Noch ein Heritage Tabak?

Es ist ja scheinbar Mode geworden, Tabake, die es nicht mehr zu kaufen gibt, unter sehr ähnlicher Bezeichnung und Dosengestaltung wieder auf dem Markt zu bringen.
Aus einer „Night Cap“ wurde kurzerhand ein „Night Club“, aus einer „Early Morning Pipe“ wurde ein „Early Bird“, was die Bedeutung der beiden Namen im Grunde ad absurdum führt, aber egal.
Ein ähnlicher Name, unterstützt durch geschickte Farbcodierung des Labels, soll dem verzweifelten Dunhill-Raucher den Weg zum gewohnten Tabak weisen. Das dies nicht immer gelingt und manchmal sogar zu bizarren Verwechslungen führt, wissen wir inzwischen.

Keinesfalls würde ich behaupten, dass dies eine plumpe Bauernfängerei ist. Niemals würde ich einem Tabakonisten unterstellen, dass er aus der Not verzweifelter Dunhillisten Kapital schlagen wolle oder gar, dass er irgendwelche Provinz-Hausmischungen als Dunhill Heritage Tabake zu horrenden Preisen verscheuern will.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Hersteller dieser – im übrigen wie tschechische Fußballtrikot-Fälschungen wirkenden – Tabaksdosen nur das beste im Sinn hatte. Er wollte die Lücke stopfen, die durch den Rückzug Dunhills aus dem Tabakgeschäft entstanden ist und dies aus reiner Menschenfreundlichkeit. Uns Pfeifenrauchern sollten diese wunderbaren Tabake erhalten bleiben.

Dass dies bei den Navy Rolls nicht wirklich gelang, lag bestimmt daran, dass der Schülerpraktikant die falschen Röllchen in die Eclipse-Dosen gepackt hat, die sehen sich aber auch alle verflucht ähnlich diese blöden Medaillons, Escudos, Rollcakes … runde Scheiben halt. Auch dass in die Robert McDunhill Flake-Dose die Hausmischung 246 von Tabak Hüttensköller aus Castrop-Rauxel gewandert ist, ist bestimmt auf den eifrigen aber nicht gleichermaßen aufmerksamen jungen Mann zurückzuführen. Die nächsten Chargen werden bestimmt wieder richtig sortiert im Handel sein und der Praktikant wieder zurück in den wohlmeinenden Händen seiner Steiner-Pädagogen.

Gänzlich verblüfft war ich allerdings, als mir ein Tabak mit dem merkwürdigen Namen „Penzayyum“ in die Hände fiel. Der Name kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Er erinnert mich an irgendetwas ich komme nur leider nicht drauf …
Auch das ungewöhnliche Dosendesign habe ich schon einmal irgendwo gesehen. Auch dieser mir bisher unbekannte Tabak scheint ein so genannter „Heritage-Tabak“ zu sein. Wenn Sie lieber Leser mir auf die Sprünge helfen könnten, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Der Tabak schmeckt jedenfalls großartig, satt nach Latakia und hat dabei eine solche Weichheit, dass er Mund zu schmelzen scheint, ich bin überwältigt.

Und so verbleibe ich, endlich doch versöhnt mit der Heritage-Mode, Ihr Alexander

 

 




C&D Bluegrass | Er brennt

Bei diesem Namen schwingt ja bei mir so viel an Gefühlen und Assoziationen mit. Ich halte die kleine blau, weiss, schwarze Blechdose in Händen auf der eine stilisierte Mandoline und der Name in schwarz in einem klassischen Saloon-Font abgebildet sind und lasse meine Gedanken schweifen.

Für die erste Füllung habe ich eine zarte, filterlose Poker von Foundation by Musico vorgesehen. Da ich weder Mandoline noch Banjo besitze, erscheint mir eine Westerngitarre noch am geeignetsten für ein gemeinsames Foto. Ich knipse mit dem Handy wild herum, alle Fotos werden irgendwie schief, ich sollte mir etwas mehr Mühe geben und eine Kamera und ein Stativ verwenden, ausserdem wäre eine Fotoleuchte eine Bereicherung. Aber ich will den Tabak probieren und habe keine Lust.

„Wieso erwähnt er jetzt eigentlich schon wieder diese bescheuerte Mandoline?“, denkt sich vielleicht der eine oder andere Leser. „Was ist überhaupt eine Mandarine Mandoline und was hat die mit einem Tabak zu tun, der blaues Gras heisst.“ 

Nein, natürlich fragen sich unsere Leser so etwas nicht, schliesslich sind sie umfassend gebildet, weltoffen und in sämtlichen Musikstilen der Welt zuhause.

Ich erkläre es trotzdem, nur um mich wichtig zu machen und mit meinem Wissen zu prahlen. „Bluegrass“ nennt man eine Musikrichtung aus der amerikanischen Volksmusik – Country-Music. Benannt ist diese Mischung aus Hillbilly-Country, Blues und Swing nach der ersten Band, welche sich nach ihrem Heimatstaat Kentucky – dem Bluegrass State – „Bill Monroe and his Blue Grass Boys“ nannten.

Wikipedia erklärt mir, dass mit Bluegrass das von den nährstoffreichen Böden Kentuckys gesättigte, bläulich wirkende Gras gemeint ist. Soviel zum blauen Gras. Die vorherrschenden Instrumente des Bluegrass sind die Mandoline, die Fidel und das Banjo. Interessanterweise wird meist auf das Schlagzeug verzichtet, dafür schlagen die Begleitinstrumente einen sehr eingängigen und typischen Rhythmus.

