Mein ultimativer Kanon der Literatur

Meine Tochter hatte für eine 19-Jährige einen – wie ich finde – sehr ausgefallenen Geburtstagswunsch geäussert. Sie wünschte sich, dass ihr Vater (vermutlich ich), ihr ein paar wirklich gute Bücher schenkt. Sie wollte aber nicht ein paar seichte Bücher als Urlaubslektüre haben, sondern bestand darauf, dass es die wichtigsten Werke der deutschen Literatur seien.

Also ein richtiger Literaturkanon. Sofort fiel mir natürlich der GLAZ (größte Literaturkritiker aller Zeiten) ein, der einen wirklich vortrefflichen Kanon zusammengestellt hat. Kanon Marcel Reich-Ranicki. Aber sie wollte ja nicht seinen Kanon, sondern meinen.

Ich erklärte mich sofort einverstanden und legte los. Niemals hätte ich gedacht, dass dieses Unterfangen so faszinierend, aufregend, anstrengend und auch so langwierig sein würde. Zunächst einmal ließ ich das „deutsch“ in Literaturkanon weg. Das ist langweilig, kleinkariert und nationalistisch. Ich wollte einen persönlichen Kanon zusammenstellen, die Bücher, die ich am besten fand, die mich geprägt haben und die ich für die zehn größten der Literatur halte und die auch ein Bisserl zu ihr passen sollten.

Zunächst vollzog ich ein inneres Brainstorming. Welche Autoren müssen unbedingt dabei sein und welche davon werde ich wieder streichen müssen. Welche Bücher sind absolut gesetzt und welche nur optional.
Die erste Autorenliste las sich in etwa so: Goethe, Thomas Mann, Hemingway, Camus, Oskar Maria Graf, Erich Kästner, Henry Miller, Charles Bukowski …

Die letzten beiden wurden sofort gestrichen, es handelt sich schliesslich um meine Tochter. Thomas Mann? Die Buddenbrooks? Selten ein so langweiliges Buch gelesen. Drei Seiten Beschreibung eines Türfügels, es schüttelte mich vor Grausen. Felix Krull? Den habe ich sehr gemocht, aber irgendwie doch lieblos zu Ende geschrieben und auch ein wenig trivial … Aber Thomas hatte doch einen Bruder und dieser definitiv mehr Temperament. Der kam auf die Liste: Heinrich Mann. Unrat? Nein, da soll sie den Film schauen. „Der Untertan“, ja der sollte es werden. Rechnen wir ab mit der preussischen Untertanen-Mentalität. Ausserdem, wenn wir schon dabei sind, wir brauchen mehr Bayern im Kanon.

Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter. Ein absolutes Muss für die gebildete Münchnerin und für alle anderen auch. Überhaupt das ganze Graf Werk, aber eines muss zunächst reichen. Lion Feuchtwanger fiel mir noch ein, aber die große München-Trilogie ist auch etwas zu langatmig für eine junge Dame, aber was ist mit Rosendorfer? Vielleicht nicht allerhöchste Literatur aber vergnüglich, hintersinnig und Münchnerisch: Briefe an die chinesische Vergangenheit.

Sprach ich eben davon, den Preussen eines auf den Deckel zu geben? Dann lass uns doch gleich der Operettenmonarchie eine sauberne Trumm Watschen verpassen. Das nennt man Revanchismus: Joseph Roth, Radezkymarsch. Das passt wundervoll zum Untertan. Ich war sehr zufrieden mit mir. Mein erstes Joseph Roth Buch habe ich mir übrigens mit ungefähr zehn Jahren aus der Stadtbibliothek – damals noch am Rindermarkt – ausgeliehen, war aber sehr enttäuscht, kein einziges mal konnte ich die von mir damals so geliebte Phrase „Ein Mensch …“ darin finden.

Aber werden wir wieder ernst. Bierernst. Goethes Faust (auf dem Bild leider nicht zu sehen) habe ich in einer wundervollen, alten Ausgabe mit Lithographien von Delacroix ergattern können.

Dann werde ich philosophisch. Das Werk, welches mich in meiner Jugend am allermeisten geprägt hat, war „Der Fremde“ von Albert Camus. Dieses Buch machte mich zu einem glühenden Existentialisten. Es war so düster und so leidenschaftlich leidenschaftslos. Lang nicht so ein Langweiler wie Sartre, war für mich Camus der König des schwarzen Rollkragenpullis. Zur ungefähr selben Zeit las ich – wie vermutlich alle Jugendlichen meiner Generation – den Steppenwolf, der muss auch dabei sein. Erinnern wir uns, die Leserin wird 19, nicht 49.

