S.Gawith | Scotch Cut Mixture

image_pdfimage_print

Eine Nische in der Nische – so ähnlich könnte man die Scotch Cut Mixture von Samuel Gawith und ihre Position auf dem hiesigen Tabakmarkt beschreiben, wird selbiger doch quantitativ vor allem von Aromaten verschiedenster Art beherrscht, neben denen sich nur eine Handvoll „naturbelassener“ Tabake nachhaltig und wahrnehmbar behaupten kann. Das wäre die erste Nische. Und diejenigen, die sich da behaupten, das sind meist Virginia- bzw. Virginia/Perique Flakes und „englische“ Mischungen mit markanten Latakia-Anteilen. All den genannten gemeinsam ist ihre Fokusierung auf Primäraromen, seien es nun künstliche Aromen oder die cremig-malzige Süße der Virginias oder die Rauchigkeit des Latakia. Alles, was sich da subtil zwischen die Stühle setzt, bildet quasi die Nische in der Nische und es ist den Produzenten und Importeuren nicht hoch genug anzurechnen, dass auch solche Mauerblümchen nicht zur Gänze verschwinden. Schließlich zeichnet das die Vielfalt aus, für die der Pfeifentabakmarkt doch auch steht. Zumindest ein bisschen.

Scotch Cut Mixture DoseVor einigen Jahren habe ich schon einmal ein Review zur Scotch Cut Mixture geschrieben. Und als ich den Tabak vor ein paar Tagen nach einer Abstinenz von eineinhalb Jahren mal wieder geraucht habe, habe ich spontan beschlossen, nochmal etwas über die Scotch Cut Mixture zu schreiben, schlicht weil sie mir am Herzen liegt und ich meinen Beitrag leisten möchte, sie aus ihrem „Mauerblümchendasein“ ein wenig zu befreien. 2009 erschien die Scotch Cut Mixture als Limited Edition anläßlich der Pipeshow in Chicago. Der Erfolg war groß, was S.Gawith wohl dazu bewog, die ungewöhnliche Mischung 2010 ins normale Programm zu übernehmen. Seitdem ist die Scotch Cut Mixture auch bei uns erhältlich. Dabei war die Scotch Cut Mixture 2009 gar keine Neukreation sondern basierte auf einem 100 Jahre alten Rezept, will man dem schweizer Importeur Synjeco Glauben schenken. Warum sie zuvor nicht erhältlich war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Scotch Cut Mixture DoseDie Herstellerbeschreibung lautet wie folgt: „Scotch Cut Mixture is one of the original Samuel Gawith blends. A balanced selection of Virginias, Burley, Latakia and our own Empire Black Cavendish gives Scotch Cut a full flavoured yet medium strength smoking experience.“ Die Beschreibung des schweizer Importeurs Synjeco: „This mixture is based on a traditional receipt, more than 100 years old. Bright Virginias, Burley, a small percentage of Latakia are in mixture with the such called „Emperor Cavendish“ (also known as United Kingdom-Cavendish), which is different from the usually known Black-Cavendish. A very gentle and pleaseant all-day smoke.“ Und schließlich der Text des deutschen Improteurs Kohlhaase & Kopp: „Nach diesem alten Rezept für Scotch Cut werden helle Virginias, Burley und Latakia mit Black Cavendish verfeinert. Dieser wurde aus Dark Fired Tabak hergestellt, der bedampft, gepresst und geröstet wurde, bevor er geschnitten und mit den anderen drei Tabaken gemischt wird.“

Scotch Cut Mixture TabakbildDas Tabakbild ist von hell- bis mittelbraunen Tabakstreifen geprägt, unter die sich einige dunkelbraune Streifen, der ominöse „Emperor Cavendish“, mischen und ganz vereinzelt findet man ein paar wenige tiefschwarze Tabakkrümel – Latakia in annähernd homöopatischer Dosis. Das Detailfoto links verfälscht hier etwas den Gesamteindruck, die Mischung ist nicht gleichmäßig so dunkel. Im Gegensatz zu vielen anderen Tabaken von S.Gawith, insbesondere den Flakes, ist der Feuchtigkeitsgehalt ziemlich ideal, sodass sich die Scotch Cut Mixture ohne jegliche Trocknungszeremonie sofort und vollkommen problemlos entzünden und auch gleichmäßig bis zum Ende rauchen lässt. Das Stopfen ist ebenso unproblematisch, wenngleich ich wegen der doch vorhandenen etwas größeren Tabakfetzen keine extrem kleinen Pfeifen nehmen würde. Bei Brennkammern unter 20mm Durchmesser müßte man aufs Stopfen achten.

