Ein Tabak aus dem Freistaat: Kurt Eisner Blend

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„REVOLUTIONÄRER“ TABAK

Für einen besonderen Tabak bedarf es eines besonderen Anlaßes und den gibt es: die Gründung des Freistaates Bayern durch den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, die soeben ihre 100 jährige Wiederkehr feiert und Eisners barbarische öffentliche Ermordung am 21. Februar 1919. Pfeifenblog.de, die Münchner Pfeifen- und Tabakinstitution Pfeifen Huber und Tabakblender Hans Wiedemann von HU-Tobacco haben zusammen einen Tabak kreiert, der nicht nur durch sein außergewöhnliches Gestaltungskonzept Akzente setzt. Der Blend, eine ready rubbed-Flake Virginiamischung der Spitzenklasse ist erhältlich in einer 50g Runddose exklusiv bei Pfeifen Huber und gehört dort ab sofort zum Standardangebot.

Geniessen Sie vorab das Tabak Review, dazu ein wenig Zeitgeschichte und verstehen Sie, warum ein neuzeitlicher Münchner Blog, ein tradionsreiches, 1863 gegründetes Münchner Familienunternehmen, dem unverändert ein Georg Huber vorsteht – immerhin der IV. Namensträger – und ein renommierter Tabakblender aus dem bayerischen Schwaben sich mit viel Freude und Enthusiasmus gemeinsam eine solche Tabakschöpfung vorgenommen haben.

KURT EISNER BLEND – REVIEW

Peter Hemmer

Ein „revolutionärer“ Tabak? Das ist auf den ersten Blick eine Frage der Perspektive. Etwa so: 75% Louisiana Perique, 15% Dark Fired Kentucky mit Moschus- und Wasserliliencasing und 10% Babylonischer Latakia  (exakt 2338,0815 Jahre gereift, sonst schmeckt’s nämlich eh ned, die streng limitierte Grabbeigabe). Das wäre ein revolutionärer Tabak! Bei uns liegt das Revolutionäre eher im Anlass, dem wir mit dem Tabak ein klein wenig Reverenz erweisen wollen, als im Stil des Tabaks!

Der Tabak sollte also einer sein, der auf der einen Seite nicht alltäglich und auf der anderen trotzdem in gewisser Weise mehrheitstauglich ist. Das erfordert erstmal Verzicht auf Aromatisierungen und auf Latakia. Und volle Konzentration auf die Qualität, aber das kann der Hans ja eh… Herausgekommen ist eine Mischung, die im Wesentlichen aus unterschiedlich aufbereiteten Virginias verschiedenener Provenienzen besteht, denen wiederum ein paar Burleys beigegeben sind. Das Ganze gepresst und Ready Rubbed aufbereitet.

Die Mischung ist im Schnitt und auch farblich sehr homogen, sie lebt viel mehr von der Kombination des stilistisch Ähnlichen als vom Zusammenfügen großer geschmacklicher Kontraste. Auch wenn wir hier in der Überschrift vom revolutionären Tabak geschrieben haben: der Eisner Tabak ist eine ruhige Mischung mit großem Understatement und großer Überzeugungskraft, aber er ist kein Galaparadefeuerwerk. Eher wie ein verdammt gut gebackenes Brot, als wie ein ondoliertes Praliné.

Apropos Brot: da wären wir schon beim Geruch des Tabaks angekommen! Es sind diese süß-erdigen Malznoten, verbunden mit dunkler Brotkruste, die den Eisner Tabak im Geruch prägen. Vielleicht mit ein paar nussigen Zartbitterschokoladenuancen angereichert, aber nur sehr, sehr dezent. Die Burleys stehen nicht im Vordergrund. Im Geruch noch weniger als im Geschmack.

Dass sich der Tabak bei einem solchen Tabakbild perfekt stopfen, anzünden und bis zum Ende der Füllung durchrauchen lässt, versteht sich von selbst, zumal seine Feuchtigkeit meiner Meinung nach optimal ist. Diese so absolut unkomplizierten Raucheigenschaften machen den Eisner Tabak nicht nur zu einem sehr angenehmen Alldays-Tabak, sie empfehlen ihn auch für Anfänger, die in die „naturbelassene“ Richtung einsteigen wollen und ein intensives Geschmackserlebnis suchen, ohne gleich überfordert zu sein! Die Mischung ist kein Bruder Leichtfuß, aber ganz weit entfernt davon, den Raucher hinsichtlich Stärke und Nikotin wirklich zu fordern.

