Robert McConnell Heritage | Paddington

Ich weiß nicht, was mich getrieben hat, den Paddington zu kaufen. Wahrscheinlich wollte ich ein Review drüber schreiben, weil ich die Robert McConnell Heritage Reihe ganz grundsätzlich als interessant und gelungen empfinde. Und weil die STG Version des Dunhill „The Royal Yacht“ mir ganz gut gefallen hat. Na ja, also im Vergleich zur Murray’s Version zumindest.

McConnell PaddingtonEin Lieblingstabak war das nie von mir, aber einer, den man ganz gut immer mal rauchen konnte, wenn man einen mittelkräftigen leicht aromatisierten Virginia haben wollte. Die Murray’s Version war von STG in diesem Fall natürlich vollständig entstellt worden, was meinem Geschmack diesmal aber entgegen kam, denn aus extrem breit, erdig, schwer und stark mit einer zwar geschmacklich eher dezenten, aber tonnenschwer lastenden Aromatisierung wurde ein Tabak, auf dem auch problemlos WØ Larsen hätte stehen können. Deshalb war ich schon neugierig, wie K&K die Sache angegangen ist.

Kurz gesagt, wenn der Tabak, der in meiner Dose war, der Tabak ist, der der STG Version des Royal Yachts nachempfunden wurde, dann ist das Vorhaben in dieser Hinsicht geringfügig misslungen. Aber da muss man vielleicht ein bisschen ausholen: In der Produktbeschreibung des STG Dunhill „Ye Olde Signe“ stand, dass ein kleiner Anteil des Royal Yachts im Ye Olde Signe enthalten wäre. Und der Paddington scheint dieses Prinzip umgekehrt zu haben. In dieser Royal Yacht Nachempfindung ist geschmacklich eine gehörige Portion rauchig erdiger Ye Olde Signe bei offensichtlicher Knappheit an Aromastoffen.

McConnell PaddingtonSo wird ein schöner und kraftvoll erdiger Tabak daraus, der ein bisschen so daherkommt, als hätte man bei der Murray’s Version die Aromatisierung vergessen. Oder anders, um im STG Dunhill Portfolio zu bleiben: das Vorbild scheint ein imaginärer „Ye Olde Yacht“ gewesen zu sein. McConnell PaddingtonAls vollmundig kraftvoller Tabak, mit sehr schönen verschiedenen Virginias, darunter auch dunkle rauchig erdige, gefällt er mir wirklich gut und wird sicherlich seine Liebhaber finden. Ein wirklich gut gelungener, schöner charaktervoller Tabak, der sich problemlos rauchen lässt. In meinen Augen, für sich gesehen, lässt der Paddington die STG Version des Royal Yachts deutlich hinter sich!

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, was aus der „Ye Olde Signe“ Nachbildung geworden ist? Aber ich habe keine Lust mehr auf diesen Zirkus. Das soll jemand anderes machen…




Wermut? Vermouth (stile torinese) selbst gemacht – ein Erfahrungsbericht

Es gibt Projekte, die man sich in den Kopf gesetzt hat, die macht man um ihrer selbst Willen. Um der Erfahrung Willen, um etwas besser verstehen zu können und nicht, um irgendetwas, was man kaufen kann, einfach billiger selber zu machen. Ich habe mir gedacht, einen Vermouth, also einen mit Botanicals aromatisierten und aufgespriteten Wein, müsste man doch mit überschaubarem Aufwand selbst machen können. Ich habe also gelesen, im Netz recherchiert und etliche Artikel, Videos und Rezepte gefunden. Auf deutsch eher weniger, aber ein paar brauchbare englische und vor allem italienische Artikel habe ich doch gefunden. So richtig überzeugt haben mich die allerdings nicht, auch wenn der Aufwand der Rezepte einfach bis überschaubar war.

Artemisia absinthum

Frisches Wermutkraut – Artemisia absinthum

Die Idee

Meine Überlegung war, wenn ich sowas beginne, dann soll etwas sinnvolles und besonderes rauskommen und ein Produkt entstehen, das zumindest mit dem, was ich kaufen kann, nicht nur mithalten kann, sondern auch etwas anders ist, als das, was ich kaufen kann. Die Tatsache, dass ich mich seit über 30 Jahren intensiv mit Wein beschäftige, war hierbei sehr hilfreich. Die Tatsache, dass ich ein leidenschaftlicher (Kräuter-)Gärtner bin, nicht weniger. Die einzige Erfahrung, die ich mit Vermouth hatte, war die des engagierten Liebhabers klassischer Cocktails, wo eigentlich immer die Frage im Raum steht, welchen Vermouth man am besten mit welchen Spirituosen und Likören paaren kann, um einem Drink eine bestimmte Richtung zu geben. Das war der Ausgangspunkt und der war vor ziemlich genau einem Jahr. Solange verfolge ich dieses Projekt, das ich jetzt vor drei Tagen abgeschlossen habe.

Weinraute

Weinraute

Ich hatte bei diesem Projekt unbezahlbar wertvolle Hilfe von einem ebenso leidenschaftlichen wie ausgezeichneten jungen Barkeeper, der mir nicht nur mit einem essentiellen Tipp entscheidend geholfen hat, sondern der mir auch die Möglichkeit gegeben hat, meine Produktkenntnis zu vertiefen, indem er mir mal in der Bar zu meinem Manhattan einfach sieben kleine Degustiergläser aufgebaut hat und mich alle gerade offenen roten Vermouths gegeneinander probieren lies oder immer mal wieder bei einem Besuch mit der Frage „Kennst du den schon?“ ein „neues“ Produkt testen lies, aus dem dann nicht selten mit einem „neuen“ Whiskey eine für mich neue Manhattan-Version wurde. Gerade dieses Gegeneinander-Degustieren war für mich sehr wichtig, weil man von einem Vermouth-Typ zu Hause höchstens eine offene Flasche im Kühlschrank hat, denn eine offene Flasche Vermouth hält sich ohne Qualitätsverlust eigentlich nur einen Monat, wenn überhaupt. Und wir sind ja Cocktailliebhaber, keine Trinker.

Wermut oder Vermouth

Grundsätzlich kurz zur Erklärung für diejenigen, die mit Cocktails eher wenig am Hut haben (den Text aber trotzdem lesen wollen): Man unterscheidet grob drei verschiedene Typen von Vermouth:

1.) Dry Vermouth (French Vermouth) – das ist ein trockener, weißer Vermouth, wie man ihn etwa für Dry Martinis braucht oder in der Küche für Fischgerichte. Meine liebsten Vertreter wären der große Klassiker Nouilly Prat oder der Dolin.

2.) Blanc Vermouth  – das ist ein süßer weißer Vermouth. In der Bar meist anstelle oder in Kombination mit den anderen beiden Typen oder mit Bitters im Vesper verwendet. Am hinreissendsten ist er aber pur als Aperitiv mit einer Zitronen- oder Orangenzeste auf Eis. Ich persönlich finde den deutschen Belsazar White besonders gelungen.

3.) Sweet Vermouth (Italian Vermouth) – das ist ein süßer, meist dunkel bernsteinfarbener oder rötlicher Vermouth. Es ist der wichtigste Vermouth der klassischen Cocktailkultur und auch die Ur-Form des Vermouths, erfunden in Turin im 18. Jahrhundert. Meine Lieblingsprodukte sind Carpano Antica Formula, Cocchi und del Professore. Um diese Form des Vermouths geht es hier in diesem Artikel.

Alle Typen werden ausschließlich oder zumindest größtenteils aus meist trockenen Weissweinen gemacht, mit Zuckersirup gesüsst und gegebenfalls mit dunkel karamellisiertem Sirup gefärbt, danach mit dem Botanical-Mazerat aufgespritet. Die meisten Do-it-yourself-Rezepte werfen einfach alles zusammen und spriten dann mit irgendeinem Schnaps auf. Das war für mich keine Option.

Lavendelblüten

Lavendelblüten

Die Botanicals

Die erste Überlegung bei der Planung des Projektes war für mich die Auswahl der Botanicals: die meisten in Frage kommenden Kräuter wachsen bei uns sowieso, weil bei uns sehr viel mit frischen Kräutern gekocht wird. Genauso sieht es mit den Gewürzen aus, die bei uns in der Küche immer vorrätig sind. Die Wurzeln wurden im Kräuterladen oder in der Apotheke gekauft und so blieb eigentlich nur das Kernstück des Kräutersortiments, aus dem ein Vermouth besteht, übrig, nämlich der Wermut selbst, nachdem das Produkt ja auch benannt ist. Nun findet sich im Wikipedia-Artikel zum Vermouth der Hinweis, dass es Kräuter der Familie „Artemisia“ sein müssen, also nicht zwangsweise nur Wermut (Artemisia absinthum) und so habe ich mich schlau gemacht und beschlossen, mehrere Kräuter aus dieser Familie zu verwenden. Wermut kann man getrocknet vollkommen problemlos kaufen, die anderen aber nicht. So beschloss ich im Dezember, Saatgut zu bestellen, diese Kräuter selbst anzubauen und sie alle frisch zu mazerieren. Während des Sommers habe ich mit dem frischen Wermut und trockenem Weisswein mal so etwas wie einen „Dry-Martini-Smash“ probiert, indem ich ein paar kleine Blättchen Wermutkraut mit Weisswein im Mörser zerstoßen und dann mit dem Gin und ein bisschen Orangenbitter auf Eis verrührt habe: Das ist, als ob man seinen trockenen Martini inmitten einer frisch gemähten Wiese trinken würde.

