Tabak und geflügelte Worte: Penzance neu verpackt ?

In der vom Bertelsmann Buchclub geprägten 1960er Viertelwissen Gesellschaft, vielfach immer noch als Bildungsbürgertum bezeichnet, fand man in (fast) jeder Familie Büchmanns Sammlung der geflügelten Worte. Immerhin aus dem 19. Jahrhundert stammend – die erste Ausgabe gab es 1864 – gilt es weiterhin als ein Standardwerk für zitatenwütige Menschen. Jetzt habe ich wieder einmal darin geblättert, um die Tabak-Odyssee der letzten Monate zu verarbeiten, die anders als die homerische für mich völlig unbefriedigend geendet hat. Und der heutige Schlußpunkt wurde durch den iconischen Penzance gesetzt.

Die Situation ist hinreichend bekannt: ein Tabak, der jahrelang zu unseren Favoriten gehörte, der etwas Besonderes war, wird plötzlich nicht mehr hergestellt. Oder schlimmer noch, einst verschwunden, wieder als 100 % ig dem Original entsprechend auf den Markt geworfen. Die Pfeifenkommunen, darunter natürlich auch wir mit unserem Pfeifenblog.de, überschlagen sich mit der Bekanntgabe der Rauchergebnisse, in denen sich alle Einschätzungen und Erkenntnisse wiederfinden, die unser Sprachschatz so abgibt: exakt wie das Original, besser oder schlechter als das Original, kein Vergleich mit dem Original, gänzlich anderer Tabak, zu teuer oder zu billig, wird nicht mehr gebraucht, es gibt doch längst den Ostbahn-Schräg geflakten Machorka Curly, der um Längen besser ist/schmeckt und außerdem in den heute so geschmähten und raren Plastiktüten verpackt ist. Habe ich einmal als abschreckendes Beispiel hier erlebt.

Was bin ich trotz mich vermeintlich im Besitz höherer Weihen der Tobaccologie wähnend auf die blödsinnigsten und vermutlich ungeprüften Empfehlungen von Tabakspezialisten und zahlreichen Hausmarken-Fachhändlern hereingefallen. Habe Zeit, Geld und textlichen Aufwand betrieben, um letzlich diesen ganzen Schmarrn hinzuschmeißen und aufzugeben. Und sitze wieder klargeistig, entspannt bei meinem Balkan, den Spezialisten Full Virginia Flake, Epikur und Fayyum Kake, gönne mir ab und zu einen Penzance oder Sobranie 759, auch ein Marlin oder Orlik Golden Sliced mischt sich mit dem Honeydew Flake (jetzt Golden Flake) darunter und bin …… rundum zufrieden.

Denn diese Mischungs-Verführer haben ab sofort keine Macht mehr über mich, müssen an mir vorbei laborieren oder, um im derzeitig angesagtem Duktus zu reden “ können mich jetzt aber mal so was von …. im Mondschein begegnen“, als da u.a. wären:

Hausmischung Bonner Koepp – Night Cap
Gerd Jansen Hausmischung 45 – My Own Blend 800 Ö
Gerd Jansen Bengal Slices – Bengal Slices –
Balkan Sobranie Mischung oder 759 – gefühlt eintausend verschiedene Anbieter, nur einer hats getroffen
Peter Heinrichs Strang – Escudo/ Navy Rolls als Plug, sieht so aus, ist es aber nicht
Robert McConnell Heritage – alle Tabake versprechen eine Nähe zu Dunhill – Pustekuchen!


Dies ist nur ein kleine Auswahl, die ich mir in jüngster Zeit „gegönnt“ habe. Den Vogel abgeschossen aber hat vor zwei Tagen ein Tabak, dessen Original Legende ist und das zu meiner Tabak DNA gehört: der 1820 Flake von JF Germains, der in vielen Foren und Blogs als der Penzance in anderer Verpackung, da vom gleichen Hersteller, gepriesen wird. Erhältlich nur in den USA und in Brexit UK. Letztere aber liefern nicht mehr ins Ausland, zumindest nicht ins europäische. Also habe ich mein Netzwerk ins Spiel gebracht. Ein englischer Freund, seit Geburt Nichtraucher, wurde gebeten, den 1820 Flake online an seine UK Adresse zu bestellen und einer weiteren Freundin zu übergeben, die einen Termin in Frankfurt/M wahrnehmen mußte. Sodann habe ich einen Münchner Bekannten aufgetan, der just an diesem Tag ebenfalls in Frankfurt zu tun hatte, brachte beide zusammen und vorgestern wurden mir zwei Pouches (!) in München ausgehändigt. Zu diesem Zeitpunkt war mir der horrende Preis von 38€ für 100g noch wurscht.

aus Online Shops in den USA & UK- Meinungsvielfalt !




Der erste Dämpfer war die Verpackung: ein grünschwarzer Gawith & Hoggarth Pouch mit einem simplen Eitkett „JF Germains 1820 Flake 50g. Aha, da hat der Online Shop wohl selbst von einer größeren Liefermenge „abgefüllt und umverpackt“, natürlich entspricht das nicht der Abbildung auf der Shopseite. Und auch keineswegs dem Schnitt des Penzance, der in einer 50g Rechteckdose mit aufrechtstehenden Krumble Kake Scheiben verkauft wurde. Alles zu verschmerzen, wenn sich denn der Penzance in den Pouches befunden hätte. Was der sofortige Geruchstest ergab und was sich am nächsten Tag durch einen Direktvergleich mit dem Original bestätigte: alles, nur kein Penzance. Tabakbild, Farbe, Geruch und selbstredend der Geschmack gänzlich anders. qed, denn ich war nicht allein. Der Zeuge mag sich äußern, so er denn hier liest.