Geschmacklich steht der Tabak anfangs, nach dem Entzünden, klar auf der Seite der Virginias: malzig süß, eher breit und cremig kommt der Eisner Tabak daher. Dazu die leicht herbe Süsse getrockneter Feigen und eine gewisse Erdigkeit, die den Tabak ungemein würzig macht. Das ist das Spannungsverhältnis, von dem die Mischung von Anfang an lebt und das im Laufe des Abbrands immer mehr um die schönen Burley-Noten ergänzt wird. Es gesellen sich leichte Nussaromen und eine ganz dezente Schokoladigkeit hinzu, deutlich wahrnehmbar, aber nicht vordergründig, eher leise als laut. Wie ein sympathischer älterer Herr, der sich im vollen Wirtshaus mit zu uns an den Tisch setzen darf… Und so sitzt man dann ganz gemütlich zusammen bis die Füllung aufgeraucht ist. Unaufgeregt, unspektakulär – aber klar und unvergleichlich schön und gemütlich.

Stilistisch – nicht geschmacklich – erinnert mich der Eisner Tabak an die Elizabethan Mixture von Dunhill, nur dass da natürlich kein Perique mit den Virginias gepaart ist, sondern Burleys. Ein Tabak, der sich übrigens sehr gut zum Einlagern eignen dürfte…

 

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Eisner, die Dose und das Portrait

Alexander Broy

Eisner bei Pfeifen Huber im TalDa steht er nun endlich, der Eisner Kurt, im Tal 22 in München in Öl gemalt in einem ganz schlichten, einfachen Fichtenrahmen, so hätte es ihm gefallen, da bin ich mir sicher.

Die Ehre von einem der großen Münchner Malerfürsten portraitiert zu werden, war Eisner nicht vergönnt. Dazu war sein Leuchten in München zu kurz und fand zudem in Zeiten statt, in denen Lenbach schon tot und die anderen ganz andere Sorgen hatten, als den „schwindligen“ sozialistischen Revolutionär zu porträtieren. Vermutlich hätte Eisner selber in den Wirren seiner Regierungszeit überhaupt keine Zeit gefunden, sich malen zu lassen.

Es gibt von ihm gerade mal drei nicht völlig unscharfe schwarz weiss Fotos, das war es auch schon. Der alte Hanfstaengl, der mit Abstand bedeutendste Münchner Verleger und Kunsthändler, hätte sich vermutlich lieber den rechten Arm amputieren lassen, als Postkarten von diesem „Kommunisten“ heraus zu bringen – obwohl er diesen Arm ein paar Jahre später beim enthusiastischen Feiern seines geliebten Freundes und Führers – schmerzlich vermisst hätte.

Kurt Eisner - Alexander BroyIch hingegen hatte die Zeit und die Muße und habe ihn aus einer Laune heraus flott und flüchtig auf einem kleinen 40 x 40 Zentimeter großen Stück Leinwand gemalt. Als Vorlage diente mir ein Foto aus der Wikipedia. Was heißt Laune: Auf Bodos Empfehlung hin, habe ich Eisner per Bayrischer Rundfunk WhatsApp abonniert und hänge seit dem wie ein Teenager an meinem Handy, immer wieder lese ich was in seinem bewegten Leben vor genau 100 Jahre geschah, das inspirierte mich.

Ihm, dem einzig wahren, ersten und allerbesten Ministerpräsident aller Zeiten – und ich kann das beurteilen, der aktuelle MiPrä wohnt hier ein paar Strassen weiter in Nürnberg-Mögeldorf – wollte ich ein kleines, bescheidenes Andenken setzen und so fragte ich meine Mit-Blogwarte, Bodo und Peter, Hans Wiedemann von HU-Tobacco, Kohlhase und Kopp sowie nicht zuletzt Pfeifen-Huber, ob sie nicht mitarbeiten wollten. Sie mussten nicht lange überredet werden, die Begeisterung für einen Eisner-Tabak war sofort geweckt.

