Schreiben ist Gold ……….

Mit Foren hat es begonnen, zu frühen Internetzeiten. Gleichgesinnte schlossen sich zusammen, um miteinander zu kommunizieren, um allgemeines oder spezielles Wissen für in der Regel geschlossene Interessenguppen zur Verfügung zu stellen und diese daran mitwirken zu lassen. Ein wesentliches Merkmal auf diesen Plattformen war (ist) die Konversation und Diskussion der Mitglieder miteinander. Vielfach sind Foren durch die Enwicklung zeitgemäßer Internetplattformen und Tools wie WordPress durch Blogs abgelöst worden. Während die meisten Foren das phpBB Format verwenden, das eine schlichte Optik mit heute vielfach veralteten und starren Strukturen und Funktionen bereitstellt, sind Blogs eine zeitgemäße, elegante und vor allem schnelle Variante, deren gestalterische und funktionale Möglichkeiten schier unbegrenzt sind. Auf den Nenner gebracht: Blogs sehen einfach besser aus und sind für die „Produzenten“, die Autoren, eine wunderbare Arbeitsumgebung. Somit ist es keine Überraschung, das unser Pfeifenblog.de in nur eineinhalb Jahren eine Leserschaft im oberen fünfstelligen Bereich erreicht, mit monatlich steigender Tendenz.

Immer wieder wird in Kommentaren von forumerfahrenen Lesern bedauert, das unser Blog nur eingeschränkte oder zu komplizierte Konversationsmöglichkeiten ermögliche. Mit Verlaub: das sind fake news, wie sie unser aller, ach so hochverehrter transatlantischer Dominator in der Gesellschaft als neues Normativ plaziert hat. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wie auch früher in einem Forum, registriert sich der Blogleser mit einem einmaligen Vorgang, wobei nur der Name und die Emailadresse angegeben werden muß, was zu einer sofortigen, automatisierten Freischaltung als Mitglied des Blogs führt. Von da ab sind beschränkungslos Kommentare und Dialoge zu allen Beiträgen möglich, ohne das irgendwelche weiteren Angaben notwendig sind.

Wie kam es zu diesem Eindruck?

Ganz einfach, wir Blogbetreiber haben das nicht richtig kommuniziert und darüber hinaus gibt es auch noch die verwirrende Prozedur des Abonnements. Ich bekenne: ich habe die geduldig wiederholten Erklärungen unseres geschätzten Chefbloggers und Media Profis Alexander schlichtweg nicht verstanden und sie als leichtfertig Beratungsresistenter als spezifisches Media-Gedödel abgetan. Nun gehe ich in Sack und Asche.

Zur Sache Uschi: Auf der rechten Navigationsseite des Pfeifenblogs gibt es die Option, den Blog einfach durch die einmalige Angabe der Email-Adresse (ohne weitere Daten wie Name etc.) zu abonnieren. Ab da wird man durch eine Email immer dann informiert, sobald neue Beiträge veröffentlich sind und kann auf diese direkt aus der Email heraus zugreifen.

Und genau nur das.

Das Abonnement beinhaltet keine Mitgliedschaft und bietet auch keine Option für eine barrierefreie Kommentierung oder andere Beteiligung. Somit ist es nichts anderes als ein bequemer Hinweis, was sich so im Blog tut. Dem folgt man oder nicht. Und darin liegt unseres Erachtens das Mißverständnis.

Denn nur durch eine einmalige Registrierung gelangt der geneigte Leser in zwiefachen Genuß: eine uneingeschränkte Möglichkeit zur Abgabe von Kommentaren oder zu einer interaktiven Beteiligung an Diskussionen und einem Meinungsaustausch. Ohne -anders als bei Abonnenten oder freien Lesern notwendig – sich den Beschränkunken der monströsen DSGVO unterwerfen zu müssen. Damit entfällt eine große Hemmschwelle. Das Abonnement ist zudem in der Mitgliedschaft enthalten.

Was ist notwendig?

In der oberen Menüleiste haben wir zwei neue Punkte aufgenommen: Anmeldung und Registrierung. Während die Anmeldung bei jedem Aufruf des Pfeifenblogs durchgeführt wird (Benutzernamen und Passwort), sofern man nicht nur lesen will, ist die Registrierung ein einmaliger Vorgang.

Wichtig: auch ohne Anmeldung hat man völlige Lesefreiheit im Blog und kann auch alle Optionen der rechten und linken Navigationsseiten nutzen.

Wie intensiv wir die Kommunikation gestalten, liegt bei uns, den Mitgliedern. In welchem Umfang das geschieht, wird von den Blogbetreibern, anders als in einem Forum, nicht gesteuert und auch nicht als Erfolgskriterium bewertet.

Eine genaue Beschreibung und die detaillierte Erläuterung über die funktionalen Rollen im Pfeifenblog finden Sie in Kürze wieder im re-aktivierten Menüpunkt Insight Blog.