Wenn man die Scotch Cut Mixture nun entzündet, hat man sofort den Mund voller Virginianoten, cremig, malzig und süß, allerdings nicht allzu sehr. Das wird unterstützt vom Black Cavendish, quasi ein „Fire Cured Dark Stoved“, der die Aromen von Schwarzbrotkruste beisteuert und so den Virginias zusätzlich Würzigkeit, Tiefe und Komplexität verleiht. Eine ganz leichte Nussigkeit, die auf den Burley-Anteil zurückzuführen ist, rundet den Grundgeschmack der Scotch Cut Mixture ab. So, als ob in dem dunklen Brot noch ein paar Nüsse verbacken wären… Nicht viele, nur ein paar. Die Virginias dominieren den Burley, nicht umgekehrt.

Scotch Cut Mixture Tabakbild mit PfeifeDiese Komponenten wechseln sich in ihrer Lautstärke während des Rauchens immer wieder mal ab, mal schmeckt man der Malzigkeit nach, mal der Nussigkeit, mal der würzigen Brotkruste, immer mal anders. So wird einem das Rauchen der Scotch Cut Mixture nie langweilig. Und der Latakia? Der ist immer da. Wie die neugierige Nachbarin gegenüber: Mal hinter der Gardine, mal bei offener Gardine, in ganz wagemutigen Momenten sogar bei offenem Fenster auf ein Kissen gelehnt. Der Latakia ist immer da aber nie direkt dabei. Man weiß um das homöopatische Maß an Rauchigkeit, man nimmt es wahr und es freut einen. Trotzdem ist die Scotch Cut Mixture weit davon entfernt, eine Latakia-Mischung zu sein. Sie ist eher eine klassische Virginia-Mischung mit einem ungewöhnlich hohen Maß an Würzigkeit. Durchaus auch empfehlenswert für Virginia-Apostel, denen der Gegenpapst Latakia ansonsten ein rotes Tuch ist. Man möge sich nicht vor der bloßen Nennung desselbigen auf der Dose schrecken lassen!

Scotch Cut Mixture DoseEin leichter Tabak ist die Scotch Cut Mixture übrigens auch nicht: sie ist vollmundig ohne stark zu sein. Sie ist komplex, aber die vielschichtige Komplexität kommt – wie bei allen so subtil komponierten Grenzgängern ohne Primäraromasolisten – nur zum Tragen, wenn sie behutsam, langsam und kühl geraucht wird. Deshalb würde ich die Scotch Cut Mixture auch nicht als Anfängertabak empfehlen, denn sie verliert schnell an Reiz, wenn sich die Subtiliät aufgrund hastigen Ziehens nicht entfalten kann. Zum Ende der Füllung hin wird sie kräftiger und vor allem würziger, ohne dass sich der Latakia stärker zeigen würde. Der unterstützt nur die Würzigkeit. Die Scotch Cut Mixture ist ein Tabak, der die große Stärke von S.Gawith, nämlich die Virginias, ein wenig anders interpretiert und zwar ohne dem eigenen Virginia-Stil untreu zu werden. Übrigens ist die Scotch Cut Mixture auch ein Tabak, zu dem ich sehr gerne einen Kaffee trinke. Eine ziemlich unwiderstehliche Kombination!

Das könnte Dich auch interessieren...

14 Antworten

  1. Das ist jetzt wieder so ein Artikel, durch den ich – ungeachtet eines früheren Eindrucks von diesem Tabak- gleich loslaufen und ein paar Dosen kaufen möchte. Und auch noch die Kombination mit Kaffee vorzuschlagen, ist richtig berechnend. :)) Scheinbar muß ich da noch einmal ran und meine Geschmacksfähigkeit einmal mehr auf den Prüfstand stellen. Die Lust ist jedenfalls entfacht …. herzlichen Dank.

  2. Hätte ich dieses Review der Scotch Cut Mixture doch vorher gelesen, dann hätte er mir bestimmt noch besser geschmeckt, als ich ihn beim Autor probieren durfte. Immer wieder schafft dieser es, den Tabak noch besser zu beschreiben, als man ihn selber verkosten kann.

    Danke Peter, dass du die Latte für Tabakreviews so hoch gelegt hast, dass jetzt niemand mit einem Ego, kleiner als ein Jupitermond, je wieder hier posten wird ….

    • Während ich mich vergangenen Freitag bei der Möglichkeit, den Scotch Cut (erneut) zu probieren, bescheiden zurückhielt, hast Du doch Deine größte Giant überrandvoll befüllt. Also kein Lamento, bitte.
      Das mit der Meßlatte stimmt, was tun……?