Vermouth MazerateDas Mazerieren

Apropos mazerieren: nun kommt der entscheidende Tipp des Barkeeper-Profis ins Spiel: „Mach‘ die Mazerationen möglichst getrennt, dann hast du die Kontrolle! Wenn du alles auf einmal machst, läufst du Gefahr, dass irgendwas besonders vorschmeckt und du kannst alles wegschütten!“ Keines der Rezepte, die ich gefunden hatte, berücksichtigte diese Überlegung und kein Rezept hatte Maßangaben, die so präzise waren, dass man davon ausgehen konnte, dass die Balance wirklich stimmt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser und so habe ich mich für hohen Aufwand entschieden. Zum Glück!

Um den Aufwand aber nicht ganz ausufern zu lassen, habe ich die gängigeren Kräuter und Gewürze in „Geschmacksgruppen“ zusammengefasst und zwar so, wie ich sie auch in der Küche kombinieren würde. Auf diese Weise habe ich die Anzahl der Mazerate von 27, denn soviel Botanicals sind enthalten, auf zehn reduziert. Das war ein gute Entscheidung, aber trotzdem tauchte hier das einzige, zugegeben kleine, Problem auf, denn ich würde, wenn ich je nochmal so ein Vermouth-Projekt beginnen sollte, Sternanis und Kardamom getrennt für sich alleine mazerieren, um diese Aromen noch besser balancieren zu können. Alles andere würde ich genauso wieder machen.

Vermouth MazerateEnthalten sind folgende „Likörkräuter“: Wermut, Edelraute, Weinraute, Lakritztagetes. Ich hatte auch noch Eberraute angepflanzt, aber der hat irgendeine Wurzelkrankheit im Juli den Garaus gemacht. An aromatischen Kräutern sind darin: Thymian, frische Lorbeerblätter, Salbei, Rosmarin, Zitronenverbene, Minzblüte, Lavendelblüte und frisches Zitronengras. An Gewürzen: Canehl-Zimtstangen, Vanillestangen, Sternanis, grüner Kardamom, Muskatblüte, Koriandersamen, Wacholderbeeren, Nelken, Jamaika-Piment, Voatsiperifery-Pfeffer, Zitronenschalen, Orangenschalen und frischer Ingwer. An getrockneten Wurzeln kommen noch Enzianwurzel und Angelikawurzeln hinzu.

Vermouth Mazerate

Die Mazerate wie die Weine wurden mehrfach gefiltert.

Zum Mazerieren habe ich in den allermeisten Fällen neutralen 40%igen Vodka genommen, lediglich bei der Edelraute habe ich eine Grappa benutzt, bei der Lakritztagetes einen fränkischen Vogelbeergeist (mein österreichischer Vogelbeerbrand war mir zu kraftvoll) und bei den „süßen“ Gewürzen einen Wachauer Marillenbrand. Die Grappa würde ich im Nachhinein auch durch Vodka ersetzen, weil das geschmacklich kein Gewinn war, aber die beiden anderen „markanten“ Spirituosen funktionierten perfekt. Alle Botanicals mazerierten zwei Monate und wurden dann abgefiltert.

Der Wein

Nun kam der nächste und nicht weniger bedeutsame Schritt: die Auswahl des Weines, bzw. der Weine. Und hier hatte ich eine wirklich fantastische Idee, die den klassischen Herstellungsprozess von Vermouth allerdings vollkommen auf den Kopf stellt. Anstelle einfacher Weissweine, die mit karamellisiertem Sirup gesüsst und gefärbt werden, beschloss ich, aus hochwertigen gereiften Süßweinen in Kombination mit frischeren Weinen eine Cuvée zu machen, die das billige Süßen überflüssig macht.

Vermouth Weine

Die Weine für den Vermouth

Erstens habe ich einen sehr gut bestückten Weinkeller mit einer gemessen am Verbrauch fast zu großen Anzahl an Dessertweinen und zweitens muss ich im Gegensatz zu den Vermouthproduzenten nicht auf Wirtschaftlichkeit achten. Für dieses eine Projekt wählte ich also eine 1993er Welschriesling Trockenbeerenauslese, eine 1995er Welschriesling Beerenauslese, eine 1999er Weißburgunder Trockenbeerenauslese, die im Barrique ausgebaut war, alle aus dem Burgenland, und die durch die lange Reife bereits bernsteinfarben sind. Für die nötige frische Aromatik sorgte ein 2017er Gelber Muskateller halbtrocken vom Kaiserstuhl und für ein paar rotbeerige kirschige Aromen mit leichtem Tannin ein 2016er roter Zweigelt Spätlese süß, ebenfalls aus dem Burgenland. Das Fantastische daran ist, dass alle Süsse des Vermouths ausschließlich aus dem Produkt kommt und nicht billig hinzugefügt wurde in Form von Sirup oder Traubensaft. Außerdem erhielt der Vermouth auf diese Weise eine unglaubliche Komplexität.

Mazerate mit Weinbasis

Mazerate mit Weinbasis zum Verschneiden

Das Verschneiden und Aufspriten

Jetzt wurde es kompliziert und besonders schön und spannend, denn es galt nun, aus den Mazeraten und der Weinbasis das richtige Verhältnis zu finden, also ein noch wesentlich komplexeres Cuvéetieren als bei der Weinbasis zuvor! Hierzu habe ich entsprechend meiner zehn einzelnen Mazerate zehn Kleinstmengen der Weincuvée erstellt und mit jedem Mazerat einzeln gespritet. So konnte ich schmecken, wie sich jedes einzelne Mazerat auf die Weincuvée auswirkt. Aus diesen zehn kleinen Einzelcuvées habe ich mir dann in vielen Versionen und Versuchen den endgültigen Vermouth verschnitten. Alles Verschneiden erfolgte bisher mit der Pipette. Als dieses endgültige Verhältnis gefunden war, habe ich aus den Mazeraten die entsprechende Botanicalmazeratcuvée gebaut und mit dieser dann die „große“ Weincuvée aufgespritet. Mein Vermouth war fertig und wurde in Flaschen gefüllt.

Glas VermouthDas Resultat

Ich bin glücklich und zufrieden, ich habe einen „italienischen“ Vermouth, der so komplex ist, dass er sich problemlos in allen Cocktails behaupten kann. Selbst ein klassischer Drittelnegroni mit Tanqueray und Campari lässt die Komplexität des Vermouths eindeutig im Vordergrund ohne dass er zu süss wäre. Auch im Boulevardier und im Manhattan funktioniert er wundervoll. Die Herausforderung Chartreuse im Greenpoint habe ich noch nicht probiert. Mir ist allerdings auch klar, dass diese Komplexität einen hohen Preis hat, denn die verwendeten Weine machen das Projekt, wenn man sie heute erwerben müsste, natürlich vollkommen absurd. Bei mir war das ein bisschen anders, denn die Weine wurden in den 90ern zu ganz anderen Preisen gekauft als sie heute kosten würden. Auch der Faktor Reifezeit muss nicht kalkuliert werden. Von allen Weinen habe ich noch einige Flaschen, aber die werde ich mit Roquefort oder Fourme d’Ambert geniessen oder pur. Von dem Mazeratcuvée habe ich auch noch genug für ein paar Liter Vermouth und werde, wenn der hier (insgesamt zwei Liter, die ich gemacht habe) zu Ende ist, es mal klassisch mit Weißweinen und Sirup veruchen oder auch nur mit Weissweinen, um mich an die anderen Vermouth-Versionen heranzutasten. Alleine die Erfahrung war es wert. Und meine Frau, die mir beim Verschneiden mit Ratschlägen und großem Elan geholfen hat, ist auch begeistert.

 




Neues von HU Tobacco: Night Owl und Dark Moor

Night Owl DoseIn Zeiten, in denen mal hier ein Tabakhersteller zu sperrt, mal dort ein Pfeifenhersteller und bedeutender Zulieferer die Produktion einstellt, von diversen Fachgeschäften ganz zu schweigen, und wir uns aufrichtig freuen, dass diese erschütternd lächerliche Posse um die skelettierten Reste von Dunhill-Tabak nun ihren Höhepunkt in ihrer Platzierung als Peterson-Tabake gefunden hat, in solchen Zeiten haben es Nischen Produzenten leicht, im tristen Gefilde des Mainstream-Marktes für Licht zu sorgen.

Natürlich sind diese Lichter klein und in Relation zum Gesamtmarkt gesehen nicht besonders hell, sodass sie nur von jenen gesehen werden, die danach schauen. Aber hat man sie mal gefunden, diese erleuchteten Nischen, dann merkt man schnell, wie außergewöhnlich schön solche Plätze sein können. Im eher dichten und herbstlich kalten Nebel bin ich gerne Wegweiser zu solchen kleinen Sonnen. Dark Moor DoseHans Wiedemann von HU Tobacco hat zwei neue Tabake herausgebracht, zwei ungewöhnliche Tabake bzw. zwei ungewöhnliche Interpretationen von stilistisch eigentlich gar nicht so Ungewöhnlichem. Und um es gleich vorweg zu nehmen: diese zwei Tabake gehören für mich zum Besten, was Hans in den letzten Jahren gemischt hat. Warum? Weil sich hier jemand sehr viele Gedanken um etwas stilistisch sehr individuelles, ausgefeiltes gemacht hat – jenseits davon Everybody’s Darling sein zu wollen und dabei trotzdem etwas geschaffen hat, was von vielen als das Besondere erkannt wird. Ich habe gehört, dass die Tabake, die gerade mal eine gute Woche auf dem Markt sind, bereits nachproduziert werden müssen. Das freut mich umso mehr!