Einen häßlichen Todeswarnhinweis unter sein Portrait zu kleben, wäre natürlich pietätlos gewesen, denn er ist ja schliesslich nicht am Tabakkonsum, sondern durch die Hand eines rechtsextremen Eiferers gestorben. „Nationalismus kann töten“ oder „Ein Menschenfreund zu sein, schadet ihrer Gesundheit“ wäre als Gefahrenhinweis juristisch nicht erlaubt gewesen, deshalb entschieden wir uns für ein schlichtes Etikett und dafür, in jede Dose hinein einen Aufkleber mit seinem Portrait zu legen.

Zum Schluß meines Teiles, gebe ich dem geneigten Leser hier noch eine kleine Bastelanleitung an die Hand und gestatte mir den Hinweis, dass das Original Eisner-Portrait bei Pfeifen Huber zu erwerben ist, und ich gerade an einer großen Version des Bildes für mein Herrenzimmer arbeite, welches ich gegen ein großzügiges Gebot zur Not auch hergeben würde.

Und damit übergebe ich – den wunderbar weichen und geschmeidigen Eisner-Tabak im Pfeiferl rauchend – an meinen Freund Bodo Falkenried, der über die geschichtlichen Hintergründe der Revolution berichten wird.


ES IST REVOLUTION

Bodo Falkenried

Wir stehen in der aufwühlenden, katastrophalen Zeit am Ende des Ersten Weltkriegs. Es ist Revolution in Deutschland! Die untauglichen Monarchien – davon gibt es noch 22 in Deutschland, dazu die Wilhelminische Reichsmonarchie des Kaisers und vor allem aber die versagende Oberste Heeresleitung allen voran ihre Protagonisten Ludendorff und Hindenburg, die das sich ankündigende völlige Scheitern ihrer Militärstrategie vor Kaiser, Regierung und Volk verheimlichen und durch blindwütigen, wirkungslosen Aktionismus schließlich herbeiführen –  und damit letztendlich der Bismarck`sche Obrigkeitsstaat, stehen am Abgrund. Die bedeutsame Berliner Revolution vom 09. November 1918 ist unklar, verschwommen geworden und arbeitet sich mit politischer Ideologie zu Grunde. Nicht die Umstürzler sind die wahren Totengräber der Monarchie, sondern das Triumvirat aus Wilhelm II., Reichskanzler Max von Baden und dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert, die zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1918) die Reichsmonarchie aus unterschiedlichen Gründen unbedingt erhalten wollen: Kaiser und Kaiserin bewegen sich in einer starrköpfigen, überlebten Weltanschauung, selbstsüchtig und in völliger Verkennung der neuen Machtverhältnisse, (Endzeit-) Kanzler Prinz Max verfolgt eigene, sehr persönliche Nachfolgeziele als Monarch und Friedrich Ebert schliesslich will seine Sozialdemokratie als agierender Partner einer neuen parlamentarischen Monarchie etablieren, um die innenpolitische Stabilität im Reich zu garantieren und einen totalen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie die russische Revolution gebracht hat, zu verhindern.