 




Herber Verlust in Singapore

Dr. Michael Loh, Gründer und Heart & Soul des Singapore Pipe & Cigar Smokers Club und weltweit bekannter Pfeifen- und Tabaksammler, ist tieftraurig. Ihm ist die erste Forumpfeife 2010 abhanden gekommen, so daß seine Sammlung mit sämtlichen Forumpfeifen nicht mehr komplett ist. Nun sucht er händeringend nach dem Besitzer einer möglichst unberauchten 2010er, der sie ihm verkaufen würde. Wir wissen, daß sich kaum ein Sammler von seinen Forumpfeifen trennen wird, aber der Pfeifenblog möchte nichts unversucht lassen, Mike, mit dem uns seit über 20 Jahren eine enge Freundschaft verbindet und der jahrelang Mitglied in Pfeifen und mehr war, zu unterstützen. Im unerwarteten, aber erhofften Fall der Fälle können Sie direkt an die Email admin@pfeifenundmehr.de  schreiben oder hier als Kommentar posten. Dr. Mike, Avril Gan und Alec Molloy werden uns im Dezember hier in München ein paar Tage besuchen, zuvor machen sie in bei unseren Kölner Freunden Station.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

Bitte lesen auch hier in Dr. Mike`s Blog




Soraya | Ihre kaiserliche Hoheit von HU Tobacco

Zunächst einmal muss ich mich für das lächerlich magere Fotomaterial bei Ihnen entschuldigen. Ausgerechnet, derjenige, der ständig die Tabaksdose als den heiligen Gral der Rauchwarenverpackung predigt, rezensiert die neueste HU Tobacco Kreation in einem Plastiksackerl. Dieser Umstand ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass ich diesmal nicht für das Dosendesign verantwortlich war und sich deshalb, weder Foto noch Dose in meinem Besitz befinden. Hans Wiedemann von HU hat mir den Soraya zum Probieren in diesem kleinen Plastiktüterl zugeschickt.

Das wird „ihrer kaiserlichen Hoheit, Soraya“ natürlich überhaupt nicht gerecht, vielmehr sollte der Tabak vielleicht in einem Fabergé Ei oder einem goldverzierten Ebenholzschachterl aufbewahrt werden, denn so viel möchte ich schon verraten, beim Soraya handelt es sich um eine wunderbar anmutige Orientalin.

Kaiserin Soraya Esfandiary Bakhtiary Bild: Wikipedia

Ich wollte den letzten Satz bewusst zweideutig halten, denn der Name dieses Tabaks könnte treffender nicht gewählt sein. Diejenigen, die sich noch an die Regenbogenpresse der 1950er bis 70er erinnern, sind mit dem Namen Soraya Esfandiary Bakhtiary vertraut. Soraya war die geheimnisvolle „deutsche“ Kaiserin auf dem persischen Thron. Naja, sie war nur halb Deutsche und halb Perserin und die erste Frau des letzten persischen Schahs (ja, genau der mit den Jubelpersern). Weil die Ehe kinderlos blieb, wurden sie jedoch geschieden und Soraya, die orientalische Schönheit, verbrachte ihre weiteren Jahre in der europäischen Jetset und war ein ständiger Gast in den Gazetten. Keine Ausgabe des Goldenen Blatts, der Bunte und Freizeit Revue ohne Fotos und Lügenmärchen journalistische Artikel über ihr glamouröses Leben an der Seite von Playboys Herren, wie Maximilian Schell und Gunther Sachs.

Und jetzt ist ihr eine sanfte und samtige Orient-Mischungen gewidmet (das ist eine absolut haltlose und dreiste Behauptung), die mir sehr gut gefällt und ich hatte ich schon einige Male das Glück den einen oder anderen Tabak aus Bodos Orientsammlung zu verkosten.

Obwohl der Tabak wenn überhaupt, nur homöopathische Mengen Latakia enthält, rauche ich ihn am liebsten aus einer Latakia-Pfeife ohne Filter. (Vielleicht deshalb, weil eine Spur Latakia im gut getan hätte?) Eine schöne, dunkle und geräumige Peter Hemmer Pfeife passt am besten zu dieser sanften Orientalin. Feingeschnittenes helles, gelbliches Tabakbild mit vereinzelten schwarzen Sprengseln. Mir ist nicht bekannt, welche Tabake im einzelnen in die Komposition eingeflossenstreuselt wurden, jedenfalls harmonieren sie perfekt. Hans Wiedemann hat diese Kreation mit Mitgliedern des Forums Pipe Dreams geschaffen. Drei verschiedene Orienttabake, etwas Virgina, Perique, Burley und einen Spur Black Cavendish sollen sich in der feinen Mischung befinden, heisst es, aber wir alle wissen: der gute Hans lässt sich nie ganz in die Karten blicken.

Alle Freunde des Orients, welche die großartigen Orient-Tabake von McClelland jetzt schon vermissen, sollten den Soraya unbedingt einmal probieren und auch denjenigen, welche einmal Orienttabake ohne Latakia probieren möchten, sei dieser Pfeifentabak empfohlen.

