Samuel Gawith | Grousemoor

Grousemoor? Grousemoor? … Da war doch was? Genau! Damals vor fast 20 Jahren war bei diesem Lakelands-Testpaket, das mir meine erste Begegnung mit dem Ennerdale bescherte, auch ein Stück Grousemoor Plug dabei und wie beim Ennerdale auch mußte ich die Füllung Grousemoor Plug nach einigen Zügen entsetzt räumen. Ein Tabak, der für wen auch immer aber eindeutig nicht für mich gemacht wurde! Aber erstens ist das fast zwanzig Jahre her und zweitens ist Plug ja nicht gleich Mixture und drittens rauche ich den Ennerdale inzwischen hin und wieder ja auch sehr gerne. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es nochmal mit dem Grousemoor.

GrousemoorWarum man den Grousemoor jetzt ausgerechnet nach der Moorhuhnjagd – die Flinte liegt auf dem Boden, die Hunde sitzen zufrieden daneben – rauchen soll? Keine Ahnung! Ginge es nach dem Geschmack, dann wäre der Grousemoor eher was für den Nachtisch eines anständigen Abendessens? Anstelle von süssem Gebäck? Aber ich bin ja auch kein Jäger!

„Grousemoor“, darunter „Golden Virginia Tobaccos“ steht auf der Vorderseite, „Eine Kombination aus per Hand entrippten Flue Cured Blättern“ auf der Rückseite. Von Aromatisierung steht da nichts! Irritierend! Schließlich kann ich mich noch all zu gut an die Bombe erinnern, die ich damals entsorgt hatte. Aber wie gesagt: Plug ist nicht gleich Mixture!

Öffnet man die Dose, dann hat man ein beeindruckend schönes Tabakbild von hellgelbem, goldenen Virginia-Blattgut vor Augen, das aber auch schon auf eine kleine Tücke hinweist, denn der Grousemoor ist nicht sehr homogen geschnitten: da wechseln sich feine Streifen mit gar nicht so kleinen Blattfetzen ab, was zwar optisch sehr attraktiv ist, für das Stopfen aber etwas Aufmerksamkeit bedeutet. Dann der Geruch. Leichte Zitrusnoten! Honig oder besser Bienenwachskerzen! Und dunkle Brotkruste! Dazu dezent florale Noten, wie wir sie von vielen der aromatisierten Lakeland-Virginias kennen. Das ganze allerdings mitnichten so intensiv, wie mir das vom Plug in Erinnerung ist.

GrousemoorEntzünden lässt sich die Füllung Grousemoor eigentlich recht problemlos, allerdings empfiehlt es sich wegen der Schnittart des Grousemoor auf Pfeifen zurückzugreifen, die nicht weniger als 20mm Brennkammerdurchmesser aufweisen. Das erleichtert das Rauchen ungemein. Mir geht es zumindest so. Dann der Geschack: Voluminös! Wundervoll süße Virginianoten, die sich immer behaupten können, und eine vollmundige Aromatisierung, die einem einerseits sehr vertraut vorkommt und die einen andererseits irritiert.

Das Vertraute sind die Zitrusnoten und der Honig, wie wir es ganz dezent von Orlik Golden Flake oder nicht ganz so dezent vom Huber Golden Flake (Ex Honeydew) her kennen, allerdings beim Grousemoor wesentlich intensiver als bei diesen beiden. Dazu gesellen sich nun florale Noten, die den Tabak leicht „seifig“ erscheinen lassen und sofort seine Herkunft und die damit verbundene Handschrift verraten. Gegen Ende der Füllung haben wir geschmacklich leichte Marzipannoten, womit der Grousemoor einen Blick zum Ennerdale riskiert. Im Vergleich zum Ennerdale fehlt es dem Grousemoor, was die Aromatisierung angeht, aber deutlich an Raffinesse! Der Grousemoor wirkt fast geradlinig und bei weitem nicht so geheimnisvoll. Hinsichtlich des Aromavolumens und des Crossovers, das der Grousemoor erzeugt, kann er sich aber schon mit dem Ennerdale messen: wir haben hier einen Hocharomaten in der Pfeife. Einen durchaus angenehmen! Der Grousemoor ist der ideale Tabak, wenn einem der Huber Golden Flake gefällt und man mal den Schritt zur englischen Aromatisierung wagen möchte!

GrousemoorDas Abbrandverhalten des Grousemoor ist tadellos, auch hält der Grousemoor sein Aroma kontinuierlich und zwar sowohl was die Aromatisierung angeht als auch was den Tabakgeschmack angeht, der immer präsent ist. Der Grousemoor ist zwar leichter als der Grousmoor Plug (der auch deutlich dunkler ist!), aber er ist kein leichter Tabak! Man kann ihn durchaus als Medium bezeichnen!

Einen Versuch ist der Tabak absolut wert!