Nun kann man diesen Tabak gut rauchen, ein kräftiger, ehrlicher Latakia/Orient, aber keine Spur von Flake oder Kake, vielleicht ist er als „selbstzerbröselnd“ konzipiert. Glaube ich zwar nicht, denn auf so eine Idee kommt in dem paralysierten Vereinigten Königreich derzeit wohl niemand, da läuft ja eher alles auf Selbstzerstörung hinaus.  Aber wenn ich pochierte Jacobsmuscheln bestelle, möchte ich nicht frische Austern serviert bekommen, obwohl mir diese auch vorzüglich munden. Oder so: eine Currywurst Schranke darf nicht ungefragt durch einen Schaschlikspiess ersetzt werden.

Zurück zu Büchmann:

den Tag nicht vor dem Abend loben, nicht in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah, den Krieg um Troja nicht mit dem Zwillingsei beginnen, des Treibens müde sein, den Schein nicht die Wirklichkeit erreichen lassen, das Wenige nicht leicht aus den Augen verlieren und das Früher alles besser war, fand ich treffend für meine Suche nach dem unwiederbringlich Vergangenem. Die Suche ist jetzt eingestellt. Sie war ein vollständiger Mißerfolg. Dabei mache ich den Anbietern keinen Vorwurf, sie wissen es einfach nicht besser.

Ähem: die Suche ist eingestellt? Und was ist jetzt mit den neuen Dunhill Tabaken, die uns STG in Kürze auf den Tisch legt? Die, die einigen aus der K&K Heritage Reihe den Garaus machen werden? Aber selbstverständlich – kaufen, rauchen, beschreiben, bewerten ……. wozu sind wir Blogger?

 




Robert McConnell Heritage – Dschungelführer

Auf vielfachen Wunsch eine Gegenüberstellung von Dunhill, Robert McConnell Heritage Mark I und Mark II Tabaken. Alle Bilder sind in der Reihenfolge ihrer Entsprechungen abgebildet, so daß ein schneller Direktvergleich möglich ist.


Alfred Dunhill Tabake bis Oktober 2018

STG Scandinavian Tobacco Group


Robert McConnell Heritage Mark I (Oktober 2018-Oktober 2018)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp


 

Robert Mconnell Heritage Mark II (ab März 2019)

STG Scandinavian Tobacco Group – Kohlhase & Kopp

Sobald unser Head of Graphics, Art & Webdesign endlich von seinem bierseligen Kalvarienberg-Pfingstausflug aus fränkischer Flur zurück wieder zum Dienst erscheint, stellen wir auch eine schöne Grafik der Heritage Mark II ein, bis dahin bitte nur den Informationsgehalt zur Kenntnis nehmen.

22.06.2019: Nachdem der Herr Künstler schon wieder irgendwelche Almen heimsucht, habe ich selbst ein wenig die Grafik optimiert, allerdings bleibt für ihn noch Raum zur Optimierung.!!!!!!!

25.6.2019 Hätte er ein Alphorn zur Hand gehabt oder einen Juchitzer abgesetzt, hätte er mich viel schneller erreichen können. Als würde ich E-Mails lesen … Jetzt bin ich extra ins Tal herab geeilt, um die Grafik schnell neu zu malen. Jetzt gehts gleich in die Fränkische Schweiz, wo die Berge nur „Buggel“ sind, aber das Bier viel besser als in Österreich. Berg Heil …

ACHTUNG ! Eclipse (Mark I) / Highgate Mark II) entsprechen nicht dem Dunhill DeLuxe Navy Rolls, sondern sind unverändert der Orlik Bulls Eye Flake.

 

Mit der Maus über die Tabelle fahren und scrollen, auch Tiroler können das, sofern sie willens sind.

Pfeifenblog Cross Ref Dunhill-RMc Heritage 12.03.2019


Links zu den Pfeifenblog Heritage Reviews

Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Robert McConnell Heritage | Regent Street | ehemals Majesty Elizabeth

Robert McConnell Heritage | Barking Road | ehemals My Mixture Barking Road

Robert McConnell Heritage | Oriental Square | ehemals Durbar Square

Robert McConnell Heritage | Flake

Robert McConnell – Highgate, Mark II

Robert McConnell Heritage | Eclipse

Robert McConnell Heritage | Ready Rubbed

 




Dr. John † | Hymnen aus New Orleans

Dr. John alias Malcolm „Mac“ John Rebennack Jr., Beiname „The Night Tripper, geboren 1941 in New Orleans, ist überraschend vorgestern 77 jährig einem Herzinfarkt erlegen. Kaum ein Musiker der neuzeitlichen populären Musik hat die Mississippi Schwüle, das kreolische Erbe und den speziellen musikalischen Lebenstil zwischen Voodoo, Psychodelic, R & B, Blues und Rock, typisch für den Süden der USA und speziell New Orleans, so treffend wiedergegeben. Stets atmospärische Musik, vielfach schräg, vielfach Voodoo und Gumbo ….

