Pfeifenraucher des Jahres | vermurkster Unsinn

Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Schwachsinn und mit welch öffentlicher Heuchelei das Tabak Forum vom Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie auf seinem YT-Kanal smokernews TV die Wahl der Pfeifenraucherin des Jahres 2018 erklärt und begründet. Da ist richtiges Fremdschämen angesagt, wenn die scheinbar völlig verplastifizierte und botoxglänzende , dauerlächelnde Sonja Kirchberger (53) Schwierigkeiten hat, dem Interviewer zu erklären, warum Sie vorgeblich eine passionierte Pfeifenraucherin sei. Ob sie in ihrer Pfeife –also ist sie scheinbar eine passionierte Sammlerin- überhaupt Tabak und wenn ja, welchen raucht, bleibt unangesprochen. Unbeantwortet auch die Frage des ach so smarten und ziemlich wortungewandten Interviewers, ein gewisser Klaus Peter Will, nach der Anzahl von Pfeifen, die Kirchberger besäße. Ich vermute mal, die zur Verleihung übergebene Winslow Pfeife ist ihre erste oder gar einzige. Ist auch egal, sie raucht nach eigenen Angaben eher im verborgenen, geheimen Umfeld und vorzüglich allein. Aha.

Das dreimalige Playmate, dessen einzig wirklicher Erfolg mit dem Film Venusfalle immerhin schon 30 Jahre zurückliegt, in einem kürzlich veröffentlichten Interview zu ihrer letzten Playboy Ablichtung im Jahre 2014:

„Ich liebe es, nackt vor der Kamera zu stehen. Ich bin schon eine Erotomanin, muss ich ehrlich sagen. Beim ersten Mal war ich einfach nur stolz, in dem Magazin zu sein, das ich schon in der Pubertät heimlich gelesen habe. Ich finde erotische Aktfotografie einfach toll, und ich mag ja auch Filme, die ein Stückchen weiter gehen.“

Da fügt sich die jetzige Auszeichnung auf dieser ebenfalls entblößenden Gruselveranstaltung nahtlos an, die mich ein wenig an Richard „Mörtel“ Lugner`s Präsenz auf dem Wiener Opernball erinnert. Natürlich fehlte in Berlin dessen Eleganz.

Und wie die ähnlich peinlichen Funktionäre aus Gewerbe und  Marketing schwer verdauliche Unweisheiten und unglaubwürdige Einschätzungen von sich geben, machte aus der Gala des Verbandes eine Witzveranstaltung, die dem RTL Dschungelcamp in nichts nachsteht. Die Protagonisten sind lediglich besser gekleidet, argumentativ aber ähnlich unterbelichtet. Zumindest sind sie unisono realitätsfremd, wobei das im günstigen Fall Zweckoptimismus sein könnte, wenn nicht gar Selbsttäuschung. Ambitionierte Pfeifenraucher schüttelt es da gewaltig, insbesondere, wenn dann ein Adabei (bayerisch/österreichisch: allweil, immer dabei) wie Uwe Ochsenknecht als Laudator ins Bild gerückt wird. Die Beweggründe seiner Teilnahme bleiben der Fantasie des Betrachters überlassen, allerdings hätten statt seiner die Kinder Wilson Gonzalez, Jimi Blue, Cheyenne Savannah oder Rocco Stark ein wenig von der Bräsigkeit dieser Licht-Veranstaltung beseitigt.

 

Nachzusehen – und leider auch nachzuhören – öffentlich. Und die sich dort herzlich feiernden „Granden„ der Tabakindustrie, die zeitweilig sogar trotz einer lächerlichen, realtitätsfremden Lobhudelei auf  die „schauspielerische Ausnahmeerscheinung“ nicht einmal den richtigen Namen ihrer herausragenden „Markenbotschafterin“ verinnerlicht haben (Oliver Haas, Geschäftsführer Scandinavian Tobacco Group oder Interviewer Will patzen da hörbar), macht diese Farce noch besonders „humorvoll“.

 

Der Gipfel des Funktionärs-Dilettantismus ist aber die an Norbert Blüm erinnernde Prognose „der Nachwuchs für die Pfeife ist gesichert“ [expressis verbis!] eines bekannten Pfeifenherstellers, bestätigt durch den Präsidenten des Verbandes der Deutschen Pfeifenraucher –ja, beide, Verband und Präsident, gibt es wirklich. Letzterer liefert dann noch eine hochnotpeinliche Aufklärung über die Stellung und das Ansehen von weiblichen Pfeifenrauchern, also Pfeifenraucherinnen oder auch Frauen genannt und die Sichtweise von richtigen, sprich männlichen Pfeifenrauchern, auf diese besondere Spezies.

Als Pfeifenraucher würde ich mich von einer solch hinrichtenden Veranstaltung schier angegriffen fühlen, wenn …. ja, wenn dort wirkliche Genußleidenschaft für Tabak und Pfeife hätte vertreten werden sollen. Das war bei dieser Realsatire zum Glück nicht einmal ansatzweise vom Veranstalter bezweckt, vermutlich aus Unvermögen.




Tabak | Bildband, Kompendium oder Katalog?

Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, Pfeifenblog sei gerade auf dem HU-Tobacco Trip. Aber ein solcher wäre durchaus zu vertreten, denn bei der derzeitigen Ödnis in der Tabakentwicklung, den gesetzlich geforderten Verschönerungsmaßnahmen für Verpackung und dem fehlenden Einfallsreichtum der meisten Hersteller, Blender, Fachhändler oder sonstigen Anbieter, ist eine Unternehmung wie die von Hans W. einer der zwei, drei tobacconistischen Leuchttürme, die wir in Deutschland haben. Nicht zu vergessen die mittlerweile traurige, europäische „Holzgewerkschaft“, die sich scheinbar der Allianz der Billigst-Estate-Konsumenten und von YouTube Kanalisten ergeben hat, die das sammlerische  Mittelmaß  noch einmal kräftig unterschreiten und in der Darbietung grottigen Dilettantismus abfeiern. Erschreckend, das sich damit tatsächlich ein Podium hat aufbauen lassen.

