Samuel Gawith | Grousemoor

Grousemoor? Grousemoor? … Da war doch was? Genau! Damals vor fast 20 Jahren war bei diesem Lakelands-Testpaket, das mir meine erste Begegnung mit dem Ennerdale bescherte, auch ein Stück Grousemoor Plug dabei und wie beim Ennerdale auch mußte ich die Füllung Grousemoor Plug nach einigen Zügen entsetzt räumen. Ein Tabak, der für wen auch immer aber eindeutig nicht für mich gemacht wurde! Aber erstens ist das fast zwanzig Jahre her und zweitens ist Plug ja nicht gleich Mixture und drittens rauche ich den Ennerdale inzwischen hin und wieder ja auch sehr gerne. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es nochmal mit dem Grousemoor.

GrousemoorWarum man den Grousemoor jetzt ausgerechnet nach der Moorhuhnjagd – die Flinte liegt auf dem Boden, die Hunde sitzen zufrieden daneben – rauchen soll? Keine Ahnung! Ginge es nach dem Geschmack, dann wäre der Grousemoor eher was für den Nachtisch eines anständigen Abendessens? Anstelle von süssem Gebäck? Aber ich bin ja auch kein Jäger!

„Grousemoor“, darunter „Golden Virginia Tobaccos“ steht auf der Vorderseite, „Eine Kombination aus per Hand entrippten Flue Cured Blättern“ auf der Rückseite. Von Aromatisierung steht da nichts! Irritierend! Schließlich kann ich mich noch all zu gut an die Bombe erinnern, die ich damals entsorgt hatte. Aber wie gesagt: Plug ist nicht gleich Mixture!

Öffnet man die Dose, dann hat man ein beeindruckend schönes Tabakbild von hellgelbem, goldenen Virginia-Blattgut vor Augen, das aber auch schon auf eine kleine Tücke hinweist, denn der Grousemoor ist nicht sehr homogen geschnitten: da wechseln sich feine Streifen mit gar nicht so kleinen Blattfetzen ab, was zwar optisch sehr attraktiv ist, für das Stopfen aber etwas Aufmerksamkeit bedeutet. Dann der Geruch. Leichte Zitrusnoten! Honig oder besser Bienenwachskerzen! Und dunkle Brotkruste! Dazu dezent florale Noten, wie wir sie von vielen der aromatisierten Lakeland-Virginias kennen. Das ganze allerdings mitnichten so intensiv, wie mir das vom Plug in Erinnerung ist.

GrousemoorEntzünden lässt sich die Füllung Grousemoor eigentlich recht problemlos, allerdings empfiehlt es sich wegen der Schnittart des Grousemoor auf Pfeifen zurückzugreifen, die nicht weniger als 20mm Brennkammerdurchmesser aufweisen. Das erleichtert das Rauchen ungemein. Mir geht es zumindest so. Dann der Geschack: Voluminös! Wundervoll süße Virginianoten, die sich immer behaupten können, und eine vollmundige Aromatisierung, die einem einerseits sehr vertraut vorkommt und die einen andererseits irritiert.

Das Vertraute sind die Zitrusnoten und der Honig, wie wir es ganz dezent von Orlik Golden Flake oder nicht ganz so dezent vom Huber Golden Flake (Ex Honeydew) her kennen, allerdings beim Grousemoor wesentlich intensiver als bei diesen beiden. Dazu gesellen sich nun florale Noten, die den Tabak leicht „seifig“ erscheinen lassen und sofort seine Herkunft und die damit verbundene Handschrift verraten. Gegen Ende der Füllung haben wir geschmacklich leichte Marzipannoten, womit der Grousemoor einen Blick zum Ennerdale riskiert. Im Vergleich zum Ennerdale fehlt es dem Grousemoor, was die Aromatisierung angeht, aber deutlich an Raffinesse! Der Grousemoor wirkt fast geradlinig und bei weitem nicht so geheimnisvoll. Hinsichtlich des Aromavolumens und des Crossovers, das der Grousemoor erzeugt, kann er sich aber schon mit dem Ennerdale messen: wir haben hier einen Hocharomaten in der Pfeife. Einen durchaus angenehmen! Der Grousemoor ist der ideale Tabak, wenn einem der Huber Golden Flake gefällt und man mal den Schritt zur englischen Aromatisierung wagen möchte!

GrousemoorDas Abbrandverhalten des Grousemoor ist tadellos, auch hält der Grousemoor sein Aroma kontinuierlich und zwar sowohl was die Aromatisierung angeht als auch was den Tabakgeschmack angeht, der immer präsent ist. Der Grousemoor ist zwar leichter als der Grousmoor Plug (der auch deutlich dunkler ist!), aber er ist kein leichter Tabak! Man kann ihn durchaus als Medium bezeichnen!

Einen Versuch ist der Tabak absolut wert!




Samuel Gawith | Skiff Mixture

Da sitzt er nun allein in seiner Jolle, der Segler. Noch nicht mal eine Pfeife raucht er. Klar, soll man ja auch nicht wegen des guten weil starken Windes und außerdem hat er ja genug damit zu tun, den anderen noch vor Windermere einzuholen. Vermutlich geht es also um die Pfeife danach? Und die ist englisch, keine Frage! An den Balkan denkt man da nicht, auch wenn sich der in Samuel Gawiths Skiff Mixture recht präsent zeigt.

