Samuel Gawith | Skiff Mixture

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Da sitzt er nun allein in seiner Jolle, der Segler. Noch nicht mal eine Pfeife raucht er. Klar, soll man ja auch nicht wegen des guten weil starken Windes und außerdem hat er ja genug damit zu tun, den anderen noch vor Windermere einzuholen. Vermutlich geht es also um die Pfeife danach? Und die ist englisch, keine Frage! An den Balkan denkt man da nicht, auch wenn sich der in Samuel Gawiths Skiff Mixture recht präsent zeigt.

Skiff MixtureGleich vorweg: die Skiff Mixture ist mein Lieblings-Latakiablend im Portfolio von Samuel Gawith! Und so war ich foh, dass es zum großen aber ungleich plumperen Bruder Squadron Leader schon ein Review gibt und mir hier die Skiff Mixture bleibt. Über den Squadron Leader etwas zu schreiben, heißt über einen kraftvollen Athleten zu schreiben, der mit seiner geradlinigen Art beeindruckt. Der ist eher ein Schwergewichtsboxer. Bei der Skiff Mixture begeben wir uns zum Florettfechten! Spitzentabake sind beide, gar keine Frage, Latakia haben beide satt und trotzdem könnte der stilistische Unterschied nicht größer sein!

Der Importeur Kohlhase&Kopp beschreibt den Tabak wie folgt: „Eine sogenannte Orient Mischung. Verschiedene Arten von Flue Cured geben dem Skiff die gelben und braunen Sprenkel. Gemischt mit Turkish- und Latakia-Tabaken.“

Skiff MixtureBetrachten wir das Tabakbild der Skiff Mixture, dann haben wir in der Tat eine satte Ribbon Cut Latakia Mischung mit wundervollen Kontrasten in den Virginias und Orientals. Nun sind Latakia, Virginia und Orientals ja auch die Kompenenten des Squadron Leaders und trotzdem kommt ein ganz anderer Tabak raus. Das liegt in erster Linie an den verwendeten Virginias, die der Skiff Mixture eine viel schlankere Basis geben als das beim Squadron Leader der Fall ist und die im Wechsel mit den Orientals und dem Latakia ein Feuerwerk an Raffinesse entfachen: Da kommen nicht nur in ewiggleicher Abfolge große rote beeindruckende Lichtbälle, da regnet es mal grüne Girlanden und zwischendurch glitzert es hell auf. Als ob eine Füllung Skiff Mixture einer geheimen Regie folgt – nie plakativ immer raffiniert! Die Virginias haben gerade genug Kraft und malzige Süsse um den Latakia mit seiner Rauchigkeit zu bändigen und die Orientals mit ihrer ätherischen Schlankeit verbinden das zu einer formidablen Vorstellung. Sie sind der eigentliche Regisseur des Ganzen! Und sie sorgen dafür, dass sich der Tabak während des Abbrands immer ein bisschen neu entwickelt und Spitzen freigibt.

Skiff MixtureEndzündet man eine Füllung Squadron Leader, dann weiß man vom ersten bis zum letzten Zug, was man hat. Und was man hat, ist ganz ohne Frage hervorragend! Aber das ist es dann auch. Eine Füllung Skiff Mixture zeigt alle Nuancen, die eine Balkan-Mischung haben kann und das immer mal so und dann wieder anders, von rauchig, süß, ätherisch, Malz, Kräuter, braun, grün bis schwarz. Sie ist das Gegenteil von geradliniger Konstante sondern ein sich während des Rauchens immer weiter entwickelndes Erlebnis. Für mich ist die Skiff Mixture einer der Referenztabake für Balkan-Mischungen schlechthin! Ob man sie nun als Allday-Tabak raucht und nur mal als Abwechslung, ich kann die Skiff Mixture nur jedem Latakia-Liebhaber ans Herz legen!

Das Entzünden und der Abbrand sind vollkommen problemlos. Der Tabak raucht sich gut bis zum Ende, ohne dass er zu stark würde oder sich geschmacklich zum Ende der Füllung hin auf irgendeine Seite schlagen würde. Von der Stärke her ist die Skiff Mixture höchstens mittelkräftig.

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3 Antworten

  1. Avatar Eddy sagt:

    Hallo Peter!

    Danke für das schöne Review, in dem ich meine noch recht jungen Eindrücke der Skiff Mixture ganz wiederfinde. Tatsächlich – und ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte – hatte ich den Tabak erst vor ziemlich genau einem Jahr das erste mal in der Pfeife. Passenderweise auf dem Segelboot. Wir waren unterwegs rund Bornholm, unser Midshipman zauberte auf einmal die Dose hervor und ich habe den Rest der Woche selten einen anderen Tabak in der Pfeife gehabt.

    Seitdem sind ein paar Dosen in meinen Keller gewandert. Auch ich ziehe die Skiff Mixture dem Squadron Leader meist vor.

    Herzliche Grüße, Eddy

    • Peter Hemmer Peter Hemmer sagt:

      Hallo Eddy,
      danke für den netten Kommentar! Freut mich! Bis auf diesen einen Cornell&Diehl Tabak, der dir gefällt und den ich so unrauchbar fand, dass ich den Namen sofort aus meinem Gedächtnis gestrichen habe, scheinen wir ja einen recht ähnlichen Geschmack zu haben…
      Herzliche Grüße!
      Peter

  2. Avatar Jens Gregersen sagt:

    Hervorragend geurteilt und geschrieben! Ich rauch Skiff und EMP und sehe beide als die Orient-Mixtures schlechthin – EMP etwas leichter im Körper und mit mehr Noten eines gereiften Virginias, der an alte Dunhill-International-Zigaretten erinnert, Skiff mit mehr Fülle und weicherem dampfbehandeltem Virginia. Die Orienttabake sind ohnehin weich und cremig im Rauch, und beide Tabake sind besonders dann, wenn man die Pfeife nur zu einem Drittel füllt (oder eine sehr kleine Meerschaum nimmt) wie eine „Turkish Cigarette“, eine reine Orientzigarette alter Art: weicher, milder Rauch, kaum spürbar, selbst wenn man ihn inhaliert, aber beim Ausatmen durch die Nase (oder beim Einziehen des dem Mund entweichenden Rauchs mit den Nüstern) von weihrauchwürziger Aromenfülle.
    Der Orienttabak in Skiff ist vermutlich Smyrna/Izmir (die ausgeprägte Süße spricht dafür); bei EMP sind vielleicht auch mazedonische Tabake im Spiel (Xanthi/“Basma“). Beiden ist jedenfalls reiner Orient (Blendingtabak) ähnlicher als alle anderen englischen oder „Balkan“-Mixtures.

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