„Ihr sitt widderlich, ni’ mieh zo erdraare“ dichtete einst BAP`s Wolfgang, sicherlich für ein anderes, ernsthafteres Szenario, nichtsdestoweniger passend.

HU-Tobacco legt soeben ein kleines, liebevoll und sehr professionell gemachtes Büchlein, ein Brevier oder ein Katalog, über sein mittlerweile erstaunlich gewachsenes Angebot an interessanten Tabaken verschiedener Provenienzen, Formate und Geschmacksrichtungen vor.

Braucht es das ? Und wie.

Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert

Oscars Sinnspruch wirkt an dieser Stelle genauso überhöht wie der zuvor zitierte Text von BAP, trifft es aber genau. Zunächst die Aufmachung. Ein Bilderbuch, ästethisch, elegant. anstiftend, informativ. Ich bin völlig überrascht, was für ein kleines „Tabak Imperium“ Hans Wiedemann in den Jahren aufgebaut hat: United Passion Flakes & Blends, Hommage to my Friends, Original Warehouseblends, The Blender`s Pride und –meine Favoritin- die African Line.

Die Texte zu den einzelnen Tabaken aber sind das wahre Highlight und der Aspekt, der den über 70-seitigen Band so lesenswert macht. Keine sinnschwachen, blumigen und wenig aussagekräftigen Kurzbeschreibungen, wie wir sie von den meisten Tabakanbietern gewohnt sind (…. Florale, gemähte Alpenwiese mit im Nachgang hervorstechenden Aromen von gut abgehangenem Cross-Country Beef und bretonischem Salzlamm sowie Liquid Moly Schmierstoffen, umwölkt von einem Hauch Leberpastete) sondern fundiertes Wissen über Tabake, deren Komponenten, über Herstellungsprozesse, Definitionen von Geschmacksrichtungen, die allesamt HU-Tabake in einem anderen Licht zeigen. Und Lust darauf machen, den nächsten Tabakshop zu stürmen und sich einen Wochenendvorrat anzulegen. Das gelingt natürlich, wenn man im weltgewandten bayerischen Wellness-Ort Fürstenfeldbruck (bei München) oder in dessen Umgebung wohnt (Tabak Bosch), ansonsten bleibt der Onlinebezug.

Das Hans Wiedemann unterstützende Kreativ Team, hinreichend für ihren Professionalismus bei Wort und Bild bekannte Afficionados, legen aber noch Einmaliges drauf: zu fast allen Tabaken wird eine Pfeife abgebildet, deren Schöpfer Maßstäbe hinsichtlich Idee, Formensprache und Qualität in jeder Hinsicht gesetzt hat : Bo Nordh, Jörn Micke, Kurt Balleby, Poul Ilsted, Tom Eltang, Peter Hedegaard, Former und Jess Chonowitsch, die Künstler von Bang, die drei Generationen der Ivarssons, Japans Gotoh und Tokutomi, die Deutschen Rainer Barbi, Cornelius Mänz und Wolfgang Becker, generös zur Ablichtung zur Verfügung gestellt durch einen privaten Sammler. In dieser Dichte schwerlich öffentlich an anderer Stelle anzutreffen.

Der HU Tobacco Katalog wird so zu einem zeitlosen Kompendium, das ich nicht mehr missen möchte. Und immer wieder zur Hand nehmen werde, so wie ich es mit dem Dunhill Katalog von 1923 oder dem 1970er Jahre Kriswill Katalog mache. Eine klare Empfehlung für einen inspirierenden und wunderschönen Bildband.

HU Tobacco Hans Wiedemann
Pfeifentabake 2018
Text: Hans Wiedemann, Peter Hemmer, Arno van Goor
Design der Dosenetiketten: Alexander Broy | www.broy.de
Fotos: Alexander Broy
Layout & Design: broy new media

erhältlich bei HU Tobacco




Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Ja, wer hätte bis vor wenigen Monaten gedacht, das die neue Datenschutzgrundverordnung – verbindlich ab dem 25. Mai 2018 – auch unseren privaten Blog umhegen wird. Für Konzerne wie Google und Facebook, Unternehmungen, Klein- und Kleinstbetriebe, für Freiberufler und auch für Vereine, Vermieter oder Handwerksbetriebe gilt die Reform. Wir wollen Ihnen und Euch nicht die DSGVO erläutern, müssen allerdings auf einige Änderungen im Blog hinweisen.

Denn Horden von Abmahn-Hyänen stehen in den Startlöchern,

um sich ihren segensreichen Anteil zu sichern. Ab sofort sind keine Anmeldungen als Blog-Mitglied mehr möglich und auch nicht nötig, denn alle Beiträge sind öffentlich. Dadurch haben wir allerdings die Gruppenfunktion einstellen müssen. Hier konnten sich Mitglieder in Gruppen zusammenfinden und miteinander „reden“ oder sich „verabreden“.

Um das wieder verfügbar zu machen, müßten wir von jedem eine schriftliche Einverständniserklärung abfordern, das wir persönliche Daten – und sei es nur die email-Adresse- speichern dürfen. Mit Verlaub: das ist uns zuviel Aufwand.

Wir schauen uns das jetzt erst einmal an. Vielleicht gibt es ja bald für WordPress (unsere Plattform) entsprechend rechtlich unbedenkliche Plugins, die eine erneute Einführung von Mitgliedschaft und „Gruppenbildungen“ ermöglichen, ohne das wir zwei Vollzeit-Assistentinnen einstellen müssen.

Obwohl: die stehen jetzt auch schon in den Startlöchern.

