Eine Pfeife von: CO-Pipes

Will man mit dem Pfeifenbauen beginnen, dann hat man in den Extremen zwei Wege zur Wahl um zu einem Ergebnis zu kommen: einen einfachen und einen schwierigen. Der schwierige, steil und steinig, man könnte auch sagen langwierig und mühsam, führt uns entlang an den Wegweisern der „großen Meister“, jene skrupulös beachtet, zu einer eigenen Sprache des Pfeifenbaus auf der Basis einer gemeinsamen Grammatik. Ein geschultes Auge und hohes handwerkliches Können sind Voraussetzung für diese Art des „traditionellen“ Pfeifendesigns. Diesem haben sich die zwei Macher von CO-Pipes seit ein paar Jahren verschrieben. Das Resultat? Formen, die das Zeug zu Klassikern haben, ohne dass es sich um kopierte Klassiker handelt. Ich verfolge den Weg der beiden Freunde nun schon seit ein paar Jahren und dieser Weg hat mir von ganz zu Beginn an schon sehr imponiert. Um so schöner finde ich, jetzt sehen zu können, dass dieser Weg von Erfolg gekrönt ist und die Pfeifen von CO-Pipes inzwischen auch die Beachtung finden, die ihnen gebührt. Nicht mehr nur auf den Tischen von Lohmar oder Speyer.

Wer steckt aber denn nun hinter CO-Pipes? Kelvin Pohler und Thorsten „Toto“ Klemme heißen die beiden, die sich entschlossen haben, aus ihrer gemeinsamen Passion für schöne hochwertige Pfeifen einen Nebenerwerbs-Job zu machen und mit ihren Pfeifenkreationen auch auf den Markt zu gehen. Das Besondere daran: ihre Pfeifen entstehen in Gemeinschaftsarbeit. Also nicht: der eine macht diese Pfeife und der andere jene, sondern beide machen eigentlich alles, abwechselnd und zusammen. Das ist bemerkenswert, schon allein deshalb, weil die Formensprache bei vielen ihrer Stücke sehr stringent ist und man hier nicht unbedingt zwei Macher vermuten würde. Ebensowenig bei Ausführungsdetails wie Bisssteegen, Rauchkanalfächer etc. Das sieht alles aus, als wäre es aus einem Guss. Und das finde ich wirklich sehr bemerkenswert. Ich hatte nochmals nachgefragt, weil ich’s kaum glauben konnte. Pfeife CO-Pipes

Ihre Werkstatt befindet sich in Hamm in Westfalen, die Marke CO-Pipes gibt es seit gut zwei Jahren, allerdings haben beide zuvor schon ihre Erfahrungen im Pfeifenbau gemacht. Ich würde aber doch denken, dass es just diese letzten zwei Jahre Zusammenarbeit waren, die einen unglaublichen Qualitätssprung zur Folge hatten und zumindest für mich ihren Tisch in Lohmar zu einem der interessantesten der Show gemacht haben.

Dass die formalen Vorbilder für die Pfeifen von CO-Pipes, für ihren Stil insgesamt, in Dänemark zu suchen sind, das erschließt sich auf den ersten Blick und das Pfeifenbauen mit diesen Vorbildern auf einem solchen Niveau umzusetzen, zeugt von ebenso großem Können wie von großen Ambitionen. Wie schon zu Anfangs gesagt, viele machen es sich hier viel einfacher, indem sie sich mit rudimentären Annäherungen an die Formen der meist dänischen Klassiker zufrieden geben ohne die Qualität, die in den Details steckt, zu erkennen. Bei Kelvin und Toto ist das anders, denn ihre Pfeifen erfüllen die formalen Ansprüche auch im Detail und können so einerseits den Vergleich bestehen und andererseits formale Alternativen und Kommentare auf Augenhöhe bieten.

Die Pfeife, die ich mir gekauft habe, schreit auf den ersten Blick ganz laut „Tom Eltang“, was vor allem an der Kopfform in Verbindung mit dem dunklen kastanienbraunen Kontrastfinish liegt. Wie eine leicht gestauchte Version des Eltang’schen Devil Anse Shapes zeigt sich der ausgestellte Kopf – um aber in der Gestaltung des Holmes in Kombination mit dem Mundstück sogleich eine Richtung einzuschlagen, die uns in die Formgebung eines anderen großen dänisch-deutschen Pfeifenmachers führt, der mit Eltang so gar nichts gemein hat: Ingo Garbe. Für ihn sind der leicht geschwungene längere Quarterbent-Holm in Kombination mit einem kürzeren Mundstück typisch, das in der unteren Silhouette den gekurvten Schwung durchzieht, in der oberen Linie aber durch einen Mundstücksattel unterbrochen ist. Dieser obere Sattel ist ganz Garbe-typisch klar und scharf, nicht durch eine eingeschliffene Kurve aufgeweicht – er trennt und unterbricht. Diese Unterbrechung wird noch verstärkt, indem das Mundstück stilistisch recht eigenständig nach dem Sattel auch seitlich leicht nach innen eingezogen ist. Pfeife CO-PipesDer Übergang vom Kopf zum Holm ist mit seinem weit angesetzten Schwung ebenfalls weit entfernt von beiden Vorbildern. Und letzlich sind es die beiden seitlichen Kanten, die nicht nur den Schwung des Holmes verstärken sondern auch folgerichtig genau zum Sattel führen. Wieder recht eigenständig.

Es ist just dieses Wechselspiel zwischen Vorbildern und dem Modifizieren der mehr oder minder großen Details, die hier zu einer CO-Pipes eigenen Identität führen und uns dabei die Klaviatur dieser Vorbilder sehr schön vor Augen führen. Gerade weil deren Formen unkonventionell miteinander kombiniert werden und die Details sie auch schon wieder hinter sich lassen. So bleibt ein geradezu klassischer Gesamteindruck zurück, ohne dass sich die Form plump an einen Klassiker dranhängen würde. Für Liebhaber des skandinavischen Pfeifenstils sind die Pfeifen von CO-Pipes spannende Neuheiten, die es gar nicht nötig haben, sich als solche zu outen: gestalterisches Understatement pur mit einer gehörigen Portion handwerklicher Qualität, ohne die das alles gar nicht zu realisieren wäre. Und dass sie auch die eine oder andere kleinere Pfeife im Programm haben, die noch mit einer Extraportion Eleganz punkten kann, hat mich besonders gefreut – wie man hier unschwer sehen kann. Ich habe die Pfeife sehr liebgewonnen und mich deshalb entschlossen, sie hier vorzustellen und selbstverständlich die Marke CO-Pipes allen Interessierten zu empfehlen!  Weitere Infos findet man auf der Homepage von CO-Pipes und die aktuellsten Fotos auf ihrer Facebook Präsenz!




SPCSC | 2. Pfeifenausstellung in Singapore

Wie so oft berichtet, besteht eine enge Verbundenheit mit dem SPCSC – dem Singapore Pipe & Cigar Smokers Club. Im jetzt ruhenden Forum Pfeifen und mehr haben wir zahlreiche Artikel über diese Liaison veröffentlicht. Zum Gründer und dem „Heart & Soul“ des Clubs, Dr. Michael Loh, besteht eine fast 20 jährige, enge Freundschaft und noch heute treffen wir uns einige Male im Jahr in Singapore. Die bisherigen samstäglichen Zusammenkünfte der zahlreichen Clubmitglieder sind zwischenzeitlich legendär und werden durch zahlreiche Lunch- oder Dinnerveranstaltungen und gemeinsame Besuche in Zigarren- und Whisky Bars abgerundet. Erfreulicherweise haben einige Mitglieder von PUM und Pfeifenblog in den vergangenen Jahren dem SPCSC Besuche abgestattet.

Volle Besetzung: Der Singapore Pipe & Cigar Smokers Club, eine wichtige soziale Institution, ohne Nachwuchsprobleme und mit ständigem Neuzugang von Mitgliedern.

