Ganz einfach Bach: Sonaten für Violine und Cembalo

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Bachs Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-1019 sind Kompositionen, die hinsichtlich Klarheit und Reinheit einhergehen mit anderen maßstäblichen Tondichtungen des Komponisten wie die Kunst der Fuge, das Wohltemperierte Klavier, die Goldberg Variationen oder die Sonaten BWV 1001-1003 für die Solo Violine. Mustergültig und immer wieder überraschend in den Melodienfolgen (wie übrigens auch die berühmteren Brandenburgischen Konzerte), gelten sie als die „Urform“ der Violinsonate. Bach hat unter immensen Geburtswehen und über einen ungewöhnlich langen Zeitraum an den Werken gearbeitet, sie sind nicht in einem Guß entstanden. Aber in ihrem Formenreichtum und ihrer stringenten Diversität bildet sich der gesamte Kosmos des Bachschen Schaffens ab – und das mit lediglich zwei Instrumentalstimmen.

Gräbner-Cembalo aus der Dresdner Cembalobauer Dynastie, eine Kopie verwendet K. Bezuidenhout für die Sonaten

Das Klavier in der heutigen Form (mit Pedal) gab es zu Bachs Zeiten nicht und unter Tasteninstrumenten sah man Cembalo und Orgel. Die im vergangenen Jahr veröffentlichte Einspielung mit Isabelle Faust und Kristian Bezuidenhout, die ich Ihnen hier hörbar mache, setzt das Cembalo nicht als reines Begleitinstrument, sondern als korrespondierende Stimme zur Violine. Und das zeichnet für mich dieses Album besonders aus, wie auch die beiden Musiker etwas Besonderes sind.

Isabelle Faust, die deutsche Weltklassegeigerin und der Südafrikaner Kirstian Bezuidenhout, Meister auf dem Hammerklavier, legen ein nachhaltig beeindruckendes Zusammenspiel vor, das diese Doppel CD zu einem Erlebnis macht. Erstmals spielt der Pianist hier ein Cembalo, stellt es nicht lautstark in den Vordergrund oder nimmt nicht die Position des hintergründigen Begleiters ein. Hier findet ein symbiotischer Dialog statt, der die Unterschiede und die große Vielfalt der sechs Sonaten wunderbar herausarbeitet. Und das klingt so leicht, so einfühlsam und so spannend, das meine Lieblingsaufnahme der Sonaten von Frank Peter Zimmermann und Enrico Pace aus dem Jahre 2007 ein wenig pausieren darf.


Bildquelle: © Harmonia mundi

Rezensenten haben diese 2018er Aufnahme vielfach als Referenz bezeichnet. Ich halte nichts von solcher Titulierung, wenn sie nicht ausschliesslich die Produktions- und Aufnahmequalität herausstellen soll. Denn ob die künstlerische Darbietung eine Referenz ist, kann bei der Vielzahl der heutigen Veröffentlichungen kaum mehr neutral behauptet werden. Deshalb werde ich am Ende des Artikel noch ein, zwei weitere Fassungen der Sonaten mit ähnlich guter Interpretation und Wiedergabequalität aufzeigen, die ebenfalls „Referenzen“ sind, wenn man Werke gerne unterschiedlich dargebracht hören mag.


Und nun genug der Ausführungen, füllen Sie sich einen sanften Roten ins Glas, dazu den köstlichen Dunhill Flake (gibt es bald wieder!) oder einen wundervollen milden Althergebrachten und geniessen Sie. An einem Stück, ohne Unterbrechung, damit Sie die Geschlossenheit des Werkes – trotz der Vielfalt der einzelnen Sonaten – ausdrücklich erfahren können.

Johann Sebastian Bach
Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-1019
Isabelle Faust,Violine
Kristian Bezuidenhout, Cembalo
Harmonia mundi, 2 CD


Neuzeitliche Alternativ „Referenz“-Aufnahmen

Frank Peter Zimmermann & Enrico Pace, Sony Classical 2007

Viktoria Mullova & Ottavio Dantone, Onyx Classics 2007

Michelle Makarski & Keith Jarrett, ECM 2013

Fabio Bondi & Rinaldo Alessandrini, Naive 2000


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Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Unternehmer, Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer an Feuer & Herd. Email an den Autor

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