Night Owl DoseAber jetzt endlich zum Tabak: Der erste heißt „Night Owl“, es ist eine Ribbon Cut Mixture auf Basis sehr vollmundiger, kraftvoller und süßer Red Virginias mit schokoladigen Burleys und etwas Perique. Die Besonderheit besteht in einer kleinen Menge Kentucky, welche der Mixture einen einzigartigen Charakter verleiht.

Nun gibt es im Portfolio von HU Tobacco ja schon ein paar sehr respektable Burley-Virginia basierte Mischungen und trotzdem eröffnet der Night Owl eine ganz neue stilistische Facette! Da sind der „Nashville County“ und der Huber/Pfeifenblog „Kurt Eisner“, die eher mittelkräftige, geradlinige Vertreter dieser Richtung sind, und der Makhuwa aus der Afrika-Reihe, der exaltiert schokoladig und trockenfrüchte-süss die Malawi-Burleys und den Perique ins Zentrum rückt. Der Night Owl dagegen ist deutlich kraftvoller und gänzlich anders balanciert, denn die intensive malzige Süße der Virginias findet mit der Schokolade des Burley-Anteils und der Trockenfrüchte Herrlichkeit des Periques zwar ein perfektes würziges Gegengewicht, aber es ist der Kentucky, der dafür sorgt, dass der Night Owl eine verhangene Erdigkeit erhält, die den Tabak nicht zu lieblich erscheinen lässt. Geschmacklich tritt der Kentucky nie in den Vordergrund, aber er wirkt im Wechselspiel der anderen Solisten wahre Wunder und macht den Tabak ungemein interessant, weil sich der Night Owl so nie auf eine Seite schlägt und doch alle Seiten vortrefflich bedient! Vollmundig malzig süß, cremig schokoladig, pikant und erdig mit den nötigen Kanten. Was will man mehr?

Night Owl TabakMan sollte den Night Owl vielleicht nicht vor dem Frühstück auf leeren Magen rauchen, da kann er schnell hinsichtlich seiner nicht unbeträchtlichen Stärke allzu fordernd wirken, aber wie der Name Night Owl schon sagt, nach einem anständigen Abendessen ist er auch mit seiner Kraft eigentlich kein Problem. Und wenn man doch Angst hat, dann nimmt man einfach eine kleinere Pfeife! Der Night Owl ist jeden Versuch wert! Dieser Tabak ist nicht nur Nachteule, er ist auch Nachtigall zugleich!

Füllen, Stopfen, Entzünden und Rauchen lässt sich der Night Owl vollkommen problemlos, gleichmäßig und kühl. Ein Füllung ist Hochgenuss pur voller Charakter, voll kreativer Originalität und ich wünschte, es würde viel mehr solche ausgefeilten Tabake geben, über die es sich zu sprechen lohnt, als dass wir uns darüber unterhalten müssten, welcher schale Schatten des Dunhill 965 jetzt der längere ist!

Dark Moor DoseDer zweite neue Tabak von HU Tobacco heißt Dark Moor. Hier handelt es sich um eine Ribbon Cut Mixture mit kleinen Ready Rubbed Flakes darunter. Im wesentlichen sind es hier verschiedene mittelbraune Virginias, die mit Kentucky und Perique balanciert sind. Wie der Night Owl auch ist der Dark Moor kein Bruder Leichtfuß, seine Stärke würde ich ähnlich dem Night Owl bei einer Skala von 1-6 auf 5 einschätzen.

Anders als beim Night Owl hält sich der Kentucky hier aber nicht so im Hintergrund, sondern gibt mit seiner leicht rauchigen Erdigkeit einen gewichtigen Solopart, der wiederum von einer schönen Portion Perique trockenfruchtig kontrastiert wird. Die Virginias liefern einen breiten und schön cremig süßen Teppich, ohne dass dieser Teppich je zu flauschig weich oder gar pappig wirken würde. Der Kentucky balanciert die Virginias mühelos aus und es entsteht, um beim Bild des Moores zu bleiben, eine Stimmung von dunkel schwerem feuchtem Waldboden, in dem die kühlen Nebelschwaden es gerade noch nicht vermochten, die Reste der verbliebenen Herbstsonnenwärme des vergangenen Tages zu vertreiben. Zwischendurch und nur in Ansätzen schafft es der Dark Moor, eine schöne sehr leichte und ätherische Ledrigkeit zu zeigen, wie sie bei Pfeifentabaken ziemlich selten ist. Zweifellos ist der Dark Moor bildlich genommen ein Herbsttabak, der den Weg in die häusliche Stube zu einem wärmenden Kaminfeuer und einem Glas Portwein weist.

Dark Moor TabakIch würde auch den Dark Moor eher für eine Pfeife nach dem Abendessen empfehlen, aber er ist kein Tabak, vor dem man hinsichtlich seiner Kraft Angst haben müsste. Er ist weit von Petersons Irish Flake oder MacBarens HH Bold Kentucky mit ihrer geschmacklich gewaltig kräftigen Kentucky-Donimanz entfernt. Von den S.Gawith Twists ganz zu schweigen. Ich habe den Dark Moor aus verschiedenen Pfeifen geraucht, aus neutralen Meerschaumpfeifen wie aus Pfeifen, aus denen ich sonst nur Virginias rauche, wie aus Latakia-Pfeifen und mir hat er am besten aus den Latakia-Pfeifen geschmeckt, denn das ätherische Latakia-Crossover im Hintergrund bekommt dem Dark Moor meines Erachtens sehr gut, weil es der erdigen Kentucky-Rauchigkeit eine zusätzlich andersartige rauchige Komponente gibt, ohne den Geschmack des Tabaks zu beeinträchtigen. Der Dark Moor ist im Geschmack ohnehin kräftig genug um sich nicht allzu sehr beeinträchtigen zu lassen.

Beide Tabake sind als Gruppentabake für die „Pipe Enthusiasts Germany“ entstanden. Das ist, soviel ich weiß, eine Facebookgruppe. Falls ich falsch liege (ich nutze Facebook nicht), möge man mich bitte berichtigen! Ich weiß nicht, wie groß der Anteil dieser Gruppe oder der Organisatoren aus dieser Gruppe am Stil und am Charakter dieser beiden Mischungen ist, aber man kann allen Beteiligten nur sagen, dass sie es gut gemacht haben. Sehr gut sogar! Und das gilt auch für die wunderschönen Etiketten, denen Chiaroscuro-Aquarelle von Alexander Broy zugrunde liegen, aber dazu kann er sicher selbst mehr sagen!?

Peter Hemmer

Über die Etiketten

von Alexander Broy

Night Owl Pfeifentabak

Es war eine sehr gute Entscheidung Peter das Tabakreview der beiden Tabake, schreiben zu lassen, ich hätte das niemals so gekonnt. Ich kenne die beiden schon etwas länger, denn Hans hatte mich mit Vorabproben versorgt. Ich hatte den Auftrag die Dosen-Etiketten zu designen und tat mich mit den gelieferten Logos und Fotos sehr schwer. Nicht nur, weil die – alle Grafiker kennen das Problem – nicht in druckfähiger Auflösung waren, sondern das Alles war für mich sehr schwer fassbar. Also bat ich Hans Wiedemann, mir Proben zu schicken, damit ich mir ein vernünftiges Bild von dem Produkt machen könne, für das ich eine Verpackung designen sollte. Das war jetzt keine so revolutionäre Idee, ich denke auch die Designer für Früchstücksflocken probieren erst die Zuckerbrösel, bevor sie den Tiger malen …

Spätestens nach der zweiten oder dritten Pfeife war mir klar, dass ich da mit Handyfotos, Photoshop und ein paar flockigen Comic-Sans-Fonts nicht arbeiten würde können. Also ab ins Atelier. Diese beiden Kräuter verlangten nach Handgemachtem. Ich empfand sie als so erdig, schwer und düster, dass mir sofort klar wurde, dass ich mit schwarzer Tusche auf dunklem Papier arbeiten wollte. Ich bin eigentlich kein Sumi-e Maler, aber ich habe natürlich Tusche für meine Holzschnitte im Atelier.

Es waren einige Eulen und Moore, die ich gemalt habe, jedes Bild nach wenigen Minuten fertig und zu Fidibussen fürs Kaminfeuer degradiert. So läuft das bei solchen Bildern, es muss schnell gehen, oder gar nicht. 🙂

Aber was soll ich lang reden, ich habe einen relativ neuen YouTube-Channel und auf dem habe ich ein Video zu diesem Projekt veröffentlicht. Dieses darf ich euch hier empfehlen und artig fragen, ob ihr mich nicht abonnieren mögt – jeden Freitag gibt es ein neues Video vom Landschaftsmaler eures Vertrauens 😉




++++ Neues und nicht ganz so Neues ++++

++++ Der 1953 gegründete Berliner Tabakhersteller und Distributor Planta wurde von der dänischen MacBaren Tobacco Company /Svendborg übernommen und ist als Tabakhersteller Geschichte +++++ Die 1948 in Berlin von Pfeifenmacher Hubert Hartmann gegründete Pfeifenfabrik wurde im Jahre 1983 von der  Planta Tabak Manufaktur Dr. Manfred Obermann GmbH & Co. KG übernommen und in Pfeifenstudio Hartmann DB Design Berlin umbenannt. Bereits 2017 wurde der Betrieb eingestellt. ++++ Butz Choquin , einer der ältesten unabhängigen Pfeifenhersteller, der neben den eigenen Brands sehr aktiv im OEM-Geschäft tätig war (darunter auch für Dunhill), hat nach über 160 Jahren die Pforten geschlossen. Der bekannte Hersteller wurde 1858 im lothringischen Metz gegründet und 1951 nach St. Claude im französischen Jura verlegt, einem ehemaligen Zentrum der Pfeifenherstellung in Frankreich ++++




Peterson (Dunhill): die Rolls und der Flake sind zurück!

