Samuel Gawith | Grousemoor

Grousemoor? Grousemoor? … Da war doch was? Genau! Damals vor fast 20 Jahren war bei diesem Lakelands-Testpaket, das mir meine erste Begegnung mit dem Ennerdale bescherte, auch ein Stück Grousemoor Plug dabei und wie beim Ennerdale auch mußte ich die Füllung Grousemoor Plug nach einigen Zügen entsetzt räumen. Ein Tabak, der für wen auch immer aber eindeutig nicht für mich gemacht wurde! Aber erstens ist das fast zwanzig Jahre her und zweitens ist Plug ja nicht gleich Mixture und drittens rauche ich den Ennerdale inzwischen hin und wieder ja auch sehr gerne. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es nochmal mit dem Grousemoor.

GrousemoorWarum man den Grousemoor jetzt ausgerechnet nach der Moorhuhnjagd – die Flinte liegt auf dem Boden, die Hunde sitzen zufrieden daneben – rauchen soll? Keine Ahnung! Ginge es nach dem Geschmack, dann wäre der Grousemoor eher was für den Nachtisch eines anständigen Abendessens? Anstelle von süssem Gebäck? Aber ich bin ja auch kein Jäger!

„Grousemoor“, darunter „Golden Virginia Tobaccos“ steht auf der Vorderseite, „Eine Kombination aus per Hand entrippten Flue Cured Blättern“ auf der Rückseite. Von Aromatisierung steht da nichts! Irritierend! Schließlich kann ich mich noch all zu gut an die Bombe erinnern, die ich damals entsorgt hatte. Aber wie gesagt: Plug ist nicht gleich Mixture!

Öffnet man die Dose, dann hat man ein beeindruckend schönes Tabakbild von hellgelbem, goldenen Virginia-Blattgut vor Augen, das aber auch schon auf eine kleine Tücke hinweist, denn der Grousemoor ist nicht sehr homogen geschnitten: da wechseln sich feine Streifen mit gar nicht so kleinen Blattfetzen ab, was zwar optisch sehr attraktiv ist, für das Stopfen aber etwas Aufmerksamkeit bedeutet. Dann der Geruch. Leichte Zitrusnoten! Honig oder besser Bienenwachskerzen! Und dunkle Brotkruste! Dazu dezent florale Noten, wie wir sie von vielen der aromatisierten Lakeland-Virginias kennen. Das ganze allerdings mitnichten so intensiv, wie mir das vom Plug in Erinnerung ist.

GrousemoorEntzünden lässt sich die Füllung Grousemoor eigentlich recht problemlos, allerdings empfiehlt es sich wegen der Schnittart des Grousemoor auf Pfeifen zurückzugreifen, die nicht weniger als 20mm Brennkammerdurchmesser aufweisen. Das erleichtert das Rauchen ungemein. Mir geht es zumindest so. Dann der Geschack: Voluminös! Wundervoll süße Virginianoten, die sich immer behaupten können, und eine vollmundige Aromatisierung, die einem einerseits sehr vertraut vorkommt und die einen andererseits irritiert.

Das Vertraute sind die Zitrusnoten und der Honig, wie wir es ganz dezent von Orlik Golden Flake oder nicht ganz so dezent vom Huber Golden Flake (Ex Honeydew) her kennen, allerdings beim Grousemoor wesentlich intensiver als bei diesen beiden. Dazu gesellen sich nun florale Noten, die den Tabak leicht „seifig“ erscheinen lassen und sofort seine Herkunft und die damit verbundene Handschrift verraten. Gegen Ende der Füllung haben wir geschmacklich leichte Marzipannoten, womit der Grousemoor einen Blick zum Ennerdale riskiert. Im Vergleich zum Ennerdale fehlt es dem Grousemoor, was die Aromatisierung angeht, aber deutlich an Raffinesse! Der Grousemoor wirkt fast geradlinig und bei weitem nicht so geheimnisvoll. Hinsichtlich des Aromavolumens und des Crossovers, das der Grousemoor erzeugt, kann er sich aber schon mit dem Ennerdale messen: wir haben hier einen Hocharomaten in der Pfeife. Einen durchaus angenehmen! Der Grousemoor ist der ideale Tabak, wenn einem der Huber Golden Flake gefällt und man mal den Schritt zur englischen Aromatisierung wagen möchte!

GrousemoorDas Abbrandverhalten des Grousemoor ist tadellos, auch hält der Grousemoor sein Aroma kontinuierlich und zwar sowohl was die Aromatisierung angeht als auch was den Tabakgeschmack angeht, der immer präsent ist. Der Grousemoor ist zwar leichter als der Grousmoor Plug (der auch deutlich dunkler ist!), aber er ist kein leichter Tabak! Man kann ihn durchaus als Medium bezeichnen!

Einen Versuch ist der Tabak absolut wert!




Samuel Gawith | Skiff Mixture

Da sitzt er nun allein in seiner Jolle, der Segler. Noch nicht mal eine Pfeife raucht er. Klar, soll man ja auch nicht wegen des guten weil starken Windes und außerdem hat er ja genug damit zu tun, den anderen noch vor Windermere einzuholen. Vermutlich geht es also um die Pfeife danach? Und die ist englisch, keine Frage! An den Balkan denkt man da nicht, auch wenn sich der in Samuel Gawiths Skiff Mixture recht präsent zeigt.

Skiff MixtureGleich vorweg: die Skiff Mixture ist mein Lieblings-Latakiablend im Portfolio von Samuel Gawith! Und so war ich foh, dass es zum großen aber ungleich plumperen Bruder Squadron Leader schon ein Review gibt und mir hier die Skiff Mixture bleibt. Über den Squadron Leader etwas zu schreiben, heißt über einen kraftvollen Athleten zu schreiben, der mit seiner geradlinigen Art beeindruckt. Der ist eher ein Schwergewichtsboxer. Bei der Skiff Mixture begeben wir uns zum Florettfechten! Spitzentabake sind beide, gar keine Frage, Latakia haben beide satt und trotzdem könnte der stilistische Unterschied nicht größer sein!

Der Importeur Kohlhase&Kopp beschreibt den Tabak wie folgt: „Eine sogenannte Orient Mischung. Verschiedene Arten von Flue Cured geben dem Skiff die gelben und braunen Sprenkel. Gemischt mit Turkish- und Latakia-Tabaken.“

Skiff MixtureBetrachten wir das Tabakbild der Skiff Mixture, dann haben wir in der Tat eine satte Ribbon Cut Latakia Mischung mit wundervollen Kontrasten in den Virginias und Orientals. Nun sind Latakia, Virginia und Orientals ja auch die Kompenenten des Squadron Leaders und trotzdem kommt ein ganz anderer Tabak raus. Das liegt in erster Linie an den verwendeten Virginias, die der Skiff Mixture eine viel schlankere Basis geben als das beim Squadron Leader der Fall ist und die im Wechsel mit den Orientals und dem Latakia ein Feuerwerk an Raffinesse entfachen: Da kommen nicht nur in ewiggleicher Abfolge große rote beeindruckende Lichtbälle, da regnet es mal grüne Girlanden und zwischendurch glitzert es hell auf. Als ob eine Füllung Skiff Mixture einer geheimen Regie folgt – nie plakativ immer raffiniert! Die Virginias haben gerade genug Kraft und malzige Süsse um den Latakia mit seiner Rauchigkeit zu bändigen und die Orientals mit ihrer ätherischen Schlankeit verbinden das zu einer formidablen Vorstellung. Sie sind der eigentliche Regisseur des Ganzen! Und sie sorgen dafür, dass sich der Tabak während des Abbrands immer ein bisschen neu entwickelt und Spitzen freigibt.