Jetzt stürmen die Assoziationen oder? Das Kopfkino beginnt: Die Soggy-Botton-Boys singen in eine Blechdose, die Smokey-Mountains, der Appalachian Trail, selbstgebrannter Rye-Whiskey, Landwirte in karierten Hemden ohne nennenswerte Schulbildung, Allison Krauss, Earl Scruggs und die Grand Ole Opry … Na, also geht doch und jetzt schnell die Dose öffnen:

„Ketchup und Grass!“ 

Na ja, der Ketchup Geruch wird wieder vergehen, der ist halt typisch für die amerikanische Tabak Einweck-Methode, der Grasgeruch wird bleiben. Virginias hell und rot, eine kräftige Prise Perique und Dark Fired Kentucky verspricht der Hersteller Cornell & Diehl.

Ich höre etwas Alison Krauss, den Soundtrack von „Brother where are thou“, Dolly Partons legendäre Live-Show „Heartsongs“ aus ihrer Smokey Mountain Heimat und rauche dabei.

Ich geniesse diese Stunde der Muße und die gedanklichen Reise durch den Bluegrass State, aber der Tabak, ich bin etwas ratlos, nach was hat er noch gleich geschmeckt? Ich weiss es nicht.

Am nächsten Tag trifft sich wieder der Münchner Pfeifenclub in den Räumen am Gollierplatz, dorthin werde ich ihn mitnehmen, sollen sich doch die anderen mal dazu äussern.

Und das haben sie dann auch. Vier weitere Herren fanden sich neugierig auf diesen, nur in den USA erhältlichen Tabak, und wir kamen zu einem einstimmigen und eindeutigen Ergebnis:  „Er brennt“.

 




Pfeifenraucher des Jahres | vermurkster Unsinn

Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Schwachsinn und mit welch öffentlicher Heuchelei das Tabak Forum vom Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie auf seinem YT-Kanal smokernews TV die Wahl der Pfeifenraucherin des Jahres 2018 erklärt und begründet. Da ist richtiges Fremdschämen angesagt, wenn die scheinbar völlig verplastifizierte und botoxglänzende , dauerlächelnde Sonja Kirchberger (53) Schwierigkeiten hat, dem Interviewer zu erklären, warum Sie vorgeblich eine passionierte Pfeifenraucherin sei. Ob sie in ihrer Pfeife –also ist sie scheinbar eine passionierte Sammlerin- überhaupt Tabak und wenn ja, welchen raucht, bleibt unangesprochen. Unbeantwortet auch die Frage des ach so smarten und ziemlich wortungewandten Interviewers, ein gewisser Klaus Peter Will, nach der Anzahl von Pfeifen, die Kirchberger besäße. Ich vermute mal, die zur Verleihung übergebene Winslow Pfeife ist ihre erste oder gar einzige. Ist auch egal, sie raucht nach eigenen Angaben eher im verborgenen, geheimen Umfeld und vorzüglich allein. Aha.

Das dreimalige Playmate, dessen einzig wirklicher Erfolg mit dem Film Venusfalle immerhin schon 30 Jahre zurückliegt, in einem kürzlich veröffentlichten Interview zu ihrer letzten Playboy Ablichtung im Jahre 2014:

„Ich liebe es, nackt vor der Kamera zu stehen. Ich bin schon eine Erotomanin, muss ich ehrlich sagen. Beim ersten Mal war ich einfach nur stolz, in dem Magazin zu sein, das ich schon in der Pubertät heimlich gelesen habe. Ich finde erotische Aktfotografie einfach toll, und ich mag ja auch Filme, die ein Stückchen weiter gehen.“

Da fügt sich die jetzige Auszeichnung auf dieser ebenfalls entblößenden Gruselveranstaltung nahtlos an, die mich ein wenig an Richard „Mörtel“ Lugner`s Präsenz auf dem Wiener Opernball erinnert. Natürlich fehlte in Berlin dessen Eleganz.

Und wie die ähnlich peinlichen Funktionäre aus Gewerbe und  Marketing schwer verdauliche Unweisheiten und unglaubwürdige Einschätzungen von sich geben, machte aus der Gala des Verbandes eine Witzveranstaltung, die dem RTL Dschungelcamp in nichts nachsteht. Die Protagonisten sind lediglich besser gekleidet, argumentativ aber ähnlich unterbelichtet. Zumindest sind sie unisono realitätsfremd, wobei das im günstigen Fall Zweckoptimismus sein könnte, wenn nicht gar Selbsttäuschung. Ambitionierte Pfeifenraucher schüttelt es da gewaltig, insbesondere, wenn dann ein Adabei (bayerisch/österreichisch: allweil, immer dabei) wie Uwe Ochsenknecht als Laudator ins Bild gerückt wird. Die Beweggründe seiner Teilnahme bleiben der Fantasie des Betrachters überlassen, allerdings hätten statt seiner die Kinder Wilson Gonzalez, Jimi Blue, Cheyenne Savannah oder Rocco Stark ein wenig von der Bräsigkeit dieser Licht-Veranstaltung beseitigt.