Bleibt noch das Thema Kommentare zu Blog Artikeln: diese sind bis auf weiteres unverändert möglich. Derzeit bemühen wir uns um ein Plugin, das ein Einverständnis zur Speicherung der email-Adresse des Kommentierenden durch setzen eines Häkchen o.ä. bewerkstelligt. Bis zum 25. Mai werden wir das wohl hinbekommen.

Eines möchten wir ausdrücklich unterstreichen: wir Blogbetreiber sind für einen ausnahmslosen Datenschutz, dieser kann nicht umfangreich genug sein. Aber ohne eine professionelle staatliche Überwachung werden von der DSGVO nur Abmahnkanzleien profitieren, denn Facebook, Google, Amazon und Konsorten sind längst nicht mehr zu kuratellisieren.

Schaun wir mal.

 

 

 

DSGVO Wiki

Wer noch mehr wissen möchte

Wer behauptet eigentlich so etwas ? Eine Empfehlung vom Pfeifenblog

Wir glauben an ein Internet, in dem die Interessen der User wirklich an erster Stelle stehen. Dieses Internet braucht radikal neues Denken. Und ein komplettes Redesign. Sagt CLIQZ.

So löschen Sie Ihren Facebook Account




Peterson | Special Reserve 2018 – Curly Cut

Die Welt der Tabakhersteller, Marketingspezialisten und der Strategieanalysten großer Multi-Lifestyle Konzerne dreht sich derzeit monatlich einmal um die eigene Achse. Während Dunhill und McClelland Tabake verschwinden sollen, Germains auf der wundervollen Kanalinsel Jersey die Esoterica Tabake nur noch als virtuelle Chimäre führen (obwohl sie stante pede stur Gegenteiliges behaupten), läßt sich Peterson anscheinend nicht beirren. Und bringt als limitierten Jahrestabak einen außergewöhnlichen Curly Cut, der seine Herkunft nicht verleugnen kann. Dazu später.

Eines vorweg: die 100g Blechdose kommt im Schlafrock daher, was für ein Glück. Entfernt man die Pappschachtel, erscheint eine Tabaksdose, wie sie sich der Tobacco-Gourmet wünscht: Racing Green, als käme sie direkt von der grünen Insel. Schweigen wir darüber, bevor irgendein ÖDPler oder gar ein aufgewachter Eurobürokrat das kritisch betrachtet.


 
Der Tabak ist nicht luftdicht verschlossen, der Deckel läßt sich ohne Werkzeuge wie Laguioles, Opinels, Münzen oder sonstiges Instrumentarium öffnen. Sodann bietet sich ein besonderer optischer Augenschmaus, der Liebhaber von Escudo, Navy Rolls, Bulls Eye Flake und Stockton in vernehmliches Durchatmen bringt. Es ist das schönste Tabakbild, das mir in letzter Zeit untergekommen ist. Und die Curlies scheinen von Hand mit großer Sorgfalt in die Dose gefühlt worden zu sein.



Der Tabak besteht aus gerollten und dann in dünne Scheiben (Curlies) geschnittenen goldenen Virginias und Kentucky. Anders als der optisch sehr ähnliche Stockton liegt ein Hauch von Vanillearoma über den Rolls. Ich habe in den überall von Händlern verwendeten Standardtexten – wohl die des Herstellers oder Importeurs – den Begriff „Luxustabak“ gelesen. Was für ein Blödsinn, wobei ich nicht einmal weiß, was denn ein solcher wäre. Das würde ich allenfalls für meinen geheimen Bestand an Balkan Sobranie 759 oder altem Cope´s Escudo gelten lassen. Ich vermute, daß die Attribute „handgerollt“ und Preis vielleicht dazu geführt haben. Gehen wir darüber hinweg.

Der Geruch aus der geöffneten Dose ist sehr verführerisch, einfach köstlich. Nur habe ich aber mit aromatisierten Tabaken aller Couleur ein Problem, denn ich rauche auf der naturreinen Schiene. Doch hier ist es anders. Das leichte Aroma ist überhaupt nicht störend, im Gegenteil. Ich beruhige mich ob dieses persönlichen Sakrilegs, schließlich trinke ich ja auch Süßweine zur Vorspeise oder zum Dessert. Und dieser Peterson macht es mir wirklich leicht.

Um stilgerecht zu bleiben, befülle ich eine schwarze Peterson Spigot 999 und zwar so, wie ich es immer mache: mit der umstrittenen Knick&Falt Methode, mit der blutige Anfänger, Geduldlose oder Schnellraucher nicht klar kommen. Erst im oberen Drittel der Rauchkammer drösele ich eineinhalb Curliess auf, um einen leichten und vollständigen Anbrand zu erreichen.


 
Der Curly entwickelt sofort ein mittleres Aroma, eigentlich schmeckt mehr der Virginia durch als das Aroma, der Kentucky bringt die geschmackliche Tiefe. Entscheidend für die gleichbleibende Geschmacksentfaltung, die diesen Tabak trägt, ist wie immer ein besonders langsames Rauchen. Die fast unmerkliche geschmackliche Süße des hervorragend glimmenden Tabaks läßt kaum das typische Virginia-Heu schmecken und deutet auf einen Blender, der sein Kunstwerk versteht.

 

Vielleicht führt eine solche Fertigkeit des Tobacconisten und ebensolche erstklassigen Kompeneten, dazu die Erfahrung eines gestandenen Tabak-Gourmets und Rauchers zu dem Gedanken, man habe doch gerade einiges an Luxus genossen. Zweifelsohne locker die 23 € /100g wert.

Resumee: dieser aromatisierte Curly Cut ist eine Sünde wert, immer wieder. Ein köstlicher Tabak mit eigenem Charakter, der auch zum Ende einer Pfeife hin nie bissig oder trocken wird. Für Freunde des „gemäßigten“ Virginias ein Muß.