Zeit war`s. Nun müßen wir uns endlich nicht mehr einreden, daß der Robert McConnell Heritage Highgate der Nachfolger des mittlerweile legendären Escudo / Dunhill DeLuxe Navy Rolls sei, obwohl er eigentlich ausschaut wie der Orlik Bulls Eye Flake und auch so riecht und schmeckt (vermutlich ist das bei Kohlhase & Kopp eh noch keinem aufgefallen :)) und der in der Mark II Auflage quietschgelb mutierte Flake keineswegs auch nur annähernd an den Dunhill Flake heranreicht. Beide Original STG Produktionen sind zurück und verfügbar. Sie schmecken so, wie wir es lieben und viele von uns so schmerzlich vermißt haben und in deren Folge gibt es auch wieder die Early Morning Pipe, die Night Cap und die 965 Mixture, nicht als gelbe Chimären, sondern in der von STG in der Murray`s Nachfolge hergestellten „Fassung“.

Im gestrigen Freitagsclub der Münchner Runde wurden die Rolls und der Flake ausgiebig getestet …. und ja, die Dunhills sind wieder da, originalgetreu, schmackhaft, wundervoll.

Wen stört es da, dass statt des Dunhill Schriftzugs nun aus vertragsrechtlichen Gründen Peterson steht, das übrige Design ist wie zuvor.

Für diese beiden Tabake brauchen wir kein neues Review schreiben und können auf die hier bereits veröffentlichten verweisen, die nun wieder Gültigkeit haben. Das zeigt, wie nachhaltig der pfeifenblog.de arbeitet :))

Petersen (Dunhill) DELUXE NAVY Rolls

Peterson (Dunhill) FLAKE




The Danish Pipe Shop | Kopenhagen Reisebericht

Dänemark. Ein Pfeifenraucher assoziiert damit sofort Pfeifen mit ungewöhnlichen freien Formen und Tabake, die nach Vanille und/oder Lakritz schmecken. Neben England ist Dänemark sicherlich die bekannteste Pfeifenrauchernation. Pfeifenmacher der Familien Ivarsson und Chonowitsch, WØ Larson, Bo Nordh, Micke und viele mehr prägten den dänischen Stil der weichen, natürlichen und freien Form, die ganz im Gegensatz zu den strengen klassischen Modellen der Engländer, wie z.B. Dunhill oder BBB standen. Fährt man dieser Tage nach Dänemark, so bietet sich dem Besucher allerdings ein ganz ähnliches nüchternes Bild wie in Irland, England oder sonst wo auf der Welt: Pfeifenraucher sind kaum mehr Teil des Straßenbildes und Tabake werden an Tankstellen und Lotto-Toto Geschäften verkauft – immer die selben fünf langweiligen Pouches.

Ich fahre schon seit unzähligen Jahren nach Dänemark, allerdings nicht um dort teure Freehands zu erwerben oder mir besondere Tabake zuzulegen, sondern um den maximal langweiligsten Urlaub zu machen, den man für viel Geld bekommen kann. Die Landschaft der dänischen Westküste ist wundervoll und an jeder Stelle der Nordsee nahezu identisch. Es gibt die See, einen Strand, ein paar Dünen mit Ferienhäusern, einen Radweg und eine Straße. Ab und zu ist noch ein Fjord dazwischen, davon sieht aber auch einer aus, wie der andere. Die kleinen Städtchen die in das Flachland hinter den Dünen gestreut sind, sind an Langweiligkeit nicht zu überbieten. Alles hübsch, sauber und hygge. Es gibt nichts, was auch nur im entferntesten aufregend wäre. Ich liebe es dort im August bei schlechten Wetter mit Norwegerpulli und Lederhose auf der Düne zu stehen und Strandhafer zu malen.

Wo ich bisher aber noch nie gewesen war, war die Hauptstadt Kopenhagen und das habe ich dieses Jahr endlich nachgeholt. Als ich von meinen Reiseplänen im Münchner Pfeifenclub erzählte, wurde bei mir sofort eine riesige Bestellung My Own Blend 800Ø abgegeben. Wie ich solche Mengen einkaufen sollte, war mir zunächst ein Rätsel. Ich würde mir eines der berühmten Christiania Lastenräder leihen müssen und hoffen dass dort ein paar Euro-Paletten Tabak hinein passen würden.

Es gibt in Kopenhagen nur noch ein einziges richtiges Tabak- und Pfeifenfachgeschäft, einen Laden, der schon seit 1969 dort ansässig ist und bei dem es neben anderen Schätzen, eben diese eine Tabaklegende zu kaufen gibt: The Danish Pipeshop. Er wird in der zweiten Generation von Nikolaj Nielsen geführt und ist erst vor ein paar Jahren in ein größeres Ladengeschäft umgezogen. Dazu gibt es einen kleinen Film, den ich gerne empfehlen möchte. Ich habe Herrn Nielsen selbst auch dort angetroffen und mit ihm und einem seiner langjährigen Mitarbeitern ein sehr nettes Gespräch geführt. Überhaupt waren alle ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Ich wurde überall herumgeführt und durfte alles fotografieren.

Da meine Familie mit mir in Kopenhagen war und auf mich wartete, konnte ich leider nicht all zu lange dort verweilen, obwohl ich sehr gerne all die kleinen Schubladen geöffnet hätte und mir die circa 4000 Pfeifen angesehen hätte, die es dort zu kaufen gibt. Das was ich gesehen habe, war umwerfend. Großartige Stücke, vom „Who is Who“ der dänischen Pfeifenmacherszene. Auch die kleine hügelige Raucherlounge hätte ich sehr gerne vollgequalmt, aber man kann eben nicht alles haben. Für einen jeden pfeifenrauchenden Kopenhagenbesucher gehört dieser Laden zum Pflichtprogramm, das steht ausser Frage.

Bevor ich an dieser Stelle meinen kleinen Reisebericht beschliesse, möchte ich noch einen kleinen Teaser für die nächsten Tabakreviews ankündigen. Ich habe mir aus dem Danish-Pipeshop neben des schon erwähnten 800 Ø noch zwei weitere wunderbare Spezialitäten mitgebracht (es ist schon erstaunlich wieviel in so ein Lastenrad passt). Es sind zwei Plugs, nämlich der „RIVER PLUG“ und der „5610“ aber dazu später mehr in diesem Theater äh Blog.

 




Cargo under sail – AVONTUUR Rum

„Es gibt sie noch, die guten alten Sachen“ oder so ähnlich lautet ein Werbespruch des namhaften Warenhauses für schöne Dinge aus zurückliegenden Zeiten, die eigentlich niemand braucht. Angewendet auf die neue Bewegung des althergebrachten Frachtensegeln allerdings ergibt das einen gänzlich anderen Sinn. Wie faszinierend und überzeugend die Idee ist, für gewisse Güter eine alternative Methode für den Transport zu schaffen, zeigt der TV Bericht des NDR „Frachtsegeln“ aus der Reihe „Die Nordstory“, den Sie am Ende des Berichtes ansehen können. Ein Muß für alle, die solchen Projekten aufgeschlossen sind. Ich bin zufällig beim mitternächtlichen Herumzappen auf die Sendung gestoßen und war HIN UND WEG. Das werden Sie auch sein, wenn Sie einem abenteuerlichen Optimismus, einer uneingeschränkten Passion und Leidenschaft trotz zunächst widriger Umstände, meist finanzieller Art, nicht gleichgültig gegenüberstehen.

Und so lernte ich die Abenteuer des 100 Jahre alten Gaffelschoners „AVONTUUR“ kennen, seines unglaublichen Kapitäns Cornelius Bockermann und einer fantastischen Land und See Mannschaft, die den Atlantik, die Karibik und andere Gewässer besegelt. AVONTUUR ist das niederländische Wort für Abenteuer, wahrlich bezeichnend  für das ganze Timbercoast Projekt. Timbercoast, so der Name der Reederei aus dem kleinen historischen Elsfleth in Niedersachsen, verschifft Produkte an Orte, an denen sie nicht produziert werden können. Somit wird ein Zeichen gesetzt gegen die Umweltzerstörung durch die internationale Schiffahrtsindustrie, die nie gekannte Ausmaße angenommen hat.

Dagegen nimmt sich die durch die Automobilindustrie verursachte wie die viel gerühmten Erdnüsse des Herrn Breuer aus. Der Naturschutzbund Deutschland gibt bekannt, daß ein Kreuzfahrtschiff an einem Tag so viele Luftschadstoffe verursacht wie eine Million Autos. Berechnungen für Containerschiffe, owohl nicht direkt vergleichbar, zeigen aber adäquate Verhältnisse.

Dieses nachhaltige Frachtsegeln schafft umweltfreundlich per Windkraft eine Verbindung zwischen öko-fairer Produktion und einem verantwortungsvollem Konsum. Denn die Erzeuger und Lieferanten von Timbercoast sind allesamt kleine Unternehmen, die der Umweltschonung verpflichtet sind.