Das Interesse an Pfeifen aus Europa ist sehr groß. Und wer vermutet, Singapore sei eine Brachlandschaft, was Tabak betrifft, der irrt. Denn die Clubmitglieder bestellen regelmäßig Tabak aus aller Welt. Und da viele Mitglieder beruflich, geschäftlich oder in der Freizeit nach Übersee reisen, ist die Versorgungslage gut. So unterscheidet sich denn auch das Sortiment keineswegs von unserem. Besonders beliebt sind die HU-Tabake und Balkan, Epikur und Diablo Nero von Pfeifen Huber. McClelland, Cornel & Diehl, Gawith, Dunhill, MacBaren und die STG Tabake sind gängig im Club vorzufinden. Eine große Leidenschaft und das damit verbundene Wissen gibt es für Whisky, Rum und andere Geiststärker und die vielen Clubs, Bars und Lounges, in denen auch geraucht werden darf, sind die geeigneten Genußtempel in Singapore. Einem Stadtstaat, in dem ansonsten ein rigoroses Rauchverbot gilt.

Ab sofort gilt in Singapore für Personen unter 20 Jahren, daß sie sich nur noch mit aufgesetzter Gasmaske in der Nähe von Rauchern aufhalten dürfen.

Die Erste im November 2011

Der SPCSC hat die 1. Singapore Pipe Show im Jahre 2011 veranstaltet. Pfeifensammler wie Jörg Wittkamp, Heinz Schwarzkopf und ich hatten Gelegenheit, neben anderen eine Auswahl ihrer Exponate auszustellen. Ein interessantes Rahmenprogramm und ausgezeichnete Verpflegung ermöglichten einen wundervollen Tag unter Gleichgesinnten, der allen in Erinnerung geblieben ist.

Ein ehemaliges Offizierskasino mit Küstenblick bot 2011 ein ansprechendes Ambiente.

Und nun: Oktober 2017

Zwei Jahre hat das Organisationsteam um Dr. Mike Loh, Avril Gun und Landrick Tan benötigt, um die 2. Singapore Pipe Exhibition am 7. Oktober 2017 vorzubereiten. Die Schwierigkeit bestand vor allem darin, eine geeignete Lokalität zu finden. Denn die meisten Anbieter winkten ab, wenn sie „Tabak & Zigarren hörten. So ist das nun mal in einer weitgehend globalisierten Welt, in der Gleichmacherei und weitführende Angleichung zum Primat geworden sind.

Die Organisatoren waren dann auch sehr froh, mit dem am Marina South Pier vertäuten Steword Riverboat einen außergewöhnlichen Ort für die Pfeifenausstellung gefunden zu haben. Und die internationalen Aussteller und VIP-Gäste konnten sich sehen lassen: Kyozanuro Tsuge, Präsident der Tsuge Pipe Company und Barnabas Suzuki, Vice President of the Comité International of Pipesmokers Clubs, beide aus Japan, Carlos P. Fuente Jr, Präsident des renommierten Zigarrenherstellers Arturo Fuente aus der Dominikanischen Republik. Die Pfeifenmacher Lee von Erck aus den USA, Li Zhesong aus China und Jerry Zenn aus Taiwan, Satoshi Kosaka aus Japan,  Peter Hemmer (Foundation Pipes, Rom), Maurizio Fraternale von Ser Jacobo aus Italien, Charly Brown von Tabac101, sowie einer der Sponsoren, die Grande Vida Cigars aus Singapore und die deutschen Sammler Jörg Wittkamp, Heinz Schwarzkopf und Bodo Falkenried. Allein die drei Letztgenannten legten den über 100 geladenen, sachverständigen Gästen Exponate in einem schwindelerregendem Wert vor: zum Betrachten, aber auch zum (sorgfältigen) Anfassen.

Die Location

Unterdeck mit Aussenbereich, ideal für den Lunch der Ausstellungsgäste

Die Ausstellung im Zwischendeck

…. aufmerksame Zuhörer bei der Eröffnungsrede ….

Dieses Foto birgt eine gewisse Tragik: Pfeifenfreund Daniel Yeo verstarb nur wenige Wochen nach unserem Fest überraschend und viel zu früh an einem Herzversagen. Er war mit Mitglied im SPCSC von Anbeginn an.

Maurizio Fraternale, Ser Jacobo aus Italien, weiter oben im Bild Tsuge

Pretiosen von Jörg Wittkamp, aus seiner außergewöhnlichen Sammlung: darunter Bo Nordh, Jess Chonowitsch, Jörn Mikke, Björn of Sweden, Lars Ivarsson und andere Ausnahmepfeifen mehr.

Pfeifenmacher Satoshi Kosaka aus Jaan

Erstaunliche Pfeifen aus China und Taiwan

… aus einer Sammlung aus München ……

Charly Brown, Inhaber von Tabac101, Singapore

Charly Browns Shop in bester Lage in Singapores Orchard Road bietet zunehmend eine große Auswahl von europäischen Pfeifen, darunter Castello.

Grande Vida aus Singapore, bekannt für eine große Auswahl an Zigarren und Accessoirs und einer der Sponsoren der Veranstaltung

Eine wichtige Zeremonie in Singapore, die nur wenigen Auserwählten zuteil wird: die Ernennung zum „Uncle“, eine respektvolle Bezeichnung und Anrede. Unerlässliche Utensilien sind die namentliche ausgestellte Urkunde und der seidene Hut. Ernannt wurden in diesem Jahr Peter Hemmer und Jörg Wittkamp, Bodo Falkenried und Heinz Schwarzkopf sind bereits seit einigen Jahren „Uncles“.

Ein sichtlich erfreuter „Uncle Peter“ Hemmer, mit einer Auswahl von römischen Foundation Pfeifen.

Uncle Peter, nicht zum ersten Mal in Singapore, in anregender, natürlich italienisch geführter Unterhaltung mit Maurizio Fraternale von Ser Jacobo.

„Uncle“ Jörg Wittkamp und der Laudator, Dr. Micheal Loh

Keine „Uncles“, aber VIPs aus Japan: Kyozanuro Tsuge und Barnabas T. Suzuki mit Dr. Michael Loh

 

Pfeifen von Foundation, Rom und Peter Hemmer, München

Schnell noch einige Fotos fürs Album, bevor die schönen Stücke den Besitzer wechseln: Steffi & Peter Hemmer, München

Und nach dem Finale der gelungenen Ausstellung ging es dann auf das überdachte Oberdeck. Ein feiner Ort, um im Freundeskreis zu rauchen und zu fachsimpeln. Das kurzfristige Tropengewitter mit gigantischen Regenstürzen liess die Raucher unbeeindruckt.




Über sandgestrahlte Pfeifen | Ein paar Gedanken

Glatt, sandgestrahlt, rustiziert – von der Spitzenqualität bis zur mühsamen Resteverwertung, so haben wir’s alle früher gelesen und gelernt, so wird’s uns heute noch in den allermeisten Fachgeschäften vermittelt. Eine Grundregel scheinbar. Preislich fest zementiert im Gefüge wenig individueller Massenproduktion. So, als ob ein Stück Holz, das irgendwelchen Kriterien nicht entsprechen kann, einfach nach unten durchgereicht wird in der Produktionshierarchie um dann als vermeintliches Aschenputtel in einem Lottoannahmentabakwarenhändlerswühlkorb neben lauter anderen rustizierten No-Name-Aschenputtels auf einen schnäppchenjagenden Traumprinzen zu warten. So ist es natürlich nicht. Nicht mehr. Immer weniger, seit die Hersteller von Tabakspfeifen in kleineren Manufakturen oder als individuell arbeitende Pfeifenmacher Alternativen zur Massenproduktion bieten, die das Erscheinungsbild der Pfeife bis in die 70er und 80er Jahre dominiert hat. Aus dieser Zeit stammt unsere „Grundregel“. Die Entwicklung der letzten ein bis  zwei Jahrzehnte relativiert sie, ja widerlegt sie sogar teilweise. Aber der Reihe nach.

