Three Nuns – Die gelbe Nonne

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Armand_Gautier – Three Nuns in the Portal of a Church (Quelle Wikipedia)

Lange Vorreden kann ich Ihnen ersparen, lieber Leser, denn über den original Three Nuns ist bereits alles gesagt. Über die bewegte Geschichte des Tabaks, der wie ein Wanderpokal von Bells, zu Imperial, zu Ogden, Orlik und jetzt bei MacBaren gelandet ist, hat Bodo Falkenried hier schon berichtet. Aber es gibt auch etwas neues aus der Tabakwelt zu berichten: Endlich sind es wirklich 3 in Worten DREI Nonnen. MacBaren hat den beliebten Curly in zwei weiteren Variationen auf dem Markt gebracht. Neben der traditionell roten Dose finden sich im gutsortierten Fachhandel nun auch eine gelbe und eine grüne. Wir als wichtige „Influenza“ der Tabakbranche, sind mit zwei Testdosen bedacht worden und dieser schweren Aufgabe, sie gründlich zu rauchen, habe ich mich angenommen. Einer muss es tun. Da ich bei Pfeifen Huber schon mal eine Füllung des Grünen geschnorrt hatte, interessierte ich mich am zuerst für die gelbe Nonne. Was beim Öffnen der Dose – wie eigentlich bei MacBaren immer – sofort auffällt, ist das gefällige Tabakbild. Sehr ordentlich haben die Dänen die kleinen Curlys in die Dosen gelegt. Sie sind kaum zerbröselt und bieten einen sehr appetitlichen Anblick. Leider habe ich gerade kein rotes „Original“ vorliegen, deshalb kann ich nicht direkt vergleichen. Ich meine aber zu wissen, dass der Rote etwas dunkler ist, aber ich kann mich auch täuschen.

Der Geruch ist gefällig, Virginia eben, allerdings mit einer leicht zigarettigen Note – Burley? Ich rieche keine Zusätze, Aromen oder Casings, es scheint sich wirklich um einen naturnahen Virginia zu handeln, der allerdings auch kaum Süße zu haben scheint. Ich knicke und zerbrösle die Curleys leicht und stopfe sie in die Pfeife. Der Tabak ist perfekt konditioniert und brennt sofort und gleichmäßig, es gibt nichts zu beanstanden, die Qualität ist einwandfrei. Es ist tatsächlich ein Virginiatabak ohne erkennbare Süße, aber das will ich keinesfalls kritisieren, nur erwähnen. Ich habe ungefähr fünf Füllungen geraucht und bringe meinen Freunden vom Münchner Pfeifenclub die Dose zum freitäglichen Clubabend mit, damit auch sie sich ein Bild von der gelben Nonne machen können.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Herr Falkenried ein paar Dosen Three Nuns aus den Vorgängergenerationen dabei hat und so komme ich zu einer Pfeife mit der Orlik Version der Three Nuns. Das war für dieses Review leider fatal. Der Three Nuns Yellow ist ein angenehmer Tabak, schöne Virginia-Curleys, geschmacklich aber leider auch etwas nichtssagend. Der Orlik ist dagegen kräftig und vollmundig, voller Aromen und einer unglaublichen Geschmacklichkeit, wie ein Louisiana auf Amphetaminen.

Vergleiche ich die beiden Tabake mit Brot, so habe ich nach dem Genuss einer Scheibe „Golden Toast – Vollkorn“, von einem fränkischen Natursauerteig-Roggenbrot abgebissen. Danach kann man den Toast leider nur noch mit „ja, war ganz okay“ beschreiben, tut mir leid.

Vermutlich war das jetzt furchtbar unfair, dass ich Äpfel mit Birnen, Toastbrot mit Nonnen und auch sonst was verglichen habe, aber so ist es nunmal.

Den Three Nuns Yellow kann man durchaus rauchen, aber wenn man den Preis von 17,20 Euro für 50g bedenkt, kann man tatsächlich nur noch mit dem Kopf schütteln, wie ein bayrischer Gastwirt bei dem man ein „kleines Pilseken“ bestellt hat. Für nicht mal die Hälfte bekommt man zum Beispiel einen Huber Virginia Flake, der deutlich mehr her macht.

Als nächstes werde ich die „grüne Nonne“ in Ruhe rauchen und verkosten und hoffe, etwas mehr Positives berichten zu können …

 

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Alexander Broy

Alexander Broy ist Künstler, Flaneur und Blogger mehr von ihm gibt es in seinem Künstlertagebuch unter: http://broy.de zu lesen.

5 Antworten

  1. Avatar Erno Menzel sagt:

    Mac Baren macht exzellente Virginias. Wenn Amphora auf dem Pouch steht, so geht dieser unbemerkt an vielen vorbei, steht aber Three Nuns auf der Dose, so ist die Aufmerksamkeit garantiert, wobei sich schon die Frage stellt, ob diese Version in die Reihe passt. Es ist ein guter Virginia, Ecken und Kanten hat er daher nicht, so dass ich ein bisserl den klösterlichen Charakter der guten alten Zeit vermisse, den die beiden anderen Varianten liefern. Die Klagen über den Preis finde ich langsam albern. Wir zahlen, wie bei Dunhill oder Davidoff, auch für den Namen, das Gefühl, die Tradition etc., warum sollte das der Hersteller nicht nutzen, denn wir lassen die Tabake ja nicht im Regal stehen. Man stelle sich nur einmal vor, die neuen Nonnen wären für 10€ zu haben, was wären wir misstrauisch, den da kann ja wohl was nicht stimmen.

