Noch ein Heritage Tabak?

Es ist ja scheinbar Mode geworden, Tabake, die es nicht mehr zu kaufen gibt, unter sehr ähnlicher Bezeichnung und Dosengestaltung wieder auf dem Markt zu bringen.
Aus einer „Night Cap“ wurde kurzerhand ein „Night Club“, aus einer „Early Morning Pipe“ wurde ein „Early Bird“, was die Bedeutung der beiden Namen im Grunde ad absurdum führt, aber egal.
Ein ähnlicher Name, unterstützt durch geschickte Farbcodierung des Labels, soll dem verzweifelten Dunhill-Raucher den Weg zum gewohnten Tabak weisen. Das dies nicht immer gelingt und manchmal sogar zu bizarren Verwechslungen führt, wissen wir inzwischen.

Keinesfalls würde ich behaupten, dass dies eine plumpe Bauernfängerei ist. Niemals würde ich einem Tabakonisten unterstellen, dass er aus der Not verzweifelter Dunhillisten Kapital schlagen wolle oder gar, dass er irgendwelche Provinz-Hausmischungen als Dunhill Heritage Tabake zu horrenden Preisen verscheuern will.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Hersteller dieser – im übrigen wie tschechische Fußballtrikot-Fälschungen wirkenden – Tabaksdosen nur das beste im Sinn hatte. Er wollte die Lücke stopfen, die durch den Rückzug Dunhills aus dem Tabakgeschäft entstanden ist und dies aus reiner Menschenfreundlichkeit. Uns Pfeifenrauchern sollten diese wunderbaren Tabake erhalten bleiben.

Dass dies bei den Navy Rolls nicht wirklich gelang, lag bestimmt daran, dass der Schülerpraktikant die falschen Röllchen in die Eclipse-Dosen gepackt hat, die sehen sich aber auch alle verflucht ähnlich diese blöden Medaillons, Escudos, Rollcakes … runde Scheiben halt. Auch dass in die Robert McDunhill Flake-Dose die Hausmischung 246 von Tabak Hüttensköller aus Castrop-Rauxel gewandert ist, ist bestimmt auf den eifrigen aber nicht gleichermaßen aufmerksamen jungen Mann zurückzuführen. Die nächsten Chargen werden bestimmt wieder richtig sortiert im Handel sein und der Praktikant wieder zurück in den wohlmeinenden Händen seiner Steiner-Pädagogen.

Gänzlich verblüfft war ich allerdings, als mir ein Tabak mit dem merkwürdigen Namen „Penzayyum“ in die Hände fiel. Der Name kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Er erinnert mich an irgendetwas ich komme nur leider nicht drauf …
Auch das ungewöhnliche Dosendesign habe ich schon einmal irgendwo gesehen. Auch dieser mir bisher unbekannte Tabak scheint ein so genannter „Heritage-Tabak“ zu sein. Wenn Sie lieber Leser mir auf die Sprünge helfen könnten, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Der Tabak schmeckt jedenfalls großartig, satt nach Latakia und hat dabei eine solche Weichheit, dass er Mund zu schmelzen scheint, ich bin überwältigt.

Und so verbleibe ich, endlich doch versöhnt mit der Heritage-Mode, Ihr Alexander

 

 




C&D Bluegrass | Er brennt

Bei diesem Namen schwingt ja bei mir so viel an Gefühlen und Assoziationen mit. Ich halte die kleine blau, weiss, schwarze Blechdose in Händen auf der eine stilisierte Mandoline und der Name in schwarz in einem klassischen Saloon-Font abgebildet sind und lasse meine Gedanken schweifen.

Für die erste Füllung habe ich eine zarte, filterlose Poker von Foundation by Musico vorgesehen. Da ich weder Mandoline noch Banjo besitze, erscheint mir eine Westerngitarre noch am geeignetsten für ein gemeinsames Foto. Ich knipse mit dem Handy wild herum, alle Fotos werden irgendwie schief, ich sollte mir etwas mehr Mühe geben und eine Kamera und ein Stativ verwenden, ausserdem wäre eine Fotoleuchte eine Bereicherung. Aber ich will den Tabak probieren und habe keine Lust.

„Wieso erwähnt er jetzt eigentlich schon wieder diese bescheuerte Mandoline?“, denkt sich vielleicht der eine oder andere Leser. „Was ist überhaupt eine Mandarine Mandoline und was hat die mit einem Tabak zu tun, der blaues Gras heisst.“ 

Nein, natürlich fragen sich unsere Leser so etwas nicht, schliesslich sind sie umfassend gebildet, weltoffen und in sämtlichen Musikstilen der Welt zuhause.

Ich erkläre es trotzdem, nur um mich wichtig zu machen und mit meinem Wissen zu prahlen. „Bluegrass“ nennt man eine Musikrichtung aus der amerikanischen Volksmusik – Country-Music. Benannt ist diese Mischung aus Hillbilly-Country, Blues und Swing nach der ersten Band, welche sich nach ihrem Heimatstaat Kentucky – dem Bluegrass State – „Bill Monroe and his Blue Grass Boys“ nannten.