Er hat lange nicht veröffentlich – zuletzt 2014 Ske-Dat-De-Dat – The Spirit of Satch, eine vielseitige Reminiszenz an einen anderen großen Sohn der Stadt, Louis Armstrong,  aber das Repertoire der Veröffentlichungen ist umfangreich, ich besitze über 20 seiner Alben, es gibt aber noch weit mehr. Für Dr.John Einsteiger seien die zwei Alben  Dr. John Plays Mac Rebenack Vol 1 und 2  empfohlen →

 

Ich stelle hier vor die CD N’Awlinz Dis, Dat, or D’Udda ( lautsprachig für: New Orleans, dies, das und anderes) aus dem Jahre 2004, relaxed, laid back oder was für Attribute gewöhnlich damit verbunden werden, aber so klingt es tatsächlich. Bitte achten Sie auf die Titel „When the Saints….“ und lassen Sie sich von einer wieder einmal unglaublichen Mavis Staples vereinnahmen. Ja, es ist heiß, es ist schwül in New Orleans, es riecht nach Absinth und Gumbo und all das werden Sie aus Ihren Lautsprechern hören, verspüren.

Sie sollten einen guten Drink zur Unterstützung wählen, einen, der die spezielle Stimmung Dr. John`s Musik fördert, zum Beispiel den Boulevardier, hier treffend beschrieben. Und meine Favoriten Escudo/Navy Rolls oder der satte Epikur tun ein weiteres, um ein wenig kreolisch zu fühlen. Und vielleicht lesen Sie dazu den detailreichen Nachruf aus der Süddeutschen Zeitung.

Dr. John war stets ein Vermittler zwischen Blues, Jazz, Latin, Mardi Gras, kreolischen und psychodelischen Einflüssen, vielfach überlagert von Voodoo Kult Stimmungen. Mit ihm spielten “ Gott und die Welt“ und auf diesem Album u.a.  B.B. King, Willie Nelson, Mavis Staples und Cyril Neville, sehen Sie weiter unten die Liste der Lieder dieses Albums, ich habe die beteiligten Musiker aufgeführt. Und wer nicht sogleich vom ersten Stück Quatre Parishe wegbeamt, muß zu Helene Fischer oder auf das Boot mit Florian wechseln.

Quatre Parishe
When the Saints Go Marching In feat. Mavis Staples
Lay My Burden Down feat. Mavis Staples
Marie Laveau feat. Cyril Neville
Dear Old Southland feat. Nicholas Payton
Dis, Dat or d’Udda
Chickee le Pas feat. Cyril Neville, Mardi Gras Indians
The Monkey feat. Eddie Bo, Mavis Staples
I Ate Up the Apple Tree feat. Randy Newman
You Ain’t Such a Much feat. Snooks Eaglin, Willie Nelson
Hen Layin‘ Rooster feat. Clarence „Gatemouth“ Brown, B.B. King
Stakalee
Eh Las Bas
St. James Infirmary feat. Eddie Bo
Time Marches On feat. Willie Nelson , B.B.King
I’m Goin‘ Home feat. Cyril Neville





Samuel Gawith – die 1792 Flake Bombe

1792 war nicht nur das Gründungsjahr für die Unternehmung des Tobacconisten Samuel Gawith, die uns heute noch maßgeblich im „Genußgriff“ hält, mit dem Habsburger Franz II. wurde auch der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Durch seinen Onkel und Vorgänger, Kaiser Joseph II, haben unsere armen österreichischen Freunde – und hier insbesondere die Tiroler- bis heute unter dem Tabakmonopol zu leiden. Und das bedeutet, daß sie die meisten der hier vorgestellten Tabake nur über dunkle Kanäle, verschwiegene Grenzstationen, hochgelegene Almen oder gar nicht bekommen können. So auch den im wahrsten Sinne des Wortes bombigen 1792 Flake.

Jörgen Larsen Bamboo – JL Grading

1792 Flake ist ein mustergültiger Virginia/Kentucky Flake, der aus dark fired* Tabaken besteht, die also im Ofen geröstet wurden. Anschliessend werden sie mit Wasserdampf befeuchtet und zu einem Cake gepreßt, der einige Stunden ruhen muß. Der Prozeß der Fermentierung hat eingesetzt. Nun wird dieser Cake in einer Presse unter hoher Hitze für drei bis vier Stunden (oder länger, je nach Rezeptur) quasi gebacken. Der jetzt recht dunkle Cake kühlt ab und verdichtet während des Auskühlens immer fester. Es entsteht ein Plug, der dann in Flakes geschnitten wird. Was den Tabak aber so besonders macht, ist ein durch aus der Tonkabohne gewonnenen Extrakt erzeugtes starkes Aroma, früher wurde es durch den mittlerweile zur Verwendung u.a. mit Tabak verbotenen Wirkstoff Cumarin erreicht. Cumarin wird unter anderem aus der Tonkabohne gewonnen. Und das beim 1792 Flake zur Aromatisierung eingesetzte natürliche Aroma ist ein Extrakt aus der Tonkabohne, der jetzt über die Flakescheiben gesprüht wird. Die Art und Dauer der Herstellung bestimmt u.a. auch den Nikotingehalt des Tabaks, dem beim 1792 Flake eine besondere Bedeutung zukommt.

