Esoterica Tobacciana – verlorene Welt

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Was wäre unsere Leidenschaft für Tabake ohne Mythen, ohne Geschichterl rund um das geniale Kraut. Wenn man nicht gerade ein Suchtraucher ist, für den es einfach nur qualmen muß, dann sind diese Mythen wichtiger Bestandteil der Passion. Dunhill, Bell (Three Nuns), Drucquer, Cope (Escudo), Sobranie (Balkan 759) und andere, vielfach längst vergangene Namen aus unserer Genußwelt, rufen wir uns immer wieder in Erinnerung.

Eine solche Tabaklegende ist die Esoterica Tobacciana des Amerikaners Michael Butera, ein Pfeifenmacher und Tabakblender, der als Seiteneinsteiger in den 1970er Jahren begonnen hatte und es zu einer gewissen Berühmheit brachte. Sein Meisterstück lieferte er wohl mit der Esoterica Tabakserie, die exklusiv für ihn in Europa von JF Germain & Son auf Jersey Island hergestellt wurde. Bekanntester Tabak aus der Serie ist der herausragende Mottled Flake (Crumble Cake)  Penzance, nach dem Balkan Sobranie 759 einer der am meisten vermissten Tabake aus vergangenen Zeiten. Vielleicht liegt es an den begrenzten Kapazitäten beim kleinen Hersteller Germain, aber seit gut 5 Jahren waren die Esotericas ständig ausverkauft, nur wenige Tabake verfügbar, teilweise konnten auch nur 1 bis 2 Dosen bestellt werden. Das grenzte schon fast an Prohibition. Wurde in online shops Verfügbarkeit signalisiert -teilweise mit Vorankündigung für Stammkunden – so war der Bestand in Minuten abverkauft.  Nun aber erscheinen seit ein, zwei Jahren nur noch die „out of stock“ Hinweise. Und obwohl mir JF Germain seinerzeit auf eine schriftliche Anfrage über die angezweifelte Zukunft dieser Tabake geradezu empört widersprochen hat, sah und sieht die Wirklichkeit anders aus. Vor wenigen Jahren hat Butera  die Esoterica Serie und andere Tabaka an den Distributor Arango verkauft. An der Verfügbarkeit hat sich nichts geändert – es gibt keine. Und das wird sich kaum ändern, zumal nun auch die Distributoren keine Lust mehr auf ein solches Handelsgebaren haben,  q.e.d :


in memoriam

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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5 Antworten

  1. Karl Hirsch sagt:

    Wobei ich bis an mein Lebensende nicht sicher sein werde, wieviel Anteil an der Beliebtheit dieses „gestrige Gemütlichkeit“ suggerierende Dosen- und Sackerldesign für sich verbucht.
    Es tut mir ewig leid, nicht die Zeit vor dem Internethype genutzt zu haben, um anläßlich eines der mehreren USA-Aufenthalte die einzelnen Sorten durchzuprobieren. Möglicherweise sah ich sogar einige der Tins oder Bulks in einem Regal stehen, stieß mich aber am Namen „Esoterica“. Um Himmelswillen! Creationistentabak? Mantraknaster? Zenkraut? Rechtsdrehender Engelrufkrüll? Gott straft die Eingebildeten und Überheblichen :-).

    • … immer diese akademische Voreingenommenheit, diese altherrliche Borniertheit, die vermeintliche Allwissenheit, die stets am Besten vorbeiführt. Dann, in einsamer Almhöhe, beginnt im Alter das Lamento, das Bedauern, das Selbstmitleid und gipfelt schließlich geradezu in einer Selbstbezichtigung, quase einer Anklage. Die Flagellanten hatten es einfacher, mit einer solchen Situation umzugehen, allerdings hatte sich die Esoterica Tobacciana noch nicht in ihre disciplina eingeordnet. War wohl gute 750 Jahre zu früh.

  2. bemi sagt:

    tja mei, gut, dass ich in meiner Landeshauptstadt einen Bekannten habe, durch den ich in den Genuss des Penzance kommen durfte. Sollte er diese Zeilen hier lesen: herzlichen Dank. Wirklich das beste, was ich je geraucht habe.Warum auch immer, aber ohne Schmarrn 🙁

    • … wenn Du weiter solche Fakes verbreitest wie beim Bullseye, wirst Du diesen Münchner Genauigkeitsfanitiker nicht mehr lange als Bekannten haben …….. ich kenne den nämlich und das kann ein Hundling sein…….

      Übrigens: kommst Du zur Wiesn? Ös gabet an oiden Tabaaaak !

  3. Erno Menzel sagt:

    Selbst die Germains Flakes sind ja nur in stetiger Unregelmäßigkeit zu beziehen, was ich allerdings in Zeiten des überbordenden Konsums fast schon sympathisch finde. Da existiert eine enorme Nachfrage und der Produzent bleibt seinen Kapazitäten, seinem Tempo und der Nichtverfügbarkeit stur treu. Das nenne ich mal Kapitalismuskritik. Wachstum ist schließlich nicht immer alles. Im Übrigen glaube ich nicht, dass es den Penzance wirklich gibt, denn geraucht hat den ja wohl seit Urzeiten niemand mehr, was allerdings als Vermarktungsstrategie brilliant wäre…

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