Skiff MixtureGleich vorweg: die Skiff Mixture ist mein Lieblings-Latakiablend im Portfolio von Samuel Gawith! Und so war ich foh, dass es zum großen aber ungleich plumperen Bruder Squadron Leader schon ein Review gibt und mir hier die Skiff Mixture bleibt. Über den Squadron Leader etwas zu schreiben, heißt über einen kraftvollen Athleten zu schreiben, der mit seiner geradlinigen Art beeindruckt. Der ist eher ein Schwergewichtsboxer. Bei der Skiff Mixture begeben wir uns zum Florettfechten! Spitzentabake sind beide, gar keine Frage, Latakia haben beide satt und trotzdem könnte der stilistische Unterschied nicht größer sein!

Der Importeur Kohlhase&Kopp beschreibt den Tabak wie folgt: „Eine sogenannte Orient Mischung. Verschiedene Arten von Flue Cured geben dem Skiff die gelben und braunen Sprenkel. Gemischt mit Turkish- und Latakia-Tabaken.“

Skiff MixtureBetrachten wir das Tabakbild der Skiff Mixture, dann haben wir in der Tat eine satte Ribbon Cut Latakia Mischung mit wundervollen Kontrasten in den Virginias und Orientals. Nun sind Latakia, Virginia und Orientals ja auch die Kompenenten des Squadron Leaders und trotzdem kommt ein ganz anderer Tabak raus. Das liegt in erster Linie an den verwendeten Virginias, die der Skiff Mixture eine viel schlankere Basis geben als das beim Squadron Leader der Fall ist und die im Wechsel mit den Orientals und dem Latakia ein Feuerwerk an Raffinesse entfachen: Da kommen nicht nur in ewiggleicher Abfolge große rote beeindruckende Lichtbälle, da regnet es mal grüne Girlanden und zwischendurch glitzert es hell auf. Als ob eine Füllung Skiff Mixture einer geheimen Regie folgt – nie plakativ immer raffiniert! Die Virginias haben gerade genug Kraft und malzige Süsse um den Latakia mit seiner Rauchigkeit zu bändigen und die Orientals mit ihrer ätherischen Schlankeit verbinden das zu einer formidablen Vorstellung. Sie sind der eigentliche Regisseur des Ganzen! Und sie sorgen dafür, dass sich der Tabak während des Abbrands immer ein bisschen neu entwickelt und Spitzen freigibt.

Skiff MixtureEndzündet man eine Füllung Squadron Leader, dann weiß man vom ersten bis zum letzten Zug, was man hat. Und was man hat, ist ganz ohne Frage hervorragend! Aber das ist es dann auch. Eine Füllung Skiff Mixture zeigt alle Nuancen, die eine Balkan-Mischung haben kann und das immer mal so und dann wieder anders, von rauchig, süß, ätherisch, Malz, Kräuter, braun, grün bis schwarz. Sie ist das Gegenteil von geradliniger Konstante sondern ein sich während des Rauchens immer weiter entwickelndes Erlebnis. Für mich ist die Skiff Mixture einer der Referenztabake für Balkan-Mischungen schlechthin! Ob man sie nun als Allday-Tabak raucht und nur mal als Abwechslung, ich kann die Skiff Mixture nur jedem Latakia-Liebhaber ans Herz legen!

Das Entzünden und der Abbrand sind vollkommen problemlos. Der Tabak raucht sich gut bis zum Ende, ohne dass er zu stark würde oder sich geschmacklich zum Ende der Füllung hin auf irgendeine Seite schlagen würde. Von der Stärke her ist die Skiff Mixture höchstens mittelkräftig.

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Samuel Gawith | CF Flake – Wo bitte ist die Schokolade?

Samuel Gawith CF FlakeWie unsere stets bestens informierten Leser wissen, ist es laut Gesetz nicht mehr erlaubt gesundheitsschädlichen Tabak namentlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. So kann man zum Beispiel einen Pfeifentabak nicht mehr „Schweineschmalz-Zucker Flake“ nennen, weil der Verbraucher dadurch suggeriert bekäme, dass es sich nicht um eine giftige Substanz, sondern um so etwas gesundes, wie Schweineschmalz oder Zucker, handeln könnte. Deshalb heisst Rum&Maple jetzt R&M, der Honey-Dew Flake jetzt Golden Flake. Ob jetzt mehr Menschen durch Pfeifenrauch, oder durch Rum, Gold oder Zucker gestorben sind, weiss ich nicht; auch nicht, wie ein Tabak mit Schweineschmalz-Casing schmeckt oder ob es gesünder ist dieses zu essen, denn zu rauchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Tatsache ist, dass der Samuel Gawith Chocolate Flake, jetzt CF Flake heisst.
Warum Chocolate mit „CF“ abgekürzt wird und man den Tabak nicht „C Flake“ nennt, ist ein weiteres Mysterium.
Ich habe durch den HU Tobacco „Raiko InBeTween“ meine Leidenschaft für Schokoladen-Tabak für mich entdeckt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an mein hymnenhaftes Review? Wenn nicht, hier ist der Link.
Da wir ja gerade versuchen sämtliche Samuel Gawith Tabake zu besprechen, fiel meine Wahl deshalb auf ein „Stückerl Schoklad“ (süddeutsch für „eine Rippe Schokolade“)

