Samuel Gawith | Perfection

Mit der Perfektion habe ich es persönlich gar nicht so. Perfektion ist die Suche nach den 100%. Wir alle wissen, spätestens seit Vilfredo Pareto (1848–1923), dass 80% des Ergebnisses mit einem Aufwand von 20% zu erreichen sind … umgekehrt bedeuten die letzten paar Prozent bis zur Perfektion den allergrößte Aufwand. Nach diesem Pareto-Prinzip zu leben, macht einen zum „perfekten“ Mittelmaß zum „mit-geringstem-Aufwand-irgendetwas-ausreichend-Macher“. Deshalb ist dieses Prinzip perfekt für amerikanische und amerikanisierte Vollpfosten, die nichts wirklich können, aber hocheffektiv blöd daherreden … Schreibe ich mich gerade in Rage? Kann sein. Da ist jetzt auch ganz viel Selbsthasskritik dabei. Fehlt es mir selbst doch oft an der Zeit, der Lust und auch am Fleiß wirklich 100% zu geben, um 100% zu erreichen.

Das schöne an der Kunst ist, dass man die letzten 20% manchmal geschenkt bekommt. Von den Musen, vom eigenen Genius vom Universum oder dem heiligen Geist … keine Ahnung von wem, aber manchmal gelingt einem etwas, was man im Grunde nicht verdient hat. Das ist zum einen tröstlich aber zum anderen auch Futter für den Schweinehund, denn lieber hofft man, denn zu arbeiten … Aber ich werde mich bessern, ich verspreche es, hoch und heilig bei den Musen, der Sarasvati (meiner indischen Lieblingsgöttin) und dem heiligen Aloisius.

Was erwartet man nun von einem Tabak oder allgemein einem Produkt, welches „Perfection“ heisst? Da liegt die Latte hoch, oder? Je höher die Latte, desto wahrscheinlicher reisst man sie, vor allem wenn man nur zu 80 Prozent anläuft. Was soll ich sagen, ich war sehr skeptisch, als ich die Dose beim Huber im Tal erworben habe. Eigentlich gefiel mir nur das Zamperl (Mundart: Hund), die hübsche hellblaue Farbe und die Tatsache, dass es über den Perfection von Samuel Gawith noch kein Review hier auf dem Blog gibt.

Die Dose öffnete ich gleich noch im Geschäft und wie meistens bei etwas weniger verbreiteten Tabak, steckte jeder der Anwesenden seinen Riechkolben in die Dose und nahm sich bei Gefallen, eine Füllung in seine Probierpfeife. Ich muss irgendwann noch versuchen dahinter zu kommen, warum immer, wenn ich einen neuen Tabak kaufe, alle auf einmal eine Liebe zu Giant-Pfeifen entwickeln – ein merkwürdiges Phänomen … Ich nahm mir also die paar Brösel, die noch in der Dose verblieben waren und stopfte mir eine Dunhill Nummer 1 zur Hälfte.

Der Tabak war perfekt konditioniert und ließ sich perfekt in die Pfeife stopfen und perfekt anzünden. Er brannte auch perfekt, absolute Perfektion bis hier her.
Es gibt Menschen, die empfinden Perfektion als langweilig und suchen nach dem Unperfektem, den Ecken und Kanten, dem Besonderen. Ich denke mal, die Suche nach zu feuchtem und schwer entzündbaren Tabak wird von wenigen betrieben, das ist etwas, was man einfach voraussetzt, was man glaubt erwarten zu können.

Beim Perfection handelt es sich um einen „milden Engländer“ etwas Latakia, mehr als eine Prise aber auch keine Balkanportion. Perfekt ausgewogen? Ja, irgendwie schon. Die Balance zwischen Virginias und Latakia stimmt. Aber? Keine Jubelrufe? Keine elegischen Ausführungen? Nein, leider nicht. Es ist ein toller Tabak, gute Qualität, 1a Geschmack, aber doch lässt er mich nicht jubeln. Vielleicht ist er doch zu perfekt? Ich würde ihn jedem empfehlen, der keine oder wenig Erfahrungen mit englischen Tabaken hat. Ich würde ihm sagen, dass das der perfekte Engländer ist, ein wohlschmeckender und einfach zu rauchender Pfeifentabak. Aber einem Kenner würde ich ihn niemals empfehlen.

Ist vielleicht Perfektion nur etwas für Anfänger? Liebt nur der erfahrene Connaisseur das Raue, das Extreme, das Skurrile kurz das Unperfekte?
Mir scheint, ein wenig könnte das so sein…

 

 

 




Tabakdosen Design für die neue HU Tobacco Kollektion

Das Frühjahr wird irgendwann doch noch kommen und damit auch die neue Tabak-Kollektion Frühjahr 2020 von HU Tobacco.
Aus dem Hause Hans Wiedemann wird es drei neue Tabake geben, bzw. Tabake, die überhaupt nicht neu, sondern im Gegenteil sehr alt sind.
Der Tabakblender aus dem Ries hat vor gut zwei Jahren drei Tabak-Mischungen im Klimaraum bei Kohlhase&Kopp einlagern lassen und wird sie vermutlich rechtzeitig zur Pfeifenmesse in Hamm (die Lohmarer Pfeifenmesse gibt es ja nicht mehr) vorstellen. Im Vorfeld ist bei so einer Neuerscheinung viel zu tun und so natürlich auch Etiketten zu entwerfen, was auch dieses Mal wieder mein Job war. Das wundervolle an einem solchen Auftrag ist, dass man schon mal einen ersten Blick, viel mehr ein paar Pfeifenfüllungen vorab erhaschen kann.