Was ist eigentlich Sandstrahlen? Man bestrahlt einen fertig geformten Pfeifenkopf mit einem geeigneten Strahlgut und schafft so ein Relief, indem die weicheren Teile des Holzes weggestrahlt werden und die härteren stehenbleiben. Je nach Beschaffenheit des Holzes, des Strahlgutes, des Strahldrucks und der Größe der Düse entstehen verschiedenartige Reliefoberflächen. Das Ergebnis ist eine Folge der Kombination der genannten Parameter, wobei der Faktor Natur immer der letztendlich entscheidende bleibt. Die Fotos der gestrahlten Köpfe zeigen das deutlich, denn alle Köpfe sind mit demselben Korundsand, demselben Druck und derselben Düse gestrahlt worden. Trotzdem gibt es Köpfe, deren Refief sehr fein und detailliert ist, andere dagegen sind deutlich tiefer, dafür manchmal nicht ganz so detailliert, manchmal schon. Die Technik des Strahlens ist immer dieselbe gewesen. Und auch, wenn es ein paar Tricks gibt, hier auszugleichen, wird man der Natur letztlich ihren Charakter lassen. Im Idealfall in einem Rahmen, den ein bestimmter Strahlstil definiert. Dieser Strahlstil konveniert mit dem formalen Stil des Pfeifenmachers oder Herstellers. Soll heißen, Pfeifenformen mit vielen feinen Details wird man versuchen möglichst wenig tief zu strahlen um zu vermeiden, dass ein tiefes Relief die feine Form relativiert.

Wann wird ein Pfeifenkopf gestrahlt? Auf diese Frage gibt es einige sehr verschiedene und ebenso richtige Antworten. Eine feste Regel gibt es nicht. Zunächst sind das Holz, der Fertigungsprozess und die Form entscheidend. Das Holz, weil es eine gewisse Maserungsqualität haben sollte, die eine einigermaßen schöne Reliefzeichnung ergeben kann und gleichzeitig aber meist kleinere optische Makel wie Sandpits oder winzige Risse aufweist, die einer glatten Ausführung entgegenstehen. Kleinere Sandpits lassen sich ganz gut in dunklem glatten Kontrastfinish verstecken, kleinere Risse nicht. Größere Defekte werden gekittet. Was davon gestrahlt werden soll, muß der Hersteller entscheiden. Ein Pfeifenmacher, der in einem höheren Preissegment vermarktet, wird keine gekitteten Pfeifen verkaufen, ein Serienhersteller kann das problemlos machen. Ein Pfeifenmacher kauft bestes Holz, ein Serienhersteller kauft bestes Holz für seine Spitzenstücke und normales etwa für die sandgestrahlten Pfeifen. Beim Pfeifenmacher ist die Entscheidung, eine Pfeife zu strahlen, meist eine während des Fertigungsprozesses getroffene Entscheidung, beim Serienhersteller normalerweise eine bereits vor dem Fertigungsprozess getroffene. Damit keine Missverständnisse entstehen: es geht immer um Plateauholz! Für’s Rauchen macht das alles keinerlei Unterschied. Will man eine kanonisch strenge klassische Form machen, wird man sich schneller für eine Strahlung entscheiden als bei einer sehr freien, wo man immer mal noch versuchen kann, den Einschluß auszuschleifen. Vor allem, wenn man die Bohrungen nicht am Anfang gesetzt hat, sondern erst am Schluss des Formens bohrt. Ein Serienhersteller, der die Köpfe über Kopierfräsen macht oder so gemachte zukauft, wird diese Entscheidung sofort am Anfang des Fertigungprozesses treffen.

RinggrainWill ich nun einen Kopf strahlen und vorher wissen, ob das Ergebnis attraktiv sein könnte, dann muß ich mir die Maserung anschauen und zwar nicht in erster Linie die sich klar abzeichnenden Kontraste im Grain, also das, was man gemeinhin unter Maserungsqualität versteht, sondern die Jahresringe des Holzes, denn diese sind letztlich im Relief sichtbar. Die Jahresringe stehen in einem 90° Winkel zum Kontrastgrain. Das heißt, wo man etwa absolut strenges vertikales Straight Grain hat, wird man horizontales Ringgrain nach dem Strahlen erhalten. Ken Dederichs SandblastEine Faustregel lautet immer, dass gut gemasertes Holz auch eine gut gemaserte Pfeife ergibt, nicht nur glatt, sondern eben auch gestrahlt. Manchmal überspielen die Jahresringe sogar Zeichnungsverläufe, die flächiger werden, wie etwa das Flame Grain. Was bei einer glatten Oberfläche als optischer Nachteil gelten würde, kann nach dem Strahlen verschwunden sein, weil die Ringe gleichmäßig oder zumindest fast gleichmäßig weiterlaufen. In solchen Fällen würde man sich vielleicht auch ohne Sandpits oder Einschlüsse für eine sandgestrahlte Oberfläche entscheiden. Vor allem, weil gestrahltes fehlerfreies Holz fast immer eine Oberfläche schafft, die so gleichmäßig ist, dass man sie bei wenig tiefem Relief hell beizen kann.

Dunhill Shell LB 1923Erfunden hat das Sandstrahlen bekanntlich Alfred Dunhill in den Zehnerjahren des letzten Jahrhunderts. Inklusive „Begründungslegende“ wie dem verspäteten Boten für die Geburt der Spätlese im Rheingau und diverse Patente, die als Nummern auf die Pfeifen gestempelt wurden und heute Sammlerherzen höher schlagen lassen! Und das geheimnisumrankte Oil-Curing, das allein seligmachende  und ebenso unvergleichliche Latakia-Pfeifen gewährleisten konnte! Legenden! Was will man mehr? Der unverwechselbare Stil dieser Strahlung, also sehr tiefes Relief bei wenig detaillierter Holzzeichnung, war viele Jahre lang stilbildend. Hier im Foto eine Dunhill Shell Briar, Shape „LB“ (Large Billiard) von 1923. Schnell wird das Problem dieser tiefen Strahlung deutlich: die Shapequalität leidet unter dem tiefen Relief. Nicht selten wurde in den 20er Jahren deshalb die Shapenummer nicht mehr gestempelt, weil das eigentliche Shape nicht  mehr präzise getroffen war. Es brauchte offenbar etwas Zeit, die Technik vollkommen und zuverlässig zu beherrschen? Der Attraktivität tat das keinen Abbruch, denn die Reliefs waren einzigartig, solche Pfeifen üben bis heute eine große Faszination aus. Anfang der 50er Jahre folgte der nächste Streich: das Tanshell Finish, die erste Sandstrahlung, die hell gebeizt wurde. Hier ein Set von zwei Dunhill „LBs“ von 1953, eine Shell Briar, die andere Tanshell.Dunhill Set LB 1954

Foundation SandDiesen alten Dunhill-Stil findet man heutzutage sehr selten und wenn, dann eher zufällig, wie etwa bei dieser Canadian aus einer Werkstatt in Rom. Das rötlich braune Finish mit seiner leichten „Höhung“ des Reliefs mit Hilfe der Polierscheibe trifft das recht gut. Bei dieser Pfeife funktioniert das sehr gut, denn das Shape ist gut definiert und wird trotz der tiefen Strahlung nicht verrissen. Die Pfeife ist klein und grazil und geht mit der Kraft dieser tiefen Strahlung eine ganz gute und interessante Symbiose ein, die das Erscheinungsbild kraftvoll bereichert. Aber wie gesagt, solche Strahlungen sind eher „Zufallstreffer“, die hin und wieder vorkommen, aber nicht zu 100% reproduzierbar wären. Der aktuelle Dunhill-Stil ist von seiner gloriosen Vergangenheit aber sehr sehr weit entfernt. Leider. Nicht, dass mir diese aktuellen Pfeifen nicht gefallen würden, aber es fehlt ihnen das Einzigartige, das, was Dunhill mit seiner ursprünglichen Strahlung so verdammt gut gemacht hat… Und das so viele alte englische Pfeifenhersteller nie nachmachen konnten!