Neben Graf ist Kästner einer meiner Lieblingsautoren. Seit Pünktchen und Anton, liebe ich sein Werk. Die Kinderbücher habe ich tausendmal vorgelesen bekommen, selbst gelesen und dann wieder vorgelesen. So ein wundervoller, feiner Mann und spätestens, als ich erfuhr, dass der „Fabian“ in der Originalfassung herausgekommen ist, musste er natürlich auch dabei sein. „Der Gang vor die Hunde“ ist der Titel, den Kästner selbst für seinen großen Erwachsenen-Roman vergeben wollte. Diese Fassung ist quasi der unzensierte Directors Cut.

Warum ich die „Deutschstunde“ aufgenommen habe, weiss ich selbst nicht so genau. Vermutlich ist es eher meiner Liebe zu Emil Nolde geschuldet und weil ich dem erst jüngst in Verruf geratenen, die Stange halten wollte. Trotzdem es ist ein schönes Buch über Freundschaft, Kunst und Nazischeiss.

Hemingway ist der einzige Autor, der doppelt vertreten ist. Fiesta ist eines der schönsten Bücher, das ich kenne, ich habe es dutzend Mal gelesen und es ist ja auch nur ein ganz kleines Bücherl und dann muss natürlich auch noch die Stunde schlagen, Ehrensache. Auch wenn manche behaupten Ernest war als Trinker besser, als als Autor. Aber diese Leute, sind vermutlich in beiden Kunstgattungen selber nur mittelmäßig. Mein ältester Sohn ist übrigens seiner Mutter immer noch unendlich dankbar, dass sie verhindert hat, dass er Ernest Maria Broy heisst.

Dies ist die vollständige Liste meines ganz persönlichen Literatur-Kanons

  1. Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter
  2. Heinrich Mann, Der Untertan
  3. Joseph Roth, Radezkymarsch
  4. Herbert Rosendorfer, Briefe an die chinesische Vergangenheit
  5. Johann Wolfgang von Goethe: Faust I + II
  6. Albert Camus, Der Fremde
  7. Hermann Hesse, Der Steppenwolf
  8. Erich Kästner, Der Gang vor die Hunde
  9. Siegfried Lenz, Die Deutschstunde
  10. Ernest Hemingway, Fiesta
  11. Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt

Wie man auf den Bilder unschwer erkennen kann, habe ich auch auf schöne, alte gebundene Ausgaben wert gelegt, denn diese Sammlung soll meine einzige Tochter ein Leben lang besitzen, in Händen halten und lesen. Vielleicht taucht auch das eine oder andere Werk davon in ihrem Kanon auf, den sie vielleicht irgendwann für einen Enkel zusammenstellen wird.

Was wären denn die Bücher, die in Ihrem Kanon auftauchen würden?
Welche habe ich vergessen?
Welche würden sie weglassen?

Bitten nehmen Sie, lieber Leser, Sich eine Pfeifenlänge Zeit und nutzen Sie die Kommentarfunktion, um Ihre persönliche Liste zu teilen, sie werden sehen, das ist sehr vergnüglich, erbaulich und auch sehr anstrengend …




Peterson 2017 Christmas Blend – es weihnachtet sehr …

PETERSON CHRISTMAS BLEND 2017Bei mir im Atelier, im Arbeitszimmer, überall weihnachtet es schon sehr und das schon seit ein paar Wochen. Also nicht so wie im Discounter, wo schon seit September die Zucker-Nikoläuse und Backtriebmittel-Spekulatien vor sich hin rotten, während andere noch den Polyester-Badehandtuch-Sale plündern, sondern so, wie es hier in der Stadt der Lebkuchen bei Westwind duftet, wenn die Lebkuchen Fabriken Weissella, Schmidt und Co, ihre Öfen anwerfen. Bei mir duftet es nach Früchten, Mandeln und Vanille.

Wie meine liebsten Freunde, Familienmitglieder und Kunstsammler wissen, beginnt für mich die Weihnachtszeit ja auch weit vor dem Dezember, denn ich arbeite auch dieses Jahr wieder viele Wochen an der jährlichen Holzschnitt-Weihnachtskarte.

Auch in diesem Jahr verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, unser Heiland ist auch diesmal in den verschneiten, heimischen Alpen zur Welt gekommen. Anders ist allerdings, dass meine Pfeifen einen ungeheuer weihnachtlichen Duft verströmen, während ich zeichne, hoble, schleife und schnitze. Nicht gerade Weihrauch und Myrrhe, aber doch so ein bisserl in die Richtung.