Skiff MixtureEndzündet man eine Füllung Squadron Leader, dann weiß man vom ersten bis zum letzten Zug, was man hat. Und was man hat, ist ganz ohne Frage hervorragend! Aber das ist es dann auch. Eine Füllung Skiff Mixture zeigt alle Nuancen, die eine Balkan-Mischung haben kann und das immer mal so und dann wieder anders, von rauchig, süß, ätherisch, Malz, Kräuter, braun, grün bis schwarz. Sie ist das Gegenteil von geradliniger Konstante sondern ein sich während des Rauchens immer weiter entwickelndes Erlebnis. Für mich ist die Skiff Mixture einer der Referenztabake für Balkan-Mischungen schlechthin! Ob man sie nun als Allday-Tabak raucht und nur mal als Abwechslung, ich kann die Skiff Mixture nur jedem Latakia-Liebhaber ans Herz legen!

Das Entzünden und der Abbrand sind vollkommen problemlos. Der Tabak raucht sich gut bis zum Ende, ohne dass er zu stark würde oder sich geschmacklich zum Ende der Füllung hin auf irgendeine Seite schlagen würde. Von der Stärke her ist die Skiff Mixture höchstens mittelkräftig.

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Samuel Gawith | CF Flake – Wo bitte ist die Schokolade?

Samuel Gawith CF FlakeWie unsere stets bestens informierten Leser wissen, ist es laut Gesetz nicht mehr erlaubt gesundheitsschädlichen Tabak namentlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. So kann man zum Beispiel einen Pfeifentabak nicht mehr „Schweineschmalz-Zucker Flake“ nennen, weil der Verbraucher dadurch suggeriert bekäme, dass es sich nicht um eine giftige Substanz, sondern um so etwas gesundes, wie Schweineschmalz oder Zucker, handeln könnte. Deshalb heisst Rum&Maple jetzt R&M, der Honey-Dew Flake jetzt Golden Flake. Ob jetzt mehr Menschen durch Pfeifenrauch, oder durch Rum, Gold oder Zucker gestorben sind, weiss ich nicht; auch nicht, wie ein Tabak mit Schweineschmalz-Casing schmeckt oder ob es gesünder ist dieses zu essen, denn zu rauchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Tatsache ist, dass der Samuel Gawith Chocolate Flake, jetzt CF Flake heisst.
Warum Chocolate mit „CF“ abgekürzt wird und man den Tabak nicht „C Flake“ nennt, ist ein weiteres Mysterium.
Ich habe durch den HU Tobacco „Raiko InBeTween“ meine Leidenschaft für Schokoladen-Tabak für mich entdeckt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an mein hymnenhaftes Review? Wenn nicht, hier ist der Link.
Da wir ja gerade versuchen sämtliche Samuel Gawith Tabake zu besprechen, fiel meine Wahl deshalb auf ein „Stückerl Schoklad“ (süddeutsch für „eine Rippe Schokolade“)

Samuel Gawith CF FlakeJens Meyer von Pfeifen Huber, bei dem ich die Dose CF Flake erwerben wollte, stellte meine Wahl mit heftigen Worten in Frage und wollte ihn mir gar nicht erst aushändigen. Roland schüttelte den Kopf wie ein Metaller auf Wacken. Mein geschätzter Blog-Kollege Peter Hemmer, meinte hingegen, das sei durchaus ein schöner, schokoladiger Tabak, den man sehr wohl gut rauchen könne. Bevor es zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, hatte ich die Dose aufgehebelt und damit Tatsachen geschaffen. Nach einem deftigen Weisswurstfrühstück hatte einfach Lust auf Schokolade.
Deckel auf, Papier zur Seite gebogen, Rüssel reingehalten und tief inhaliert …
Eine atemlose Stille senkte sich über das altehrwürdige Ladengeschäft in der Münchner Innenstadt. Draussen im Tal hörten die fön-gestressten Porschefahrer auf ihre Cayenne-Hupen zu malträtieren, die japanischen Touristen senkten andächtig die Kameras und die sonnenbebrillten Damen schlossen ihre Schlauchbootlippen und sahen von ihrem Soja-Latte auf … Ich dagegen schnüffelte, wie ein hyperaktives Trüffelschwein in der eckigen Metalldose herum.
„Und?“, hielt es Bodo nicht mehr aus und sah mich fragend an?
„I woas ned“, antwortete ich unsicher.
„Lass amal riecha“, schwupp war die Dose meinen Händen entrissen und wurde ungeduldig unter sämtliche Nasen des Münchner Pfeifenclubs gehalten.
Betretenes Schweigen, Kopfschütteln, Ratlosigkeit.
Durch die geöffnete Tür hörte man einen Polizeibeamten, der die Passanten zum Weitergehen aufforderte. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu riechen …“

„Nix!“ kein noch so kleines Schokoladenaroma Molekül war im Raum. Ein regelrechtes Schokoladen-Vakuum hatte sich in der Landeshauptstadt gebildet.
Dann von einer Sekunde zur anderen, ging man wieder zur Tagesordnung über, es wurde geschwatzt, getrunken, geraucht und auch wieder gehupt. Ich war froh mit meiner Tabakdose nicht mehr ganz so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und stopfte den CF Flake in meine Peterson Spigot.

Samuel Gawith CF FlakeDer Flake ist ordentlich geschnitten, dünne bestens konditionierte Scheiben von einer satten braunen Farbe, helle und dunkle Streifen durchziehen diesen Flake, der aus Virginia und Burley besteht. Das Tabakbild ist außerordentlich appetitlich anzusehen. Ich knicke und falte den Flake und stopfe ihn in die Pfeife. Leider hat niemand ein goldenes Dupont zur Hand, ein silbernes Unique tut es aber zur Not auch. Der Tabak brennt sofort, ich lasse ihn nach ein paar Zügen ausgehen, stopfe nach und zünde ihn erneut an. Danach ist kein weiteres Nachfeuern nötig. Der Tabak brennt sehr gut und gleichmäßig und schmeckt nach Virginia und Burley.
Nach Virginia und Burley … und? …und noch? … sonst nach nichts, gar nichts!

Der Tabakblender hat anscheinend in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Schokolade nicht nur aus dem Namen entfernt.

Die Münchner Stehrunde schnüffelt ein wenig an meinem Rauch herum und wendet sich desinteressiert ab. Herr Falkenried empfiehlt mir noch einen kleinen Schokoladenladen eine Strasse weiter, für den Fall, dass ich immer noch Lust auf eine Stück Schokolade hätte. Auf dem Weg zum Pfeifenclub gehe ich tatsächlich dort noch schnell vorbei und kaufe eine handgefertigte Tafel 85%iger Bocatorena aus Panama, welche fast so teuer ist wie der Tabak.

Der CF Flake wird im Club dann noch von einigen weiteren Herren geraucht, aber niemand kann auch nur homöopathische Dosen von Schokolade erschmecken, oder erriechen. Ich verteile daraufhin ein paar Stücke meiner Bocatorena und empfehle sie während des Rauchgenusses an den Gaumen zu kleben. Das funktioniert, ist aber bescheuert und nicht Sinn der Sache.

Der Tabak an sich schmeckt ganz okay, ohne Höhen und Tiefen, es ist einfach ein x-beliebiger Flake, der niemanden vom Hocker hauen wird und kann auch von Allergikern geraucht werden, er enthält nicht einmal kleinste Spuren von Kakao.

 

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vLnR: Bodo Falkenried, Alexander Broy, Peter Hemmer

 

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Three Nuns – Die grüne Nonne

Ich weiß, früher waren die Maler mit der grünen Fee unterwegs, ich hingegen bin mit einer grünen Nonne auf die Berge gestiegen und bevor jemand fragt, nein es war nicht die Jungfrau, es waren die Berge rund um die Seiseralm auf denen ich mit der Feldstaffelei unterwegs war.

