lösen. Darunter zum Vorschein kam eine gerauchte, aber tadellos intakte Rauchkammer. Der Messingdeckel war völlig verrußt und dieser Ruß hatte sich, vermutlich wegen des Zuckers in den (Virginia) Tabaken richtig festgesetzt. Ein Essigbad, Spülmittel, das alles half nichts. Kurzentschlossen hielt ich den Deckel an die Lederscheibe meiner Schleifmaschine und trug die Schicht ab. Der Deckel glänzte sofort, erhielt aber auch ein paar oberflächliche Kratzer, die aber später noch aufpoliert werden. Das Verrußen der Deckel ist der wirklich einzige Nachteil dieser Pfeifen je nach Bauart, sind sie schwierig zu reinigen. Für den Pfeifenkopf ist das häufige An- und Abschrauben des Deckels zum Zwecke der Reinigung sicher auch nicht förderlich. Da gibt es deutlich bessere aber auch viel schlechtere Patente. Darüber werde ich sicherlich auch bald einmal bloggen.

Als nächstes unterzog ich die Pfeife einer Grundreinigung und Desinfizierung mit hochprozentigen Alkohol. Ich verschwende da im übrigen niemals Lebensmittel, wie das von einigen Pfeifenrauchern gemacht wird. Abscheulichkeiten habe ich da schon lesen müssen, von Gin, Whisky oder sonstigen Köstlichkeiten, die als Desinfektionsmittel mißbraucht werden. Denkt immer daran, wieviele Menschen in armen Ländern Durst leiden müssen, wenn ihr so etwas frevelhaftes tut. Mit einem sogenannten Pipe-Reamer schabte ich die Aschereste (Kake) aus dem Pfeifenkopf. Das war nötig, aber nicht problematisch. Der Vorbesitzer war mit der Pfeife sichtlich pfleglich umgegangen. Ich konnte keinerlei Brennspuren oder Unebenheiten erkennen. Das Holz ist von einer sehr guten Qualität. Das Mundstück hatte starke Beläge und war etwas angegilbt, aber am Polierbock war das relativ leicht zu beheben. Auch der Kopf der Pfeife brauchte nur eine kleine Politur.

Leider lackiert die Firma Vauen seine Pfeifen sehr oft. Ich halte das für keine sehr gute Idee. Vordergründig lässt das die Pfeifen sehr lange schön glänzen, ist aber der Lack einmal beschädigt – was bei meiner gottlob nicht der Fall ist – so ist man als normalsterblicher Pfeifenraucher dann nicht mehr in der Lage das selbst zu beheben. Während eine Politur mit Carnaubawachs sicherlich jedem zuzutrauen ist, vermute ich, dass kaum jemand Lust, Zeit und Muße hat, einen Pfeifenkopf komplett abzuschleifen oder abzubeizen, wenn Lack stellenweise abgesplittert oder aufgeplatzt ist. Hervorzuheben ist an dieser Stelle, die Verwendung von massivem Messing, sowohl für Kopf- als auch Holmring (und Deckel). Da wurde nichts vernickelt, vergoldet oder sonst etwas gepfuscht. Das ist massiv und wunderbar polierbar.

Die Pfeife sah zu diesem Zeitpunkt fast so aus, wie in den Achtzigern. (Ach könnte man das doch auch von dem Autor sagen) Sie glänzte, war picobello sauber (Neu? nein, mit Perwoll gewaschen). Aber es gab noch ein kleines Problem mit dem Zapfen. Dass dieser standardmäßig auf der Kopfseite eingeklebt war, hatte ich ja schon erwähnt, das wollte ich natürlich so lassen, aber er war zu locker. Neigte man die Pfeife auch nur ein kleines Stück, so fiel der Kopf herunter. Da ich jetzt nicht immer hochgehobenen Kopfes rauchen wollte, nur um den anderen Kopf nicht zu verlieren, musste ich dieses Problem beheben.

Sucht man im Internet nach „Zapfen Weiten“, so bekommt man die absonderlichsten Tipps. Vor allem warne ich ausdrücklich davor den Zapfen je zu stauchen, also ihn im heissen Zustand gegen eine harte Fläche zu drücken. Das löst das Problem nur kurzfristig und das auch nur unzulänglich. Beim Stauchen entsteht eine kleine Wulst am Rand des Zapfens, der dann zwar strenger sitzt, aber eben nur an dem Wulst. Der Zapfen selbst bleibt nach wie vor zu dünn. Irgendwann fällt der Kopf dann doch wieder ab, weil diese kleine Randwulst nicht genug Reibung verursacht. Man muss den gesamten Zapfen weiten und das ist nicht schwierig. Der Zapfen hat ja bei 9mm gefilterten Pfeifen, einen 9,x mm Innendurchmesser, sonst würde ja der 9mm Filter nicht hinein passen. (Hat es jetzt jeder kapiert, oder soll ich es nochmal ausführlich erklären?) Es gibt im Baumarkt zu kaufen, oder es bleibt bei schwedischen Möbelstecksystemen auch gern einmal übrig, ein 10mm Holzdübel. Ansonsten geht auch ein kleiner Ast von ca. 10mm Durchmesser. Mit einer Feile oder dem Taschenmesser schnitzt man dieses, oder jedes andere runde Holzstück leicht konisch zu. Oben sind dann 9mm und unten immer noch 10mm. Mit einem Fön – aufpassen bei Handwerker-Heißluftfönen – besser ist ein normaler Haarfön, der wird nicht so heiß (besitze ich aber nicht), wird jetzt der Zapfen vorsichtig erwärmt und auf das Holzstück gepresst. Ganz vorsichtig! lieber öfter wiederholen als zu heiß werden lassen, oder zu sehr pressen.

Und damit ist die Vauen Duke 054 aus dem August 1988 wieder vollständig hergestellt. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und auch ein Bisserl stolz auf meine wirklich überaus elegante Deckelpfeife. In der staubigen Werkstatt wirkt sie auf diesem Foto völlig deplatziert. Wenn das Leben wieder weiter geht, das Opernhaus oder die Meistersingerhalle wieder öffnet, dann werde ich meine Duke in die Smokingtasche stecken und wieder dorthin tragen, wo sie hingehört, unter die ganz feinen Leute der Nürnberger Oberschicht. Als ich bei den Recherchen zu diesem Artikel auf die Website der Firma Vauen geschaut habe, musste ich zwar feststellen, dass es die Duke-Serie leider nicht mehr gibt, aber es sind doch viele wirklich elegante, hochwertige Pfeifen im Angebot. Ganz besonders hat mich die neue „Pfeifen-Tradition“ begeistert. Eine sehr exklusive Linie mit nur 1000 der allerschönsten Hölzer und echten Sterling-Silberapplikationen.

Wenn es da je ein Modell mit Silberdeckel geben sollte, dann wäre ich ein glücklicher Wahl-Nürnberger.




Gawith Hoggarth & Co | Bob’s Chocolate Flake

Wenn es um die Rezension von „Schokoladen-Tabaken“ geht, kommt man an meiner Wenigkeit unmöglich vorbei. Mit aller mir eigenen Bescheidenheit: Man kann mich schon mit Fug und Recht, den Ranicki des Schokoladen-Aromas nennen, schliesslich ist dies schon mein drittes Review zu diesem Thema. 2018 schrieb ich hier über den HU Tobacco | RaiKo InBeTween und 2019 über das Fehlen der Schokolade im Samuel Gawith | CF Flake. 
Einer, der meine Expertise zu diesem Thema anscheinend tatsächlich anerkennt, ist der langjährige Leser Stephan T. aus München. Und nicht nur das, er kontaktierte mich nach meinem letzten Aufruf zu einer Empfehlung eines weiteren Schokoladen-Aroma-Tabaks und sandte mir dann umgehend eine überaus großzügige Portion Gawith Hoggarth & Co – Bob’s Chocolate Flake zu. Vielen herzlichen Dank, Stephan.
Neben der Tatsache, dass es sich wirklich um eine riesige Rauchprobe handelte, war der Flake noch dazu hochprofessionell vakuumiert und eingeschweißt. Das war vermutlich auch der Grund dafür, dass er so lange bei mir herumlag, bis ich mich endlich einmal dazu aufraffen konnte, ihn zu probieren. Es bestand einfach kein Druck aufgrund zu befürchtender Alterung oder Austrocknung.
Aber nun genug der Vorrede und Dankesworte, was ist das für ein Tabak?
Möchte man als Autor des Pfeifenblogs seine Leser auf einen winzigen Bruchteil reduzieren, dann muss man einfach nur gewisse Begriffe wie zufällig in den Text einstreuen. Bei einem habe ich das schon gemacht: „AROMA“. Mindestens die Hälfte der Leser hat sich schon angeekelt abgewendet, ein Teil der Leserschaft ist allerdings jetzt gerade wirklich neugierig geworden: „Mmmm Aroma, lecker!“ denken sie sich. Den Aromaten-Raucher vergraulen? Das kann ich: „LATAKIA“, so jetzt sind wir unter uns, wer raucht schon aromatisierte Engländer? 
„Sind noch ein paar Leser da? Hallo? lesen Sie mich noch?“
„Ah, da sind Sie ja, ein ganz Hartgesottener …“ kein Problem ich habe noch ein Reizwort zum Wegklicken: „LAKELAND“

