Troy Cassar-Daley – The World Today

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Das vergangene Album des Monats von den Nighthawks hat sich zum 3-Monate Album entwickelt. Der Grund ist einfach: in den letzten Monaten habe ich viel Zeit darauf verwendet, einige spezielle Bereiche meiner Klassik Bibibliothek zu ergänzen: von den Dirigenten Vaclac Talich, Hermann Scherchen und Kurt Sanderling fehlte mir so einiges, die amerikanischen Pianisten Van Cliburn und Byron Janis hatte ich für mich entdeckt und die Rudolf Buchbinder Veröffentlichungen aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins forderten ihre „Anhörzeit“. Ach ja, Abdel Rahman El Bacha, ein libanesischer Weltklasse Pianist, mit seinem formidablen Bach und Rachmaninov. Jazz und Rock hatte ich da nicht so sehr auf dem Schirm und ich wollte für das anstehende Album des Monats mal wieder etwas populäres, grooviges zum Mitsingen bringen, von einem Künstler, den hoffentlich von unseren Lesern niemand kennt. Nach wenigen Wochen wurde ich fündig bei einem Singer-Songwriter, dessen zahlreiche Alben mir schon seit einigen Jahren gefallen.

Kennen gelernt habe ich den Country MusikerTroy Cassar-Daley , als ich ab 1998 über einen längeren Zeitraum mit zahlreichen Projekten in Sydney befasst war. Zu diesem Zeitpunkt war sein Stern schon aufgegangen, heute ist er dorten längst ein Superstar und hat soeben mit dem hier vorgestellten The World Today sein 13. Studioalbum seit 1996 veröffentlicht.

Die australische Country Music hat viel Ähnlichkeit mit der US-amerikanischen und mixt wie zwischenzeitlich diese klassische Country Musik mit Country Rock/Pop. Hinzukommen noch starke Einflüße von Southern Rock Bands à la Lynyrd Skynyrd, Marshall Tucker, Outlaws , Charlie Daniels und Travis Tritt, um nur einige zu nennen. Dennoch klingt der Australier frischer, gefälliger und -obwohl, wie gewohnt, Strat,Telecaster und Les Paul das vordringliche Handwerkszeug sind- nicht so eingefahren wie die Bands, die mittlerweile mit bis zu 4 oder mehr gleichzeitig orgelnden Leadgitarristen aufwarten und den Groove totnudeln. Früher war das richtig aufregend, heute aber langweilt mich so etwas.

Troy Cassar-Daley singt und schreibt seit dem Debütalbum über sein Land. Aber noch nie hat er sich so tief in dieses eingegraben oder so viel von sich selbst preisgegeben, wie auf dem reichhaltigen 13. Album mit immerhin 14 Songs.

Wie bei uns in Europa auch, waren die zurückliegenden eineinhalb Jahres wohl die härteste Zeit für so viele Menschen in Australien: Buschfeuer, Covid, Abriegelung, Flut. All das ist in dem neuen Album verarbeitet.

Die Musik ist manchmal härter, mehr bluesiger Rock als kommerzieller Country, das pochende Parole (3) und Drive in the Dark (6), eine Kleinstadtgeschichte, die von Tom Petty stammnen könnte, geschrieben und gesungen mit Ian Moss von Cold Chisel. Cassar-Daley ist ein großartiger E-Gitarrist, vor allem live. Auf den meisten Studioalben stand das bisher nicht so sehr im Vordergrund, aber hier geht es nicht um traditionelle Country Music.

Das schmerzlich-schöne Heart Like a Small Town (5) spielt in den Straßen, wo die Traurigkeit wächst. Drei Songs handeln von  Inhaftierung: I Still Believe (8) findet Hoffnung, nachdem sich die Gefängnistür geschlossen hat, und ist so zärtlich, wie ein Lied über das Überwinden von Dämonen nur sein kann. Erlösung gibt es auch in der rauen Ehrlichkeit von My Heart Still Burns for You (2).

Cassar-Daleys indigenes Erbe -die Vater stammt von Malta, die Mutter ist eine Aborigine – ist ein weiterer Grundstein in seinem Leben und seiner Musik. Das Eröffnungsstück Back on Country bezieht sich auf die revitalisierende Kraft der Natur. Cassar-Daley singt über alte Geschichten, verschiedene Welten der Liebe, des Hasses und der Angst. Das Album endet so, wie es in I Hear My River (14) beginnt: tief im Land, in all seiner Schönheit und heutigen Trauer.


Wer`s wissen möchte, bevor er ins Outback aufbricht:

Troy Cassar-Daley (vocals/guitar/banjo)
Matt Fell (bass/keys)
Chris Kamzelas/Jim Moginie/Mark Punch (guitars)
John Schuberth (drums)
Clayton Doley (keys)
James Church (dobro)
Shane Howard (bodhran/whistle/violin)


Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Unternehmer, Segler, Reisender [..unser Mann in Asien]. Intensiver Marktgeher, immer an Feuer & Herd, sofern in der Nähe. Email an den Autor  

1 Antwort

  1. Einen lieben Gruß und besonderen Dank an den rastlosen Dachauer Mahner, der mich vom Wasser an den Plattenspieler zurückgetrieben hat.

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