Bei den neuen Tabaken handelt es sich um eine Virginiamischung, einen Virginia/Perique und einen gemäßigten Engländer.
Ich habe alle drei geraucht, möchte aber nach ein paar wenigen Pfeifenfüllungen kein abschliessendes Urteil oder gar ein Review verfassen. Erstens ist es dafür noch zu früh und zweitens bin ich vermutlich auch nicht der genaueste Analytiker. Deshalb werde ich mich eher künstlerisch zu den drei neuen „Alten“ äussern. Die erste Idee, die mir in den Sinn kam, als mir Hans Wiedemann von seinem Plan, Tabake zu „agen“ berichtete, war ein Faß. Faßlagerung assoziiert man mit kultivierter Reifung. Altes Holz, liebevolle Behandlung, kurzum „Reife“, statt nur „Alter“.  Nicht nur der Kopf ist rund, auch ein Faß und eben auch eine Tabakdose (zumindest von einer Seite betrachtet).

Das Label sollte also eine Faßanmutung bekommen und weiter lief die kreative Assoziationskette. Fässer verbindet man mit Rum, Whisky, Wein, Branntwein, Bier … Letzteres fällt aus, weil da Alterung nicht positiv besetzt ist. Aus irgendeinem Grund blieben wir bei etwas „spanischem“ hängen … Mir kam es irgendwie spanisch vor 😉 … (Portwein ist für mich auch irgendwie spanisch … warum auch immer). Im Spanischen gibt es so tolle Bezeichnungen „Gran Reserva“, „Limitada“ und dann das grandiose ñ in Años. („ALT“ „n“ und dann „n“ auf dem Apple und „ALT“ und 0209 (Ñ) oder 0241 (ñ) auf dem Ziffernblock)

Bei den Namen der Tabake schlug ich deshalb etwas aus der spanischen Kultur vor. Vielleicht Cervantes, Goya, Velázquez … Ganz am Ende mit unseren Überlegungen sind wir noch nicht … Bis auf Rocinante, das Pferd von Don Quixote der Name gefiel uns spontan so gut … aber noch ist nichts final.

Das Faß malte ich mit Guache auf Gessokarton und bearbeitete es dann in Photoshop und Indesign zu einem ersten Label, welches ich dann in ein sogenanntes Mockup umwandle, welches ihr hier schon mal vorab zu sehen bekommt. Und weil ich ja, wie vielleicht einige von euch wissen, schon seit längerem unter die YouTuber gegangen bin, lag es natürlich nahe, einen kleinen Film über den Design-Prozess zu drehen.

Darum werde ich jetzt auch gar nicht mehr so viel dazu schreiben, sondern sage: „FILM AB:“

Ein seriöses Review der Tabake wird es hier sicherlich auch bald geben, aber vielleicht von einem anderen (etwas seriöseren) Autor dieses Blogs. Da wird dann bestimmt auch geklärt werden, ob sich der Aufwand und die damit verbundenen Kosten der Lagerung von Erfolg gekrönt waren.
Eines kann ich schon vorab spoilern: (ich verrate es im Film ohnehin) Einer der drei Tabake ist, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, der absolute Wahnsinn …




The Danish Pipe Shop | Kopenhagen Reisebericht

Dänemark. Ein Pfeifenraucher assoziiert damit sofort Pfeifen mit ungewöhnlichen freien Formen und Tabake, die nach Vanille und/oder Lakritz schmecken. Neben England ist Dänemark sicherlich die bekannteste Pfeifenrauchernation. Pfeifenmacher der Familien Ivarsson und Chonowitsch, WØ Larson, Bo Nordh, Micke und viele mehr prägten den dänischen Stil der weichen, natürlichen und freien Form, die ganz im Gegensatz zu den strengen klassischen Modellen der Engländer, wie z.B. Dunhill oder BBB standen. Fährt man dieser Tage nach Dänemark, so bietet sich dem Besucher allerdings ein ganz ähnliches nüchternes Bild wie in Irland, England oder sonst wo auf der Welt: Pfeifenraucher sind kaum mehr Teil des Straßenbildes und Tabake werden an Tankstellen und Lotto-Toto Geschäften verkauft – immer die selben fünf langweiligen Pouches.

Ich fahre schon seit unzähligen Jahren nach Dänemark, allerdings nicht um dort teure Freehands zu erwerben oder mir besondere Tabake zuzulegen, sondern um den maximal langweiligsten Urlaub zu machen, den man für viel Geld bekommen kann. Die Landschaft der dänischen Westküste ist wundervoll und an jeder Stelle der Nordsee nahezu identisch. Es gibt die See, einen Strand, ein paar Dünen mit Ferienhäusern, einen Radweg und eine Straße. Ab und zu ist noch ein Fjord dazwischen, davon sieht aber auch einer aus, wie der andere. Die kleinen Städtchen die in das Flachland hinter den Dünen gestreut sind, sind an Langweiligkeit nicht zu überbieten. Alles hübsch, sauber und hygge. Es gibt nichts, was auch nur im entferntesten aufregend wäre. Ich liebe es dort im August bei schlechten Wetter mit Norwegerpulli und Lederhose auf der Düne zu stehen und Strandhafer zu malen.

Wo ich bisher aber noch nie gewesen war, war die Hauptstadt Kopenhagen und das habe ich dieses Jahr endlich nachgeholt. Als ich von meinen Reiseplänen im Münchner Pfeifenclub erzählte, wurde bei mir sofort eine riesige Bestellung My Own Blend 800Ø abgegeben. Wie ich solche Mengen einkaufen sollte, war mir zunächst ein Rätsel. Ich würde mir eines der berühmten Christiania Lastenräder leihen müssen und hoffen dass dort ein paar Euro-Paletten Tabak hinein passen würden.

Es gibt in Kopenhagen nur noch ein einziges richtiges Tabak- und Pfeifenfachgeschäft, einen Laden, der schon seit 1969 dort ansässig ist und bei dem es neben anderen Schätzen, eben diese eine Tabaklegende zu kaufen gibt: The Danish Pipeshop. Er wird in der zweiten Generation von Nikolaj Nielsen geführt und ist erst vor ein paar Jahren in ein größeres Ladengeschäft umgezogen. Dazu gibt es einen kleinen Film, den ich gerne empfehlen möchte. Ich habe Herrn Nielsen selbst auch dort angetroffen und mit ihm und einem seiner langjährigen Mitarbeitern ein sehr nettes Gespräch geführt. Überhaupt waren alle ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Ich wurde überall herumgeführt und durfte alles fotografieren.