 

Nachzusehen – und leider auch nachzuhören – öffentlich. Und die sich dort herzlich feiernden „Granden„ der Tabakindustrie, die zeitweilig sogar trotz einer lächerlichen, realtitätsfremden Lobhudelei auf  die „schauspielerische Ausnahmeerscheinung“ nicht einmal den richtigen Namen ihrer herausragenden „Markenbotschafterin“ verinnerlicht haben (Oliver Haas, Geschäftsführer Scandinavian Tobacco Group oder Interviewer Will patzen da hörbar), macht diese Farce noch besonders „humorvoll“.

 

Der Gipfel des Funktionärs-Dilettantismus ist aber die an Norbert Blüm erinnernde Prognose „der Nachwuchs für die Pfeife ist gesichert“ [expressis verbis!] eines bekannten Pfeifenherstellers, bestätigt durch den Präsidenten des Verbandes der Deutschen Pfeifenraucher –ja, beide, Verband und Präsident, gibt es wirklich. Letzterer liefert dann noch eine hochnotpeinliche Aufklärung über die Stellung und das Ansehen von weiblichen Pfeifenrauchern, also Pfeifenraucherinnen oder auch Frauen genannt und die Sichtweise von richtigen, sprich männlichen Pfeifenrauchern, auf diese besondere Spezies.

Als Pfeifenraucher würde ich mich von einer solch hinrichtenden Veranstaltung schier angegriffen fühlen, wenn …. ja, wenn dort wirkliche Genußleidenschaft für Tabak und Pfeife hätte vertreten werden sollen. Das war bei dieser Realsatire zum Glück nicht einmal ansatzweise vom Veranstalter bezweckt, vermutlich aus Unvermögen.




Tabak | Bildband, Kompendium oder Katalog?

Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, Pfeifenblog sei gerade auf dem HU-Tobacco Trip. Aber ein solcher wäre durchaus zu vertreten, denn bei der derzeitigen Ödnis in der Tabakentwicklung, den gesetzlich geforderten Verschönerungsmaßnahmen für Verpackung und dem fehlenden Einfallsreichtum der meisten Hersteller, Blender, Fachhändler oder sonstigen Anbieter, ist eine Unternehmung wie die von Hans W. einer der zwei, drei tobacconistischen Leuchttürme, die wir in Deutschland haben. Nicht zu vergessen die mittlerweile traurige, europäische „Holzgewerkschaft“, die sich scheinbar der Allianz der Billigst-Estate-Konsumenten und von YouTube Kanalisten ergeben hat, die das sammlerische  Mittelmaß  noch einmal kräftig unterschreiten und in der Darbietung grottigen Dilettantismus abfeiern. Erschreckend, das sich damit tatsächlich ein Podium hat aufbauen lassen.

„Ihr sitt widderlich, ni’ mieh zo erdraare“ dichtete einst BAP`s Wolfgang, sicherlich für ein anderes, ernsthafteres Szenario, nichtsdestoweniger passend.

HU-Tobacco legt soeben ein kleines, liebevoll und sehr professionell gemachtes Büchlein, ein Brevier oder ein Katalog, über sein mittlerweile erstaunlich gewachsenes Angebot an interessanten Tabaken verschiedener Provenienzen, Formate und Geschmacksrichtungen vor.

Braucht es das ? Und wie.

Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert

Oscars Sinnspruch wirkt an dieser Stelle genauso überhöht wie der zuvor zitierte Text von BAP, trifft es aber genau. Zunächst die Aufmachung. Ein Bilderbuch, ästethisch, elegant. anstiftend, informativ. Ich bin völlig überrascht, was für ein kleines „Tabak Imperium“ Hans Wiedemann in den Jahren aufgebaut hat: United Passion Flakes & Blends, Hommage to my Friends, Original Warehouseblends, The Blender`s Pride und –meine Favoritin- die African Line.

Die Texte zu den einzelnen Tabaken aber sind das wahre Highlight und der Aspekt, der den über 70-seitigen Band so lesenswert macht. Keine sinnschwachen, blumigen und wenig aussagekräftigen Kurzbeschreibungen, wie wir sie von den meisten Tabakanbietern gewohnt sind (…. Florale, gemähte Alpenwiese mit im Nachgang hervorstechenden Aromen von gut abgehangenem Cross-Country Beef und bretonischem Salzlamm sowie Liquid Moly Schmierstoffen, umwölkt von einem Hauch Leberpastete) sondern fundiertes Wissen über Tabake, deren Komponenten, über Herstellungsprozesse, Definitionen von Geschmacksrichtungen, die allesamt HU-Tabake in einem anderen Licht zeigen. Und Lust darauf machen, den nächsten Tabakshop zu stürmen und sich einen Wochenendvorrat anzulegen. Das gelingt natürlich, wenn man im weltgewandten bayerischen Wellness-Ort Fürstenfeldbruck (bei München) oder in dessen Umgebung wohnt (Tabak Bosch), ansonsten bleibt der Onlinebezug.

Das Hans Wiedemann unterstützende Kreativ Team, hinreichend für ihren Professionalismus bei Wort und Bild bekannte Afficionados, legen aber noch Einmaliges drauf: zu fast allen Tabaken wird eine Pfeife abgebildet, deren Schöpfer Maßstäbe hinsichtlich Idee, Formensprache und Qualität in jeder Hinsicht gesetzt hat : Bo Nordh, Jörn Micke, Kurt Balleby, Poul Ilsted, Tom Eltang, Peter Hedegaard, Former und Jess Chonowitsch, die Künstler von Bang, die drei Generationen der Ivarssons, Japans Gotoh und Tokutomi, die Deutschen Rainer Barbi, Cornelius Mänz und Wolfgang Becker, generös zur Ablichtung zur Verfügung gestellt durch einen privaten Sammler. In dieser Dichte schwerlich öffentlich an anderer Stelle anzutreffen.