Woodrow Wilson 1856-1924 – 28. US Präsident 1913-1921

Hinzukommen die drängenden Forderungen des amerikanischen Präsidenten Wilson, der unnachgiebig zugesichert haben will, dass die Allierten nicht mit einer autokratischen, sondern mit einer demokratisch legitimitierten Regierung verhandeln können, was letztlich nichts anders als die Abschaffung der Monarchie bedeutet. Dieses fast unlösbare Spannungsfeld, in dem sich die Reichsregierung in Berlin befindet und das durch die verschiedenen Interessenlagen der Beteiligten ein fast täglich zu änderndes taktisches Vorgehen erfordert, ist das reale Hindernis, um die November Revolution tatsächlich in eine gelebte, der Bevölkerung und dem Staat nützende Demokratie zu bringen. Die ursprünglichen diplomatischen Versuche, mit den Allierten zu einem Waffenstillstand oder gar zu einem Verständigungsfrieden zu gelangen, scheitern sämtlich. Dennoch ist es nicht nur Wilson, der beharrlich gegen eine wilhelminische Monarchie Stellung bezieht, zwischenzeitlich nehmen auch die wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Eliten eine gegen Wilhelm II. gerichtete Position ein, was dieser bis zur Absurdität lange verkennt. Das Ende ist bekannt. Sich selbst durch oftmals wirres Taktieren und durch ein bei beiden aus unterschiedlichen Motiven rückwärtig orientiertes Kalkül von Kaiser und Reichskanzler außer Kraft gesetzt, ermöglichen sie ungewollt die dringend notwendige Abschaffung der Monarchie und die Einführung einer gewählten, parlamentarischen Staatsform, die als Weimarer Republik bis 1933 bestehen wird. Das dies aber letzlich – wenn auch unter härtesten Anstrengungen – gelingt, müssen wir in der Tat der späteren Reichsregierung unter ihrem Reichspräsidenten Ebert und der Reichsregierung mit Politikern wie u.a. Philipp Scheidemann und Gustav Stresemann zurechnen.

AUCH IN MÜNCHEN – ABER ANDERS

Gänzlich anders in der bayerischen Hauptstadt München. Rücksicht auf internationale Verhältnisse muß Bayern nicht nehmen, auch gibt es so gut wie keinen Einfluß von außerhalb der Grenzen des Freistaates, wenn man von denen aus Berlin absieht. Ein viel radikalerer Stilwechsel in der Politik wird mit einer durchdringenden kulturellen Ansprache an das Volk und durch publizierte, transparente Angebote für die Mitwirkung an der Zukunft vollzogen. So gelingt es dem Intellektuellen Eisner, wichtige und einflußreiche Verbandspolitiker wie die Brüder Ludwig und Karl Gandorfer vom Bayerischen Bauernverbund, für eine tätige Mitwirkung an der Revolution zu gewinnen. Über die neue, freiheitlich-demokratische Idee sich zusammenfindende Schriftsteller wie Oskar Maria Graf, Rainer Maria Rilke, Heinrich Mann, Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer, um nur einige zu nennen, bringen sich ebenfalls in den Umbruch ein. So kann in Bayern sehr viel fantasievoller und engagierter als in Berlin über ein neues politisches System nachgedacht werden, an dem die unterschiedlichen politischen Strömungen und die Bevölkerung tragende Positionen einnehmen. Durch die unablässigen öffentlichen Debatten vermuten die Veränderungswilligen für die Neuerungen auch eine größere Aufgeschlossenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Allerdings dauert es nach dem Tod Eisners noch weitere 4 Monate, bis es über die vierwöchige Verirrung in eine „Räterepublik“ im August 1919 gelingt, eine handlungsfähige Regierung aus Vertretern der Bayerischen Volkspartei und den Sozialdemokraten zu bilden. 

Kurt Eisner also. Der Revolutionär. Der Sozialdemokrat. Der Intellektuelle. Eisner gilt als Gründer des Freistaats Bayern, war von November 2018 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1919 der erste gewählte bayerische Ministerpräsident. Sein ausgeprägtes Streben nach Veränderungen in Politik und Gesellschaft zeigt mit bis heute geltenden Verordnungen Erfolg, darunter der Acht-Stunden-Tag für Arbeitnehmer und die gesetzliche Kündigungsfrist, das Frauenwahlrecht, eine staatliche Erwerbslosenfürsorge und die Säkularisierung der Schulen.

Eisner, der studierte Philosoph, der Pazifist, steht für eine gewaltfreie Gesellschaft. Sein Ziel ist es, die bayerische parlamentarische Monarchie durch eine demokratische Rätevertretung zu ersetzen, die aber auch gar nichts mit Bolschewismus oder Kommunismus zu tun hat und Regierung und Landtag lediglich beraten soll. Das unterscheidet sich deutlich von den Zielen der von April bis Mai 1919 kurzfristig agierenden „Räterepublik“. Letzlich aber schaffen Bayerns starke Reaktionäre den Antrieb für seine Ermordung durch den Rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley am 21. Februar 1919.

Der Freistaat Bayern gedenkt Kurt Eisner durch zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen. Besonders zu erwähnen ist das Messenger-Projekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner“, in dem Kurt Eisner selbst durch tägliche Berichterstattung einen faszinierenden Einblick in die damaligen Vorgänge und Abläufe gibt.

