Siedler-Tabak | Mac Baren HH Rustica

Unsere Altvorderen wußten warum und MacBaren erwähnt es in der kurzgefassten Inhaltsbeschreibung auf der Dosenrückseite: Nicotiana Tabacum und Nicotiana Rustica wurden in den Amerikas im 17. Jahrhundert nur selten geraucht und seit dem so gut wie gar nicht mehr verwendet. Die Frage nach dem Grund beantwortet sich selbst, wenn die kleine Rechteckdose geöffnet wird: delikat geht anders.
Und für die berühmte, unsinnige Frage, welches eine Buch, welche einzige Flasche Wein / Whisky / Rum / Mineralwasser / Milch und welche Langspielplatte man für die einsame Insel auswählt, auf der man sein restliches Leben verbringen muß, ist dieser Flake auch nicht zu berücksichtigen. Da würde ich eher Palmwedel rauchen oder zum Nichtraucher werden. Kurzum, wieder einmal ein Tabak, den kein Mensch braucht.

Nun gehöre ich keineswegs zu den notorischen MacBaren Verächtern, obwohl diese Tabake im Generellen nicht zu meinen Vorlieben zählen. Dennoch genehmige ich mir gerne den hervorragenden Stockton und -trotz des bekannten Topflavours- auch ab und zu eine Pfeife mit Navy-, Burley– oder Mixture Flake, ohne daß ich anschließend zur Beichte gehe. Diese drei sind mir ein, zweimal im Jahr genug des typischen MacBaren Haut Gôuts.

Und der genau fehlt dem Rustica, zum Glück, wird jetzt so mancher sagen. Aber wenn dieses das einzige hervorstechende Merkmal sein sollte, reicht es wohl kaum aus, eine Pfeife damit zu füllen. Per Jensen, der Masterblender bei MacBaren, ist ein respektierter und nachgewiesener Fachmann. Vielleicht war ihm ein wenig fad und er hat den HH Rustica nach der Maxime entwickelt: mal sehen, was noch so geht. Aber bekanntlich leben wir (noch) in einem Tabak-Paradies, die Auswahl an nahezu unüberschaubaren Provenienzen ist riesig und sollte Anlaß sein, auf Geschmacksmasochismus zu verzichten.

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Aus der geöffneten Dose riecht es schlichtweg nur muffig, wie ein lieber Pfeifen-, Tabak- und und Sonstnochwasfreund soeben treffend bemerkte. Und so schmeckt der Tabak auch. Untypisch für die von MacBaren bekannte perfekte Konfektionierung von gepressten Tabaken liegt der Rustica relativ „unordentlich“ in der Dose, allerdings ist die Qualität des wunderschönen, goldfarbenen Einlagepapiers hervorragend und MacBaren hat dieses mit einem hochwertigen Prägedruck versehen.

 

Sie sehen, es fällt mir außerordentlich schwer, Ihnen etwas Substantielles vorzutragen.

Die Flakes sind feucht, aber sofort rauchbar, sofern man sich trotz des Geruchs überwindet. Dem Nicotiana Rustica, jenem Indianertabak, der den Hauptbestandteil des Flakes bildet, sind Dark Virignia und Burley hinzugefügt, damit man eine später halbwegs rauchbare Pressung erhält. Diese wird unter Zuführung von Hitze bewerkstelligt und ist mit einem leichten Casing versehen.


Mit Knick&Falt befüllt, glimmt der Tabak in der Pfeife nach ein, zwei Zündvorgängen leidlich gleichmäßig unter Vermeidung von jeglicher Geschmacksabgabe vor sich hin. Die bereits erwähnte „Muffigkeit“ bleibt für mich als einziges Merkmal feststellbar. Und seine nikotinbedingte Stärke, die allerdings deutlich hervorsticht. All das ist mir viel zu wenig, um auch nur eine Spur von Genuß zu erzeugen.

Im Web lese ich, der HH Rustica sei wahrscheinlich der außergewöhnlichste Tabak der letzten Jahre und ein absolutes Genusserlebnis. Ja, dem stimme ich zu, letztlich haben wir uns ja auch an Negativzinsen für Guthaben bei Banken gewöhnt. Warum nicht auch an einen Minuswert beim Geschmack?

Bevor jetzt eingefleischte MacBaren Liebhaber wie das sprichwörtliche HB-Männchen (Sie erinnern sich?) in die Luft gehen, bitte ich zu bedenken: wie alle Geschmacks- und Erlebnisbeschreibungen sind diese subjektiv. Es ist durchaus denkbar, daß es Raucher gibt, die sich beim Genuß von HH Rustica vor Verzücken im Kreis drehen. Das bleibt ihnen selbstverständlich unbenommen und Gegenreden sind uns willkommen. Allerdings möchte ich mit Albert Vigoleis Thelen vorbeugen: AM ENDE ENTSCHEIDET DIE WAHRHEIT.




Answer Me – Keith Jarrett wird heute 75

Answer me – komponiert als „Mütterlein“ , ein sentimentaler Schlager vom deutsch-österreichischen Komponisten-Duo Gerhard Winkler und Fred Rauch, wurde im Nachkriegsdeutschland (heute ist der 8.Mai !!!) zu einem großen Erfolg für Rudi Schurike und Leila Negra -sie ist heute 90 Jahre alt- und Wolfgang Sauer, der es als „Glaube mir“ 1954 in die Radio-Hitparaden gesungen hat. Zu einem weltweiten Hit allerdings machte es zeitgleich Nat King Cole unter dem Titel „Answer me, my love“ und sogar in einer weiteren, fürchterlich radegebrochenen deutschen Version.
Das aus dem Herz-Schmerz Liedchen tatsächlich ein Fast-Standard des Jazz wurde, ist allerdings dem Ausnahmepianisten Keith Jarrett zu verdanken, der es seit Jahren in seinem Repertoire führt. Und pünktlich zu seinem heutigen 75. Geburtstag ist eine bisher unveröffentlichte Aufnahme aus dem 2016er Budapest Konzert von ECM vorgestellt worden, die es derzeit nur als Stream auf verschieden Plattformen gibt …….. und mit einem Zugang hier bei uns.