Da meine Familie mit mir in Kopenhagen war und auf mich wartete, konnte ich leider nicht all zu lange dort verweilen, obwohl ich sehr gerne all die kleinen Schubladen geöffnet hätte und mir die circa 4000 Pfeifen angesehen hätte, die es dort zu kaufen gibt. Das was ich gesehen habe, war umwerfend. Großartige Stücke, vom „Who is Who“ der dänischen Pfeifenmacherszene. Auch die kleine hügelige Raucherlounge hätte ich sehr gerne vollgequalmt, aber man kann eben nicht alles haben. Für einen jeden pfeifenrauchenden Kopenhagenbesucher gehört dieser Laden zum Pflichtprogramm, das steht ausser Frage.

Bevor ich an dieser Stelle meinen kleinen Reisebericht beschliesse, möchte ich noch einen kleinen Teaser für die nächsten Tabakreviews ankündigen. Ich habe mir aus dem Danish-Pipeshop neben des schon erwähnten 800 Ø noch zwei weitere wunderbare Spezialitäten mitgebracht (es ist schon erstaunlich wieviel in so ein Lastenrad passt). Es sind zwei Plugs, nämlich der „RIVER PLUG“ und der „5610“ aber dazu später mehr in diesem Theater äh Blog.

 




STG erwirbt Dunhill-Tabake … Totgesagte leben (doch) länger?

Wenn ich auch nur noch einen einzigen Blogbeitrag über das Verschwinden, Wiederauferstehen, Umetikettierten oder sonstiges von diesen blöden Dunhill-Tabaken lesen muss, dann laufe ich schreiend davon und werde dieses verrauchte Onlinemedium für immer boykottieren!

Blöderweise bin ich einer der Autoren und nicht ganz unschuldig an der unlustigen Misere … Ich habe zunächst ganz leise Servus gesagt dann in einem zweiten Teil das Ende prognostiziert dann meinte Herr Falkenried, dass Trauer und Gram Schnee von Gestern sei, dann wurde ein Nachlassverwalter gefunden, dann hat Kohlhase&Kopp irgendwie herum geeiert und es wurden Umwege nötig und kürzlich erst wurde hier ein Dschungelführer durch das ganze Dosen- und Etikettenchaos herausgegeben.

Wir haben Dosen gekauft, fotografiert, beschnuppert, geraucht und verglichen. Welcher der Robert McConnell Heritage Nachbauten, denn ähnlich oder gar identisch ist. Die einen behaupteten, es handle sich um komplett andere Tabake, andere meinten absolut ähnliche Klone zu schmecken … Immer schwang die Hoffnung mit, das ein paar der liebgewonnenen Klassiker nicht für immer verloren seien.

Und dann diese Meldung: Die Scandinavian Tobacco Group erwirbt die Markenrechte an einigen Dunhill-Tabaken und nicht nur das, sie bekommen auch die Designs. Das heisst keine kindischen Umetikettierungsversuche mehr. Early Morning Pipe, Nightcap, Royal Yacht and Elizabethan Mixture werden wieder genau so heissen und auch genau so aussehen (bis auf die handtellergroßen Warnhinweise). Die große Frage aber wird sein, wie werden sie schmecken? Wie die letzte Version? ganz neu? Wie die Murrays … oder noch früher …

Hier findet der geneigte Leser die Original Pressemeldung vom 3. Juli (heute) zum selber nachlesen.

Darin heisst es, dass alle wahnsinnig stolz sind, diese tolle Marke in ihr Wahnsinnsporfolio mit unendlich tollen und kostbaren Produkten und Marken aufzunehmen. Und das der Vice-President of something very important (Regis Broersma, Senior Vice President for Scandinavian Tobacco Group’s Smoking Tobacco & Accessories Division) sich freut wie ein Schneekönig, weil irgendwas sein volles Potential ausschöpft und ganz viel Sales und Marketing … Bla, bla, laber, schwätz …

Ich sitze gerade auf meiner Terrasse geniesse die letzten Sonnenstrahlen, während sich der Rasensprenger bemüht, meinen Garten vor seinem Schicksal als verdörrte fränkische Wanderdüne zu bewahren, da ereilt mich der Hinweis einer unserer Leser auf diese überraschende Pressemeldung (Danke Markus). Vor mir liegen zwei Dosen Dunhill Flake … eine eckig, eine rund und ich sinniere noch wie das Runde in das Eckige kommt … ungefähr fünf Dosen Flake habe ich noch gebunkert … Ja, es wird ihn wieder geben. Den echten Dunhill-Flake keinen Dunhill-Fake …

Aber was wird dann aus den dutzenden von Robert McConnell Heritage Tabaken werden? Wird noch irgendjemand einen solchen Nachbau kaufen wollen, wenn es das Original bald wieder geben wird? Wird die Preisschraube nochmals angezogen werden, oder sind die „echten“ Dunhills dann etwa günstiger, als die Heritage-Tabake? Was machen die ganzen Ebay-Hyänen, die gerade alte Nightcaps für hunderte von Dollar anbieten? Fragen über Fragen, meine lieben Leser … die sicher bald, hier beantwortet werden …

 

 




The Peterson Pipe – The Story of Kapp & Peterson

Wie verhindere ich, dass diese Buchbesprechung allzu schwärmerisch wird? Ja, ich bin eindeutig bibliophil, ein schönes Buch, interessant geschrieben, hochwertig layoutet und aufwändig gedruckt und gebunden kann mich in den einen Status der Verzückung bringen. Ja, auch ich habe schon ein Buch geschrieben, einige verlegt und auch nicht wenige gesetzt, gelayoutet, illustriert us.w. also bin ich irgendwie auch eine Art „Profi“. Aber niemand wird mir glauben, dass ich bei einem Buch so sehr aus dem Häuschen gerate wie bei diesem.
Ich habe mir das Buch „The Peterson Pipe – The Story of Kapp & Peterson“ vor ein paar Tagen in England selbst gekauft, werde für diese Rezension nicht bezahlt und habe auch sonst keinerlei Vorteile davon, wenn ich es hier über den grünen Klee lobe – Das war jetzt ein Wahnsinns Wortspiel, haben Sie es gemerkt? Peterson – Irland – grüner Klee? … Entschuldigung, ich werde mich jetzt zusammenreissen, ich verspreche es.