Bevor es jetzt schon wieder ausschweifend bizarr zu werden droht, versuche ich mich in Sachlichkeit. Ich spreche von dem neuen Pfeifentabak Three Nuns GREEN. Letztes Mal hatte ich von meiner Enttäuschung über die gelbe Version des neuen Three Nuns von Mac Baren berichtet, die ich leider als eher belanglos empfunden habe. Vielleicht lag es diesmal auch an der wundervollen Umgegebung, die mich überaus positiv gestimmt hatte, aber der „grüne“ Tabak hat mir ausgesprochen gut gemundet. Wie fast jedes Jahr weile ich um Fasching herum eine Woche in Südtirol auf der Seiseralm, einer der schönsten Orte auf diesem Erdenrund. Berge rundherum, ein Panorama zum Niederknien und wenn man, wie ich die Gegend und die Wege gut kennt, kann man stundenlang einsam durch eine gezuckerte Landschaft wandern, ohne von blöden Plastik-Menschen auf Ihren Carving-Ski belästigt zu werden, die sich von dieselgetriebenen Paternostern mit sitzgeheizten Sesseln nach oben tragen zu lassen, nur um dann wieder dichtgedrängt auf festgewalzten Almwiesen herunter zu rasen. Ich bin meist mit Schneeschuhen unterwegs und gelange so auch an Flecken völliger Einsamkeit.

Kaum schöner kann ich mir mein Leben vorstellen, als wenn ich auf meinem Klappstuhl im Schnee sitze, einsame Berghütten und schneebedeckte Gipfel male und dabei ein Pfeiferl rauche. Dazu geniesse ich je nach Tageszeit heißen schwarzen Tee aus einer Thermoskanne oder auch ein Schlückerl Marille aus dem Flachmann. Da mein Tagesgepäck mit Stuhl, warmer Kleidung und den Malsachen, ohnehin schon recht schwer ist, nahm ich diesmal nur eine einzige Pfeife mit, über die ich an anderer Stelle schon berichtet habe: meine Caminetto mit Deckel. Sie hat das absolut gut vertragen, vermutlich weil ich selten mehr als eine Füllung pro Tag daraus geraucht habe.

Insgesamt ist das ein schöner Virgina/Perique Tabak, der sich problemlos auf über 2000 Meter (und auch darunter) rauchen lässt und wirklich gut schmeckt. Auch wenn es wieder heissen wird: das Geld sei bei Genuss egal, mir persönlich ist er mit 17,20 Euro für 50g zu teuer, aber mir ist natürlich auch klar, dass ein Rope-Tabak in der Herstellung eben deutlich teurer ist, als ein einfacher Flake.

Fazit: Die Grüne Nonne ist nach meiner Ansicht, die beste „zeitgenössische“ Nonne und insgesamt eine klare Empfehlung, für den der nicht auf den Preis schauen muss und gerne Curly Flakes raucht.

 




Samuel Gawith | Navy Flake

„Fifteen men on the dead man’s chest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum! Drink and the devil had done for the rest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum!“ Das war mein erster Gedanke, als ich vor vielen Jahren diesen Flake zum ersten Mal gekauft habe. Virginia, Latakia und Rum! Als ich ihn dann geraucht habe, musste ich schnell feststellen, dass wir hier weder im „Admiral Benbow“ noch mit Long John Silver auf hoher See sind, sondern, wie der Name schon sagt, bei der Navy und da geht’s deutlich gesitteter zu als bei den Piraten. Der Navy Flake von Samuel Gawith ist weit weg von einer maßlos überbordenden Rauch- und Rum-Orgie, er ist so ausgeklügelt und fein balanciert, dass er auch in einen englischen Oberklasse-Club passen könnte. Und da durchaus auch zu einem angeregten Gespräch über die Schatzinsel, denn eine solche stellt der Tabak in meinen Augen dar.

Der Reihe nach! Der deutsche Importeur Kohlhase&Kopp charakterisiert den Tabak kurz, prägnant und treffend wie folgt: „Traditionell gepresste Virginia-Tabake mit einer Prise Latakia und köstlichem Rum, der dem Navy Flake einen mittelstarken aromatischen Geschmack verleiht.“ Im Prinzip hat der Navy Flake die gleiche Basis wie der Balkan Flake von Samuel Gawith, nur dass der Latakia Anteil deutlich reduziert ist, was logischerweise zur Folge hat, dass den Virginias hier viel mehr Platz eingeräumt wird. Dass Samuel Gawith „Virginia“ ausnehmend gut kann, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, es ist fast schon ein Garant für die hohe Qualität eines S.Gawith Blends! Im Fall des Navy Flakes ist das aber besonders, weil hier mit Rum aromatisiert wurde, was den Virginias eine sehr dezente Fruchtigkeit im Sinne eingelegter Rosinen verleiht. Bei diesem Satz müsste man jetzt „sehr dezente“ in Majuskeln schreiben!

Das Tabakbild des Samuel Gawith Navy Flakes ist erstmal unspektakulär: es sind dunkelbraune Flakescheiben mit ein paar fast schwarzen und hellbraunen Spitzen, eher von der etwas dickeren Sorte und diese sind auch nicht ganz so biegsam und elastisch wie etwa die Scheiben des Best Brown Flakes oder des Full Virigina Flakes, was vielleicht auch dem Latakia geschuldet ist, dessen Anteil bei geschätzt 10-15% liegen dürfte.

Das Stopfen der Pfeife ist hier eine Kombination zwischen Falten und Zerbröckeln der Flakescheiben. Man muss ein bisschen aufpassen und darauf achten, dass man den Tabak gleichmäßig in die Brennkammer einfüllt. Das ist nicht ganz so einfach wie bei homogeneren Flakescheiben, stellt aber letztlich auch kein Problem dar. Aufpassen sollte man auch hinsichtlich der Feuchtigkeit des Tabaks, denn er ist relativ feucht in der frisch geöffneten Dose, was vor allem das Entzünden nicht ganz einfach gestalten kann. Ein bis zwei Stunden trocknen lassen vor dem Stopfen ist hier hilfreich! Das Entzünden das Tabaks erfordert schon mal drei bis vier Anläufe bis der Tabak gleichmäßig glimmt, aber dann lässt er sich gleichmäßig langsam und kühl rauchen. Man braucht also ein bisschen Aufmerksamkeit und Erfahrung beim Stopfen, aber dann glimmt der Navy Flake sehr gutmütig und vor allem sehr langsam vor sich hin. So kann man eine Füllung Navy Flake durchaus als sehr ergiebig bezeichnen.

In Geschmack offeriert uns der Navy Flake einen breiten Teppich eher schwerer süßer Virignianoten, die zwischen Malzsüsse, Erdigkeit und feuchtem Unterholz wechseln und von einer dezenten Rauchigkeit durch den Latakia begleitet werden. Um den Navy Flake zu mögen, muss man nicht unbedingt ein einfleischter Latakia-Raucher sein, aber man sollte Latakia auch nicht verabscheuen. Er ist deutlich spürbar aber nicht dominant, das sind hier die Virginias! Das Rumcasing dagegen verleiht nur einen Hauch von Rum-Rosinen-Fruchtigkeit, das geschmacklich wunderbar ergänzt, aber wirklich im letzten Winkel des Navy Flakes angesiedelt ist und alles Alkoholische weglässt. Der Navy Flake ist geschmacklich ein ausnehmend voller Tabak, aber hinsichtlich seines Nikotingehaltes leichter als man denkt: „Medium“ trifft hier am ehesten zu! Die Geschmackskomponenten halten sich über die ganze Füllung konstant, nur die Latakia-Rauchigkeit nimmt im letzten Drittel der Füllung etwas zu ohne den Tabak aber zu dominieren. Für mich persönlich ist der Samuel Gawith Navy Flake kein Alltagstabak, aber ich rauche ihn zwischendurch immer sehr gerne. Absolut eine Empfehlung wert!