Wer an diesem denkwürdigen 08. Mai, dem Tag von Kapitulation UND Befreiung ein wenig in die Befindlichkeiten der Deutschen in der die Gesellschaft so prägenden Zeit danach, vor allem in die 1950er / 1960er Jahre eintauchen möchte – oder sie gar aus eigenem Erleben erinnert – dem möchte ich etwas völlig unpolitisches, undokumentarisches empfehlen. Lesen Sie einmal exemplarisch den Werdegang der deutschen Künstler Leila Negra und Wolfgang Sauer nach, dazu reichen die Wikipedia Artikel. Was war das für eine Umbruchzeit, in der soviel Unsicherheit, aber auch soviel Chancen steckten, wenn der Wille zu persönlichen, weitgehend erzwungenen, Veränderungen vorhanden war.
Oder lesen Sie über die frühen Anfänge späterer Unterhaltungsstars wie Hans Rosenthal, Hans-Joachim Kulenkampf, Peter Frankenfeld oder dem „Fernsehkoch“ Clemens Wilmenroth  …… Karrieren, die erfolgreich beendet wurden oder die traurig scheiterten, sie alle hatten ihren Anfang am 08. Mai 1945, direkt oder in der Folge.







Unterhaltung in Krisenzeiten – das Pfeifenblog-Radio

Die Mitglieder des Forums „Pfeifen und mehr“ werden sich noch an die zwei webbasierten Radiosender Brainradio und Brainradio Klassik erinnern. Zwar laufen diese immer noch als Wochenprogramm im 24-Stundenbetrieb mit Sendungen über Rock, Jazz und Klassik, werden aber seit geraumer Zeit nicht mehr aktualisiert. Denn mittlerweile gibt es mit dem Streamingdienst Spotify eine viel einfacher zu bestückende und abzuhörende Möglichkeit von „Sendungen“ aller Art.

Spotify wird in verschiedenen Versionen angeboten, angefangen von der kostenlosen bis hin zum Family Premium Abo. Das monatliche Premium Abo für bis zu fünf Familienmitglieder kostet gerade mal so viel wie eine CD, deren Vinyl Fassung gäbe es nicht einmal zu diesem Preis. Spotify läuft über Smartphone, Tablet und Desktops, also überall.

Nun machen wir hier keine Werbung für Spotify, sondern für die von uns für alle Pfeifenblog-Leser angebotenen Playlisten, die ursprünglich ausschließlich für die Münchner Runde erstellt wurden. Wir ergänzen diese Playlisten ständig und legen laufend weitere an, während der Corona-Zeit gibt es sogar eine, die als 60-Tage Kerkerliste täglich um einen besonderen Song erweitert und zwischenzeitlich mit der Folge 60 eingestellt wurde, aber nach wie vor angehört werden kann.


Standard Playlisten (einfach anklicken)

Jazz At the Bar

Soul und R&B

Oldies -Mix of 300 from 1960 to 1979

Pop

Rock

Klassik am Tageeinzelne Sätze, Einzelstücke u.ä.

Klassik am Abendganze Werke


Spezielle Playlisten (werden laufend ergänzt)

60 Tage Freitags-KerkerPlaylist wurde vom 17.3. bis 15.05.2020 bis zur Folge 60 täglich um einen Titel erweitert

Reference Recordings Spring 2003

Mark Selby Mix (1961-2017)

Bryan Ferry Mix

Cat Stevens Mix

Chris Rea Mix

Rolling Stones 1964-2005

Paul Rodgers Mix

Arlen Roth Mix

Nachmittag mit Debussy


TIPP !

Es gibt einen komfortablen Weg, bei dem Sie nicht den oben aufgeführten Links folgen müßen und auch stets die aktuellen Inhalte hören können. Wir haben den öffentlichen Spotify Account „Hamish Falkenried“ angelegt. Nehmen Sie die einzelnen Playlisten einmal in Ihre Bibliothek auf und sie stehen Ihnen stets in der aktuellen Fassung auf Knopfdruck zur Verfügung. Und das geht wie folgend:

1. Öffnen Sie Spotify

2. Eingabe in das Suchfeld ganz oben: Hamish Falkenried – Sie sehen den folgenden Bildschirm (Klick ins Bild zum vergrößern):

Spotify zeigt eine komprimierte Übersicht. Um alle Playlist angezeigt zu bekommen, klicken Sie den Button „Alle ansehen“ (rechter Rand).

3. Klicken Sie mit der rechten Maustaste in ein Playlist Bild und wählen Sie die Option „In Bibliothek speichern“

4. Dann finden Sie zukünftig diese Playlist(en) links in Ihrer Spotify Mediathek.

5. Zur besseren Unterscheidung zu Ihren eigenen Playlists empfehlen wir, in Spotify einen Playlistordner anzulegen, in dem Sie die Pfeifenblog-Playlisten speichern:

Sehen Sie ab und zu in Spotify unter „Hamish Falkenried“ (HF) nach, ob es neue Playlisten gibt. Um die, die Sie bereits in Ihrer Bibliothek aufgenommen haben, brauchen Sie sich nicht mehr zu kümmern. Außerdem konnen Sie zusätzlich dem Account „Hamish Falkenried“ automatisch folgen. Diese Option finden Sie durch einen Klick in das Profil von HF.