Samuel Gawith CF FlakeJens Meyer von Pfeifen Huber, bei dem ich die Dose CF Flake erwerben wollte, stellte meine Wahl mit heftigen Worten in Frage und wollte ihn mir gar nicht erst aushändigen. Roland schüttelte den Kopf wie ein Metaller auf Wacken. Mein geschätzter Blog-Kollege Peter Hemmer, meinte hingegen, das sei durchaus ein schöner, schokoladiger Tabak, den man sehr wohl gut rauchen könne. Bevor es zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, hatte ich die Dose aufgehebelt und damit Tatsachen geschaffen. Nach einem deftigen Weisswurstfrühstück hatte einfach Lust auf Schokolade.
Deckel auf, Papier zur Seite gebogen, Rüssel reingehalten und tief inhaliert …
Eine atemlose Stille senkte sich über das altehrwürdige Ladengeschäft in der Münchner Innenstadt. Draussen im Tal hörten die fön-gestressten Porschefahrer auf ihre Cayenne-Hupen zu malträtieren, die japanischen Touristen senkten andächtig die Kameras und die sonnenbebrillten Damen schlossen ihre Schlauchbootlippen und sahen von ihrem Soja-Latte auf … Ich dagegen schnüffelte, wie ein hyperaktives Trüffelschwein in der eckigen Metalldose herum.
„Und?“, hielt es Bodo nicht mehr aus und sah mich fragend an?
„I woas ned“, antwortete ich unsicher.
„Lass amal riecha“, schwupp war die Dose meinen Händen entrissen und wurde ungeduldig unter sämtliche Nasen des Münchner Pfeifenclubs gehalten.
Betretenes Schweigen, Kopfschütteln, Ratlosigkeit.
Durch die geöffnete Tür hörte man einen Polizeibeamten, der die Passanten zum Weitergehen aufforderte. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu riechen …“

„Nix!“ kein noch so kleines Schokoladenaroma Molekül war im Raum. Ein regelrechtes Schokoladen-Vakuum hatte sich in der Landeshauptstadt gebildet.
Dann von einer Sekunde zur anderen, ging man wieder zur Tagesordnung über, es wurde geschwatzt, getrunken, geraucht und auch wieder gehupt. Ich war froh mit meiner Tabakdose nicht mehr ganz so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und stopfte den CF Flake in meine Peterson Spigot.

Samuel Gawith CF FlakeDer Flake ist ordentlich geschnitten, dünne bestens konditionierte Scheiben von einer satten braunen Farbe, helle und dunkle Streifen durchziehen diesen Flake, der aus Virginia und Burley besteht. Das Tabakbild ist außerordentlich appetitlich anzusehen. Ich knicke und falte den Flake und stopfe ihn in die Pfeife. Leider hat niemand ein goldenes Dupont zur Hand, ein silbernes Unique tut es aber zur Not auch. Der Tabak brennt sofort, ich lasse ihn nach ein paar Zügen ausgehen, stopfe nach und zünde ihn erneut an. Danach ist kein weiteres Nachfeuern nötig. Der Tabak brennt sehr gut und gleichmäßig und schmeckt nach Virginia und Burley.
Nach Virginia und Burley … und? …und noch? … sonst nach nichts, gar nichts!

Der Tabakblender hat anscheinend in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Schokolade nicht nur aus dem Namen entfernt.

Die Münchner Stehrunde schnüffelt ein wenig an meinem Rauch herum und wendet sich desinteressiert ab. Herr Falkenried empfiehlt mir noch einen kleinen Schokoladenladen eine Strasse weiter, für den Fall, dass ich immer noch Lust auf eine Stück Schokolade hätte. Auf dem Weg zum Pfeifenclub gehe ich tatsächlich dort noch schnell vorbei und kaufe eine handgefertigte Tafel 85%iger Bocatorena aus Panama, welche fast so teuer ist wie der Tabak.

Der CF Flake wird im Club dann noch von einigen weiteren Herren geraucht, aber niemand kann auch nur homöopathische Dosen von Schokolade erschmecken, oder erriechen. Ich verteile daraufhin ein paar Stücke meiner Bocatorena und empfehle sie während des Rauchgenusses an den Gaumen zu kleben. Das funktioniert, ist aber bescheuert und nicht Sinn der Sache.

Der Tabak an sich schmeckt ganz okay, ohne Höhen und Tiefen, es ist einfach ein x-beliebiger Flake, der niemanden vom Hocker hauen wird und kann auch von Allergikern geraucht werden, er enthält nicht einmal kleinste Spuren von Kakao.

 

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Samuel Gawith – Full Virginia Flake

Samuel Gawith aus Kendal im Lake District – daher der Begriff Lakeland Tabak – ist der legendäre Hersteller des Full Virginia Flake, der wie kein anderer aus der breiten Produktpalette der 1792 gegründeten Manufaktur das Herz der Liebhaber naturreinen Flakes höher schlagen läßt, mehr noch als der seines Bruders, des Kendal Plugs. Er ist ein Virginia der reinsten Art, egal, in welcher seiner 2 Aufmachungen er genossen wird. Sei es als Plug oder als Flake in der Rechteckdose. In jedem Fall handelt es sich um naturreinen Virginiatabak, der durch maschinelle Pressung „verbäckt“ und fermentiert wird. Unterstützt ist der Fermentierungsprozeß durch Hinzusetzung von Wasserdampf, je länger dieser Fermentprozeß dauert, je stärker ist der freigesetzte Zucker, der für eine starke Süße des Full Virginia sorgt.