Heute prägen eher Pfeifenmacher stilistisch die Welt der Sandstrahlungen: die einen, weil sie neue Techniken erfunden haben wie der Amerikaner J.T.Cooke, der die Mikrostrahlung begründet hat, die anderen, wie etwa Paolo Becker, der mit dem Erdbeerbaumholz, einem dem Bruyere zum Verwechseln ähnlichen Holz, einen neuen Werkstoff gefunden hat, der spektakuläre Sandstrahlungen ermöglicht. Beides ist allerdings für die Serienproduktion uninteressant, ersteres, weil der Zeitaufwand viel zu hoch wäre, zweiteres, weil das Material nicht in entsprechender Quantität verfügbar ist.

Cooke MicrostrahlungDie Pfeifen von J.T.Cooke haben einen unglaublich hohen Wiedererkennungswert, weil seine Mikrostrahlung trotz inzwischen verschiedener Kopien ziemlich einzigartig ist. Das Prinzip ist dabei allerdings ein eher künstliches, das die Natur zwar nicht übertüncht, aber in gewisser Weise übertölpelt: gestrahlt wir hier mit einer sehr kleinen Pistole und einer winzigen Düse, vergleichbar mit der Airbrush-Technik. So wird die Oberfläche mit einem sehr kleinen punktuellen Strahl in mühsamer Handarbeit „strahlend“ rustiziert. Man folgt der Maserung des Holzes, aber man nivelliert so die natürlichen Unterschiede in der Härte des Holzes. Das Relief ist immer gleichmäßig tief, weil dieses Relief punktuell hergestellt wird und somit die Hand alle Unregelmäßigkeiten der Natur beseitig. Das Ergebnis ist absolut faszinierend. Nur wenn man zehn Stück nebeneinander sieht, verliert diese Technik doch sehr an Reiz, weil die Pfeifen viel zu uniform und regelrecht künstlich wirken. Streng genommen handelt es sich um eine Rustizierung mit einer winzigen Strahleinheit, die der Natur Nachhilfe erteilt…

Etwas anders sieht es beim Erdbeerbaumholz aus: dieses ist ganz eng mit dem Bruyère verwandt und lässt sich nur sehr schwer von diesem unterscheiden. Es ist ein Holz, das eine relativ dezente Kontrast-Maserung aufweist und anfälliger als Bruyère für Einschlüsse und Sandpits ist. Dabei eignet es sich hervorragend zum Strahlen, wenn man akzeptiert, dass die Maserungsverläufe der Jahresringe hin und wieder seltsam verwirbeln. Hier ist es deutlich ungleichmäßiger als Bruyère und hat fast etwas „Wildes“ an sich. Man muß aber schon wissen, wie man strahlt, will man aus diesem Holz das Einzigartige herausholen. Für flache Strahlungen ist es weniger geeignet als für tiefe, nur liefert es gleichzeitig und regelmäßig auch sehr detailreiche Oberflächen, was in einer solchen Kombination bei Bruyère nicht so selbstverständlich ist.Becker Ballerina Corbezzolo Hier im Bild eine Ballerina aus Corbezzolo/Erdbeerbaumholz von Paolo Becker im Detail. An diesen manchmal recht ausgeprägten tiefen Wirbeln und Wellen sieht man die Natur und stellt sie heraus. Ich finde sowas sehr reizvoll, aber es gibt viele, die gerade solche ungleichmäßigen Unabwägbarkeiten meiden. Geschmacklich ist dieses Holz wie auch in seiner Hitzeresistenz nicht im Geringsten von Bruyère zu unterscheiden. Dieses Holz zu verbauen lohnt nur, wenn man richtig gut strahlen kann, dann zeigt es seine Stärken, ansonsten ist „richtiges“ Bruyère vorzuziehen.

S.Bang SandDie nächste Frage, die sich stellt, nachdem der Kopf nun gestrahlt ist, das ist die nach den Finishes: So, wie es bei glatten Pfeifen verschiedenste Möglichkeiten von Färbungen und Versiegelungen gibt, so ist das auch bei Reliefoberflächen der Fall. Vor allem die Frage der Versiegelung ist hier von großer Bedeutung. Während bei glatten Oberflächen überschüssige Farbe schnell und problemlos wegpoliert ist, so gestaltet sich das in all den kleinen und kleinsten Rillen und Birdseye-Löchlein gar nicht so einfach, sodass die Farbe gebunden bzw. fixiert werden muss, wenn man vermeiden will, dass der Raucher dunkle Hände bekommt. Dazu gibt es verschiedenste Lacke, die sehr unterschiedliche Wirkungen haben, je nach Typ und Verdünnung. Von matt über seidenmatten Glanz bis zu Hochglanz reicht das Spektrum, die stilistischen Konzepte sind sehr unterschiedlich. Die einen bevorzugen nur sehr dezent glänzende Oberflächen, andere, wie etwa Bang, extremen Hochglanz, der auch nach Jahren des Gebrauchs immer noch wie am ersten Tag „steht“. Siehe Foto rechts. Highlight SandblastDie einen mögen scharfe präzise Ecken und Kanten, die anderen mit der Polierscheibe „gehöhte“ Spitzen und Grate, die quasi abgerundet werden und einen farblichen Kontrast hinterlassen. Ähnliche Effekte lassen sich auch durch sehr dünnen, schnellen und quasi lasierenden, leicht transparenten Farbauftrag erreichen. In diesem Fall bleibt das präzise Relief erhalten. Andere wiederum wollen den Kontrast des Holzes zeigen und strahlen zwischen verschiedenen Färbeschritten das Holz mehrmals nur sehr dezent. Das Ergebnis eines solchen Prozesses, der aber viel Erfahrung beim Strahlen erfordert, sind mehrfarbige Reliefflächen. Möglichkeiten gibt es gar viele, viele sind interessant, manche unterstützen die Wirkung der Pfeife, manche sind Effekthascherei. Letztlich muß da jeder für sich entscheiden, wo die Grenzen zu ziehen sind. Mir persönlich sind klassische Sandstrahlungen mit einem „natürlichen“ Relief am liebsten und zwar am besten noch, wenn sie präzise sind und farblich eher monochron gehalten sind. Denn, wenn die Oberfläche durch ein ausgeprägtes Relief ohnehin schon unruhig wirkt, würden große farbliche Kontraste diese Unruhe noch verstärken. Bei sehr klaren Shapes geht das vielleicht noch gut, bei feinen komplizierten mit leichten Graten und Kanten etc. ist das in meinen Augen kontraproduktiv.