Ich bleibe jetzt sachlich: 345 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Blindprägung, teilverchromte Prägung, festes reinweißes Photopapier mit unzähligen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen. Geschrieben von Mark Irwin und Gary Malmberg, erschienen im Verlag Briar Books Press.

In diesem Buch steht alles, was man über Peterson Pfeifen wissen und sehen muss und ich glaube auch wissen kann. Die Fülle an Informationen scheint einen schier zu erschlagen. Zurückgehend bis 1865, alte Dokumente, Fotos, Zeitzeugenberichte, Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern, Anekdoten und Histörchen zurückgehend bis zu den Brüdern Kapp und Charles Peterson, Shape-Charts, alte Werbeanzeigen, Patentschriften, Tafeln mit Stempeln und Hallmarks. Fotos aus den wechselnden Produktionsstätten und Läden. Es ist unvorstellbar. Die Autoren geben sogar fundierte Tipps zu Aufarbeitung der Pfeifen und ein umfassendes Kompendium zur Bestimmung von Alter und Art der Pfeifen. Hatte ich bisher gedacht das Buch „100 Years and more of Dunhill“ sei der Maßstab eines hochwertigen Pfeifenalmanachs, so lassen Sie Sich von mir sagen, gegen „The Peterson Pipes“ wirkt es wie ein schmalbrüstiges Pixi-Buch.

Ich habe das ganze Wochendende mit diesem Wälzer auf meinem Deckchair im Garten verbracht und habe dabei meine gesamte – nicht gerade kleine – Peterson-Sammlung zu Schanden geraucht. Das ganze hat mir einen veritablen Sonnenbrand, sowie eine Beinaheeinweisung (durch meine besorgte Familie) in die Psychiatrie eingebracht und ich habe immer noch nur einen Bruchteil des Buches durchgeschmökert.

Wussten Sie übrigens, das die Brüder Kapp ursprünglich aus Nürnberg kamen? „Allmächd, des sind eindeudich frängische Pfeif’n“. Von Dunhill sprach noch niemand, da war Peterson schon ein absoluter Big-Player im Pfeifengeschäft. Haben Sie das mit diesen Patentpfeifen je wirklich verstanden? Nein, ich jetzt schon. Endlich kann ich die Silberpunzen auf meinen Bling-Bling-Pfeifen lesen und meine Pfeifen an Hand der Stempel datieren, das wäre noch nützlicher, hätte ich sie nicht gerade vor lauter Begeisterung beim Lesen bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Der geneigte Leser mag es mir nachsehen, wenn ich jetzt nicht – wie sonst – fundiert und sachlich (Ha Ha) über Peterson, die Geschichte, die Pfeifen und Tabake referiere. In meinem Kopf schwirrt noch alles ganz wirr umher und ich könnte das gerade Erfahrene niemals vernünftig zusammenfassen. (Vielleicht ist es auch nur der Sonnenstich). Lesen Sie das Buch selber, ich würde Ihnen nur die Freude nehmen indem ich irgendetwas – neudeutsch – spoilere …

Das Buch kann man in Europa meines Wissens nach nur bei Smokingpipes.eu bestellen, es kostet 67 Euro und es ist wirklich jeden Cent wert, glauben Sie mir. Ich habe gleich zwei Stück bestellt und die kamen nach nur drei Tagen unversehrt und portofrei bei mir an.

 




Corncob | Dagner Sitting Poker

An Maiskolbenpfeifen scheiden sich die Geister. Für die einen ist es pure Südstaaten-Huckleberry Finn-Romantik, die anderen rümpfen die Nase ob der primitiven Bauweise und des billigen Materials. Ein ausgehöhlter Maiskolben, ein abgeschnittenes Röherl als Holm und Mundstück zugleich, mehr braucht es nicht für diese Art der Tabakspfeife. Ein Eigengeschmack ist zudem bei diesen Pfeifen durchaus zu bemerken. Anders als Pfeifen aus „richtigem türkischen Meerschaum“, welche durch echte Geschmacksneutralität glänzen, hat die Missouri-Meerschaum-Pfeife immer einen leicht süßlichen Geschmack, welchen sie über ihre Lebenszeit nie ganz verlieren wird. Den mögen die einen, die anderen eben nicht, wie immer und bei allem.

Die Missouri Meerschaum Company in Washington, Missouri ist der älteste und zugleich größte Hersteller von Maiskolben-Pfeifen. 1869 – genau 100 Jahre vor der Geburt des Autors – begann der holländische Einwanderer Henry Tibbe mit der Herstellung von Pfeifen aus Maiskolben. Der Legende nach, bat damals ein benachbarter Farmer den Schreiner einen Maiskolben an seiner Drehbank zu bearbeiten. Bis dato hatte der Bauer seine Pfeifen wohl selbst gebastelt. Anscheinend gelang Tibbe das Werk zur Zufriedenheit seines Kunden, die Pfeife schmeckte und er begann immer mehr von diesen gedrechselten Stücken zu produzieren und tat bald in seiner Werkstatt nichts anderes mehr. 1887 meldete er sein Verfahren, die Maiskolben mit Gips zu imprägnieren zum Patent an. Die Zugabe von Gips ließ die Pfeifen feuerbeständiger und haltbarer machen. Bis heute werden die Corncobs genau so hergestellt. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Franklin County, Missouri dutzende von Herstellern, aber nur die Missouri Meerschaum Company konnte bis heute überleben.