 

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Plain Silly – A conversation with Dr. Michael Loh

Interviewer: Dr. Loh, why are you interested in this topic? Are you in the tobacco business?
Dr. Loh: I am an occasional pipe and cigar smoker. I do not smoke cigarettes. I am not a scientist, scholar, advocate, activist or researcher. I am just a consumer. I do not work for, consult with, own shares in or receive kickbacks, financial or otherwise, from any company or organization that would benefit from tobacco products. Every gram of tobacco I smoke in my pipe and every stick of cigar I buy, I do so at full price, without discount, using my own hard-earned cash. I have no vested interest in being emotional like Yvette van der Eijk and Chia Kee Seng from the Saw Swee Hock School of Public Health, National University of Singapore, who blight their professional image by calling cigarettes “deadly sticks” in an opinion piece they published in The Straits Times on February 18th 2019.

Interviewer: The Singapore Government recently announced its plan to proceed with plain tobacco packaging, following in the footsteps of Australia, France, the United Kingdom, Norway, Ireland, New Zealand, Hungary and Slovenia. This means that, as of next year, all tobacco packs sold in Singapore will be of a dull brown color with all logos, colors and branding elements removed to be replaced by nauseating picture warning labels covering 75% of the pack surface. With tobacco advertising of any form being a criminal offense here in Singapore, plain packaging is equivalent to eliminating the tobacco companies’ only marketing means. What are your views on this?
Dr. Loh: I feel the government is as usual, extremely heavy handed. It seems to think we are all stupid idiots to be trampled on like doormats. It assumes that we have no power of discernment, that we judge a book by its cover. If so, the Bible won’t be the best-selling book in the world, year after year! The Property Rights Alliance has argued that removal of brands from packaging is a gross violation of Intellectual Property rights. This is a coalition of 62 think tanks, advocacy groups and civil-society organizations. These people are not morons. Here in Singapore, stakeholders in the tobacco trade are not united enough to take on the government, so when we don’t oppose the government’s use of grotesque and horrifying images of gangrenous feet, dead babies and cancer-riddled lungs – what I call “medical pornography” – on plain packaging to replace the brands, aren’t we allowing the government to blatantly act against the principles of Article 20 of TRIPS (Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) of the WTO (World Trade Organization)?

A nation with strong Intellectual Property rights is a nation with a truly decent and righteous government. The existence of a government that respects Intellectual Property rights limits the power of officials to wield their influence and curbs them from potentially manipulating the marketplace to determine and choose who benefits and who loses. This attracts business investment because of the political certainty that Intellectual Property rights are protected. Intellectual Property rights are also important for driving innovation and progress. Plain packaging is a serious loss of value to Intellectual Property rights and a great financial loss for companies across many industries.

Interviewer: But plain packaging has worked in countries like Australia, the first country to implement it, right? Surely, the government’s alleged violation of Article 20 far outweighs the benefits!
Dr. Loh: You think so? Oh, so you believe that the end justifies the means? The road to hell is paved with good intentions, isn’t it? Big Daddy always know what’s right for us? Such an argument literally takes my breath away! Come on, you expect me to put that in my pipe and smoke it? Seriously, even if we can stomach that, let me ask you: Have you been living in a cave since 2012 when Australia introduced plain packaging? Has plain packaging worked in Australia? Let the facts speak for themselves:

  1. Nearly 15% of tobacco consumed now in Australia is smuggled in. With plain packaging, organized crime has more than ample opportunities to undermine democratic countries and the rule of law.
  2. Legal tobacco retailers cut prices – when all you have is plain packaging, the only so-called weapon you have left to compete with other retailers is price. Cheaper price means more smokers. Simple logic.
  3. Legal tobacco retailers are also selling counterfeit tobacco – when all you have is plain packaging, nobody can tell a stick of Marlboro from a stick of Dunhill. This is where unscrupulous retailers take full advantage of plain packaging. In other words, plain packaging helps counterfeiters and crooked retailers become wealthier. Knowingly or unknowingly, intentionally or unintentionally, you are indirectly in cahoots with some very dangerous elements of society. ASH (Action on Smoking and Health) Scotland wrote in 2011: “The Taliban, al-Qaeda, Hezbollah and the Kurdistan Workers Party are involved in smuggling cigarettes as is the Columbian FARC. Both the Provisional IRA and the splinter group the Real IRA have been linked with tobacco smuggling as a way of raising money to fund their activities. Chinese Triads are central to the traffic to the UK of counterfeit cigarettes produced in highly sophisticated factories in the Far East.” International accounting firm KPMG has found that illicit tobacco consumption has grown from 11.5% to 14% in Australia since plain packaging took effect, depriving the Australian government of almost A$2 billion in tax revenue.
  4. A 2016 study by the RMIT University of Melbourne slammed the plain packaging policy as a complete failure.
  5. In 2017, the Australian Institute of Health and Welfare confirmed that “the daily smoking rate did not significantly decline over the most recent 3-year period (2013 to 2016).” Taking into account the rise in the population of Australia in actual fact, there are more people smoking in Australia today than when the plain packaging policy was introduced in 2012. The Australian Criminal Intelligence Commission has also revealed that plain packaging laws have failed to achieve their aim of reducing smoking in the country. It found that compound levels in population-wide samples of wastewater across all major capital cities and tested regions in 2016-17 showed a rise in nicotine consumption. Latest statistics from Australia show that expenditure on tobacco rose by 2.5% in the final quarter of 2017 compared to the same period the previous year – this after some 7 years of plain packaging! In Tasmania, youth smoking has risen with the number of people smoking between the ages of 15 to 24 increasing by 6.7% in 3 years.

Interviewer: Wow, that’s a lot of facts and figures!
Dr. Loh: Well, arguments are won only if they are backed and supported by solid, verifiable scientific facts and cold hard evidence! Of course, “experts” can always be persuaded to refute whatever I’ve just quoted. Hired guns are all over the place! But consider this: No one smokes a cigarette and immediately kills another person. But polish off a bottle of vodka, get into a car and drive and see what happens! I think alcohol is even more deadly because you drink it and it goes straight into your system! I believe government officials offer alcoholic toasts at state and constituency functions but no one dares to be caught dead with a cigarette! Yes, it is tobacco that is terribly demonized. The government cannot be seen to favor one industry over another. Especially when no study has managed to establish a credible link between plain packaging and actual quitting behaviors sustained over time. In fact, long-reaching psychological damage is not even discussed.

Interviewer: Psychological damage?
Dr. Loh: Indeed. Those gruesome pictures on packages, pictures emotionally referred to by van der Eijk and Chia using an emotive and loaded word “yucky” have the potential to cause severe guilt, self-loathing and disgust among smokers, resulting in much emotional harm. These revolting pictures can also bring about a psychological state of disempowerment which reinforces the belief that it is impossible to stop smoking so heavy smokers are resigned to becoming addicted. Therefore, with this devil-may-care attitude, they smoke more. Those “yucky” pictures can also cause a counter-effect among the impressionable because of the mistaken belief that forbidden fruits always taste the sweetest. It’s only human nature. So those sickening pictures have the added potential of enticing non-smokers to try smoking based on the misguided notion that “if it’s that bad, it must be really good.” Talk about something backfiring!

