Soraya | Ihre kaiserliche Hoheit von HU Tobacco

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Zunächst einmal muss ich mich für das lächerlich magere Fotomaterial bei Ihnen entschuldigen. Ausgerechnet, derjenige, der ständig die Tabaksdose als den heiligen Gral der Rauchwarenverpackung predigt, rezensiert die neueste HU Tobacco Kreation in einem Plastiksackerl. Dieser Umstand ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass ich diesmal nicht für das Dosendesign verantwortlich war und sich deshalb, weder Foto noch Dose in meinem Besitz befinden. Hans Wiedemann von HU hat mir den Soraya zum Probieren in diesem kleinen Plastiktüterl zugeschickt.

Das wird „ihrer kaiserlichen Hoheit, Soraya“ natürlich überhaupt nicht gerecht, vielmehr sollte der Tabak vielleicht in einem Fabergé Ei oder einem goldverzierten Ebenholzschachterl aufbewahrt werden, denn so viel möchte ich schon verraten, beim Soraya handelt es sich um eine wunderbar anmutige Orientalin.

Kaiserin Soraya Esfandiary Bakhtiary Bild: Wikipedia

Ich wollte den letzten Satz bewusst zweideutig halten, denn der Name dieses Tabaks könnte treffender nicht gewählt sein. Diejenigen, die sich noch an die Regenbogenpresse der 1950er bis 70er erinnern, sind mit dem Namen Soraya Esfandiary Bakhtiary vertraut. Soraya war die geheimnisvolle „deutsche“ Kaiserin auf dem persischen Thron. Naja, sie war nur halb Deutsche und halb Perserin und die erste Frau des letzten persischen Schahs (ja, genau der mit den Jubelpersern). Weil die Ehe kinderlos blieb, wurden sie jedoch geschieden und Soraya, die orientalische Schönheit, verbrachte ihre weiteren Jahre in der europäischen Jetset und war ein ständiger Gast in den Gazetten. Keine Ausgabe des Goldenen Blatts, der Bunte und Freizeit Revue ohne Fotos und Lügenmärchen journalistische Artikel über ihr glamouröses Leben an der Seite von Playboys Herren, wie Maximilian Schell und Gunther Sachs.

Und jetzt ist ihr eine sanfte und samtige Orient-Mischungen gewidmet (das ist eine absolut haltlose und dreiste Behauptung), die mir sehr gut gefällt und ich hatte ich schon einige Male das Glück den einen oder anderen Tabak aus Bodos Orientsammlung zu verkosten.

Obwohl der Tabak wenn überhaupt, nur homöopathische Mengen Latakia enthält, rauche ich ihn am liebsten aus einer Latakia-Pfeife ohne Filter. (Vielleicht deshalb, weil eine Spur Latakia im gut getan hätte?) Eine schöne, dunkle und geräumige Peter Hemmer Pfeife passt am besten zu dieser sanften Orientalin. Feingeschnittenes helles, gelbliches Tabakbild mit vereinzelten schwarzen Sprengseln. Mir ist nicht bekannt, welche Tabake im einzelnen in die Komposition eingeflossenstreuselt wurden, jedenfalls harmonieren sie perfekt. Hans Wiedemann hat diese Kreation mit Mitgliedern des Forums Pipe Dreams geschaffen. Drei verschiedene Orienttabake, etwas Virgina, Perique, Burley und einen Spur Black Cavendish sollen sich in der feinen Mischung befinden, heisst es, aber wir alle wissen: der gute Hans lässt sich nie ganz in die Karten blicken.

Alle Freunde des Orients, welche die großartigen Orient-Tabake von McClelland jetzt schon vermissen, sollten den Soraya unbedingt einmal probieren und auch denjenigen, welche einmal Orienttabake ohne Latakia probieren möchten, sei dieser Pfeifentabak empfohlen.

Ich schreibe diese Zeilen im ICE nach München – wo Soraya im Übrigen auf dem Westfriedhof begraben liegt – und freue mich sowohl auf die lieben Freunde im Pfeifenclub, als auch das letzte Restchen Soraya-Tabak dort geniessen zu können. Ich werde definitiv ein paar Dosen davon bei HU-Tobacco bestellen.