„Ich, Eisner!“ erzählt die packende Geschichte der Revolution in Bayern von 1918 – in Echtzeit. Über WhatsApp oder Instagram berichtet Kurt Eisner, der Anführer der Revolution und erster Bayerischer Ministerpräsident, was vor genau 100 Jahren in München passiert ist.

München, November 2018: das dreiköpfige Autorenteam von Pfeifenblog.de hat die Idee, begeistert aufgegriffen von Pfeifen Huber. Hinzu kommt Hans Wiedemann von HU-Tobacco als ideenreicher Tabakblender und das Projekt nimmt seinen Lauf: der Kurt Eisner Blend, als Referenz an eine zeitgeschichtliche Epoche, deren Nachweise vor allem in München noch allgegenwärtig sind.


  • weiterführende Buchempfehlungen

Lothar Machtan – Kaisersturz, Endzeitkanzler
Volker Weidermann – Träumer, Ostende

Trio Pfeifenblog

Trio Pfeifenblog

Das Autorenteam "Trio Pfeifenblog" - setzt sich aus den drei Betreibern von pfeifenblog.de zusammen: Alexander Broy, Bodo Falkenried und Peter Hemmer. Der Name wird für gemeinsam erstellte Artikel verwendet.

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22 Antworten

  1. Avatar Erno Menzel sagt:

    Hoch interessant und rundum gelungen. Tradition, Geschichte ( für mich als studierten Historiker besonders), künstlerische Gestaltung und dann Herr Wiedemann als Blender, was will man mehr? Im Geschmack „dominiert“ für mich der Burley, kann aber auch daran liegen, dass ich gerade voll im Burleyfieber bin, ist ja aber auch egal; er schmeckt hervorragend und bereichert unsere Tabaklandschaft eindeutig. Allen Beteilgten ein Lob und ein Dankeschön. Wohltuend nach all den Ärgernissen der letzten Zeit. Die Idee mit dem Aufkleber sollte auf Nachahmung stoßen.

  2. Avatar Torsten Wieczorek sagt:

    Das ruft ja geradezu nach einer Tabakserie, da wir ja nicht nur 100 Jahre Freistaat Bayern begehen, sondern auch das 100 jährige Jubiläum der Münchner Räterepublik, in der Dichter und Künstler Politik machten. So wäre es nur gerecht auch den „revolutionären“ Dichtern Oskar Maria Graf, Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst Toller einen eigenen „Münchener“ Blend zu widmen.

    Viele Grüße aus Wien

    • Danke für die Grüße aus Wien. Dennoch: die sogenannte „Münchner Räterepublik“ war ein Spuk, der nur 4 Wochen andauerte, zum Glück. Eisner hatte nichts mit diesem anarchisch kommunistischen Politikformat zu tun und war da bereits über 2 Monate tot. Anders als er waren Mühsam und Toller verblendete Radikale, Landauer ein kommunistisch geprägter Anarchist und ebenso anders wie Eisner wollten sie eine Räterepublik nach bolschewistischer Vorlage unter Abschaffung des Parlamentes errichten. Wie oben beschrieben, stand Eisner für eine parlamentarische Republik, die von Räten (ohne legislative oder exekutive Macht) lediglich beraten werden sollte. Rilke, die Manns und auch OM Graf hatten keinerlei Teil an dieser April-Mai „Räterepublik“. Es wäre hoechst unpopulär, ein 100-jähriges Jubiliäum des 4-wöchigen „Räterepublik-Irrsins“ zu begehen, warum auch? Welcher Tabak sollte da Genuß und Wohlgefühl erzeugen? Einen gibt es aber womöglich schon und braucht nicht neu erfunden werden! :))

    • Bei einem „Oskar Maria Graf Tabak“ wäre ich dabei, wie er, bin auch ich ein königstreuer Anarchist. In meiner Traumwelt in der unser Prinzregent präsentiert und der Eisner regiert, gäbe es für Kaiser Wilhelm und Bismarck einen Plug-Cutter und einen Strang-Tabak.