Wikipedia erklärt mir, dass mit Bluegrass das von den nährstoffreichen Böden Kentuckys gesättigte, bläulich wirkende Gras gemeint ist. Soviel zum blauen Gras. Die vorherrschenden Instrumente des Bluegrass sind die Mandoline, die Fidel und das Banjo. Interessanterweise wird meist auf das Schlagzeug verzichtet, dafür schlagen die Begleitinstrumente einen sehr eingängigen und typischen Rhythmus.

Jetzt stürmen die Assoziationen oder? Das Kopfkino beginnt: Die Soggy-Botton-Boys singen in eine Blechdose, die Smokey-Mountains, der Appalachian Trail, selbstgebrannter Rye-Whiskey, Landwirte in karierten Hemden ohne nennenswerte Schulbildung, Allison Krauss, Earl Scruggs und die Grand Ole Opry … Na, also geht doch und jetzt schnell die Dose öffnen:

„Ketchup und Grass!“ 

Na ja, der Ketchup Geruch wird wieder vergehen, der ist halt typisch für die amerikanische Tabak Einweck-Methode, der Grasgeruch wird bleiben. Virginias hell und rot, eine kräftige Prise Perique und Dark Fired Kentucky verspricht der Hersteller Cornell & Diehl.

Ich höre etwas Alison Krauss, den Soundtrack von „Brother where are thou“, Dolly Partons legendäre Live-Show „Heartsongs“ aus ihrer Smokey Mountain Heimat und rauche dabei.

Ich geniesse diese Stunde der Muße und die gedanklichen Reise durch den Bluegrass State, aber der Tabak, ich bin etwas ratlos, nach was hat er noch gleich geschmeckt? Ich weiss es nicht.

Am nächsten Tag trifft sich wieder der Münchner Pfeifenclub in den Räumen am Gollierplatz, dorthin werde ich ihn mitnehmen, sollen sich doch die anderen mal dazu äussern.

Und das haben sie dann auch. Vier weitere Herren fanden sich neugierig auf diesen, nur in den USA erhältlichen Tabak, und wir kamen zu einem einstimmigen und eindeutigen Ergebnis:  „Er brennt“.

 




HU Tobacco | RaiKo InBeTween

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenZu diesem Tabak bin ich mal wieder wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, also vielmehr wie der Fotograf zur Tabaksdose. Wie am Fließband des ehrenwerten Henry Ford stand ich und gab mich der Eintönigkeit meines Tuns hin. Sämtliche Tabaksdosen von HU Tobacco mussten geöffnet, ein Häufchen Tabak entnommen und dann pittoresk im Lichtzelt mit einer Pfeife drapiert fotografiert werden. Stunden vergingen, die Zeit schlich nur so dahin. Öffnen, Häuflein bilden, Dose hinstellen, Pfeife daneben, ausleuchten, Blende, Verschlusszeit, Klick. Dann Tabak wieder zurück in die Dose, Lichtbox staubsaugen, nächste Dose. Meine Gedanke schweiften unruhig durch Raum und Zeit, längst vom Körper getrennt. Würde ich diese stupide Gleichförmigkeit unbeschadet an Geist und Seele überleben? Welche Erschwerniszuschläge könnte ich Hans berechnen? Welche Gewerkschaft ist für mich armen Tabakknipser überhaupt zuständig? Musste ich mit einer Sehnenscheidenentzündung vom Tabaksdosenöffnen rechnen und was würde die Berufsgenossenschaft dazu sagen. Kurz es war ein Jammerthal – wie mein Freund der Gryphius Anderl, immer gesagt hat.

Einzige Entschädigung für diese jammervolle Plackerei war der Duft, der mich umgab. Zuerst hatte ich Bedenken, dass es mir wie einer Verkäuferin bei Douglas ginge, deren Atmosphäre von den unzähligen Düften irgendwann einmal so vermischt und gesättigt ist, dass sie davon träumt an einem Würst’lstand zu arbeiten. Aber so war es zum Glück überhaupt nicht. Jeder Dose entfleuchte ein anderer dezenter und appetitlicher Duft und verschwand mit dem Schliessen auch wieder. Das schöne an den HU-Tabaken ist, dass kein einziger Aromabomben-Däne darunter ist. Manchmal hielt ich mir auch die eine oder andere Dose direkt unter die Nase und inhalierte zur Motivationsteigerung die köstlichen Tabakdüfte.