Und nun viel Vergnügen beim Erforschen unserer Playlisten. Sollten Sie Fragen zur Verwendung der Playlisten haben, so verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion am Ende dieses Artikels.





Aus dem geheimen Ort: Norwood 1968

Corona ist der Antrieb, den angeborenen Geiz ein wenig, ein ganz klein wenig, hintenanzustellen. Na ja, zumindest sich selbst gegenüber. Bestand doch bisher der Antrieb für meine jahrzehntelang währende Sammelsucht bei Tabaken vor allem nur in der folgenlosen Betrachtung der Schätze. (Gutsherren wandern tatenlos über ihre Latifundien, ich durch meine Regale). Herausgerückt habe ich in der Münchner Runde, dem Freitagsclub, nur ganz selten einen alten Tabak, da ging mir die Freundschaft und Verbundenheit dann doch zu weit. Allerdings: einen so lang gehegten und gepflegten Vintage allein zu rauchen, macht mir ebenfalls überhaupt keine Freude. Was für ein Dilemma.

Aber jetzt! So gerne ich es tun würde, ich kann niemanden einladen, einen besonderen Genuß mit mir zu teilen, in diesen Zeiten alles verboten. So bin ich gezwungen – quasi durch parlamentarische Verordnung- die folgende Pretiose allein zu genießen. Aber bitte, keineswegs aus Bosheit, sondern schlichtweg aus Anteilnahme an Euren gegenwärtigen Verhältnissen: MacBaren Plug Cut „Norwood“ aus dem Jahre 1968. Und wer jetzt aus schnöder Voreingenommenheit oder als typischer Besserwisser abwinkt, dem kann ich auch nicht helfen.

In der Anfangszeit meiner Tabak -&Pfeifenleidenschaft sind wir oftmals mit dem Fahrrad über die Grenze geradelt, in Venlo haben die Erwachsenen Kaffee, Butter, Eier und Pindakas gekauft. Und wir pfeifenrauchenden Pennäler Balkan Sobranie 759, fast alle Dunhill Tabake, Niemeyers Irish Mixture und MacBaren Stockton, Mixture, Navy Flake und den Norwood. Ab und zu auch den Richmund Medium Navy Flake, aber der war in Deutschland eh schon preiswert. Die 50 g Dosen von Dunhill kosteten 4,50 DM, der Sobranie 5,50 DM, die 100g Dose Norwood 9 DM. Und alle Tabake hatten wunderschöne, lackierte Deckel.

Zum heutigen Feiertag und weil das Wetter hier in München fast hochsommerlich ist, die Cocktail Hour und der Grillabend bereits geplant sind, will ich mir was Besonderess gönnen und ich bin auf den MacBaren Norwood aus dem Jahre 1968 gestoßen. Im Hinblick auf das Alter verbietet sich ein vorwitziges Urteil über diesen MacBaren Tabak, denn er wird sich sicherlich verändert haben.

Die 100 g Dose ist noch immer fest vakuumverschlossen, davon zeugt das deutlich vernehmbare „Plop“. Und dann folgt eine Überraschung nach der anderen. Der Norwood ist regelrecht feucht und liegt wie festgebacken in der Dose, und das nach 52 Jahren. Ich hebe diesen runden Kuchen an und da zerbricht er natürlich in große Brocken, allerdings hält die Feuchtigkeit diese immer noch gut zusammen, fast wie ein Krumble Kake.

 


Der Norwood – er wird seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt – ist (war) ein Virginia-Burley Ready Rubbed, dem das typische MacBaren Honig-Ahorn Flavour seinerzeit nur in Maßen zugesetzt wurde. Das Tabakbild zeigt uns einen Cut Plug Genannten (?), der u.a. mittlere bis große Flakescheiben sehen läßt und in den Farben von hellbraun (Virginia) bis zu dunkelbraun (Burley) variiert. Der Duft ist kräftig, heuig, malziger Pumpernikel, Backpflaume und wird am besten mit „satt“ beschrieben. Das hat durchaus Charakter, auch wenn leider nur auf diese eine Dose zu beziehen.

Zunächst fülle ich den Norwood in ein Schraubdeckelglas um, dem ich für die nächsten Wochen eher zutraue, dass es die fantastische Kondition des Tabak hält. Denn ich muß ihn natürlich für die Wiederöffnung des Clubs der Münchner Runde sorgfältig pflegen.

Da er nicht nur feucht, sondern auch ein wenig grob geschnitten ist, gönne ich ihm 1 Stunde an der Luft auf einem Blatt von der Küchenrolle. Ich drehe den Tabak  zu Kugeln und befülle damit eine genau gleichaltrige Kriswill Bernadotte 49. Es muß halt alles zusammen passen.