Eigentlich rauche ich keine Aromaten und Weihnachtsmischungen erst recht nicht. Allesamt sind sie zu teuer, nikotinlose Black Cavendish Rauchpappen in kitschigen Dosen. Warum ist das diesmal anders? Zunächst einmal muss ich anführen, dass ich als Mitbetreiber dieses Pfeifenblogs hin und wieder mit Testtabaken bedacht werde. Über manche hülle ich wohlwollend den Mantel des Schweigens, manche werden verschenkt und andere probiere ich und ab und zu lohnt sich der Aufwand des Herstellers und ich blogge darüber.

Atelier Alexande BroyAls ich das Packerl, welches unverhofft bei mir hereinschneit öffne, finde ich darin eine weihnachtliche Blechdose in rot, weiss und grün gehalten, wie auch sonst. Nach etwas Gerubbel und Gefummel und dem großzügigen Einsatz von Waschbenzin erkenne ich, diese Dose ist wirklich gelungen, blindgeprägt kein verblödeter Weihnachtsmann oder doofe Rentiere darauf. Schnee, Bäume, eine Schleife, sehr geschmackvoll, finde ich. Ich goutiere auch, dass es „Peterson Christmas Blend“ heisst und nicht etwa politisch verblödet „Holiday Blend“ oder „Jahresend-Blend“.

Ich öffne die Dose, innen ist ein Cellophan-Tütchen mit Goldsiegel. Auch sehr hübsch, ich breche das Siegel und auf einmal bereue ich, dies getan zu haben. All der wundervolle Geruch von frischem Holz, Farben, Latakia und Perique wird durch die Fensterritzen meines Ateliers nach aussen gepresst und eine Aromawolke süss und fruchtig übernimmt mein Hütterl bis in die letzte Ritze. Es schüttelt mich leicht. Dann wandert mein Blick über die Tabakfasern, die fest gepresst vor mir liegen. Sie sind rötlich, gelb mit braunen Flakestreifchen durchsetzt. Nichts ist schwarz, also kein Black Cavendish, vermute ich. Black Cavendish ist für mich der Schienenersatzverkehr des Pfeifenrauchers. Ich suche eine Meerschaumpfeife heraus – ich will keinesfalls ein gutes Holz mit diesen Weihnachtsaromen verderben – und fange an zu stopfen.

Peterson 2017 Christmas BlendIch zünde und bin erneut überrascht. Also weihnachtlich ist das streng genommen nicht. Leicht fruchtig, mandelig. Ich schmecke Honig, etwas Vanille, aber keine Lebkuchengewürze und vor allem der Rauch schmeckt satt und überhaupt nicht so schrecklich intensiv, wie die Dose, die ich sofort wieder verschliesse. Eigentlich sehr lecker. Ich rauche die erste Pfeife, arbeite weiter und stopfe mir die nächste. Wieder weiche ich vor dem Dosen-Geruchs-Flash zurück, aber auch die nächste Füllung schmeckt mir. Ich verlasse irgendwann mein Atelier und als ich wiederkomme, riecht es so wundervoll dort, dass ich betört an der Tür stehend verweile.

Peterson 2017 Christmas BlendAls ich mit angehaltenem Atem den Tabak genauer inspiziere, erkenne ich ordentlich viele Flake-Stückchen, lockeren Burley und Virgina loose-cut, welcher perfekt konditioniert ist. Auch hat der Tabak durchaus eine sättigende Stärke, er ist bei weitem keine Rauchpappe.

Was soll ich lange herumreden, ich mag ihn sehr und freue mich, mal etwas anderes in meinen Pfeifen zu haben und widmete diesem Tabak eine eigene alte Oldenkott. Aber auch in anderen Hölzern ist er schon gewesen und hat sie keinesfalls verdorben.

Ich werde ihn bestimmt die Weihnachtszeit über rauchen und ihn bei meinem nächsten Besuch in München bei Pfeifen Huber nachkaufen. 23 Euro für 100 Gramm erstklassigen Tabak, das ist nicht geschenkt, aber auch nicht überzogen und ausserdem ist doch nur einmal im Jahr Weihnachten.

Ach ja, danke, für diese Probedose.

 




Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake

Cornell & Diehl - Bayou Morning FlakeDen ersten Tabak, den ich aus meiner letzten USA-Lieferung geöffnet habe, war der Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake. Ihn habe ich in zwei verschiedenen Größen. Einmal die normale zwei Unzen und dann die Familienpackung mit acht Unzen. Die Große ist noch ungeöffnet, die nehme ich einmal in den Münchner Pfeifenclub mit. Dann bleibt mir vielleicht auch noch ein kleines Bröserl Tabak, nachdem die Pfeifen-Freunde sich in ihrer typischen Bescheidenheit die Probier-Giants gefüllt haben werden.

Bayou Morning Flake – A strictly VA/Perique blend with stoved VA presented in a broken flake.