Als Jahrestabak ist er limitiert, was wohl nicht die Menge, sondern die Verfügbarkeitsdauer betrifft. Die Dose ist nicht luftdicht, wie bereits erwähnt. Wer also eine gewisse Menge lagern will (sehr empfohlen), der sollte in Schraubdeckelgläser umfüllen und die leere Dose entweder ins Regal stellen oder Büroklammern darin aufbewahren.

Übrigens: wer gerne mal einen sonntäglichen Virginia-Nachmittag zelebrieren möchte, dem empfehle ich mit dem Huber Honeydew Flake (jetzt Virginia Golden Flake) und einem LBV Portwein zu beginnen, gefolgt vom Peterson Special Reserve 2018 und abgeschlossen mit einem Dunhill Flake oder Orlik Golden Sliced und dem einen oder anderen Single Malt, bloß keinen Bourbon oder ein anderes US-amerikanisches Getränk.

 




TEN YEARS AFTER – seit 45 Jahren alles gesagt

Es muß der schnöde Mammon sein, nicht der musikalische Antrieb oder die Berufung. Die Unart, eine einst erfolgreiche Formation nach dem Weggang oder Ableben eines oder mehrerer Protagonisten Jahre später wieder aufleben zu lassen. Die Beispiele sind Legion. Besonders schmerzlich zu beobachten ist das bei der früheren Weltklasseband Wishbone Ash, von denen nur noch Gründer Andy Powell mitwirkt und deren frühere Magie seit Jahrzehnten einfach verflogen ist und die nicht nur unermüdlich alle Volksfeste von hier bis Hammerfest betouren, sondern dauernd neuen Schrott veröffentlichen. Deep Purple (was sind sie ohne Jon Lord und Ritchie Blackmore. Alles, nur nicht Deep Purple, gerade wegen Steve Morse und Don Airey), The Doors ohne Jim Morrison, zum Glück längst ebenso vergangen wie Bad Company ohne Paul Rodgers nach 1982. Und nun bringt sich eine völlig aus der Spur laufende Ten Years After plötzlich wieder ins Spiel. Die Band hätte sich nach dem Ausscheiden von Alvin Lee im Jahre 1975 auflösen sollen, statt jetzt nach unzähligen Umbesetzungen mit einer neuer Formation irgendein 50jähriges Jubiläum zu feiern.

A Sting in the Tale – ein ohrenschädigendes Desaster. Da hilft auch kein Weltklasse Bassist wie Colin Hodgkinson, um die zwei Ur-TYA Ric Lee und Chick Churchill zu unterstützen. Gitarrist und Sänger Bonfanti macht alles zunichte. Hätten sie 1972 nach Rock`n Roll Music to the World, dem 1973 veröffentlichten Recorded Live und acht vorausgegangenen Top Alben einfach aufgehört, sie wären „groß“ geblieben.

Es war einmal …

Frontmann und stilbildender Gitarrist: Alvin Lee († 06.03.2013) mit seiner legendären Gibson ES-335.

 



 

Es gibt eine Parallele zu unserer Tabakwelt. Wieviele Neuauflagen ehemals renommierter, dann legenden-umtoster Tabake mit neuen, untauglichen Inhalten hat es schon gegeben? Und denke ich an die vor dem „Aus“ stehenden Dunhill – und McClelland Tabake, den Esotericas, Three Nuns, Bankers:  ein ebensolches Trauerspiel wie das musikalische.

 

Meister des mystischen britischen Folk Rock und zeitgleich mit den Allman Brothers „Erfinder“ des Dual-Lead Tones: Wishbone Ash, nennens- und hörenswert von 1970 bis 1974 mit den Alben

Ausnahme Gitarristen bis heute: Andy Powell, Ted Turner und später Laurie Wisefield


Ein wenig auch für den überzeugten Dachauer Nichtraucher Hans R., der heute gleichsam ein JUBELLUM feiern kann !




Tabak & Digital Hype

Tabakliebhaber, die unsere Vorstellungen von Tabaken -sogenannte reviews- und die vielen Anmerkungen dazu von Zeit zu Zeit oder gar regelmäßig lesen, sind genau solche: anspruchsvolle Geniesser, die neben dem reinen Genuß immer eine gewisse „Umgebung“ brauchen. Sei es eine räumliche, eine gesellschaftliche oder eine, die der Tabak durch Format und Verpackung mitliefert.

In letzter Zeit ist mir auf digitalen Plattformen eine verstärkte Erwähnung von Tabaken des Pfeifen und Tabakdepot Motzek in Kiel aufgefallen, das in Nachfolge von Herbert Motzek nun von Thomas Darasz (TAK Tabak aus Kiel)  übernommen und weitergeführt. Hatte ich aus früheren Zeiten gelegentlich den Motzek-Curly Strang als im Vergleich zu ähnlichen Formaten als zwar rauchbar, aber nicht herausragend in Erinnerung, war mir bisher das frühere und das jetzige Programm mehr oder weniger unbekannt geblieben. Und kann nach den aktuellen Raucherfahrungen auch weitgehend so bleiben.

Besonderes? Leider -wie so oft – eine weitgehend haltlose Marrckettting-Aussage

Nun wissen wir alle, das „Geschmäcker verschieden“ sein können. Zuviele Faktoren spielen bei der Beurteilung von Genüssen eine Rolle, bis hin zur momentanen mentalen oder physischen Verfassung. Gerade vergangene Woche vertieften wir uns im Freitags-Club der Münchner Runde in das Thema „was ist scharf und wie scharf darf es sein“ und waren uns mit Zuhilfenahme dieses hervorragenden Artikels über Chili einig, daß oftmals die persönliche Tagesform eine Rolle spielt.

Um dieses Manko bei einem Tabaktest weitgehend zu umgehen, muß der Tester sich gewisser Mühen unterziehen, wenn er empfindungsgerecht bleiben will. Ergo habe ich mich gerne einem kleinen Rauchmarathon unterworfen und vier Motzek-Tabake aus der Hausmarken-Reihe (TAK Tabak aus Kiel) des Händlers intensiv geraucht. Das Resumee vorweg: weitgehend enttäuschend und von stupender Mittelmäßigkeit.