Wie wir aus dem 1876 erschienen berühmten Roman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von Mark Twain, der ebenfalls in Missouri spielt, wissen, rauchten Huck, Joe und Tom auch schon Pfeifen aus Maiskolben. Diese schnitzten diese allerdings vermutlich selbst. Einen Beleg dafür fand ich auf Seite 151 der deutschen Erstausgabe.

„Nach einem feinen Diner von Eiern und Fischen sagte Tom, er wolle jetzt das Rauchen lernen. Joe nahm die Idee auf und sagte er wolle es gleichfalls lernen. So machte Huck denn Pfeifen und füllte Sie. Diese Novizen hatten bis dahin nichts Anderes als Cigarren von Waldrebenblättern geraucht, und die „bissen auf der Zunge“ und wurden nicht als männlicher Genuß betrachtet.

Natürlich habe auch ich in meiner Jugend mehrfach versucht mir einen solche Pfeife zu basteln. Aus dem mir sonst so verhassten oberbayrischen Futtermais, der unsers schöne Landschaft immer mehr veröden lässt, schnitzte ich so manch ein untaugliches Rauchgerät. Ob dies an falschem Werkzeug (Schweizer Taschenmesser), fehlendem Können, oder aber am falschen Mais lag, vermag ich nicht mehr zu sagen. Inzwischen weiß ich aber, in Missouri wird einen ganz spezielle Maissorte mit riesigen Früchten extra für den Pfeifenbau gezüchtet und angebaut.

Ich habe inzwischen die Basteleien aufgegeben und ein paar Missouri Meerschaum Pfeifen käuflich erworben. Ich persönlich mag den Eigengeschmack von verbranntem Maiskolben, vor allem aber schätze ich die Leichtigkeit und Unempfindlichkeit dieser Pfeifen. Sie kosten nur ein paar Euro und deswegen habe ich überhaupt keine Skrupel sie beim Malen mit farbverschmierten Händen zu rauchen, sie irgendwo auf der Palette abzustellen oder sie sonst wie zu misshandeln. Sie haben für mich nur einen wirklich entscheidenden Nachteil: Die Mundstücke sind einfach SCHEISSE!. Tut mir leid, aber es gibt kein anderes Wort dafür. Nach drei mal Rauchen komplett durchgebissen, eine Kunststoffqualität wie eine fünf mal recycelte chinesische Blisterverpackung von Klosteinen. Wie kann man ernsthaft so einen Plastikmüll an eine Pfeife stecken und dann auch noch in Bernsteinoptik? 15 Euro hin oder her, das ist bodenlos und bestimmt gesundheitsschädlicher als die Pfeife auf Lunge zu rauchen. (kann ich nicht beweisen).

 

Missouri Meerschaum

Eine Corncob mit vernünftigem Mundstück habe ich allerdings. Eine uralte Hickory Hill „Millennium“ mit Acrylmundstück (Monogramm M), Messingring und einen Hartholzeinsatz im Boden. Hickory Hill ist einer der vielen Hersteller, die irgendwann einmal an der übermächtigen Konkurrenz Missouri Meerschaum Company gescheitert sind. So sehr gescheitert, dass sogar das allwissende, niemals vergessende Internet nichts über sie gespeichert hat. Vielleicht waren die Mundstücke den amerikanischen Farmern zu „Schicki-Micki“ und irgendwer hat sich ein rotes Kapperl aufgesetzt und „Make PET-Flaschen-Mouthpieces Great again“ gebrüllt.

Aber gerade aus der von mir unbeholfen karikierten Redneck-Community kommt jetzt die Lösung für das Mundstück-Desaster: Jayson und Jay Dagner, zwei Pfeifenenthusiasten aus den USA, Vater und Sohn. Die beiden sind eine Mischung aus Hillbilly-Redneck Holzfäller-Hipster und Biker-Lebowski und sind durch einen Youtube-Kanal bekannt geworden. Diese beiden haben mit einem italienischen Pfeifenhersteller eine Dagner-Pfeifen-Linie kreiert. Diese wäre keinesfalls irgendwie erwähnenswert – so wenig wie die Youtube-Videos – wenn diese Zusammenarbeit nicht eine Corncob Poker mit einem astreinen italienischen Acrylmundstück hervorgebracht hätte.

Dagner Poker Missouri MeerschaumDiese Poker ist eine wirklich schöne Pfeife – für dieses Shape habe ich ohnehin eine Schwäche. Sie ist für einen Corncob ziemlich gross, hat einen Holm aus Birkenholz, ein Nickelband und vor allem ein wunderbares, filterloses Acrylmundstück in einer guten Qualität. Kein Dunhill Fishtail, aber doch ein grundsolides stabiles Stück Kunststoff, was sich im Mund angenehm anfühlt. Die Pfeife ist in Deutschland nicht ganz so einfach zu besorgen, es gibt aber ein paar wenige Händler, die sie führen. Sie kostet um die 25 Euro und die ist sie absolut wert.

Wer also ein wenig Südstaatenromantik mit dem gewissen Extra erleben möchte, dem sei die Dagner Poker ausdrücklich empfohlen. Ich rauche sie am liebsten südstaatlich mit einem FrogMorton oder einem Bayou Morning Flake, dazu ein Glas leicht süßlicher Bourbon mit viel Mais- und Eichensüße.

Leider bin ich abermit diesem Pfeiferl nicht mehr ganz so sorglos, ich ertappe mich dabei, die Hände vorher am Kittel abzuwischen, bevor ich sie in die Hand nehme. Aber wer fasst eine Pfeife mit so einem Mundstück schon an, die bleibt zwischen den Zähnen, bis das Bild fertig ist.




Samuel Gawith | CF Flake – Wo bitte ist die Schokolade?