So, spätestens jetzt schreibe ich nur noch für mich selbst… „Liebes Tagebuch…“

Um den großzügigen Spender dieser Tabakprobe zu ehren, bemühe ich mich jetzt um eine gewisse Seriosität.
Nachdem ich den Tabak aus seiner Folie geschnitten habe, schnuppere ich natürlich sofort daran. Tatsächlich kann ich eine gehörige Portion Schokoladenaroma riechen. Ich vernehme aber auch etwas Erde und ein kleines Bisschen Rauch. Ganz Profi-Tabak-Rezensent, habe ich natürlich immer Lineal und Messschieber zur Hand. Die ordentlichen dunkelbraunen Flakescheiben sind 15cm lang und 3cm breit und weisen eine Dicke von 1,75mm auf. Es handelt sich wohl um die Bulk-Version des Tabaks, denn so lang ist keine Dose.

Die Feuchtigkeit ist als absolut ideal zu bezeichnen, ist aber sicherlich der hervorragenden Behandlung durch den Spender zu verdanken, wie der Tabak direkt aus der Originalverpackung beschaffen ist, vermag ich aus Mangel an einer solchen, natürlich nicht zu sagen. Ich knicke, falte und brösel den Tabak in eine kleine filterlose Pfeife. Es ist mal wieder die kleine rustizierte Bambuspfeife des leider 2018 verstorbenen Pfeifenmachers Eckhard Stör.

Anfänglich ziert sich der Tabak, weil er doch relativ grob gefaltet ist, wenn er allerdings dann brennt, erlebt man einen langen und ungestörten Rauchgenuß ohne lästiges Nachfeuern.

Ich habe den Tabak bestimmt an die zehn mal geraucht und dies sind die Aromen, die ich herausschmecken konnte:
Etwas „van Houten Kakaopulver“ Kennt das noch jemand? (Meine Mutter hatte mir damit früher immer meinen Kakao angerührt), dann etwas Flieder (blumig) und Vanille. Das ist jetzt bestimmt keine vollständige Aromenliste, sondern das, was ich persönlich eben sinnlich erfahren konnte.

Ich hatte ja vorhin das Reizwort „LAKELAND“ fallen lassen, um damit auch noch den letzten Leser abzuhalten bis zu dieser Stelle zu kommen. Sie, liebe*r Leser*in wissen vermutlich nicht, was das bedeutet, sonst würden Sie ja hier nicht mehr weiterlesen, also will ich es kurz erläutern. Als Lakeland bezeichnet man Tabake, die ursprünglich aus der Umgebung des „Lake District National Parks“, genauer gesagt aus der Stadt Kendal stammen. Dort entstanden aus einer Schnupftabakfabrik namens Gawith, Hoggarth and Cie die beiden (erst getrennten und inzwischen wiedervereinten) Firmen Samuel Gawith und Gawith Hoggarth.

Aus juristischen Gründen, war es in England nicht erlaubt künstliche Aromastoffe zu verwenden, Verfahren mit in Alkohol und Ölen gelösten natürlichen Aromen, wie sie in der Parfum-Produktion Verwendung finden, waren (warum auch immer) jedoch zugelassen. Deshalb war es den Engländern nicht möglich – wie bei uns Vanillin-Pulver und Kirsch-Aroma über den Tabak zu sprühen, sondern sie hatten ihn zu „parfümieren“. Dieses etwas andere Verfahren führt zu einer manchmal etwas sonderbar anmutenden Begleiterscheinung, welche unter Tabakkennern als „seifig“ beschrieben wird. Die einen lieben es, die meisten hassen es. Berühmtestes Beispiel für seifigen Tabak ist der „Ennerdale“, der Tabak, der bisher die meisten Pfeifen auf dem Gewissen hat, weil diese nach dem einmaligen Gebrauch diesen besonderen „Au goût“ nie mehr los werden. Anmerkung: Die von mir entwickelte Reinigungsmethode mit Golden Glow (in dem Artikel ganz unten beschrieben) ist leider noch nicht jedem bekannt.

Bob’s Chocolate Flake ist allerdings nicht seifig, man könnte ihn nur vielleicht als etwas „ölig“ bezeichnen, was mich persönlich überhaupt nicht stört. Sonst kann ich mit Lakeland-Tabaken nämlich eigentlich nicht sehr viel anfangen. Überhaupt ist die Aromatisierung als durchaus dezent zu bezeichnen, was auch für den Latakiaanteil in diesem Tabak zutrifft. Laut meiner Recherchen enthält der Tabak lediglich 8% Latakia, dafür viel Virginia und ein wenig Burley. Also war auch das kein Grund weitere Pfeifenraucher zu verschrecken.

Lassen Sie mich also zusammenfassen:
Erst vergraule ich alle „Natur-Tabak-Raucher“ mit der Erwähnung von AROMA, welches ich dann aber Seiten später als „sehr dezent“ beschreibe.
Dann die Aromatenraucher mit dem Reizwort „LATAKIA“, bei einem winzigen Anteil dieses Würztabaks von nur 8%.
Und dann auch noch die Lakeland-Feinde, obwohl der Tabak überhaupt nicht seifig, sondern höchstens etwas ölig schmeckt.

Wie kann man einen wirklich guten Tabak, der im Grunde jedem vorzüglich schmecken könnte, so rezensieren?
Ich kann das, wie Sie sehen …

„Dieser auf Virginia-Basis kreierte Flake mit einem Hauch rauchiger Latakiawürze und einer leicht floralen Schokoladennote ist ein einzigartiger Tabakgenuss.“ Auch so hätte man dieses Tabakreview beginnen können, aber das wäre mir zu langweilig geworden.
Aber es ist tatsächlich genau so. Bob’s Chocolate Flake ist ein wirklich guter Tabak. Viel schokoladiger, als der enttäuschende CF-Flake und nicht so rauchig, englisch wie der HU-RaikoInBetween. Keine Aromabombe, sondern ein ausgewogener sehr feiner und intensiver Tabak. Die Stärke würde ich als „mittel/stark“ einordnen.
Ich habe den Tabak ausnahmslos ohne Filter geraucht, niemals hat er auf der Zunge gebissen oder war je unangenehm, jederzeit kühl und vollmundig.

Der einzige Wermutstropfen: Man kann ihn hierzulande nicht kaufen. Geschockt? Ich hätte das auch gleich zu Anfangs erwähnen können, aber dann hätten NICHT EINMAL SIE weitergelesen …

 

 

 

 

 
 




2020 kommt nun zum Ende

 

Was hat es gegeben im nun zu Ende gehenden Jahr 2020? Viel zu viel, wie wir meinen. Dennoch will das Trio Pfeifenblog einige Szenarien hervorheben, die wie vieles Andere eng miteinander verbunden sind. Da steht an vorderer Front die Covid-19 Pandemie, die so vieles in diesem Jahr veränderte, die schwerwiegende Eingriffe in unser aller Umgang miteinander geschaffen und so viele längst vergangen geglaubte Gräben in den Beziehungen und Verhältnissen aufgeworfen hat. Das es nicht gelingt, Regierungen zu wirksamen dirigistischen und ultimativ vollziehbaren Regulierungen / Gesetze zur Umkehr der weltweiten Umweltzerstörung zu bewegen, ist mit „Trauerspiel“ völlig unzureichend bezeichnet und zeigt für den, der es sehen will, wer die Welt im Griff hat. Von einem im wesentlichen von zwei Großmächten betriebenen Weltkrieg um die Führung in der globalen Ökonomie und um die Oberhoheit beim rapide zunehmenden, völlig entmenschtlichten Kapitalismus neuer Ausprägung einmal abgesehen, der sich der vorsätzlich allseitig verfehlten Geo-Politik als willkommenes Podium bedient.

