HU Tobacco | Nebari

Nebari? Als erstes musste ich mal recherchieren, was es mit dem Namen auf sich hat. Hans Wiedemann hat einen neuen Tabak lanciert und hat diese Mischung zusammen mit dem Pfeifenmacher Tobias Höse kreiert. Hinter Tobias Höse steht die Marke „Bonsai-Pipes“ und jetzt kommen wir zur Frage nach dem Namen des neuen Tabaks: Nebari steht für das sichtbare Wurzelgeflecht dieser Miniaturgiganten und ist ein bedeutendes Kriterium für die Schönheit eines Bonsais.

Bonsai

Bonsai im Botanischen Garten Singapur

Nun bin ich zwar ein leidenschaftlicher Gärtner, aber mich interessieren eigentlich nur Pflanzen, die man essen kann oder aus denen man etwas trinkbares machen kann – vorzugsweise mit Alkohol… Die Welt der Bonsais ist mir vollkommen fremd, aber auf Tobias Höses Homepage erklärt er seine Verbindung zwischen Bonsai-Gärtnern und Pfeifen. Zu den Pfeifen kann ich nichts sagen, denn ich habe noch nie eine in der Hand gehabt, aber was man auf der Homepage sieht, wirkt sehr seriös und professionell gemacht! Hans Wiedemann hat auf seiner Seite HU Tobacco einen Text zum Tabak publiziert.

Nebari Tabak

Kommen wir zum Tabak: Hans charakterisiert den Tabak wie folgt: „Der NEBARI ist ein kontrastreicher Orientblend, welcher durch Virginia und Burley ready rubbed Tabake, Cube Cut Anteile und ordentlich Perique herrlich ergänzt wird und alle Facetten eines interessanten Tabakblends zu zeigen versteht.“ Diese Charakterisierung ist absolut treffend und doch auch ein bisschen irreführend zugleich. Warum?

Nebari

Schauen wir uns das Tabakbild an, dann haben wir hier eindeutig einen Orientblend erster Güte, denn das grünliche Orient-Blattgut dominiert eigentlich das Tabakbild, es hält sich in etwa die Waage mit den verschiedenen helleren und dunklereren Brauntönen und dem rudimentären Schwarz des Rests. Ein helles Tabakbild mit einem solchen Orientanteil sieht man nicht so häufig. Wie überhaupt eine solche Mischung eher Seltensheitswert hat. Spontan fällt mir nur ein Blend aus Cornell & Diehls „Hebraica“ Reihe ein, den ich vor Jahrhunderten mal geraucht habe, als die Reihe auf den Markt kam. Wie der hieß, habe ich vergessen und geschmacklich war der auch ganz anders.

Aufgrund des Schnitts ist das Stopfen des Nebari vollkommen problemlos ebenso wie das Entzünden und der Abbrand, gleichmäßig langsam, was alles zusammen der perfekten Feuchtigkeit, mit der der Nebari konfektioniert ist, geschuldet ist. Es ist jene hohe Qualität, wie man sie von Kohlhase & Kopp, wo der Tabak herkommt, gewohnt ist.

Entzündet man den Nebari hat man sofort einen breiten, voluminös malzig süßen Geschmack im Mund mit deutlichen schokoladigen und nussigen Noten. Der Tabak wirkt wie ein breiter Teppich, cremig und deutlich erdig zugleich. Alles schreit uns an: die Virginias, der Burley und die Trockenfrüchte des Periques mit seiner leichten Säure, der Schokoladigkeit des Burleys ist etwas nachgeholfen, die Nussigkeit wie Gebäck und Malzsüsse im Überfluss. Gar nicht langweilig oder eindimensional sondern attraktiv und wohlschmeckend! Das Alles ist sofort präsent, aber wo ist der gewaltige Oriental-Anteil?

Nebari

Nebari mit einer alten WO Larsen Bulldog

Auf die Orientals muß man ein bisschen warten. Ein paar Minuten nur. Keine fünf Minuten. Dann verändert sich der Charakter des Tabaks auf wundersame Weise: plötzlich fängt dieser breite, süße und erdige Teppich an zu schweben! Aus unserem schweren schönen Vorleger wurde im Handumdrehen ein fliegender Orientteppich. Die Orientals fügen dem Tabak eine Tee-ähnliche Basis hinzu, die absolut ätherisch wirkt und die der Virginia/Burley/Perique-Komposition eine gehörig geschmeidige Portion Leichtigkeit verleiht. Je langsamer und kühler man den Tabak raucht, desto stärker ist diese Wirkung und das ist auch der Grund, warum sie nicht sofort beim Entzünden schmeckbar ist.

Nun sind Orientals per se keine sehr geschmacksintensiven Tabake, was für den Nebari bedeutet, dass der Nebari trotz des eminenten Orientanteils geschmacklich doch eher ein Burley- Virginia- Perique Blend ist, nur eben einer, dem die Orientals einen recht einzigartigen Charakter hinzufügen. Und das ist ziemlich gut proportioniert, denn diese ätherische Leichtigkeit nimmt erst ganz zum Schluß der Füllung ab, wenn der Tabak stärker wird und vor allem die Virginias das Ruder übernehmen. Mir gefällt der Nebari ausgesprochen gut. Man kann ihn immer mit Genuss rauchen, er ist zwar kräftig, aber weit davon entfernt ein starker Tabak zu sein.

 

2 Antworten

  1. Bernd Fleischmann sagt:

    Die obige Analyse ist absolut treffend. Als ich in der Münchner Runde diesen Tabak zum ersten Mal probierte, stellte sich mir die Frage: Wo ist hier der Orient? Ich meinte, eine gelungene Virginia-Perique Mischung in der Pfeife zu haben. Erst nach einiger Zeit machte sich dieser ätherische Geschmack, der für mich immer schwer zu beschreiben und einzuordnen ist, breit. Schwer einzuordnen deshalb, weil ich wenig Erfahrung mit Mischungen habe, die einen so hohen Orientanteil bereitstellen. Mich konnte dieser Tabak auf ganzer Linie überzeugen. Als alter Karl May Leser werde ich mir dann eine Tschibuk mit diesem Tabak füllen und „In Den Schluchten Des Balkan“ lesen.

  2. Was mich am allermeisten an diesem Tabak fasziniert hat, war der intensive Geruch nach Vollmilch-Nuß-Schokolade in der Dose. Dieses Aroma schien nach dem Anzünden völlig verschwunden zu sein, tauchte dann aber ganz dezent (schliesslich ist es ein HU-Tabak) nach circa 10 Minuten wieder auf. Ob dies dem Casing, oder dem Tabak selbst zu verdanken ist, vermag ich nicht zu sagen. Der Tabak war für mich teils einfach und naturnah, dann immer wieder überraschend schmackhaft, aber zu jedem Zeitpunkt gut.
    Eine sehr gelungene Mischung.

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