Ich schreibe diese Zeilen im ICE nach München – wo Soraya im Übrigen auf dem Westfriedhof begraben liegt – und freue mich sowohl auf die lieben Freunde im Pfeifenclub, als auch das letzte Restchen Soraya-Tabak dort geniessen zu können. Ich werde definitiv ein paar Dosen davon bei HU-Tobacco bestellen.




Eine Caminetto mit Deckel

Der Herbst hat Einzug gehalten und mit ihm kommt nach diesem extrem trockenen und sonnigen Sommer, die kalte und feuchte Jahreszeit. Die bunten Blätter fallen, die Eichkatzerl und die Eichelhäher werfen Kastanien und Eicheln nach unten, da konnte ich gerade noch rechtzeitig eine neue Pfeife mit Deckel erwerben. Meine allererste Caminetto. Meine Faszination für Deckelpfeifen habe ich ja hier schon einmal beschrieben. Nicht auszudenken, dass mir einmal beim Malen nebliger Auen und prächtiger, bunt belaubter Bäume, Flora und Fauna in den „Kamin“ fallen, welcher ja auf italienisch „Camino“ heisst und in seiner Verniedlichungsform „Caminetto“ genannt wird. Die Legende besagt, dass die drei Gründer dieser italienischen Pfeifenmanufaktur eines langen Abends bei Pfeife und Wein am offenen Kamin saßen und dabei auf diesem Firmennamen kamen. „Caminetto – La Pipa del Baffo“, Die Pfeife mit dem Schnauzbart. Die drei besagten Herren, trugen alle einen Schnauzer und kamen so auch gleich auf ihr Logo. Ich gehe davon aus, dass das ein sehr kreativer und vor allem sehr weinseliger Abend war, den sie vor dem Kamin verbrachten.

Giuseppe Ascorti arbeitete seit 1959 als Pfeifenmacher bei Castello, bis er sich 1968 selbstständig machte und mit dem Pfeifenmacher Luigi Radice eine kleine Pfeifenmanufaktur in ihrer Heimatstadt Cucciago gründete. Mit Gianni Davoli, der einen Tabakladen in Mailand betrieb, fanden die beiden einen Partner für eine weltweiten Distribution ihrer Pfeifen. Im Kielwasser des großen Castello-Booms vor allem in den USA erzielten die drei mit Ihren hochwertigen, handgemachten Pfeifen schon bald rasenden Absatz. Das Konzept war einfach und wirkungsvoll, sie boten die gleiche Qualität wie Castello und das zur Hälfte des Preises. Schon bald hatte die kleine Firma Caminetto mehr Aufträge, als sie bewältigen konnte und sie wuchs und wuchs. Moderne Maschinen wurden eingesetzt und die Produktion gesteigert. Aber wie es manchmal so kommt, waren die drei sich immer mehr uneins, gerade was die maschinelle Produktion der Pfeifen und die darunter leidende Qualität anging. Ende der Siebziger verließ Radice das Unternehmen und auch Ascorti gründete bald darauf mit seinem Sohn Roberto eine neue Firma unter ihrem Familiennamen Ascorti. Kurz darauf zerstörte ein verheerender Brand die gesamten Werkstätten von Caminetto, die zu dieser Zeit nur noch von Davoli geführt wurde. Was auch immer damals genau geschah, wir werden es vermutlich nie erfahren.

Jedenfalls kaufte sich Giuseppe Ascortis Sohn, Roberto Ascorti den Namen Caminetto zurück und die Firma erhob sich unter seinem Regiment wie Phoenix aus der Asche, nur sind die Preise der Caminettos inzwischen schon lange nicht mehr nur halb so hoch, wie die der Castellos.

Meine Caminetto ist eine rustizierte Pot, die folgendermaßen gemarkt ist: Caminetto HAND MADE CUCCIAGO-ITALY 8L10
Meine Recherchen haben ergeben, dass sie 2010 (10) gemacht wurde und sie das sogenannte Business-Finish (8) hat – rustiziert und rot, was das L bedeutet, weiss ich leider nicht.

Der Deckel, auf dem sich eine Gravur des Schnauzbartes und der Zahl 800 – Silber? befindet, ist seitlich aufschiebbar und sehr schön gearbeitet. eine kleine Nut in der Unterseite der Mechanik verhindert, dass man den Deckel über die Mitte hinausschiebt. Wirklich raffiniert gelöst und funktional.

Geraucht habe ich die Pfeife noch nicht, da warte ich immer noch auf den richtigen Moment, aber ich wollte sie als Anlass nehmen, einmal etwas über Caminetto zu schreiben.

NACHTRAG: Während ich diese Pfeife gerade mit zwei wunderbaren Dunhill Navy Rolls Scheiben rauche, ist mir aufgefallen, dass der Deckel – wie es sonst nämlich immer der Fall ist – gar nicht heiß wird, sondern höchstens lauwarm. Das liegt daran, dass unter dem Silberdeckel noch eine ungefähr ein bis zwei Millimeter dicke Bruyereschicht angebracht ist. Das schützt davor sich beim Rauchen die Finger zu verbrennen. Schlau gelöst.