Die Frachten-Törns, die Nordamerika, Mexiko, die Karibischen Inseln, Azoren, Kanaren, Kapverden, Madeira und Portugal anlaufen, dauern in der Regel zwischen 6 und 18 Monaten, bevor die AVONTUUR, derzeit noch der einzige Frachtensegler von Timbercoast, wieder in Elsfleth einläuft. Die gesegelten Waren, darunter Kaffee, Kakao, Rum, Gin, Korn, Schokolade, Honig und Salz, werden direkt im schönen Laden in Elsfleth und im Onlineshop angeboten. Dort habe ich auch die zwei Flaschen AVONTUUR Rum gekauft, die als  cargo under sail mein besonderes Augenmerk fanden. Wer im TV Bericht gesehen hat, wie die Crew an den Rum gelangt ist und mit welchen Mühen er an Bord geladen wurde, hat ein doppeltes Vergnügen an dieser Spirituose.


Die erfreuliche Zukunft: Kapitän Bockermann, der Visionär, hat im vergangenen Dezember einen ebenso realistisch visionären Investor gefunden, den deutschen Millardär Hans Georg Näder, ein besonderer Wohltäter auch auf anderen Feldern. Der passionierte Weltensegler und Besitzer der zur Zeit weltweit größten Carbon Segelyacht, die 70 Millionen Euro teure Pink Gin, plant mit Timbercoast zusammen eine Frachtensegler Flotte aufzubauen. Zwei Gleiche im Geiste haben sich zu einem Zeitpunkt getroffen, als für das AVONTUUR Abenteuer fast Matthäi am Letzten war und der Klabautermann bereits kräftig an den Masten zerrte. Welch ein Glück für diese von einer Botschaft für uns alle beseelten Idee.

Degustationsnotiz: Der ungemein elegante wie schlanke Rum lebt von seiner feinfruchtigen Frische. Dezente Vanillenoten unterlegen zart den Geschmack nach Quitten und frischen Äpfeln. Die für viele karibische Rums so typischen breiten Zuckerrohr- und Karamelnoten fehlen völlig. Dieser Rum ist schlank und sehr klar in seiner Fruchtigkeit. Er bewegt sich weitab von jedem Mainstream, demonstriert aber mit jedem Schluck überzeugend, dass wir es hier mit einer absolut erstklassigen Spirituose zu tun haben! (PH)

Der Rum stammt von der 3. Reise der AVONTUUR – die Voyage 5, so der Projektname – ist in Vorbereitung. Nachdem er 8 bis 10 Jahre in Eichenfässern auf La Palma (Kanaren) gelagert war, hat die AVONTUUR ihn zweimal auf der Route Nordamerika-Karibik und zurück gesegelt, bevor die Fässer in Elsfleth gelandet sind und auf 0,5 l Flaschen (42% Vol) abgezogen wurden. Am kommenden Freitag, 30. August 2019, werden wir die erste Flasche in der Münchner Runde öffnen, dazu den einen oder anderen Shanty singen und in Kürze über das Ergebnis berichten.

Es blieb nicht bei dieser ersten Flasche Rum: pünktlich zum Freitagsclub der Münchner Runde am 06.09.2019 ist der AVONTUUR “ Karibik Rum Junger Wilder“ eingetroffen, begleitet von einigen Tafeln AVONTUUR Schokolade, deren gesegelter Kakao aus Belize stammt.


Degustationsnotiz: Dieser karibische Rum Agricole verrät uns seine Herkunft schon eher, denn hier finden wir jene Noten von sehr reifen Bananen, holziger Vanille und Zuckerrohr, allerdings auch in einer eher untypischen, für Rum ziemlich exotischen Art und Weise: hier hat das Fassfinish (es sind für die Fahrt Zweitbelegungen von Sauternesfässern nachdem der Rum ein Jahr vor Ort in Bourbonfässern lagerte) seine Folgen viel deutlicher hinterlassen, was an dem intensiven Weissweinton zu riechen und zu schmecken ist. Das sehr junge und eminent frische Distillat mit seinen schönen Kanten (es ist ja ein Rum Agricole) wirkt wie hinter einem feinen Weissweinschleier, der mit seinen Noten fast ein bisschen an eine sehr frische und feinfruchtige Weissweingrappa erinnert und mit dem Rum eine durchaus untypische Wechselwirkung eingeht. Auch dieser Rum ist weit weg vom Mainstream, aber für sich gesehen ein ebenso eigenständiges wie eigenwilliges Spitzenprodukt. Wer eine süsse Begleitung zur Zigarre sucht, sollte ihn aber eher meiden… Einziger Kritikpunkt meinerseits: man hätte ihm vielleicht ein paar Alkoholprozente mehr lassen können (es sind 38%), um seine Kanten sogar noch ein bisschen stärker zu zeigen!? (PH)

 

 

AVONTUUR Voyages 1 und 3, so ist „unser“ Rum gesegelt.

AVONTUUR Voyage 2

AVONTUUR Voyage 4 und 5

 




Pfeifen aus Indonesien: Exotisches – zumindest aus unserer Sicht

Ein knappes Jahr ist es nun her, dass ich zum ersten Mal Pfeifen aus Indonesien gesehen habe. Das war in Singapur. David Yu hatte sie mitgebracht und Bodo damals auch hier darüber geschrieben. Nun hat uns unser Freund Dr. Mike Loh bei seinem letzten Besuch in München vor drei Wochen wiederum einige Pfeifen aus Indonesien mitgebracht, was ich zum Anlass nehmen möchte, auch etwas darüber zu schreiben, denn manches, was ich da gesehen habe, wirkt doch für unsere Pfeifentradition ungewöhnlich und fremd, manches aber ebenso vertraut wie traditionell. Interessant allemal! Was die Materialen angeht wie auch die Formen!

Das erste, was mir damals in Singapur ins Auge gestochen ist, das war die Zweiteilung auf dem Tisch mit den indonesischen Pfeifen: da waren Bruyère-Pfeifen in Shapes, wie wir sie hauptsächlich aus Nordeuropa kennen, teilweise mit gestalterischen Extremen spielend, teilweise fast dänische Klassik. Allesamt formal mit großer Sicherheit und absolut professionell gemacht. Man hatte das Gefühl, dass manche Pfeifen von Uwe Jopps Bogenbohrungen inspiriert waren, eher klein und in ihrer ästhetischen Wirkung filigran, andere Shapes wiesen Richtung Bo Nordh oder Love Geiger, sehr gut gemacht ohne allerdings eine so eindrucksvolle Maserungsqualität bieten zu können.

Und dann waren da Pfeifen aus heimischen indonesischen Hölzern, auch alle eher filigran und klein, nicht selten mit Bambusapplikationen, die atemberaubend schön und ungewöhnlich ausehen. Die haben es mir besonders angetan. Hier war die Maserungsqualität vorhanden, aber eben ganz anders als wir das gewohnt sind. Die Hölzer kennen wir bei Pfeifen eher an Applikationen ansonsten aus dem Messerbau. Ich war auch sehr neugierig, wie sich diese Hölzer hinsichtlich der Geschmacksentwicklung präsentieren.

Aus Palmholz ist die Pfeife, die ich mir damals in Singapur gekauft habe. Das Shape des Kopfes ist eine tendenziell eher flache Pfanne, die im Portfolio des Pfeifenmachers öfter zu sehen war und das sich nur im Holmansatz unterschied, was darauf hindeutet, dass der Kopf für den Pfeifenmacher im Ansatz relativ schnell zu drehen ist. Dieser Kopf ist formal gelungen, vielleicht, wenn man mehrere davon gleichzeitig sieht, ein bisschen neutral und erstmal in seiner Form wenig spektakulär. Das ändert sich aber schnell, wenn man die verschiedenen Holmansätze und die Bambusholme in Kombination sieht! Denn jetzt werden hier recht individuell unterschiedliche Pfeifen daraus, was nicht zuletzt – ausser an den unterschiedlichen Bohrungswinkeln – auch vor allem an den ungewöhnlichen Bambusapplikationen liegt, über die hier die Natur gestalterisch mitregiert.

Überhaupt ist „Natur“ ein zentrales Stichwort bei der Behandlung des Bambus‘ hier, denn die Rhizomen sind ziemlich naturbelassen, also gerade mal die Wurzelansätze abgeschliffen und grob gereinigt, nicht zurechtgebogen, nicht gebleicht und nicht einmal poliert. Somit eher das Gegenteil dessen, was man von europäischen Bambuspfeifen kennt. Nun mag man einwenden, dass dies ein Zeichen von ungenügender Sorgfalt sein könnte, mir dagegen hat gerade diese unbehandelte Natürlichkeit gefallen, da sie die artifizielle Gesamterscheinung der Pfeife „erdet“ und besonders macht. Ich sehe dieses „Stehenlassen“ der Natur als ein gestalterisches Konzept des Pfeifenmachers, das sich in sehr vielen der gesehenen Bambuspfeifen beobachten lässt.

Der Kopf ist klassisch Crossgrain geschnitten, nur dass natürlich die „Birdseyes“ und das Grain des Palmholzes in ihrer Maserung etwas anders aussehen, als wir das vom Bruyère gewohnt sind. Da ich keinerlei Ahnung habe, ob und wie dieses Holz für den Pfeifenbau vorbereitet wird, ob es ausgekocht wird etc., war ich sehr neugierig auf den Geschmack der Pfeife und auch durchaus etwas skeptisch, was sich als vollkommen unbegründet erwiesen hat. Das mag aber auch daran liegen, dass die Brennkammerbohrung mit Einrauchpaste versehen war und der Palmholz-Holmansatz gerade mal fünf bis sechs Millimeter lang ist und zur Verbindung mit dem Bambusholm vermutlich ein Edelstahlröhrchen enthält. Das heißt, der Rauch und das Kondensat kommen eigentlich kaum mit dem Palmholz in Verbindung, eher dann mit dem Bambus und das kennen wir geschmacklich ja von unseren Bambuspfeifen. Der Geschmack dieser Pfeife ist also vollkommen unspektakulär und sehr seriös. Absolut kein Grund zur Sorge.