Pfeife: Unikat von Jörgen Larsen (JL) für die Reihe Kriswill Supreme – 360 ° straight grain

Der Full Virginia Flake ist völlig naturrein. Es gibt kein casing (wie vielfach behauptet), kein künstliches Flavour, nichts dergleichen. Was man schmeckt und riecht ist der reine, lediglich fermentierte Tabak. Es ist darauf zu achten, ihn langsam zu rauchen, um übergroße Hitzeentwicklung zu vermeiden. So bleibt der Genuß unverändert bis zum letzten Zug, der einen reinweißen Ascherest hinterläßt.

 

 

 

Zwar bin ich versucht, jetzt alle die Geschmacks- und Duftnuancen zu beschreiben, die ich glaube, zu empfinden. Ich erspare das den Lesern und rate einfach zum Selbstversuch.

Es gibt ihn in einer 50 g fassenden Rechteckdose. Der Tabak ist in der Dose flakeüblich geschichtet, wenn auch nicht so fein, wie wir es vom F&T Vintage, dem Orlik Golden Sliced oder Erinmore Flake u.a. gewohnt ist. Teilweise sind die Scheiben nicht einmal gleich lang. Sicher hat das keine geschmacklichen Auswirkungen, aber das Auge ißt bekanntlich mit. Der Tabak wird mit Knick / Falt gestopft und brennt natürlich leichter an als die Plug-Version. Geschmacklich kommt er mir nicht ganz so intensiv naturrein / süß / kräftig vor wie der Plug, was erklärlich ist und sich auch von der Schneidetechnik her ableiten läßt. Der Abbrand ist wunderbar, herrliche Virginiasüße füllt den Gaumen – und den Raum. Je länger der Tabak glüht, umso runder, vollmundiger und befriedigender wird sein Geschmack. Der Unterschied zum Plug erschließt sich nur dem erfahrenen Plug-iator, so daß die Flakeversion eindeutig zu empfehlen ist, wenn es darum geht, den wohl besten Full Virginia auf diesem Globus zu genießen und die behaupteten höheren Weihen des Plugs nicht im Vordergrund stehen.

Wem der Flake zu kräftig, zu süß oder sonstwie unbehaglich ist, kann auch den SG Best Brown Flake probieren, der aus den gleichen Tabaken besteht, aber einer kürzeren Fermentierungsdauer unterzogen wird.

Verfügbar im gut sortierten deutschen Fachhandel und hier.

 

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Samuel Gawith | Navy Flake

„Fifteen men on the dead man’s chest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum! Drink and the devil had done for the rest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum!“ Das war mein erster Gedanke, als ich vor vielen Jahren diesen Flake zum ersten Mal gekauft habe. Virginia, Latakia und Rum! Als ich ihn dann geraucht habe, musste ich schnell feststellen, dass wir hier weder im „Admiral Benbow“ noch mit Long John Silver auf hoher See sind, sondern, wie der Name schon sagt, bei der Navy und da geht’s deutlich gesitteter zu als bei den Piraten. Der Navy Flake von Samuel Gawith ist weit weg von einer maßlos überbordenden Rauch- und Rum-Orgie, er ist so ausgeklügelt und fein balanciert, dass er auch in einen englischen Oberklasse-Club passen könnte. Und da durchaus auch zu einem angeregten Gespräch über die Schatzinsel, denn eine solche stellt der Tabak in meinen Augen dar.

Der Reihe nach! Der deutsche Importeur Kohlhase&Kopp charakterisiert den Tabak kurz, prägnant und treffend wie folgt: „Traditionell gepresste Virginia-Tabake mit einer Prise Latakia und köstlichem Rum, der dem Navy Flake einen mittelstarken aromatischen Geschmack verleiht.“ Im Prinzip hat der Navy Flake die gleiche Basis wie der Balkan Flake von Samuel Gawith, nur dass der Latakia Anteil deutlich reduziert ist, was logischerweise zur Folge hat, dass den Virginias hier viel mehr Platz eingeräumt wird. Dass Samuel Gawith „Virginia“ ausnehmend gut kann, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, es ist fast schon ein Garant für die hohe Qualität eines S.Gawith Blends! Im Fall des Navy Flakes ist das aber besonders, weil hier mit Rum aromatisiert wurde, was den Virginias eine sehr dezente Fruchtigkeit im Sinne eingelegter Rosinen verleiht. Bei diesem Satz müsste man jetzt „sehr dezente“ in Majuskeln schreiben!

Das Tabakbild des Samuel Gawith Navy Flakes ist erstmal unspektakulär: es sind dunkelbraune Flakescheiben mit ein paar fast schwarzen und hellbraunen Spitzen, eher von der etwas dickeren Sorte und diese sind auch nicht ganz so biegsam und elastisch wie etwa die Scheiben des Best Brown Flakes oder des Full Virigina Flakes, was vielleicht auch dem Latakia geschuldet ist, dessen Anteil bei geschätzt 10-15% liegen dürfte.

Das Stopfen der Pfeife ist hier eine Kombination zwischen Falten und Zerbröckeln der Flakescheiben. Man muss ein bisschen aufpassen und darauf achten, dass man den Tabak gleichmäßig in die Brennkammer einfüllt. Das ist nicht ganz so einfach wie bei homogeneren Flakescheiben, stellt aber letztlich auch kein Problem dar. Aufpassen sollte man auch hinsichtlich der Feuchtigkeit des Tabaks, denn er ist relativ feucht in der frisch geöffneten Dose, was vor allem das Entzünden nicht ganz einfach gestalten kann. Ein bis zwei Stunden trocknen lassen vor dem Stopfen ist hier hilfreich! Das Entzünden das Tabaks erfordert schon mal drei bis vier Anläufe bis der Tabak gleichmäßig glimmt, aber dann lässt er sich gleichmäßig langsam und kühl rauchen. Man braucht also ein bisschen Aufmerksamkeit und Erfahrung beim Stopfen, aber dann glimmt der Navy Flake sehr gutmütig und vor allem sehr langsam vor sich hin. So kann man eine Füllung Navy Flake durchaus als sehr ergiebig bezeichnen.