Das steht auf der sehr schmucken Dose. Wir sehen einen Mann in einer Latzhose mit Strohhut und Pfeife, der auf einem kleinen Boot durch den nebligen Bayou stakt. Eine sehr hübsche Grafik, die mich auch ein bisschen an den FrogMorton von McClelland erinnert, da stagt auch einer wie ein Gondoliere für Arme durch den Sumpf. Die Dose ist wie viele amerikanische Tabake mit einem Vakuum Deckel mit Lasche verschlossen. Ängstlich nehme ich den Kopf zur Seite, ich erwarte eine Überdosis Ketchup-Geruch, wenn sich die Dose fauchend mit Luft füllt und ihr beissendes Aroma entlässt. Dieses spezielle Aroma, kann ich nicht ausstehen. Das ist fast so schlimm, wie Ketchup statt Preiselbeer-Marmelade ans Schnitzel gepresst. Meine Sorge war allerdings glücklicherweise unbegründet. Vorsichtig schnuppere ich am Tabak. Ein wenig dieser Prolo-Tomaten-Suppe kann ich vernehmen, aber auf keinen Fall sehr aufdringlich. Ich rieche Säure, aber die kommt eindeutig vom Perique und ich rieche Süße, vermutlich der Virginia, der aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen auf der Dose mit „VA“ abgekürzt wird.
Da mir bewusst war, dass ich eine Tabak-Rezension über den Bayou Morning Flake schreiben würde, versuchte ich eine Analogie zu finden, die genau diesem süss/sauer-Gemisch entspricht. Am ehesten würde ich ein Glas „Schlesische Gurkenhappen“ vorschlagen.

Bayou Morning Flake

Der Broken Flake ist so broken, wie man ihn sich vorstellt. Ein bisserl Platten und ein bisserl zerbröselt. Die Kondition ist perfekt, nicht trocken und nicht zu feucht. Ich habe die Dose inzwischen komplett geraucht. Mit Filter, ohne Filter und vor allem mit meinen selbst geschnitzten 6mm Balsafiltern, welche mir eindeutig das beste Raucherlebnis beschert haben. Keine Feuchtigkeit, kein Sottern, aber auch kein Aromaverlust. Die Flake-Scheiben lassen sich einfach in die Pfeife drücken, kein Falten, kein Stopfen kein Knicken, einfach rein.

Aber nun zum Geschmack. Sie werden es nicht glauben, es ist nahezu unvorstellbar gewesen, aber dieser Tabak hat meinen Lieblings-Virginia-Perique-Flake, den Huber Louisiana  von seinem Thron geschubst. Der Bayou ist noch cremiger, noch süsser und dabei noch prickelnder säuerlicher auf der Zunge. Wenn der Louisiana-Flake ein sehr guter Prosecco ist, dann ist der Bayou ein frischer, prickelnder fränkischer Winzer-Riesling-Sekt. Beinahe hätte ich behauptet in diesem Tabak ist Kohlensäure, aber tatsächlich, so fühlt es sich an. Temperamentvoll und doch dann so mild und wunderbar cremig (hier verlässt mich mein bescheuertes Schaumwein-Bild). Dieser Tabak ist wirklich ein Gedicht. Ich würde ihn insgesamt als mittelstark bezeichnen und er bleibt das von Anfang bis Ende.

Ich bin sehr froh, dass ich noch die große Dose habe und mein Freund Thomas, hat noch eine weitere im Gepäck, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt. Wenn Sie auch ein Liebhaber dieser Virginia-Perique-Mischungen sind und die Möglichkeit haben, diesen Tabak einzuführen, oder mitbringen zu lassen, tun Sie es, lieber Leser, Sie werden es sicher nicht bereuen.

Ob ich die anderen Tabake aus dem Süden, bereut habe, oder vielleicht noch besser fand, lesen Sie bald, hier in diesem Blog.

 




Tabake des Südens – Bayou, Cajun und Louisiana

Dass ich den Süden im Blut habe, hat vermutlich schon jeder hier mitbekommen. Damit meine ich natürlich nicht nur meine bayerische Herkunft, meine Liebe zu meiner Heimat München und ihrer Weißwurst. Ich spreche in diesem Zusammenhang von den Tabaken des Südens der Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt aus den Sümpfen Louisianas und speziell vom einzigartigen Geschmack des Periques. (Vgl.: FrogMorton und Huber Louisiana)

Mein Freund Thomas – der mit dem Ferienhaus in Florida – hat durch meine grenzenlose Bestellwut bei Smoking-Pipes inzwischen einen neuen besten Freund in USA gefunden: den UPS-Fahrer. 150 grammweise schmuggelt der Ärmste und seine leidgeprüfte Familie nun ständig meine Tabaksdosen nach Deutschland. In diesem Monat steht das Handgepäck von Thomas Familie unter dem Motto „Bayou und Cajun“. Schon allein um die Mühe meiner ehrenamtlichen Schmuggler- und Schleuserbande zu würdigen, werde ich Ihnen hier diese Tabake alle einzeln vorstellen.

