Orlik Golden Sliced – der treue Begleiter

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Es gibt Tabake, die sind wie die guten, alten Bekannten. Man denkt nicht ständig an sie, aber sie werden bei keiner Einladung vergessen. Und je länger der geneigte ambitionierte Pfeifenraucher ein solcher ist, umso mehr versammelen sich diese Tabake um ihn. Manchmal frönen sie ein Schattendasein, dann wiederum entsteht nach einer wohlfeilen Unterhaltung unter Gleichgesinnten oftmals der Vorsatz: ja, unbedingt, da öffne ich mal wieder eine Dose. Aus meinem „immerwährenden“ Portefeuille fallen mir da einige treue Bootsmänner ein: Capstan Blau, Erinmore Flake,  der Richmond Navy Flake – ein Tabak, der alles verzeiht, selbst die größe Gurke aus der Pfeifensammlung oder ein falsches Befüllen, die Legenden Penzance, Kingfisher oder Pelican und …. Orlik Golden Sliced.

Den Orlik Golden Sliced hat es gefühlt schon immer gegeben. Ich glaube gar, bereits zu Reformationszeiten. Nach Deutschland kam er um 2002. Nach Jahren der Stabilität hat sich sein Gewand einige, wenige Male geändert: aus der feinen, kleinen 50g Dose wurde die flache Rechteckdose und seit der fürchterlichen Gleichmacherei und den staatsverordneten Todesandrohungen gibt es nur noch 50g Pouches und die 100g Rundbüchse. Zum Glück wurde einer der drei schönsten Claims / Slogans unserer Tabakswelt beibehalten: neben dem unschlagbaren „Feuer, Pfeife, Stanwell“ und dem „Thinking Man“ von Peterson, das unnachahmliche “ SMOKED BY ALL SHREWED JUDGES“.

Sollte Pflicht sein: wer OGS raucht, muß währenddessen eine Perücke tragen

Es gibt Gerüchte, dass der Bundesfinanzminister zukünftig auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer verzichten wird, weil diese diametral den Aufkleber-Drohungen zuwiderläuft. Na ja, ein wenig Logik könnte man doch auch in solchen Ministerien verlangen, aber das scheint geradezu ausgeschlossen.

Mit Ausnahme einiger 100g Runddosen sind meine „rechteckigen Slices“ ausnahmslos aus der älteren Generation, die kleinen 8 x 6er wie auch die 9 x 8er. Einige sind gebacken, das Gros aber nicht. Für dieses Review öffne ich eine kleine und eine größere Rechteckdose, beide ungebacken, sowie eine 100g Runddose. Die Kleine kaufte ich 1996 in Copenhagen und sie ist dänisch bedruckt, die Große 50 g stammt aus diversen US Lieferungen von 2008, das sind immerhin auch schon über 13 Jahre!

Hersteller dieses Virginia Flakes ist STG, die Scandinavian Tobacco Group, der weltweit wohl größte Tabakskonzern, genauer dessen TochterOrlik Tobacco Company A/s mit Sitz in  Assens Dänemark. Der Flake besteht aus gepressten hellen und dunklen Virginia Tabaken und -jetzt wird es kurz verwirrend – entweder mit einer kleinen Zugabe von Burley oder Perique. Ich schmecke weder Burley noch Perique deutlich, Letzteren noch eher, aber mir liegen Dosen mit unterschiedlichen Angaben vor. Die „deutsche“ Runddose sagt darüber nichts aus:

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Nehmen wir es genau, dann ist Perique ein „gepimpter“ Burley, dem weitere Ingredienzen zugesetzt werden und der in Eichenfässern lange gelagert wird. Also halten wir uns mit den Orlik Unklarheiten nicht weiter auf, vielleicht ist es ja auch schlichtweg ein Druckfehler.

Der Schnitt des Flakes ist ein Band, wie wir es auch vom hervorragenden Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) her kennen. Hell- und dunkelbraun gesprenkelt, liegt es säuberlich gerollt in der 100 g Dose. Der Duft ist so wundervoll naturrein, daß ich nicht an eine oftmals zu lesende Aromatisierung glaube. Hervorstechend ist einé satte, virginiatypische Heunote, der sich ein feines, leicht süßliches Aroma (Zitrone, Pflaume?) unterordnet. Dieses entsteht sicherlich durch die lange Reifezeit während der Pressung und nicht durch irgendwelche Flavours.