HU Tobacco, RaiKo InBeTweenAls ich irgendwann die 50 Gramm Dose des RaiKo InBeTween aufschraubte stutzte ich kurz. Das Deckblatt hatte keine Windrose (also kein DTM Tabak), war aber dafür dunkel vollgesogen und ein absolut betörender Duft erreichte meine Nase. Das war ein Engländer, keine Frage – ordentlich Latakia. Als ich das Deckblatt an dem einiges an Tabak haftete, anhob verstärkte sich das wundervolle Aroma noch einmal. War der Tabak zu feucht? Ich entnahm eine große Portion und rieb den Tabak zwischen den Fingern. Er war perfekt, gar nicht feucht, aber irgendwie cremig. Es roch rauchig und herb, aber doch auch etwas süß, eine wundervolle Süße – Schokolade, Kakao! Hatte Hans etwa eine Latakiabombe mit Schokolade aromatisiert? Was für eine fantastische Idee! Nachdem das Foto geschossen war, wanderte der Tabak sofort in meine Kameratasche – den würde ich nicht mehr hergeben!

Während der gesamten Postproduktion der Aufnahmen habe ich diesen Tabak nun geraucht. Wie alle Engländer ohne Filter und das in verschiedenen Pfeifen. Auf den Fotos hier im Blog sieht man einmal eine filigrane Bamboo von Eckhard Stöhr, sowie eine recht wuchtige Mastro de Paja, Cherrywood. Ich habe natürlich inzwischen auch die Beschreibung zu diesem Tabak gelesen. Er besteht fast zur Hälfte aus zyprischen Latakia, ungesoßtem Black Cavendish und etwas Burley und Virginia. Und wie ich sofort richtig gerochen habe ist er mit Schokoladen Aroma versetzt. Um jetzt aber etwaigen Missverständnissen vorzubeugen – sehr dezent aromatisiert, aber doch schon merklich.

HU Tobacco InBeTween

Er schmeckt exakt so, wie er riecht, ist unglaublich sanft und cremig, beisst in keiner Sekunde auf der Zunge und wird auch beim unbedachten Rauchen niemals heiss. Ich würde ihn vom Nikotingehalt als recht leicht einstufen. Es ist ein unglaublich appetitlicher Tabakgenuss. Lange habe ich nicht mehr so etwas köstliches im englischen Tabaksegment geraucht.

Auch die Geschichte dieses Kleinods der Tabaksmischkunst möchte ich Ihnen auch nicht vorenthalten. Wie alle Tabake der „Hommage to my Friends“ Serie ist auch der InBeTween, der früher unter Namen ChocoLat verkauft wurde, in Zusammenarbeit mit einem von Hans Freunden entstanden. Ein Rainer – ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht mehr über seine Person sagen, als dass er eben mit Hans Wiedemann befreundet ist und in einem Pfeifenforum schon über seinen RaiKo-Tabak geschrieben hat. Weitere überschwängliche Lobpreisungen dieses Tabaks findet der geneigte Leser hier bei TobaccoReviews.

Ich empfehle ihn zu schwarzem Tee oder Kaffee, genossen wie ein winziges Stück dunkler 85 Prozentiger Bitterschokolade. Ich denke auch, der RaiKo könnte ein guter Einstiegs-Tabak in die Welt der Engländer sein. Ist es nicht wundervoll, dass so ein erstklassiger Tabak bei uns ohne Zoll-Gezeter einfach so zu haben ist? Man klaut ihn einfach am Set oder bestellt ihn im Internet.

Das einzig blöde war nur, dass ich ihn für dieses Blog noch einmal fotografieren musste …




Der stille Tod des Plastikdeckerls

Unbemerkt vom gewaltigen Getöse des Niedergangs großer Weltmarken und Tabakfabriken, ereignet sich derzeit eine nicht minder schreckliche Tragödie. Lautstark beklagen wir das Ende von Tabaken, die wir hier bei uns entweder gar nicht kaufen konnten, oder sie uns aufgrund des unverschämten Preises ohnehin nicht mehr gekauft haben, während ein so lieb gewonnenes Accessoires der Pfeifenwelt, wie das Plastikdeckerl, unbeweint sang- und klanglos verschwindet.

Manch einem ist es in diesen stürmischen Zeiten vielleicht noch gar nicht aufgefallen, aber die Malerdosen von Kohlhase & Kopp und DTM haben keine Plastikdeckerl mehr. Mein Huber Virginia Ready Rubbed, mein Indaba, der Fayyum Special Kake alle sind jetzt oben ohne.

Manchmal denke ich, dass dieses Geschrei und Gezeter um das Verschwinden von Dunhill und McClelland nur angezettelt wurde, um uns abzulenken und uns still und heimlich etwas zu nehmen, was wir für selbstverständlich hielten. Im Bundestag werden solche hinterhältigen Taktiken ja zur Genüge praktiziert, wie wir wissen. Grosse Ablenkungsdiskussionen oder Fussballweltmeisterschaften und zack, werden Gesetze beschlossen, die keiner mit klarem Verstand je für möglich gehalten hätte.

Ich als ÖkofaschistUmweltschützer begrüsse natürlich, dass nicht mehr so viel Plastik unsere Umwelt belastet, aber ich als Pfeifenraucher sorge mich natürlich um die Kondition meiner angebrochenen Tabakdosen.