Interviewer: Hmm, I’ve never thought of that.
Dr. Loh: Haha, common sense is not so common, right? The tobacco industry is not a well-liked industry and I don’t condone it. I support all ways and means to keep cigarettes as far away as possible from people – children, youth and as well as adults. I know majority of the public will support a total ban of tobacco if it has its way. I also know this won’t happen because the tax collected from tobacco is phenomenal, it’s probably in the billions! Chewing gum may be banned but tobacco will never be banned! Therefore, deterrents are needed and plain packaging as a deterrent is an appealing populist story to feed to the public, especially during an election year. It is an appropriate topic for the government to press home the narrative that it cares for our health. Who doesn’t welcome a government that is concerned about our health? However, there are bigger issues here. Sounding a clarion call for plain packaging tantamount to allowing the government to chip away at our personal liberty and the rights – our basic human rights – to make our own informed choices about how we choose to live our lives. Plain packaging, many fail to see, is the start of an escalation in the diabolical “lifestyle regulation” that will happen in the future. I bet the government is already looking at extreme plain packaging-style regulations on other product categories without thinking there’s a need to consider proper evidence or robust research into the consequences. Plain packaging has already emboldened and empowered California to bulldoze its way into sticking the following warning on soft drinks:

“STATE OF CALIFORNIA SAFETY WARNING: Drinking beverages with added sugar(s) contributes to obesity, diabetes, and tooth decay.”

What next? Our butter, ghee and palm oil products may be at risk, and our favorite lard-infused char kway teow may be banned.

Interviewer: Oh yes, before you go, Lohcifer, can we talk a bit about cigars?
Dr. Loh: What about cigars?
Interviewer: Plain packaging for cigars too?
Dr. Loh: Oh yes, of course, that’s the government’s plan. Already cigar lovers are exploiting the loophole offered by online overseas cigar retailers if they want their cigars to continue coming with their original bands intact and in boxes that carry the beautiful traditional labels. But I envisage the overpaid bureaucrats in their ivory towers are already thinking of how to legally prohibit people from purchasing cigars from overseas online cigar merchants.

One other point: We all know that cigar labels and cigar bands is an art form. Aficionados and connoisseurs as well as museums collect and curate these art pieces. I am a simpleton, and in my mind, I can’t help but think that eradicating these works of art by pasting disgusting pictures of rotting body parts or cadavers over them seems no different from behaving like the evil iconoclasts of old, in fact, no different from Emperor Qin Shi Huang or Hitler burning books or the Taliban bombing away the statues of Buddha of Bamiyan or ISIS destroying the priceless cultural artifacts of Palmyra, an ancient historical city at the crossroads of rich Roman, Persian and Greek civilizations. I know I sound harsh, but surely no government has the right to trample history and destroy culture! Moreover, if cigar bands are removed and replaced with plain bands, the process will destroy the cigars. Removing the cigar band will almost inevitably tear and damage a cigar, making it unfit for consumption. It’s more than just a simple issue of sticks of cigars being spoiled and rendered useless.

Applying plain packaging on cigars, in my mind, is therefore nothing but a highly questionable draconian measure imposed on a legal luxury product enjoyed only by a very select group of well-informed consumers, a product – unlike cigarettes – that is not even inhaled. Right now, one box of Cohiba Behike 56 sells for S$9,500/- at Oak Cellers here in Singapore. And that’s just for 10 sticks – not something your typical Tom, Dick, Harry and Ah Beng would walk in casually to buy on a daily basis. Treating cigars as if they are cigarettes only goes to show the utter lack of thinking and understanding on the government’s part.

Interviewer: So, what can be done?
Dr. Loh: Is that a rhetorical question? Eat more char kway teow because every plate you eat could be your last! But seriously, too many cowering and groveling tobacco retailers behave as if they have several skeletons in their closets, no one dares to really speak up. At least one retailer I know of is afraid of losing his permanent residency status, others fear losing their licences, etc. Is there ever a time when cigar retailers here meet to strategize or for a brainstorming amongst themselves? Has there ever been an attempt to make a joint, fact-based presentation to the government? The intent is not to blow smoke at the government but to be heard and understood. But it appears that cigar retailers don’t help anybody get to know them and their products because, to be honest, most of the time, they just daydream in their own stores and criticize other retailers. It is said that the High Street fellow exudes the impression that he genuinely believes he is a more superior human being than everyone else. The Tanglin Road guy thinks the High Street fellow is “the world’s greatest prick.” The UE Square “mafia” thinks the Suntec girls are “lesbian cunts.” But I was told these Suntec “lesbian cunts” seem to be more interested in ripping off and gouging their customers than to engage in slandering their competitors. In the meantime, the Chinatown “gangsters” pride themselves as “the untouchables” and think the High Street fellow is “nothing but a poser and a circus clown.” Hey, I’m only repeating what I hear, okay! So don’t shoot the messenger. Anyway, that’s how the backbiting goes and that’s how the backstabbing goes too. It continues on like that. Some fight like cats and dogs. Some retailers are not even on speaking terms! They despise and mock each other. This works to the advantage of the government, you know what I mean? Divide and conquer. There is no cooperation or collaboration among retailers and when the axe falls, all they do is gripe and throw tantrums! They have zero strategy to counterattack. So, they sit around and continue their bitching and moaning over this smoking hot topic, when what is desperately and critically needed is aggressive and continuous educational and constructive dialogs with the powers that be. No amount of whingeing, pleading and complaining can curtail the government’s heavy handedness and tone-deafness. But with active and positive engagement, hopefully leading to some illumination for those who need it, there is still a very slight glimmer of hope.

Interviewer: Thanks very much for your time, Dr. Loh.
Dr. Loh: Sorry I sound rather fatalistic. But being born here in 1957 and bred here since, I know the Singapore government well enough. I know what it is capable of. Despite so-called public consultation, and its claim that it has held discussions with industry players, the government has long made up its mind, that’s why I’m stocking up like crazy. And from legal retailers here, mind you, legit sources, not from dubious overseas online vendors, many of whom sell cigars of questionable provenance at cutthroat prices to clueless consumers hunting for bargains.

Please do not miss to read this article as well!




An Irishman`s Note – from Singapore via Paris

To be a pipe smoker is go against trends and political correctness.  For example, in recent years, globalization and integration have been in retreat. Just two years ago, Donald Trump commented,

„When Mexico sends its people, they’re not sending their best; they’re not sending you,“ Trump said. „They’re sending people that have lots of problems, and they’re bringing those problems with us. They’re bringing drugs. They’re bringing crime. They’re rapists. And some, I assume, are good people.“

from R to L: Peter, Alec, Dr. Mike, Bodo I.

Despite these trends, the bonds amongst us pipe smokers are growing stronger every year. It’s difficult to imagine a warmer more diverse fellowship. It’s been a great year for the Singapore-German pipe alliance. During 2018, we’ve been delighted by the visits of Peter and Bodo to Singapore and during Dec we’ve been wonderfully hosted in Munich.

Any German would be a bit apprehensive seeing this shabby Singaporean delegation arriving in Munich. “Jesus Christ! An Irishman and a Chinese. One of them probably wants our money and the other to steal our technical secrets”.

The day started with a visit to legendary tobacconist Pfeifen Huber. Bodo has been telling me about this store for the last 10 years. It was very exciting to finally see the beautiful store in person and meet the warm staff.

Pfeifen Huber´s Mr. Jens Meyer & Dr. Michael Loh

In the afternoon we were hosted by Peter. The air was thick with great conversation helped on with lots of great German beer. The air was also thick with tobacco from Pfeifen Huber. I had to step out a couple of times to catch my breath. We finished the evening with a traditional German meal and more great beer.