Paul Olsen | MY OWN BLEND 800 Ø

Es gibt so Tabake, die hat man mal vor vielen Jahren geraucht, fand sie ganz gut, ohne dass sie einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen hatten, und dann begegnen sie einem etliche Jahre später und man ist plötzlich sehr angetan und fragt sich, wieso man nicht schon viel früher gemerkt hat, dass es sich bei dem einen oder anderen um regelrechte Juwelen handelt. Ein solcher Tabak ist für mich der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø von STG. Ein Juwel ganz ohne Zweifel und ich hätte es vermutlich noch nicht einmal gemerkt, wenn es nicht hier schon ein Review zu dem Tabak gegeben hätte und mir nicht vom Autor dieses Reviews vor einem knappen Jahr eine Dose des Paul Olsen My Own Blend 800 Ø geschenkt worden wäre. Seitdem rauche ich ihn immer mal wieder und freue mich jedesmal.

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø hätte durchaus da Zeug dazu, einer meiner Standardtabake zu sein, wäre er in Deutschland erhältlich. Es gibt ihn aber nur in Dänemark. Schade eigentlich. Wie es überhaupt in der Paul Olsen Reihe, seien es die Standard Blends wie die Individuel Blends (zu der der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø gehört), einige Tabake gibt, die wunderschön sind. Die älteren werden sich noch an den Dannebrog oder den Kong Frederick erinnern, die auch hierzulande erhältlich waren.

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ist im weitesten Sinn eine englische, satt latakialastige Mischung auf Virginiabasis mit Black Cavendish, Kentucky und Perique. Der Tabak ist hervorragend ausbalanciert und stilistisch etwas besonderes, denn er ist mit seinen ausgeprägten Primäraromen fast ätherisch modern, während er aber auf der anderen Seite ein großes Fenster zu den „schweren“ englischen Klassikern wie Simmons Down The Road, Balkan Sobranie Smoking Mixture oder Dunhills 965 mit ihrer maskulinen Erdigkeit offen lässt. Diesen erdigen Stil, den man heute fast nur noch beim Squadron Leader von S.Gawith findet, paart der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø mit Raffinesse und einer Spur Leichtigkeit, eine Stilistik, die dem Squadron Leader vollkommen fehlt. Mir geht’s hier aber nur um den stilistischen Vergleich, geschmacklich unterscheiden sich die Tabake alle sehr voneinander!

Paul Olsen My Own Blend 800 ØDer Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ist ein klassischer Ribbon Cut, der in perfekter Konditionierung aus der 100g Malerdose daherkommt und sich erwartungsgemäß vollkommen problemlos stopfen, entzünden und rauchen lässt. Problemlos bis zum Ende der Füllung, wobei der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø ein Tabak ist, der sich „entwickelt“ beim Rauchen: Er beginnt mild, unglaublich weich und samtig. Der Latakia sorgt für die Rauchigkeit, weich eingebettet in die perfekte Balance von Virginia, Black Cavendish und Kentucky(?). Wie in einem dicken behaglichen Federbett. Erst so ab der Hälfte der Füllung verändern sich die Verhältnisse und der Geschmack wird nicht nur deutlich voller, er wird jetzt auch erdiger und kantiger. Die weiche Cremigkeit ist weg, dabei blitzt nun ganz leicht die schokoladige Trockenfrüchtenote des Periques durch und sorgt wieder für eine schöne Balance im Kontrast zur rauchigen Erdigkeit. Langweilig wird einem mit dem Paul Olsen My Own Blend 800 Ø nie!

Paul Olsen My Own Blend 800 ØWas ganz interessant ist, das ist die Tatsache, dass der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø von der Grundkonstruktion her – sieht man mal vom Perique ab – dem HU Fayyum nicht ganz unähnlich ist, nur dass die Komponenten anders gewichtet sind: Der Latakiaanteil des Fayyums ist etwas höher und die Virginias sind kraftvoller. Trotz seiner Erdigkeit wirkt der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø im Vergleich zum Fayyum ein bisschen wie die kleine Schwester, die aber nicht weniger attraktiv ist! Vielleicht ist der Paul Olsen My Own Blend 800 Ø nicht ganz so imposant wie der Fayyum oder gar der Fayyum Cake, aber auf eine andere Art genauso tiefgründig. Auf jeden Fall handelt es sich, wie es auf den Papierscheibchen in den aktuellen Dosen so schön heißt, um „fineste kvalitet“. Fazit: Sehr zu empfehlen!

 




Das Ende der Peterson Tabake? – Die inoffizielle Streichliste der STG

Großmundig hat die Scandinavian Tobacco Group in Ihrer Pressemeldung vom 20. Juli 2018 verkündet, mit dem Kauf der Peterson Tabak Lizenzen von der Kapp & Peterson Limited in Irland, noch weiter wachsen zu wollen. Im „important premium pipe tobacco segment“ wollen sie mit diesen Tabaken höchster Reputation weiter noch mehr Umsatz in den „important tobacco markets“ machen. Weil die so einen „solid reputation“ haben und überhaupt so toll ins Portfolio passen und sich so tolle Synergien finden lassen (bla, bla, fasel, schwätz …)

Namentlich erwähnt werden in der Pressemeldung die Tabake „Sherlock Holmes“, „Old Dublin“ und „Connoisseur’s Choice“.