Aber nicht nur das ist es, was mir Sorge bereitet. Diese Plastikdeckel werden bei mir im Atelier als Farbpaletten recycelt und auch von Peter Hemmer weiss ich, dass dieser sie zum Anrühren seiner Holzbeizen nutzt. Was werden wir in Zukunft ohne sie tun?

Wir leben in einer Zeit in der wir ständig Abschied nehmen müssen, weil wir Pfeifenraucher eben ein Nischenmarkt sind. Nischen und Biotope werden immer winziger und seltener, damit muss man sich wohl abfinden, oder?
Aber kein Grund nicht doch noch eine noch so ungehörte Ode auf ein kleines Plastikstückerl zu singen.




Nach Dunhill schliesst jetzt auch McClelland

Den letzen Schock hat der Pfeifenraucher gerade ebenso verdaut und sich in seiner sprichwörtlichen Besonnenheit zurückgelehnt und für sich beschlossen, dass sich die (Pfeifen-)Welt auch ohne Nightcap, Early Morning Pipe und Navy Rolls weiterdrehen wird, da erschüttert die nächste Meldung unsere kleine Welt.

We’re just going to close the doors

Mit diesem Statement gegenüber einem User des amerikanischen Pfeifenforums erklärt Mary McNiel, ihren Eintritt in den Ruhestand. Nach 40 Jahren werden Mary und Mike McNiel, die Eigentümer von McClelland Tobacco Company die Pforten für immer schliessen. Als Begründung geben sie die strengen Regularien der amerikanischen Behörden an, die zu Rohstoffverknappung und sinkender Qualität bei den Rohtabaken geführt habe. Wann die letzte Tabakdose die Fabrik in Kansas City, Missouri verlassen wird, ist noch unklar. Vermutlich dann, wenn das letzte Bröserl Tabak eingedost wurde.

Dieses Ende eine großen Tabakfabrik ist aus meiner Sicht deutlich schwerer zu verkraften, als der Dunhills,  obwohl die Tabake des sympathischen Unternehmens mit dem lustigen Wal auf dem Logo hier in Deutschland gar nicht erhältlich waren. Sie werden viel schwerer zu Ersetzen sein, weil es für einige Produktlinien keine Entsprechungen bei anderen Herstellern gibt. Nehmen wir zum Beispiel die „Grand Orientals“ oder die „Frog Mortons“ Serie. Schon allein wegen der grandiosen Froschdosen unersetzbar. Die „Matured Virginias“ werden mir persönlich nicht so fehlen, aber ich kenne einige Pfeifenraucher, die jetzt Tränen in Augen haben werden.

Schaut man auf die Webseiten der amerikanischen Tabakhändler so hat man selten so viele „Out of Stock“ Anzeigen ausserhalb des Esoterica Sortiments gesehen. Es wird wild gehamstert und wir können hier in Europa meist nur hilflos zusehen.

Ich weiss nicht so viel über die konkreten Auswirkungen der amerikanischen FDA Regulations, vielleicht könnte einer von Ihnen, liebe Leser, hier in der Kommentarfunktion etwas Licht ins Dunkel bringen. Mich würden die Hintergründe sehr interessieren.

 




Mit Edelweiss, Kuh und Deckel | BBK Pfeife aus der Schweiz

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Irgendwo in einem Forum tauchte neulich die Frage auf, ob man eine Pfeife auch bei schlechtem und kalten Wetter draussen rauchen dürfe. Das ist so eine typische Anfängerfrage, wie sie im Winter im Wochentakt im Netz auftaucht. Einige alte Hasen beruhigten den ängstlichen Pipen-Novizen, dozierten etwas von Brenntemperaturen im Innenraum von mehreren hundert Grad und einem dagegen nur marginal erscheinenden Unterschied zwischen plus/minus zehn Grad Aussentemperatur.

Wenn sich aber einer berufen fühlt, ein Statement zum Pfeifenrauchen bei kältestem Dreckswetter abzugeben, dann bin das natürlich ich. Als enthusiastischer Bergwanderer, manischer Freiluft-Maler und Pfeifenraucher kenne ich den ewigen Kampf der Elemente nur zu gut. Auf dem Berg heisst es immer alle gegen einen und zwar alle gegen das Feuer in meiner Pfeife.

Die Diskussion in besagtem Pfeifenforum nahm dann eine andere Richtung und zwar die des möglichen Erwerbes einer Pfeife mit Deckel. Alfred Dunhill war, glaube ich der erste, der sich mit asymmetrischen Rauchkammern des Kampfes gegen den Fahrtwinde im offenen Automobil annahm. Peterson stellt einige sehr hübsche und klassische „Silver Cap“ Pfeifen her, die mit einem klappbaren Silberdeckel ausgestattet sind. Forscht man dann ein wenig weiter, findet man auch Deckelpfeifen von anderen Herstellern, wie Vauen und Jean Claude van Damme. Das Grundkonzept des Deckels auf der Pfeife ist allerdings schon sehr viel älter. Im Alpenland waren früher alle Gesteckpfeifen mit Klappdeckel versehen, sowie auch die sogenannten Jägerpfeifen. Ist ja auch einleuchtend, wer außer einem verrückten Landschaftsmaler, ist so viel bei Wind und Wetter auf den Bergen, wie der Jager und natürlich auch der Schütz.