Dies ist die Liste meiner Auswahl des feuchten Südens …

Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake
BriarWorks – Back Down South
Cornell & Diehl – Bayou Morning
Cornell & Diehl – Bourbon Bleu
McClelland – Royal Cajun: Dark

Bleiben Sie dran, es geht bald weiter … wie immer in diesem Theater Blog …




John Abercrombie, Jazz † 1944-2017

Die Frage, wer gibt noch den Gitarrenton im Jazz vor, ist angebracht. Haben doch allein in diesem Jahr vier der führenden Protagonisten des Genres unsere Welt verlassen, allesamt musikalische Giganten und Erneuerer, stilprägend, innovativ. Larry Coryell (74) im Februar, Chuck Berry (90) im März, Allan Holdsworth (71) im April, Chuck Loeb (62) im July und nun John Abercrombie am 22.08. Wer bleibt? Ralph Towner, John McLaughlin, Pat Metheny, George Benson, Kurt Rosenwinkel, John Scofield? Al di Meola, der sich fast nur noch in der sogenannten World Musik zurechtfindet?

Abercrombie, der akustische und elektrische Gitarre gleichmassen abgehoben im modernen Jazz, im Fusion einsetzte, war immer perfekt: in den zahlreichen Duos, in kleinen Besetzungen, als Trio Gateland mit Jack DeJohnette und Dave Holland, in der Gruppe Baseline. Er war der typische ECM Musiker, lyrisch, einfühlsam, leise und doch so vordergründig. Nachrufe gibt es derzeit so zahlreich, dass ich mich auf die reine Nachricht beschränke und ein, zwei Beispiele dieses großen Musikers, dessen Alben ich seit Timeless gesammelt habe, seinem ersten mit Jack Dejohnette an den Drums und Jan Hammer an den Keyboards im Jahre 1972 bei ECM eingespieltem Album. Es wurden über 40.
Wunderbar das 2011er Album Speak to me, im Duo mit dem Pianisten Marc Copland, mit dem ihn eine eine Zeitspanne von fast 50 Jahren verbunden hat. Wer vermeint, darin den ebenfalls legendären, 2013 verstorbenen Meister Jim Hall herauszuhören, liegt nicht daneben.




Minimal-Ausstattung für das John Abercrombie Regal





Blog Pro domo: die widrige Sommerpause

Der Vorwurf ist nicht zu entkräften. Wir hätten es ankündigen sollen. Haben wir aber nicht. Die fast 2-monatige Sommerpause – immer noch zugange – hat auch unsere Blog-Aktivitäten eingeschlossen. Ein Ende ist in Sicht. Die Autoren trudeln allmählich – aus allen Himmelsrichtungen kommend – wieder ein. Bleibt uns gewogen, gleich gehts weiter.

Verwendetes Foto im Titel



Fayyum Special Cake – so wertvoll wie ein kleiner Penzance ….

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-Tobacco

Reden wir zunächst Klartext. Zu diesem Tabak-Hersteller stehe ich in einer Geschäftsverbindung. Ich habe Etiketten entworfen, erstelle Katalog und Website, bin also befangen.
Diesen Tabak habe ich allerdings nicht zum Testen überlassen bekommen (das hat der Fayyum Cake gar nicht nötig), ich habe ihn auch nicht käuflich erworben (es gibt ihn ja so gut wie nie zu kaufen), Hans hat ihn mir auch nicht auf Grund besonderer Leistungen geschenkt (dazu müsste ich erstmal besondere Leis…)
Ich habe ihn einfach entwendet, geklaut, gestohlen, geplündert.
Und das kam so: Ich habe bei mir im Atelier eine große Kiste stehen. Darin ist von jedem HU-Tabak eine Dose. Die soll ich allerdings nicht rauchen, sondern für den Katalog fotografieren. Zu treuen Händen hat Hans Wiedemann von HU-Tobacco mir diesen Schatz anvertraut und ich verkommenes Subjekt habe nichts anderes im Sinn, als …Aber ich konnte ja praktisch gar nichts dafür! Niemals wäre mir eingefallen, dieses Vertrauen zu mißbrauchen. Aber ich musste doch diese Dose öffnen, um die Crumble Cake Riegel ablichten zu können. Und als ich den Deckel dann vorsichtig anhob, fand ich darin einen kleinen Zip-Lock-Beutel und den hätte ich ja schlecht fotografieren können, wie hätte das denn ausgesehen. Also musste ich den Beutel öffnen und die Crumble-Cakes heraus nehmen. Können Sie Sich diese Versuchung vorstellen, Euer Ehren lieber Leser? Dieser Duft! Dieses wunderbar fest gepresstes Stück Tabak in Händen zu halten, daran zu schnuppern und zu wissen, dass es leichter ist an eine Dose Penzance zu kommen, als an diese Kostbarkeit? Seien Sie ehrlich, wären Sie da nicht auch schwach geworden? Ich drapiere also diese hübschen kleinen Briketts adrett neben der Dose, richte das Licht ein und knipse ein paar Bilder. Würde es irgendwer merken, wenn ich mir eine winzige Scheibe abschneide? Auf meinen Schultern befinden sich plötzlich zwei kleine, leicht durchsichtige Gestalten, eine hellere mit Flügeln und eine rötliche mit einer Mistgabel und reden ununterbrochen auf mich ein. „Los, komm schon, das merkt kein Mensch!“, „Nein, das würdest du dir nie verzeihen …“ Sie kennen das?

