HU Tobacco | Gran Reserva Limitada 2 Años ROCINANTE

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Neues von HU Tobacco: „… kam er zuletzt darauf, ihn Rosinante zu heißen, ein nach seiner Meinung hoher und volltönender Name, bezeichnend für das, was er gewesen, als er noch ein Reitgaul nur war, bevor er zu der Bedeutung gekommen, die er jetzt besaß, nämlich allen Rossen der Welt als das Erste voranzugehen.“

Mit der Namenssuche ist es immer so eine Sache: werdende Eltern können ein Lied davon singen, wenn sie nicht aus Familien stammen, wo der erstgeborene Knabe seit -zig Generationen immer Scipione und das Töchterchen Olympia zu heißen haben, und sich somit ein gewisser Gestaltungsspielraum ergibt, der möglichst vorteilhaft ausgefüllt werden will. Da geht es Hans Wiedemann von HU Tobacco mit seinen neuen Tabaken nicht anders wie dem Ritter von der traurigen Gestalt mit seinem Hengst. Das soll nun aber auch die einzige Parallele sein, die wir zwischen Don Quichotte und dem Hans ziehen wollen, denn schließlich sind die Einfälle, die uns Hans Wiedemann zu teil werden läßt, höchst real in Form meist großartigen Tabaks und nicht die faszinierende Blüte träumerischer Einbildungskraft!

HU Tobacco Gran Reserva LimitadaFür die Namen seiner drei neuen Tabake, die man durchaus als eine in sich geschlossene Reihe sehen kann, hat Hans dieses Mal ganz große Weltliteratur bemüht, nämlich Miguel de Cervantes und dessen satirischen Ritterroman Don Quichotte, vor etwas mehr als 400 Jahren geschrieben und veröffentlicht. Das ist, wenn man einen Sinn dahinter vermutet, eine ziemliche Ansage! Nun haben diese drei Tabake etwas gemeinsam, was sie vom restlichen Sortiment von HU Tobacco unterscheidet, nämlich die Tatsache, dass die fertigen Mischungen etwas mehr als zwei Jahre klimatisch kontrolliert gelagert und gereift wurden, dabei immer wieder neu gewendet werden mussten, bevor sie im Frühjahr 2020 in 50g Dosen konfektioniert worden sind. Das klingt nicht nur aufwändig, das ist es auch und es erklärt, warum die drei Tabake erstens einen höheren Preis haben (müssen) und zweitens, bedingt durch den Produktionsprozess, warum es sich um limitierte Tabake handelt. Die Gestaltung der Dosenetiketten von Alexander Broy trägt diesem Gestaltungsprozess Rechnung und Alexander hat es hier dokumentiert.

HU Tobacco RocinanteDie Frage, die sich jetzt natürlich stellt, lautet: hat sich der Aufwand gelohnt und ist der damit verbundene höhere Preis gerechtfertigt? Dazu schauen wir uns als ersten Tabak mal den Rocinante an, denn es ist der einzige der drei Tabake, den ich auch „frisch“ geraucht habe, während ich die beiden anderen bislang nur „als Fassprobe“ in einem Zwischenstadium nach etwa einem Jahr kannte.

Rocinante ist ein Virginia Blend mit verschiedenen Virginia Grades und Burley, dazu in minimalen Anteilen etwas Kentucky und Perique. Das Tabakbild ist ein normaler Ribbon Cut mit ein paar Ready Rubbed Streifen, mittelbraun mit hellerem Blattgut vermischt. Eher normal als spektakulär und durchaus attraktiv. Der Geruch, welcher der Dose entströmt, ist genau so, wie wir ihn erwarten würden: Viel Malz, eher schwer und cremig süss, gepaart mit bitterschokoladigen Noten im Hintergrund. Da ist nichts zitrisch Frisches, auch nichts Heuiges und auch Kanten fehlen, aber was man wahrnimmt ist rund, voll und vor allem sehr harmonisch. Dieser optische und olfaktorische Eindruck macht richtig Lust auf den Tabak!

HU Tobacco RocinanteDie Feuchtigkeit ist perfekt, der Rocinante lässt sich vollkommen problemlos stopfen, ob in kleine oder große Pfeifen spielt gar keine Rolle, das Anzünden gestaltet sich kinderleicht und der Rocinante glimmt langsam und gleichmäßig bis zum Schluß. Ich glaube, ich mußte keine einzige der etlichen Füllungen, die ich bislang geraucht habe, jemals nachzünden. Das macht den Tabak auch für Einsteiger interessant, die mal in die Welt der volleren und komplexeren Virginia-Blends eintauchen möchten!