Gleichsam bedanken wir uns für die Aufmerksamkeit, die Sie auch in diesem Jahre unserem Pfeifenblog haben zuteil werden lassen. Fast alle so geliebten Pfeifen- und Zigarrenrunden sind der Pandemie zum temporären Opfer geworden, was einer Katastrophe gleichkommt, die sich nahtlos an viel wichtigere, verschlechterte Lebensbedingungen anhängt. Vielleicht konnten wir durch unsere Artikel dazu beitragen, das solitäre Pfeifen- und Zigarrenrauchen ein wenig erträglicher zu machen. Bleiben Sie uns weiterhin gewogen …. und vor allen Dingen, seien Sie vorsichtig und bleiben Sie gesund.

Ihr

Trio Pfeifenblog

-Alexander, Bodo und Peter-

 


Bodo Falkenried

Der Orangenmann hat es nicht geschafft, nicht die anderen verpolten Autokraten in China, Brasilien, im Iran und in …. ja, eigentlich gibt es diese Spezies wie stets überall in der Welt, in vorrangigen Positionen. Covid 19 ebenfalls nicht und fehlt darin weiterhin: der Globus dreht sich unverändert (er weiß, wie es geht) und hat das auch in den zurückliegenden 12 Monaten unbeeindruckt von den Widrigkeiten, die, von der vermeintlichen Krone der Schöpfung fleißig produziert, dieses besondere Jahr geprägt haben.

Die Menschheit ist erst einmal weggesperrt, was ja nicht unbedingt schlecht ist zur Erholung von Gesellschaft und Natur. Obwohl, letztere bräuchte das nicht, denn wir sind ihr ziemlich wurscht und sie tut das, was sie immer schon getan hat und was zur wesentlichen Natur der Natur gehört: sie schreitet voran und macht was sie will, schaut nicht nach Rechts oder Links, nicht nach Oben oder Unten. Und deshalb trägt sie nicht einmal ein hocherhobenes Haupt.

Anders als der homo erectus, der zu keinem solchen geworden wäre, ohne das die Erdanziehung ihn in diese Haltung gebracht hätte. Alle ihm nachgefolgten homo Arten gleichfalls.

Und hier bei uns: ist es nicht unfaßbar, welche Irrlichter seit geraumer die Straße in Besitz nehmen wollen, die Veränderung unserer Gesellschaft als Credo vor sich hertragen und doch nichts anderes sind als arme Irre? Hätten Sie geglaubt, dass gerade mal 75 Jahre nach Ende des 2. Welktkrieges geschätzte Mitbürger, liebe Freunde und Nachbarn, wieder um Leben und Gut fürchten müssen? Das wir alle von radikal-rassistischen Fratzen mir kruder Ideologie oder mit einfach nur grenzenloser Dummheit konfrontiert sind? Nein, darunter sind keine „Verschwörungstheoretiker“, denn für die dieser Begriff verwendet wird, haben keinen blassen Schimmer von irgendwelcher Theorie, sind schlichtweg in ein nebulöses Unwissen abgetaucht, in dem sie hoffentlich bald versinken. Ich habe in diesem Jahr Menschen getroffen, die sich ernsthaft überzeugt zeigen von QAnon und anderen Idiotien und tatsächlich an die Existenz eines Deep State glauben. So etwas macht mich fassungslos. Wie auch die Pandemieverweigerer, die rücksichtslos vermeintliche Bürgerrechte gefährdet sehen, deren oberstes Streben scheinbar ein unabdingbarer Urlaub ist oder die ohne große Veranstaltungen oder enthemmte Parties keinen Lebenszweck mehr finden.

Was ist passiert, in diesem Jahr 2020, dessen Numerik die Ziffernfolge 12345 als meist verwendetes Passwort in der Welt der ausgeuferten, multiplen Interkommunikation verdrängt hat? Nun ja, soziologisch ist einiges passiert und nicht alles ist schlecht und inakzeptabel. Lassen Sie mich einmal die Rückkehr zur angewandten Kleinteiligkeit aufgreifen, die – tatsächlich bewußtseinserweitender als alle Drogen – bedingt durch die aktuelle Pandemie Erstaunliches geschaffen hat. Schon lange hat es nicht mehr so viele Mitdenker gegeben, die sich z.B. mit klugen, vielfach sehr einfachen Ideen, gegen die gewaltige tägliche Vernichtung von Lebensmitteln richten. Köche, die wieder den Bauern oder die soeben gegründete Gartenkooperative aus der Nachbarschaft als Zugewinn betrachten und das zunehmend zurückkehrende Wissen und Wollen um die ganzheitliche, würdevolle Verwendung von Fisch und Fleisch. Die Erkenntnis setzt sich durch, wenn auch immer noch zu langsam, dass Nahrungsmittel unser Leben bedeuten und das sie nicht wie jetzt zur ausschliesslichen Handels- und Konsumware vergewaltigt bleiben dürfen.

Die Nachbarschaft wird wieder entdeckt und stellt sich gegen die allgemeine Gleichgültigkeit, auch wenn der Umgang stark eingeschränkt ist, das wird sich ändern. All das macht sich im Kleinen bemerkbar, in unserem direkten Blickwinkel. Und lernen wir nicht wieder zunehmend Gemeinsinn und Genügsamkeit?

Was rauchten wir in diesem Jahr 2020?  Es gab kaum nennenswertes Neues an der Tabak- und Pfeifenfront, wozu auch. Wir haben ALLES und das auch noch in einer Fülle und Vielfalt, die eigentlich niemand braucht. Trotz eines großen Tabakvorrates rauche ich nur 3, vielleicht 5 verschiedene Tabake und so nimmt es nicht wunder, dass ich nur einen neuen Tabak „begutachtet“ habe, der außerdem noch überflüssig wie der berühmte Kropf ist: MacBaren Rustica. Der Rest ist bei mir Schweigen. Insofern und in dieser Hinsicht ein gutes Jahr, die Favoriten sind alle noch (wieder) da. Geniessen wir sie!


Alexander Broy

Menschen zeigen sich in besonderen Zeiten oftmals auch von einer besonders ungeschminkten Seite. Viele scheinen dabei in erster Linie wehleidige, verwöhnte Schraz’n (bay. abfällig f. Kinder), ohne jegliche Frustrationstoleranz, Anstand und Haltung zu sein.

Die Zeit ist lange vorbei in der man noch in Smoking, Champagner und Zigarren in Würde untergeht (erste Titanic-Referenz) Heutzutage sitzt man in Jogginghose (wenn überhaupt in Hosen) vor einer Videoübertragung und jammert herum. Andere zetern und heulen über Einschränkungen und vergleichen sich mit ikonischen Kämpfern oder Opfern von Diktaturen. Anne Frank, weil man nicht rausdarf, Sophie Scholl, weil man 22 ist, Martin Luther King, weil man auch schon mal irgendwas geträumt hat, oder Jesus, weil einem auch das Kreuz weh tut oder so ähnlich.

Es braucht auch immer einen Schuldigen: Die Eliten, China, Bill Gates, Merkel, die Juden, die Flüchtlinge oder die Antifa und es braucht auch immer eine weltumspannende Theorie, wie alles zusammenhängt. Manchmal glaube ich, je dümmer ein Mensch ist, desto mehr sucht er nach Erklärungen. Der Kluge weiß, dass es diese nur in den seltensten Fällen gibt.

Ich jedenfalls werde dem Jahresende – im Geiste mit John Jacob Astor IV, Benjamin Guggenheim und den anderen Gentlemen im Salon der Titanic – im Smoking im Ledersessel, eine Pfeife rauchend, mit einen exzellenten Tropfen entgegensehen und niemandem die Schuld an irgendetwas geben. Solche Dinge passieren eben, und das ungefähr alle hundert Jahre, so ist das eben. Hauptsache ich verliere nicht meinen Geschmackssinn. Dafür verzichte ich gerne mal auf verschiedene Annehmlichkeiten, was soll’s.