Der HU Tobacco Katalog wird so zu einem zeitlosen Kompendium, das ich nicht mehr missen möchte. Und immer wieder zur Hand nehmen werde, so wie ich es mit dem Dunhill Katalog von 1923 oder dem 1970er Jahre Kriswill Katalog mache. Eine klare Empfehlung für einen inspirierenden und wunderschönen Bildband.

HU Tobacco Hans Wiedemann
Pfeifentabake 2018
Text: Hans Wiedemann, Peter Hemmer, Arno van Goor
Design der Dosenetiketten: Alexander Broy | www.broy.de
Fotos: Alexander Broy
Layout & Design: broy new media

erhältlich bei HU Tobacco




HU Tobacco | Manyara

Rechtzeitig zur Pfeifenshow in Lohmar gibt es wieder einige neue Tabake von HU Tobacco, darunter auch einen aus der Afrika-Serie, an dem ich mitgewirkt habe (um das gleich vorweg zu sagen) und den ich hier kurz vorstellen möchte. Er heißt „Manyara“, benannt nach dem gleichnamigen See in Tansania und wie bei allen den Tabaken der Serie ist der Name auch hier eine Referenz an die Herkunft einiger dabei verwendeter Basistabake, nämlich Westafrika.

HU Tobacco ManyaraNach der wahnsinnig positiven Resonnanz auf die letzte Neuerscheinung, den Nyala, der ja eine Burley/Virginia/Perique basierte Mischung mit Zigarrenblattgut, in diesem Fall Havanna und Brasil, war, haben wir beschlossen, das Konzept „Zigarrentabak“ als Komponente eines trotzdem geschmacklich eindeutigen Pfeifentabaks zu wiederholen – nur eben ganz anders: Ist es beim Nyala ein karibischer Einschlag, welcher der süßen Burley Mischung das gewisse Etwas verleiht, so haben wir dieses Mal beim Manyara an die italienischen Toscani, also fermentiertes Kentucky-Blattgut, gedacht. Wieder sind es verschiedene Burleys, die den Geschmack mitbestimmen, allerdings abgemischt mit einem kräftigen Firecured Virginia, der dafür einen etwas kleineren Anteil hat. Dazu eben der Kentucky, wieder etwas Brasil und, auch hier dem Nyla nicht unähnlich, die nötige Menge Perique. Hinzu kommt noch eine geringe Menge cypriotischen Latakias, die sich geschmacklich aber ganz weit hinten anstellt und eigentlich eher die Funktion hat, die Würzigkeit ein klein wenig zu erhöhen und die breite Erdigkeit des Kentucky in Schach zu halten. Verbunden wird das alles mit einen kleinen, gerade ausreichenden Anteil Orient.

Ich weiß, bei der puren Erwähnung von Latakia klingeln bei vielen eingefleischten Virginia/Perique Liebhabern alle Alarmglocken, aber beim Manyara ist das gänzlich unnötig, denn geschmacklich ist die Mischung von einer „englischen“ Latakiamischung soweit weg wie eine Giraffe vom Nordpol. Trotz des kleinen Latakiaanteils haben wir es beim Manyara mit einer naturbelassenen, relativ süß-cremigen und trotzdem recht würzigen Mixture zu tun, die sich durchaus auch (und vielleicht sogar in erster Linie) an Pfeifenraucher wendet, die mit Latakia nichts am Hut haben. Der Latakia ist hier eher wie eine Piccoloflöte in einer großen Orchesterbesetzung.

HU Tobacco ManyaraDas Tabakbild präsentiert sich entsprechend vielfältig: farblich die gesamte Palette vom grünlichen Orient über die verschiedenen Brauntöne der Burleys, des Kentuckys und des Virginias bis zum Schwarz des Periques und des Latakias. Eine ähnliche Bandbreite haben wir auch bei den Schnittarten mit verschiedenen Ribbon Cuts, Ready Rubbed Flakes und bei einem der Burleys Cube Cut. Das Ganze sieht nicht nur wunderschön vielschichtig aus, es gewährleistet auch ein perfekten, gleichmäßigen wie langsamen Abbrand.

Der Manyara lässt sich vollkommen problemlos stopfen und entzünden, ist für jede Brennkammergröße gleichsam geeignet und läßt sich genauso problemlos bis zu Ende rauchen. Das klingt eigentlich auch nach einem wunderbaren Anfängertabak, aber ich würde ihn eher erfahreneren Pfeifenrauchern empfehlen, erstens weil der Tabak sehr komplex ist und zweitens weil der Manyara kein Leichtgewicht ist. Kentucky, Dark Fired Virginia und der Perique sorgen für einen anständigen Körper. Trotzdem ist der Manyara weit entfernt von einer „Bombe“, gerade auch von einer „monotonen Bombe“, wie sie uns bei Kentucky-basierten Tabaken oft begegnet. Wir wollten explizit einen geschmacklich vom Kentucky geprägten Tabak kreieren, dem aber diese monotone Monumentalität abgeht und der stattdessen raffiniert und komplex ist. Ich persönlich finde, dass das dem Hans Wiedemann sehr gut gelungen ist und die ersten Reaktionen bestätigen das aufs Trefflichste.