Vom Tabakband schneide ich ein ca. 8 cm langes Stück und befülle eine mittelgroße Jörgen Larsen mit einer Mischung aus Knick&Falt und ein wenig aufgedröseltem Tabak. Trotz des Alters ist die Konsistenz perfekt und das Anzünden geht problemlos. Sobald die obere Schicht glimmt, entsteht ein gleichmäßiger Abbrand, der – langsames Rauchen und sorgfältiges Andrücken der Asche vorausgesetzt – ein perfektes Rauchvergnügen schafft. Der Orlik Golden Sliced ist ein mittelstarker bis eher leichter Flake, dessen Gesamteindruck am besten mit dem Attribut beschrieben ist, das ich schon einmal beim Honey Dew Flake verwendet habe: Süffig ! Über die gesamte Pfeifenlänge bleibt der Rauch weich und wird niemals bissig.

Vorherrschend im Geschmack sind die leicht rauhen Virginias und deren trockensüßlich-säuerliche Stroh- oder Heunoten. Ich bemerke einen herben, leicht pfefferigen Zitruston, geröstetes Brot, leichte blumige und säuerliche Noten, aber ich schmecke keinen Burley. Burley in geringer Dosis hilft, eine Mischung zu homogenisieren. Allerdings benötigt der Blender eine ziemliche Menge von diesem Tabak, wenn er den Burleygeschmack stärker zur Wirkung bringen will. Das ist eben hier nicht der Fall.

Zum Ende hin nehmen die Aromen zu, werden komplexer, der Orlik wird leicht holzig und verdichted im Geschmack, aber keineswegs unangenehm. Fragt jemand nach dem Kondensat: bei mir gibt es keines!

Für Raucher, die reinen Tabakgeschmack mit einem winzigen Hauch von Süße mögen, ist der Orlik Golden Sliced genau der Richtige. Er enthält außerdem genug Nikotin, um ein gelungenes Rundum-Vergnügen zu gewährleisten. Ich halte nicht viel von dem Prädikat „All Day Smoke“ , das für mich einen Tabak eher abwertet. Dennoch: den Orlik rauche ich regelmäßig – mit Lust.

TIPP: Aromatenliebhaber werden mit ihm möglichwerweise einen leichteren Einstieg in die Virginia Welt finden, ein Versuch ist es wert.

 

In Vorbereitung: Review Orlik Dark Strong Kentucky

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Unternehmer, Segler, Reisender [..unser Mann in Asien]. Intensiver Marktgeher, immer an Feuer & Herd, sofern in der Nähe. Email an den Autor  

2 Antworten

  1. Jürgen Gradenegger sagt:

    Ja lieber Bodo,

    Der OGS ist der ideale Einstieg in die Viginiawelt! Bei mir hat es vor gut 18 Jahren jedenfalls geklappt. Über den Viginia No.1 und den Dark Twist von MacBaren bin ich damals auf diesen Klassiker gekommen. Seither rauche ich ihn überweigend ab Mai in den Sommermonaten serh serh gerne. Wobei mir der Preisanstieg für die 100g Dose auf 27 € doch zu schaffen macht. Wahrscheinlich werde ich da auf den Jannemann als Alterantive wechseln. Auch der Solani 633 wäre eine Möglichkeit. Dr sagt mir aber rnciht ganz so zu. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich mich gänzlich vom OGS abwenden werde, keines Falls! Ichwerde ledigleich auf mein Vorräte zurückgreifen und/oder mit den 50g Pouches vorlieb nehmen, wenn mich die Lust auf diesen Tabak überkommt. Er ist und bleibt nicht ohne Grund ein echter Klassiker.

    Liebe Grüße

    Jürgen Gradenegger

    • Servus Jürgen, watnixkossisaunix. :). Die Runddose, die ich für das Review geöffnet habe, kostete seinerzeit 21,50€. Lt. Strichcode (s.auch. Foto Label Rückseite im Review) stammt sie aus dem Jahre 2011, ist also 10 Jahre alt. Damit haben wir bis heute einen Preisanstieg von 23,85% innerhalb von 10 Jahren, jede Buttersorte oder jedes Bio Ei hat das auch hingelegt, oder beachte die Preisentwicklung bei Whisky, Grappa, Rum und jetzt bei Gin. Ich warte nur noch auf einen Hype bei Steinhäger, Bärwurz und destilliertem Wasser …..

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