Nachdem die Bernadotte befüllt war und ich mir ein Glas Sherry zur Abrundung des erwarteten Geschmacks bereitgestellt habe (in der Tat war es selbstverständlich nicht nur ein Glas, sondern auch die Flasche), begann tatsächlich ein hervorragender Genuß. Mit ein, zwei Streichhölzern erzeugte ich einen sehr schönen Rundumbrand und war überrascht, wie hervorragend sich nach so langen Jahren Virginia und Burley verbunden haben. Von Beginn an ein sehr weicher, voller Geschmack, der Burley dominant. Ich schmecke ein feuchtes Früchtebrot, ohne überbordene Süße, Nüsse und Piment. Der Norwood bleibt spitzenlos bis zum Ende. Ein wenig schwachbrüstig, was das Nikotin betrifft, aber wegen des kräftigen Burley-Eindrucks bin ich da nicht böse. Ein sehr wohlschmeckender Rauch, mein Eindruck ist natürlich nicht völlig neutral. Schließlich habe ich schon bereits einige Jahre mit ihm verbracht.

Ich werde noch zwei, drei, ja, vieleicht auch noch ein paar Pfeifen mehr von ihm rauchen, dann allerdings bleibt er reserviert für die post Corona-Münchner Runde.

 




Peterson | Irish Dew – auf Abwegen

Diesen Tabak gibt es schon einige Jahre und die vom Hersteller hervorgehobene Aromatisierung hat mich davon abgehalten, ihn zu rauchen. Die Beschreibung klingt denn auch für einen Pfeifenraucher, der (fast) ausschließlich naturbelassene Tabake genießt, ein wenig abenteuerlich: Whisky und Vanille, irgendein Fruchtblüten-Aroma – also ein Misch Masch, da nicht näher bezeichnet und Schokolade (wenigstens keine heiße). Sie erkennen an dieser Einführung schon meine Skepsis und auch einen gelinden Unwillen, mich mit einer solchen Aromabombe zu befassen. Dann das „Aha oder Öha“ , denn alles kam ganz anders.

 

Peterson, deren Tabake -abgesehen von den neuen Dunhill-Petersons)- nicht unbedingt auf meiner Tagesmenukarte stehen, hatten mich im März 2018 schon einmal sehr angenehm mit einem Saisontabak überrascht. Dennoch bedurfte es eines Hinweises vom Tobacconisten meines unverrückbaren Vertrauens, denn allein das Racing Green des Pouches hätte mich nicht zum Kauf veranlaßt. Obwohl, irgendwie blendete sich bereits die Verpackung der Peterson Special Reserve assoziativ in den Kaufanreiz ein. Zum Glück, wie ich jetzt weiß.

Dose ist nicht! Der Ready Rubbed Flake wird in einem Pouch angeboten, perfiderweise mit 40g Inhalt. Wer schaut denn so genau auf die Angaben, scheint das Kalkül des Herstellers zu sein. Vielleicht steht da ein profitmaximierender Plan dahinter, denn bekanntlich werden im Brexit Country Pouches sogar mit 25g Tabak verkauft. Da ich, wie Sie vermutlich auch, diesen Tabak nicht unverzüglich völlig aufrauchen werde, sollte er in ein Schraubdeckelglas umgefüllt werden, um Austrocknen zu vermeiden. Denn nach ungefähr einer Woche im geöffneten Pouch ist er bereits zu trocken.

Also – das Vaku-Siegel gebrochen und ……..die Überraschung. Ich rieche weder etwas von Whisky, Schokolade, noch von Vanille und auch nixen von irgendwelchem Früchte-Laub. Was duftet, ist ein wundervoller Virgina und der etwas dunkler-nussartig riechende Burley. Denn aus nichts anderem besteht der Irish Dew, 2-3 verschiedene Virginias (hell und rotbraun) und ein gerösteter Burley. Natürlich liegt da ein leichtes Casing über der ganzen Geschichte, aber so unaufdringlich, so sachte, daß es tatsächlich angenehm ist und ich die Gedanken daran ausblende.

 

Das ausgewogene Tabakbild ist typisch für einen ready rubbed Flake, teilweise finden sich noch gepresste Stücke in der Mischung. Es gefällt mir auch, dass die Mischung ziemlich breit geschnitten ist, denn das erhöht für mich den Rauchgenuß und fördert ein besonders langsames Rauchen. Zum Befüllen der Pfeife mag ich keinen Kommentar abgeben.

Die Kondition ist sehr gut, nicht zu feucht, nicht zu trocken. Hat man zuoberst einige Flakebrocken liegen, kann das Zündeln etwas langwierig werden, aber wer hat die schon. Ist es gelungen und glimmt die gesamte Oberfläche, merken Sie es. Das ist ein probater Virgina und kein vorrangig aromatisierter Tabak, dessen Heugeschmack vortrefflich vom Burley abgerundet wird. Die nussige Gesamtsüße kommt mir so sehr natürlich vor und ich rauche die 4 Testpfeifen ganz besonders langsam – und genußvoll.

In der Tat empfehle ich, den Irish Dew mit etwas Aufmerksamkeit zu rauchen, er hat die Tendenz, leicht zu heiß zu werden und wird dann geschmacklich zu trocken. Der Abbrand ist hervorragend (nein, – ich erwähne nicht mehr den reinweißen Ascherest als wichtigstes Ergebnis für den Rauchgenuß!). Die vermeintliche Natürsüße und der Nussgeschmack bleiben von Anfang bis Ende gleich gut. Das spricht für die Güte des Tabaks und die Fähigkeit des Blenders, aber das ist man ja von STG gewohnt:

 

Wohl bekomm`s, in der wahren Bedeutung des Wunsches.

