Tabak & Digital Hype

Tabakliebhaber, die unsere Vorstellungen von Tabaken -sogenannte reviews- und die vielen Anmerkungen dazu von Zeit zu Zeit oder gar regelmäßig lesen, sind genau solche: anspruchsvolle Geniesser, die neben dem reinen Genuß immer eine gewisse „Umgebung“ brauchen. Sei es eine räumliche, eine gesellschaftliche oder eine, die der Tabak durch Format und Verpackung mitliefert.

In letzter Zeit ist mir auf digitalen Plattformen eine verstärkte Erwähnung von Tabaken des Pfeifen und Tabakdepot Motzek in Kiel aufgefallen, das in Nachfolge von Herbert Motzek nun von Thomas Darasz (TAK Tabak aus Kiel)  übernommen und weitergeführt. Hatte ich aus früheren Zeiten gelegentlich den Motzek-Curly Strang als im Vergleich zu ähnlichen Formaten als zwar rauchbar, aber nicht herausragend in Erinnerung, war mir bisher das frühere und das jetzige Programm mehr oder weniger unbekannt geblieben. Und kann nach den aktuellen Raucherfahrungen auch weitgehend so bleiben.

Besonderes? Leider -wie so oft – eine weitgehend haltlose Marrckettting-Aussage

Nun wissen wir alle, das „Geschmäcker verschieden“ sein können. Zuviele Faktoren spielen bei der Beurteilung von Genüssen eine Rolle, bis hin zur momentanen mentalen oder physischen Verfassung. Gerade vergangene Woche vertieften wir uns im Freitags-Club der Münchner Runde in das Thema „was ist scharf und wie scharf darf es sein“ und waren uns mit Zuhilfenahme dieses hervorragenden Artikels über Chili einig, daß oftmals die persönliche Tagesform eine Rolle spielt.

Um dieses Manko bei einem Tabaktest weitgehend zu umgehen, muß der Tester sich gewisser Mühen unterziehen, wenn er empfindungsgerecht bleiben will. Ergo habe ich mich gerne einem kleinen Rauchmarathon unterworfen und vier Motzek-Tabake aus der Hausmarken-Reihe (TAK Tabak aus Kiel) des Händlers intensiv geraucht. Das Resumee vorweg: weitgehend enttäuschend und von stupender Mittelmäßigkeit.

Das allerdings mag nicht von allen Tabakliebhabern, die Motzek Tabake erprobt haben, so akzeptiert werden. Unter Umständen ist mein Anspruch zu hoch, den ich aber nach 50 Jahren Intensiv-Erfahrung mit Tabak sicher nicht herunterschrauben werde.

Es beginnt mit der Verpackung, deren Lieblosigkeit nicht zu übertreffen ist und eventuell von dauerhaft auf der Landstrasse wandernden Zeitgenossen als praktisch angesehen werden kann. Mein erster Gedanke: wer behauptet, er macht aus Tabak etwas Besonderes ( Etikettenaufdruck!) und liefert mir diesen dermassen trashig und unappetitlich verpackt, kann womöglich auch nicht anspruchsvoll blenden. Oder hat ausschliesslich einen möglichst niedrigen Preis als Ziel, der für den Afficionado absolut keine Rolle spielt. Und ich hatte gedacht, die Nachkriegsjahre seien vergessen.


Mehrfach zu unterschiedlichen Tageszeiten und Gemütsverfassungen geraucht wurden

Latakia Cake · Latakia Evening · Old Lousiana Mix · Tom`s Dark Twist


TAK Latakia Cake

Für einen Kake dieser Machart liegt die Messlatte recht hoch, nicht nur durch die nur noch in hömopathischen Mengen produzierte Legende Pencanze, sondern durch weitere richtig gute Kakes wie Ten To Midnight, Pirate Cake und vor allem durch den außergewöhnlichen Fayyum Cake. Also: wenn die Basis schon belanglos ist, bleibt sie es auch dann, wenn man sie presst. Da frage ich mich, was andere Rezensenten geraucht haben, die diesen – freundlich ausgedrückt – me-too Tabak gänzlich anders würdigen. Wie gesagt, er brennt – stopfen, zünden gelingt ganz einfach, denn Konsistenz und Feuchtigkeitsgehalt sind gut. Was fehlt, ist irgendein Quantum an Geschmack, hier ist die Neutralität scheinbar zum Prinzip erhoben worden. Auch eine Methode. Meine Probanten-Pfeife, eine Stanwell Shape 11, hat die 3 Versuche stoisch über sich ergehen lassen.


TAK Latakia Evening

Dieser Blend hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Er setzt einige wenige stärkere Akzente wie der Latakia Kake, aber auch er hat einfach zu viele bessere Beispiele vor sich, die mit seiner Allerweltsbeschaffenheit nicht einhergehen. Und die sind Legion. Fangen wir mal beim überragenden English Balkan an, der so viele hervorragende Mitstreiter hat wie den Larry`s Blend, Dunhill Durbar, Wilderness und Westminster. Und denke ich an die sorgsam gemischten Zulu, Khoisaan oder Fayyum von HU-Tobacco, dann verstehe ich nicht, warum Ernergie und Kosten für diesen Latakia Evening aufgebracht werden.  Denn diese Beispiele, die nicht mit heißer Nadel gestrickt auf den Markt gebracht werden, sind allesamt eigenständige „Charaktere“. Was nun den Latakia Evening wirklich ausmacht, ist eben diese Beliebigkeit. Damit gibt sich kein leidenschaftlicher Blender zufrieden, ein ebensolcher Tabakliebhaber erst recht nicht. Auch hier gilt: befüllen und zünden sowie Abbrand gut, ansonsten schlichtweg überflüssig. Hier reichte mir ein zweimaliger Versuch, der 1975er Svendborg Rhodesian ebenfalls.