In Geschmack offeriert uns der Navy Flake einen breiten Teppich eher schwerer süßer Virignianoten, die zwischen Malzsüsse, Erdigkeit und feuchtem Unterholz wechseln und von einer dezenten Rauchigkeit durch den Latakia begleitet werden. Um den Navy Flake zu mögen, muss man nicht unbedingt ein einfleischter Latakia-Raucher sein, aber man sollte Latakia auch nicht verabscheuen. Er ist deutlich spürbar aber nicht dominant, das sind hier die Virginias! Das Rumcasing dagegen verleiht nur einen Hauch von Rum-Rosinen-Fruchtigkeit, das geschmacklich wunderbar ergänzt, aber wirklich im letzten Winkel des Navy Flakes angesiedelt ist und alles Alkoholische weglässt. Der Navy Flake ist geschmacklich ein ausnehmend voller Tabak, aber hinsichtlich seines Nikotingehaltes leichter als man denkt: „Medium“ trifft hier am ehesten zu! Die Geschmackskomponenten halten sich über die ganze Füllung konstant, nur die Latakia-Rauchigkeit nimmt im letzten Drittel der Füllung etwas zu ohne den Tabak aber zu dominieren. Für mich persönlich ist der Samuel Gawith Navy Flake kein Alltagstabak, aber ich rauche ihn zwischendurch immer sehr gerne. Absolut eine Empfehlung wert!


 

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Kendal Cream Flake – Lakeland Magie

An diesem wunderschönen Sonntagmorgen, gleich nach den Andechser Laudes um Fünfe in der Früh, will ich einmal mehr unserer Legislative danken und auch den Verbotsheroen/-heroinen  und “Unfreiheitlichen Gedankenlesern”, die Volkes Willen vorschreiben, lenken und weitgehend außer Kraft setzen. Die unsere übervölkerte Welt end-lich retten und durch herausragende Vorschriften, die unter vielen anderen mein Leben in die Hand genommen haben, wodurch z.B. aus meinem geliebten Honeydew Flake ein Golden Flake wurde. Dessen Genuss mich nun nicht mehr umgehend zu den Engeln schickt und meine irdische Verweildauer ab sofort deutlich verlängern wird.

Gleichsam erging es einem Tabak (wie jedem Tabak, dessen Name Gelüste hervorgerufen oder wenigsten Informationern geliefert hat), der wie kein zweiter die Magie der Lakeland Tabake heraufbeschwört, der mit  köstlich nur unzureichend beschrieben ist und der in unserem Tabakland nicht immer und nicht überall erhältlich war: der Kendal Cream Flake von Samuel Gawith.

Der Tobacconist meines ultimativen Vertrauens hat den Lakelands von SG vor einiger Zeit einen eigenen, blickfangenden Regalplatz eingeräumt und so – seit jeher ein Anhänger des cumbrischen Herstellers – wähle ich wieder häufiger dessen Tabake: Full Virginia Flake, St. James Flake, Brown No.4, Navy Flake, Squadron Leader – und den herausragenden KC Flake. KC Flake ? Ein Marketing Gag von KC & the Sunshine Band, der in den 1970er Jahren erfolgreichen Miami Sound Disco Band (That’s the way I like it)? Mitnichten, zum Glück.

KC Flake ist der heute profanisierte Kendal Cream Flake. Unverändert geblieben ist die Rezeptur, seine fantastische Qualität und das zarte Flavour, das mir früher schon immer ein wenig magisch vorgekommen ist. Liegt wohl an den Lake District Bildern in meinem Kopf.

Der Kendal Cream Flake besteht aus mehreren, verschiedenen Virginias und Burleys, denen ein wundersames, leichtes Flavour zugegeben wurde, das mich an Tonka und Karamell erinnert. Der Geruch ist so appetitlich, daß ich hineinbeißen möchte. Wie häufig bei SG liegt der Flake “ungeordnet” in der Dose, ist aber wenigsten gleichmäßig geschnitten, außerdem nicht zu feucht. Beides nicht sooo typisch für SG. Ich empfehle unbedingt, die Pfeife mit Knick&Falt zu befüllen, damit die Komposition in Gänze genossen werden kann und nicht aufgelöst nach ihren Komponenten daherkommt. Das wäre nicht einmal der halbe Genuß.

Wie alle anderen SG Flakes, Twists and Plugs glimmt auch der Kendal Cream Flake ausgezeichnet, so er nicht zu feucht ist. Das Besondere an ihm ist die hervorragende Gleichmäßigkeit in Abbrand und Geschmack. So weich, so cremig wie er aus der Dose riecht, so schmeckt er auch. Der Tabak bringt überhaupt keine Spitzen, er ist süffig wie ein alter Bordeaux und eben so kräftig, ohne das sich eine Übersättigung einstellt. Die Würzigkeit der Burleys bringt einen hauchfeinen Pfeffer zu den Virginias und der ist dann eher ein Kampot Pfeffer, denn unser gemeiner Küchenpfeffer. Ich verspüre eine gewisse Erdigkeit und man sollte sich schon einiges an Aufmerksamkeit vornehmen, um die wundervollen Virginia Nuancen und ihre Mitwirkenden herauszufinden. Es lohnt einmal mehr, einen solchen Tabak nicht beim Joggen oder beim Iron Man Lauf zu rauchen, sondern sich ein Höchstmaß an Ruhe und Ausgeglichenheit zu gönnen. Alles andere kann warten.