Das wahre Problem der Menschheit ist nicht ein Virus, sondern ihre Dummheit, die Rücksichtslosigkeit und die Gier, die in dieser unseligen Kombination, den eigenen Lebensraum zerstört. Kreuzfahrten (die dritte Titanic-Referenz), Skilifte, Autos, Plastik-Klamotten (+endlose Liste bitte selber einfügen).

Wir können aus dem Jahr 2020 so viel lernen! Wir wissen spätestens jetzt, was uns am meisten fehlt. Besinnen wir uns auf das was uns wirklich wichtig ist, und lassen das andere einfach sein. Bei mir sind es die Bars und Wirtshäuser, Konzerte und Ausstellungen, die Familie und die Freunde. Ich vermisse weder Flugreisen noch Kreuzfahrten, noch Klopapier. Ich möchte nur irgendwann wieder mit meinen Freunden im Pfeifenclub, beim Weisswurstfrühstück und mit meinen (erwachsenen) Kindern an der Bar sitzen.

Dafür muss ich jetzt einfach nur geduldig sein und Haltung bewahren. Die Welt geht genauso unter, wenn ich herumschreie und heule, nur verliere ich dann viel mehr als nur mein Leben. Fliege umbinden, Maske aufsetzen und die Pfeifen stopfen, meine Herr- und Damenschaften. (ich hoffe das war jetzt korrekt gegendert)

Aber es gibt nicht nur Unheil und Seuchen aus diesem Jahr zu berichten, sondern auch durchaus Erfreuliches. Für mich persönlich war das Jahr 2020 zwar finanziell ein Desaster, weil so vieles nicht stattfinden konnte, auf dass ich mich erstens gefreut und zweitens auch Geld hätte verdienen können. So wurden zum Beispiel alle Pfeifenmessen abgesagt und dadurch auch der neue HU-Katalog. Gerade auf die Arbeit an diesem hatte ich mich sehr gefreut.
Aber es gab auch Erfolge zu verzeichnen. Mein Youtube-Kanal entwickelte sich hervorragend und ich konnte in diesem Jahr über 6000 neue Abonnenten gewinnen. So viele Zuschauer, die meine kleinen Filme übers Wandern, Malen, Biertrinken, Backen und Pfeiferauchen sehen wollen, das hat mich unglaublich gefreut.
Dadurch habe ich zudem viele Druckgrafiken, Weihnachtskarten und auch einige Gemälde online verkaufen können, obwohl Vernissagen dieses Jahr nicht möglich waren. Das ist eine großartige Entwicklung und ich freue mich auf weitere spannende Jahre als Kunst-und-Kultur-YouTuber.

Aber auch meine bescheidene und durchaus skurrile „Deckel-Pfeifen-Sammlung“ hat sich positiv entwickelt. So konnte ich einige wundervolle neue Deckelpfeifen für meine Sammlung ergattern und darüber werde ich sicher auch bald einmal hier berichten.

Ich bin mir sicher, ein jeder von Ihnen, der zum Ende des Jahres zurückschaut auf sein Leben, wird bestimmt auch das ein oder andere Positive entdecken können und wenn nicht … Hauen wir ein Ei drüber, die Welt dreht sich weiter und auch wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, deshalb geht noch lange die Pfeife nicht aus …


Peter Hemmer

Dieser Jahresrückblick ist definitiv der Artikel im Jahr, bei dem mir am meisten unwohl ist. Da muss man erst irgendwo zwischen Gernot Hassknecht und Bedford-Strohm seine Position finden, dann will man ja auch nicht klingen wie der Bundespräsident und wie der Söder erst recht nicht, für Kurzen Populismus habe ich zuviel Selbstachtung, den kriege ich auch nicht hin, und den Rest nimmt kaum einer wahr. Bleibt also nur irgendeine Form von Nabelschau für mich.

„Lesen Sie jetzt, wie Corona unser Leben verändert!“ tönt die Werbung kurz vor den 7.00 Uhr Nachrichten aus dem Radio und ich denke mir das ganze Frühstück über, wieso zum Teufel soll ich das lesen, das merke ich doch, das sehe ich doch jeden Tag, wie sich mein Leben und das der anderen verändert? Okay, wenn ich jetzt wissen wollte, welche neue Abstandsregel für den Inuit den Weg vom Iglu zum Kanu verändert und was das für das Leben im Norden Grönlands bedeutet zumal sich mancher Problembär nicht daran halten mag, dann müsste ich lesen. Aber mir reicht ja gerade schon mein Gegenüber in der U-Bahn oder mein Spiegelbild. Das heißt, ich weiß selbstverständlich nicht, wie sich das Leben meines Gegenübers in der U-Bahn im Detail verändert hat, dazu müsste ich nachfragen, was sich natürlich verbietet. Aber ich weiß, dass sich aller Leben in der gleichen Weise verändert hat: es hat an Leichtigkeit eingebüßt! Und das wiegt schwer! Warum? Weil wir mehr und mehr gezwungen sind, das Zögern, das Abwägen, das Nachdenken, das Überdenken, kurz: die Ernsthaftigkeit, die wir seit je her gewohnt sind, auf die vermeintlich wichtigen Dinge des Lebens anzuwenden, Entscheidungen wie Geldanlagen, Familienplanung, Berufswahl und Karrierestrategien etc., diese Ernsthaftigkeit müssten wir jetzt auch bei allem bislang vollkommen Selbstverständlichem, Alltäglichem, Erholsamem, Lustigem, Unterhaltsamem und Geselligem anwenden. Das ist ein Aufwand und das ist anstrengend! Und das ist das Gegenteil von Leichtigkeit! Aber ist das echt ein so herausfordendes Problem? Es würde doch ausreichen, könnte man das verstehen?

Vor knapp 20 Jahren ist in Rom, wo wir damals lebten, mit großem medialem Bohei die Mülltrennung eingeführt worden, was es bei uns in Deutschland schon viele Jahre lang gab. Anstatt dreier schwarzer Mülltonnen im Innenhof unseres Palazzos standen da plötzlich vier in verschiedenen Farben. Wir kannten all unsere italienischen Nachbarn und machten schon Witze darüber, wie das wohl werden würde und waren vollkommen überrascht, denn nach einigem anfänglichen Meckern trennten die konsequent allen Müll preussischer als die Preußen. Bis die erste der Tonnen voll war. Dann wurde eben Plastik in die Tonne geworfen, wo noch Platz war, auch wenn es gerade die braune Biomülltonne war etc… Es reicht nicht, Regeln zu befolgen, wenn man nicht darüber nachgedacht und verstanden hat, wofür die Regeln gut sind. Und genau daran sind wir in diesem Jahr als Gesellschaft gescheitert! Und daran scheitern wir immer noch, jeden Tag! Deshalb taugt der Moment eigentlich gar nicht für einen Rückblick!

Für die Pfeifenwelt war das Jahr eines zum Vergessen, weil es soviel direkten Austausch verhindert hat. Soviele Stammtische, die sich nicht oder kaum treffen konnten, die Messen, die nicht stattfinden konnten. Vieles hat sich ins Netz verlagert, wo man manchmal das Gefühl hat, in einer Parallelwelt unterwegs zu sein, die vor Abgründen und Zerrbildern nur so strotzt. Bestes Beispiel das unsägliche Schauspiel bei der Einführung des Rocinante von HU Tobacco. Ich verfolge die Pfeifen und Tabakwelt im Netz jetzt seit etwa 20 Jahren, aber etwas vergleichbar Peinliches und teilweise auch Niederträchtiges wie das Bild, das ein Teil der Youtube- „Comunity“ da abgegeben hat, habe ich noch nie gesehen. Das war für mich erschütternd, was man da zum Teil hören musste. Nicht nur, was die Inhalte anging, es war eher das Niveau, auf welchem da gestritten wurde. Das braucht kein Mensch! Und Pfeifenmacher und Tabakhersteller wären allesamt gut beraten, sich nicht zum Spielball einiger weniger und ihrer medialen Geltungssucht machen zu lassen!

Meine Tabake des Jahres waren ganz klar der Sancho Panza und der Cervantes von HU Tobacco. Der Sancho Panza noch mehr wie der Cervantes und dann mit einigem Abstand für mich persönlich der „The Dickens“ von Pfeifen Diehl, wenngleich der nur für mich neu war.