Am 23. Oktober gibt es eine neue Pressemeldung mit noch großartigeren Neuigkeiten. Sie haben ein tolles Programm gelauncht, was den „mid-term EBITA Growth“ supportet. Damit werden sie 3-5% „organic“ Wachsen.
Erst habe ich ja gedacht, sie wollen nur noch Organic-Tobacco anbauen und mein „innerer Öko-Hippie“ begann schon in seinen Jesuslatschen zu tanzen, aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken.

Es folgen noch einige Absätze langweiliger Speichelleckereien und Arschkriechereien bei den Shareholdern, leider bin ich bei der Lektüre immer wieder eingenickt. Behalten habe ich nur, dass 100-120 „White-Collar Positions“ redundant geworden sind. Das ist eine tolle Nachricht, denn dann können sie die ja entlassen und dann und machen noch mehr „organic groth“, was die Shareholder wieder jubeln lassen wird.

Das blöde an der Geschichte ist nur, dass mit den 100-120 Weiss-Krägen auch zehn Peterson-Tabake entlassen werden. Das hat die Scandinavian Tobacco Group (noch) nicht per Presseinformation verkündet – ich vermute mal sie feilen noch an schmeichelnden Euphemismen und enthusiastischen Jubelrufen – das hat Cigarworld auf Facebook geleakt. Leider konnte ich keinen weiteren Quellen finden, die Nachricht ist noch ganz frisch …

Das ist die inoffizielle Streichliste der Peterson Tabake, laut Cigarworld

3P
De Luxe Mixture
Founders Choice
Hyde Park
Irish Mixture
Irish Oak
Killarney
Luxury Blend
Original 1865
Sunset Breeze

Wir werden sofort berichten, wenn es Konkreteres zu berichten gibt.
Wir haben unsere rasenden Reporter, verdeckten Ermittler und Whistle Blower schon aktiviert.

Sollten Sie, lieber Leser, auch zu den „üblich gut unterrichteten Kreisen“ zählen, nutzen sie bitte die Kommentarfunktion.
Um welchen Tabak tut es Ihnen am meisten leid, werden sie neben Ihrer Europalette Nightcap auch noch eine Palette 3P in den Keller stellen?

Ich werde jedenfalls erstmal ein paar irische „Writers Tears“ weinen und mich fragen, wie das alles weitergehen soll …

///// NACHTRAG 8.11.2018

Wir haben gerade eine Bestätigung von STG bekommen. Es ist tatsächlich so, von siebzehn Peterson Tabaken wird auf sieben reduziert werden.
Die verbliebenen Sieben werden nicht mehr, wie bisher von Mac Baren, sondern mit gleicher Rezeptur von STG produziert werden.
Wir sind gespannt, wie sich das auf den Geschmack und die Qualität der Mischungen auswirken wird. Ich persönlich denke, dass sich das eher positiv, denn negativ auswirken wird.

Zudem wird es 2018 keinen Weihnachtstabak geben. STG bricht damit mit einer jahrelangen Tradition, vermutlich aus logistischen Gründen.

Vielen Dank an Jens Meyer fürs Nachhaken bei der STG.




Eine Pfeife von: Castello

Es gibt so Pfeifen, die sind schon auf den allerersten Blick so schräg und seltsam, dass man sich sofort denkt „um Gottes Willen, was ist denn da passiert?“ Solche Pfeifen finden sich im Oeuvre bekannter Pfeifenmacher als auch in der Welt der Serienproduktion mit ihren meist kanonischeren Formen. Gerade dort fallen sie besonders auf, weil dem Betrachter das Abweichen von klar ersichtlichen formalen Normen eher ins Auge sticht als bei Freeforms, die tendenziell individuelleren wie freieren Gestaltungsprinzipien unterworfen sind. Da braucht es dann schon manchmal etwas mehr Expertise, um zu erkennen „dass da was passiert ist“.

Die Pfeife, die ich hier vorstellen möchte, stammt von Castello, der Pfeifenmanufaktur aus dem oberitalienischen Cantù, deren Pfeifen ebenso berühmt wie kultig sind: berühmt für ihre extrem klaren, strengen und vor allem kraftvollen klassischen Formen wie für ihre wundervollen Straight Grains meist unter Variierung des Dublin-Shapes. Nur wenige Marken weltweit sind so stilbildend gewesen wie Castello mit seinem typischen „Castello-Stil“: italienischer Pfeifenadel mit klassischem und durchaus auch exklusivem Understatement – hier nur zu vergleichen mit und übertroffen von Dunhill.

Und dann sowas hier! Auf den ersten Blick ist für jeden ersichtlich, dass diese seltsame Pfeife eigentlich etwas anderes hätte werden sollen, nämlich eine ganz klassisch strenge Halfbent-Rhodesian mit einem Sattelmundstück, ein absoluter Formklassiker und wäre sie das geworden, was sie hätte werden sollen, dann hätte ich sie hier nicht vorgestellt.