HU Tobacco ManyaraWenn man nun den Manyara raucht, entfalten sich geschmacklich genauso viele Nuancen, wie man sie im Tabakbild schon optisch wahrnehmen kann. Von Beginn an und kontinuierlich bis zum Ende einer Füllung. Dabei entwickelt sich der Tabak nicht von einer bestimmten Richtung in eine andere, sondern dieses geschmackliche Feuerwerk von malziger Süsse, Kuchen, Brot, Erde, Leder, Schokolade, Nuss, Trockenfrüchte, Holz und Röstaromen hält über die gesamte Rauchdauer an. Der Manyara lässt immer etwas davon aufblitzen. Das macht ihn in meinen Augen so attraktiv, obwohl ich ansonsten ein großer Fan von „Entwicklungstabaken“ bin. Langweilig ist der Manyara nie, dazu ist er viel zu komplex und vielschichtig.

Übrigens trinke ich sehr gerne einen Kaffee zum Manyara und abends auch manchmal noch einen Grappa dazu und träume mich mit einem Anflug von Toscanello in eine neapolitanische Bar vor dreißig Jahren als das Rauchen dort noch erlaubt war….




Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Ja, wer hätte bis vor wenigen Monaten gedacht, das die neue Datenschutzgrundverordnung – verbindlich ab dem 25. Mai 2018 – auch unseren privaten Blog umhegen wird. Für Konzerne wie Google und Facebook, Unternehmungen, Klein- und Kleinstbetriebe, für Freiberufler und auch für Vereine, Vermieter oder Handwerksbetriebe gilt die Reform. Wir wollen Ihnen und Euch nicht die DSGVO erläutern, müssen allerdings auf einige Änderungen im Blog hinweisen.

Denn Horden von Abmahn-Hyänen stehen in den Startlöchern,

um sich ihren segensreichen Anteil zu sichern. Ab sofort sind keine Anmeldungen als Blog-Mitglied mehr möglich und auch nicht nötig, denn alle Beiträge sind öffentlich. Dadurch haben wir allerdings die Gruppenfunktion einstellen müssen. Hier konnten sich Mitglieder in Gruppen zusammenfinden und miteinander „reden“ oder sich „verabreden“.

Um das wieder verfügbar zu machen, müßten wir von jedem eine schriftliche Einverständniserklärung abfordern, das wir persönliche Daten – und sei es nur die email-Adresse- speichern dürfen. Mit Verlaub: das ist uns zuviel Aufwand.

Wir schauen uns das jetzt erst einmal an. Vielleicht gibt es ja bald für WordPress (unsere Plattform) entsprechend rechtlich unbedenkliche Plugins, die eine erneute Einführung von Mitgliedschaft und „Gruppenbildungen“ ermöglichen, ohne das wir zwei Vollzeit-Assistentinnen einstellen müssen.

Obwohl: die stehen jetzt auch schon in den Startlöchern.

Bleibt noch das Thema Kommentare zu Blog Artikeln: diese sind bis auf weiteres unverändert möglich. Derzeit bemühen wir uns um ein Plugin, das ein Einverständnis zur Speicherung der email-Adresse des Kommentierenden durch setzen eines Häkchen o.ä. bewerkstelligt. Bis zum 25. Mai werden wir das wohl hinbekommen.

Eines möchten wir ausdrücklich unterstreichen: wir Blogbetreiber sind für einen ausnahmslosen Datenschutz, dieser kann nicht umfangreich genug sein. Aber ohne eine professionelle staatliche Überwachung werden von der DSGVO nur Abmahnkanzleien profitieren, denn Facebook, Google, Amazon und Konsorten sind längst nicht mehr zu kuratellisieren.

Schaun wir mal.

 

 

 

DSGVO Wiki

Wer noch mehr wissen möchte

Wer behauptet eigentlich so etwas ? Eine Empfehlung vom Pfeifenblog

Wir glauben an ein Internet, in dem die Interessen der User wirklich an erster Stelle stehen. Dieses Internet braucht radikal neues Denken. Und ein komplettes Redesign. Sagt CLIQZ.

So löschen Sie Ihren Facebook Account




HU Tobacco | RaiKo InBeTween

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenZu diesem Tabak bin ich mal wieder wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, also vielmehr wie der Fotograf zur Tabaksdose. Wie am Fließband des ehrenwerten Henry Ford stand ich und gab mich der Eintönigkeit meines Tuns hin. Sämtliche Tabaksdosen von HU Tobacco mussten geöffnet, ein Häufchen Tabak entnommen und dann pittoresk im Lichtzelt mit einer Pfeife drapiert fotografiert werden. Stunden vergingen, die Zeit schlich nur so dahin. Öffnen, Häuflein bilden, Dose hinstellen, Pfeife daneben, ausleuchten, Blende, Verschlusszeit, Klick. Dann Tabak wieder zurück in die Dose, Lichtbox staubsaugen, nächste Dose. Meine Gedanke schweiften unruhig durch Raum und Zeit, längst vom Körper getrennt. Würde ich diese stupide Gleichförmigkeit unbeschadet an Geist und Seele überleben? Welche Erschwerniszuschläge könnte ich Hans berechnen? Welche Gewerkschaft ist für mich armen Tabakknipser überhaupt zuständig? Musste ich mit einer Sehnenscheidenentzündung vom Tabaksdosenöffnen rechnen und was würde die Berufsgenossenschaft dazu sagen. Kurz es war ein Jammerthal – wie mein Freund der Gryphius Anderl, immer gesagt hat.