Das allerdings mag nicht von allen Tabakliebhabern, die Motzek Tabake erprobt haben, so akzeptiert werden. Unter Umständen ist mein Anspruch zu hoch, den ich aber nach 50 Jahren Intensiv-Erfahrung mit Tabak sicher nicht herunterschrauben werde.

Es beginnt mit der Verpackung, deren Lieblosigkeit nicht zu übertreffen ist und eventuell von dauerhaft auf der Landstrasse wandernden Zeitgenossen als praktisch angesehen werden kann. Mein erster Gedanke: wer behauptet, er macht aus Tabak etwas Besonderes ( Etikettenaufdruck!) und liefert mir diesen dermassen trashig und unappetitlich verpackt, kann womöglich auch nicht anspruchsvoll blenden. Oder hat ausschliesslich einen möglichst niedrigen Preis als Ziel, der für den Afficionado absolut keine Rolle spielt. Und ich hatte gedacht, die Nachkriegsjahre seien vergessen.


Mehrfach zu unterschiedlichen Tageszeiten und Gemütsverfassungen geraucht wurden

Latakia Cake · Latakia Evening · Old Lousiana Mix · Tom`s Dark Twist


TAK Latakia Cake

Für einen Kake dieser Machart liegt die Messlatte recht hoch, nicht nur durch die nur noch in hömopathischen Mengen produzierte Legende Pencanze, sondern durch weitere richtig gute Kakes wie Ten To Midnight, Pirate Cake und vor allem durch den außergewöhnlichen Fayyum Cake. Also: wenn die Basis schon belanglos ist, bleibt sie es auch dann, wenn man sie presst. Da frage ich mich, was andere Rezensenten geraucht haben, die diesen – freundlich ausgedrückt – me-too Tabak gänzlich anders würdigen. Wie gesagt, er brennt – stopfen, zünden gelingt ganz einfach, denn Konsistenz und Feuchtigkeitsgehalt sind gut. Was fehlt, ist irgendein Quantum an Geschmack, hier ist die Neutralität scheinbar zum Prinzip erhoben worden. Auch eine Methode. Meine Probanten-Pfeife, eine Stanwell Shape 11, hat die 3 Versuche stoisch über sich ergehen lassen.


TAK Latakia Evening

Dieser Blend hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Er setzt einige wenige stärkere Akzente wie der Latakia Kake, aber auch er hat einfach zu viele bessere Beispiele vor sich, die mit seiner Allerweltsbeschaffenheit nicht einhergehen. Und die sind Legion. Fangen wir mal beim überragenden English Balkan an, der so viele hervorragende Mitstreiter hat wie den Larry`s Blend, Dunhill Durbar, Wilderness und Westminster. Und denke ich an die sorgsam gemischten Zulu, Khoisaan oder Fayyum von HU-Tobacco, dann verstehe ich nicht, warum Ernergie und Kosten für diesen Latakia Evening aufgebracht werden.  Denn diese Beispiele, die nicht mit heißer Nadel gestrickt auf den Markt gebracht werden, sind allesamt eigenständige „Charaktere“. Was nun den Latakia Evening wirklich ausmacht, ist eben diese Beliebigkeit. Damit gibt sich kein leidenschaftlicher Blender zufrieden, ein ebensolcher Tabakliebhaber erst recht nicht. Auch hier gilt: befüllen und zünden sowie Abbrand gut, ansonsten schlichtweg überflüssig. Hier reichte mir ein zweimaliger Versuch, der 1975er Svendborg Rhodesian ebenfalls.


TAK Old Louisiana Mix

Bei diesem – dem dritten Versuchsrauch – frage ich mich allmählich, was der Blender da macht. Eine Virginia Perique Mischung, so beliebig wie die zwei zuvor probierten Tabake. Ich schmecke Malz, ein wenig Virginia-Heu, eingemachte Früchte, allerdings nur in ganz schwachen Spuren. Das Tabakbild ist in Ordnung, kleine Curlies im Mix, teilweise schon zerbröselt.  Ist der etwa für Anfänger entwickelt, die sich erstmals einem VAP nähern wollen? Ich konnte nicht einmal im Ansatz irgendeine Geschmacksnote feststellen. Damit mein Urteil etwas mehr Fundament bekommt: die Elizabethan Mixture, sicherlich kein allzu aufregender Tabak und eine der „simpelsten“ Dunhill Blends, hat trotzdem mehr Raffinesse, vor allem einen runden Geschmack und zeigt, was ein Weltklasse Blender zustande bringt. Dieser Louisiana ist für die Katz. Egal in welcher Pfeife. Ich benutzte eine Former, der es auch wieder egal war.


TAK Tom`s Dark Twist

Endlich: bei diesem Twist hat sich der Blender etwas gedacht, wenn auch nicht konsequent zuende geführt. Die Mischungsidee ist richtig gut und läßt hoffen: 50% Kentucky und 50% Perique! Geschmacklich ein Volltreffer. Das Gute liegt wieder einmal im Einfachen. In Kombination mit der für den Perique typischen Pflaumen-Früchtebrot-Fruchtigkeit liefert der Twist eine wundervolle Weichheit! Wie ein Twist geschnitten und befüllt wird, ist wohl bekannt. Die Voraussetzung für ein angenehmes Rauchvergnügen ist also gegeben und die erste Forumpfeife aus dem Jahre 2010 hat das richtige Format. Was man aber wissen muß: beide Tabakkomponenten zählen zu den stärksten ihrer Fraktion, sowohl was den Geschmack und den Nikotingehalt betrifft. Und damit hat der Tom`s Dark Twist für mich ein Problem, das mich an den Black XX erinnert (wobei der G&H im Gegensatz nicht einmal schmeckt): er ist schlichtweg so stark, dass bei mir kein Rauchvergnügen aufkommt. Klar: ist er zu stark, bist Du zu schwach. Aber ich will schliesslich keine Mutprobe veranstalten, sondern geniessen. Schade, dass eine geniale Idee nicht ausgereift umgesetzt wurde. Hat aber Verbesserungspotential. Zum Beispiel ein wenig Black Cavendish?