Was nun wiederum allen Pfeifen mit einem Relief als Oberfläche gemeinsam ist, das ist die Frage nach der optimalen Pflege. Das Relief ist der natürliche Feind der Polierscheibe mit ihren verschieden abrasiven Polierpasten – was bei glatten Pfeifen Wunder wirken kann, gerät beim Relief schnell mal zu einem veritablen Desaster, wenn man etwa gezwungen ist, weiche Polierpasten aus den Rillen und Löchlein zu pfriemeln, nur weil man zu spät mit dem Denken angefangen hat… BürstenAuf Polierpasten kann man hier generell verzichten, reines Carnaubawachs ist das Mittel der Wahl und wenn man mehr will als nur einen schnellen oberflächlichen Glanz, dann trägt man es nicht wie bei glatten Pfeifen mit einer weichen Plüschmulle auf, sondern nimmt eine Rundbürste mit Wildschweinborsten. Die Borsten erreichen problemlos die Rillen und Vertiefungen des Reliefs, können so am Ende des Herstellungsprozesses etwa überschüssige Farbe wegnehmen, das Wachs bindet Farbe und genauso reinigt es die Rillen, befreit sie beim Aufarbeiten von Staub und Rußresten und liefert so einen gleichmäßigen schönen Glanz. Die Prozedur ist allerdings im Vergleich zur Behandlung glatter Pfeifen mit der Polierscheibe deutlich komplizierter und zeitaufwändiger, weil man das Relief von allen Seiten reinigen und Wachs aufbringen muß, das heißt die komplette Pfeife wird im Prinzip mehrere Male hintereinander gebürstet nur immer aus anderen Winkeln. Braucht ein bisschen Erfahrung, funktioniert aber perfekt! Handbürsten sind ein Ersatz, aber beileibe kein gleichwertiger oder befriedigender.

So, das waren jetzt einfach mal ein paar Gedanken zum Sandstrahlen, ohne dass das Thema annähernd erschöpfend behandelt worden wäre. Vielleicht folgt noch irgendwann einmal ein Teil 2 mit anderen Hölzern und verschiedenen Strahlstilen etc…. Für heute wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr 2017, ohne Angst, voll Zuversicht und guten Mutes – möge das Pfeiferauchen ein imaginärer Rückzugsort bleiben, bei dem man Nachdenken, zur Ruhe kommen und die Kraft schöpfen kann, die es braucht, um den vermutlich großen Herausforderungen und Unabwägbarkeiten des neuen Jahres gut gewappnet zu begegnen!

Ihnen/Euch Alles Gute!




DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …




Alfred Dunhill – sag beim Abschied leise Servus …

„Nix ist ewig“, das wissen wir. Und für alles kommt einmal die Zeit.  Die allerletzte Dunhill Flake-Scheibe wird irgendwann geknickt und gefaltet worden sein. Das letzte Krümerl Nightcap in einem Pfeifenkopf verbrannt, die letzte Navy-Roll in Rauch aufgegangen sein.

Das Pfeifenrauchen ist nicht gesund, das ist so, da brauchen wir nicht einmal alternative Fakten hinzuzuziehen. Aber es ist eben doch auch ein Teil unserer Kultur. Es ist Genuss und bedeutet für viele Gemütlichkeit und Kontemplation. Der Lifestyle – der schon länger die Lebensart abgelöst hat – ist gerade so, dass man lieber mit einem Styroporhelm auf dem Kopf einen grünen Smothie trinkt, statt mit einem Borsalino eine Dunhill raucht. Sicherheit und Gesundheit sind gerade angesagt und werden von der selbst gewählten Unmündigkeit – unserer Obrigkeit – per Dekret vertreten. Darüber will ich gar nicht lamentieren. Ich war noch nie der Staat und mir ist er auch egal.

Dass eine Marke wie Dunhill, die so eng mit der Pfeife verbunden ist, genau damit ein Problem zu haben scheint, dass sie in Verbindung zu ungesunden, geächteten Produkten gebracht wird, hat dann doch den einen oder anderen verwundert. Und doch hat es sich schon länger abgezeichnet, heissen doch viele Rauchprodukte schon lange „The White Spot“ und nicht mehr Dunhill.

One Hundred Years and More

Jeder, der wie ich schon ungläubig in dem Traditionshaus in London stand und sich gewundert hat, dass es dort weder Pfeifen noch Tabak zu kaufen gibt, weiss was ich meine. Dunhill ist nicht mehr Alfred Dunhill und auch nicht Alfred Henry oder Mary Dunhill. Es ist überhaupt kein Familienunternehmen mehr, wie Mary es in ihrem sehr lesenswerten Buch „Our Family Business“ beschrieben hat, sondern eine Marke in irgendeinem Konglomerat an Marken, Konzernen und so weiter. Ich habe schon überhaupt keine Lust diesen Mist zu recherchieren, ich meine mich zu erinnern, dass Montblanc, Karl Lagerfeld, Monsanto, Nestle, RTL, Shell, die Freimaurer, Putin und Berlusconi auch dazugehören. Lauter G’schwerl, wie man in Bayern sagt. (Okay, da waren jetzt ein paar alternative Fakten dabei)

Dunhill Bücher aus der Sammlung des Autors

Dieser Luxus-Konzern versuchte uns unverbesserliche Romantiker, Nostalgiker und naive Schöngeister im alten Geist von Alfred einzulullen. Sie bieten teuere Pfeifen an, tolle (teure) Tabake, wunderschöne Feuerzeuge und so weiter. Wir glauben, wir könnten mit dem Erwerb ein Teil dieser wenn auch nicht „guten, alten“ aber immerhin „kulturvolleren“ Zeit werden. Als noch Gentlemen, Herren im Tweed oder feinsten Savile-Row-Anzügen in den Laden in der Duke Street kamen und ihre eigene Mixture kauften. Hinter dem Tresen blätterte Alfred Dunhill in einem großen goldenen Buch, fand hinter dem Namen des Earl of Irgendwas dessen spezielle Tabakrezptur. Er griff hinter sich ein paar große irdene Gefäße und wog die Mixture Nr. 123 für den Kunden ab.
Wenn ich heute Tabak kaufen gehe, dann greift Jens Meyer hinter sich ins Regal und holt den Huber Louisiana oder den Virginia Ready Rubbed aus dem Regal. Die wurden zwar nicht für mich speziell gemischt, aber wenn ich ehrlich bin, ich hätte auch gar nichts daran zu verbessern. Der Laden im Tal ist wunderschön eingerichtet, auch wir sind entsprechend gekleidet, haben Dunhills im Mundwinkel und der Adel wird ohnehin überbewertet. Kein Toto-Lotto, keine Zigaretten, keine Rundfunkzeitungen stören das Bild. Das Tal ist meine Duke Street.

Pfeifen Huber im Tal

Als mein Freund Roland Hautmann im Blog eben dieses Münchner Tabakonisten schrieb, dass sich Dunhill – also die Lizenzgeber der Marke – aus dem Tabakgeschäft zurückziehen, war ich kurz geschockt. Aber eben nur kurz. Wenn ich genau darüber nachdenke, es ist nicht Georg Huber, der seinen Laden im Tal aufgibt, sondern nur Dunhill, die gibt es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr. Huber hat einen sehr netten und kompetenten Sohn, Erben und Nachfolger für sein Geschäft. Jens Meyer wird auch noch nicht so schnell in Rente gehen: Alles ist gut in meiner Tabakwelt! Und wenn ich wirklich einmal die Eitelkeit besitze einen ganz eigenen Tabak für mein Ego zu brauchen, frage ich Hans Wiedemann.

Doch, eine leise Wehmut bleibt und ich sage nicht „Lebewohl“ und auch nicht „Adieu“, sondern eben nur „leise Servus“, wenn ich mich von den Dunhill Tabaken verabschiede. Servus …




Foundation by Musicò – römische Pfeifenskizzen

Warum ein informativer, mit einigem Herzblut geschriebener Artikel über die fantastischen römischen Pfeifenmacher von Foundation ausgerechnet in einem Künstlertagebuch veröffentlicht wurde, ist wohl der Eigenart des Künstlers zu verdanken. Deshalb berichte ich jetzt einmal selbst …..

klick ins Bild öffnet den Artikel

 


 

ein Werk von Ulenspiegel & Co.