Auch wenn man bei mir nicht von einer Sammlung sprechen kann, besitze ich doch so manch ein Pfeifchen. Auch einige mit viel Bling-Bling, Silberrand, Goldringerl, Army-Mounts und Spigots, allerdings kein einziges mit einem Deckerl. Fast schon eine Schand, stellte ich bei der Lektüre jenes Forenstranges fest. Mein erster Gedanke war, dass ich unbedingt so eine schöne Peterson Silver Cap Bent brauche, die kann man beim Malen schön zwischen den Zähnen hängen lassen und sie würde Wind und Wetter trotzen. Die Ernüchterung kam, als ich sah, dass es auch auf dem Estate-Markt kein Stück unter zweihundert Euro gab. Für einen armen Künstler natürlich unerschwinglich, also suchte ich weiter. Eine Jäger- oder Gesteckpfeife ist selbst mir zu unmodern und sperrig und eine billige Pipe aus Frankreich oder Polen mag ich auch keine haben.

Wie es oft im Leben kommt, taucht in den Momenten tiefster Schwärze und Niedergeschlagenheit dann doch wieder von irgendwoher ein Lichtlein auf. In meinem Falle stieß ich auf einen Hersteller aus der Schweiz, dessen Pfeifen wie geschaffen für mich schienen. Nicht nur, dass sie einen Deckel hatten, nein sie waren auch über und über mit silbernen Ornamenten verziert. Es waren Kühe, Edelweiße und Gamsen, es war einen Pracht an alpenländischem Kitsch, ich war sofort verliebt. In der Pipedia fand ich einen Eintrag zu dem Hersteller B.B.K Brunner-Buhofer, kurz auch Bru-Bu genannt. Ich lege Ihnen diesen Artikel sehr ans Herz, will hier nicht alles wiederholen, sondern nur kurz zusammenfassen.

1871 wurde der schweizer Bauernsohn Joseph Brunner aus Kleinlützel zu einem Pfeifen-Dreher in die Lehre geschickt. Er soll nach der Lehre dann in Staint Claude gearbeitet haben. Zurück in der Heimat machte er sich 1878 im Haus seines Vaters selbstständig. Das Geschäft florierte und wuchs zu einem ansehnlichen Familienbetrieb mit ca. 200 Mitarbeitern heran. In den 1930er Jahren kam die Fabrik dann ins Straucheln, was wohl an der billigen Massenproduktion der Franzosen aus Staint Claude lag, die den schweizer Markt überschwemmte. 1932 stieg dann ein Herr Buhofer in den Betrieb ein und Bru-Bu erweiterte seine Produktion um geschnitzte Souvenirartikel. Bis in die 1970 Jahre funktionierte das wohl auch ganz gut, dann musste die Fabrik endgültig schliessen.

Wer sich die typischen BBK Pfeifen einmal ansieht, wird feststellen, dass die Grenze zum Kitsch schon sehr oft und das auch nicht unerheblich überschritten wurde. Zum Teil in der Tradition alpenländischer Jägerpfeifen mit diesen mit „Beiss-Tellern“ ausgestatteten Mundstücken, die mit einem dünnen Silberketterl am Holm befestigt wurden. An den silbernen Almblumen und – viechern, die in die Pfeifenköpfe genagelt wurden scheiden sich bestimmt auch die Geister. Und sie haben fast immer einen Klapp-Deckel und um den ging es mir ja schliesslich.

Das gute Stück, welches ich bei Ebay für fünfzehn Euro ersteigerte hatte allerdings weder Mundstück noch Ketterl. Es war nur ein Billard-Pfeifenkopf. Mehr wollte ich eigentlich auch gar nicht. Die Pfeife wurde geputzt und gewienert. Mit Alkohol und Silberpolitur rückte ich ihr zu Leibe, dann bürstete ich das Holz mit Öl ein, bestellte mir ein langes, schlankes Ebonit-Mundstück bei der Firma Janzen. Nach ein paar Stunden Schleifen und Polieren, strahlte die Pfeife eine Eleganz aus, die sie in ihrem früheren Leben bestimmt nie gekannt hatte. Sie raucht sich ganz wundervoll, sowohl mit offenem, als auch mit geschlossenem Deckerl. Nur auf dem Berg habe ich sie noch nicht dabei gehabt, das kommt aber bestimmt noch, versprochen. Angezündet wird sie dann selbstverständlich mit einem Pfeifen-Benzin-Sturmfeuerzeug an dem sich sicher auch die Geister scheiden werden, aber das ist eine andere Geschichte, die hier sicher auch bald erzählt werden wird.