Was mir fehlt? All die reduzierten persönlichen Kontakte! Die eigentlich für Anfang Dezember geplante Reise nach Singapur zu Mike und der dortigen Pfeifen- und Zigarrenraucherrunde, weil es, abgesehen von der Stadt, kaum etwas Schöneres und Interessanteres gibt als den Austausch mit Menschen, mit denen man sehr viel Gemeinsames teilt und die doch einen anderen Blick darauf haben! Und natürlich die Konzerte und die Oper! Ich war im Spätsommer auf einem privaten Fest im Freien als irgendwann ein Gast, ein Bariton, der gerade an der Staatsoper für eine Premiere probte, sich abseits ans Klavier setzte und mit Abstand ganz zurückhaltend Schumanns Heine Vertonung „Du bist wie eine Blume, So hold und schön und rein. Ich schau’ dich an, und Wehmut Schleicht mir in’s Herz hinein.“ gesungen hat. Ich hatte am Ende Tränen in den Augen, nicht weil die Darbietung so einzigartig gut gewesen wäre, aber sie hat einem so sehr gezeigt, wonach man sich sehnt und worauf man verzichtet.

2020 war für mich ein Jahr des Verzichtens, aber ich habe das bis heute nicht bereut und finde es, bei allen Sehnsüchten, auch nicht weiter schlimm. Es ist ein Beitrag. Ein erträglicher. Nur eins noch: was ich schwer erträglich finde, ist, mit anzusehen, wie sich ein Politiker auf dem Rücken meines Verzichts zu profilieren versucht! Da halte ich es dann mit Max Liebermann „Ich kann ja gar nicht soviel essen, wie ich kotzen mag!“

 


Rückblick auf 2019




AUDIO – in eigener Sache

In den drei Audio Kategorien des Pfeifenblogs

  • Album des Monats
  • Audio Feature
  • Audio Playlisten

machen wir die vorgestellten Alben direkt hörbar. Als Plattform wird Spotify verwendet und zwar bereits in der kostenfreien Version.
Nun stellen wir fest, daß bei sehr vielen Alben der Einbettungscode ohne „Vorwarnung“ von Spotify geändert worden ist und Sie leider dieses hier sehen:

Wir müssen nun jeden Einbettungscode überprüfen, dazu alle Artikel durchsehen und ggfs. den neuen Einbettungscode einpflegen. Bitte sehen Sie uns nach, dass diese Aktion sukzessiv durchgeführt wird und etwas Zeit benötigt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Übrigens: die drei Audio Kategorien erreichen Sie über die rechte Navigationleiste.




Ein Tabak aus dem Freistaat: Kurt Eisner Blend

„REVOLUTIONÄRER“ TABAK

Für einen besonderen Tabak bedarf es eines besonderen Anlaßes und den gibt es: die Gründung des Freistaates Bayern durch den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, die soeben ihre 100 jährige Wiederkehr feiert und Eisners barbarische öffentliche Ermordung am 21. Februar 1919. Pfeifenblog.de, die Münchner Pfeifen- und Tabakinstitution Pfeifen Huber und Tabakblender Hans Wiedemann von HU-Tobacco haben zusammen einen Tabak kreiert, der nicht nur durch sein außergewöhnliches Gestaltungskonzept Akzente setzt. Der Blend, eine ready rubbed-Flake Virginiamischung der Spitzenklasse ist erhältlich in einer 50g Runddose exklusiv bei Pfeifen Huber und gehört dort ab sofort zum Standardangebot.

Geniessen Sie vorab das Tabak Review, dazu ein wenig Zeitgeschichte und verstehen Sie, warum ein neuzeitlicher Münchner Blog, ein tradionsreiches, 1863 gegründetes Münchner Familienunternehmen, dem unverändert ein Georg Huber vorsteht – immerhin der IV. Namensträger – und ein renommierter Tabakblender aus dem bayerischen Schwaben sich mit viel Freude und Enthusiasmus gemeinsam eine solche Tabakschöpfung vorgenommen haben.

KURT EISNER BLEND – REVIEW

Peter Hemmer

Ein „revolutionärer“ Tabak? Das ist auf den ersten Blick eine Frage der Perspektive. Etwa so: 75% Louisiana Perique, 15% Dark Fired Kentucky mit Moschus- und Wasserliliencasing und 10% Babylonischer Latakia  (exakt 2338,0815 Jahre gereift, sonst schmeckt’s nämlich eh ned, die streng limitierte Grabbeigabe). Das wäre ein revolutionärer Tabak! Bei uns liegt das Revolutionäre eher im Anlass, dem wir mit dem Tabak ein klein wenig Reverenz erweisen wollen, als im Stil des Tabaks!

Der Tabak sollte also einer sein, der auf der einen Seite nicht alltäglich und auf der anderen trotzdem in gewisser Weise mehrheitstauglich ist. Das erfordert erstmal Verzicht auf Aromatisierungen und auf Latakia. Und volle Konzentration auf die Qualität, aber das kann der Hans ja eh… Herausgekommen ist eine Mischung, die im Wesentlichen aus unterschiedlich aufbereiteten Virginias verschiedenener Provenienzen besteht, denen wiederum ein paar Burleys beigegeben sind. Das Ganze gepresst und Ready Rubbed aufbereitet.

Die Mischung ist im Schnitt und auch farblich sehr homogen, sie lebt viel mehr von der Kombination des stilistisch Ähnlichen als vom Zusammenfügen großer geschmacklicher Kontraste. Auch wenn wir hier in der Überschrift vom revolutionären Tabak geschrieben haben: der Eisner Tabak ist eine ruhige Mischung mit großem Understatement und großer Überzeugungskraft, aber er ist kein Galaparadefeuerwerk. Eher wie ein verdammt gut gebackenes Brot, als wie ein ondoliertes Praliné.

Apropos Brot: da wären wir schon beim Geruch des Tabaks angekommen! Es sind diese süß-erdigen Malznoten, verbunden mit dunkler Brotkruste, die den Eisner Tabak im Geruch prägen. Vielleicht mit ein paar nussigen Zartbitterschokoladenuancen angereichert, aber nur sehr, sehr dezent. Die Burleys stehen nicht im Vordergrund. Im Geruch noch weniger als im Geschmack.

Dass sich der Tabak bei einem solchen Tabakbild perfekt stopfen, anzünden und bis zum Ende der Füllung durchrauchen lässt, versteht sich von selbst, zumal seine Feuchtigkeit meiner Meinung nach optimal ist. Diese so absolut unkomplizierten Raucheigenschaften machen den Eisner Tabak nicht nur zu einem sehr angenehmen Alldays-Tabak, sie empfehlen ihn auch für Anfänger, die in die „naturbelassene“ Richtung einsteigen wollen und ein intensives Geschmackserlebnis suchen, ohne gleich überfordert zu sein! Die Mischung ist kein Bruder Leichtfuß, aber ganz weit entfernt davon, den Raucher hinsichtlich Stärke und Nikotin wirklich zu fordern.

Geschmacklich steht der Tabak anfangs, nach dem Entzünden, klar auf der Seite der Virginias: malzig süß, eher breit und cremig kommt der Eisner Tabak daher. Dazu die leicht herbe Süsse getrockneter Feigen und eine gewisse Erdigkeit, die den Tabak ungemein würzig macht. Das ist das Spannungsverhältnis, von dem die Mischung von Anfang an lebt und das im Laufe des Abbrands immer mehr um die schönen Burley-Noten ergänzt wird. Es gesellen sich leichte Nussaromen und eine ganz dezente Schokoladigkeit hinzu, deutlich wahrnehmbar, aber nicht vordergründig, eher leise als laut. Wie ein sympathischer älterer Herr, der sich im vollen Wirtshaus mit zu uns an den Tisch setzen darf… Und so sitzt man dann ganz gemütlich zusammen bis die Füllung aufgeraucht ist. Unaufgeregt, unspektakulär – aber klar und unvergleichlich schön und gemütlich.

Stilistisch – nicht geschmacklich – erinnert mich der Eisner Tabak an die Elizabethan Mixture von Dunhill, nur dass da natürlich kein Perique mit den Virginias gepaart ist, sondern Burleys. Ein Tabak, der sich übrigens sehr gut zum Einlagern eignen dürfte…

 

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Eisner, die Dose und das Portrait

Alexander Broy

Eisner bei Pfeifen Huber im TalDa steht er nun endlich, der Eisner Kurt, im Tal 22 in München in Öl gemalt in einem ganz schlichten, einfachen Fichtenrahmen, so hätte es ihm gefallen, da bin ich mir sicher.