 

 




Xu Hai: AN IVARSSON PRODUCT. Three Generations of Ivarsson

„AN IVARSSON PRODUCT“ angeordnet im Kreis – so lapidar liest sich einer der wertvollsten Stempel der modernen Pfeifengeschichte. Er ist die Signatur von drei Generationen von Pfeifenmachern, von denen zwei Pfeifengeschichte geschrieben haben und die dritte gerade dabei ist, es ebenfalls zu tun: Sixten Ivarsson als einer der Gründerväter der modernen, individuellen Designerpfeife, stilbildend wie kein anderer Pfeifenmacher, An Ivarsson Product Schubersein Sohn Lars Ivarsson, ausgebildet vom Vater, der aber stilistisch bald eigene, nicht minder prägende Wege einschlug und die handwerkliche Perfektion einer Pfeife auf ein unglaubliches Niveau hievte, wie es nur von sehr wenigen erreicht wurde bzw. wird, und schließlich Nanna Ivarsson, die Enkelin von Sixten und Tochter von Lars, die – was Wunder bei zwei solchen Lehrern – sich seit einigen Jahren erst stilistisch im Fahrwasser des Vaters, inzwischen mehr und mehr eigenständig, auf den Weg in den exklusiven Parnass des Pfeifenbaus gemacht hat und inzwischen dort auch einen festen Platz einnimmt.

img_0384Diesen drei Generationen von Ivarssons hat nun der chinesische Pfeifensammler Xu Hai ein Buch gewidmet, ein Buch, das sei vorweg gesagt, das der herausragenden Qualität seines Sujets hinsichtlich gestalterischem Aufwand und photographischer Qualität in Nichts nachsteht und in würdigster Form uns den einzigartigen Kosmos Ivarssons’scher Pfeifen nahe bringt. Dieses Buch sucht in der Welt der Pfeifenbücher seines Gleichen – ich würde soweit gehen zu sagen, dass es über Pfeifen nie ein eindrucksvolleres Buch gegeben hat als dieses, das folgerichtig den Titel „AN IVARSSON PRODUCT. Three Generations of Ivarsson“ trägt. Würde man nun sagen, dass dieses Buch „opulent“ ist, dann wird man ihm nicht gerecht, denn es sind die schiere gestalterische Perfektion, seine wundervolle Typographie, die herausragende Materialqualität und der Aufwand bis in kleinste Details, die einen solch atemberaubenden Eindruck hinterlassen: ein herausragendes Buch über herausragende Pfeifenmacher und ihre herausragenden Pfeifen!

An Ivarsson Product„AN IVARSSON PRODUCT. Three Generations of Ivarsson“ ist im September 2015 im chinesischen Verlag Clapnet (ISBN 978-7-5190-0085-1) erschienen, das Format ist 28,4cm x 28,4cm, es umfasst 268 Seiten, kartoniert gebunden im Schuber. Also ein veritabler Kunstband! Das Buch ist zum Preis von 145.00 US-Dollars plus Verandkosten bei Smokingpipes erhältlich. Ich möchte es jedem Interessenten ans Herz legen – das Buch ist zwar nicht billig, aber der Preis ist nicht hoch sondern vollkommen gerechtfertigt: das Buch ist ein mehr als adäquater Gegenwert!

Nun aber zum Inhalt: Der gliedert sich in 42 Seiten Text, der immer von mehr oder weniger kleinen Photographien illustriert wird, und in einen unglaublichen Bildteil von mehr als 200 Seiten Pfeifenfotos, die einen einzigartigen Überblick über das Schaffen der Ivarssons vermitteln. Überhaupt sind es die Bilder, die dieses Buch zu einem „Muss“ für Pfeifenenthusiasten machen, seien es die hervorragenden Pfeifenfotos wie auch die zahlreichen dokumentarischen Fotos, von denen viele aus den Fotoalben der Familie Ivarsson stammen dürften. Sie illustrieren mustergültig Herstellungs- und Entwicklungsprozesse nicht nur der Ivarsson-Pfeifen sondern auch mancher Stanwell-Modelle, für deren Design Sixten verantwortlich war. Skizzen und Reinzeichnungen mit präzisen Maßangaben etwa oder Kartonmasken zum Aufzeichnen der Reinform und der Konstruktionspunkte auf die Kanteln. Dokumentierter „Workflow“ eben, wie man ihn sonst nur bei Besuchen in einer Pfeifenmacherwerkstatt zu sehen bekommt. Dazu gesellen sich Privatfotos, alte wie aktuelle, die der Publikation über den Charakter des opulenten Sachbuchs hinaus etwas Persönliches wie Familiäres verleihen. Und zwar gerade so wohl dosiert, dass es nicht „geschwätzig“ wird.

An Ivarsson Product

Nach einer vierseitigen Einleitung von Xu Hai, die nur in Chinesisch vorliegt, folgen ein Text des amerikanischen Pfeifensammlers Rick Newcombe und ein Text des Pfeifenhändlers F. Sykes Wilford, die beide zweisprachig, also chinesisch und englisch, enthalten sind. Dazu kommen noch zwei Interviews, eines mit Lars Ivarsson, das andere mit Nanna Ivarsson, allerdings beide leider nur in Chinesisch. Man hätte sich hier vielleicht gewünscht, den kompletten Textteil zweisprachig zu haben. Gerade die Interviews, die ja vermutlich eh auf englisch geführt wurden?! An Ivarsson ProductDer Text von Rick Newcombe ist sehr biografisch und darüber hinaus allzu allgemein gehalten. Wenn man davon ausgeht, dass  jemand, der bereit ist, für so ein Buch eine stattliche Summe Geld auszugeben, im Wesentlichen vorher bereits weiss, wer die Ivarssons sind, der wird diesem Text kaum substantiell Neues abgewinnen können und die Verortungsversuche Ivarssons’scher Einzigartigkeit zwischen Stradivari, Leonardo Da Vinci und Steve Jobbs wirken letztlich doch ein bisschen seltsam. Ganz anders dagegen der Text von F. Sykes Wilford, der zwar auch biografisch beginnt, was zu kleinen Redundanzen führt, aber im Gegensatz zu Newcombes Text schnell die Pfeifen der Ivarssons, deren Herstellung und deren Stil zum Mittelpunkt macht. Er charakterisiert dabei treffend, ordnet ein, es wird klar, dass sich Pfeifenbauen nicht in einem abgeschotteten Raum bewegt sondern Einflüssen unterliegt, gerade auch die, die an die nächste Generation Ivarsson oder auch an andere Pfeifenmacher weitergegeben wurden. Ein schöner und lesenswerter Beitrag!An Ivarsson Product

Auf den Textteil folgt der Bildteil, der dreigeteilt ist und mit den Pfeifen von Sixten Ivarsson beginnt, dann kommen die Pfeifen von Lars und er endet mit Nanna Ivarssons Pfeifen. Die Anordnung ist jeweils streng chronologisch, einen schnellen Überblick verschaffen die Detailfotos der Stempel der jeweiligen Pfeife am äußeren oberen Rand, die sich wie ein Register blättern lassen. Die Pfeifen selbst sind unterschiedlich gewichtet: da sind Pfeifen, deren zahlreiche Abbildungen bei komplizierteren Shapes über eine Doppelseite gehen, sie wurden in verschiedensten Perspektiven und Blickrichtungen dokumentiert, was das Buch auch gerade für Designfreaks und Pfeifenbauer so einzigartig macht, denn noch nie hatte man eine Publikation über Pfeifen mit einem derart hohen Dokumentationswert in Händen. Andere Pfeifen sind „nur“ auf einer Buchseite abgebildet, meist in den entscheidenden vier Ansichten. Mehr kann man sich von einem solchen Bildteil nicht wünschen! Auf diese Art wird das Buch neben den sehr alten Katalogen aus England und nicht ganz so alten aus Dänemark ganz sicherlich zu einer weiteren „Bibel“ für Pfeifenbauer und Sammler gleichermaßen!