Alexander Broy

Alexander Broy ist Künstler, Flaneur und Blogger mehr von ihm gibt es in seinem Künstlertagebuch unter: http://broy.de zu lesen.

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8 Antworten

  1. Servus lieber Reisender, Du kommst mir fast vor wie Alexandre Dumas, der Erfinder der Postkutschen-Kolportage. Der hat alles nur in seinen Kutschen geschrieben, immer unterwegs
    Soraya, ein wohlbekannter Name aus meiner Kindheit, zum Glück erschien in der Welt am Sonnabend, die es bei uns gab, auch Klein Tinchen & Vetter Flax und Prinz Eisenherz.
    Nun aber hast Du ein Flämmlein entzündet und ich werde wohl mal in den Aromatentopf hinein riechen müssen. Vielen Dank.

  2. Das verstehen vielleicht (hoffentlich) nur wir Zwei: …….hätte Hanitzch das gezeichnet oder Du, wäre es passend, aber so ……………..

  3. Jean-Michel sagt:

    Wunderbares und noch dazu treffliches Review unserer „Soraya“! Vielen Dank! Dose und Bilder werden selbstverständlich nachgeliefert. 😉 Die halbdeutsche Kaiserin war allerdings nicht Namensgeberin, jedoch schmückt sie Ihre Geschichte und unseren Tabak würdevoll, daher lasse ich es gern so stehen. 😁

  4. Erno Menzel sagt:

    Da hatte ich doch wirklich geglaubt, dass nach den Highlights Manyara und White Horses, zum Untouchables schweige ich vornehm, eigentlich der Hans seine diesjährige Pflicht und Schuldigkeit mehr als erfüllt hätte. Und dann setzt er doch tatsächlich noch einen drauf. Orient mit ordentlich Kawumm, eingebettet in gereiften Virginia, nie eintönig, immer erkennbar. Danke allen, die daran beteiligt waren.

  5. Jens-Helge Gottschall sagt:

    Nachdem ich auch eine überaus großzüge Probe eines Freundes aus München erhalten habe, die für zusammengefaßt viereinhalb Stunden gereicht hat, komme ich zu einem anderen Ergebnis, als hier sich zum Tabak eingelassene Vorschreiber.
    Der Tabak ist gut, rein qualitativ betrachtet. Eine schöne leichte, fast fein zu bezeichnende Süße ist omnipräsent, allein der oben beschriebene „Kawumm“ wollte sich nicht einstellen. Der hätte allerdings auch nicht zu einer derart fragilen Schönheit gepaßt. Für einen Orientalen ist mir der Tabak eindeutig zu flach, der Orient ist keineswegs im Vordergrund, jedoch ist der Tabak für den, der diese leichtere Richtung bevorzugt mit Sicherheit allererste Wahl, denn der Tabak brennt bewundernswert langsam und aromastabil ab. Witzigerweise paßt der Tabak in meiner Vorstellung genau zur Namenspatronin, umwölkt von einem feinen Parfüm aus 1000 und einer Nacht, aber zur Auslobung als Orientmischung nun ganz und gar nicht.

    • Lieber Jens-Helge,
      was den „Kawumm“ angeht, so habe ich den auch nicht wahrgenommen, da gebe ich dir recht und auch damit: Soraya ist eben nur zur Hälfte Orientalin …
      Aber die persische Kaiserin ist ja eigentlich gar nicht die Patronin, das habe ich ja dreist erfunden 🙂

  6. Erno Menzel sagt:

    Werde mich zukünftig um deutlichere Ausdrücke bemühen😉. Kawumm war im Sinne von deutlich als Orientblend, der für mich klar den Ton angibt, definierter Tabak gemeint, ein Bezug zur Stärke der Mischung war nicht beabsichtigt. Da Orient eher als duftig, luftig, blumig empfunden werden kann, verbessere ich das Kawumm in bazardeske Tiefe.👍

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