 

Wie die anderen vor kurzem getesteten Samuel Gawith Flakes ist auch dieser hier nicht zu feucht und geradezu perfekt konditioniert. Wenn das so bleibt, dann entfällt zukünftig die Klage über die grundsätzlich zu feuchten SGs. Auch der Schnitt ist zufrieden-stellend und so kann der Rauchversuch beginnen. Natürlich wird die kleine JL Bamboo mit KNICK&FALT befüllt. Der 1792 Flake traut sich was. Sein Nikotingehalt ist dermaßen bombig, daß mir zum Ende der ersten, zweiten und dritten Pfeife, zwischen deren Gebrauch immer so 2-3 Stunden lagen, ziemlich blümerant wurde. Der Magen rief förmlich nach dem alten Hausmittel Kaiser Natron, das ich in der Küche zum blanchieren von Gemüse und gegen gelegentlich auftretendes Sodbrennen verwende und deshalb immer vorrätig habe. Das müßte eigentlich die Schlußbemerkung dieses Reviews sein, aber so sind Sie schon einmal im Bilde.

Zur erdigen, schwarzbrotartigen, kräftigen Malznote hat der Tabak ein ansprechendes „Waldmeister-Aroma“, das aber weder aufdringlich, aufgesetzt, noch künstlich wirkt und den Röst-Virginia hervorragend ergänzt. Obwohl er für meinen Geschmack zu den sehr starken Tabaken zählt ist, bringt er dennoch eine fast milde Grundstimmung.

Fazit

Ein bemerkswerter, sehr eigenständiger Virginia Flake mit „süffiger“ Hauptnote und durchdringender Wirkung, so daß ich ihn als besonderen Gelegenheitsrauch empfehle. Er verlangt den „ganzen Mann“ ob seiner geschmacklichen Stärke und seines hohen Nikotingehaltes. Er war einen, zwei Versuche wert, ich werde ihn allerdings nur noch in Ausnahmefällen rauchen.

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*Arten der Trocknung

Trocknung durch Sonne – Sun cured, z.B. Orient Tabake
Trocknung durch heiße Luft – Flue cured, z.B. Virginia Tabake
Trocknung an der Luft – Air cured, z.B. Burley Tabake
Trocknung über offenem Feuer – Dark fired, z.B. Kentucky (Würz-)Tabake, aber auch Burley




Samuel Gawith – Full Virginia Flake

Samuel Gawith aus Kendal im Lake District – daher der Begriff Lakeland Tabak – ist der legendäre Hersteller des Full Virginia Flake, der wie kein anderer aus der breiten Produktpalette der 1792 gegründeten Manufaktur das Herz der Liebhaber naturreinen Flakes höher schlagen läßt, mehr noch als der seines Bruders, des Kendal Plugs. Er ist ein Virginia der reinsten Art, egal, in welcher seiner 2 Aufmachungen er genossen wird. Sei es als Plug oder als Flake in der Rechteckdose. In jedem Fall handelt es sich um naturreinen Virginiatabak, der durch maschinelle Pressung „verbäckt“ und fermentiert wird. Unterstützt ist der Fermentierungsprozeß durch Hinzusetzung von Wasserdampf, je länger dieser Fermentprozeß dauert, je stärker ist der freigesetzte Zucker, der für eine starke Süße des Full Virginia sorgt.

Pfeife: Unikat von Jörgen Larsen (JL) für die Reihe Kriswill Supreme – 360 ° straight grain

Der Full Virginia Flake ist völlig naturrein. Es gibt kein casing (wie vielfach behauptet), kein künstliches Flavour, nichts dergleichen. Was man schmeckt und riecht ist der reine, lediglich fermentierte Tabak. Es ist darauf zu achten, ihn langsam zu rauchen, um übergroße Hitzeentwicklung zu vermeiden. So bleibt der Genuß unverändert bis zum letzten Zug, der einen reinweißen Ascherest hinterläßt.

 

 

 

Zwar bin ich versucht, jetzt alle die Geschmacks- und Duftnuancen zu beschreiben, die ich glaube, zu empfinden. Ich erspare das den Lesern und rate einfach zum Selbstversuch.

Es gibt ihn in einer 50 g fassenden Rechteckdose. Der Tabak ist in der Dose flakeüblich geschichtet, wenn auch nicht so fein, wie wir es vom F&T Vintage, dem Orlik Golden Sliced oder Erinmore Flake u.a. gewohnt ist. Teilweise sind die Scheiben nicht einmal gleich lang. Sicher hat das keine geschmacklichen Auswirkungen, aber das Auge ißt bekanntlich mit. Der Tabak wird mit Knick / Falt gestopft und brennt natürlich leichter an als die Plug-Version. Geschmacklich kommt er mir nicht ganz so intensiv naturrein / süß / kräftig vor wie der Plug, was erklärlich ist und sich auch von der Schneidetechnik her ableiten läßt. Der Abbrand ist wunderbar, herrliche Virginiasüße füllt den Gaumen – und den Raum. Je länger der Tabak glüht, umso runder, vollmundiger und befriedigender wird sein Geschmack. Der Unterschied zum Plug erschließt sich nur dem erfahrenen Plug-iator, so daß die Flakeversion eindeutig zu empfehlen ist, wenn es darum geht, den wohl besten Full Virginia auf diesem Globus zu genießen und die behaupteten höheren Weihen des Plugs nicht im Vordergrund stehen.

Wem der Flake zu kräftig, zu süß oder sonstwie unbehaglich ist, kann auch den SG Best Brown Flake probieren, der aus den gleichen Tabaken besteht, aber einer kürzeren Fermentierungsdauer unterzogen wird.

Verfügbar im gut sortierten deutschen Fachhandel und hier.