Einzige Entschädigung für diese jammervolle Plackerei war der Duft, der mich umgab. Zuerst hatte ich Bedenken, dass es mir wie einer Verkäuferin bei Douglas ginge, deren Atmosphäre von den unzähligen Düften irgendwann einmal so vermischt und gesättigt ist, dass sie davon träumt an einem Würst’lstand zu arbeiten. Aber so war es zum Glück überhaupt nicht. Jeder Dose entfleuchte ein anderer dezenter und appetitlicher Duft und verschwand mit dem Schliessen auch wieder. Das schöne an den HU-Tabaken ist, dass kein einziger Aromabomben-Däne darunter ist. Manchmal hielt ich mir auch die eine oder andere Dose direkt unter die Nase und inhalierte zur Motivationsteigerung die köstlichen Tabakdüfte.

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenAls ich irgendwann die 50 Gramm Dose des RaiKo InBeTween aufschraubte stutzte ich kurz. Das Deckblatt hatte keine Windrose (also kein DTM Tabak), war aber dafür dunkel vollgesogen und ein absolut betörender Duft erreichte meine Nase. Das war ein Engländer, keine Frage – ordentlich Latakia. Als ich das Deckblatt an dem einiges an Tabak haftete, anhob verstärkte sich das wundervolle Aroma noch einmal. War der Tabak zu feucht? Ich entnahm eine große Portion und rieb den Tabak zwischen den Fingern. Er war perfekt, gar nicht feucht, aber irgendwie cremig. Es roch rauchig und herb, aber doch auch etwas süß, eine wundervolle Süße – Schokolade, Kakao! Hatte Hans etwa eine Latakiabombe mit Schokolade aromatisiert? Was für eine fantastische Idee! Nachdem das Foto geschossen war, wanderte der Tabak sofort in meine Kameratasche – den würde ich nicht mehr hergeben!

Während der gesamten Postproduktion der Aufnahmen habe ich diesen Tabak nun geraucht. Wie alle Engländer ohne Filter und das in verschiedenen Pfeifen. Auf den Fotos hier im Blog sieht man einmal eine filigrane Bamboo von Eckhard Stöhr, sowie eine recht wuchtige Mastro de Paja, Cherrywood. Ich habe natürlich inzwischen auch die Beschreibung zu diesem Tabak gelesen. Er besteht fast zur Hälfte aus zyprischen Latakia, ungesoßtem Black Cavendish und etwas Burley und Virginia. Und wie ich sofort richtig gerochen habe ist er mit Schokoladen Aroma versetzt. Um jetzt aber etwaigen Missverständnissen vorzubeugen – sehr dezent aromatisiert, aber doch schon merklich.

HU Tobacco InBeTween

Er schmeckt exakt so, wie er riecht, ist unglaublich sanft und cremig, beisst in keiner Sekunde auf der Zunge und wird auch beim unbedachten Rauchen niemals heiss. Ich würde ihn vom Nikotingehalt als recht leicht einstufen. Es ist ein unglaublich appetitlicher Tabakgenuss. Lange habe ich nicht mehr so etwas köstliches im englischen Tabaksegment geraucht.

Auch die Geschichte dieses Kleinods der Tabaksmischkunst möchte ich Ihnen auch nicht vorenthalten. Wie alle Tabake der „Hommage to my Friends“ Serie ist auch der InBeTween, der früher unter Namen ChocoLat verkauft wurde, in Zusammenarbeit mit einem von Hans Freunden entstanden. Ein Rainer – ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht mehr über seine Person sagen, als dass er eben mit Hans Wiedemann befreundet ist und in einem Pfeifenforum schon über seinen RaiKo-Tabak geschrieben hat. Weitere überschwängliche Lobpreisungen dieses Tabaks findet der geneigte Leser hier bei TobaccoReviews.

Ich empfehle ihn zu schwarzem Tee oder Kaffee, genossen wie ein winziges Stück dunkler 85 Prozentiger Bitterschokolade. Ich denke auch, der RaiKo könnte ein guter Einstiegs-Tabak in die Welt der Engländer sein. Ist es nicht wundervoll, dass so ein erstklassiger Tabak bei uns ohne Zoll-Gezeter einfach so zu haben ist? Man klaut ihn einfach am Set oder bestellt ihn im Internet.

Das einzig blöde war nur, dass ich ihn für dieses Blog noch einmal fotografieren musste …




Der stille Tod des Plastikdeckerls

Unbemerkt vom gewaltigen Getöse des Niedergangs großer Weltmarken und Tabakfabriken, ereignet sich derzeit eine nicht minder schreckliche Tragödie. Lautstark beklagen wir das Ende von Tabaken, die wir hier bei uns entweder gar nicht kaufen konnten, oder sie uns aufgrund des unverschämten Preises ohnehin nicht mehr gekauft haben, während ein so lieb gewonnenes Accessoires der Pfeifenwelt, wie das Plastikdeckerl, unbeweint sang- und klanglos verschwindet.

Manch einem ist es in diesen stürmischen Zeiten vielleicht noch gar nicht aufgefallen, aber die Malerdosen von Kohlhase & Kopp und DTM haben keine Plastikdeckerl mehr. Mein Huber Virginia Ready Rubbed, mein Indaba, der Fayyum Special Kake alle sind jetzt oben ohne.