 

 




Alfred Dunhill | Das Ende (Teil2)

Dunhill TabakeDa soll noch einmal jemand sagen, dass wir Blogger nicht auch seriöse Recherche-Arbeit leisten können, wie man sie früher nur aus den HolzQualitätsmedien kannte. Nur liegt mir natürlich jede Form von Eigenlob fern, aber für diesen zweiten Teil der Abschied-von-Dunhill-Saga (Teil 1 finden Sie hier) habe ich eine investigativ-journalistische Höchstleistung vollbracht, indem ich einem Gerücht, welches ich in amerikanischen Foren und Blogs herumgeistert hartnäckig nachgegangen bin und mich um eine offizielle Stellungnahme bemüht habe.

Na gut, ich habe mich jetzt nicht wie Günter Wallraff monatelang verdeckt als Flake-Presser bei BAT eingeschleust, um mehr über die Zukunft der Dunhill-Tabake herauszufinden, aber immerhin habe ich eigenhändig eine E-Mail geschrieben und tatsächlich eine Antwort erhalten.

Leider ist es tatsächlich so, dass die Dunhill-Tabake nicht mehr hergestellt werden.

Kohlhase & Kopp, die den Import und Vertrieb für Deutschland inne haben, haben es mir schriftlich bestätigt, es ist aus. Ob die Marke von BAT verkauft wird, oder ob sich jemals wieder jemand finden wird, der weitermachen wird, wusste Kohlhase & Kopp natürlich nicht.

Spätestens jetzt nach dem Veröffentlichen dieses Artikels wird das große Rennen losgehen und ich sehe schon den einen oder anderen Leser vor mir, der mit dem Bollerwagen von Tabakladen zu Tabakladen zieht und Hamsterkäufe tätigt. Damit Sie liebe Leser auch wissen, mit was sie ihre Keller und Speicher anfüllen sollen, finden Sie hier mit einem Klick eine Vielzahl von Dunhill Tabakreviews im Blog.

Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg beim Sammeln und Raffen hoffe aber, dass Sie stets faire Sportsmänner und Gentlemen bleiben. Ich will von keinen Handgreiflichkeiten beim Tabakonisten hören. Wobei … wenn ich so darüber nachdenke, sollte ich doch eben beim Huber im Tal anrufen … ein Sicherheitsdienst wäre vielleicht doch nicht so schlecht …

 




BriarWorks | Back Down South

Back Down South TabakSchon vor längerer Zeit hatte ich angekündigt, die Tabake aus meinem Virginia/Perique-Paket aus dem Süden der USA vorzustellen. Jetzt wird es endlich einmal wieder Zeit, an dieser Serie weiter zu schreiben.
Auffällig vor allem ist schon einmal die Verpackung des „Back Down South“ er wird nämlich in einem kleinen Weckglas mit Aluminiumdeckel ausgeliefert. Das allein macht ihn schon einmal zu etwas besonderem. Während andere Dosen verschiedener Größe und Form oder sogar kleine Plastiksackerl als Verpackung wählen, gönnen uns die Tabakblender aus Tennessee ein wirklich schönes und absolut luftdichtes Glaserl. Das zeigt eine gewisse Wertschätzung gegenüber dem eigenen Produkt und vor allem auch den Kunden, uns Pfeifenrauchern.

Back Down South TabakHersteller dieses liebevoll verpackten Virginia/Perique Broken Flakes sind BriarWorks bzw. Cornell & Diehl. Durch den Schraubverschluss mit innenliegenden gummibeschichteten Deckel ist der Tabak immer perfekt konditioniert, obwohl er bei mir schon geraume Zeit herumsteht. Beim Öffnen zischt das Vakkuum und es entfaltet sich ein leichter fruchtiger Geruch, an dem ich angeregt schnüffle. Ich komme nicht sofort auf das Aroma. Ist es Birne? Quitte? ich schnüffle immer weiter und komme nicht darauf, bis es mir endlich wie Tomaten von den Augen fällt (Völlig verblödetes Wortspiel, welches irgendwas mit Schuppen und typischen amerikanischem Ketchupgeruch aussagen sollte, allerdings total daneben geriet)

Wie kann man so verblendet sein, wenn es sich doch gerade um meinen derzeitiges Lieblingsaroma handelt? Es ist die Marille (hochdeutsch: Aprikose) Das ist der Geschmack meiner Leib- und Magenspirituose (ich habe gerade erst an dieser Stelle darüber geschrieben) Ganz eindeutig und das ist fantastisch.

Auf dem Etikett steht: „Travel down south with this hearty VAPER Flake. Perfect for front-porch sittin‘.