 

Die ultimative Steigerung des FVF – klick ins Bild

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Samuel Gawith – Balkan Flake

Nach dem totalen Reinfall mit dem Black XX stand mir der weitere Sinn nach etwas geschmacklich abgehobenerem aus den Lakelands und da der Traditionalist Samuel Gawith vielfach bewiesen hat, wie gut er das eigentlich kann, habe ich mich nach Full Virginia Flake, Brown No.4 und Kendal Cream Flake (alle Reviews im Pfeifenblog) mal wieder dem Balkan Flake zugewandt, den ich einige Zeit nicht geraucht habe. Nicht zuletzt deshalb, weil der Tabakhändler meines ultimativen Vertrauens seit geraumer Zeit die gesamte SG Palette führt. Umwege über die Schweiz, das Veruneinigte Brexitreich oder gar die USA gehören nun zum Glück der trüblichen Vergangenheit an.

Vorweggenommen: fürwahr ein köstliches Raucherlebnis.

Für den Liebhaber alter, englischer Geschmacksrichtungen zählte der Penzance aus dem Hause Butera / Esoterica sicherlich zu den bevorzugten. Immer schon schwer zu beschaffen und mittlerweile wohl vollständig aufgegeben -wie einige namhafte Engländer aus der Reihe, die von Germains hergestellt wurden- hat er nun dem Balkan Flake ein zusätzliches Terrain in meiner persönlichen Rankingliste überlassen.

Wie die meisten Flakes von SG, war auch der Probant früher sehr feucht. Mich störte das nicht sonderlich, denn trocken werden sie ohne weiteres Zutun ohnehin. Probiert aber habe ich den Tabak für dieses Review aus einer neuen Charge von 2019 und da war der Flake fast schon etwas zu trocken. Chargenschwankung? Der Liaison mit Gawith & Hoggarth geschuldet? Ich werde das beobachten.

Aber der Duft! Der Duft, der aus der Dose entströmt, der bringt Dich weg. In ein englisches Comptoir, mit grünen oder braunen Carlton Chairs, mit dunklen Mahagoninmöbeln, hochglänzenden Bodendielen, mit der gut bestückten Bar mit Single Malts, alten Ports. Und all den Vintage-Tabaken wie Cope, Drucquer, Sobranie, Simmons und Fribourg & Treyer, den alten Dunhills und Bells.

Schwer erdig, Torf steht im Vordergrund, ein wenig Teer, Hafengeruch. Das ist der Latakia. Der Virginia bringt eine schwache Süße ins Geruchsbild. Für den Liebhaber naturreiner Tabake der Himmel auf Erden.

Zum Glück sind die Flakes dünn geschnitten. Nicht selbstverständlich bei den Kendalianern, die das Geschäft bereit seit 1792 betreiben und immer noch Ausreißer bei den Chargen hinbekommen. Was gerne mit Chargenschwankungen erklärt wird (auch bei anderen Tobacconisten), ist meistens einfach Schlamperei und mangelnde Qualitätskontrolle.

Ich habe eine zweite Dose geöffnet, und da sieht das Tabakbild ein wenig anders aus.
Die Flakes zeigen eine hohe Pressdichte, die verschiedenen Tabaksorten sehen aus wie aus einem Guß, erst bei einiger Vergrößerung lassen sich Strukturen auf dem Foto erkennen:

Mit Knick & Falt befülle ich eine Stanwell Shape 11, die zum Proberauchen mit ihrem breiten Kopf geeignet erscheint. Obenauf kleinere Tabakkrümmel, damit das Anzünden leichter geht. Wichtig, wie bei allen Plugs, Flakes und Curlies, daß die gesamte Oberfläche in Brand gesetzt wird. Ab da beginnt der Rauchgenuß, der sich nach wenigen Minuten, nach Erreichen der Betriebstemperatur, einstellt.

 

Erstaunlich ist immer wieder, wie sanft und milde der Balkan Flake ist, weder kratzig, noch mit brachialer Nikotinladung wartet er auf. Er bleibt ein Mittelgewicht bis zum Ende. Der geübte Langsamraucher wird es zu einem trockenen, weiß-grauen Ascherest bringen. Wem die Pfeife öfter ausgeht oder sie unbedingt während eines Dauerlaufs rauchen muß, kann einiges an Kondensat erwarten.

 

 

 

 


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Robert McConnell – Highgate, Mark II

Mitleid ist angebracht mit dem deutschen Fachhandel, so er denn die Robert McConnell Heritage Tabake vom Distributor Kohlhase & Kopp bezieht. Entweder gibt es die Funktion eines Produkt Management nicht bei den Rellingern oder aber dieses ist von allen guten Geistern verlassen, das Management sollte man da gleich mit einschließen. 18 -ACHTZEHN!!!- „neue“ Tabake nach dem hinreichend bekannten Debakel auf einmal auf den Markt zu werfen und zu hoffen, das außer die drei bis höchstens fünf großen deutschen Fachhändler einen Bestand aufbauen können und wollen, ist im günstigen Fall blauäugig. Das alles interessiert mich allerdings mittlerweile wenig (so wie sich K&K nicht für den Konsumenten interessiert), seit im November vergangenen Jahres nach der großangelegten Dunhill-Nachfolge Propaganda eine saubere Bruchlandung hingelegt wurde, die hochnotpeinlich war. Wir haben hier und hier  berichtet.

Nun aber sind sie wieder da, die Heritages. Und bereits an den Fachhandel ausgeliefert.

Heißen jetzt zwar anders und sind mit neuem Label ausgestattet, damit womöglich nur niemand einen Bezug auf die früheren Dunhill-Ikonen herstellen kann. Dennoch finden Sie am Ende dieses Artikel eine Referenzliste, die Ihnen weiterhelfen kann, auch wenn das sicher nicht im Sinne des Distributors ist. Wen schert`s !