      • … und warum bist Du dann in dieses calvinistische -besser reformatorische- Nürnberg umgesiedelt ? Dort ist diese Deine Traum-Einstellung seit den Reformationsgesprächen von 1525 sicher nicht gelitten …….

        Diese 5 muß man auch erst einmal in einen zeitgleichen Kontext bringen, chapeau!

    • Ein roter Strang? Gibt es so etwas? Vielleicht in Haithabu? Was die Wikinger so alles erfunden haben …..

      • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

        Toller hatte seit vielen Jahren an Depressionen gelitten. Er hatte die Gewohnheit gepflegt, auf Reisen in seinem Koffer stets einen Strick mit sich zu führen.(Quelle Wikipedia, Bildung f. Wikinger).

        Ich würde auch keine Dürer-, Goethe-, Mozart- oder Einstein- oder womöglich noch Jesustabake rauchen. Ich bitte, das sind recht wacker verarbeitete Tabkablätter, aber der Doseninhalt auf die wirklich Großen unserer Kultur abzubilden, i wieß net so recht.

        • Ich gehe jetzt mal eben ins Atelier, um für unseren österreichischen Wikinger eine Goldfolie mit dem Antlitz Eisners zu bemalen, um damit eine Schokoladen-Marzipankugel einzuwickeln, dann kann er eine „Eisner-Kugel“ naschen, denn da ist die Hürde vermutlich nicht so hoch …

          • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

            Glaubst Du i halt Mozartgugln net für deppert?

          • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

            Lieber Alexander, ich glaube, man übersieht da völlig, daß man damals eine gesellschaftliche Riesenchance mit allen Mitteln der Gewalt und letztendlich im wahrsten Sinn des Wortes abgemurkst hat, und jetzt pickt das Konterfei und der Name auf einer schlichten Tabakdose, und die Erinnerung an seine Ermordung muß sich jetzt auch noch die Nachbarschaft irgendwelcher Todesaufkleber für Dümmel und Bammel gefallen lassen. Passt für mich halt hinten und vorn nicht. So mein ich das. Der Tabak wird sicher gut sein.

          • Servus Karl, einer der seltenen Fälle, bei denen ich Dir nicht folgen kann. Wir haben -so bin ich sicher – die Bedeutung von Kurt Eisner auch für die Leser deutlich gemacht, die entweder nicht mit dem Revolutionsgeschehen in Bayern oder gar mit der Periode überhaupt nicht befasst sind. Als wir uns mit dem Thema anfingen zu beschäftigen -das war im Oktober 2018 – stellten wir sehr schnell fest, das nahezu alle, mit denen wir gesprochen haben, eine falsche Vorstellung vom ersten bayerischen Ministerpräsidenten hatten. Somit war es uns ein Anliegen, auf unserer bescheidenen Bühne mit einer immerhin 5-stelligen Leseranzahl den Jahrestag von Eisners schimpflicher Ermordung in einen Zusammenhang mit seiner außerordentlichen Bedeutung für den Freistaat und seine Menschen zu schildern und darüber hinaus durch einige sehr informative Links Zugriff auf weitere, viel wichtigere Medien anzubieten.
            Das wir als Pfeifenblog dazu als zusätzliches Transportmedium einen Tabak kreiert haben, ist einleuchtend, nicht herabwürdigend für Kurt Eisner und wird bei vielen ein Erinnerungsmoment schaffen, mit dem sie sonst kaum in Berührung gekommen wären.
            Ich halte dieses kleine, engagierte Medienprojekt für wesentlich sinnvoller, als sich derzeit Gedanken über die blödsinnige Nachfolge der verblichenen Dunhill Tabake und deren bisher dilettantisch vermurksten „Erbfolge“ zu machen.
            Der Eisner Takak ist ein unikater Tabak, der nicht irgendwelchen aktuell etablierten oder aus dem Rennen ausgeschiedenen Kräuter folgt. Und das passt für uns hervorragend zu dem intellektuellen, weitsichtigen Menschen und Politiker Kurt Eisner.

          • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

            Ja lieber Bodo, ist auch hinterher für mich schwer nachvollziehbar, weil meine Antwort aus dem – noch dazu unerwarteten – Blickwinkel absolut persönlicher Ansicht einsehbar ist, und die zu erraten ist womöglich so unmöglich, daß ichs besser sein hätte lassen oder anders formulieren hätte sollen. Der arme edle Eisner pickt jetzt auf einer profanen Tabakdose, einem politischen Mord zum Opfer gefallen und daneben die eilfertigen EU-Todesvermutungen einer satten Schutzhelmgesellschaft die nicht weiß, was es wirklich zu befürchten gibt. Ein sekundenkurzes saures Aufstoßen, eine sarkastische Randbemerkung, nichts weiter. Besser fürs Gespräch als für Schriftliches geeignet. Zu weiterer Selbstzerfleischung bin ich allerdings nun doch nicht bereit ;-).

          • Lieber Karl, wie es der Zufall will, werde ich Anfang übernächster Woche als Tourist in Innsbruck weilen, dann bringe ich dir eine Dose „Eisner“ mit, und wir rauchen sie aus einer Tiroler Gesteckpfeife, quasi als Kalumet des Friedens. Vielleicht picken wir das Pickerl mit seinem Antlitz auch auf deinen Fahrradhelm, dann sollte alles wieder gut sein, zwischen uns. 😉
            Ich bin dir überdies überhaupt nicht Gram. Andere Sichtweisen schätze ich ohnehin mehr, als die meinen, die mich meist nach wenigen Minuten zu langweilen beginnen. Auf keinen Fall sollte dich irgend etwas davon abbringen, diesen großartigen Tabak zu genießen. Denn je länger ich ihn rauche, desto mehr mag ich ihn … Liebe Grüße, Alexander

          • Lieber Karl, mit einer Selbstzerfleischung würdest Du ohnehin vermutlich gegen 39 EU-Richtlinien verstoßen, ergo kein probates Vorhaben und darüber hinaus auch noch unnotwendig und sie wird weder gefordert noch erhofft. :))
            Jetzt rauchtst den Eisner mal in Innsbruck, dazu ein oder zwei Viertel im akademieschwangeren Invinum und der Alexander-Künstler soll Dir unbedingt sein Brot mitbringen, für das Du sehr, sehr gute Zähne brauchst. Den Speck habts ja selbst im Lande.

             

          • Karl Hirsch Karl Hirsch sagt:

            Anfang dieser Woche

  3. ThomasGerstl ThomasGerstl sagt:

    Ich bin voll des Lobes und der Anerkennung, toll recherchiert und verfasst, da habt ihr euch ja mächtig ins Zeug gelegt!
    Und der Eisner-Tabak ist einfach ein Gedicht, nicht zu aufdringlich aber nie langweilig, keine extremen Spitzen sondern konstant rund, ausgewogen und einfach sehr gut, die leichte Burlynote immer im Hintergrund!

  4. Bodo Mauk Bodo Mauk sagt:

    Zunächst einmal meinen Glückwunsch an das Trio zu dem interessanten und informativen Blog.
    Doch nun zum Tabak. Nach den ersten beiden Pfeifen die ich geraucht habe, könnte ich mir gut vorstellen, dass er zu meinem Standard Tabak wird. Wobei Standard immer so einen negativen Touch hat und deshalb gefällt mir die Bezeichnung von Peter All-day Tabak eigentlich besser.
    Es gibt hervorragende Tabake, die man zwischendurch mal raucht, aber nicht im Dauerbetrieb.
    Im Laufe der vielen Jahre die ich rauche, hat sich der Standard (All-day Tabak) geändert, aber die Grundtendenz ist gleich geblieben. Nach den Anfängen, wie bei vielen, Aromatisierte Tabake in der 9 mm Filterpfeife. Dann kam Mac Baren Plumcake und Mixture. In München dann Hubers Virginia Special und später Virginia Golden Flake und Lousiana. Parallel die HU Flakes und Krater Flakes.
    Der neue Eisner basiert wieder auf meinen so geliebten Virginia hat aber durch den Zusatz von Burley eine besondere Note. Nicht das der Burley überwiegt, ganz im Gegenteil, er bleibt dezent im Hintergrund und rundet das Ganze ab.
    Noch bin ich nicht sicher ob meine erste Euphorie anhält, aber ich habe ja noch 400 gr. Golden Flake und genug Zeit zum Vergleichen

