McClelland | BOMBAY EXTRA Personal Reserve

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Schon wieder ein Tabak, den man nicht so ohne weiteres kaufen kann. Diesmal aber wirklich! Okay, vielleicht noch in irgendwelchen abgelegenen Schweizer Bergtälern oder für Millionenbeträge in der US-Bucht? Aber eigentlich ist dieser amerikanische Pfeifentabak schon ein Stück Geschichte, denn der Hersteller McClelland hat vor einiger Zeit unwiderruflich seine Produktion eingestellt.

Ursache für dieses Review war vor ein paar Monaten ein bisschen Corona-Frust! Als innerlich ziemlich gelassener Mensch kann ich damit eigentlich ganz gut umgehen, aber irgendwie dachte ich, ich müßte mir mal was gutes tun und eine wirklich besondere Dose Tabak öffnen. Ich meine, diese Dose Bombay Extra ist nur deshalb „besonders“, weil es meine letzte war! Und weil der Bombay Extra neben Frog Morton, Wilderness und Old Dog mein Lieblingslatakia aus dem Hause McClelland war!

Deshalb liegt über diesem Review auch ein Stück Melancholie. Dieses ganze Dunhill-McConnell-Peterson-Gedöns tangierte mich innerlich nur höchst peripher, aber die Nachricht, dass McClelland die Produktion einstellt, die hat mich wirklich getroffen! Das ist der größte Verlust für die Welt des Pfeiferauchens in den letzten Jahren! Einfach, weil hier eine ganze stilistisch einzigartige Tabakwelt fast von einem Tag auf den anderen verschwunden war.

Was aber war das stilistisch Einzigartige? Klar, an erster Stelle stehen hier die Virginias bzw. Virginia/Perique Mixtures und Flakes mit ihren prägnanten essig-saueren-süßen Fermentationsnoten, die einem zusammen mit der Malzsüße als Ketchupnoten in die Nase stiegen! Dann all die raffinierten Orientals, die zu wahren Meisterwerken komponiert waren. Und die Latakia-Mischungen, nicht selten fast ondoliert extrem und extrovertiert in der Komposition, die alle eines gemeinsam hatten: selbst die kantigsten und maskulinsten unter ihnen kamen alle auf einem breiten Teppich aus purem weich-dunklem Samt im Mund an! Diese Einzigartigkeit gibt es nicht mehr.

McClelland Bombay ExtraUnd um so eine Latakia-Mischung handelt es sich beim Bombay Extra! An dieser Stelle muß man ein bisschen ausholen, denn der Bombay Extra ist keine hundertprozentige Neumischung, sondern streng genommen ein Flanker zu einer der Standard Latakia-Mischungen aus McClellands Portfolio, dem Bombay Court, zu dem es hier ein Review gibt. Schauen wir uns dazu den Herstellertext an:

McClelland Bombay Extra„We began with Bombay Court, darkened the Virginias, added a touch of perique and increased the latakia, resulting in an enriched version of a unique and popular formula. This blend provides added depth and complexity for those seeking a richer, fuller, Oriental Mixture for after dinner or evening enjoyment.“

Wir haben es also mit einer klassischen Ribbon Cut Mixture zu tun, die aus dominantem Latakia, verschiedenen Orientals, etwas kraftvoll dunkel-süßer Virginias und einer nicht ganz kleinen Menge Periques besteht. Genau das können wir auch am Tabakbild, das für mich zu den schönsten überhaupt zählt, sehen.

McClelland Bombay ExtraErwartungsgemäß lässt sich der Bombay Extra ganz einfach stopfen, entzünden und langsam und kühl bis zum Ende der Füllung durchrauchen! Das garantiert einen langen entspannten Genuss und der stellt sich auch sofort nach dem Entzünden ein: Von Anfang an hat man ein volles und dabei sehr weiches rauchiges Latakia-Aroma im Mund, unterstützt von ein wenig malziger Grundsüße und durch die Orientals versehen mit einer unglaublich eleganten, ätherisch feinen Cremigkeit. Der Perique liefert mit seinen leicht schokoladigen Trockenfrüchtearomen den Gegenpart zum dominanten Latakia. Und das macht er nicht in der ersten Reihe, die dem Latakia vorbehalten ist, sondern quasi aus dem Hintergrund heraus aber doch merklich!