Lassen wir das aber alles hinter uns und kommen zu dem Tabak, der mich  schon im vergangenen November brennend interessiert hat: den Nachfolger des Dunhill Deluxe Navy Rolls. Er wurde im vergangenen Jahr flugs in Eclipse unbenannt, war allerdings keineswegs der Navy Rolls oder ein ähnlicher Ersatz, sondern der Orlik Bulls Eye Flake, der in Deutschland nur als Davidoff Flake Medaillion oder bei DTM als Bulldog Roper’s Roundels Flake verfügbar ist. Kann passieren. Das aber, obwohl nun als Highgate veröffentlicht und wiederum als Navy Rolls propagiert, erneut der Bulls Eye Flake in der Dose liegt, macht mich sprachlos.

 

Das alte „verbotene“ Eclipse“ Etikett mit Filzstift geschwärzt und einfach überklebt …

Kein Wort auf der rückseitigen Inhaltsangabe von Black Cavendish als „Markenkern“ dieses Tabaks, erwähnt wird lediglich Virginia und Louisiana Perique. Hält K&K erfahrene Navy Rolls Raucher eigentlich für unbedarft oder völlig neben sich stehend?

Die gute Nachricht: während die anderen Heritage Tabake wohl nicht der ursprünglichen STG-Dunhill Rezeptur entsprechen, sondern vorsätzlich nur richtungsähnlich sind (siehe unsere Reviews aus dem vergangenen Jahr), ist der Highgate exakt der Orlik Bulls Eye Flake. Für Liebhaber dieses Tabaks sehr schön, dürfte er nun flächendeckend im Fachhandel erhältlich sein. Der Unterschied zu den zwei identischen Mitbewerbern liegt nur im Preis: Davidoff für 17,90€/50g und Bulldog Roper’s Roundels Flake für 24,50€/100g.

Ich kann mir eine Beschreibung des Highgate ersparen, denn ich habe ihn heute bereits mehrfach geraucht, auch im Direktvergleich mit den Orlik und Davidoff Derivaten, kommt letztlich ja alles von Orlik / STG. So bleibt mir nur erneut der Verweis auf dieses Review.

Was mir noch zum Highgate in den Sinn kommt? Ein wirklich toller Tabak, eine rundum gelungene Rezeptur und wenn meine Bestände an Peter Stokkebye`s Luxury Bulls Eye Flake einmal zu Ende gehen werden – so ca. 2040, dann bin ich 90 Jahre alt – kaufe ich selbstredend den Highgate. Und bis dahin erfreue mich immer wieder an dem wunderschönen London Song von Ray Davies vom Storyteller Album:

…. But when you think back to all the great Londoners, William Blake, Charles Dickens, Dick Whittington, Pearly kings, barrow boys, Arthur Daley, Max Wall, And don’t forget the Kray twins, But if you’re ever up on Highgate Hill on a clear day, You can see right down to Leicester Square (London, London), Crystal Palace, Clapham Common, right down to Streatham Hill…..

Damit verabschiede ich mich nun vom Heritage Thema und widme mich interessanteren Tabaken. Denn der Flake, auf den ich bereits im vergangenen Jahr gesetzt habe, hat sich als Aromat entpuppt und ist damit für mich ausgeschieden. Und für meine früheren Dunhill Heroen habe ich längst abseits vom Heritage probaten Ersatz gefunden.

Pfeifenblog Cross Ref Dunhill-RMc Heritage 12.03.2019

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Björn Larsson – Long John Silver

Gibt es Jemanden in unseren Breiten, der die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson nicht verschlungen hat? Schwer vorstellbar. Die erzählerische Meisterschaft des nur 44 jährig an Tuberkulose auf Samoa verstorbenen Schotten brachte uns den wohligen Schauer seiner Romane aus dem viktorianischen Zeitalter in die Jugendstube und die Schatzinsel war beileibe nicht der einzige: Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Der Junker von Ballantree, Catriona und St.Ives sowie zahlreiche Reiseabenteuer sind eine auch heute noch attraktive Lektüre. Peter Hemmers Review über den Navy Flake von Samuel Gawith, in der er so treffend aus der Schatzinsel zitiert, brachte mir den Roman in Erinnerung und die Faszination stellte sich wieder ein. Und da lande ich nun bei dem schwedischen, segelnden Autor Björn Larsson, den ich 1991 durch den wundervollen Roman Der Keltische Ring kennen gelernt habe und den ich hier vor einiger Zeit bereits vorgestellt habe. Seinen internationalen Durchbruch hatte Larsson 1995 aber mit der romanhaften, fiktiven Biographie über Long John Silver, den einbeinigen Schiffskoch aus der Schatzinsel. Long John Silver, den Björn Larsson der Schatzinsel entlehnt hat und den er selbst „den abenteuerlichen Bericht über mein freies Leben und meinen Lebenswandel als Glücksritter und Feind der Menschheit“ erzählen läßt.
Silver, grölend und gewitzt, führt uns hautnah in die haarsträubenden Lebensverhältnisse der Seeleute und Piraten des 18. Jahrhunderts. Opfer ausbeuterischer Kapitäne und erschüttender Willkür sind sie allesamt und so wechselt Silver ohne Skrupel auf die unehrbare Seite des Gesetzes. Er erzählt unsentimental und mit einer empörenden Selbstverständlichkeit durch den Strom der Erfahrungen: Schiffbruch, Verrat, Versklavung, Verstümmelung. Seine Geschichten sind mindestens so komisch wie schockierend. Doch das „Logbuch meines Lebens“, wie der alte Pirat seinen Bericht nennt, ist weit mehr: er hat ein Leben jenseits der Gesetze gelebt, vor allem aber jenseits ungerechter, unglaubwürdiger Gesetze. Weil sie vor seinen Augen keinen Bestand haben, durchzieht Meuterei sein Leben wie ein roter Faden. Im Schatten des Galgens lebt er und hier ringt er seinen bizarren Erfahrungen Bruchstücke einer neuen Lebenslehre ab.