 

Dr. Mike & Bodo F. at Pfeifen Huber`s Tobacco Bar

Every pipe smoker is an individualist and a rebel. So much so, that it requires a very special person to build us into a community of friends. We’ve been blessed in Munich and Singapore in having two such unique individuals. I lift my glass to Bodo and Dr Mike.

I would also like to thank Bodo Mauk for being a generous and thoughtful host during our visit. Your elegant volcano is sitting beside my desk as I finish this note. I’m looking forward to rewarding myself with a smoke.

In the world at large, our peaceful, harmless pipe smoking habit is under constant assault by excessive legislation and hysterical media campaigns. It’s sad to see how pipe smokers have become marginalized in popular culture and once great brands and shops slowly fade away. However, I’m convinced that there is a positive side to this trend. As pipe smokers become increasingly rare, the quality of our community becomes more and more refined.

 

Addendum

I should note also that I think Donald’s concerns about Mexicans living in the USA are misguided. In fact, it appears that the types of Mexicans he is worried about have mostly chosen to live in Singapore.

 

 

A note from the Blog
Please do not hesitate to read Alec Molloy`s report of a remarkable trip of the Singapore Smokers to the very near-by Malaysian State Johor Bahru.




Three Nuns – Die gelbe Nonne

Armand_Gautier – Three Nuns in the Portal of a Church (Quelle Wikipedia)

Lange Vorreden kann ich Ihnen ersparen, lieber Leser, denn über den original Three Nuns ist bereits alles gesagt. Über die bewegte Geschichte des Tabaks, der wie ein Wanderpokal von Bells, zu Imperial, zu Ogden, Orlik und jetzt bei MacBaren gelandet ist, hat Bodo Falkenried hier schon berichtet. Aber es gibt auch etwas neues aus der Tabakwelt zu berichten: Endlich sind es wirklich 3 in Worten DREI Nonnen. MacBaren hat den beliebten Curly in zwei weiteren Variationen auf dem Markt gebracht. Neben der traditionell roten Dose finden sich im gutsortierten Fachhandel nun auch eine gelbe und eine grüne. Wir als wichtige „Influenza“ der Tabakbranche, sind mit zwei Testdosen bedacht worden und dieser schweren Aufgabe, sie gründlich zu rauchen, habe ich mich angenommen. Einer muss es tun. Da ich bei Pfeifen Huber schon mal eine Füllung des Grünen geschnorrt hatte, interessierte ich mich am zuerst für die gelbe Nonne. Was beim Öffnen der Dose – wie eigentlich bei MacBaren immer – sofort auffällt, ist das gefällige Tabakbild. Sehr ordentlich haben die Dänen die kleinen Curlys in die Dosen gelegt. Sie sind kaum zerbröselt und bieten einen sehr appetitlichen Anblick. Leider habe ich gerade kein rotes „Original“ vorliegen, deshalb kann ich nicht direkt vergleichen. Ich meine aber zu wissen, dass der Rote etwas dunkler ist, aber ich kann mich auch täuschen.

Der Geruch ist gefällig, Virginia eben, allerdings mit einer leicht zigarettigen Note – Burley? Ich rieche keine Zusätze, Aromen oder Casings, es scheint sich wirklich um einen naturnahen Virginia zu handeln, der allerdings auch kaum Süße zu haben scheint. Ich knicke und zerbrösle die Curleys leicht und stopfe sie in die Pfeife. Der Tabak ist perfekt konditioniert und brennt sofort und gleichmäßig, es gibt nichts zu beanstanden, die Qualität ist einwandfrei. Es ist tatsächlich ein Virginiatabak ohne erkennbare Süße, aber das will ich keinesfalls kritisieren, nur erwähnen. Ich habe ungefähr fünf Füllungen geraucht und bringe meinen Freunden vom Münchner Pfeifenclub die Dose zum freitäglichen Clubabend mit, damit auch sie sich ein Bild von der gelben Nonne machen können.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Herr Falkenried ein paar Dosen Three Nuns aus den Vorgängergenerationen dabei hat und so komme ich zu einer Pfeife mit der Orlik Version der Three Nuns. Das war für dieses Review leider fatal. Der Three Nuns Yellow ist ein angenehmer Tabak, schöne Virginia-Curleys, geschmacklich aber leider auch etwas nichtssagend. Der Orlik ist dagegen kräftig und vollmundig, voller Aromen und einer unglaublichen Geschmacklichkeit, wie ein Louisiana auf Amphetaminen.

Vergleiche ich die beiden Tabake mit Brot, so habe ich nach dem Genuss einer Scheibe „Golden Toast – Vollkorn“, von einem fränkischen Natursauerteig-Roggenbrot abgebissen. Danach kann man den Toast leider nur noch mit „ja, war ganz okay“ beschreiben, tut mir leid.

Vermutlich war das jetzt furchtbar unfair, dass ich Äpfel mit Birnen, Toastbrot mit Nonnen und auch sonst was verglichen habe, aber so ist es nunmal.

Den Three Nuns Yellow kann man durchaus rauchen, aber wenn man den Preis von 17,20 Euro für 50g bedenkt, kann man tatsächlich nur noch mit dem Kopf schütteln, wie ein bayrischer Gastwirt bei dem man ein „kleines Pilseken“ bestellt hat. Für nicht mal die Hälfte bekommt man zum Beispiel einen Huber Virginia Flake, der deutlich mehr her macht.

Als nächstes werde ich die „grüne Nonne“ in Ruhe rauchen und verkosten und hoffe, etwas mehr Positives berichten zu können …

 




Ein Tabak aus dem Freistaat: Kurt Eisner Blend

„REVOLUTIONÄRER“ TABAK

Für einen besonderen Tabak bedarf es eines besonderen Anlaßes und den gibt es: die Gründung des Freistaates Bayern durch den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, die soeben ihre 100 jährige Wiederkehr feiert und Eisners barbarische öffentliche Ermordung am 21. Februar 1919. Pfeifenblog.de, die Münchner Pfeifen- und Tabakinstitution Pfeifen Huber und Tabakblender Hans Wiedemann von HU-Tobacco haben zusammen einen Tabak kreiert, der nicht nur durch sein außergewöhnliches Gestaltungskonzept Akzente setzt. Der Blend, eine ready rubbed-Flake Virginiamischung der Spitzenklasse ist erhältlich in einer 50g Runddose exklusiv bei Pfeifen Huber und gehört dort ab sofort zum Standardangebot.

Geniessen Sie vorab das Tabak Review, dazu ein wenig Zeitgeschichte und verstehen Sie, warum ein neuzeitlicher Münchner Blog, ein tradionsreiches, 1863 gegründetes Münchner Familienunternehmen, dem unverändert ein Georg Huber vorsteht – immerhin der IV. Namensträger – und ein renommierter Tabakblender aus dem bayerischen Schwaben sich mit viel Freude und Enthusiasmus gemeinsam eine solche Tabakschöpfung vorgenommen haben.

KURT EISNER BLEND – REVIEW

Peter Hemmer

Ein „revolutionärer“ Tabak? Das ist auf den ersten Blick eine Frage der Perspektive. Etwa so: 75% Louisiana Perique, 15% Dark Fired Kentucky mit Moschus- und Wasserliliencasing und 10% Babylonischer Latakia  (exakt 2338,0815 Jahre gereift, sonst schmeckt’s nämlich eh ned, die streng limitierte Grabbeigabe). Das wäre ein revolutionärer Tabak! Bei uns liegt das Revolutionäre eher im Anlass, dem wir mit dem Tabak ein klein wenig Reverenz erweisen wollen, als im Stil des Tabaks!