Die Ehre von einem der großen Münchner Malerfürsten portraitiert zu werden, war Eisner nicht vergönnt. Dazu war sein Leuchten in München zu kurz und fand zudem in Zeiten statt, in denen Lenbach schon tot und die anderen ganz andere Sorgen hatten, als den „schwindligen“ sozialistischen Revolutionär zu porträtieren. Vermutlich hätte Eisner selber in den Wirren seiner Regierungszeit überhaupt keine Zeit gefunden, sich malen zu lassen.

Es gibt von ihm gerade mal drei nicht völlig unscharfe schwarz weiss Fotos, das war es auch schon. Der alte Hanfstaengl, der mit Abstand bedeutendste Münchner Verleger und Kunsthändler, hätte sich vermutlich lieber den rechten Arm amputieren lassen, als Postkarten von diesem „Kommunisten“ heraus zu bringen – obwohl er diesen Arm ein paar Jahre später beim enthusiastischen Feiern seines geliebten Freundes und Führers – schmerzlich vermisst hätte.

Kurt Eisner - Alexander BroyIch hingegen hatte die Zeit und die Muße und habe ihn aus einer Laune heraus flott und flüchtig auf einem kleinen 40 x 40 Zentimeter großen Stück Leinwand gemalt. Als Vorlage diente mir ein Foto aus der Wikipedia. Was heißt Laune: Auf Bodos Empfehlung hin, habe ich Eisner per Bayrischer Rundfunk WhatsApp abonniert und hänge seit dem wie ein Teenager an meinem Handy, immer wieder lese ich was in seinem bewegten Leben vor genau 100 Jahre geschah, das inspirierte mich.

Ihm, dem einzig wahren, ersten und allerbesten Ministerpräsident aller Zeiten – und ich kann das beurteilen, der aktuelle MiPrä wohnt hier ein paar Strassen weiter in Nürnberg-Mögeldorf – wollte ich ein kleines, bescheidenes Andenken setzen und so fragte ich meine Mit-Blogwarte, Bodo und Peter, Hans Wiedemann von HU-Tobacco, Kohlhase und Kopp sowie nicht zuletzt Pfeifen-Huber, ob sie nicht mitarbeiten wollten. Sie mussten nicht lange überredet werden, die Begeisterung für einen Eisner-Tabak war sofort geweckt.

Einen häßlichen Todeswarnhinweis unter sein Portrait zu kleben, wäre natürlich pietätlos gewesen, denn er ist ja schliesslich nicht am Tabakkonsum, sondern durch die Hand eines rechtsextremen Eiferers gestorben. „Nationalismus kann töten“ oder „Ein Menschenfreund zu sein, schadet ihrer Gesundheit“ wäre als Gefahrenhinweis juristisch nicht erlaubt gewesen, deshalb entschieden wir uns für ein schlichtes Etikett und dafür, in jede Dose hinein einen Aufkleber mit seinem Portrait zu legen.

Zum Schluß meines Teiles, gebe ich dem geneigten Leser hier noch eine kleine Bastelanleitung an die Hand und gestatte mir den Hinweis, dass das Original Eisner-Portrait bei Pfeifen Huber zu erwerben ist, und ich gerade an einer großen Version des Bildes für mein Herrenzimmer arbeite, welches ich gegen ein großzügiges Gebot zur Not auch hergeben würde.

Und damit übergebe ich – den wunderbar weichen und geschmeidigen Eisner-Tabak im Pfeiferl rauchend – an meinen Freund Bodo Falkenried, der über die geschichtlichen Hintergründe der Revolution berichten wird.


ES IST REVOLUTION

Bodo Falkenried

Wir stehen in der aufwühlenden, katastrophalen Zeit am Ende des Ersten Weltkriegs. Es ist Revolution in Deutschland! Die untauglichen Monarchien – davon gibt es noch 22 in Deutschland, dazu die Wilhelminische Reichsmonarchie des Kaisers und vor allem aber die versagende Oberste Heeresleitung allen voran ihre Protagonisten Ludendorff und Hindenburg, die das sich ankündigende völlige Scheitern ihrer Militärstrategie vor Kaiser, Regierung und Volk verheimlichen und durch blindwütigen, wirkungslosen Aktionismus schließlich herbeiführen –  und damit letztendlich der Bismarck`sche Obrigkeitsstaat, stehen am Abgrund. Die bedeutsame Berliner Revolution vom 09. November 1918 ist unklar, verschwommen geworden und arbeitet sich mit politischer Ideologie zu Grunde. Nicht die Umstürzler sind die wahren Totengräber der Monarchie, sondern das Triumvirat aus Wilhelm II., Reichskanzler Max von Baden und dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert, die zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1918) die Reichsmonarchie aus unterschiedlichen Gründen unbedingt erhalten wollen: Kaiser und Kaiserin bewegen sich in einer starrköpfigen, überlebten Weltanschauung, selbstsüchtig und in völliger Verkennung der neuen Machtverhältnisse, (Endzeit-) Kanzler Prinz Max verfolgt eigene, sehr persönliche Nachfolgeziele als Monarch und Friedrich Ebert schliesslich will seine Sozialdemokratie als agierender Partner einer neuen parlamentarischen Monarchie etablieren, um die innenpolitische Stabilität im Reich zu garantieren und einen totalen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie die russische Revolution gebracht hat, zu verhindern.

Woodrow Wilson 1856-1924 – 28. US Präsident 1913-1921

Hinzukommen die drängenden Forderungen des amerikanischen Präsidenten Wilson, der unnachgiebig zugesichert haben will, dass die Allierten nicht mit einer autokratischen, sondern mit einer demokratisch legitimitierten Regierung verhandeln können, was letztlich nichts anders als die Abschaffung der Monarchie bedeutet. Dieses fast unlösbare Spannungsfeld, in dem sich die Reichsregierung in Berlin befindet und das durch die verschiedenen Interessenlagen der Beteiligten ein fast täglich zu änderndes taktisches Vorgehen erfordert, ist das reale Hindernis, um die November Revolution tatsächlich in eine gelebte, der Bevölkerung und dem Staat nützende Demokratie zu bringen. Die ursprünglichen diplomatischen Versuche, mit den Allierten zu einem Waffenstillstand oder gar zu einem Verständigungsfrieden zu gelangen, scheitern sämtlich. Dennoch ist es nicht nur Wilson, der beharrlich gegen eine wilhelminische Monarchie Stellung bezieht, zwischenzeitlich nehmen auch die wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Eliten eine gegen Wilhelm II. gerichtete Position ein, was dieser bis zur Absurdität lange verkennt. Das Ende ist bekannt. Sich selbst durch oftmals wirres Taktieren und durch ein bei beiden aus unterschiedlichen Motiven rückwärtig orientiertes Kalkül von Kaiser und Reichskanzler außer Kraft gesetzt, ermöglichen sie ungewollt die dringend notwendige Abschaffung der Monarchie und die Einführung einer gewählten, parlamentarischen Staatsform, die als Weimarer Republik bis 1933 bestehen wird. Das dies aber letzlich – wenn auch unter härtesten Anstrengungen – gelingt, müssen wir in der Tat der späteren Reichsregierung unter ihrem Reichspräsidenten Ebert und der Reichsregierung mit Politikern wie u.a. Philipp Scheidemann und Gustav Stresemann zurechnen.

AUCH IN MÜNCHEN – ABER ANDERS

Gänzlich anders in der bayerischen Hauptstadt München. Rücksicht auf internationale Verhältnisse muß Bayern nicht nehmen, auch gibt es so gut wie keinen Einfluß von außerhalb der Grenzen des Freistaates, wenn man von denen aus Berlin absieht. Ein viel radikalerer Stilwechsel in der Politik wird mit einer durchdringenden kulturellen Ansprache an das Volk und durch publizierte, transparente Angebote für die Mitwirkung an der Zukunft vollzogen. So gelingt es dem Intellektuellen Eisner, wichtige und einflußreiche Verbandspolitiker wie die Brüder Ludwig und Karl Gandorfer vom Bayerischen Bauernverbund, für eine tätige Mitwirkung an der Revolution zu gewinnen. Über die neue, freiheitlich-demokratische Idee sich zusammenfindende Schriftsteller wie Oskar Maria Graf, Rainer Maria Rilke, Heinrich Mann, Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer, um nur einige zu nennen, bringen sich ebenfalls in den Umbruch ein. So kann in Bayern sehr viel fantasievoller und engagierter als in Berlin über ein neues politisches System nachgedacht werden, an dem die unterschiedlichen politischen Strömungen und die Bevölkerung tragende Positionen einnehmen. Durch die unablässigen öffentlichen Debatten vermuten die Veränderungswilligen für die Neuerungen auch eine größere Aufgeschlossenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Allerdings dauert es nach dem Tod Eisners noch weitere 4 Monate, bis es über die vierwöchige Verirrung in eine „Räterepublik“ im August 1919 gelingt, eine handlungsfähige Regierung aus Vertretern der Bayerischen Volkspartei und den Sozialdemokraten zu bilden. 