Und so gilt für mich, was Fabian Kastner seinerzeit im Svenska Dagbladet so treffend beschrieben hat:

Ich glaube Larsson. Unbedingt!
Ich weiß, daß ich diesen Roman immer wieder lesen werde – weil er so herrlich halsbrecherisch zwischen Fiktion und Wirklichkeit wechselt. Larsson löst grundlegende Konstruktionsprobleme mit beinahe provozierender Unkompliziertheit…… Dem Autor ist es es gelungen, zwischen Büchern und Jahrhunderten einen Resonanzraum zu schaffen, in dem der Tradition verpflichtete Käuze und superintellektuelle Intertexttualisten soch von derselben Stimme gleich gut unterhalten lassen können.

Zitat aus Svenska Dagbladet 2008

Und wem die Erzählung von „ihm selbst“ noch nicht genug ist, der kann auf das über dreistündige Hörspiel zurückgreifen. Ich aber empfehle, zwischen den einzelnen Kapiteln des Buches immer mal wieder in das wundervolle Album des schwedischen Bassisten Lars Danielssson Libretto III aus dem Jahre 2017 hineinzuhören.

 




Samuel Gawith Brown No. 4 – delikater Dreh

Wer -wie ich – gelangweilt ist von den bei vielen Rauchern just wieder aufkeimenden Frühlingsgefühlen für die nächste „Versuchsanordnung“ der vermurksten K&K Nachfolge für die derzeit eingestellten Dunhill-Legenden, findet genügend interessantere Tabake bei unseren deutschen Fachhändlern. Allen voran bietet neben HU-Tobacco und Pfeifen Huber der Traditionshersteller Samuel Gawith mit seinen Lakeland Tabaken eine fantastische Palette von Plugs, Flakes,Twists und Blends, deren intensive „Durchforschung“ mehr Sinn macht, als sich drögen Vergleichen von Substituten zu widmen.

Samuel Gawith (SG) feiert in kleines Revival, da viele Tabake, die es bisher nicht in Deutschland gegeben hat, offensichtlich nach der Wiedervereinigung der cumbrischen Ur-Tobacconisten Samuel Gawith und Gawith & Hoggarth plötzlich erhältlich sind. Nach dem kürzlich hier vorgestellten KC Flake nun eine weitere Besonderheit, der Brown No. 4, einer der seltenen Ropes oder Twists. Ein naturreiner Schmackofatz von außerordentlicher Beschaffenheit.

Im Untertitel nennt SG den Brown No. 4 „ Kendal Twist„, Ausdruck seines besonderen Formats. Wie ein Seil werden verschiedene Tabake in Handarbeit zu einem gar nicht so streng geflochtenem Strang gesponnen und dann bis zu vier Wochen in der Presse gelagert. Der Druck allerdings ist nicht mit dem für Flakes zu vergleichen, denn der Twist bleibt – einer Zigarre ähnlich – relativ weich. SG verwendet für den Kendal Twist – klingt das nicht anregender als das profane Brown No. 4 ? – einen mittelbraunen dark fired Virginia, dem nussiger Burley hinzugefügt ist.

Obwohl ich mich von Zigarren fern halte, erinnert mich der Twist an ein solches „Rauchgebilde“, das mir zunehmend an den freitäglichen Clubtagen der Münchner Runde begegnet. Nur tritt er nicht so akkurat auf. Und was immer man an anderer Stelle lesen kann: nein, nein und nochmals NEIN, er hat bis auf das Format aber auch gar nichts mit diesem fürchterlichen Twist gemein, dessen Name nicht genannt werden darf, wie mein Freund Harry sagen würde. Stark allerdings ist er wie dieser und damit, sowie auch durch das Format, nicht gerade ein Tabak für Raucheleven.

Der Doseninhalt soll 50g betragen und das ist wohl nicht immer genau von der „Prinzenrolle“ herunter zu schneiden, deshalb liegen ein ein paar wenige lockere Abschnitte bei. Geschnitten wird der Twist mit dem bekannten Vintage Forum Cutter, einem Opinel oder scharfem Taschenmesser. Die Stärke der Scheiben sollte denen eines Navy Rolls oder Escudo entsprechen.

Mit Knick&Falt die Pfeife befüllen. Der Twist glimmt sofort und verbreitet einen erdigen, nussigen mit ganz leichter Virginiasüße versehenen Geschmack und Duft. Wenn man von einem naturreinen Erlebnis sprechen will, dann jetzt. Ein Tabak wie aus dem Bilderbuch, optisch und geschmacklich. Da stört nichts an irgendwelchen zusätzlich hinzugefügten flavours oder casings, das ist überwältigend.