Back Down South TabakIch habe natürlich keine Front-Porch, aber vor meinen Lieblings-Almen gibt es natürlich immer auch Sonnen-Bankerl, auf denen ich stundenlang in der Sonne sitzen kann und mit einem Weißbier über das Panorama blicke. Ein Stamperl Marille, dazu dieser Tabak, das müsste perfekt sein. Die Almhütten sind zwar allesamt im Süden, aber das hilft zu dieser Jahreszeit nicht wirklich weiter. Es ist im Januar einfach zu kalt fürs Hausbankerl.

Aber sowohl die Marille, als auch der Tabak schmecken auch bei mir zuhause in Nordbayern und ich geniesse diese wundervolle Übereinstimmung der Geschmäcker. Da der Tabak ja auf Virginiabasis ist, ist die Aromatisierung sehr dezent, aber durch die gesamte Pfeife hindurch schmeckbar vorhanden. Leicht süß, etwas alkoholisch und fruchtig.

Selten war ich von einem Tabak so begeistert. Die Flakescheiben stehen ein Bisserl zerrupft im Glas und wann immer ich sie in die Pfeife stelle und nur ganz leicht andrücke, zaubert er ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich denke an Sommer, an Wachauer Marillen-Knödel und fast tun mir die Jungs und Mädels aus Tennessee leid, die auf ihrer Frontporch sitzen und gar keine Vorstellung davon haben, wie man ihren Tabak wirklich geniessen müsste.

Fahr in den Süden, setz dich auf ein Sonnenbankerl vor die Almhütte und trink ein Stamperl Marille dazu.




Mein ultimativer Kanon der Literatur

Meine Tochter hatte für eine 19-Jährige einen – wie ich finde – sehr ausgefallenen Geburtstagswunsch geäussert. Sie wünschte sich, dass ihr Vater (vermutlich ich), ihr ein paar wirklich gute Bücher schenkt. Sie wollte aber nicht ein paar seichte Bücher als Urlaubslektüre haben, sondern bestand darauf, dass es die wichtigsten Werke der deutschen Literatur seien.

Also ein richtiger Literaturkanon. Sofort fiel mir natürlich der GLAZ (größte Literaturkritiker aller Zeiten) ein, der einen wirklich vortrefflichen Kanon zusammengestellt hat. Kanon Marcel Reich-Ranicki. Aber sie wollte ja nicht seinen Kanon, sondern meinen.

Ich erklärte mich sofort einverstanden und legte los. Niemals hätte ich gedacht, dass dieses Unterfangen so faszinierend, aufregend, anstrengend und auch so langwierig sein würde. Zunächst einmal ließ ich das „deutsch“ in Literaturkanon weg. Das ist langweilig, kleinkariert und nationalistisch. Ich wollte einen persönlichen Kanon zusammenstellen, die Bücher, die ich am besten fand, die mich geprägt haben und die ich für die zehn größten der Literatur halte und die auch ein Bisserl zu ihr passen sollten.

Zunächst vollzog ich ein inneres Brainstorming. Welche Autoren müssen unbedingt dabei sein und welche davon werde ich wieder streichen müssen. Welche Bücher sind absolut gesetzt und welche nur optional.
Die erste Autorenliste las sich in etwa so: Goethe, Thomas Mann, Hemingway, Camus, Oskar Maria Graf, Erich Kästner, Henry Miller, Charles Bukowski …

Die letzten beiden wurden sofort gestrichen, es handelt sich schliesslich um meine Tochter. Thomas Mann? Die Buddenbrooks? Selten ein so langweiliges Buch gelesen. Drei Seiten Beschreibung eines Türfügels, es schüttelte mich vor Grausen. Felix Krull? Den habe ich sehr gemocht, aber irgendwie doch lieblos zu Ende geschrieben und auch ein wenig trivial … Aber Thomas hatte doch einen Bruder und dieser definitiv mehr Temperament. Der kam auf die Liste: Heinrich Mann. Unrat? Nein, da soll sie den Film schauen. „Der Untertan“, ja der sollte es werden. Rechnen wir ab mit der preussischen Untertanen-Mentalität. Ausserdem, wenn wir schon dabei sind, wir brauchen mehr Bayern im Kanon.

Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter. Ein absolutes Muss für die gebildete Münchnerin und für alle anderen auch. Überhaupt das ganze Graf Werk, aber eines muss zunächst reichen. Lion Feuchtwanger fiel mir noch ein, aber die große München-Trilogie ist auch etwas zu langatmig für eine junge Dame, aber was ist mit Rosendorfer? Vielleicht nicht allerhöchste Literatur aber vergnüglich, hintersinnig und Münchnerisch: Briefe an die chinesische Vergangenheit.

Sprach ich eben davon, den Preussen eines auf den Deckel zu geben? Dann lass uns doch gleich der Operettenmonarchie eine sauberne Trumm Watschen verpassen. Das nennt man Revanchismus: Joseph Roth, Radezkymarsch. Das passt wundervoll zum Untertan. Ich war sehr zufrieden mit mir. Mein erstes Joseph Roth Buch habe ich mir übrigens mit ungefähr zehn Jahren aus der Stadtbibliothek – damals noch am Rindermarkt – ausgeliehen, war aber sehr enttäuscht, kein einziges mal konnte ich die von mir damals so geliebte Phrase „Ein Mensch …“ darin finden.