Der Tabak sollte also einer sein, der auf der einen Seite nicht alltäglich und auf der anderen trotzdem in gewisser Weise mehrheitstauglich ist. Das erfordert erstmal Verzicht auf Aromatisierungen und auf Latakia. Und volle Konzentration auf die Qualität, aber das kann der Hans ja eh… Herausgekommen ist eine Mischung, die im Wesentlichen aus unterschiedlich aufbereiteten Virginias verschiedenener Provenienzen besteht, denen wiederum ein paar Burleys beigegeben sind. Das Ganze gepresst und Ready Rubbed aufbereitet.

Die Mischung ist im Schnitt und auch farblich sehr homogen, sie lebt viel mehr von der Kombination des stilistisch Ähnlichen als vom Zusammenfügen großer geschmacklicher Kontraste. Auch wenn wir hier in der Überschrift vom revolutionären Tabak geschrieben haben: der Eisner Tabak ist eine ruhige Mischung mit großem Understatement und großer Überzeugungskraft, aber er ist kein Galaparadefeuerwerk. Eher wie ein verdammt gut gebackenes Brot, als wie ein ondoliertes Praliné.

Apropos Brot: da wären wir schon beim Geruch des Tabaks angekommen! Es sind diese süß-erdigen Malznoten, verbunden mit dunkler Brotkruste, die den Eisner Tabak im Geruch prägen. Vielleicht mit ein paar nussigen Zartbitterschokoladenuancen angereichert, aber nur sehr, sehr dezent. Die Burleys stehen nicht im Vordergrund. Im Geruch noch weniger als im Geschmack.

Dass sich der Tabak bei einem solchen Tabakbild perfekt stopfen, anzünden und bis zum Ende der Füllung durchrauchen lässt, versteht sich von selbst, zumal seine Feuchtigkeit meiner Meinung nach optimal ist. Diese so absolut unkomplizierten Raucheigenschaften machen den Eisner Tabak nicht nur zu einem sehr angenehmen Alldays-Tabak, sie empfehlen ihn auch für Anfänger, die in die „naturbelassene“ Richtung einsteigen wollen und ein intensives Geschmackserlebnis suchen, ohne gleich überfordert zu sein! Die Mischung ist kein Bruder Leichtfuß, aber ganz weit entfernt davon, den Raucher hinsichtlich Stärke und Nikotin wirklich zu fordern.

Geschmacklich steht der Tabak anfangs, nach dem Entzünden, klar auf der Seite der Virginias: malzig süß, eher breit und cremig kommt der Eisner Tabak daher. Dazu die leicht herbe Süsse getrockneter Feigen und eine gewisse Erdigkeit, die den Tabak ungemein würzig macht. Das ist das Spannungsverhältnis, von dem die Mischung von Anfang an lebt und das im Laufe des Abbrands immer mehr um die schönen Burley-Noten ergänzt wird. Es gesellen sich leichte Nussaromen und eine ganz dezente Schokoladigkeit hinzu, deutlich wahrnehmbar, aber nicht vordergründig, eher leise als laut. Wie ein sympathischer älterer Herr, der sich im vollen Wirtshaus mit zu uns an den Tisch setzen darf… Und so sitzt man dann ganz gemütlich zusammen bis die Füllung aufgeraucht ist. Unaufgeregt, unspektakulär – aber klar und unvergleichlich schön und gemütlich.

Stilistisch – nicht geschmacklich – erinnert mich der Eisner Tabak an die Elizabethan Mixture von Dunhill, nur dass da natürlich kein Perique mit den Virginias gepaart ist, sondern Burleys. Ein Tabak, der sich übrigens sehr gut zum Einlagern eignen dürfte…

 

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Eisner, die Dose und das Portrait

Alexander Broy

Eisner bei Pfeifen Huber im TalDa steht er nun endlich, der Eisner Kurt, im Tal 22 in München in Öl gemalt in einem ganz schlichten, einfachen Fichtenrahmen, so hätte es ihm gefallen, da bin ich mir sicher.

Die Ehre von einem der großen Münchner Malerfürsten portraitiert zu werden, war Eisner nicht vergönnt. Dazu war sein Leuchten in München zu kurz und fand zudem in Zeiten statt, in denen Lenbach schon tot und die anderen ganz andere Sorgen hatten, als den „schwindligen“ sozialistischen Revolutionär zu porträtieren. Vermutlich hätte Eisner selber in den Wirren seiner Regierungszeit überhaupt keine Zeit gefunden, sich malen zu lassen.

Es gibt von ihm gerade mal drei nicht völlig unscharfe schwarz weiss Fotos, das war es auch schon. Der alte Hanfstaengl, der mit Abstand bedeutendste Münchner Verleger und Kunsthändler, hätte sich vermutlich lieber den rechten Arm amputieren lassen, als Postkarten von diesem „Kommunisten“ heraus zu bringen – obwohl er diesen Arm ein paar Jahre später beim enthusiastischen Feiern seines geliebten Freundes und Führers – schmerzlich vermisst hätte.

Kurt Eisner - Alexander BroyIch hingegen hatte die Zeit und die Muße und habe ihn aus einer Laune heraus flott und flüchtig auf einem kleinen 40 x 40 Zentimeter großen Stück Leinwand gemalt. Als Vorlage diente mir ein Foto aus der Wikipedia. Was heißt Laune: Auf Bodos Empfehlung hin, habe ich Eisner per Bayrischer Rundfunk WhatsApp abonniert und hänge seit dem wie ein Teenager an meinem Handy, immer wieder lese ich was in seinem bewegten Leben vor genau 100 Jahre geschah, das inspirierte mich.

Ihm, dem einzig wahren, ersten und allerbesten Ministerpräsident aller Zeiten – und ich kann das beurteilen, der aktuelle MiPrä wohnt hier ein paar Strassen weiter in Nürnberg-Mögeldorf – wollte ich ein kleines, bescheidenes Andenken setzen und so fragte ich meine Mit-Blogwarte, Bodo und Peter, Hans Wiedemann von HU-Tobacco, Kohlhase und Kopp sowie nicht zuletzt Pfeifen-Huber, ob sie nicht mitarbeiten wollten. Sie mussten nicht lange überredet werden, die Begeisterung für einen Eisner-Tabak war sofort geweckt.

Einen häßlichen Todeswarnhinweis unter sein Portrait zu kleben, wäre natürlich pietätlos gewesen, denn er ist ja schliesslich nicht am Tabakkonsum, sondern durch die Hand eines rechtsextremen Eiferers gestorben. „Nationalismus kann töten“ oder „Ein Menschenfreund zu sein, schadet ihrer Gesundheit“ wäre als Gefahrenhinweis juristisch nicht erlaubt gewesen, deshalb entschieden wir uns für ein schlichtes Etikett und dafür, in jede Dose hinein einen Aufkleber mit seinem Portrait zu legen.

Zum Schluß meines Teiles, gebe ich dem geneigten Leser hier noch eine kleine Bastelanleitung an die Hand und gestatte mir den Hinweis, dass das Original Eisner-Portrait bei Pfeifen Huber zu erwerben ist, und ich gerade an einer großen Version des Bildes für mein Herrenzimmer arbeite, welches ich gegen ein großzügiges Gebot zur Not auch hergeben würde.

Und damit übergebe ich – den wunderbar weichen und geschmeidigen Eisner-Tabak im Pfeiferl rauchend – an meinen Freund Bodo Falkenried, der über die geschichtlichen Hintergründe der Revolution berichten wird.