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-TobaccoNun, was soll ich sagen, ich habe es getan und tue es gerade in diesem Moment wieder … Der Geist, das Fleisch, bei mir ist alles schwach. Sehen sie diesen Artikel als eine Art Selbstanzeige. Bereue ich? Nein, keinesfalls und ich würde es wieder tun, denn dieser Tabak hat mit dem Penzance mehr gemein, als nur die Nichtverfügbarkeit. Ich kenne keine Engländer der so sanft und cremig sind, wie diese Beiden. Nie habe ich Latakia so lieblich geraucht und dabei sind Unmengen davon in diesem Tabak. Kentucky, Black Cavendish, sowie eine Prise Fire Cured Kentucky sind noch enthalten. Ich bin nicht Peter Hemmer, ich kann das nicht herausschmecken, ich musste das nachlesen. Rauche ich den Penzance daneben, stelle ich schon Unterschiede fest, das ist nicht der selbe Tabak (zumal mein wie ein Augapfel gehüteter Rest, schon ziemlich trocken ist) aber sie sind sich in der Art ähnlich.

Es sind sanfte und ein wenig liebliche, englische Crumble-Cakes. Während der Penzance in einem winzigen Döschen kleine Scheiben enthält, die als Mottled Flake beschrieben werden, sind beim Fayyum-Cake wie vorhin schon erwähnt, zwei kleinen Riegel in eine Malerdose verpackt. Zu rauchen sind solche Tabake absolut problemlos, wie ein Flake, oder Plug nur nicht so dicht bzw. fest, werden sie locker in die Pfeife gestopft.

Esoterica PenzanceDass diese beiden Tabake so schwer zu bekommen sind, macht natürlich auch ihren Reiz aus. Gäbe es sie an jeder Tankstelle, wären sie uns dann so teuer? Bestimmt nicht. Warum Esoterica so wenige dieses Tabaks – und wenn dann auch nur in Übersee – verkauft, weiss ich nicht. Böse Zungen behaupten, die Verknappung sei Methode. Wenn bei einem der internationalen Tabakhändler ein paar Dosen auftauchen, dann sind sie innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Bei Hans Wiedemann bin ich mir jedoch ganz sicher, dass ihm solch ein hinterlistig, merkantiles Taktieren fremd ist. Der Grund für seine Lieferschwierigkeiten sind ganz anderer Natur. Er presst die Tabake selbst und in seine Presse passen einfach nur wenige Kilo Tabak hinein. Vier bis sechs Wochen muss der Tabak unter Druck reifen und das ist der Grund für die Knappheit dieses wunderbaren Engländers aus dem Ries. Wer keine Geduld hat, kann sich ja in DIY-Manier eine eigene Presse basteln und den normalen Fayyum selber unter Druck setzen …




DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …




Blogger Relations? Neue Pfeifentabake rezensieren?

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeIch bin ja sehr gespannt, wie Sie – liebe Leser dieses Blogs – auf diesen, meinen neuen Beitrag reagieren werden. Ich könnte mir vorstellen – und ein Bisserl wünsche ich mir das insgeheim auch – , dass dieses Thema so sehr polarisieren wird, wie die Fragen: „filtern oder nicht“, „Zippo oder Streichhölzchen“ und ob Dunhills preiswerte Pfeifen sind.

Heute erreichte mich ein dicker Briefumschlag mit zwei Tabakpouches. Absender eine Kommunikationsagentur im Auftrag von MacBaren. Ein kleines Kärtchen lag dabei „Viel Spaß beim Probieren“

Na, bekommen die ersten schon Schnappatmung?
Werbung im Blog? Bezahlte Rezensionen? Redaktionelle Werbung! Gar Schleichwerbung!!!!