      • Peter Hemmer sagt:

        Was soll ich denn jetzt machen? Aufhören? Weitermachen als ob nichts wäre? Oder vielleicht mal – frei nach Otto – mit Hilfe eines Skalpells und einer Schieblehre aus Muttis Tampons ein duftes Filtersystem für „Reversed Calabash“-Pfeifen bauen und ausführlich darüber berichten sobald ich eine Lösung für den Faden gefunden habe, der bis jetzt immer so unschön aus dem Rauchkanal hängt…? Ist es das, was Ihr wollt???

        • Au ja, das wär`s und könnte mich vielleicht zum Filterraucher machen. Ernsthafter: das mit der Meßlatte stimmt schon, denn Dein Review ist doch weit entfernt von „schöner Tabak“ oder „schmeckt mir“ – Votierungen und nicht nur fundiert verfasst, so daß der Leser eine brauchbare Rezension erhält, sondern eine richtig schöne Lektüre.

    • Karl Hirsch sagt:

      „dass jetzt niemand mit einem Ego, kleiner als ein Jupitermond, je wieder hier posten wird ….“

      Der Jupiter hat einige kleinere Monde als die sogenannten galiläi..pardon galileischen Trümmer. Besonders seit V,oyager und Hubble sind da regelrechte Fürzlein darunter, wie die 9km dicke Callirrhoe (Kallisto nach Diarrhoe) oder der Zwergerlgarten von Jupiter XXXI bis Jupiter LIII und dahinter.

      Daher trau ich mich ungeniert mitzukommentieren:

      Das Schottenkaro, pardon Tartan, erinnert mich an den herrlichen Clan. Schmeckt der Scotch Cut Mixture ähnlich oder fast gleich gut?

      – Wie gehts eigentlich Euch in der Runde mit dem Namen, nicht gelesen sondern gegenüber dem schwerhörigen Tobacconist dreimal hintereinander schnell ausgesprochen? Wachsmaske-Messwechsel Hilfsvergleich.

  3. Eddy sagt:

    Wieder einmal ein erstklassiges und richtig Appetit machendes machendes Review. Danke, dafür Peter! Direkt nachgeschaut – zwei Dosen habe ich noch geschlossen im Schrank, eine davon wird am Wochenende geöffnet.

    Viele Grüße, Eddy

    • Eddy sagt:

      ps: eine schöne Meerschaum ist das! Sehe ich das richtig, dass der Silberschmied Frankau war? Ist es eine BBB?

      • Peter Hemmer sagt:

        Danke Eddy! Hat mich gefreut! Und ja: es ist eine Frankau&Co allerdings ohne BBB-Raute. Ich müsste schauen, ob sie in der Schatulle eingeflockt ist… Die älteste meiner Pfeifen, die immer noch sehr regelmäßig geraucht wird. Die anderen Bruyere-Pfeifen aus Produktion vor dem ersten Weltkrieg rauche ich zwar auch noch, aber nur hin und wieder mal, nicht so regelmäßig wie diese Meerschaum. Mir gefällt sehr, dass man ihr den Gebrauch ansieht.
        Herzliche Grüße
        Peter

  4. Gestern im Club der Münchner Runde. Alle haben den Scotch Mixture Cut geraucht, es waren nur begeisterte, teils orgiastische Äußerungen zu hören, später verstärkt noch durch Roberts abendliche super-dooper Bourbon-Morgengabe, deren Namen ich schon wieder ausgeblendet habe, Geschmackvolleres gewohnt von meinen Präferenzen aus Skye, Joura und den Orkneys gewohnt bin. Und nein, ich bleibe ausnahmsweise einmal richtig beratungsresistent: auch der Tabak ist nichts für mich. Brennt, hinterläßt einen feinen Ascherest, kein Kondensat (liegt aber an meiner Art zu rauchen). Vielleicht war es auch nicht mein Tag, denn das Faßweißbier war auch nur flüssig. 🙂

  5. Häri sagt:

    Also ich für mein Teil gehöre zu den Begeisterten. Vielen Dank für Review und Tabakprobe. Ich hätte diesen Tabak sonst wohl in 100 Jahren noch nicht entdeckt. Gleich nächste Woche ziehe ich los und bestelle mir ein Pfund davon beim örtlichen Kolonialwarenhändler…Vielleicht bin ich aber auch nur leicht zufrieden zu stellen…ich bin nämlich auch mit dem isotonischen Durstlöscher vom Faß zufrieden.

  6. Häri sagt:

    Da bin ich grundsätzlich ganz bei Dir. Ich würde am liebsten das Zeug im Hopfensack bunkern. Da ich allerdings in gesicherter Armut lebe und meine Frau meint, dass ich zur Übertreibung neige (versteh ich gar nicht), gibt das Budget erst mal nicht mehr her…

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das:
Zur Werkzeugleiste springen