 

Peterson Irish Dew Mixture
40g Pouch

 

 




Pfeifen Huber | Selected Blend – Flake Cut

Pfeifen Huber hat eine neue Tabakserie aufgelegt: Selected Blend. Der Tobacconist aus München sieht die „Blauen“ als Ergänzung zu den lange etablierten, fast ausschließlich in 100g Dosen angebotenen Reihen Danish, Virginia, Englisch, Flakes und den aromatisierten Tabaken. Selected Blend ist in 50g Runddosen verfügbar. Wir werden die 5 verschiedenen Tabake – English, Virginia, Irish, Aromatik und den Flake Cut in den nächsten Wochen ausgiebig testen und dann vorstellen. Während Peter Hemmer sich hier die Englische Mischung vorgenommen hat, widme ich mich erst einmal dem Flake Cut.

Wer wie ich bei den gepressten Tabaken eine besondere Vorliebe für die als „Band“ in die Dosen gelegten Tabake hegt (Huber Honeydew Flake – jetzt Golden Flake, Robert McConnell Old London, Rattray`s Marlin Flake) wird vom neuen Flake Cut angetan sein. Denn der besteht nicht aus vorgeschnittenen Flake Scheiben, sondern aus einzelnen „Tabakbändern“ von ungefähr 3,5 x 20 cm. Diese sind gleichmäßig und dünner als Flakescheiben geschnitten und das bringt nicht nur beim Befüllen der Pfeife Vorteile, da die Bänder sich einfacher knicken und falten lassen. Wer es vorzieht, den Tabak auf die bekannte barbarische, gefühllose Art zu zerreißen oder zu zerpflücken, mag das tun. Geht auch.

Hubers neuer Flake ist ein reiner Virginia, der aus der Dose einen wunderbaren Duft abgibt. Es ist ein ganz leichtes zusätzliches Aroma feststellbar, das sich aber perfekt dem Virginia unterordnet und dessen Eigenart wohltuend unterstützt. Der oder besser die Virginias sind gold- bis dunkelbraun und stammen von drei Kontinenten: Südamerika, Afrika und Asien. Sie werden in Blöcke gepresst und unterlaufen eine Reifezeit von 4 Wochen. Nach dem Reifeprozeß erfolgt der „Schnitt“ und – leider ein gesetzlich initierter Irrsinn – der Flake in die runde 50g Dose verbracht.

Knick&Falt also, damit sich tirolische Steinadler wieder echauffieren können. Für die große Stanwell reicht ein Bändchen für eine 3/4 Füllung. Die Kondition ist perfekt und so läßt sich das Rauchvergnügen ohne Umstände an. Und genau das ist es. Nach dem anzünden und nach einigen wenigen Minuten beginnt das Virginiafest. Der Flake bringt sogleich ein volles, dichtes virginiatypisches Geschmackserlebnis. Die natürliche Süße geht einher mit dem Geschmack von trockenem Heu und wer jetzt nicht vor lauter Euphorie beginnt, die gebotene Ruhe und Langsamkeit außer Acht zu lassen, wird reichlich belohnt. Der Flake entwickelt keine Spitzen. Hat er einmal seine „Betriebstemperatur“ erreicht, bleibt ein bis zum Ende hin gleichbleibender, voller Rauchgenuß. Ein wenig erinnert mich dieser Flake an den alten Heroen Richmond Medium Navy Cut, eher im Duft, ein wenig auch im Geschmack. Nur ist der Huber Flake Cut um einiges kräftiger, aber nicht was Nikotin betrifft. Hier erscheint er mir sogar ein wenig unter „Medium“ zu segeln, was aber sehr gut zur gesamten Komposition passt.

Dieser Tabak, der mit so wenig Komponenten daher kommt, ist für mich ein Volltreffer. So süffig, so geschmacklich naturrein. Ich werde noch ein, zwei Dosen kaufen und wenn sich da keine Abweichungen ergeben, wird das ein „Lagertabak“ für mich werden. Es bleiben noch zwei Gedanken: ich habe den Huber Flake Cut in verschieden großen Pfeifen geraucht, große – wie die im Artikel zu sehende Stanwell Premium – mittelgroße und auch kleine Dunhills und Foundations. In allen Pfeifen war es ein Genuß.

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Unverständlich allerdings bleibt für mich, warum nicht auf dem Bodenetikett die Zusammensetzung des Flakes angegeben wird. Ungenutzer Platz ist reichlich vorhanden. Das wurde aber schon oft auch bei Tabaken anderer Hersteller bemängelt. Es kann nicht an der Kostenbetrachtung des Produkt Managements liegen, hier haben die sogenannten Marketingschlafleute wieder einmal nicht mitgedacht

Pfeifen Huber, München
Selected Blend – Flake Cut
50g Runddose

ab sofort erhältlich hier




Archäologie – R and M (Rum & Maple)

Wer ἄλφα sagt, muß auch βῆτα sagen. Bei der letzten „Redaktionskonferenz“ des Pfeifenblog.de wurden die Aufgaben für die nächsten Artikel verteilt. Mein Thema wurde der Wechsel der Peterson Tabake zur Scandinavien Tobacco Group (STG). Na ja, auch die Übernahme von Planta durch MacBaren erschien mir interessant. Was ich aber nicht wußte, auch einer der Archetypen aller Aromaten gehört nun zu MacBaren, der neuerdings als R and M benamste frühere Rum & Maple Blend No. 53. Oh je, genau der Tabak, der schon immer auf meiner Hit- und Wunschliste stand. Was soll`s, ein Guter hält es aus und um einen Schlechten ist nicht schad.