Ganz offensichtlich ist hier während des Erstellens des Kopfes etwas schiefgegangen. Was das war, ist im Nachhinein schwer zu eruieren. Denkbar wäre etwa ein großer Defekt im Holz, der nicht sofort sichtbar war und den man nicht mehr unter der „Sea Rock“- Rustizierung oder „Old Antiquari“- Sandstrahlung verbergen wollte. Ich würde eher vermuten, dass der Pfeifenmacher beim Ausschleifen des Holm/Kopf-Überganges aus Versehen mit der Schleifscheibe an die gedrehte Kopfkante gekommen ist und so das klassische Shape unwiederbringlich ruiniert hat, indem er dem perfekten Kreis der Kante eine zu deutliche Einbuchtung verpasst hat, die sich selbst durch eine Rustizierung des Kopfes nicht hätte kaschieren lassen.

Die Frage, „was hier passiert ist“, ist aber gar nicht die entscheidende! Die entscheidende Frage ist, was dann daraus gemacht wurde: der Pfeifenmacher hat den Kopf nicht weggeworfen, sondern er hat aus der Einbuchtung kurzerhand ein neues Gestaltungsprinzip gemacht und zwar eines, das nicht in erster Linie ästhetischen Regeln folgt. Für all diese Einbuchtungen finden sich funktionale Gründe, was man sofort bemerkt, wenn man die Pfeife in die Hand nimmt und in der Hand hält und zwar ganz gleich ob in der rechten oder linken Hand: überall da, wo man seinen Daumen oder Zeigefinger auch plaziert, da ist eine Einbuchtung und zwar genau in der (zumindest für die Größe meiner Hand bzw. meiner Finger) passenden Form.

Der Pfeifenmacher bei Castello, der diese vogelwilde Rhodesianvariante gemacht hat, der hat dieses elend harte Bruyère-Holz so geformt als hätte er eine Kugel Knetmasse in der Hand gehabt und leicht zugedrückt: das Ergebnis ist eine perfekte Ergonomie und eine mustergültige Umsetzung des alten „Form Follows Function“. Die neue Form ist keine technische Form mehr, wie es die sauber gedrehte Rhodesian gewesen wäre, diese neue Form ist eine organische Form geworden, die sich der menschlichen Hand an dient. Und das ist nicht wenig!

Man mag die ästhetische Erscheinung dieser Pfeife jetzt so spannend finden wie ein (selbstverständlich) maßgearbeitetes Zahnimplantat, aber ich wusste in dem Moment, in dem ich diese Castello zum ersten Mal in meiner Hand hatte, dass sie eine meiner Lieblingspfeifen sein wird. Und ganz offensichtlich hatte ihr Vorbesitzer ein ähnlich inniges Verhältnis zu ihr, denn die Pfeife war nicht nur oft (und Gottseidank gut und englisch) geraucht worden, sie war auch viel in der Hand des Vorbesitzers, was man an der abgegriffenen Sandstrahlung der „Old Antiquari“-Castello gut sehen kann. Wabisabi pur! Und sie gefällt mir auch, denn sonst hätte ich sie mir gar nicht erst näher angesehen und sie in die Hand genommen. Gar nicht auszudenken, was ich verpasst hätte… Die Größenrelation wäre etwa eine Dunhill Group 3, also auch gerade meine bevorzugte Größe. Eigentlich schade, dass es so viele klassische Rhodesian Halfbents gibt und so wenige wie die meine. Vielleicht auch nur diese eine, wer weiß?




Robert McDunhill – Umwege scheinbar notwendig

Die Welt der Pfeifentabake könnte so schön sein, so einfach. Wenn da nicht ständig widrig agierende „Marktbeteiligte“ Unordnung durch oftmals unbedachte Machenschaften – um nicht von dilettantischen zu sprechen – schafften oder wenn schlichtweg vorgeblich „politisch korrekt“ zusammengeführte Produktwelten von Multi-Konzernen mit drakonischen Aktionen seit Jahren Tabake, Pfeifen und Accessoires als mißliebig ins Aus manövrieren. Das deprimierendste Beispiel ist die Tabak & Pfeifen Sparte von Dunhill. Was da der schweizerische Richemont Konzern, Eigentümer von Dunhill, in den vergangenen Jahren angestellt hat, ist einem verqueren, aber sehr erfolgreichem Lifestyle Primat geschuldet. Neben Lederwaren, Bekleidung, Schuhe, Brillen, Parfüm, Schreibgeräte und Uhren, sämtlich in Top Preisgmenten angesiedelt, werden unverändert Feuerzeuge angeboten. Niemand scheint bei Richmonte daran zu denken, das irgend etwas anderes als Wälder, Papierkörbe oder Gebäude damit angezündet werden könnten, auf keinen Fall so schmuddeliges wie Tabakwaren. Das Dunhill Tabak Problem wurde eh vor Jahren an BAT übergeben und die Alfred Dunhill Manufacturing Limited hat längst die Pfeifenvermarktung in die blödsinnige White Spot ausgelagert, die allerdings frecherweise auf ein Gründungsdatum 1912 verweist. Wir Pfeifenraucher müssen in deren Augen irgendwie verblödete Consumer sein…….