  2. Die drei Nonnen ante portas sind ein sehr schönes Motiv, fast möchte man sich zu ihnen gesellen. Und hält die Rechtsstehende am Ende sogar einen alten Bells Three Nuns in der Hand? Denke ich allerdings an dieses hier, dann rauche ich den Three Nuns Yellow -sollte es jemals zu einer Wiederholung kommen- doch lieber im Münchner Club.
    Erno hat natürlich Recht, der Preis spielt überhaupt keine Rolle, schließich geht es hier um unseren Genuß. Allerdings bemerkenswert finde ich in dem Fall nicht die Hochpreisigkeit an sich, sondern gerade diesen besondern Preis. Denn 34,40€ für 100 g stehen in einem lächerlichen Verhältnis zu dem Top Curly Stockton aus dem gleichen Hause, der ca 24€ kostet. Vermutlich soll die tabakhistorische Stellung der Three Nuns marrkkettingorientiert berücksichtigt werden.
    Wenn dann aber eine geschmackliche Eindimensionalität -ich sage sogar Langweiligkeit- geboten wird, dann ist die preisliche Aufmotzung ein Witz.
    Da bleibe ich beim Stockton – nicht wegen des Preises, sondern wegen herausragender Qualität und einem ebensolchen Geschmack. Bleibts mir weg mit dem Zeugs. :))

  3. Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

    Supermarktmethoden halten Einzug in der Tabakwelt. Schiere Masse als Kaufreiz. Wenn auch 3x tema con variazione nichts ist im Vergleich zu 35 ähnlichen Zahnpasten, 72 ähnlichen Shampoos und ähnlichen Entscheidungsfallen ala „ich wollte ja nur eine Rasierklinge, aber die gibts jetzt auch mit Schnitthaar-Rechtsauswurfbügel oder mit Mundwinkelsicherheitsgitter. Am besten ich kauf alle drei“.
    Und so gehts uns jetzt mit dem Nonnentrio. Nachdem Jahrzehnte hindurch nach beruhigender Erinnerung an das letzte Top-EKG deren Kauf der Entschlußkraft des Einzelnen überlassen war, gehts jetzt schon los: Wieder die Rote? Oder Gelb? Aber dann die Grüne? Ojeh ojeh, ich nehm einmal beide, dazu das Original, wenn mir die neuen doch nicht so schmecken sollten.
    Ich weiß, wir handeln natürlich anders. Unbeeinflußt von solchen trickreichen Versuchungen der turbokapitalen Tabaklobby wird auch der Inhalt der grünen Dose unbarmherziger Benotung anheimfallen.
    Jedenfalls danke für den Bericht, ich hab mich nämlich nach zufälliger Entdeckung im Internet mich schon gefragt, worin sich die drei unterscheiden. Bis jetzt eigentlich doch recht wenig. Bis aufs Mundwinkelrechtsauswurfgitter.

    • Lieber Karl, mit dem „Schnitthaar-Rechtsauswurfbügel“, hast du mir meinen (Mon)tag gerettet, Danke.

      Jedoch: Fünf Klingen – fürs Recycling untrennbar mit dem Plastikbügel verbunden – rasieren für 4 Euro schlechter als eine 10 Cent Rasierklinge, darf man aber keinesfalls mit einem 17 Euro Curly in einem Satz nennen, der vielleicht nicht ganz so gut schmeckt, wie die Virginia-Hausmischung von Tabak-Hurzelmeier, das wäre unfair.

      Aber sollte ich wirklich so bitterböse texten, wie der Mann aus Tirol? Natürlich könnte ich titeln: „Wieder ein Tabak, den kein Mensch (b)raucht“? Aber wäre uns damit gedient? Manchmal versuche ich nett zur Industrie zu sein, weil ich hoffe, dass sie weiterhin versucht neue Produkte zu erfinden, weil ich – naiv, ich weiss – hoffe, dass irgendwann ein großer Wurf dabei ist.

      Vielleicht sollte ich es anders versuchen: „Danke für den Versuch Mac Baren, das hatte schon recht viel Schönes, trotzdem sollten wir es nochmal versuchen und diesmal anders. Aber nicht die Köpfe hängen lassen, sondern weitermachen. Und vielleicht vor dem Eindosen noch mal eben rauchen und sich fragen, ob das der Tabak ist, dem wir bei seiner Produktionseinstellung in ein paar Jahren bittere Tränen nachweinen können.“

      • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

        Bin ich denn wirklich so grantig? Ach wo. Deine und auch Peters und Bodos Review und Review-Reposten finden meinen unreduzierten Beifall. Und ich wage dann ein abstraktes Fernurteil:

        Meine Kurzfassung mit teilprophetischer Komponente: Bei Rot bleibt man stehen, bei Gelb hält man sich nicht allzulange auf und bei Grün eilt man von hinnen. Hoffentlich wenigstens nicht fluchtartig.

        P.S.: Meine letzte vor zwei Jahren angefangene rote Nonnendose ist im obersten Viertel der Entleerung im wahrsten Sinn stehengeblieben. Mit strohtrockener Konsequenz. Ist anscheinend gar kein Herzenswunsch.

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