Ach ja, dazu paßt das soeben erschienene Album von Rymden, Reflections and Odyssees. Das skandinavische Trio um Bugge Wesseltoft scheint die Stücke beim Genuß von Kendal Cream Flake eingespielt zu haben.

 

Sieht einfach schöner außer, das alte Label.

 

Ein Tabak in dieser Güteklasse sollte ein Wochenend-/Sonntagstabak bleiben. Für mich reiht er sich nach einigen Jahren der Absenz wieder in das Virginia Duo um den Orlik Golden Sliced und Huber`s Golden Flake ein, das er hervorragend ergänzt. Und wenn ich dann genug Süße und Magie genossen habe, dann bedarf es eines Epikur oder den einen oder anderen aus der English/Orient Sektion: Huber Balkan aka Balkan Sobranie 759 und (1) Olsen 800 Ø. und (2) Olsen 800 Ø .

Samuel Gawith KC Flake
50 g Rechteck Dose
Virginia-Burley Flake, Flavoured

im gut sortierten Fachhandel und hier


 

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Epikur – unverändert eine Offenbarung

Immer wieder wird uns die Frage gestellt, ob denn der Plug Epikur auch nach der Schliessung des Forums Pfeifen und mehr weiterhin verfügbar ist. Aber ja doch, denn dieser Ausnahmetabak erfreut sich einer stetigen Beliebtheit und hat längst einen Stammplatz im breiten Tabakangebot von Pfeifen Huber (Laden in München oder im Webshop) eingenommen.




St James Flake neu oder …

St. James FlakeIch habe mir seit langem mal wieder eine Dose St James Flake gekauft, obwohl (und hier streiten sich die Geister) der Bulk die bessere Alternative wäre. Bekomme ich aber im Moment nicht und daher muß ich mich mit einer Dose zufrieden geben.
Am ersten Weihnachtsfeiertag war es dann soweit. Ich habe mich richtig gefreut, diese schönen dunklen Platten herauszunehmen und falls sie gar so feucht sind, auch gleich zu rauchen. Man muss wissen, dass dieser Tabak jahrelang zu meinen Lieblingen gehörte und deshalb von mir immer in 500 Gramm Packungen gekauft wurde.

Doch schon beim Öffnen wurde mir klar, das ist nicht mein St James. Gab es eine neue Version und ich habe es gar nicht mitbekommen?Es war ein sehr guter Virginia aber eben nicht mein St James.
War es ein Full Virginia oder Best Brown?
Dann fiel mir ein, dass es vor Jahren schon einmal eine Diskussion im Forum gab, bei der es ebenfalls um Samuel Gawith und um verwechselten Dosen ging.
Ich habe kurz recherchiert und bin im Jahr 2009 fündig geworden. Die Pumleser erinnern sich vielleicht noch.
Auch hier ging es um St James, gekauft beim Diehl und Pfeifen Huber. Das Fazit war letztlich die Vermutung, dass einer beim Verpacken den falschen Deckel drauf gemacht hat. Doch dann kam es noch schlimmer. Einer hatte 2 verschiedene Flakes in einer Dose.

Nun stellt sich die Frage, passiert das bei Samuel Gawith öfters, oder habe ich einen natürlich gealterten Virginia aus dem Jahr 2009 erwischt, der jahrelang ein einsames Dasein in den Regalen vom Pfeifen Huber fristete und nun endlich von mir erlöst wurde?
Um das herauszufinden, muss ich mir noch einmal 1 oder 2 Dosen kaufen. Das wird zwar meine Frage nicht beantworten, aber vielleicht erwische ich dann doch meinen geliebten St James.


 

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S.Gawith | Scotch Cut Mixture

Eine Nische in der Nische – so ähnlich könnte man die Scotch Cut Mixture von Samuel Gawith und ihre Position auf dem hiesigen Tabakmarkt beschreiben, wird selbiger doch quantitativ vor allem von Aromaten verschiedenster Art beherrscht, neben denen sich nur eine Handvoll „naturbelassener“ Tabake nachhaltig und wahrnehmbar behaupten kann. Das wäre die erste Nische. Und diejenigen, die sich da behaupten, das sind meist Virginia- bzw. Virginia/Perique Flakes und „englische“ Mischungen mit markanten Latakia-Anteilen. All den genannten gemeinsam ist ihre Fokusierung auf Primäraromen, seien es nun künstliche Aromen oder die cremig-malzige Süße der Virginias oder die Rauchigkeit des Latakia. Alles, was sich da subtil zwischen die Stühle setzt, bildet quasi die Nische in der Nische und es ist den Produzenten und Importeuren nicht hoch genug anzurechnen, dass auch solche Mauerblümchen nicht zur Gänze verschwinden. Schließlich zeichnet das die Vielfalt aus, für die der Pfeifentabakmarkt doch auch steht. Zumindest ein bisschen.