An Ivarsson ProductAn Ivarsson ProductAn Ivarsson ProductUm bei so viel Enthusiasmus, den das Buch gerechterweise entfacht, doch auch ein bisschen Kritik zu üben: Es steckt in diesem Buch unglaublich viel Leidenschaft, sehr viel hochprofessionelle Arbeit und letztlich auch sehr sehr viel Geld. Das Resultat ist mehr als gelungen und ich freue mich jedes Mal, wenn ich das Buch aufschlage,Sixten Ivarsson Tomatoes aber dennoch finde ich, dass man eine vermutlich einmalige Chance vorbeiziehen hat lassen: Man hätte bei Sixten, dessen Oeuvre ja im Gegensatz zu den beiden anderen Ivarssons abgeschlossen ist, mit nicht sehr viel mehr Aufwand eine „echte“, überblickende Werkmonografie schaffen können. Es gibt einfach ein paar wenige Shapes, die nur in einem angedeuteten Exemplar vertreten sind, wie etwa das „Rhythmische-Tomatoes-Shape“ (hier vor allem die obere der drei abgebildeten Pfeifen) oder ganz fehlen. Das heisst nicht, dass man jede Pfeife in die Auswahl hätte aufnehmen müssen, aber bei ein paar ganz wenigen Shapes wäre der Gewinn für einen kompletten Überblick über das Werk doch enorm gewesen… Das „schmerzt“ aber auch nur deshalb, weil es so wenig ist, was nicht enthalten ist und es auf der anderen Seite ein paar Shapes gibt, die in mehreren, aber sehr sehr ähnlichen Varianten abgebildet sind. Man muss aber auch klar sagen, dass, gemessen an der Leistung, dieses Buch überhaupt erst zu machen und an dem Eindruck, den dieses wundervolle Buch vermittelt, solche Kritik eher wie Erbsenzählerei wirkt! Ich kann das Buch nur empfehlen und jedem Interessierten nahe legen, es zu erwerben – ein schöneres Pfeifenbuch gibt es nicht! Zumindest habe ich noch nie etwas nur annähernd Vergleichbares über Pfeifen gesehen.

P.S.: Die Qualität der Fotos im Buch ist absolut und unzweifelhaft brilliant! Alles, was einen anderen Eindruck vermittelt, ist meinen armseligen Fotos vom Buch geschuldet!




Eine Pfeife von: Günter Kittner

Vor drei Jahren verstarb, fast 87 jährig, in Bremen der Pfeifenmacher Günter Kittner. Er gilt als einer der Ersten, wenn nicht sogar als der Erste in Deutschland, der Pfeifen als Einzelstücke mit freien Formen hergestellt hat. Das war in den späten 60er Jahren. Sein erlernter Beruf als Feinmechaniker kam ihm dabei sicherlich zu Gute. Überhaupt erscheint es bemerkenswert, dass sich die junge deutsche Pfeifenmacherszene damals im hohen Norden der Bundesrepublik bildete: Neben Kittner waren es Karlheinz Joura, Rainer Barbi, Hasso Baudis und später Robert Mewis, die dort ihre Pfeifen fertigten oder noch immer fertigen. Lediglich Ingo Garbe, der auch schon in den späten 60er Jahren begann, Pfeifen zu bauen und der damit auch als einer der ersten deutschen Pfeifenmacher gilt, übersiedelte schon 1972 nach Laesø, wo er seitdem arbeitet.

Kittner PfeifeGünter Kittner hat seine Pfeifen immer nebenher und wirtschaftlich unabhängig gemacht, was ihm den kommerziellen Druck abnahm. Deshalb ist die Anzahl der von ihm hergestellten Pfeifen auch sehr gering – man schätzt, dass es nur zwischen 450 und 500 Stück sind, die während seiner gesamten Aktivität als Pfeifenmacher (bis etwa 1990) die Werkstatt verlassen haben. Entsprechend rar und selten sind diese Pfeifen und damit verbunden ist auch die Tatsache, dass der Name Günter Kittner heute eher engagierten Sammlern vertraut ist, aber weniger der Allgemeinheit der Pfeifenraucher.Kittner Pfeife

Das, was Günter Kittners Pfeifen auszeichnet, ist, neben ihrer handwerklichen Perfektion, vor allem ihre starke formale Identität: eine Pfeife von Kittner hat einen extrem hohen Wiedererkennungswert, was an einigen Details wie etwa dem relativ hohen und weichen Holmansatz und dem häufigen Taillieren des Holmes seinen Niederschlag findet. Das Holz bezog Kittner aus Italien und es ist von allererster Güte: relativ leicht und mit meist dichten Maserungen, deren Verlauf von der Form der Pfeife unterstützt wird. Deshalb sind viele Kittner-Pfeifen Bents, Halfbents oder Quarterbents. Gerade Pfeifen sind eher selten zu finden. Trotzdem ist Kittners Umgang mit der Maserung von hohem Understatement geprägt, denn weder formal noch im Finish wird die Maserung exaltiert herausgestellt. Die meisten seiner Pfeifen, die übrigens alle glatt sein dürften, – ich habe jedenfalls noch nie eine sandgestrahlte oder rustizierte Pfeife von Günter Kittner gesehen – sind hell, in einem mittleren Rotbraun oder dunkelbraun gebeizt. Auf extrem starke Kontraste hat er meist verzichtet. Wenn Kittner Applikationen verbaut hat, dann waren diese häufig aus Bein oder Silber und von hoher handwerklicher Qualität, nicht selten auch mit großem Aufwand eingesetzt.Kittner Pfeife Logo in Gold Manni Arenz nennt in seinem guten und lesenswerten Artikel über deutsche Pfeifenmacher hier auch Edelsteine, aber wie die gearbeitet waren, kann ich nicht sagen, weil ich eine solche Pfeife noch nicht gesehen habe.Kittner Pfeife Stempel

Kittners Logo war eine normalerweise auf der linken Holmseite ins Holz eingelassene goldene Raute mit einem ausgeschnittenen „K“. Der Stempel auf der Holmunterseite sagt lapidar: „Kittner Bremen“ in Form zweier gegenläufiger Segmentbögen.

Vor einiger Zeit habe ich gesehen, dass es im Estate-Sortiment von Pfeifen-Huber neue Pfeifen gab und bin „schauen“ gegangen, da ich eh in der Nähe war. Obwohl mein Interesse eigentlich anderen Pfeifen galt, ist mir diese Kittner aufgefallen, die für Kittners Verhältnisse eher klein ist und damit sehr meiner Vorliebe für nicht ganz so stattliche Pfeifen entspricht. Ich habe nicht lange überlegt und den Kauf getätigt, zumal der Preis sehr fair war.

Kittner PfeifeDieses Halfbent-Egg hat einen Kopf von fünf Zentimetern Höhe, etwa im Vergleich eine größere Dunhill Group 4 zur Orientierung, es ist aber nur 12,4cm lang und damit ist die Pfeife zwar nicht wirklich klein, aber doch recht handlich und leicht im Mund zu halten – kein Wunder bei der perfekt balancierten Form und dem äußerst bequemen Mundstück. Apropos Mundstück: dem kommt hier in gewisser Weise eine gestalterische Schlüsselstellung zu, denn es ist das Gegenteil eines schnöden funktionalen Verschleißteils und regelt mit seinem Sattel wie ein Verkehrspolizist auf einer Kreuzung alle Richtungen von Kurven, die im Kopf ihren Anfang nehmen. Die untere Holmkonturkurve bricht der Sattel regelrecht ab, verschachtelt sie mit einer neuen starken Kurve bedingt durch die Biegung des Mundstücks und dem weichen Sattelende, die obere Holmkontur dagegen lässt er großzügig weiter ins Leere laufen indem der Sattel die Linien nur unterschliedlich lange fortführt. Die beiden seitlichen Konturlinien dagegen, die wie ihre Pendants vom Holmansatz her nach außen kurven, diese fängt der Sattel achsensymmetrisch wieder ein und führt sie ohne Bruch in einer langezogenen Kurve zum Mundstücksende hin wieder zusammen.