Wir Tabakliebhaber sind eine bedrohte Lebensart, das gilt auch für unser Versorgungsumfeld. Umso dankbarer muß man für jeden Hersteller, Großhändler und Fachhändler sein, der mit Ideen und viel Herzblut, die „Versorgungslage“ spannend, nachhaltig und verläßlich hält. Dafür gibt es in den USA zahlreiche „Boutique-Blender“ wie z.B. G.L.Pease und Russ Ouellette deren hervorragende Blends richtig „Lust auf mehr“ machen und Gaumen und Auge erfreuen. Deutschland ist ganz bestimmt keine „Boutique-Tobacco Diaspora“. Bieten doch z.B. HU-Tobacco, Peter Heinrichs und Pfeifen Huber – u.a. von Manufakturen wie Kohlhase & Kopp, DTM, Planta oder STG engagiert schon beim Tabakdesign unterstützt- eine sehr große Anzahl von sorgfältig produzierten Tabaken, die oft unikat sind, ausgesuchte Nischen versorgen und deren Erscheinungsbild den Erwartungen von uns Geniessern entsprechen. Blender, die uns Tabakliebhabern das Gefühl geben, eingehend nachgedacht zu haben. Die Wissen, Erfahrung und Ambition für Entwicklung und Produktion von rundum befriedigenden Tabaken einsetzen. Ein wenig überhöht: die für ihr Ziel brennen. Zum Glück gibt es die auch in Deutschland, q.e.d. !

Da hat der Tabak aus Kiel noch reichlich Luft nach oben.

Bezug
Pfeifen und Zigarrendepot Herbert Motzek
Inh. Thomas Darasz
Knooper Weg 46
D-24103 Kiel
Telefon +49 431 554162
www.dein-tabak.de

VK Preise je 100g Plastikbeutel
Latakia Cake – 17 €
Latakia Evening – 14 €
Old Lousiana Mix – 17 €
Tom`s Dark Twist – 19 €




Calabash – einmal ohne Kürbis

Vor einigen Jahren habe ich mir eine Calabash des italienischen Herstellers Brebbia zugelegt. im Unterschied zum Original allerdings vollständig aus Bruyere, mit schöner Silber Olive. Mir gefällt die etwas gedrungere (kürzere) Form von Brebbia fast besser als ein Kürbis-Orginal. Einige Jahre war ich dann auf der Suche nach dem gestrahlten oder rustizierten Pendant zu meiner Glatten, nie fand sich eine Gelegenheit. Entweder gefiel mir die Rustizierung nicht, mal war die Pfeife wieder ausverkauft, mal hatte ich das Vorhaben schon nicht mehr auf dem Schirm.

Aber ich glaube daran: wenn etwas für mich bestimmt ist, so gelangt es früher oder später zu mir. Und irgendwann war es dann soweit, dem Geduldigen, dem Ausdauernden gehört die Welt. Freitags, Münchner Runde, unerwartet: eine ganze Reihe dieses Modells war soeben bei Pfeifen Huber eingetroffen und ich konnte mir eine, die mir in allen Einzelheiten gefiel, auswählen, hier ist sie:

 

Brebbia Calabash First Selected – rustiziert



Brebbia Calabash First Selected – glatt




BM-II Jörgen Larsen Projekt

Mit dieser Pfeife, vor einiger Zeit schon einmal in einer anderen Welt vorgestellt, verbindet mich eine besondere Erinnerung. Sie geht zurück ins Jahr 1970. Und ohne einen Zufall und die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten meines Pfeifenfreundes und Namensvetters Bodo Mauk, Mitglied der Münchner Runde und Hausherr unseres Münchner Clubs, hätte alles nicht eine so schöne Wendung genommen. Aber zunächst zurück in die frühen 1980er Jahre.
1970 war ich schon eifriger Sammler. Das Nachrechnen erspare ich Euch: im Alter von 20 Jahren und seit 2 Jahren Student in München. Jörgen Larsen, meinen damals bevorzugten Pfeifenmacher, hatte ich bereits persönlich bei Pfeifen Hille in Duisburg kennen und schätzen gelernt. Eine meiner JL – Lieblingspfeifen nannte ich den „Kinderwagen“, da die Form ihres Kopfes den früher so populären Korbkinderwagen ähnelte.

Irgendwann – ich glaube es war 1972 – ist mir der Kinderwagen zu Boden gefallen und der Kopf entzweigesprungen, regelrecht zerplatzt. Auch Jörgen Larsen, den ich in Odense besuchte, konnte nicht helfen. Der Kinderwagen war unwiderruflich perdu.


 
Ein Jahr später versuchte ich, eine Kopie aus Meerschaum herzustellen, was mir nur leidlich gelang. Da es ein vorgefertigter Block war, konnte ich zwar die Kopfform annähernd hinbekommen, allerdings entsprachen Holm und Mundstück nicht dem Original. Freude hat die Pfeife mir bis heute gemacht und tut es noch. Im Laufe der Jahre geriet der Kinderwagen in Vergessenheit und da ich früher keine Fotos von meinen Pfeifen angefertigt habe, auch das genaue Bild der Form. Und nun kommt der Zufall ins Spiel.



1972 Villa Hügel, Essen – Minuten später erfolgte der Crash.

Vor einiger Zeit fand ich in einer längst vergessenen Schachtel tatsächlich ein Foto von mir, auf dem ich den Original Kinderwagen rauche. Allerdings war die Qualität des Schwarzweißbildes so schlecht, das nur ich die Form der Pfeife erkennen konnte.