Der Brown No.4 brennt sehr gleichmäßig, erfordert aber Ruhe und Gelassenheit. Seine Stärke nimmt ab der Hälfte erheblich merklich zu und das ist auch das einzige Manko. Also beileibe kein Alltagstabak oder einer für Einsorten-Raucher. Für den Virginia Liebhaber aber ein Highlight und sei es als Sonntagstabak.

 

Samuel Gawith Brown No.4
Kendal Twist
50 g Rechteckdose

im gut sortierten deutschen Fachhandel und hier.


 

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Kendal Cream Flake – Lakeland Magie

An diesem wunderschönen Sonntagmorgen, gleich nach den Andechser Laudes um Fünfe in der Früh, will ich einmal mehr unserer Legislative danken und auch den Verbotsheroen/-heroinen  und “Unfreiheitlichen Gedankenlesern”, die Volkes Willen vorschreiben, lenken und weitgehend außer Kraft setzen. Die unsere übervölkerte Welt end-lich retten und durch herausragende Vorschriften, die unter vielen anderen mein Leben in die Hand genommen haben, wodurch z.B. aus meinem geliebten Honeydew Flake ein Golden Flake wurde. Dessen Genuss mich nun nicht mehr umgehend zu den Engeln schickt und meine irdische Verweildauer ab sofort deutlich verlängern wird.

Gleichsam erging es einem Tabak (wie jedem Tabak, dessen Name Gelüste hervorgerufen oder wenigsten Informationern geliefert hat), der wie kein zweiter die Magie der Lakeland Tabake heraufbeschwört, der mit  köstlich nur unzureichend beschrieben ist und der in unserem Tabakland nicht immer und nicht überall erhältlich war: der Kendal Cream Flake von Samuel Gawith.

Der Tobacconist meines ultimativen Vertrauens hat den Lakelands von SG vor einiger Zeit einen eigenen, blickfangenden Regalplatz eingeräumt und so – seit jeher ein Anhänger des cumbrischen Herstellers – wähle ich wieder häufiger dessen Tabake: Full Virginia Flake, St. James Flake, Brown No.4, Navy Flake, Squadron Leader – und den herausragenden KC Flake. KC Flake ? Ein Marketing Gag von KC & the Sunshine Band, der in den 1970er Jahren erfolgreichen Miami Sound Disco Band (That’s the way I like it)? Mitnichten, zum Glück.

KC Flake ist der heute profanisierte Kendal Cream Flake. Unverändert geblieben ist die Rezeptur, seine fantastische Qualität und das zarte Flavour, das mir früher schon immer ein wenig magisch vorgekommen ist. Liegt wohl an den Lake District Bildern in meinem Kopf.

Der Kendal Cream Flake besteht aus mehreren, verschiedenen Virginias und Burleys, denen ein wundersames, leichtes Flavour zugegeben wurde, das mich an Tonka und Karamell erinnert. Der Geruch ist so appetitlich, daß ich hineinbeißen möchte. Wie häufig bei SG liegt der Flake “ungeordnet” in der Dose, ist aber wenigsten gleichmäßig geschnitten, außerdem nicht zu feucht. Beides nicht sooo typisch für SG. Ich empfehle unbedingt, die Pfeife mit Knick&Falt zu befüllen, damit die Komposition in Gänze genossen werden kann und nicht aufgelöst nach ihren Komponenten daherkommt. Das wäre nicht einmal der halbe Genuß.

Wie alle anderen SG Flakes, Twists and Plugs glimmt auch der Kendal Cream Flake ausgezeichnet, so er nicht zu feucht ist. Das Besondere an ihm ist die hervorragende Gleichmäßigkeit in Abbrand und Geschmack. So weich, so cremig wie er aus der Dose riecht, so schmeckt er auch. Der Tabak bringt überhaupt keine Spitzen, er ist süffig wie ein alter Bordeaux und eben so kräftig, ohne das sich eine Übersättigung einstellt. Die Würzigkeit der Burleys bringt einen hauchfeinen Pfeffer zu den Virginias und der ist dann eher ein Kampot Pfeffer, denn unser gemeiner Küchenpfeffer. Ich verspüre eine gewisse Erdigkeit und man sollte sich schon einiges an Aufmerksamkeit vornehmen, um die wundervollen Virginia Nuancen und ihre Mitwirkenden herauszufinden. Es lohnt einmal mehr, einen solchen Tabak nicht beim Joggen oder beim Iron Man Lauf zu rauchen, sondern sich ein Höchstmaß an Ruhe und Ausgeglichenheit zu gönnen. Alles andere kann warten.

Ach ja, dazu paßt das soeben erschienene Album von Rymden, Reflections and Odyssees. Das skandinavische Trio um Bugge Wesseltoft scheint die Stücke beim Genuß von Kendal Cream Flake eingespielt zu haben.

 

Sieht einfach schöner außer, das alte Label.

 

Ein Tabak in dieser Güteklasse sollte ein Wochenend-/Sonntagstabak bleiben. Für mich reiht er sich nach einigen Jahren der Absenz wieder in das Virginia Duo um den Orlik Golden Sliced und Huber`s Golden Flake ein, das er hervorragend ergänzt. Und wenn ich dann genug Süße und Magie genossen habe, dann bedarf es eines Epikur oder den einen oder anderen aus der English/Orient Sektion: Huber Balkan aka Balkan Sobranie 759 und (1) Olsen 800 Ø. und (2) Olsen 800 Ø .

Samuel Gawith KC Flake
50 g Rechteck Dose
Virginia-Burley Flake, Flavoured

im gut sortierten Fachhandel und hier


 

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