Manchmal denke ich, dass dieses Geschrei und Gezeter um das Verschwinden von Dunhill und McClelland nur angezettelt wurde, um uns abzulenken und uns still und heimlich etwas zu nehmen, was wir für selbstverständlich hielten. Im Bundestag werden solche hinterhältigen Taktiken ja zur Genüge praktiziert, wie wir wissen. Grosse Ablenkungsdiskussionen oder Fussballweltmeisterschaften und zack, werden Gesetze beschlossen, die keiner mit klarem Verstand je für möglich gehalten hätte.

Ich als ÖkofaschistUmweltschützer begrüsse natürlich, dass nicht mehr so viel Plastik unsere Umwelt belastet, aber ich als Pfeifenraucher sorge mich natürlich um die Kondition meiner angebrochenen Tabakdosen.

Aber nicht nur das ist es, was mir Sorge bereitet. Diese Plastikdeckel werden bei mir im Atelier als Farbpaletten recycelt und auch von Peter Hemmer weiss ich, dass dieser sie zum Anrühren seiner Holzbeizen nutzt. Was werden wir in Zukunft ohne sie tun?

Wir leben in einer Zeit in der wir ständig Abschied nehmen müssen, weil wir Pfeifenraucher eben ein Nischenmarkt sind. Nischen und Biotope werden immer winziger und seltener, damit muss man sich wohl abfinden, oder?
Aber kein Grund nicht doch noch eine noch so ungehörte Ode auf ein kleines Plastikstückerl zu singen.




McClelland | Legends

Der Stoff aus dem Legenden sind? In unserem Fall sind das ganz profan Virginias, Orientals und eine anständige Portion Latakia! Soweit so gut. Klingt erstmal wenig spektakulär für eine klassische englische Mischung, die McClelland da vor einigen Jahren aufgelegt hat. Als ich den Tabak, den ich nicht kannte, vor ein paar Monaten bei einem Händler gesehen habe, musste eine Dose mitgenommen werden. Schon allein aus purer Neugierde und Vorfreude, denn der „Legends“, den McClelland in seiner „Collector Blend Series“ angesiedelt hat, lies durch die Gestaltung des Etiketts eine gewisse Verwandschaft zu einem von mir sehr geschätzten anderen McClelland Blend erkennen, dem „Wilderness“. Damit war nicht nur die Vorfreude groß – meine Erwartungshaltung war es ebenso! Und um es gleich vorweg zu sagen: Leider! Denn der Tabak konnte diese nicht wirklich voll erfüllen.

McClelland LegendsIch will damit keineswegs sagen, dass der „Legends“ ein schlechter Tabak sei. Nein, der „Legends ist sogar ein sehr guter Tabak, nur kennen wir alle den Spruch: „Das Bessere ist der Feind des Guten“ und der ist in diesem Fall nur sehr wahr. Aber der Reihe nach!

Wie der „Wilderness“ ist auch der „Legends“ mit einem in den Staaten sehr bekannten Pfeifenraucher und Autor verbunden: Fred Hanna. Er ist der Blender der beiden genannten Tabake. In erster Linie ist er aber Pfeifensammler und Autor des Buches „The Perfect Smoke. Gourmet Pipe Smoking for Relaxation and Reflection“.

Alles klar? Kleiner geht’s offensichtlich nicht auf der anderen Seite des großen Teichs? Schließlich muss sich die Publikation neben Herrn Newcombe und Herrn Hacker behaupten und die haben von zurückhaltendem Understatement auch noch nie was gehört. Als ich das Buch zum ersten Mal bei einem Freund in Händen hielt und angefangen habe, ein bisschen drin zu lesen, hat mich jener fast schroff unterbrochen und gesagt: „Nein, lesen brauchst du das nicht! Aber es sind ein paar tolle Fotos drin!“ In der Tat hatte ich noch nie soviele schöne Fotos von perfektem Straight Grain auf einem Haufen gesehen, aber ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier eine Art Wettbewerb „Wer hat die dichteste?“ stattfindet. Dass sich die Formenvielfalt all der Pfeifen im Prinzip auf zwei archetypische Shapes beschränkt, nämlich Dublin basierte und Brandy basierte ist der Natur geschuldet, macht es trotz des vermeintlichen Versuchs, Superlativen zu zeigen, nicht wirklich spannender.

Aber es geht ja eigentlich um den Tabak nicht um eine Buchrezension, nur denkt man natürlich bei dem Titel des Blends „Legends“ unweigerlich an das publizistische Umfeld, was in die Irre führt, denn der Titel will gar nicht suggerieren, dass wir es hier mit was Legendärem zu tun haben, sondern er will thematisieren, dass dieser Blend eine Reminiszenz darstellen soll an die legendären englischen Blends der Vergangenheit, die im Lauf der Zeit vom Markt verschwunden sind und nur noch in Erinnerungen weiterleben oder auf dem horrend hochpreisigen Sammlermarkt unverschämt elitär in sehr beschränkter Disponibilität verfügbar sind. So oder so geht es also letztlich um eine nikotinhaltige „Suche nach der verlorenen Zeit“. Die Tragik ist nun, dass der „Legends“ meiner Meinung nach gerade in dem Moment an seinem Anspruch scheitert, in dem man „die Madelaine in den Tee tunkt“, also den Tabak entzündet und den ersten Zug nimmt: diese legendären Blends der Vergangenheit sind da einfach nicht! Auch nicht die Erinnerungen. Gleichwohl schmeckt’s gut.