Aktueller Aufdruck auf dem 50g Pouch, Unitas ist der deutsche Großhändler

Zunächst der wichtige Blick zurück. Rum & Maple war nicht immer, was er heute ist und auch das Image war um Längen besser. Den Tabak gab es in den USA schon in den 1940ern und seinerzeit setzte er sich zusammen aus syrischem Latakia, Virginia und North Carolina Tabak, dem Rum und Ahornsirup zugesetzt wurde. Der Original Hersteller war Larus & Brother Company aus Richmond im Staat Virginia, später übernahm Pinkerton Tobacco aus Kentucky die Fertigung. So ab 1964 gehörte der Rum and Maple zu Lane (mittlerweile STG Lane Limited, Crown Achievement, Captain Black) und anscheinend erfolgte da eine Rezepturänderung. Der Latakia wurde ersetzt durch Burley und Cavendish. Als Lane den Tabak nicht mehr weiter produzierte, übernahm die deutsche Planta und fertigte ihn bis 2019, bis Planta geschlossen wurde und die Tabakfertigung auf MacBaren überging.


Ich habe die 50g Pouch Packung gekauft, da mir die 100g Runddose ein zu großes Risiko dargestellt hat. Zu Recht, wie ich nach 3 Rauchproben weiß. Die erste Enttäuschung: nichts riecht auch nur annähernd nach Rum oder Ahornsirup, ein unangenehmer, muffiger Geruch entströmt, der alles sein kann, wahrscheinlich aber von einer moderigen Seegrasmatratze herrührt. Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung, aber als ich zuletzt vor 40 Jahren einmal an diesem Takak gerochen habe, gab es doch ein deutliches Rum und Ahornaroma, oder? Feststellen kann ich fast auschliesslich den Burley. Der R&M ist fein geschnitten und gut konditioniert. Bei der Wahl der Pfeife habe ich mich durch gewisse Vorahnungen zu einer uralten Lincoln Pfeife entschlossen. Ja, richtig – genau die aus der 1974er Plakatwerbung („Lincoln Cavendish – mehr hat der Mann, der Lincoln raucht).

So, und jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich habe den R and M drei Mal versucht zu rauchen und genauso oft die Pfeife nach der Hälfte geräumt. Dieser Blend ist eine geschmackliche Zumutung. Das einzige, was ich glaube heraus zu schmecken, ist der muffige Burley. Alles andere ist zugekleistert von einem undefinierbarem Aromagemisch.

Nun kann es sein, daß ich diesen heroischen Tabak völlig falsch beurteile, Geschmack unterliegt schließlich keinen gesetzlichen Verordnungen. Deshalb habe ich mich intensiv in amerikanischen Foren umgesehen, diese mag ich ganz besonders. Viele Kommentare haben etwas holzfällerhaftes und ich bin sicher, die Rezensenten tragen karierte Flanellhemden. Ich habe eine Strichliste geführt und bei 50 Kommentaren aufgehört. Sage und schreibe 45 haben den R&M über den grünen Klee gelobt, die übrigen 5 beklagten, daß erst nach Aufgabe der Produktion durch Lane und den Transfer nach „Germany“ (Planta scheint nicht bekannt zu sein) der Tabak sogar ungenießbar geworden sei. Sei`s drum, ich fühle mich richtig aufgehoben in der Minderheit.

Selbst wenn der geneigte Pfeifenraucher nostalgische Beweggründe vorgibt, um einen Versuch zu wagen, es muß davon abgeraten werden. Auch der Preis von 7€/50g ist wirkungslos. Mehr fällt mir dazu nicht ein, ich mache jetzt den Pouch wieder zu und rieche mindestens eine halbe Stunde in den Huber Balkan hinein.


R and M
seit 2019 von MacBaren
50g Pouch, 100g Runddose, 250g Dose




Peterson Old Dublin – ein Brexit Gegner

Schlechte Nachrichten blenden wir im Pfeifenblog.de gewöhnlich einfach aus, die gehören nicht in unsere, sondern in die äußere Welt, die eh voll davon ist. So habe ich den aufklärerischen, renitenten Artikel von Alexander Broy aus dem vergangenen Jahr selbstverständlich ignoriert. Zumal mir bisher außer dem 3 P Plug und einem gelegentlichen Rauch mit University und Irish Flake nichts von Peterson in die Pfeifen geraten durfte. Und bis vor wenigen Monaten werkelte auch noch MacBaren daran rum, zu denen doch die Übernahme von Planta viel besser passt.

Aber nun ist ja die Scandinavian Tobacco Group (STG) am Ruder, hat die Peterson Tobacco Lizenzen erworben und die ersten Resultate aus „DER ANDEREN“ dänischen Fertigung liegen als 50 g Runddosen in den Regalen. Und da die beiden Irlands gerade in aller Munde sind und vielleicht für das britische Inselchen-Wundermännchen aus London zur Pita werden könnten, habe ich mir den Old Dublin vorgenommen.