Der neueste Aufreger, die Aufgabe der Dunhill Tabake (wir haben ausgiebig in verschiedenen Artikeln berichtet), führte anscheinend in den letzten Wochen zu einer Belebung für den Brand: fast alle Bestände im deutschen Fachhandel sind in Windeseile abverkauft worden, gibt es doch einen großen Markt von Liebhabern, die die aussterbenden Dunhills lagern werden.

Hoffnung kam auf, das der deutsche Hersteller und Distributor Kohlhase & Kopp, ein sehr renommiertes Unternehmen, mit seiner neuen Robert McConnell Heritage Reihe die Legende fortführen wird. Hat man doch mit der starken Scandinavian Tobacco Group (Orlik) einen der mächtigsten Partner in dieser Industrie an Bord. So gut wie es angelaufen ist, so schnell ist das Vorhaben ab sofort gestoppt. Nach Aussagen von K&K wird derzeit das Branding – also Namen und Etiketten – neu überarbeitet und die Tabake werden zur Zeit nicht an den Fachhandel geliefert. Das wirft einige Fragen auf: werden die von uns bereits durchgeführten Tabakreviews unverändert gültig sein? Laut K&K sind die Rezepturen von den vorzunehmenden Änderungen nicht betroffen. Hat man sich denn nicht mit der BAT (weiterhin Inhaber der Markenrechte) und STG abgesprochen, welches Layout mit welchen Bestandteilen der Dunhill Etiketten verwendet werden dürfen?

Weniger als wir ambitionierte Afficionadas dürfte der Fachhandel von diesem Tohuwabohu betroffen sein. Dosen rein, Dosen raus. Als ich gestern in der wundervollen Umgebung meines Tobacconisten des unbeirrbaren Vertrauens eine Pfeife so vor mich hin rauchte, unbelästigt von irgendwelchen verkäuferischen Ansprachen und meinen Gedanken freien Lauf ließ, schweifte mein Blick über die ausladende Tabakpräsentation. Und siehe da, ich wähnte mich in zurückliegenden Zeiten. Das Regal mit den Dunhill Tabaken war wieder vollbestückt und von RMcC Heritage nichts in Sicht …….

Da sag mir einer, Zeitreisen seien nicht möglich. Dazu braucht man lediglich ein paar Gramm vorzüglichen Tabaks. Und muß dieser Buchempfehlung unbedingt nachkommen.

Wir werden in dieser Causa weiter berichten, bleiben Sie uns gewogen.

 

 


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Noch ein Heritage Tabak?

Es ist ja scheinbar Mode geworden, Tabake, die es nicht mehr zu kaufen gibt, unter sehr ähnlicher Bezeichnung und Dosengestaltung wieder auf dem Markt zu bringen.
Aus einer „Night Cap“ wurde kurzerhand ein „Night Club“, aus einer „Early Morning Pipe“ wurde ein „Early Bird“, was die Bedeutung der beiden Namen im Grunde ad absurdum führt, aber egal.
Ein ähnlicher Name, unterstützt durch geschickte Farbcodierung des Labels, soll dem verzweifelten Dunhill-Raucher den Weg zum gewohnten Tabak weisen. Das dies nicht immer gelingt und manchmal sogar zu bizarren Verwechslungen führt, wissen wir inzwischen.

Keinesfalls würde ich behaupten, dass dies eine plumpe Bauernfängerei ist. Niemals würde ich einem Tabakonisten unterstellen, dass er aus der Not verzweifelter Dunhillisten Kapital schlagen wolle oder gar, dass er irgendwelche Provinz-Hausmischungen als Dunhill Heritage Tabake zu horrenden Preisen verscheuern will.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Hersteller dieser – im übrigen wie tschechische Fußballtrikot-Fälschungen wirkenden – Tabaksdosen nur das beste im Sinn hatte. Er wollte die Lücke stopfen, die durch den Rückzug Dunhills aus dem Tabakgeschäft entstanden ist und dies aus reiner Menschenfreundlichkeit. Uns Pfeifenrauchern sollten diese wunderbaren Tabake erhalten bleiben.

Dass dies bei den Navy Rolls nicht wirklich gelang, lag bestimmt daran, dass der Schülerpraktikant die falschen Röllchen in die Eclipse-Dosen gepackt hat, die sehen sich aber auch alle verflucht ähnlich diese blöden Medaillons, Escudos, Rollcakes … runde Scheiben halt. Auch dass in die Robert McDunhill Flake-Dose die Hausmischung 246 von Tabak Hüttensköller aus Castrop-Rauxel gewandert ist, ist bestimmt auf den eifrigen aber nicht gleichermaßen aufmerksamen jungen Mann zurückzuführen. Die nächsten Chargen werden bestimmt wieder richtig sortiert im Handel sein und der Praktikant wieder zurück in den wohlmeinenden Händen seiner Steiner-Pädagogen.