Ich zeigte das Foto Bodo II, der mich zunächst ratlos ansah und trocken bemerkte: „….schönes Hemd, beeindruckende Krawatte, toller Trench…“. Dem wundervollen Stück Holz und Ebonit zwischen meinen Zähnen – kaum zu erkennen, wie Ihr Euch überzeugen könnt – galt nicht gerade seine Aufmerksamkeit.

In den folgenden Wochen habe ich auf ihn eingeredet. Bodo besitzt nicht meine unnachgiebige Härte, die -gepaart mit bewußt eingesetzter Unverschämtheit – durchaus überzeugend wirken kann. Schließlich erhielt ich die Antwort, auf die ich gehofft hatte: „Mmmh, jahh, da müßte man ein Projekt daraus machen“. Wir machten ein Projekt.


Der „Fehlversuch“, der eigentlich keiner ist – Bodo II raucht ihn.

Die erste Phase bestand aus Zeichnungen, die zweite aus einem Prototyp, die dritte dann aus einem Fehlversuch, der eigentlich keiner war. Die Kopfform und der Holm wurden nicht exakt getroffen, aber ansonsten entstand eine wunderschöne, elegante und sehr schlanke Pfeife. Bodo II raucht sie seitdem selbst.

Bald hatte ich das Projekt wegen einer überraschend anzutretenden Auslandsreise fast vergessen, der leidige geschäftliche Alltag meldete Ansprüche an. Um so überraschter war ich, als Bodo II mir nach Rückkehr ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk überreichte: das fertiggestellte Projekt. Ich war sprachlos – die Vergangenheit hatte mich nach über 40 Jahren eingeholt – seht selbst: ohne Spots, ohne Kitt, eine sehr schöne Maserung und ein Traumfinish. Und sie raucht sich perfekt und wird auch häufig gefordert. Mittlerweile hat sie eine wunderschöne Patina angesetzt und ich bilde mir ein, in ihr schmecken Flakes einfach besser. Na ja, glaubt es oder nicht.


Und wie sieht der „Kinderwagen“ heute, nach gut 5-jährigem Rauch-Marathon aus? Fortsetzung folgt.



Edward St. Aubyn | Dunbar und seine Töchter – Podcast

Geld, Gier und Verrat

Zwei Töchter wollen an die Macht und an die Millionen ihres Vaters. In die Quere kommt ihnen dabei jedoch die dritte Tochter. – Edward St. Aubyn hat mit „Dunbar und seine Töchter“ Shakespeares „König Lear“ neu interpretiert. Aus Anlass des 400. Todestages von William Shakespeare im Jahre 2016 hat die Hogarth Press in London – einst gegründet von Virginia und Leonard Woolf – acht Schriftstellerinnen und Schriftsteller gebeten, eines der Shakespeare-Dramen in einem zeitgenössischen Roman neu zu erzählen. Edward St. Aubyn hat King Lear gewählt. Jetzt liegt das Werk auch auf Deutsch vor, unter dem Titel „Dunbar und seine Töchter“.

NEUES FEATURE HIER IM BLOG: PODCAST!

… und ausserdem DRINGEND empfohlen:

Der mitreissende fünfteilige Romanzyklus um das Alter Ego Patrick Melrose führte Edward St Aubyn weltweit in eine Spitzenposition in der Belletristik. Der Protagonist ist einer aristokratisch privilegierten Umgebung angehörig und erzählt uns [sein] Leben : bösartig, komisch, brutal  und einfach spannend. Vielleicht nicht große Literatur, aber ein Schmöker par excellence, den man nicht aus der Hand legt, bevor die letzte Seite „geraschelt“ hat.

 

  • Gebundene Ausgabe: 880 Seiten
  • Verlag: Piper (1. Dezember 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492057349
  • ISBN-13: 978-3492057349
  • Originaltitel: The Patrick Melrose Novels

 




Aharon Appelfeld | Meine Eltern

Am Tage, als ich –wie ich nun weiß – den letzten Roman von Aharon Appelfeld in der mit 300 Jahren ältesten Buchhandlung unsere Freistaates, im Rathaus am Marienplatz 8 gelegen, kaufte, ist der Schriftsteller in seinem 86ten Lebensjahr verstorben. Katerina, Badenheim und Auf der Lichtung hatte ich früher begeistert gelesen, oftmals an die Schilderungen gedacht, aber dann den Autor aus dem Blickwinkel verloren. Dabei war er durch sein gesamte Oeuvre, das ich nach und nach gelesen hatte, auch für mich zu dem bedeutendsten Chronisten der Shoa geworden. Kein Rache-Engel, sondern ein Erzähler, der einfühlsam, melancholisch, manchmal gar romantisch, eine Zeit schilderte, in der grauenhafte Ereignisse stattfanden. Die zwar vergangen sind, deren Erinnerung aber nie verloren gehen darf. Und nun die letzte Erzählung: Meine Eltern.

Es ist eine weitgehend untergegangene Welt, die uns Appelfeld in seinen Werken geschildert hat. Kulturell, geographisch und in den zwischenmenschlichen Beziehungen heute so außergewöhnlich, wie sie von 1933 bis zur Gründung Israels gewöhnlich war. Neben dem überwiegenden Schrecken steht gleichberechtigt die Melancholie. Und damit das Appelfeld-Faszinosum.