Das sehr filgrane Ebonit-Mundstück mit einem extrem flachen und bequemen Biss sitzt mit einem recht dünnen, ausgedrehten Zapfen im Bambusholm. Da kommt man nun zu einem der „Größe“ geschuldeten Problem: die Rauchkanalbohrung des Mundstücks ist so klein im Durchmesser, dass man zwar mit dünnen Pfeifenreinigern mit Nylonkern keinerlei Problem hat, mit unseren dicken konischen Pfeifenreinigern mit ihrem Metallkern aber nur mit der dünnen Seite in den Rauchkanal kommt. Will man also während des Rauchens den Rauchkanal komplett reinigen und nicht nur im Mundstück, muss man das Mundstück abnehmen. Rauchen kann man die Pfeife vollkommen problemlos, für den Zug reicht die Bohrung aus. Für unsere Pfeifenreiniger aber ist sie nicht gemacht. Vermutlich gibt es in Indonesien andere, dünnere? Die Pfeife stammt von einem Pfeifenmacher Namens Mayung.

Bei der zweiten Pfeife, die ich hier vorstellen möchte, habe ich auf den allerersten Blick gar nicht erkannt, dass auch sie nicht aus Bruyère-Holz gemacht ist, von oben aus der Ferne sieht das Holz mit seiner rötlichen Beize und seiner Maserung einem Bruyère-Kopf recht ähnlich. Wieder waren es die Form und die Bambusapplikation, die mir als erstes ins Auge gestochen sind. Erst auf den zweiten genaueren Blick wurde ich stutzig, denn auf der Kopfunterseite gibt es eine recht dunkle Ader, die ich bei Bruyère-Holz so noch nie gesehen hatte und bei näherer Betrachtung fielen dann einige Details auf, die auch hier auf ein einheimisches indonesisches Holz hinweisen: es handelt sich um Amboina-Maserholz, das in ähnlichen Wurzelknollen wächst wie wir es vom Bruyère kennen. Der Maserungsverlauf des Amboina Maserholzes ist zwar dem Bruyère ähnlich, im Detail aber weit weniger regelmäßig und erinnert diesbezüglich eher an das Maserholz des Erdbeerbaumes, der botanisch allerdings zur selben Familie gehört wie Erica arborea, also eng mit unserem Bruyère Holz verwandt ist. Was das Amboina-Holz aber deutlich unterscheidet, das ist – neben dem Grain und den Birdseyes, wie wir es beim Bruyère ja kennen – eine feine, recht dunkle Binnenmaserung entlang der Jahresringe, die zwar recht unregelmäßig auftritt, aber bei genauem Hinsehen doch fast überall zu sehen ist.

Mich würde in diesem Fall auch sehr interessieren, wie sich das Holz verhält, wenn man es sandstrahlt, genauer ob diese feine Binnenmaserung Auswirkungen auf das Relief der Jahresringe hat? Mal sehen, vielleicht gelingt es mir ja, mal einen Block aufzutreiben?

Formal und auch konstruktiv ist diese Pfeife, wenn man vom Einsatz einer Bambusapplikation als Gemeinsamkeit mal absieht, eigentlich das Gegenteil der oben vorgestellten Palmholzpfeife. Der Kopf ist nicht gedreht sondern frei gemacht und bewegt sich formal zwischen einem Disc-Fish (Shape) und einem mimetischen (Kugel-?) Fisch.

Der japanische Einfluss auf die Kopfform ist offensichtlich. Besonders sind die Asymmetrie des Shapes, der verwendete Bambus und die Tatsache, dass auf einen Holmansatz gänzlich verzichtet ist und der gesamte Holm aus Bambus besteht. Wenn ich das richtig sehe, dann ist der Bambus hier kein gewöhnliches Rhizom, wie es sonst so verwendet wird, sondern das Übergangsstück zwischen unterirdischem Rhizom und überirdischem Bambusrohr. Jedenfalls ist der größte Teil dieses Bambusholms innen hohl. Der Übergang zum Kopf ist in Form zweier „Spacer“ gestaltet, ein erster aus Ebonit, ein zweiter aus Bambus, der vermutlich den verbindenden Zapfen bildet. Der Abschluss des Bambusholms ist wiederum eine sehr schön und sauber gearbeitete Amboina Maserholz Applikation, die den Mundstückszapfen aufnimmt.

Das heißt, dass wir bei diesem Holm – naturbedingt – einen Reverse-Calabash Effekt haben, der beim Rauchen ganz vorzüglich funktioniert, aber einen, hier konstruktiv bedingten, Nachteil hat, denn der Pfeifenreiniger kann aufgrund des „gebogenen“ Reverse Calabash Effektes und der drei verschiedenen Bohrachsen nicht in den Rauchkanal zur Brennkammer geführt werden. Das ist keine Schlamperei, sondern das geht hier technisch nicht. Nur ist das Abnehmen des Mundstücks während des Rauchens wegen des Reversed Calabash Effektes hier natürlich überhaupt kein Problem. Die Pfeife lässt sich wunderbar rauchen (und auch problemlos reinigen), das Holz tritt geschmacklich nicht – wie etwa Olivenholz am Anfang – in den Vordergrund und durch den Reversed Calabash ist der Rauch ausserordentlich kühl! Am meisten hat mich die extrem aufwändige Konstruktion der Pfeife überrascht, vor allem, wenn man bedenkt, das die verschiedenen Bohrachsen nicht nur vertikal verschoben sind, sondern sie sind am Übergang von Kopf und Bambusholm, der extremen Asymmetrie geschuldet, auch seitlich versetzt. Gestempelt bzw. gelasert ist die Pfeife mit „LSK Indonesia“. Mehr weiss ich nicht, nur finde ich im Netz mit dieser Angabe keinen Pfeifenmacher. Vielleicht kann Mike hier weiterhelfen?

Die dritte Pfeife, die ich hier vorstelle, und die einzige, die nicht meine ist, stammt vom selben Pfeifenmacher wie unschwer am Stempel zu sehen ist. Auch sie ist aus Amboina Maserholz gemacht, nur in der Färbung walnussfarben und hat eine Applikation aus Mammutknochen, die wiederum mit einem Spacer abgesetzt ist. Im Gegensatz zu meinen beiden Bambus-Pfeifen ist diese Pfeife formal viel weniger exotisch, in ihr zeigt sich, wie gut der Pfeifenmacher auch klassische dänische Formen beherrscht. Das besondere an dieser Pfeife ist neben dem exotischen Holz die Gestaltung des Holmes, der so tailliert ist, dass er an der Ober- wie Unterseite jeweils eine feine aber sehr wenig akzentuierte Kante bildet. Durch die schrägen Auflageflächen am Holm liegt die Pfeife sehr schön in der Hand. Betrachtet man die Maserung des Holzes, fällt sofort auf, wie wild und unregelmäßig das Holz ist. Vor allem im Vergleich zu meiner Amboina Pfeife, die zwar auch ein paar wildere Zonen hat, alles in allem aber auch über verhältnismäßig dichte Maserung verfügt.

Nun kenne ich das Holz nicht und weiß daher nicht, ob es sich hier nur um ein innereres Holz handelt im Vergleich zum Holz meiner Pfeife oder ob das Holz generell so vergleichsweise wild gemasert ist. Man kann sich aber natürlich fragen, ob hier bei der Wahl der Oberflächengestaltung nicht der weitgehende Verzicht auf Kontrast (so wie bei meiner Pfeife) die glücklichere Wahl gewesen wäre? Ich würde denken, dass ein uniform dunklerer Kopf die schöne ruhige und sehr souveräne Form der Pfeife viel besser zum Ausdruck gebracht hätte und vor allem auch durch den dann extremeren Kontrast zur Applikation diese noch besser zur Geltung gebracht hätte. Aber vielleicht sind hier auch die ästhetischen Konzepte zu unterschiedlich und für uns nicht so einfach nachvollziehbar? Denn man kann ja unschwer sehen, dass der Pfeifenmacher bei seinen Pfeifen sehr genau weiss, was er macht, und alles andere als ein unsicherer Anfänger ist! Beeindruckend finde ich diese Pfeifen allemal, vor allem vor dem Hintergrund, dass es in Indonesien keine viele jahrzehntelange Pfeifenmachertradition gibt wie in Europa.

 

Nachtrag:

Da will ich das kleine, schön gemachte Ledersäckchen, das oben mal abgebildet ist und in das ich immer nur die Pfeife gesteckt habe, leer zu anderen Säckchen legen und denke mir: da ist doch noch irgendwas drin! Und in der Tat finde ich ein kleines Stückchen Karton, das quasi die außerordentlich liebevoll gestaltete Visitenkarte des Pfeifenmachers ist und das neben seinem Namen Lie Sek Kian auf der Rückseite auch ein Bild mit Pfeifen bietet, auf dem auch unsere beiden zu sehen sind. Sieht sehr stimmungsvoll aus, wie ich finde, gerade so als käme das Säckchen direkt aus den Tropen. Na ja, stimmt ja auch. Damit wäre auch die Urheberschaft geklärt.

 




Tabak und geflügelte Worte: Penzance neu verpackt ?