Scotch Cut Mixture DoseVor einigen Jahren habe ich schon einmal ein Review zur Scotch Cut Mixture geschrieben. Und als ich den Tabak vor ein paar Tagen nach einer Abstinenz von eineinhalb Jahren mal wieder geraucht habe, habe ich spontan beschlossen, nochmal etwas über die Scotch Cut Mixture zu schreiben, schlicht weil sie mir am Herzen liegt und ich meinen Beitrag leisten möchte, sie aus ihrem „Mauerblümchendasein“ ein wenig zu befreien. 2009 erschien die Scotch Cut Mixture als Limited Edition anläßlich der Pipeshow in Chicago. Der Erfolg war groß, was S.Gawith wohl dazu bewog, die ungewöhnliche Mischung 2010 ins normale Programm zu übernehmen. Seitdem ist die Scotch Cut Mixture auch bei uns erhältlich. Dabei war die Scotch Cut Mixture 2009 gar keine Neukreation sondern basierte auf einem 100 Jahre alten Rezept, will man dem schweizer Importeur Synjeco Glauben schenken. Warum sie zuvor nicht erhältlich war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Scotch Cut Mixture DoseDie Herstellerbeschreibung lautet wie folgt: „Scotch Cut Mixture is one of the original Samuel Gawith blends. A balanced selection of Virginias, Burley, Latakia and our own Empire Black Cavendish gives Scotch Cut a full flavoured yet medium strength smoking experience.“ Die Beschreibung des schweizer Importeurs Synjeco: „This mixture is based on a traditional receipt, more than 100 years old. Bright Virginias, Burley, a small percentage of Latakia are in mixture with the such called „Emperor Cavendish“ (also known as United Kingdom-Cavendish), which is different from the usually known Black-Cavendish. A very gentle and pleaseant all-day smoke.“ Und schließlich der Text des deutschen Improteurs Kohlhaase & Kopp: „Nach diesem alten Rezept für Scotch Cut werden helle Virginias, Burley und Latakia mit Black Cavendish verfeinert. Dieser wurde aus Dark Fired Tabak hergestellt, der bedampft, gepresst und geröstet wurde, bevor er geschnitten und mit den anderen drei Tabaken gemischt wird.“

Scotch Cut Mixture TabakbildDas Tabakbild ist von hell- bis mittelbraunen Tabakstreifen geprägt, unter die sich einige dunkelbraune Streifen, der ominöse „Emperor Cavendish“, mischen und ganz vereinzelt findet man ein paar wenige tiefschwarze Tabakkrümel – Latakia in annähernd homöopatischer Dosis. Das Detailfoto links verfälscht hier etwas den Gesamteindruck, die Mischung ist nicht gleichmäßig so dunkel. Im Gegensatz zu vielen anderen Tabaken von S.Gawith, insbesondere den Flakes, ist der Feuchtigkeitsgehalt ziemlich ideal, sodass sich die Scotch Cut Mixture ohne jegliche Trocknungszeremonie sofort und vollkommen problemlos entzünden und auch gleichmäßig bis zum Ende rauchen lässt. Das Stopfen ist ebenso unproblematisch, wenngleich ich wegen der doch vorhandenen etwas größeren Tabakfetzen keine extrem kleinen Pfeifen nehmen würde. Bei Brennkammern unter 20mm Durchmesser müßte man aufs Stopfen achten.

Wenn man die Scotch Cut Mixture nun entzündet, hat man sofort den Mund voller Virginianoten, cremig, malzig und süß, allerdings nicht allzu sehr. Das wird unterstützt vom Black Cavendish, quasi ein „Fire Cured Dark Stoved“, der die Aromen von Schwarzbrotkruste beisteuert und so den Virginias zusätzlich Würzigkeit, Tiefe und Komplexität verleiht. Eine ganz leichte Nussigkeit, die auf den Burley-Anteil zurückzuführen ist, rundet den Grundgeschmack der Scotch Cut Mixture ab. So, als ob in dem dunklen Brot noch ein paar Nüsse verbacken wären… Nicht viele, nur ein paar. Die Virginias dominieren den Burley, nicht umgekehrt.

Scotch Cut Mixture Tabakbild mit PfeifeDiese Komponenten wechseln sich in ihrer Lautstärke während des Rauchens immer wieder mal ab, mal schmeckt man der Malzigkeit nach, mal der Nussigkeit, mal der würzigen Brotkruste, immer mal anders. So wird einem das Rauchen der Scotch Cut Mixture nie langweilig. Und der Latakia? Der ist immer da. Wie die neugierige Nachbarin gegenüber: Mal hinter der Gardine, mal bei offener Gardine, in ganz wagemutigen Momenten sogar bei offenem Fenster auf ein Kissen gelehnt. Der Latakia ist immer da aber nie direkt dabei. Man weiß um das homöopatische Maß an Rauchigkeit, man nimmt es wahr und es freut einen. Trotzdem ist die Scotch Cut Mixture weit davon entfernt, eine Latakia-Mischung zu sein. Sie ist eher eine klassische Virginia-Mischung mit einem ungewöhnlich hohen Maß an Würzigkeit. Durchaus auch empfehlenswert für Virginia-Apostel, denen der Gegenpapst Latakia ansonsten ein rotes Tuch ist. Man möge sich nicht vor der bloßen Nennung desselbigen auf der Dose schrecken lassen!