Klappentext:
August 1938: Am Ufer des Flusses Prut in Rumänien versammeln sich die Sommerfrischler, überwiegend säkularisierte Juden, darunter ein Schriftsteller, eine Wahrsagerin, eine früher mit einem Christen liierte Frau, die nun auf Männerschau ist. Auch der zehnjährige Erwin und seine Eltern sind hier, doch das Kind spürt, dass etwas anders ist: Hinter den Sommerfreuden, den Badeausflügen und Liebeleien geht die Welt, die alle kennen, zu Ende. Einige reisen früher ab, andere verdrängen die Nachrichten aus dem Westen. Spannungen bleiben nicht aus, auch nicht zwischen den Eltern, der Mutter, die Romane liest, an Gott glaubt und an das Gute, und dem Vater, dem Ingenieur, der alles rational und pessimistisch sieht. Als die Familie in die Stadt aufbricht, überfällt Erwin die Furcht. In der Schule wurde er geschlagen und als «Saujude» beschimpft – und er beginnt zu ahnen, dass an den unterschiedlichen Haltungen seiner Eltern noch viel mehr hängt: die Zukunft, das Überleben.

Ein feinfühliger Roman, der seismographisch die Brutalität des heraufziehenden Krieges verzeichnet – und zugleich das Porträt einer bürgerlichen Welt vor der Katastrophe.

Meine Eltern
Rowohlt Verlag, Berlin
ISBN 978-3737100311
Originaltitel: Avi we-imi

Weitere Titel im Rowohlt Verlag

Ein Mädchen nicht von dieser Welt

Adam und Thomas sind überrascht, als sie sich zufällig im Wald begegnen. Ihre Mütter haben die Jungen dort versteckt, weil es im Ghetto zu gefährlich wurde. Nun müssen die beiden Neunjährigen in der Natur zurechtkommen: Sie lernen die Tiere des Waldes kennen, bauen sich ein Schutznest hoch im Baum, sammeln wilde Früchte. Doch die Schrecken von Krieg und Verfolgung sind nie weit entfernt: Nachts hören sie Schüsse, einmal stoßen sie auf einen Verwundeten. Der belesene Thomas und der tatkräftige, traditionell erzogene Adam müssen lernen, dass sie nur gemeinsam überleben können – im Glauben an ihre Freundschaft, an den Zauber der Natur und die Imagination. Die einzige Hilfe von außen ist die kleine Magd Mina, die die Jungen heimlich versorgt – eine Heilige der Tat. Doch während die rettende Rote Armee näher rückt, werden die Nächte im Wald kälter, und auch Mina gerät in Gefahr … Aharon Appelfeld überlebte den Zweiten Weltkrieg selbst als Kind in den ukrainischen Wäldern.


Alles, was ich liebte

Czernowitz, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die Eltern des 9-jährigen Paul trennen sich, und Paul verliert, was bis dahin sein Zuhause war. Seine Mutter findet Arbeit als Lehrerin in einem Provinzstädtchen. Sein Vater, einst ein gefeierter expressionistischer Maler, hadert in Czernowitz mit der antisemitischen Kunstkritik. Paul wird in die Obhut eines christlichen Kindermädchens gegeben. Doch als die Mutter sich in einen Kollegen verliebt und die Hochzeit nach christlichem Brauch plant, holt ihn der Vater zu sich zurück. Eines Tages erhalten die beiden ein Telegramm: Die Mutter sei erkrankt. Hals über Kopf brechen sie auf, um zu ihr zu fahren. Die Ereignisse überschlagen sich, ihre Odyssee ist nicht zu Ende…


 


Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen

Erwin schläft und schläft und kann kaum mehr aufwachen. Es ist das Jahr 1946, und der jüdische Junge, der mit knapper Not den Nationalsozialismus überlebte, lässt sich auf Zügen und Pferdekarren ziellos durch Europa treiben. Denn der Schlaf hält in Erwin das Verlorene lebendig: die grüne Heimat Bukowina, die geliebten Eltern. Als er nach Palästina gelangt und Hebräisch lernt, beginnt er zu schreiben – und findet damit endlich einen Weg, das im Traum Bewahrte zu retten: Erzählend lässt er die entschwundene Welt in der neuen, uralten Sprache wiedererstehen …


 



Katerina

Ein ukrainisches Dorf Ende des 19. Jahrhunderts: Die junge Katerina verlässt nach dem Tod der Mutter ihr liebloses Elternhaus. In der Stadt findet sie Arbeit bei einer jüdischen Familie, die ihr nach anfänglicher Fremdheit immer vertrauter wird. Doch als man den Hausherrn bei einem Pogrom ermordet, landet Katerina auf der Straße. Ziellos irrt sie umher, lebt von Gelegenheitsarbeiten. Erst als sie sich in Sami verliebt, einen Juden, scheint sie ihren Platz im Leben zu finden: Katerina wird schwanger. Doch dann wird ihr alles genommen, und Katerina will nur eines: Rache.





Auf der Lichtung

Edmund kann gerade noch dem Todeszug entkommen. In den karpatischen Wäldern findet der Siebzehnjährige Zuflucht bei jüdischen Widerstandskämpfern. Sie leben wie in einer großen Familie zusammen: Da ist der charismatische Anführer Kamil, der die Gruppe zu einer Einheit formt, da sind die Kinder Milio und Michael oder die Alten wie Zirl, die noch die religiösen Bräuche pflegt. Als es gelingt, viele Juden aus einem Zug zu befreien, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Das Ende des Krieges ist spürbar nah, aber die Gruppe kann sich kaum mehr versorgen und vor den Deutschen verbergen.





Badenheim

Und wieder wird es Frühling in Badenheim. Wieder steht das Kulturfestival des Impresarios Dr. Pappenheim bevor. Wieder finden sich die jüdischen Stammgäste in dem kleinen österreichischen Badeort ein – diesmal aber auch seltsame Inspektoren des Gesundheitsamtes.
Während die Beamten die Gäste nachdrücklich auffordern, sich für eine Reise in „das gelobte Land Polen“ zu registrieren, und der einst mondäne Ort immer mehr einem Sperrgebiet gleicht, versuchen die Menschen die Normalität aufrecht zu erhalten: sie besuchen die Konzerte des müden Orchesters und lauschen den Rilke-Rezitationen der schwindsüchtigen Zwillinge aus Wien. Dann, eines Morgens, wird der Befehl zur Abreise gegeben …