Also zunächst einmal haben die Herrschaften von Mac Baren und ihr Distributor Arnold André mit ihrer Agentur alles richtig gemacht. Sie haben mich als Impressums-Kontakt dieses Blogs freundlich und sehr zurückhaltend kontaktiert und höflich gefragt, ob sie mir Pressemitteilungen zu Produktneuheiten zusenden dürfen. Ich habe jahrelang selber Social Media Relations gemacht und bin offen für solche Anfragen, warum auch nicht, ich musste mich ja zu nichts verpflichten.
Nach längerer Pause kam dann die erste Pressemitteilung und ein paar Tage später sogar zwei Pouches zum Verkosten. Da stand jetzt NICHT: „Sehr geehrter Multiplikator, wir würden uns über eine sehr positive Rezension in Ihrem überaus reichweitenstarken Pfeifenblog freuen“, sondern lediglich und das auch noch mit Hand geschrieben: „Viel Spaß beim Probieren“

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeMir hat das Vorgehen gefallen. PR ist wichtig, Werbung nötig und der Umgangston war aus meiner Sicht genau getroffen. Blogger sind Zicken, dass wissen auch die Kollegen von der Agentur Headware.
Man könnte vielleicht sogar geschmeichelt reagieren, zeigt es doch, dass der Pfeifenblog im Mainstream angekommen ist, dass uns die „Industrie“ ernst nimmt. Ich nicht, ich kenne unsere Zugriffszahlen, ich weiss dass wir ein wichtiges Medium geworden sind. Wir sind der „Longtail“ der lange Schwanz der Nischenkommunikation. Wir haben keine Streuverluste, alle unsere Leser rauchen Pfeife, wir sind wichtig: Ist so, basta!

Also was ist nun zu tun? Ich finde wir sollten die Tabake rauchen, verkosten und auch eine Rezension über sie schreiben. Wir schreiben dauernd Rezensionen, das sind unsere wichtigsten Themen. Bisher haben wir allerdings alle Tabake, die wir besprochen haben, käuflich erworben. Wir haben das immer so gemacht, auch wenn uns Pfeifen Huber in München zum Beispiel, die eigenen Tabake auch jederzeit zur Rezension kostenlos überlassen würde. Wir bezahlen dort schon seit Jahren für unsere Rauchwaren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten. Warum sollte sich das ändern, nur weil wir jetzt Pfeifen-Blogger sind?

Aber das ist jetzt etwas anderes, diese „Verbindung“ entstand neu und auf einer anderen Basis.
Trotzdem haben wir jetzt ein Problem, denn anders als bei den Tabaken, die ich mir beim Huber im Tal oder anderswo kaufe und hier dann bespreche, habe ich mir diese beiden nicht selber ausgesucht.
Jetzt lese ich folgende Beschreibungen aus der Presseinformation:

Während bei der Amphora Special Reserve No. 2 feine Noten erlesener Kirschen Duft und Geschmack verfeinern, stehen bei der Amphora Special Reserve No. 8 exotische Früchte im Vordergrund.

Kirschen? exotische Früchte?“ da steht jetzt leider nicht: „kräftige englische Mischung mit rassigem Latakia“ oder „starker Virginiaflake mit einer tüchtigen Portion Louisiana Perique“ …

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeJetzt weiss ich natürlich, dass ungefähr 90% aller Pfeifenraucher aromatisierte Tabake bevorzugen, aber bei uns drei Autoren, ist keiner dabei. Weder Bodo, noch Peter, werde ich zu einer Rezension bewegen können, trotzdem hätte ich gerne, dass hier eine erscheint.

Ist das nicht eine tollte Gelegenheit, neue Autoren hier im Blog zu akquirieren?

Wer möchte eine Rezension über die beiden neuen Tabake von Mac Baren schreiben?

Ich wünsche mir eine faire und überparteiliche Rezension. Sie sollte von jemandem geschrieben werden, der gerne „Aromaten“ raucht, denn nur so, bekommen unsere Leser einen vernünftigen Eindruck diese beiden neuen Tabake.

Was meinen Sie lieber Leser? Haben Sie Lust die beiden Tabake zu rezensieren, oder sind Sie der Meinung, dass solche von Tabakherstellern angestossenen Beiträge, hier nichts zu suchen haben?

Bewerbungen, Zustimmung und wüste Beschimpfungen, wie immer in den Kommentaren …




Tabakdosen sind nur leere Hüllen …..