TAK Old Louisiana Mix

Bei diesem – dem dritten Versuchsrauch – frage ich mich allmählich, was der Blender da macht. Eine Virginia Perique Mischung, so beliebig wie die zwei zuvor probierten Tabake. Ich schmecke Malz, ein wenig Virginia-Heu, eingemachte Früchte, allerdings nur in ganz schwachen Spuren. Das Tabakbild ist in Ordnung, kleine Curlies im Mix, teilweise schon zerbröselt.  Ist der etwa für Anfänger entwickelt, die sich erstmals einem VAP nähern wollen? Ich konnte nicht einmal im Ansatz irgendeine Geschmacksnote feststellen. Damit mein Urteil etwas mehr Fundament bekommt: die Elizabethan Mixture, sicherlich kein allzu aufregender Tabak und eine der „simpelsten“ Dunhill Blends, hat trotzdem mehr Raffinesse, vor allem einen runden Geschmack und zeigt, was ein Weltklasse Blender zustande bringt. Dieser Louisiana ist für die Katz. Egal in welcher Pfeife. Ich benutzte eine Former, der es auch wieder egal war.


TAK Tom`s Dark Twist

Endlich: bei diesem Twist hat sich der Blender etwas gedacht, wenn auch nicht konsequent zuende geführt. Die Mischungsidee ist richtig gut und läßt hoffen: 50% Kentucky und 50% Perique! Geschmacklich ein Volltreffer. Das Gute liegt wieder einmal im Einfachen. In Kombination mit der für den Perique typischen Pflaumen-Früchtebrot-Fruchtigkeit liefert der Twist eine wundervolle Weichheit! Wie ein Twist geschnitten und befüllt wird, ist wohl bekannt. Die Voraussetzung für ein angenehmes Rauchvergnügen ist also gegeben und die erste Forumpfeife aus dem Jahre 2010 hat das richtige Format. Was man aber wissen muß: beide Tabakkomponenten zählen zu den stärksten ihrer Fraktion, sowohl was den Geschmack und den Nikotingehalt betrifft. Und damit hat der Tom`s Dark Twist für mich ein Problem, das mich an den Black XX erinnert (wobei der G&H im Gegensatz nicht einmal schmeckt): er ist schlichtweg so stark, dass bei mir kein Rauchvergnügen aufkommt. Klar: ist er zu stark, bist Du zu schwach. Aber ich will schliesslich keine Mutprobe veranstalten, sondern geniessen. Schade, dass eine geniale Idee nicht ausgereift umgesetzt wurde. Hat aber Verbesserungspotential. Zum Beispiel ein wenig Black Cavendish?


Wir Tabakliebhaber sind eine bedrohte Lebensart, das gilt auch für unser Versorgungsumfeld. Umso dankbarer muß man für jeden Hersteller, Großhändler und Fachhändler sein, der mit Ideen und viel Herzblut, die „Versorgungslage“ spannend, nachhaltig und verläßlich hält. Dafür gibt es in den USA zahlreiche „Boutique-Blender“ wie z.B. G.L.Pease und Russ Ouellette deren hervorragende Blends richtig „Lust auf mehr“ machen und Gaumen und Auge erfreuen. Deutschland ist ganz bestimmt keine „Boutique-Tobacco Diaspora“. Bieten doch z.B. HU-Tobacco, Peter Heinrichs und Pfeifen Huber – u.a. von Manufakturen wie Kohlhase & Kopp, DTM, Planta oder STG engagiert schon beim Tabakdesign unterstützt- eine sehr große Anzahl von sorgfältig produzierten Tabaken, die oft unikat sind, ausgesuchte Nischen versorgen und deren Erscheinungsbild den Erwartungen von uns Geniessern entsprechen. Blender, die uns Tabakliebhabern das Gefühl geben, eingehend nachgedacht zu haben. Die Wissen, Erfahrung und Ambition für Entwicklung und Produktion von rundum befriedigenden Tabaken einsetzen. Ein wenig überhöht: die für ihr Ziel brennen. Zum Glück gibt es die auch in Deutschland, q.e.d. !

Da hat der Tabak aus Kiel noch reichlich Luft nach oben.

Bezug
Pfeifen und Zigarrendepot Herbert Motzek
Inh. Thomas Darasz
Knooper Weg 46
D-24103 Kiel
Telefon +49 431 554162
www.dein-tabak.de

VK Preise je 100g Plastikbeutel
Latakia Cake – 17 €
Latakia Evening – 14 €
Old Lousiana Mix – 17 €
Tom`s Dark Twist – 19 €