Kurt Eisner also. Der Revolutionär. Der Sozialdemokrat. Der Intellektuelle. Eisner gilt als Gründer des Freistaats Bayern, war von November 1918 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1919 der erste gewählte bayerische Ministerpräsident. Sein ausgeprägtes Streben nach Veränderungen in Politik und Gesellschaft zeigt mit bis heute geltenden Verordnungen Erfolg, darunter der Acht-Stunden-Tag für Arbeitnehmer und die gesetzliche Kündigungsfrist, das Frauenwahlrecht, eine staatliche Erwerbslosenfürsorge und die Säkularisierung der Schulen.

Eisner, der studierte Philosoph, der Pazifist, steht für eine gewaltfreie Gesellschaft. Sein Ziel ist es, die bayerische parlamentarische Monarchie durch eine demokratische Rätevertretung zu ersetzen, die aber auch gar nichts mit Bolschewismus oder Kommunismus zu tun hat und Regierung und Landtag lediglich beraten soll. Das unterscheidet sich deutlich von den Zielen der von April bis Mai 1919 kurzfristig agierenden „Räterepublik“. Letzlich aber schaffen Bayerns starke Reaktionäre den Antrieb für seine Ermordung durch den Rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley am 21. Februar 1919.

Der Freistaat Bayern gedenkt Kurt Eisner durch zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen. Besonders zu erwähnen ist das Messenger-Projekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner“, in dem Kurt Eisner selbst durch tägliche Berichterstattung einen faszinierenden Einblick in die damaligen Vorgänge und Abläufe gibt.

„Ich, Eisner!“ erzählt die packende Geschichte der Revolution in Bayern von 1918 – in Echtzeit. Über WhatsApp oder Instagram berichtet Kurt Eisner, der Anführer der Revolution und erster Bayerischer Ministerpräsident, was vor genau 100 Jahren in München passiert ist.

München, November 2018: das dreiköpfige Autorenteam von Pfeifenblog.de hat die Idee, begeistert aufgegriffen von Pfeifen Huber. Hinzu kommt Hans Wiedemann von HU-Tobacco als ideenreicher Tabakblender und das Projekt nimmt seinen Lauf: der Kurt Eisner Blend, als Referenz an eine zeitgeschichtliche Epoche, deren Nachweise vor allem in München noch allgegenwärtig sind.


  • weiterführende Buchempfehlungen

Lothar Machtan – Kaisersturz, Endzeitkanzler
Volker Weidermann – Träumer, Ostende




Samuel Gawith | Golden Glow

Wir Pfeifen-Blogger sind schon ein bienenfleissiges* Volk, wir sammeln, rauchen und schreiben unermüdlich. (*Für die jüngeren Leser unter euch „bienenfleissig“ ist eine altertümliche Metapher aus der Zeit als noch gestreifte Insekten von Blüte zu Blüte geflogen sind, um Honig zu sammeln. Die wurden von Julia Klöckner und dem Bauernverband mit Glyphosat ausgerottet).

Kein noch so seltener, exotischer oder mauerblümchiger Tabak wird ausgelassen. (mauerblümchig ist gar keine richtige Adjektivbildung, ich wollte nur mal wieder was mit Blumen und so … wegen den Bienen … ist halt etwas verunglück…)
Golden Glow
was für ein faszinierender Name, er klingt nach Sonnenaufgang, nach gleissendem Licht nach Leucht- und Strahlkraft. Mal wieder ließ ich mich von dieser Attitüde blenden und erklärte mich für ein Tabak-Review zu diesem, mir bis dato unbekanntem Tabak von Samuel Gawith, bereit. „Broken Virginia Flake“ klingt nämlich gar nicht so verkehrt, dachte ich.

Öffnet man die rechteckige Dose mit der angedeuteten gelben Sonne, dann fällt wie bei allen neuen Samuel Gawith Tabaken die hochproffessionelle Verpackung auf. Ein schwerer Pappendeckel mit Eingriffslöchern presst den Inhalt der Dose fest zusammen. Mit etwas Kraft kann man ihn entfernen und entdeckt einen perfekt konditionierten und bretthart gepressten Tabak.

Wenn ich ein Tabakreview schreibe, dann bereite ich mich streng nach der Lee-Strasberg-Methode darauf vor. Das ist eine Art Method-Smoking. Ich vertiefe mich so sehr in den Tabak, dass alles Sein um mich herum ausgeblendet wird. Ich lebe nur noch in der Idee dieses Tabaks, dass ich selbst quasi dieser Tabak werde. So glühte es in meinem Leben gülden wie auch ich selbst. Ich lief im goldenen Herbst unter einer goldenen Herbstsonne durch einen golden glühenden Wald. „Golden Glow“ rauchend stand ich vor meiner Staffelei und malte von einem inneren Glühen erfüllt diese Herbststimmung. Ich wählte sogar einen goldenen Rahmen für mein Bild.

Als ich die Dose öffnete hatte ich noch den Geruch des trockenen Grases im Herbstlicht in der Nase und roch auch genau das:
Trockenes Gras!
Wenn man sich ein wenig Mühe gibt, kann man auch das eine oder andere Wildkräutlein erahnen. Ein winziges kleines Aromamolekül von einem verdorrten Blütenkelch.

Kommt mir jetzt bloß nicht mit den „heuigen Noten des Virginias“. Ich treibe mich ständig auf Almen herum, habe lange in der Landwirtschaft gearbeitet, ich habe Tonnen von Heu gemäht und mit der Mistgabel an Kühe verfüttert. Heu riecht wundervoll aromatisch. Unzählige Aromen aus tausenden Kräutern und Almblumen. Ein frischer Heuballen ist eine Aromabombe.
Das hier ist trockenes Gras!
Der Tabak ist in einem perfekten rauchbaren Zustand. Ich reisse ein paar Stränge aus der hochverdichteten Dose, fülle meine Pfeife, zünde (natürlich mit einem  goldenen Dunhillfeuerzeug) und schmecke, taste den Rauch mit der Zunge ab, lasse ihn ein und ausströmen durch mein golden glühendes Wesen und schmecke: trockenes Gras!

Inzwischen habe ich die halbe Dose geraucht, meine goldene Aura hat sich zurückgebildet und das gewohnte schwarze Gewitterwölkchen über meinem Haupt ist wieder da. Qualitativ ist dieser Tabak sicher hervorragend, er schmeckt vom ersten bis zum letzten Zug nach trockenem Gras, verliert auch niemals diesen Geschmack (nach trockenem Gras) und bleibt bis zum letzten Zug – langweilig.

Irgendwann habe ich begonnen ihn nur in Pfeifen mit sehr starkem „Gosting“ zu rauchen. Pfeifen, die ich mir mit fragwürdigen Aromabomben versaut habe. Dunhills aus denen seit Jahrzehnten nur Balkan geraucht wurde. Flohmarktpfeifen, die nach feuchtem Keller stanken. Und immer habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, wenn ich irgendetwas von diesen Geistern schmecken konnte. Irgendwann hatte ich sogar in einem Anfall von Hypochondrie die fixe Idee ich könnte mit Covid infiziert sein und hätte meinen Geschmacksinn verloren. Aber ein Schluck Marille, überzeugte mich vom Gegenteil. Meinem Geschmack geht es gut, nur der Tabak hat keinen.

All die Pfeifen in denen ich den Golden Glow geraucht habe, sind übrigens jetzt völlig frei von jeder Form von „Crossover“ oder „Gosting“. Dieser Tabak ist die perfekte Reinigung. Ist man früher mit Salz/Alkohol, Whisky oder 99% Ethanol diesen stinkenden Rauchhölzern zu Leibe gerückt, so ist das jetzt mit einer Füllung dieses Broken Virginia Flakes getan.