Wer den Tabak nicht kennt und einen aromatisierten irischen Blend erwartet, wird zum Glück eines Besseren belehrt. Der Old Dublin ist eine saubere englische Latakia Mischung, die aus cypriotischem Latakia, hellem Virginia und einem kräftigen Anteil von Basma Orientabak aus Griechenland besteht und durch Black Cavendish abgerundet wird. Der Tabak ist für meine Vorlieben etwas zu fein geschnitten, wie auch einige Dunhill Tabake. Der Duft aus der Dose ist der eines feinen Engländers, wie wir ihn aus den 1950er/60er/70er Jahren her kennen. Der Latakia steht keineswegs im Vordergrund, sondern ist sorgsam auf Virginia und Orient abgestimmt. Das ist auch deutlich am Tabakbild zu sehen:

Diese typische englische Mischung hat einen leichten, nussigen, dennoch würzigen Unterton und ich denke, das ist auch dem hervorragenden Basma zu verdanken. Über das Befüllen einer Pfeife mit diesem Tabak lasse ich mich hier nicht aus, das sollte bekannt sein. Obwohl – ich werde den Old Dublin allen empfehlen, die bisher andere Geschmacksrichtungen bevorzugen und doch gerne einmal in eine Latakia Mischung hineinschnuppern wollen. Oder sogar Einsteigern, wenn ich sie von Cherry-Vanilla-Himbeeren Tabaken wegführen will. Der Old Dublin ist der richtige Tabak dazu. Fast ein wenig zu leicht in der Geschmacksdichte, mit wenig Nikotin – dennoch ein gelungenes, englisches Rauchvergnügen. Auch über die sogenannte Raumnote werden Sie von mir nichts hören. Ein Engländer riecht wie ein Engländer und Sie werden sich in einer Parfumerie oder bei Ihrer militant nichtrauchenden Tante nicht gut Freund machen.

Man kann einige Geschütze gegen ihn auffahren, da fallen mir die Skiff Mixture und der Squadron Leader von Samuel Gawith ein, keineswegs aber die Dunhill Mixture 965, wie in manchen Foren zu lesen ist. Das ist eine ganze andere Nummer.

 

Peterson Old Dublin
Made in Denmark  by STG
50 g Runddose

 




Der Wi(e)dergänger – Robert McConnell „Old London“

Robert McConnell`s Old London hat eine ähnlich zerfledderte Vita wie der Capstan, die Three Nuns, Dunhill Tabake oder die von Charles Rattray und zeigt einmal mehr den Niedergang der alten, traditionsreichen englischen Pfeifen-Tabakmanufakturen auf. Letzlich sind viele englische Tabake mit einer klangvollen Historie auf dem Kontinent* gelandet, entweder bei der Scandinavian Tobacco Group (STG), MacBaren oder Kohlhase & Kopp.

C.E. McConnell Ltd war ein kleiner Tabakhersteller in London, der von 1848 bis 1989 existierte und in seinen letzten „Lebensjahren“ nahezu ausschließlich OEM Tabake hergestellt hat, also Tabake für andere Brands, darunter für Rattray und Wessex, aber auch für zahlreiche US Distributoren wie z.B. Marble Arch. Unter anderem gingen die letzten Inhaber der Firma, die Brüder Ken und Michael McConnell (einen Robert hat es nie gegeben, das ist eine „Marketing Erfindung“, Robert McConnell war schlichtweg ein wohl nicht registrierter Zusatz zum rechtlichen Firmenamen) eine Liaison mit William Ashton-Taylor ein, der als Ergänzung zu seinen Ashton Pfeifen eine Tabaklinie aufbauen wollte. Und so wurde u.a. neben Black Parrot, Celebrated Sovereign, Original Old Church, Brindle Flake, Old Dog auch der Ashton Old London Pepple Cut geschaffen.

Als C.E. McConnell nach 141 Jahren 1989 geschlossen wurde, übernahm Kohlhase & Kopp (K&K) quasi den Nachlaß und fertigte die Tabake für Europa und die USA, bis der letztere Markt von Ashton an McClelland vergeben wurde. Letztlich aber ging 2005 die Gesamtfertigung wieder zurück an K&K, die allerdings im Gegensatz zu McClelland nicht mehr die identischen Rezepturen von C.E. McConnell verwendeten, wie es ja so häufig bei Markenübernahmen geschieht. Die Robert McConnell Reihe (Robert McConnell Original und Heritage) ist nun vollständiger Bestandteil des K&K Portefeuille. Von der ursprünglichen C.E McConnell Ashton Reihe werden von K&K nur noch Black Parrot, Sovereign und Old London hergestellt, allerdings gibt es von K&K unter den Brands Robert McConnell und Ashton eine ganze Reihe weiterer, bemerkenswerter Tabake. Über die zunächst als Dunhill-Ersatz geplante Heritage Linie haben wir hier und in weiteren Artikeln ausführlich berichtet.


Der Robert McConnell Old London ist ein naturreiner Virginia Perique Flake mit Orientanteil (?), dem abweichend von den Ursprungsrezepturen in der K&K Version Black Cavendish hinzugefügt ist. Hergestellt wird der Basis Flake von STG, K&K übernimmt die Konfektionierung. Der Schnitt wird seit jeher mit Pebble Cut bezeichnet, was immer das sein mag. Ich würde ihn eher Ribbon  nennen, wie wir ihn vom Honeydew Flake  – jetzt Golden Flake  – vom Tobacconisten Pfeifen Huber her kennen. In der hohen 100g Dose liegt das breite Tabakband säuberlich gerollt und zeigt ein wunderschönes Bild.

Der Duft aus der geöffneten Dose ist wundervoll. Backflaumen, Heu, Pumpernickel, alten Port vemag ich zu riechen, alle Gerüche völlig naturrein. Die abrundende leichte Süße des Tabaks, im Duft wie auch im Geschmack, stammt vom nussigen, hellbraunen sowie einem aromareichen roten Virginia. Louisiana Perique bringt Würze…… und der Orient-Pfeffer? Nicht sicher bin ich, ob tatsächlich noch Mazedonischer Orienttabak Teil der Mischung ist. Ich vermute, dass der von der Ur-Rezeptur abweichende Black Cavendish diesen ersetzt hat. Allenfalls dürfte sich Orient nur noch in homöopathischen Mengen zu finden sein.