Mit zunehmender Tendenz werden Tabakdosen zu einem wichtigen Stichwort in zahlreichen Artikeln des Pfeifenblogs. Von vielen Tabakliebhabern beklagt, haben die Amtsschimmel in Brüssel, unterstützt vom Gewieher der bundesrepublikanischen, wieder einen Saustall erzeugt, dem des Augias nicht unähnlich. Nur kommt kein Herakles und sorgt für Ordnung, schwappt all diesen Bevormundungsunsinn durch einen von Wut angreicherten Strom davon. Das der Konsum von Tabak nur in Ausnahmefällen lebenserhaltend und gesundheitsfördernd ist, zählt heute zum Grundwissen. Auch die üblichen Halb- oder Viertelwissenden können sich nicht auf einen Mangel an Information berufen. Ähnliches aber gilt für das weitgehend volksverdummende Fernsehen, das den ungezügelten Verbrauch von Zucker, Placebo-Medikamenten, von Coca Cola und Junk Food und … und ….. staatlich subventioniert allabendlich unterstützt. Da hält sich der Staat mit Hinweisen auf mentale oder physische Bedrohung zurück, ist ja vielleicht auch schon zu spät. Für den überbordenenden, blindwütig staatlichen Regulierungsaktionismus ist die Tabaksdose ein einfaches Ziel, das per Dekret versenkt werden konnte. Überzeugend, wo es doch ansonsten keine anderen wichtigen Themen gibt, in denen sich Politik und Exekutive austoben könnten.

Nahezu die Hälfte der Fläche eines Etiketts ist ab 01.05.2017 für Hinweise auf die Gesundheitsrisiken durch Takakkonsum vorgesehen. Merkmale über die Geschmacksrichtung des Tabaks oder verwendete Komponenten dürfen nicht mehr aufgeführt werden, auch nicht beim Tabaknamen. Hersteller müssen reagieren. So heißt der allseitsbekannte Rum and Maple bereits R & M, Begriffe wie Cherry, Rum, Honey etc. sind gleichsam verboten. Ob dann bald meine bevorzugte Kirschmarmelade zukünftig nicht mehr so heißen darf und wegen des hohen Zuckeranteils als gesundheitsgefährend gekennzeichnet wird, bedarf zunächst der Einberufung einer parlamentarischen Expertengruppe unter der Leitung von Katrin Drönig-Eckwart, ein Widerspruch per se.

Zwar nicht mein Favorit, aber das hat er nicht verdient!

… es könnt so schein…..

Lassen wir das alles unbeachtet, denn bis heute hat wohl kaum ein Tabakliebhaber die bisherigen „Todesbanderolen“ je gelesen und den Zweck verstanden. Sie werden schlichtweg ausgeblendet und sind nur ein optischer Störfaktor, dessen inhaltliche Wirkung verpufft. Der wichtige, wenn auch meistens ohnmächtige staatsbürgerliche Widerstand rührt sich bereits durch intelligente, kreative Aktion, die unsere Bürokraten wieder einmal richtig vorführt.

Schmuckdose heißt das Medium und bald wird wohl jeder Tobacconist so etwas im Angebot haben. Rund- oder Viereckdosen mit schönen Etiketten, die – da der Todesaufkleber fehlt – das Auge des Geniessers zusätzlich erfreuen. Diese Behältnisse werden ohne Inhalt angeboten. Pfeifen Huber hat es bereits vor einiger Zeit mit den schönen München-Motiv Dosen vorgemacht und setzt jetzt noch eins drauf. Da z.B. zukünftig  die Huber Flakes in Runddosen verpackt werden, was den Gepreßten kaum zuträglich ist, gibt es ab sofort eine Rechteckdose mit einem schön gestalteten Aufkleber, frei von Hirnrissigkeit. Aber nicht nur bei Pfeifen Huber ist man kreativ. Allseits bekannte Künstler lassen es sich nicht nehmen, in die umwälzenden Geschehnisse einzugreifen. Da seine Stärken eindeutig in der Landschaftsmalerei zu finden sind, hat sich Pfeifenblog-Chef Alexander B. selbstlos in den Dienst der Sache gestellt und den delikaten Flanagan von HU Tobacco kurzerhand nach Helgoland verortet. Die kurze restliche Lebenszeit der Langen Anna wohl einkalkulierend, hofft er, das bald nur noch eine irische Küstenlandschaft beim Flanagan-Label vermutet wird.

50 g Flake Dose

100 g Runddose


Es gibt bereits postfaktische Berichte, die von einer neutralen Dose aus Silber von Sillems sprechen, die über eine APP-gesteuerte alphanumerische Digitalanzeige mit dem Namen der jeweiligen Befüllung, dem Feuchtigsgrad, der aktuellen Menge und des Preises (und mit alternative Bezugsquellen) aufwarten  soll. Programmtechnisch kein Problem, werden auch Zolltarife und Zolltarifnummern für die beliebten, preiswerten Eigenimporte zukünftig von der Sillemsdose berechnet.