Ungleiche Brüder: Peterson Irish Flake und University Flake

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Lässt man die berühmten Adoptivkinder aus der Familie Dunhill einmal außen vor, dann tummelt sich unter dem Dach des Irischen Hauses Peterson schon seit Jahrzehnten eine kleine Schar von Tabak-Persönlichkeiten, die zu kennen gewiss kein Fehler ist. Zwei Flakes sind darunter, die vieles gemeinsam haben, insbesondere einen hohen Anteil an Burley und den Ruf, recht kräftige Burschen zu sein, denen man besser erst nach einer ausgiebigen Mahlzeit begegnen sollte. Rein optisch besteht große Ähnlichkeit: überwiegend mittelbrauner Tabak mit einem ordentlichen Anteil an dunklem Blattgut und einigen hellen Einsprengseln.

Beide Flakes basieren auf Burley und Virginia, darunter ein größerer Anteil Dark Fired, die Dosen-Prosa dazu ist wie üblich eher unbrauchbar. Sowohl dem Irish, als auch dem University wurde ein dezentes Casing mit auf den Weg gegeben, das an trockene Pflaumen oder Feigen (wer sagt als erster „Kletzenbrot“?) erinnert. Beim Irish Flake – und das ist der erste markante Unterschied – wird bereits der Geruch aus der Dose von einem massiven Leder-Duft des Dark Fired dominiert, beim University wird der DFK dagegen eher zurückhaltend als „Gewürz“ eingesetzt.

Dark Fired Tabake (meist ist ein Burley aus Kentucky die Basis, aber die Feuertrocknung ist prinzipiell auch z.B. bei Virginias möglich) sind derzeit schwer in Mode, kaum eine Neuerscheinung aus der englisch-naturbelassenen Ecke kommt ohne sie aus. Der Tabak hat auch viel zu bieten, er ist prägnant erdig-würzig, wirkt aber weder im Geschmack noch im Raumduft so aufdringlich wie Latakia. Zudem hat er ordentlich Gehalt und spricht damit auch langjährige oder stärkere Raucher mit höherer Nikotin-Toleranz an. Für mich persönlich wäre hier weniger oft mehr. Der Irish Flake ist sicher noch kein Samuel Gawith 1792 Flake, aber spürbar stärker als der University Flake.

Der University Flake bietet für mich das rundere Gesamtpaket: Das ist ein voller, gut mittelschwerer Tabak, das Casing unterstützt die Virginia-Süße und den weichen Burley, der Anteil DFK ist gerade hoch genug, um deutlich wahrgenommen zu werden, ohne alles andere plattzumachen.

Beim Irish Flake ist dagegen die Menge an Würztabak so hoch, dass man schon ein besonderer Liebhaber des Dark Fired sein sollte, inklusive der Nebenwirkungen – Nikotingehalt, aber auch eine zunehmende Bitterkeit des Rauchs, die auch nicht mehr durch das noch dezent spürbare Casing kompensiert wird. Die Vorgängerversion des Irish – von Mac Baren produziert (Steuernummer 10102) – war sogar noch etwas markanter und rauchiger, balancierte dies dafür aber mit einer süßen Schwere aus, die die Neuauflage von STG (Steuernummer 517) nicht mehr ganz schafft. Im Tabakbild ist der Mac Baren dann auch um einiges dunkler, selbst die Virginias leuchten eher ockerfarben als golden aus dem satten Umbraton des Flakes heraus.

Überhaupt die Geschichte der Peterson-Tabake: Ursprünglich von Murray (wie auch die „alten“ Dunhills) in Irland hergestellt, später bei Kohlhase & Kopp, dann bei Mac Baren, bis die Tabak-Marke Peterson schließlich 2019 von der Scandinavian Tobacco Group übernommen wurde. Jedes Haus hat die Rezepte wohl etwas unterschiedlich interpretiert, es gab im Laufe der Jahrzehnte mit Sicherheit auch Verwerfungen in der Beschaffenheit der zugrundeliegenden Rohtabake. Die Unterschiede sind nicht riesig, so mancher Effekt entsteht zudem auch durch die jahrelange Lagerung, aber gerade bei Mac Baren habe ich den Eindruck, dass man dort den Umgang mit Dark Fired beherrscht wie wohl kaum irgendwo sonst. Der ungesoßte „Original Cavendish“ beispielsweise, den Mac Baren entwickelt hat und in vielen Mischungen einsetzt, ist nichts anderes als ein Dark Fired Kentucky, der durch Nachfermentierung unter Druck und Hitze geschmacklich charakteristisch bleibt, aber runder und gleichzeitig milder wird. Man probiere nur den großartigen Stockton! Wer weiß, vielleicht hatten sie bei ihrem Irish Flake einen kleinen Teil von diesem Cavendish beigemischt…vielleicht ist meine lang gelagerte Dose aber einfach nur etwas altersmilde geworden, der „neue“ von STG ist dagegen maximal einige wenige Monate alt, so ein Vergleich ist immer etwas unfair.