Fazit: Der perfekte Tabak zur Pfeifenreinigung oder für Liebhaber von Trockenem-Gras-Geschmack, denn die soll es ja angeblich auch geben.


 

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Pfeifen Huber | Epikur

Tabake werden nicht besser, nur weil man öfter über sie schreibt. Es gibt hier bereits einen Artikel über diesen Tabak, in dem vieles, was man vielleicht wissen will, schon beschrieben ist. Warum also nochmal einen Artikel über den Epikur? Ganz einfach: weil ich mehr über den Geschmack schreiben will und weil ich ihn vollkommen anders aufbereite, als Bodo das beschrieben hat.

In Erwartung, dass der Brexit auf dem Tabakmarkt nicht spurlos vorüber gehen könnte, habe ich kurzfristig beschlossen, mir nochmal ein paar Dosen des Epikurs zu kaufen und einzulagern. Das ist im Wesentlichen der Anlaß für dieses Review und meine Überlegungen.

EpikurBekanntlich handelt es sich beim Epikur um die Plug-Version von Samuel Gawith’s Full Virginia Flake. Der Full Virginia Flake wird in Deutschland flächendeckend angeboten, der Plug, also der Epikur, nur unter dem Huber Etikett. Jetzt kann man sich fragen, ob es das überhaupt braucht? Klare Antwort: Ja! Nächste Frage: Warum braucht es das? Und jetzt muss man schon ein bisschen weiter ausholen:

Plugs zu rauchen ist kein Zauberwerk, das einer erfahrenen Raucherelite vorbehalten ist, Plugs zu rauchen ist einfach nur mehr Aufwand! Und den betreibt man nicht, weil es etwas besonderes ist, mehr Aufwand zu betreiben, sondern weil man im Wesentlichen zwei Vorteile hat, wenn der gepresste Tabak nicht schon in Scheiben geschnitten oder gar zum Ready Rubbed vorgerubbelt ist.

Der erste Grund hat mit dem Hersteller Samuel Gawith und dessen Konfektionierung der Flakes zu tun: Die Scheiben des Full Virginia Flakes sind nicht selten relativ dick geschnitten, ungleichmäßig geschnitten und ziemlich feucht abgepackt. Das macht das Rauchen dieses Flakes manchmal nicht gerade einfach, je nachdem, wie man ihn gerade erhält. Beim Plug, der auch relativ feucht ist, hat man das Aufbereiten in der eigenen Hand, was für mich ein signifikanter technischer Vorteil ist.

EpikurDer zweite Grund dagegen ist viel fundamentaler und für mich der eigentliche, um die Plugversion zu bevorzugen: Plugs reifen anders als geschnittene Tabakscheiben oder gar ein Ready Rubbed! Der Geschmack, der dabei entsteht, ist komplexer und intensiver als bei den bereits aufbereiteten Versionen! Und gerade, wenn man dem Tabak Zeit zum Reifen lässt, ist es den Mehraufwand des Aufbereitens allemal wert!

Gleich vorweg möchte ich sagen, dass Samuel Gawith’s Full Virginia Flake für mich DER Referenztabak unter reinen Virginiatabaken ist – gerade nachdem McClelland mit ihrer speziellen Fermentation die Produktion eingestellt hat. Und der gereifte Epikur ist folgerichtig die Referenz der Referenz! Auch wenn es wirklich viele reine Virginias auf dem Markt gibt, in vielen Stilen, der Full Virginia Flake und der Epikur im Besonderen stellen für mich den Archetypus eines perfekten Virginias dar. Der Tabak zeigt alle Facetten auf, die Virginia haben kann und das auf allerhöchstem Niveau!

Der Epikur kommt in kleinen gepressten Quadern und Würfeln, zum Teil mit kleineren Flakestücken auf das richtige Füllgewicht von 100g gebracht. Das Konfektionieren eines solchen Tabaks ist nicht ganz einfach, weshalb diese Tabakform auch relativ selten ist. Wenn ich solche Dosen aufmache und reinschaue, dann denke ich immer an jemanden, der erleichtert „Ubongo“ schreit… Die Farbe der Tabakwürfel ist eher dunkelbraun mit hellen Streifen durchsetzt, an den Schnittflächen lassen sich schön die einzelnen Blätter mit ihrem farblichen Nuancen erkennen. Auch leicht hellgraue kristalline Ausscheidungen zeigen sich vereinzelt. Der Geruch ist intensiv malzig süß und hat feine Nuancen von getrockneten Früchten, eine ganz dezente Säure und etwas Heu.

EpikurInteressant ist, einen frisch gekauften Epikur mit einem vier Jahre lang gelagerten zu vergleichen: hier zeigt sich schon allein optisch, was der Reifeprozess bewirkt, denn der gereifte Tabak ist jetzt fast schwarz und im Geruch dominieren die Trockenfrüchte mit Karamell und etwas Schokolade, während das Heu vollends verschwunden ist.

Nächste Frage ist nun, wie bereite ich den Tabak auf, um ihn geniessen zu können. Bodo schlägt in seinem Artikel vor, ihn quasi in einen Cube Cut zu zerschneiden, also in kleine Würfelchen, die man dann in die Pfeife einfüllt. Mit dieser Version komme ich persönlich nicht besonders gut klar, weil, wie oben schon erwähnt, der Tabak relativ feucht ist und die feuchten Cubes lange brauchen, um ein bisschen zu trocknen und feucht nicht besonders gut glimmen. Die geschmackliche Entwicklung ist für mich eher bescheiden. Man kann ihn so rauchen, aber für mich ist das nicht die beste Wahl!

EpikurIch bevorzuge es, mit einem wirklich sehr scharfen Kochmesser sehr sehr dünne Scheiben von den Würfeln abzuschneiden, ca. 1mm dick, also fast eher Späne als Scheiben. Der Tabak ist feucht und dicht genug, sodass diese dünnen Späne nicht zerfallen. Auf diese Weise lässt sich der Tabak ganz leicht etwas antrocknen – das dauert nur zehn Minuten bis eine Viertelstunde – und die so getrockneten Scheibchen lassen sich perfekt in Kügelchen gedreht oder geknickt und gefaltet in den Pfeifenkopf füllen. Wie bei einem Flake. Nur entwickelt bei meiner Art zu rauchen der etwas trockenere Epikur auf diese Weise eine größere Geschmacksfülle, weil er unkomplizierter und bei mir kühler abglimmt. Das liegt auch daran, dass ich die relativ feuchten Cubes doch öfter mal nachzünden muss, während die getrockneten Späne problemlos langsam vor sich hinglimmen. Das macht sich bei mir geschmacklich sehr positiv bemerkbar.

EpikurEntzündet man den Tabak, was auch bei meiner Methode ein paar Anläufe braucht bis die Oberfläche gleichmäßig glimmt, dann haben wir sofort betörend süße malzige Noten mit einem leichten Karamell und Röstaromen wie von Brotkruste. Anfangs auch mit leichten heuigen Noten versetzt, die sich aber im Lauf der Füllung immer weiter verflüchtigen und mehr und mehr den Noten nach getrockneten Früchten (Feige) und in Nuancen dunkler Schokolade Platz machen. Die ersten zwei Drittel der Füllung wirkt der Tabak opulent und cremig süß, erst zum Ende hin wird er nicht nur stärker und intensiver sondern auch zunehmend erdiger und kantiger. Die Süsse bleibt bis zum Finale präsent und sorgt dafür, dass der Geschmackseindruck nicht rustikal endet, sondern immer fein und perfekt balanciert wirkt.

Full heißt hier nicht stark im Sinne von Nikotinstärke, sondern im Sinn von Geschmacksfülle! Auch wenn der Tabak schon das nötige und natürliche Gewicht besitzt und keineswegs leicht ist. Überwältigend stark aber ist er nicht. Wem er trotzdem zu kraftvoll daherkommt, der sei an den Best Brown Flake oder dessen Plug-Bruder Kendal Plug verwiesen! Der ist im Stil ähnlich, aber deutlich leichter, was man allerdings auch an der Geschmacksfülle merkt: kleines Feuerwerk beim Kendal Plug, großes Feuerwerk beim Epikur!