 

Das Flake-Band ist perfekt konditioniert. Sehr leicht lassen sich bröselfrei Stücke abdrehen. Ich befülle die Pfeife wie gewohnt mit Knick&Falt, die beste Methode, gepresste Tabake als einheitliche Komposition zu erfahren. Wer davon nicht überzeugt ist, nur über eingeschränkte Fingerfertigkeiten verfügt oder einfach seinem alpinen Widerspruchsgeist folgen muß, läßt es bleiben und bringt den Tabak in die Pfeife, wie er es mag, meinetwegen auch pulverisiert. Bei Knick&Falt darf der Tabak nicht zu fest gestopft werden, denn er quillt leicht bei zunehmender Hitze. Und deshalb gilt hier wieder einmal mehr: langsam, langsam rauchen. Windumtoste, regengepeitschte Mittagspausenrauchplätze meiden, denn auch die kleinste Flakepfeife braucht für den uneingeschränkten Old London Genuß länger als eine halbe Stunde.


Old London Pebble Cut ist ein komplexer Tabak, der ein vielschichtiges Geschmackserlebnis verschafft. Einerseits bringen die unterschiedlichen Virginias Süße und eine gewisse, nussige Leichtigkeit, während der Perique für Kraft und Würze zuständig ist. Ob der Orientersatz Black Cavendish zu einer großen Abweichung von der Ashton / C.E. McConnell /McClelland Old London Version führt, weiß ich nicht. Eine 100g Dose wurde kürzlich auf ebay für 200 US $ angeboten, das waren mir dann doch 5 $ zuviel, zumal mir der K&K Tabak hervorragend schmeckt. Orient hin oder her.

 

Obwohl kein Latakia in der Mischung verwendet wurde, möchte ich den Old London als einen typisch englischen Virgina-Perique Flake bezeichnen, der einen Hauch Nostalgie in den Genuß einbringt.  Eine geringe geschmackliche Nähe zum Rattray Marlin Flake ist feststellbar, kommt dieser letztlich ja auch von K&K.

Unterstützt habe ich das hervorragende Raucherlebnis mit einem wundervollen 2007er Niepoort Vintage Port, dessen Tiefe und Vollmundigkeit die des Old London perfekt abrundet.

 

* [Ironie ein]Ob der Brexit den zwei (drei) verbliebenen britischen Manufakturen Samuel Gawith & Gawith & Hoggarth und J.F. Germain & Son zum Wohl gerät oder zumindestens nicht schadet, bleibt abzuwarten. Womöglich werden sie dann ebenfalls in Dänemark oder Deutschland, also in der EU hergestellt.[Ironie aus]

 

 

 

 

 

 




Savinelli Blue – Tradition mit Spaßfaktor

Gibt es einen Pfeifenraucher, der nicht mindestens eine Pfeife des italienischen Herstellers Savinelli besitzt? Zusammen mit ähnlich ikonischen Namen wie Peterson und Stanwell ist Savinelli als Inbegriff klassischer Serien-Pfeifenmodelle mit hoher Qualität angesehen. Und es muß nicht immer Dunhill sein, wenn es um Klassik und Tradition geht. Modellreihen wie Punto Oro, Giubileo d`Oro, Autograph und die Jahrespfeifen Collection sind legendär. Hergestellt seit 1950 in der Nachfolge des 1876 in Mailand gegründeten Unternehmens werden Savinelli Pfeifen in dem kleinen Ort Barasso in der Provinz Varese (Lombardei), ca. 60 Km nördlich von Mailand gelegen. Die klassischen Modellreihen wurden soeben um eine interessante Variante ergänzt, die richtig Spaß macht:


 
Savinelli Eleganza für die Shapes
111 – Billiard
207 – Apple (Straight)
315 – Prince (Half Bent)
320 – Diplomat (Half Bent)
606 – Classic Bent
622 – Pot

 

Es gibt sie jeweils als rustizierte oder glatte (Rustic oder Smooth) 9 mm Filter-Ausführung, das Besondere aber sind die mitternachtsblau gefärbten Acryl Mundstücke.

Bei meinem gestrigen  Nachmittagsrauch beim Fachändler meines uneingeschränkten Vertrauens im Münchner Tal (ganz seltenes Ereignis, ungeplant, unbeabsichtigt, zufällig) bin ich ebenso zufällig auf diese Prince gestoßen:

Und da hat es …Zoom gemacht! Eingefangen hat mich dieses wunderschöne Mitternachtsblau des Mundstücks und der ebensolche Ring am Holmende, angebracht vor der silberfarbenen Olive. Das Blau steht in auffälligem Kontrast zur Rustizierung der dunkelgebeizten Army Mount. Da Savinelli auf die für mich stets überflüssige Einrauchpaste bei der Eleganza verzichtet hat, sieht das alles noch ansprechender aus.

 

 

  • Länge: 140 mm
  • Kopfhöhe: 35 mm
  • Kopfbohrung: 21 mm
  • Gewicht: 42 Gramm
  • Preis: sehr, sehr moderat

Mir gefallen immer mal wieder gestrahlte oder rustizierte Pfeifen besser als ihre glatten Brüder/Schwestern, dennoch muß ich bekennen, daß die hellen, glatten Eleganza ebenfalls wunderbar mit dem sanften Mitternachtsblau harmonieren:

Savinelli Eleganza, verschiedene Shapes – im gut sortierten Fachhandel und hier auch online.