Beim University Flake ähneln sich übrigens die Versionen von Mac Baren und STG noch mehr als beim Irish. Auch hier ist der STG eine Nuance heller im Tabakbild, die verwendeten Virginias riechen etwas mehr nach Heu, während der Mac Baren wohl auch beim University etwas stärker auf „matured“ Virginias zurückzugreifen scheint. Sättigend und natursüß sind sie beide und wenn man sie nicht wie ich gleichzeitig-abwechselnd in baugleichen Pfeifen (hoffentlich auch gleich gestopft und angezündet) raucht, wird man sich schwer tun, allzu gravierende Unterschiede festzumachen.

Fazit

Beide Tabake sind eine Empfehlung für die späteren Abendstunden, wenn es etwas kräftiger zugehen darf. Der University Flake ist ein All-Time-Klassiker, der auch in seiner jüngsten Inkarnation sehr stimmig und ausgewogen ist. Insbesondere das leichte Casing ist harmonisch auf den Tabak abgestimmt und keinesfalls dominant: Das ist KEIN „Aromatabak“ – weder im klassischen Sinne, noch gar ein modernes Früchtekompott oder ein Lakeland’scher Geranientopf. Sein nächster Verwandter dürfte der St. Bruno Flake sein, der allerdings eine deutlich markantere Aromatisierung in eine ganz andere Richtung (Essig/Florales) aufweist und eine Spur leichter ist.

Der Irish Flake war und ist für mich dagegen ein Tabak für eher rare Gelegenheiten. Meist ist er mir einfach zu stark und dann finde ich tatsächlich die Vorgängerversion von Mac Baren mit ihrer süßen Rauchigkeit gelungener. Wer so etwas wie eine Alltagsversion vom Samuel Gawith 1792 sucht, könnte allerdings viel Freude an dem Iren aus Dänemark finden.

Und wer sich für die Interpretationen dieser Klassiker aus dem Hause Kohlhase & Kopp interessiert, der mag ja den Stirling und den Wallace Flake (Rattray’s) etwas näher unter die Lupe nehmen.

 

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Andreas Krebs

Andreas Krebs, Psychologe mit großer Affinität zur Informatik, experimenteller Elektronik-Musiker und Sachbuchautor, Freund großer Hunde und moderner Literatur, Tarotpsychologie-Blogger und grundsätzlicher Liebhaber von Dingen, die mehr Arbeit als Ruhm und Reichtum mit sich bringen.

3 Antworten

  1. Avatar Beat sagt:

    Seit über 5Jahren ist der Irish Flake, respektive Stirling Flake (etwas günstiger, als der Irish Flake, aber von selber Qualität) mein allabendlicher Begleiter.
    Allerdings: er ist kräftig, aber keineswegs zu stark, da gibt es ganz anderes…

  2. treffend beschrieben: mir ist der Irish Flake einfach zu stark, so daß ich mich nur schlecht auf das Geschmacksfeld konzentrieren kann. Der University Flake hat schon was, für mich aber nur als Gelegenheitsrauch, das nehme ich auch als Bestätigung aus diesem detailreichen Artikel mit.

  3. Avatar Andreas Krebs sagt:

    @Beat: Ja, der Irish Flake ist sicher nicht die Spitze des Eisbergs, was Stärke betrifft, der erwähnte 1792 z.B. ist schon noch eine andere Hausnummer, aber die Luft wird schon dünn. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nach den ausgiebigen Tests mit mehreren Versionen der beiden Iren aus Dänemark dann irgendwann doch ein unwiderstehliches Bedürfnis nach einer harmlosen Pfeife voll „Black Diamond“ bekommen habe – ebenfalls ein moderner Klassiker, aber in mancherlei Hinsicht das krasse Gegenteil der beschriebenen Tabake…
    @Bodo: Der University Flake ist für mich tatsächlich der „Peterson“ schlechthin und die sehr geringe Variation bei ganz unterschiedlichen Herstellern zeigt, dass man von diesem speziellen Rezept besser nicht allzu weit abweichen sollte. Sehr schmerzlich vermisse ich allerdings das Verschwinden des „Irish Oak“ vom deutschen Markt: Das war ein sehr gelungener Virginia-Burley-Perique, den leider auch der (sehr gelungene) HU Makhuwa nicht wirklich ersetzen kann.

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