Samuel Gawith CF FlakeWie unsere stets bestens informierten Leser wissen, ist es laut Gesetz nicht mehr erlaubt gesundheitsschädlichen Tabak namentlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. So kann man zum Beispiel einen Pfeifentabak nicht mehr „Schweineschmalz-Zucker Flake“ nennen, weil der Verbraucher dadurch suggeriert bekäme, dass es sich nicht um eine giftige Substanz, sondern um so etwas gesundes, wie Schweineschmalz oder Zucker, handeln könnte. Deshalb heisst Rum&Maple jetzt R&M, der Honey-Dew Flake jetzt Golden Flake. Ob jetzt mehr Menschen durch Pfeifenrauch, oder durch Rum, Gold oder Zucker gestorben sind, weiss ich nicht; auch nicht, wie ein Tabak mit Schweineschmalz-Casing schmeckt oder ob es gesünder ist dieses zu essen, denn zu rauchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Tatsache ist, dass der Samuel Gawith Chocolate Flake, jetzt CF Flake heisst.
Warum Chocolate mit „CF“ abgekürzt wird und man den Tabak nicht „C Flake“ nennt, ist ein weiteres Mysterium.
Ich habe durch den HU Tobacco „Raiko InBeTween“ meine Leidenschaft für Schokoladen-Tabak für mich entdeckt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an mein hymnenhaftes Review? Wenn nicht, hier ist der Link.
Da wir ja gerade versuchen sämtliche Samuel Gawith Tabake zu besprechen, fiel meine Wahl deshalb auf ein „Stückerl Schoklad“ (süddeutsch für „eine Rippe Schokolade“)

Samuel Gawith CF FlakeJens Meyer von Pfeifen Huber, bei dem ich die Dose CF Flake erwerben wollte, stellte meine Wahl mit heftigen Worten in Frage und wollte ihn mir gar nicht erst aushändigen. Roland schüttelte den Kopf wie ein Metaller auf Wacken. Mein geschätzter Blog-Kollege Peter Hemmer, meinte hingegen, das sei durchaus ein schöner, schokoladiger Tabak, den man sehr wohl gut rauchen könne. Bevor es zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, hatte ich die Dose aufgehebelt und damit Tatsachen geschaffen. Nach einem deftigen Weisswurstfrühstück hatte einfach Lust auf Schokolade.
Deckel auf, Papier zur Seite gebogen, Rüssel reingehalten und tief inhaliert …
Eine atemlose Stille senkte sich über das altehrwürdige Ladengeschäft in der Münchner Innenstadt. Draussen im Tal hörten die fön-gestressten Porschefahrer auf ihre Cayenne-Hupen zu malträtieren, die japanischen Touristen senkten andächtig die Kameras und die sonnenbebrillten Damen schlossen ihre Schlauchbootlippen und sahen von ihrem Soja-Latte auf … Ich dagegen schnüffelte, wie ein hyperaktives Trüffelschwein in der eckigen Metalldose herum.
„Und?“, hielt es Bodo nicht mehr aus und sah mich fragend an?
„I woas ned“, antwortete ich unsicher.
„Lass amal riecha“, schwupp war die Dose meinen Händen entrissen und wurde ungeduldig unter sämtliche Nasen des Münchner Pfeifenclubs gehalten.
Betretenes Schweigen, Kopfschütteln, Ratlosigkeit.
Durch die geöffnete Tür hörte man einen Polizeibeamten, der die Passanten zum Weitergehen aufforderte. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu riechen …“

„Nix!“ kein noch so kleines Schokoladenaroma Molekül war im Raum. Ein regelrechtes Schokoladen-Vakuum hatte sich in der Landeshauptstadt gebildet.
Dann von einer Sekunde zur anderen, ging man wieder zur Tagesordnung über, es wurde geschwatzt, getrunken, geraucht und auch wieder gehupt. Ich war froh mit meiner Tabakdose nicht mehr ganz so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und stopfte den CF Flake in meine Peterson Spigot.

Samuel Gawith CF FlakeDer Flake ist ordentlich geschnitten, dünne bestens konditionierte Scheiben von einer satten braunen Farbe, helle und dunkle Streifen durchziehen diesen Flake, der aus Virginia und Burley besteht. Das Tabakbild ist außerordentlich appetitlich anzusehen. Ich knicke und falte den Flake und stopfe ihn in die Pfeife. Leider hat niemand ein goldenes Dupont zur Hand, ein silbernes Unique tut es aber zur Not auch. Der Tabak brennt sofort, ich lasse ihn nach ein paar Zügen ausgehen, stopfe nach und zünde ihn erneut an. Danach ist kein weiteres Nachfeuern nötig. Der Tabak brennt sehr gut und gleichmäßig und schmeckt nach Virginia und Burley.
Nach Virginia und Burley … und? …und noch? … sonst nach nichts, gar nichts!

Der Tabakblender hat anscheinend in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Schokolade nicht nur aus dem Namen entfernt.

Die Münchner Stehrunde schnüffelt ein wenig an meinem Rauch herum und wendet sich desinteressiert ab. Herr Falkenried empfiehlt mir noch einen kleinen Schokoladenladen eine Strasse weiter, für den Fall, dass ich immer noch Lust auf eine Stück Schokolade hätte. Auf dem Weg zum Pfeifenclub gehe ich tatsächlich dort noch schnell vorbei und kaufe eine handgefertigte Tafel 85%iger Bocatorena aus Panama, welche fast so teuer ist wie der Tabak.

Der CF Flake wird im Club dann noch von einigen weiteren Herren geraucht, aber niemand kann auch nur homöopathische Dosen von Schokolade erschmecken, oder erriechen. Ich verteile daraufhin ein paar Stücke meiner Bocatorena und empfehle sie während des Rauchgenusses an den Gaumen zu kleben. Das funktioniert, ist aber bescheuert und nicht Sinn der Sache.