Gänzlich verblüfft war ich allerdings, als mir ein Tabak mit dem merkwürdigen Namen „Penzayyum“ in die Hände fiel. Der Name kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Er erinnert mich an irgendetwas ich komme nur leider nicht drauf …
Auch das ungewöhnliche Dosendesign habe ich schon einmal irgendwo gesehen. Auch dieser mir bisher unbekannte Tabak scheint ein so genannter „Heritage-Tabak“ zu sein. Wenn Sie lieber Leser mir auf die Sprünge helfen könnten, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Der Tabak schmeckt jedenfalls großartig, satt nach Latakia und hat dabei eine solche Weichheit, dass er Mund zu schmelzen scheint, ich bin überwältigt.

Und so verbleibe ich, endlich doch versöhnt mit der Heritage-Mode, Ihr Alexander

 

 




C&D Bluegrass | Er brennt

Bei diesem Namen schwingt ja bei mir so viel an Gefühlen und Assoziationen mit. Ich halte die kleine blau, weiss, schwarze Blechdose in Händen auf der eine stilisierte Mandoline und der Name in schwarz in einem klassischen Saloon-Font abgebildet sind und lasse meine Gedanken schweifen.

Für die erste Füllung habe ich eine zarte, filterlose Poker von Foundation by Musico vorgesehen. Da ich weder Mandoline noch Banjo besitze, erscheint mir eine Westerngitarre noch am geeignetsten für ein gemeinsames Foto. Ich knipse mit dem Handy wild herum, alle Fotos werden irgendwie schief, ich sollte mir etwas mehr Mühe geben und eine Kamera und ein Stativ verwenden, ausserdem wäre eine Fotoleuchte eine Bereicherung. Aber ich will den Tabak probieren und habe keine Lust.

„Wieso erwähnt er jetzt eigentlich schon wieder diese bescheuerte Mandoline?“, denkt sich vielleicht der eine oder andere Leser. „Was ist überhaupt eine Mandarine Mandoline und was hat die mit einem Tabak zu tun, der blaues Gras heisst.“ 

Nein, natürlich fragen sich unsere Leser so etwas nicht, schliesslich sind sie umfassend gebildet, weltoffen und in sämtlichen Musikstilen der Welt zuhause.

Ich erkläre es trotzdem, nur um mich wichtig zu machen und mit meinem Wissen zu prahlen. „Bluegrass“ nennt man eine Musikrichtung aus der amerikanischen Volksmusik – Country-Music. Benannt ist diese Mischung aus Hillbilly-Country, Blues und Swing nach der ersten Band, welche sich nach ihrem Heimatstaat Kentucky – dem Bluegrass State – „Bill Monroe and his Blue Grass Boys“ nannten.

Wikipedia erklärt mir, dass mit Bluegrass das von den nährstoffreichen Böden Kentuckys gesättigte, bläulich wirkende Gras gemeint ist. Soviel zum blauen Gras. Die vorherrschenden Instrumente des Bluegrass sind die Mandoline, die Fidel und das Banjo. Interessanterweise wird meist auf das Schlagzeug verzichtet, dafür schlagen die Begleitinstrumente einen sehr eingängigen und typischen Rhythmus.

Jetzt stürmen die Assoziationen oder? Das Kopfkino beginnt: Die Soggy-Botton-Boys singen in eine Blechdose, die Smokey-Mountains, der Appalachian Trail, selbstgebrannter Rye-Whiskey, Landwirte in karierten Hemden ohne nennenswerte Schulbildung, Allison Krauss, Earl Scruggs und die Grand Ole Opry … Na, also geht doch und jetzt schnell die Dose öffnen:

„Ketchup und Grass!“ 

Na ja, der Ketchup Geruch wird wieder vergehen, der ist halt typisch für die amerikanische Tabak Einweck-Methode, der Grasgeruch wird bleiben. Virginias hell und rot, eine kräftige Prise Perique und Dark Fired Kentucky verspricht der Hersteller Cornell & Diehl.

Ich höre etwas Alison Krauss, den Soundtrack von „Brother where are thou“, Dolly Partons legendäre Live-Show „Heartsongs“ aus ihrer Smokey Mountain Heimat und rauche dabei.

Ich geniesse diese Stunde der Muße und die gedanklichen Reise durch den Bluegrass State, aber der Tabak, ich bin etwas ratlos, nach was hat er noch gleich geschmeckt? Ich weiss es nicht.

Am nächsten Tag trifft sich wieder der Münchner Pfeifenclub in den Räumen am Gollierplatz, dorthin werde ich ihn mitnehmen, sollen sich doch die anderen mal dazu äussern.

Und das haben sie dann auch. Vier weitere Herren fanden sich neugierig auf diesen, nur in den USA erhältlichen Tabak, und wir kamen zu einem einstimmigen und eindeutigen Ergebnis:  „Er brennt“.