Entzündet man den Rocinante, dann erlebt man als erstes die Virginias mit einer vollen malzigen Süsse, einer eher dunklen Süsse, cremig und ergiebig und dazu ganz intensive Noten von Brot und Brotkruste mit ihren Röstaromen. Wie schon im Geruch fehlen auch hier die frischen Zitrusnoten und die heuigen Noten, die manche Virginias nicht selten auffahren, was daran liegt, dass beim Rocinante Dark Virginias und Red Virginias die breite Basis der Mischung bilden. Im Hintergrund haben wir den Burley mit seiner Bitterschokolade. Anfangs wirklich im Hintergrund, aber mit zunehmender Dauer tritt der Burley dann doch deutlicher nach vorne ohne sich aber je in die erste Reihe zu mogeln: er bleibt immer die ergänzende Komponente, wird nie zur bestimmenden. Der enthaltene Kentucky ist für mich als Akteur nicht wahrnehmbar, aber der Rocinante hat durchaus eine gewisse Erdigkeit, die ich allerdings auch eher den Virginias zuschreiben würde und vermutlich wird diese vom Kentucky unterstützt. Aber das ist sicher kein Grund für jemanden, der Kentucky nicht mag (das soll’s  ja geben), den Rocinante zu meiden! Und dann ist ja noch minimal Perique enthalten. Auch der ist fürchterlich leise, aber darin liegt ein bisschen Raffinesse, denn ihn kann man wahrnehmen – vor allem im Vergleich mit dem frischen Tabak, was der langen Reifung geschuldet sein dürfte, und dieses Mininum an Perique wirkt wie eine Vierteldrehung aus der Pfeffermühle über einem guten Pistazieneis: es öffnet durch eine kleine Irritation dem ansonsten zwar sehr komplexen Virginia/Burley Blend eine Tür aus der Geradlinigkeit hin zum Raffinierten!

HU Tobacco RocinanteDer aufwändige Reifeprozess, bei dem Kohlhase & Kopp wieder einmal gezeigt hat, wie hervorragend dort gearbeitet wird, hat also im Wesentlichen zwei Effekte: Erstens lässt er die Virginias noch deutlich dunkler, voller und komplexer erscheinen und zweitens hat der Perique erwartungsgemäß ein ziemliches Durchsetzungsvermögen, was auch bei Minimaldosierung zum Tragen kommt. Verstehen wir uns nicht falsch: der Rocinante ist stilistisch nie ein Perique Blend, aber der Perique wirkt nach – ganz ganz leise und raffiniert! Und zum Schluss dann doch nochmal was zum Namen: Cervantes‘ Rocinante ist bekanntlich ein dürrer Klepper, der nur in Don Quichottes Fantasie zum heldenhaften Schlachtross mutiert, Hans Wiedemanns Rocinante ist real kräftig genug, um weit davon entfernt zu sein, ihn für einen dürren Klepper zu halten. Vielleicht wäre die imaginäre Angebete Don Quichottes, Dulcinea, vor allem wenn man sie sich mit einem frühbarocken Schönheitsideal leicht füllig vorstellen mag, der passendere Name gewesen? Andererseits wirkt der Tabak für mich nicht feminin, also vielleicht passt’s doch?

P.S.: Normalerweise sind alle Tabake, über die ich schreibe, käuflich erworben. In diesem Fall hat mir Hans Wiedemann eine Dose zu Testzwecken geschickt, was mein Urteilsvermögen allerdings nicht im Geringsten beeinflusst hat.

17 Antworten

  1. Avatar Andi sagt:

    Hallo Peter,
    das klingt ja vielversprechend. Ich bin nocht der Burley-Fan, aber Deine Beschreibung hat definitiv Lust gemacht. Beim Bosch ist der Tabak leider als bereits ausverkauft gelistet. Kann das sein oder haben die ihn noch nicht auf der Page, weil er so neu ist? Beim Zigarren-Tabak-Amazon gibt es ihn noch, aber da muss ich ihn nicht unbedingt bestellen… Und hast Du Infos, wann die anderen beiden verfügbar sein werden?
    VG
    Andi

    • Peter Hemmer Peter Hemmer sagt:

      Hallo Andi,
      ich habe keine Ahnung, in welcher Quantität der Tabak verfügbar ist, aber Bosch hatte ihn definitiv und das, was Bosch hatte, scheint wirklich ausverkauft zu sein. Ob und wieviel da nachkommt, weiss ich nicht. Vielleicht lohnt es sich, wenn du den Tabak unbedingt haben willst, schnell zu sein?
      Grüße
      Peter

    • Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

      Hallo Andi,

      er war bis heute als nicht ausverkauft angegeben, da der Verkauf erst ab heute los gehen sollte. Gerade ist er lieferbar (Stand:22.06. 19 Uhr). Falls nicht, ruf doch einfah mal an und frag nach. Die Brüder bosch helfen da gerne weiter und informiern dich, falls noch mal was nach kommt. Und ja, schnell sein lohnt sich. Ich habe heute gegen 10 Uhr bestellt! 😉

      Rauhige Grüße

      Jürgen

    • Avatar Hans sagt:

      Hi Andi, zu Bosch geht morgen nochmal ein Paket mit Rocinante. Ist dann wieder verfügbar. Aber bestimmt nicht länger als 2-3 Tage. LG Hans

  2. Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

    Hallo Peter,

    da bin ja mal gespannt! Denn der Tabak ist gerade zu mir unterwegs. Ich rauche ja mit Vorliebe den Louisiana Broken etwas gealtert. Hier hat das aber Hans schon für uns unter kontorllierten Bedingungen vorweggenommen. Wie gesagt, sehr spannend. Ach und noch ein paar Worte zum Preis. Höher finde ich den nicht! Ich war hingegen fast verwundert ob des moderaten Preises. Bedenkt man, dass unsere geliebten Navy Rolls in ähnlichen Regionen unterwegs sind und die Cabbies von Gawith für deutlich teureres Geld gehandelt werden, ist das wirklich moderat. Von den ganzen Craftmans Editons und Supersondereditionstabaken im Waldbeere-Fruchtkompott-Vanille-Nuss-Mandel-Lager, zu zum Teil noch mal deutlich höheren Preisen, will ich gar nicht erst anfangen. Und da verbirgt sich dahinter doch wieder nur ne Standardmischung. Ich bin jetzt schon begeistert und auf die andern zwei Tabake gespannt!

    Rauchige Grüße

    Jürgen

    • Peter Hemmer Peter Hemmer sagt:

      Hallo Jürgen,
      da habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt! Du hast vollkommen Recht mit dem, was du schreibst, auch wenn so Tabake wie der Navy Rolls oder der Cabbie’s allein der Tatsache wegen, dass es sich um Rolltabake bzw Curlies handelt, also auch recht aufwändig hergestellte Tabake, einen höheren Preis rechtfertigen! Auch bei den Supersondereditionstabaken bin ich vollkommen deiner Meinung.

      Mir ging es bei der Erwähnung des höheren Preises allein um das Preisgefüge innerhalb des HU Sortiments, denn da sind die Tabake mit 14.80€/50g quasi die Prämium-Linie und ich wollte erklären, dass dies seinen Grund hat und absolut gerechtfertigt ist! Hans Wiedemann ist bei seiner Preisgestaltung ohnehin eher defensiv um nicht zu sagen skrupulös! In meinen Augen ist das ein ausgesprochen faires und gutes Preis/Leistungsverhältnis! Nur damit da keine Mißverständnisse aufkommen! Ich habe das nicht deutlich genug gemacht.
      Ansonsten kann ich dir nur viel Spaß mit dem Tabak wünschen, ich bin mir sicher, dass er dir gefallen wird!
      Herzliche Grüße
      Peter

      • Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

        Hallo lieber Peter,

        das sollte auch keine Kritik an deinem Text sein, sondern nur zum Ausdruck bringen, dass hier ein mehr als faires Preis/Leistungsverhältnis vorliegt. Was die Preisgestaltung von Hans angeht, stimme ich dir völlig zu. Er sit halt einer von uns und dnekt nicht nur an den reinen Profit. Das ist meiner Meinung nach auch richtig so! Denn würde man so an soclche Projekte ran gehen, würde man es bleiben lassen. Deswegen machen die Großen in der Branche sowas auch nicht. Allenfalls MacBaren mit der HH-Serie, wäre hier zu nennen. Da riskiert man mehr. Oder ist weitsichtig, ob der hoffentliche noch lange ausbleibenden aber latent drohenden Aromenverbote. Wir können jedenfalls heilfroh sein, dass es noch Leute wie unsern Hans gibt! Ich bekomme heute den Tabak geliefert und werde dann eine Pfeife auf dein klasse Review rauchen.