ES IST REVOLUTION

Bodo Falkenried

Wir stehen in der aufwühlenden, katastrophalen Zeit am Ende des Ersten Weltkriegs. Es ist Revolution in Deutschland! Die untauglichen Monarchien – davon gibt es noch 22 in Deutschland, dazu die Wilhelminische Reichsmonarchie des Kaisers und vor allem aber die versagende Oberste Heeresleitung allen voran ihre Protagonisten Ludendorff und Hindenburg, die das sich ankündigende völlige Scheitern ihrer Militärstrategie vor Kaiser, Regierung und Volk verheimlichen und durch blindwütigen, wirkungslosen Aktionismus schließlich herbeiführen –  und damit letztendlich der Bismarck`sche Obrigkeitsstaat, stehen am Abgrund. Die bedeutsame Berliner Revolution vom 09. November 1918 ist unklar, verschwommen geworden und arbeitet sich mit politischer Ideologie zu Grunde. Nicht die Umstürzler sind die wahren Totengräber der Monarchie, sondern das Triumvirat aus Wilhelm II., Reichskanzler Max von Baden und dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert, die zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1918) die Reichsmonarchie aus unterschiedlichen Gründen unbedingt erhalten wollen: Kaiser und Kaiserin bewegen sich in einer starrköpfigen, überlebten Weltanschauung, selbstsüchtig und in völliger Verkennung der neuen Machtverhältnisse, (Endzeit-) Kanzler Prinz Max verfolgt eigene, sehr persönliche Nachfolgeziele als Monarch und Friedrich Ebert schliesslich will seine Sozialdemokratie als agierender Partner einer neuen parlamentarischen Monarchie etablieren, um die innenpolitische Stabilität im Reich zu garantieren und einen totalen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie die russische Revolution gebracht hat, zu verhindern.

Woodrow Wilson 1856-1924 – 28. US Präsident 1913-1921

Hinzukommen die drängenden Forderungen des amerikanischen Präsidenten Wilson, der unnachgiebig zugesichert haben will, dass die Allierten nicht mit einer autokratischen, sondern mit einer demokratisch legitimitierten Regierung verhandeln können, was letztlich nichts anders als die Abschaffung der Monarchie bedeutet. Dieses fast unlösbare Spannungsfeld, in dem sich die Reichsregierung in Berlin befindet und das durch die verschiedenen Interessenlagen der Beteiligten ein fast täglich zu änderndes taktisches Vorgehen erfordert, ist das reale Hindernis, um die November Revolution tatsächlich in eine gelebte, der Bevölkerung und dem Staat nützende Demokratie zu bringen. Die ursprünglichen diplomatischen Versuche, mit den Allierten zu einem Waffenstillstand oder gar zu einem Verständigungsfrieden zu gelangen, scheitern sämtlich. Dennoch ist es nicht nur Wilson, der beharrlich gegen eine wilhelminische Monarchie Stellung bezieht, zwischenzeitlich nehmen auch die wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Eliten eine gegen Wilhelm II. gerichtete Position ein, was dieser bis zur Absurdität lange verkennt. Das Ende ist bekannt. Sich selbst durch oftmals wirres Taktieren und durch ein bei beiden aus unterschiedlichen Motiven rückwärtig orientiertes Kalkül von Kaiser und Reichskanzler außer Kraft gesetzt, ermöglichen sie ungewollt die dringend notwendige Abschaffung der Monarchie und die Einführung einer gewählten, parlamentarischen Staatsform, die als Weimarer Republik bis 1933 bestehen wird. Das dies aber letzlich – wenn auch unter härtesten Anstrengungen – gelingt, müssen wir in der Tat der späteren Reichsregierung unter ihrem Reichspräsidenten Ebert und der Reichsregierung mit Politikern wie u.a. Philipp Scheidemann und Gustav Stresemann zurechnen.

AUCH IN MÜNCHEN – ABER ANDERS

Gänzlich anders in der bayerischen Hauptstadt München. Rücksicht auf internationale Verhältnisse muß Bayern nicht nehmen, auch gibt es so gut wie keinen Einfluß von außerhalb der Grenzen des Freistaates, wenn man von denen aus Berlin absieht. Ein viel radikalerer Stilwechsel in der Politik wird mit einer durchdringenden kulturellen Ansprache an das Volk und durch publizierte, transparente Angebote für die Mitwirkung an der Zukunft vollzogen. So gelingt es dem Intellektuellen Eisner, wichtige und einflußreiche Verbandspolitiker wie die Brüder Ludwig und Karl Gandorfer vom Bayerischen Bauernverbund, für eine tätige Mitwirkung an der Revolution zu gewinnen. Über die neue, freiheitlich-demokratische Idee sich zusammenfindende Schriftsteller wie Oskar Maria Graf, Rainer Maria Rilke, Heinrich Mann, Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer, um nur einige zu nennen, bringen sich ebenfalls in den Umbruch ein. So kann in Bayern sehr viel fantasievoller und engagierter als in Berlin über ein neues politisches System nachgedacht werden, an dem die unterschiedlichen politischen Strömungen und die Bevölkerung tragende Positionen einnehmen. Durch die unablässigen öffentlichen Debatten vermuten die Veränderungswilligen für die Neuerungen auch eine größere Aufgeschlossenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Allerdings dauert es nach dem Tod Eisners noch weitere 4 Monate, bis es über die vierwöchige Verirrung in eine „Räterepublik“ im August 1919 gelingt, eine handlungsfähige Regierung aus Vertretern der Bayerischen Volkspartei und den Sozialdemokraten zu bilden. 

Kurt Eisner also. Der Revolutionär. Der Sozialdemokrat. Der Intellektuelle. Eisner gilt als Gründer des Freistaats Bayern, war von November 2018 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1919 der erste gewählte bayerische Ministerpräsident. Sein ausgeprägtes Streben nach Veränderungen in Politik und Gesellschaft zeigt mit bis heute geltenden Verordnungen Erfolg, darunter der Acht-Stunden-Tag für Arbeitnehmer und die gesetzliche Kündigungsfrist, das Frauenwahlrecht, eine staatliche Erwerbslosenfürsorge und die Säkularisierung der Schulen.

Eisner, der studierte Philosoph, der Pazifist, steht für eine gewaltfreie Gesellschaft. Sein Ziel ist es, die bayerische parlamentarische Monarchie durch eine demokratische Rätevertretung zu ersetzen, die aber auch gar nichts mit Bolschewismus oder Kommunismus zu tun hat und Regierung und Landtag lediglich beraten soll. Das unterscheidet sich deutlich von den Zielen der von April bis Mai 1919 kurzfristig agierenden „Räterepublik“. Letzlich aber schaffen Bayerns starke Reaktionäre den Antrieb für seine Ermordung durch den Rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley am 21. Februar 1919.

Der Freistaat Bayern gedenkt Kurt Eisner durch zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen. Besonders zu erwähnen ist das Messenger-Projekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner“, in dem Kurt Eisner selbst durch tägliche Berichterstattung einen faszinierenden Einblick in die damaligen Vorgänge und Abläufe gibt.

„Ich, Eisner!“ erzählt die packende Geschichte der Revolution in Bayern von 1918 – in Echtzeit. Über WhatsApp oder Instagram berichtet Kurt Eisner, der Anführer der Revolution und erster Bayerischer Ministerpräsident, was vor genau 100 Jahren in München passiert ist.

München, November 2018: das dreiköpfige Autorenteam von Pfeifenblog.de hat die Idee, begeistert aufgegriffen von Pfeifen Huber. Hinzu kommt Hans Wiedemann von HU-Tobacco als ideenreicher Tabakblender und das Projekt nimmt seinen Lauf: der Kurt Eisner Blend, als Referenz an eine zeitgeschichtliche Epoche, deren Nachweise vor allem in München noch allgegenwärtig sind.


  • weiterführende Buchempfehlungen

Lothar Machtan – Kaisersturz, Endzeitkanzler
Volker Weidermann – Träumer, Ostende