McClelland LegendsDer „Legends“ besteht aus verschiedenen dunkleren Virginias („dark stoved“ und „red“ steht auf der Dose), einigen Orienttabaken, genannt werden Mahalla und Drama, und schließlich ein substantieller Anteil an cypriotischem Latakia. Das Tabakbild ist dunkel. Der „Legends“ sieht genau so aus, wie man sich eine substantielle englische Mischung erwartet. Der hohe Latakiaanteil gewährleistet neben seiner geschmacklichen Vormachtstellung auch die Tatsache, dass der Tabak zu jeder Zeit gut zu rauchen ist und den Raucher nicht zu sehr fordert – Stärke: Medium. Geschmack: Full. Und der ist erstmal rauchig! Richtig rauchig! Man sollte Latakia also schon lieben und gewohnt sein, wenn man den „Legends“ probieren mag. Ein Einsteigertabak in die Welt der Latakia-Mischungen ist der „Legends“ nicht wirklich. Obwohl er sich mit seinem mittleren Ribbon Cut vollkommen problemlos stopfen, anzünden und rauchen lässt. Ganz egal wie groß oder klein die Brennkammer der Pfeife ausfällt.

Entzündet man den Tabak, dann dominiert sofort sehr attraktiv der Latakia mit seinen ätherisch rauchigen Noten. Unwiderstehlich! Und man glaubt der Beschreibung, die von „Top-quality Cyprian Latakia“ spricht, sofort aufs Wort. Dieser Latakia bleibt aber nicht allein im Vordergrund stehen, sondern er wird fest getragen von einer Virginia-Basis, die mit ihrer malzigen Fülle für den nötigen Körper sorgt. Man hat den Eindruck, als ob die Virginias den Latakia regelrecht weich betten. Neben diesen vollmundigen Virginias liefern die Orienttabake zusätzliche Süße und funktionieren fast wie ein Schlüssel, der uns die Tür, die zur Harmonie des „Legends“ führt, aufsperrt. Mit Orienttabaken ist es immer so eine Sache, denn diese sind geschmacklich extrem feine, feingliedrig dezente Tabake, die aber gerade in Kombination mit anderen, geschmacklich dominanteren Tabaken, regelrechte Wunder bewirken können: sie binden hier alles ein und sorgen für eine perfekte Balance, was sich vor allem beim weiteren Abbrand des Tabaks bemerkbar macht. Man raucht keinen Latakia, der auf einer Virginabasis schwebt, sondern eine sehr runde, füllige, süße und trotzdem recht rauchige englische Mischung!

Aber warum scheitert der Tabak nun an seinem Anspruch, an die klassischen englischen Mischungen zu erinnern? Ganz einfach: weil er von McClelland ist und man dies dem Tabak schon beim ersten Riechen an der frisch geöffneten Dose anmerkt. Beim Geschmack sowieso. Das ist für den Tabak per se überhaupt kein Nachteil, ganz im Gegenteil! Aber es fehlt ihm vollkommen an jener einzigartigen Erdigkeit in der Basis, die so viele alte englische Klassiker ausgezeichnet hat und die ja gerade die stilistische Qualität ist, die verloren scheint. Der „Legends“ ist ohne Zweifel eine außerordentlich gut gemachte englische Mischung, die jede Empfehlung wert ist, aber, auch wenn diese Überlegung müßig ist, es wäre für mich interessant zu sehen, was rausgekommen wäre, wenn Hanna diesen Versuch einer Reminiszenz mit Tabaken von Cornell&Diehl gemacht hätte. Nicht dass die besser wären. Gar nicht. Aber ich würde denken, dass er sich mit deren Basistabaken leichter getan hätte, sein Ziel zu erreichen…? Wie gesagt: eine müßige Überlegung! Trotzdem ist der „Legends“ ein absoluter Spitzentabak, den man sehr gerne raucht. An die Raffinesse des „Wilderness“ reicht er allerdings nicht ansatzweise heran, dazu ist er zu geradlinig.

 




Lars Ivarsson 1944-2018

Lars IvarssonEr war der Sohn eines der größten Pfeifenmacher aller Zeiten, er war der Vater der größten Pfeifenmacherin und er war selbst einer der größten Pfeifenmacher unserer Zeit, in den Augen nicht weniger war er der beste Pfeifenmacher. Gestern ist Lars Ivarsson nach schwerer Krankheit gestorben.

Der Pfeifenwelt wird er immer präsent sein in seinen wundervollen Pfeifen und seinen Formen, die für viele andere Pfeifenmacher so stilbildend wirken, die bleiben werden, und die immer an ihn erinnern werden. Er hat uns wirklich sehr viel hinterlassen! Die Faszination der Perfektion, den großen Einfallsreichtum, dem er mit allergrößter Akribie zu einem ganz bescheidenen wie großartigen Understatement verholfen hat. Das Ergebnis war pure Schönheit. Wir müssen dankbar sein! Mit dieser Dankbarkeit im Rücken sind unsere Gedanken bei seiner trauernden Familie. Möge er in Frieden ruhen! Obwohl ich ihn nicht persönlich gekannt habe, tut es mir unendlich Leid.