Kittner Pfeife KopfDiese Wechselwirkung von Zusammenführen und Auseinanderziehen ist auch das Gestaltungsprinzip des Kopfes: Im Prinzip ein klassisches Egg, das sich nach oben zum Kopfrand hin subtil schließt. Dieser Kopfrand aber ist in sich gekurvt, nämlich in der Längsachse konkav nach oben quasi abschließend, quer dazu wölbt sich der Rand konvex nach innen. Das ist nur ein Detail, aber seine Wirkung im Vergleich zu einem schlichten, neutral gerade abschließenden Kopfrand, ist immens. Während man das symmetrische Schließen in der Vorderansicht des Kopfes hat, wird der Kopf in der Seitenansicht zum Holm und seinem weichen Ansatz hin langgezogen, was eine längsovale Kopfform entstehen lässt, die das klassische Egg entscheidend modifiziert und die für Günter Kittner so typisch ist: Dieser Kopf ist eines der Signature-Shapes von Kittner gewesen; er hat es, kombiniert mit verschiedenen Holmvarianten, mal als Quarterbent, mal als Halfbent ungemein oft wiederholt.

Ach ja, und zum Schluss noch das Wichtigste: Diese Kittner hat einen sehr guten Zug und raucht sich absolut phantastisch. Eine Pfeife, die mich sehr beeindruckt, immer, wenn ich sie mir ansehe, noch mehr, wenn ich sie rauche. Wer also die seltene Gelegenheit hat, eine Pfeife von Günter Kittner zu erwerben, der sollte jedenfalls nicht zögern! Quellen für meinen Text waren der alte Artikel über Günter Kittner auf daft mit einem Beitrag von Jörg Lehmann, Rolf Osterndorffs Text bei Pipedia und der oben verlinkte Artikel von Manni Arenz.

Kittner Pfeife




Peterson Silver Spigot

Giants CausewayMit Peterson Pfeifen assoziiere ich in erster Linie klobig derbe, gebogene Knubbelpfeifen, die in den riesigen Pranken eines (natürlich rothaarigen) irischen Bauern oder Dockarbeiters wie winzige Zahnstocher wirken. Pfeifen, die dem rauen Land, dem ständigen Wind und dem unablässigen Regen stand halten. Die einem nach neun Guinness schon mal aus dem Mundwinkel gleiten könnten und den Sturz auf den mit Salt&Vinegar Bröseln übersäten Pub-Boden aushalten.
Die Tweedmütze tief in die Stirn gezogen, der Cordkragen der zerschlissenen Wachsjacke saugt sich langsam mit Regenwasser voll. Noch wärmt mich der weiße Wollpulli, den ich auf den Araninseln bei einer hundertjährigen Strickerin erworben habe. Die Gischt spritzt meterhoch an den sechseckigen Basaltsäulen des Clochán na bhFómharach (Giant’s Causway) empor. Ich starre unverwandt auf die raue See, die Augen zu Schlitzen verengt. Ist das sie Natur, die meine Helden den Maler Jack Butler Yeats und den Schriftsteller Flann O’Brien zu ihren Werken inspiriert hat?
Mich inspiriert diese Szene zu einem ruhigen Abend am wärmenden Kamin mit einem Glas „Writer’s Tears“ dazu der neue „Ye Olde Signe“ wie könnte es anders sein, in einer Peterson.

Peterson SpigotsIn diesem Moment der Kontemplation möchte ich allerdings eine etwas elegantere Pfeife im Mundwinkel spüren. Da taugt keine dickbäuchige Bent-Dublin. Denken wir jetzt einmal an die andere Pfeifenart, für die die Dubliner Pfeifenmanufaktur mindestens genauso berühmt ist: Die Silber-, oder gar Gold-Spigot. Feine Silberapplikationen bekleiden Holmabschluss und Steckermundstück und verleihen der Pfeife einen abendlich, festlichen Glanz. Ursprünglich waren diese Metallhülsen nur für eine Verstärkung der filigranen Pfeifenteile gedacht. Angeblich wurden die ersten Army-Mounts – zu denen auch die Spigots gehören – von den britischen Soldaten des Burenkrieges aus abgefeuerten Patronenhülsen gebastelt. Die feinen Silberschmiedearbeiten der Peterson Spigot-Serie wirken allerdings mit ihren unzähligen Stempeln und Punzen in etwa genauso militärisch, wie die goldenen Knöpfe am Blazer des in die Jahre gekommenen Prince of Wales.

Peterson SpigotIn der Vitrine beim freitäglichen Besuch bei Pfeifen Huber in München, sprang mir genau so eine Pfeife ins Auge. Mein elsternhafter Blick schweifte über die Auslagen und das Glitzern der Spigots zog mich magisch an. Entscheidend für den Impuls mir die Billiard von Jens Meyer zeigen zu lassen, war die tiefe Strahlung des tief schwarzen Kopfes. Die wäre auf der anderen Seite genauso schön, versicherte er mir und tatsächlich, als ich sie in der Hand hielt, sah ich eine umlaufende schwarzglänzende Struktur. Die musste es also sein, die ich zur Lektüre von „John Millington Synge, The Aran Islands, am Kamin rauchen wollte.

Peterson SpigotZunächst wurde sie aber direkt vor Ort mit „Ye Olde Signe“ gefüllt und probegeraucht. Zur Rauchqualität kann ich nur sagen, sie qualmt prima, wie eigentlich alle meine Peterson, aber was soll man da auch spektakuläres erwarten? Für diesen Blogpost habe ich sie heute Abend gleich nochmals gefüllt, diesmal mit dem „Huber Virginia Ready rubbed“ und auch damit erwies sie sich als angenehmes Rauchholz. Sie ist federleicht, trotz des Metalls. Das kommt von dem grossen Anteil an weichem Füllholz, welches auch der Grund für die tiefen Rillen bei Sandstrahlen ist. Sie glänzt wunderschön, fasst sich traumhaft handschmeichelnd an und wippt leicht im Mundwinkel, während ich diesen Blogpost schreibe, statt am Feuer irische Geschichten von den Arans zu lesen.

Peterson SpigotVerarbeitungsmängel – von denen man im Zusammenhang mit Peterson in letzter Zeit immer wieder hören und lesen muss – kann ich auch bei genauem Hinsehen keine finden. Vielleicht liegt das aber auch an der gewissenhaften Qualitätskontrolle meines Händlers. Vielleicht sollte ich einmal nachfragen, wieviele Pfeifen er zurück auf die grüne Insel schicken musste, bevor er genügend tadellose für die Vitrine zusammen hatte.
Eine Spigot, sei sie von Dunhill oder Peterson ist immer eine ganz besondere Pfeife und wenn sich der geneigte Leser einmal – so wie ich – etwas ganz besonderes gönnen möchte, dann sind ihm diese Zeilen hoffentlich Inspiration genug.




Dunhill XXL03 – Giant Beauty

Ich mag es gar nicht glauben: diese riesige und dennoch wundervolle Dunhil XXLO3 erhielt ich als Gastgeschenk von Mike, dem Gründer des Singapore Pipe & Cigar Smokers Club (Dr. Michael Loh, Loh & Behold) vor jetzt über 8 Jahren und ich habe sie immer noch nicht geraucht. Aber jeden Monat entnehme ich sie ihrem angestammten Platz in der Sammlung, poliere sie ein wenig mit der Hand und freue mich über eine so wunderschöne, seltene Dunhill. Trotz der enormen Größe sind die Dimensionen und Proportionen so gelungen, dass ich von einer wirklichen Schönheit sprechen will. Zum Größenvergleich sehen Sie eine eine Dunhill 3103, die im Gegensatz zur XXL03 regelmäßig unter Feuer genommen wird. Neuerdings befüllt mit der sensationellen Neuauflage des Virginia Dunhill Ye Olde Sign.

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Dr. Mike Loh, Freund seit langen Jahren und Gründer des SPCSC in Singapore