McClelland Bombay ExtraLatakia und Perique sollte man also mögen, denn zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich der Bombay Extra während des Rauchens. Die Virginias bilden mehr und mehr den Hintergrund, dabei aber immer eine schöne Basis bildend, und die Orientals ziehen sich gegen das Ende hin fast ganz zurück. Das heißt, diese ätherische Cremigkeit vom Anfang weicht einem Wechselspiel zwischen Latakia und Perique, wobei der Latakia für sich genommen sehr sehr weich daherkommt. Das ist eine Grundqualität, die auch den reinen Latakia zum Selbermischen von McClelland ausgezeichnet hat, weshalb er unter den reinen Latakias früher immer meine erste Wahl war! So bietet der Bombay Extra bis zum letzten Krümel wirklich Genuß der Extraklasse! Er erfüllt alle Anforderungen, die man an eine Spitzenmischung haben kann!

Wer bis jetzt lesend durchgehalten hat, bekommt noch eine Pfeifenraucher-Anekdote dazu: Während des letzten Lockdowns saß ich eines Vormittags bei mir ganz in der Nähe in einem Park auf der Bank eine Dunhill mit Bombay Extra rauchend. Eine junge Frau mit ihrem etwa dreijährigen Sohn kommen vorbei, der kleine Bub auf einem Laufrad einige Meter vor der Mutter. Auf meiner Höhe bleibt er kurz stehen, schaut mich neugierig an und sagt ganz freundlich „Hallo!“ Ich: „Hallo!“ Er fährt weiter und sagt zu seiner Mutter: „Mama, hier riechts nach Kohle!…Von dem Mann!“ Mutter: „Das riecht nicht nach Kohle, das riecht nach Pfeife!““Mama, ich will auch eine Pfeife!““Aber da bist du noch viel zu klein das ist nichts…(Rest unverständlich)““Mama ich möchte aber eine Pfeife!““Nein das…(unverständlich)“ „Mamma, ICH  WILL  AABERR!“

Also sollte jemand noch eine Dose haben oder irgendwie noch an eine Dose kommen: meine Empfehlung hat der Bombay Extra allemal, ein toller Tabak!

 

 

 

4 Antworten

  1. Avatar Paul Kirbis sagt:

    Sehr interessant geschrieben! Da ich viel zu weit weg von der Schweiz lebe und online nichts aus den USA jemals bestellte, sind mir die McClelland Tabake nur aus Erzählungen ein Begriff….als bekennender Gawithianer muss ich leider feststellen, dass der hoffentlich nur vorübergehende Verlust der Gawith Tabake noch bedeutend bedauernswerter ist als alles andere….330 Jahre Qualität und nun nahezu unerreichbar dank politischem Stumpfsinn?? Das grämt…..

    • Peter Hemmer Peter Hemmer sagt:

      Hallo Paul,
      ja, das verstehe ich gut und mir geht es da prinzipiell ähnlich! Nur besteht, solange die in Kendal noch nicht geschlossen haben, doch immer noch ein Fünkchen Hoffnung: auch wenn es die Tabake wieder hier geben sollte, vermutlich deutlich teuerer? Mal sehen. Und der Brexit und seine Umsetzung waren ja ein langes Gewürge, das wenig vertrauensbildend gewirkt hat. So hatte ich dieses Mal die Chance, mich in Voraussicht auf der Briten Sprung in die Vergangenheit mit den liebsten Tabaken ein bisschen einzudecken. Bei McClelland kam das für mich zu überraschend: zwar habe ich von den meisten „meiner“ Tabake noch, aber in so kleinen Mengen, dass ich nicht einfach so mal eine aufmache… und damals war der Markt in ein zwei Tagen nach Bekanntwerden der Schließung komplett leergekauft.
      Also trauern wir zusammen! Beste Grüße
      Peter Hemmer

  2. Avatar Andi sagt:

    Hallo Peter,

    riesen Dankeschön für das tolle Review! Das Gute ist: Ich habe so eine Dose! Das Schlechte: Ich glaube nicht, dass ich nach dem Text noch lange auf die Öffnung warten kann! In dem Zusammenhang Dank an die Münchner Runde (besonders Bodo), die sich dafür verantwortlich zeigen, dass ich die Dose mein eigen nennen kann. Ich berichte auf alle Fälle von meinen Eindrücken, wenn ich angefeuert habe.
    Und ja: auch wenn ich die Dunhills gerne rauche, meine bisher nur sporadisch gesammelten Eindrücke von McClelland lassen mich den Verlust sehr deutlich bedauern… vllt. schütte ich mal Ketchup auf einen SG Virginia Flake? 😛

    VG
    Andi

  3. Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

    Lieber Peter,

    herzlichen Dank für das Review und vor allem für die Anekdote am Schluß. Es ist noch nciht aller Tage Abende!

    Herzliche Grüße

    Jürgen

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