Der Tabak an sich schmeckt ganz okay, ohne Höhen und Tiefen, es ist einfach ein x-beliebiger Flake, der niemanden vom Hocker hauen wird und kann auch von Allergikern geraucht werden, er enthält nicht einmal kleinste Spuren von Kakao.

 

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Three Nuns – Die grüne Nonne

Ich weiß, früher waren die Maler mit der grünen Fee unterwegs, ich hingegen bin mit einer grünen Nonne auf die Berge gestiegen und bevor jemand fragt, nein es war nicht die Jungfrau, es waren die Berge rund um die Seiseralm auf denen ich mit der Feldstaffelei unterwegs war.

Bevor es jetzt schon wieder ausschweifend bizarr zu werden droht, versuche ich mich in Sachlichkeit. Ich spreche von dem neuen Pfeifentabak Three Nuns GREEN. Letztes Mal hatte ich von meiner Enttäuschung über die gelbe Version des neuen Three Nuns von Mac Baren berichtet, die ich leider als eher belanglos empfunden habe. Vielleicht lag es diesmal auch an der wundervollen Umgegebung, die mich überaus positiv gestimmt hatte, aber der „grüne“ Tabak hat mir ausgesprochen gut gemundet. Wie fast jedes Jahr weile ich um Fasching herum eine Woche in Südtirol auf der Seiseralm, einer der schönsten Orte auf diesem Erdenrund. Berge rundherum, ein Panorama zum Niederknien und wenn man, wie ich die Gegend und die Wege gut kennt, kann man stundenlang einsam durch eine gezuckerte Landschaft wandern, ohne von blöden Plastik-Menschen auf Ihren Carving-Ski belästigt zu werden, die sich von dieselgetriebenen Paternostern mit sitzgeheizten Sesseln nach oben tragen zu lassen, nur um dann wieder dichtgedrängt auf festgewalzten Almwiesen herunter zu rasen. Ich bin meist mit Schneeschuhen unterwegs und gelange so auch an Flecken völliger Einsamkeit.

Kaum schöner kann ich mir mein Leben vorstellen, als wenn ich auf meinem Klappstuhl im Schnee sitze, einsame Berghütten und schneebedeckte Gipfel male und dabei ein Pfeiferl rauche. Dazu geniesse ich je nach Tageszeit heißen schwarzen Tee aus einer Thermoskanne oder auch ein Schlückerl Marille aus dem Flachmann. Da mein Tagesgepäck mit Stuhl, warmer Kleidung und den Malsachen, ohnehin schon recht schwer ist, nahm ich diesmal nur eine einzige Pfeife mit, über die ich an anderer Stelle schon berichtet habe: meine Caminetto mit Deckel. Sie hat das absolut gut vertragen, vermutlich weil ich selten mehr als eine Füllung pro Tag daraus geraucht habe.

Insgesamt ist das ein schöner Virgina/Perique Tabak, der sich problemlos auf über 2000 Meter (und auch darunter) rauchen lässt und wirklich gut schmeckt. Auch wenn es wieder heissen wird: das Geld sei bei Genuss egal, mir persönlich ist er mit 17,20 Euro für 50g zu teuer, aber mir ist natürlich auch klar, dass ein Rope-Tabak in der Herstellung eben deutlich teurer ist, als ein einfacher Flake.

Fazit: Die Grüne Nonne ist nach meiner Ansicht, die beste „zeitgenössische“ Nonne und insgesamt eine klare Empfehlung, für den der nicht auf den Preis schauen muss und gerne Curly Flakes raucht.

 




Three Nuns – Die gelbe Nonne

Armand_Gautier – Three Nuns in the Portal of a Church (Quelle Wikipedia)

Lange Vorreden kann ich Ihnen ersparen, lieber Leser, denn über den original Three Nuns ist bereits alles gesagt. Über die bewegte Geschichte des Tabaks, der wie ein Wanderpokal von Bells, zu Imperial, zu Ogden, Orlik und jetzt bei MacBaren gelandet ist, hat Bodo Falkenried hier schon berichtet. Aber es gibt auch etwas neues aus der Tabakwelt zu berichten: Endlich sind es wirklich 3 in Worten DREI Nonnen. MacBaren hat den beliebten Curly in zwei weiteren Variationen auf dem Markt gebracht. Neben der traditionell roten Dose finden sich im gutsortierten Fachhandel nun auch eine gelbe und eine grüne. Wir als wichtige „Influenza“ der Tabakbranche, sind mit zwei Testdosen bedacht worden und dieser schweren Aufgabe, sie gründlich zu rauchen, habe ich mich angenommen. Einer muss es tun. Da ich bei Pfeifen Huber schon mal eine Füllung des Grünen geschnorrt hatte, interessierte ich mich am zuerst für die gelbe Nonne. Was beim Öffnen der Dose – wie eigentlich bei MacBaren immer – sofort auffällt, ist das gefällige Tabakbild. Sehr ordentlich haben die Dänen die kleinen Curlys in die Dosen gelegt. Sie sind kaum zerbröselt und bieten einen sehr appetitlichen Anblick. Leider habe ich gerade kein rotes „Original“ vorliegen, deshalb kann ich nicht direkt vergleichen. Ich meine aber zu wissen, dass der Rote etwas dunkler ist, aber ich kann mich auch täuschen.

Der Geruch ist gefällig, Virginia eben, allerdings mit einer leicht zigarettigen Note – Burley? Ich rieche keine Zusätze, Aromen oder Casings, es scheint sich wirklich um einen naturnahen Virginia zu handeln, der allerdings auch kaum Süße zu haben scheint. Ich knicke und zerbrösle die Curleys leicht und stopfe sie in die Pfeife. Der Tabak ist perfekt konditioniert und brennt sofort und gleichmäßig, es gibt nichts zu beanstanden, die Qualität ist einwandfrei. Es ist tatsächlich ein Virginiatabak ohne erkennbare Süße, aber das will ich keinesfalls kritisieren, nur erwähnen. Ich habe ungefähr fünf Füllungen geraucht und bringe meinen Freunden vom Münchner Pfeifenclub die Dose zum freitäglichen Clubabend mit, damit auch sie sich ein Bild von der gelben Nonne machen können.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Herr Falkenried ein paar Dosen Three Nuns aus den Vorgängergenerationen dabei hat und so komme ich zu einer Pfeife mit der Orlik Version der Three Nuns. Das war für dieses Review leider fatal. Der Three Nuns Yellow ist ein angenehmer Tabak, schöne Virginia-Curleys, geschmacklich aber leider auch etwas nichtssagend. Der Orlik ist dagegen kräftig und vollmundig, voller Aromen und einer unglaublichen Geschmacklichkeit, wie ein Louisiana auf Amphetaminen.