  5. Avatar Roland Hautmann sagt:

    Liebes Pfeifentrio, Respekt! Da habt Ihr Euch ja eine schöne Arbeit angetan! Aber hervorragend recherchiert, tolles Review des Tabaks und eine interessante Geschichtsstunde zu Deutschland und Bayern nach dem 1. Weltkrieg und ein schönes Gemälde Kurt Eisners als Aufkleber für die Dose.
    Der Tabak hat, wie bereits beschrieben, das Zeug zum „All-Day-Smoke“ und ist, wie bei Hans als Blender nicht anders zu erwarten, echt klasse gelungen. Habe bis jetzt erst zwei Füllungen im Club geraucht, aber ich werde mir demnächst sicher eine Dose beim Huber holen um noch mehr probieren zu können. Ich bin eigentlich nicht so ein Burley-Fan aber hier ist er, wie Bodo Mauk schon schrieb, die gelungene Abrundung des Gesamtgeschmacks. Chapeau und Dankeschön an Alexander, Bodo, Hans und Peter für die Umsetzung und Pfeifen Huber für die Distribution.

  6. Avatar Bodo Falkenried sagt:

    Heute morgen vor hundert Jahren, so gegen 10:00 Uhr, wurde der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner in München auf der Promenadegasse – seit 1952 Kardinal-Faulhaber-Straße, an der Ecke zum Hotel Bayerischer Hof, in dem soeben die Sicherheitskonferenz abgehalten wurde – von Anton Graf von Arco auf Valley mit zwei Schüssen in Rücken und Kopf erschossen. Eisner war sofort tot. Arco, der aufgrund jüdischer Großeltern aus der völkisch-antisemitischen Thule-Gesellschaft ausgeschlossen worden war, wollte durch den Anschlag seine „nationale Gesinnung“ beweisen.

    Folgend aus Felix Fechenbach, Der Revolutionär Kurt Eisner. Aus eigenen Erinnerungen, Berlin 1929:
    Die Nachricht von Eisners Ermordung löste ungeheure Erregung in München aus, und es kam unmittelbar darauf im Sitzungssaal des Bayerischen Landtags zu den Schüssen des Arbeiters Linder, durch die Minister Auer schwer verletzt, ein Abgeordneter und ein Ministerialbeamter getötet wurden. Graf Arco, der der rechtsnationalen Thule-Gesellschaft nahe stand, kam noch am gleichen Tag in ein Krankenhaus, wurde nach seiner Wiederherstellung zum Tode verurteilt und vom Ministerium zu lebenslanger Festungshaft begnadigt. Während seiner Haft genoß er die weitgehensten Vergünstigungen, konnte sich lange Zeit sogar auf dem Gute eines Bekannten aufhalten. Nach fünf Jahren wurde er völlig amnestiert, in Bayern als Nationalheld gefeiert und hat dann einen Direktorsposten bei der süddeutschen Lufthansa angetreten.

  7. Dr. Mike Dr. Mike sagt:

    The rather nondescript tin opens with a much anticipated „pfff“ sound as the airtight seal is violated. Then a frameable-quality disc – a lovely picture of Bavaria’s first prime minister Kurt Eisner – drops out.

    The tobacco, sent to me by Bodo Falkenreid, continues to surprise.

    Visually, it is a pleasant golden hue and smells divine. I sense hints of dried figs and preserved dates. Upon lighting, it gives an acceptable room note (the dog didn’t go crazy and the wife didn’t complain). The olfactory treat is not overwhelming like an aromatic blend but subtle and manly. I suddenly think of gentlemen’s clubs in London filled with large leather armchairs, dark interiors populated by nefarious characters whispering secrets to one another. The Virginia is not tongue-biting. In fact I think it’s a somewhat creamy, mellow smoke perfect for late mornings with a strong coffee or during lazy afternoons with a glass of port. The Burley appears only as a hint, almost as a condiment and rounds the entire relaxing experience off rather nicely.

    Long story short: an enjoyable smoke, made more meaningful by the knowledge that I am united in spirit with fellow pipe smokers in Germany who also are enjoying this tobacco.

    Bodo, thank you!

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