In der vom Bertelsmann Buchclub geprägten 1960er Viertelwissen Gesellschaft, vielfach immer noch als Bildungsbürgertum bezeichnet, fand man in (fast) jeder Familie Büchmanns Sammlung der geflügelten Worte. Immerhin aus dem 19. Jahrhundert stammend – die erste Ausgabe gab es 1864 – gilt es weiterhin als ein Standardwerk für zitatenwütige Menschen. Jetzt habe ich wieder einmal darin geblättert, um die Tabak-Odyssee der letzten Monate zu verarbeiten, die anders als die homerische für mich völlig unbefriedigend geendet hat. Und der heutige Schlußpunkt wurde durch den iconischen Penzance gesetzt.

Die Situation ist hinreichend bekannt: ein Tabak, der jahrelang zu unseren Favoriten gehörte, der etwas Besonderes war, wird plötzlich nicht mehr hergestellt. Oder schlimmer noch, einst verschwunden, wieder als 100 % ig dem Original entsprechend auf den Markt geworfen. Die Pfeifenkommunen, darunter natürlich auch wir mit unserem Pfeifenblog.de, überschlagen sich mit der Bekanntgabe der Rauchergebnisse, in denen sich alle Einschätzungen und Erkenntnisse wiederfinden, die unser Sprachschatz so abgibt: exakt wie das Original, besser oder schlechter als das Original, kein Vergleich mit dem Original, gänzlich anderer Tabak, zu teuer oder zu billig, wird nicht mehr gebraucht, es gibt doch längst den Ostbahn-Schräg geflakten Machorka Curly, der um Längen besser ist/schmeckt und außerdem in den heute so geschmähten und raren Plastiktüten verpackt ist. Habe ich einmal als abschreckendes Beispiel hier erlebt.

Was bin ich trotz mich vermeintlich im Besitz höherer Weihen der Tobaccologie wähnend auf die blödsinnigsten und vermutlich ungeprüften Empfehlungen von Tabakspezialisten und zahlreichen Hausmarken-Fachhändlern hereingefallen. Habe Zeit, Geld und textlichen Aufwand betrieben, um letzlich diesen ganzen Schmarrn hinzuschmeißen und aufzugeben. Und sitze wieder klargeistig, entspannt bei meinem Balkan, den Spezialisten Full Virginia Flake, Epikur und Fayyum Kake, gönne mir ab und zu einen Penzance oder Sobranie 759, auch ein Marlin oder Orlik Golden Sliced mischt sich mit dem Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) darunter und bin …… rundum zufrieden.

Denn diese Mischungs-Verführer haben ab sofort keine Macht mehr über mich, müssen an mir vorbei laborieren oder, um im derzeitig angesagtem Duktus zu reden “ können mich jetzt aber mal so was von …. im Mondschein begegnen“, als da u.a. wären:

Hausmischung Bonner Koepp – Night Cap
Gerd Jansen Hausmischung 45 – My Own Blend 800 Ö
Gerd Jansen Bengal Slices – Bengal Slices –
Balkan Sobranie Mischung oder 759 – gefühlt eintausend verschiedene Anbieter, nur einer hats getroffen
Peter Heinrichs Strang – Escudo/ Navy Rolls als Plug, sieht so aus, ist es aber nicht
Robert McConnell Heritage – alle Tabake versprechen eine Nähe zu Dunhill – Pustekuchen!


Dies ist nur ein kleine Auswahl, die ich mir in jüngster Zeit „gegönnt“ habe. Den Vogel abgeschossen aber hat vor zwei Tagen ein Tabak, dessen Original Legende ist und das zu meiner Tabak DNA gehört: der 1820 Flake von JF Germains, der in vielen Foren und Blogs als der Penzance in anderer Verpackung, da vom gleichen Hersteller, gepriesen wird. Erhältlich nur in den USA und in Brexit UK. Letztere aber liefern nicht mehr ins Ausland, zumindest nicht ins europäische. Also habe ich mein Netzwerk ins Spiel gebracht. Ein englischer Freund, seit Geburt Nichtraucher, wurde gebeten, den 1820 Flake online an seine UK Adresse zu bestellen und einer weiteren Freundin zu übergeben, die einen Termin in Frankfurt/M wahrnehmen mußte. Sodann habe ich einen Münchner Bekannten aufgetan, der just an diesem Tag ebenfalls in Frankfurt zu tun hatte, brachte beide zusammen und vorgestern wurden mir zwei Pouches (!) in München ausgehändigt. Zu diesem Zeitpunkt war mir der horrende Preis von 38€ für 100g noch wurscht.

aus Online Shops in den USA & UK- Meinungsvielfalt !




Der erste Dämpfer war die Verpackung: ein grünschwarzer Gawith & Hoggarth Pouch mit einem simplen Eitkett „JF Germains 1820 Flake 50g. Aha, da hat der Online Shop wohl selbst von einer größeren Liefermenge „abgefüllt und umverpackt“, natürlich entspricht das nicht der Abbildung auf der Shopseite. Und auch keineswegs dem Schnitt des Penzance, der in einer 50g Rechteckdose mit aufrechtstehenden Krumble Kake Scheiben verkauft wurde. Alles zu verschmerzen, wenn sich denn der Penzance in den Pouches befunden hätte. Was der sofortige Geruchstest ergab und was sich am nächsten Tag durch einen Direktvergleich mit dem Original bestätigte: alles, nur kein Penzance. Tabakbild, Farbe, Geruch und selbstredend der Geschmack gänzlich anders. qed, denn ich war nicht allein. Der Zeuge mag sich äußern, so er denn hier liest.

Nun kann man diesen Tabak gut rauchen, ein kräftiger, ehrlicher Latakia/Orient, aber keine Spur von Flake oder Kake, vielleicht ist er als „selbstzerbröselnd“ konzipiert. Glaube ich zwar nicht, denn auf so eine Idee kommt in dem paralysierten Vereinigten Königreich derzeit, außer vielleicht Banksy, wohl niemand, da läuft ja eher alles auf Selbstzerstörung hinaus.  Aber wenn ich pochierte Jacobsmuscheln bestelle, möchte ich nicht frische Austern serviert bekommen, obwohl mir diese auch vorzüglich munden. Oder so: eine Currywurst Schranke darf nicht ungefragt durch einen Schaschlikspiess ersetzt werden.

Zurück zu Büchmann:

den Tag nicht vor dem Abend loben, nicht in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah, den Krieg um Troja nicht mit dem Zwillingsei beginnen, des Treibens müde sein, den Schein nicht die Wirklichkeit erreichen lassen, das Wenige nicht leicht aus den Augen verlieren und das Früher alles besser war, fand ich treffend für meine Suche nach dem unwiederbringlich Vergangenem. Die Suche ist jetzt eingestellt. Sie war ein vollständiger Mißerfolg. Dabei mache ich den Anbietern keinen Vorwurf, sie wissen es einfach nicht besser.

Ähem: die Suche ist eingestellt? Und was ist jetzt mit den neuen Dunhill Tabaken, die uns STG in Kürze auf den Tisch legt? Die, die einigen aus der K&K Heritage Reihe den Garaus machen werden? Aber selbstverständlich – kaufen, rauchen, beschreiben, bewerten ……. wozu sind wir Blogger?

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UPDATE 28. September 2019 : die Rolls & der Flake sind endlich zurück und verfügbar !


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Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Piccadilly Circus heißt also die neue „London Mixture“ in der Robert McConnell Heritage Reihe! Und so wird dieser Artikel nicht nur eine Beschreibung des neuen Tabaks beinhalten, man muss sich eigentlich auch ein paar Gedanken zum Werdegang der London Mixture machen, um dem Thema gerecht zu werden. London > City of London > Piccadilly Circus > ? Wir dürfen gespannt sein, wohin die Namensgebung eines großen Tabaks uns in Zukunft noch lokal hinschrumpft, sollte es nochmals einen Produktionswechsel geben, von denen die gute alte London Mixture schon einige hinter sich hat. Andererseits ist es nur allzu logisch, einen Namen zu wählen, den man sofort mit London assoziiert. Also „Piccadilly Circus“ nachdem der „City of London“ zu nah am Original angelehnt war und umgehend umbenannt wurde.

Alfred Dunhill „About Smoke“ Catalogue 1923 London Mixture

Der Referenztabak für Kohlhase & Kopps McConnell Heritage Piccadilly Circus war die STG Version von Dunhills „London Mixture“. Die London Mixture, ein Allzeit-Klassiker seit etwa 110 Jahren, war ein Tabak, der uns in vier verschiedenen Versionen vorliegt: dem „Original“ von Dunhill, produziert in England bis 1981, eine sehr seltene deutsche Lizenzproduktion von Van Eicken, über die man hier einen sehr schönen und klugen Artikel lesen kann, die uns in unserem Zusammenhang aber nicht weiter interessiert, die Version, die von Murray’s in Nordirland produziert wurde und schließlich die letzte Version, die von STG produziert wurde und im Jahr 2018 vom Markt verschwand.

Als „delightfully harmonious blend of Matured Virginia and Oriental Tobaccos. Soft and mellow, cool and fragrant“ wurde die London Mixture in Dunhills „About Smoke“ von 1923 angepriesen. In der Tat war die London Mixture im damaligen Tabak-Portfolio Dunhills eher rund, mild und ausgewogen im Vergleich zum „My Mixture 965“ oder dem „Durbar“, der ein größerer Bruder der London Mixture war, etwas akzentuierter mit einem höheren Latakia-Anteil. Das perfekte Wechselspiel zwischen den Virginias, den Orientals und dem Latakia zeichnete alle Versionen der London Mixture aus, obwohl sich diese Versionen stilistisch durchaus voneinander unterschieden haben. Allen war gemeinsam, dass die London Mixture immer ein perfekter Alldays Tabak war, sehr rund und trotzdem nicht langweilig. Unter den weniger extrovertierten Mixtures von Dunhill war sie immer mein Lieblingstabak und eine der Dunhill Mixtures, von denen ich, abgesehen von der deutschen Lizenzproduktion, alle Versionen geraucht habe. Und ich habe sie alle mit Genuss geraucht, auch die STG Version!