Vergleiche ich die beiden Tabake mit Brot, so habe ich nach dem Genuss einer Scheibe „Golden Toast – Vollkorn“, von einem fränkischen Natursauerteig-Roggenbrot abgebissen. Danach kann man den Toast leider nur noch mit „ja, war ganz okay“ beschreiben, tut mir leid.

Vermutlich war das jetzt furchtbar unfair, dass ich Äpfel mit Birnen, Toastbrot mit Nonnen und auch sonst was verglichen habe, aber so ist es nunmal.

Den Three Nuns Yellow kann man durchaus rauchen, aber wenn man den Preis von 17,20 Euro für 50g bedenkt, kann man tatsächlich nur noch mit dem Kopf schütteln, wie ein bayrischer Gastwirt bei dem man ein „kleines Pilseken“ bestellt hat. Für nicht mal die Hälfte bekommt man zum Beispiel einen Huber Virginia Flake, der deutlich mehr her macht.

Als nächstes werde ich die „grüne Nonne“ in Ruhe rauchen und verkosten und hoffe, etwas mehr Positives berichten zu können …

 




Soraya | Ihre kaiserliche Hoheit von HU Tobacco

Zunächst einmal muss ich mich für das lächerlich magere Fotomaterial bei Ihnen entschuldigen. Ausgerechnet, derjenige, der ständig die Tabaksdose als den heiligen Gral der Rauchwarenverpackung predigt, rezensiert die neueste HU Tobacco Kreation in einem Plastiksackerl. Dieser Umstand ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass ich diesmal nicht für das Dosendesign verantwortlich war und sich deshalb, weder Foto noch Dose in meinem Besitz befinden. Hans Wiedemann von HU hat mir den Soraya zum Probieren in diesem kleinen Plastiktüterl zugeschickt.

Das wird „ihrer kaiserlichen Hoheit, Soraya“ natürlich überhaupt nicht gerecht, vielmehr sollte der Tabak vielleicht in einem Fabergé Ei oder einem goldverzierten Ebenholzschachterl aufbewahrt werden, denn so viel möchte ich schon verraten, beim Soraya handelt es sich um eine wunderbar anmutige Orientalin.

Kaiserin Soraya Esfandiary Bakhtiary Bild: Wikipedia

Ich wollte den letzten Satz bewusst zweideutig halten, denn der Name dieses Tabaks könnte treffender nicht gewählt sein. Diejenigen, die sich noch an die Regenbogenpresse der 1950er bis 70er erinnern, sind mit dem Namen Soraya Esfandiary Bakhtiary vertraut. Soraya war die geheimnisvolle „deutsche“ Kaiserin auf dem persischen Thron. Naja, sie war nur halb Deutsche und halb Perserin und die erste Frau des letzten persischen Schahs (ja, genau der mit den Jubelpersern). Weil die Ehe kinderlos blieb, wurden sie jedoch geschieden und Soraya, die orientalische Schönheit, verbrachte ihre weiteren Jahre in der europäischen Jetset und war ein ständiger Gast in den Gazetten. Keine Ausgabe des Goldenen Blatts, der Bunte und Freizeit Revue ohne Fotos und Lügenmärchen journalistische Artikel über ihr glamouröses Leben an der Seite von Playboys Herren, wie Maximilian Schell und Gunther Sachs.

Und jetzt ist ihr eine sanfte und samtige Orient-Mischungen gewidmet (das ist eine absolut haltlose und dreiste Behauptung), die mir sehr gut gefällt und ich hatte ich schon einige Male das Glück den einen oder anderen Tabak aus Bodos Orientsammlung zu verkosten.

Obwohl der Tabak wenn überhaupt, nur homöopathische Mengen Latakia enthält, rauche ich ihn am liebsten aus einer Latakia-Pfeife ohne Filter. (Vielleicht deshalb, weil eine Spur Latakia im gut getan hätte?) Eine schöne, dunkle und geräumige Peter Hemmer Pfeife passt am besten zu dieser sanften Orientalin. Feingeschnittenes helles, gelbliches Tabakbild mit vereinzelten schwarzen Sprengseln. Mir ist nicht bekannt, welche Tabake im einzelnen in die Komposition eingeflossenstreuselt wurden, jedenfalls harmonieren sie perfekt. Hans Wiedemann hat diese Kreation mit Mitgliedern des Forums Pipe Dreams geschaffen. Drei verschiedene Orienttabake, etwas Virgina, Perique, Burley und einen Spur Black Cavendish sollen sich in der feinen Mischung befinden, heisst es, aber wir alle wissen: der gute Hans lässt sich nie ganz in die Karten blicken.

Alle Freunde des Orients, welche die großartigen Orient-Tabake von McClelland jetzt schon vermissen, sollten den Soraya unbedingt einmal probieren und auch denjenigen, welche einmal Orienttabake ohne Latakia probieren möchten, sei dieser Pfeifentabak empfohlen.

Ich schreibe diese Zeilen im ICE nach München – wo Soraya im Übrigen auf dem Westfriedhof begraben liegt – und freue mich sowohl auf die lieben Freunde im Pfeifenclub, als auch das letzte Restchen Soraya-Tabak dort geniessen zu können. Ich werde definitiv ein paar Dosen davon bei HU-Tobacco bestellen.