Scotch Cut Mixture DoseEin leichter Tabak ist die Scotch Cut Mixture übrigens auch nicht: sie ist vollmundig ohne stark zu sein. Sie ist komplex, aber die vielschichtige Komplexität kommt – wie bei allen so subtil komponierten Grenzgängern ohne Primäraromasolisten – nur zum Tragen, wenn sie behutsam, langsam und kühl geraucht wird. Deshalb würde ich die Scotch Cut Mixture auch nicht als Anfängertabak empfehlen, denn sie verliert schnell an Reiz, wenn sich die Subtiliät aufgrund hastigen Ziehens nicht entfalten kann. Zum Ende der Füllung hin wird sie kräftiger und vor allem würziger, ohne dass sich der Latakia stärker zeigen würde. Der unterstützt nur die Würzigkeit. Die Scotch Cut Mixture ist ein Tabak, der die große Stärke von S.Gawith, nämlich die Virginias, ein wenig anders interpretiert und zwar ohne dem eigenen Virginia-Stil untreu zu werden. Übrigens ist die Scotch Cut Mixture auch ein Tabak, zu dem ich sehr gerne einen Kaffee trinke. Eine ziemlich unwiderstehliche Kombination!


 

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Samuel Gawith | Black XX – Hardcore Twist

Es gibt Tabake, die braucht kein Mensch. Es sei denn, der geneigte Pfeifenraucher schreibt soeben an einer Diplomarbeit über Sacher-Masoch oder Gilles de Rais, hält sich ansonsten in der SM Szene auf, ist ausreichend leidensfähig und meidet die Öffentlichkeit. Samuel Gawith stellt Tabak seit 1792 her. Das klingt imposant und ich möchte auf den Besuchsbericht von Dr. Mike Loh vom Singapore Pipe & Cigar Smokers Club verweisen, der voll des Lobes über SG ist. Ich rauche Lakeland Tabake seit langen Jahren, vor allem die von Samuel Gawith (SG), die Gawith & Hoggarth Produkte sind mir allerdings zu banal. Aber das ist Geschmacksache und jeglicher missionarischer Eifer liegt mir fern.

Aber auch bei Samuel Gawith mag ich nicht in jedes Lob einfallen. Insbesondere missfällt mir die teils miserable Qualität, die beim Schnitt von Flakes festzustellen ist. Ich habe es schon mehrfach erlebt, das in einer 50g Dose Balkan Flake, Full Virgina Flake oder Kendal Cream Flake Scheiben von einem halben Zentimenter Stärke enthalten waren. Umso mehr verwundert mich der stete Hinweis auf der SG Webseite, dass durch Handarbeit eine besondere Qualität gewährleistet sei. Möglicherweise bin ich aber auch durch die in jeder Hinsicht Premiumqualität der Tabake von HU Tobacco, Pfeifen Huber oder Orlik, Kohlhase & Kopp (einschliesslich der OEM Tabake), McClelland, MacBaren und anderen verwöhnt. Nach langer Pause habe ich mir mal wieder einen SG Twist angetan, deren gibt es im Portfolio aus Kendal meines Wissens 4: Black und Brown Pigtail, den Brown No. 4 und den Black XX, den ich jetzt vorstelle.

Der Twist – ein geflochtener, gepresster Tabakzopf – besteht aus braunem Dark Fired Virginia und er ist kräftig. Ich denke, er ist genauso kräftig und nikotinreich wie der SG Brown No.4. Genaugenommen kenne ich keinen stärkeren Tabak….. und möchte das auch gar nicht.

Was sofort auffällt, ist ein durchdringender Geruch nach Tran. Kein Wunder, denn der Strang wurde für einige Stunden in Pflanzenöl(!) eingelegt und anschliessend 24 Stunden gebacken. Und so fasst er sich an und so schmeckt er auch. Tranig, bissig, ledrig – etwas für Teerjacken, die keinen Zugriff auf irgend etwas anderes Rauchbares haben. Wenn man den „haut-goût“ überwunden hat, wird der Strang in möglichst dünne Scheiben geschnitten. Entweder man hat den Forum-Cutter zur Hand oder nimmt sein Opinel oder Laguiole. Ich habe die Scheiben dann noch in kleine Brocken zerteilt, um einen leichteren Brand zu erreichen. Der Black XX ist nicht ganz einfach anzuzünden, insbesondere, weil er vor erreichen der „Betriebstemperatur“ noch grauslicher schmeckt als später.

Unbedingt eine Pfeife nehmen, die Ihr hinterher entsorgen wollt. Oder eine Maiskolben- oder Meerschaumpfeife. Das cross-over ist so gewaltig wie der Nikotingehalt. Und der erschlägt mich. Nach kurzer Zeit meldet sich mein Magen. Jetzt tapfer bleiben. Wo bleibt der Geschmack? Wo der Wohlgeruch? Wo das entspannte Rauch-erlebnis? Der gesamte Vorgang ist ein Kampf… und ein Krampf.

Ich befürchte, die Teer- oder Aspahltnote, der Waltran Geschmack, werden mich nie mehr verlassen.

Reden wir noch vom „Verbrennungsprozess“. Wenn er denn glimmt, ist der Abbrand einwandfrei. Allerdings rate ich dazu, den Tabak noch viel langsamer und behutsamer zu rauchen, als man es gewöhnlich tut. Und eine möglichst kleine Pfeife zu wählen.

Eine zweite Pfeife habe ich mir erspart. Als Ergebnis bleibt festzustellen, dass es sich mir nicht erschlossen hat, warum diese – auch nicht gerade appetitlich anzuschauende – Blutwurst geraucht werden soll. Als obskuren Exoten, den man gelegentlich einem Nichtraucher unter die Nase hält, um ihn zu verblüffen, mag er angehen. Es gibt eine grosse Anzahl delikater Virginias, als Plugs, Flakes oder Curlies – und somit nur für Exorzisten eine Notwendigkeit, den Black XX zu rauchen.

 

 


 

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