London Mixture und Derivate 1981 – 2019

Was nun interessiert, ist die Frage, wie der Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus im Vergleich zum Vorbild abschneidet? Antwort: Gut, aber mit einigen Unterschieden, die wir gleich sehen können, wenn wir das Tabakbild des Piccadilly Circus mit dem der STG London Mixture vergleichen! Die London Mixture wartet hier mit einem gleichmäßigeren dunkelbraunen Bild mit nur wenigen helleren Highlights auf, während der Piccadilly Circus zwar im Endeffekt auch eher dunkelbraun daherkommt, aber nicht nur etwas heller als die London Mixture wirkt sondern auch viel kontrastreicher mit schwarzen und hellbraunen Höhen und deutlich sichtbarem grünlichem Oriental. Geschmacklich zeigen sich beide Tabake anfangs trotz der optischen Unterschiede erstaunlich ähnlich: Es sind die Virginias, die hier eine sehr solide Grundlage bilden und mit ihrer malzigen Süsse gepaart mit genügend Kraft den sofort wahrnehmbaren Latakia ausbalancieren. Die ätherischen Orientals verweben diese beiden geschmacklichen Pole sanft zu einem dezent farbigen Vorhang, bei dem das Grün und das Gelb, wie wir es von einer Herbstwiese her kennen, im Vordergrund stehen. Nichts drängt sich in den Vordergrund: weder die Rauchigkeit des Latakias, noch die geschmackliche Breite der Virginias noch die feine süssliche Heuigkeit der Orientals. Alles wirkt rund und harmonisch in sich geschlossen. Zumindest vom Entzünden der Füllung bis etwa zum Ende des ersten Drittels.

Piccadilly Circus mit einer 1930/40er Comoy’s Grand Slam Patent, Shape 158 Small Apple

Dann entwickeln sich die beiden Tabake etwas unterschiedlich, allerdings in Nuancen um das gleich vorweg deutlich zu machen! Und zwar so, wie es der optische Eindruck der beiden Tabakbilder bereits vermuten ließ. Der Piccadilly Circus schlägt sich jetzt auf die blumigere, leichtere Seite. Die Orientals wirken frischer, unsere Herbstwiese hat noch nicht ganz soviel Sonne und Trockenheit abbekommen, weshalb die grünen Gräser noch die Oberhand behalten und im Duft die Kräutrigkeit noch wesentlich präsenter ist. Auch die Virginias scheinen mit ihrer Süsse letztlich etwas schmalbrüstiger auszufallen als Anfangs gedacht. Der Geschackseindruck ist sehr harmonisch, die Rauchigkeit des Latakias wirkt grüner eingefangen.

STG London Mixture mit Pre-WWII Dunhill Shell Briar Shape 36 Liverpool

Im kleinen Gegensatz zum Piccadilly Circus entwickelt sich die STG London Mixture etwas anders: sie wirkt geringfügig stärker und kräftiger, legt zum Ende hin etwas mehr zu als der Piccadilly Circus, allerdings nicht unbedingt was ihre Stärke angeht, der Eindruck ist eher dem etwas anderen Stil geschuldet, denn wo sich der Piccadilly Circus geschmacklich frischer und grüner entwickelt, da herrscht bei der London Mixture der Spätherbst mit seiner veränderten Aromatik! Dunkler, trockener, mit dem Duft von nassem Laub und Erde. Die Süsse des Tabaks wirkt schwerer und breiter, seine Rauchigkeit, wenngleich auch hier perfekt eingebunden, lastet harmonisch über der Frische. Blickt der Herbst des Piccadilly Circus noch auf den Spätsommer, so weist uns die London Mixture den Blick auf den Frühnebel, den ersten Schnee und das Wärmende eines Kaminfeuers. Aber wie schon weiter oben gesagt: es handelt sich hier um Nuancen, um die sich die beiden Tabake während der letzten beiden Drittel einer Füllung unterschiedlich entwickeln! In der Quintessenz ist der Piccadilly Circus als Nachempfindung der STG London Mixture ausgezeichnet gelungen und die beiden Tabake zeigen doch sehr ähnliche Charakterzüge, zumindest so ähnlich, dass man den Robert McConnell Piccadilly Circus problemlos als Nachfolger der STG Dunhill London Mixture rauchen kann!

Interessant wird es allerdings, wenn wir den Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus und die STG Version der London Mixture in ihren unterschiedlichen Nuancen mit den beiden vorhergehenden Versionen der Dunhill London Mixture vergleichen, also der Murray’s Version nach 1981 und der originalen Dunhill Version von vor 1981! Nicht dass jetzt falsche Hoffnungen geweckt werden: keine der beiden Vorgängerversionen wird in irgendeiner Weise von der STG London Mixture oder dem Piccadilly Circus im Sinne einer möglichst nahen Kopie erreicht. Etwas, was allerdings auch die Murray’s Version im Vergleich zum Dunhill’schen Original überhaupt nicht geschafft hat! Das darf man ja nicht vergessen bei all den Fragen um die Authenzität der jeweiligen Neuauflagen und Produktionsverlagerungen. Viel sinnvoller scheint es mir, die Tabake für sich zu begreifen und Überschneidungen und Unterschiede deutlich zu machen.

Und bei diesen oben genannten etwas unterschiedlich verlaufenden letzten beiden Dritteln der STG Dunhill Mixture und des Piccadilly Circus nähern sich diese beiden Tabake dann doch auf ihre Art den Vorläuferversionen an: die STG London Mixture lässt mit ihrem dunkleren, kräftigeren und erdigeren Finish die Murray’s Version zumindest als ein Schatten nochmal durchblitzen – es war ja auch diese Version, welche durch die STG London Mixture ersetzt wurde. Aber wie gesagt „als Schatten“, denn von der erdigen Kraft der Murray’s Version ist die STG London Mixture sehr weit weg. Beim Piccadilly Circus dagegen ist es die leichtfüßigere Eleganz, die einen – wenn auch sehr sehr weiten – Blick auf das Dunhill Original wirft. Um einem Vergleich mit der Original Dunhill Mixture aber überhaupt standhalten zu können, ist der Piccadilly Circus viel zu schmalbrüstig. So ein Vergleich verbietet sich! Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass wir dann sehr alte Tabake mit sehr jungen vergleichen müssten. Nur bleibt uns keine andere Wahl, als genau das zu tun, wenn wir wissen wollen, worin sich ein bestimmter Stil eines Tabaks zeigt.

Es war Anfang 2007 als ein amerikanischer Bekannter von mir geschäftlich in München war und ich ihn bat, mir ein paar Dosen des gerade neu erschienenen Westminster von Greg Pease mitzubringen. Der war explizit von Pease als eine Nachempfindung der originalen Dunhill London Mixture kreiert worden. Zu meiner großen Freude und Überraschung brachte jener Bekannte damals nicht nur den georderten Westminster mit, sondern auch eine Dose der originalen Dunhill London Mixture. Einem direkten Vergleich stand nichts mehr im Wege und ich öffnete auch noch eine Dose Murray’s Dunhill London Mixture, die auch schon vom Markt verschwunden war, damit wir alle Versionen am selben Nachmittag gegeneinander rauchen konnten. Die STG Version der London Mixture gab es damals noch nicht.

Wir begannen mit der Dunhill Version, die ein mittelkräftiger, geschmacklich voller Tabak von unfassbarer Eleganz war: natürlich waren die rauchigen Primäraromen des Latakias altersbedingt fast vollkommen in das komplexe Geschmacksbild eingebunden, was eine frische Latakia-Mischung bei einem nennenswerten Latakia Anteil so gar nicht leisten kann, aber das Fantastische an diesem Tabak war, wie sich die Orientals in den Vordergrund gespielt haben und mit ihrer blumigen Art die durchaus vollen Virginias mühelos in Schach gehalten haben. Der Latakia lieferte nur einen dezent rauchigen und doch ätherischen Schleier.

Und just diese Raffinesse des Tabaks, dieses Wechselspiel von Orientals und Virginia, die geschmacklich sehr akzentuiert auftreten ohne in irgendeiner Weise schwer oder stark zu wirken, die hat Pease mit seinem Westminster perfekt erwischt, allerdings mit einem Latakiaanteil, der sich notgedrungen frisch viel prägnanter präsentiert als in einem sehr gereiften alten Tabak! Wir waren uns sicher, dass der Westminster sich da bewegt, wo die Original Dunhill Mixture frisch gewesen ist. Im Gegensatz dazu war die Murray’s Version mit ihrer erdigen Kraft so reizvoll wie ein gealterter Catcher. Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich rauche auch die Murray’s Version gerne, nur liegen deren Qualitäten in einer kraftvollen Direktheit. Im Vergleich wirkt sie schwerfällig, fast plump und sehr weit weg von der Raffinesse des Originals.

Also: wenn jemand den Versuch wagen will und sich auf die Spuren der Original Dunhill London Mixture begeben möchte, so sei ihm der Westminster von Greg Pease wärmstens ans Herz gelegt! Will man aber die Mühen einer Tabakbestellung in den USA meiden und nur zum nächsten Tabakladen gehen und einen Tabak, der in diese Richtung geht, kaufen, dann hat man mit dem Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus einen ebenso soliden wie brauchbaren Vertreter zur Verfügung!