        Rauchige Grüße, Jürgen

        • Peter Hemmer Peter Hemmer sagt:

          Hallo Jürgen,
          alles ist gut! Ich habe das auch überhaupt nicht als Kritik verstanden, sondern mir ist nur klar geworden, dass ich nicht deutlich gesagt habe, was ich sagen wollte!
          Grüße
          Peter

          • Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

            So verhilft man sich gegenseitig eu einem umfassenden und bessern Verständnis! 🙂

            Herzliche Grüße

            Jürgen

  3. Ein Qualitätstabak MUß seinen Preis haben, denn erhöhter Aufwand braucht nicht nur Kostendeckung, sondern MUß Gewinn bringen, alles andere ist Blauäugig, kaufmännischer Unfug oder wenig realistische Philantrophie, insofern ist der Tabak eher zu billig.
    Viel mehr stört mich, daß die Produktionsmengen keinen Sinn ergeben, es sei denn, man betrachtet sie ausschließlich als Imageunterstützung für die Marke HU-Tobacco. Das ist ärgerlich. Bewußt erzeugte „Verknappung“ ist längst als marktuntaugliche Strategie erkannt und ein Relikt aus der Zeit, als man in D Marketing noch ausschließlich als Werbung oder Reklame verstand und nicht als eine der vier Säulen der Unternehmensführung.
    Und ich renne keinen Tabaken mehr hinterher, so exklusiv oder begehrenswert sie auch sein mögen.

    • Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

      Lieber Bodo,

      was den Preis angeht, gebe ich dir völli Recht. Ich hätte da auch gerne 18 oder 20 € für bezahlt! Was die Limitierung angeht, vermuthe ich mal dass es eben ein Experiment ist. An Hans wird es wohl nicht gelegen haben. Eher an den Kosten, die Kohlhase durch den Aufwand hat. Insofern vermute ich, dass man hier das Risiko minimieren wollte. Man hat sowas ja noch nicht kontrolliert gemacht. Wenn man da gleich riesige Mengen nimmt und sie dann nicht los wird, wäre das vermutlich ein ernsthaftes Problem. Deswegen vermute ich mal, dass es den bestlaufenden Tabak eventuell in Zukunft auch dauerhaft geben könnte. Zumindest wäre dies zu hoffen.

      Was dein Einspruch zu Marketingmethoden die mit künstlichen Verknappungen arbeiten angeht, stimme ich dir aber auch voll und ganz zu! Warum nicht dauerhaft unbegrenzt verkaufen, was reißenden Absatz findet?

      Rauchige Grüße

      Jürgen

      • Lieber Jürgen, hoffen wir mal, daß der Tabak ganz schnell wieder unbegrenzt verfügbar wird – also vermutlich nach der Alterungsperiode – Hans und K&K den Handelsgewinn und wir Geniesser den geschmacklichen Gewinn zufrieden einstreichen. Derweil rauche ich jetzt einen HU Tobacco Fayyum Kake und anschliessend, zum Whisky Sour (vielleicht auch zwei davon), einen Epikur. Und dazu gibt es das Album des Monats und die CD der Woche, rauf und runter – bis sich nach 22:00h der Mond beschwert.

  4. Avatar Anonymous sagt:

    Hi Zusammen, also die Menge war nicht ganz unbeträchtlich, hätte im nachhinein aber mehr sein können. Ich habe drei aged Tabake lagern lassen, ohne zu wissen was daraus wird. Im ersten Jahr ja auch noch die festgelegte Zweijahresmenge. Ich konnte beim besten Willen kein größeres Risiko eingehen. Was hätte ich gemacht wenn sie nichts Besonderes geworden wären? Der schnelle Ausverkauf hat nichts mit künstlicher Verknappung zu tun, sondern mit unternehmerischen Risiko, dass zur Größe von Hu Tobacco passen muss. Grüße Hans

    • Avatar Jürgen Gradenegger sagt:

      Hallo lieber Hans,

      und wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts! Und dazulernen kann man dann auch nichts. 🙂 Ich mag ihn jedenfalls, den Tabak!

      Rauchige Grüße, Jürgen

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