Aber werden wir wieder ernst. Bierernst. Goethes Faust (auf dem Bild leider nicht zu sehen) habe ich in einer wundervollen, alten Ausgabe mit Lithographien von Delacroix ergattern können.

Dann werde ich philosophisch. Das Werk, welches mich in meiner Jugend am allermeisten geprägt hat, war „Der Fremde“ von Albert Camus. Dieses Buch machte mich zu einem glühenden Existentialisten. Es war so düster und so leidenschaftlich leidenschaftslos. Lang nicht so ein Langweiler wie Sartre, war für mich Camus der König des schwarzen Rollkragenpullis. Zur ungefähr selben Zeit las ich – wie vermutlich alle Jugendlichen meiner Generation – den Steppenwolf, der muss auch dabei sein. Erinnern wir uns, die Leserin wird 19, nicht 49.

Neben Graf ist Kästner einer meiner Lieblingsautoren. Seit Pünktchen und Anton, liebe ich sein Werk. Die Kinderbücher habe ich tausendmal vorgelesen bekommen, selbst gelesen und dann wieder vorgelesen. So ein wundervoller, feiner Mann und spätestens, als ich erfuhr, dass der „Fabian“ in der Originalfassung herausgekommen ist, musste er natürlich auch dabei sein. „Der Gang vor die Hunde“ ist der Titel, den Kästner selbst für seinen großen Erwachsenen-Roman vergeben wollte. Diese Fassung ist quasi der unzensierte Directors Cut.

Warum ich die „Deutschstunde“ aufgenommen habe, weiss ich selbst nicht so genau. Vermutlich ist es eher meiner Liebe zu Emil Nolde geschuldet und weil ich dem erst jüngst in Verruf geratenen, die Stange halten wollte. Trotzdem es ist ein schönes Buch über Freundschaft, Kunst und Nazischeiss.

Hemingway ist der einzige Autor, der doppelt vertreten ist. Fiesta ist eines der schönsten Bücher, das ich kenne, ich habe es dutzend Mal gelesen und es ist ja auch nur ein ganz kleines Bücherl und dann muss natürlich auch noch die Stunde schlagen, Ehrensache. Auch wenn manche behaupten Ernest war als Trinker besser, als als Autor. Aber diese Leute, sind vermutlich in beiden Kunstgattungen selber nur mittelmäßig. Mein ältester Sohn ist übrigens seiner Mutter immer noch unendlich dankbar, dass sie verhindert hat, dass er Ernest Maria Broy heisst.

Dies ist die vollständige Liste meines ganz persönlichen Literatur-Kanons

  1. Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter
  2. Heinrich Mann, Der Untertan
  3. Joseph Roth, Radezkymarsch
  4. Herbert Rosendorfer, Briefe an die chinesische Vergangenheit
  5. Johann Wolfgang von Goethe: Faust I + II
  6. Albert Camus, Der Fremde
  7. Hermann Hesse, Der Steppenwolf
  8. Erich Kästner, Der Gang vor die Hunde
  9. Siegfried Lenz, Die Deutschstunde
  10. Ernest Hemingway, Fiesta
  11. Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt

Wie man auf den Bilder unschwer erkennen kann, habe ich auch auf schöne, alte gebundene Ausgaben wert gelegt, denn diese Sammlung soll meine einzige Tochter ein Leben lang besitzen, in Händen halten und lesen. Vielleicht taucht auch das eine oder andere Werk davon in ihrem Kanon auf, den sie vielleicht irgendwann für einen Enkel zusammenstellen wird.

Was wären denn die Bücher, die in Ihrem Kanon auftauchen würden?
Welche habe ich vergessen?
Welche würden sie weglassen?

Bitten nehmen Sie, lieber Leser, Sich eine Pfeifenlänge Zeit und nutzen Sie die Kommentarfunktion, um Ihre persönliche Liste zu teilen, sie werden sehen, das ist sehr vergnüglich, erbaulich und auch sehr anstrengend …




Peterson 2017 Christmas Blend – es weihnachtet sehr …

PETERSON CHRISTMAS BLEND 2017Bei mir im Atelier, im Arbeitszimmer, überall weihnachtet es schon sehr und das schon seit ein paar Wochen. Also nicht so wie im Discounter, wo schon seit September die Zucker-Nikoläuse und Backtriebmittel-Spekulatien vor sich hin rotten, während andere noch den Polyester-Badehandtuch-Sale plündern, sondern so, wie es hier in der Stadt der Lebkuchen bei Westwind duftet, wenn die Lebkuchen Fabriken Weissella, Schmidt und Co, ihre Öfen anwerfen. Bei mir duftet es nach Früchten, Mandeln und Vanille.

Wie meine liebsten Freunde, Familienmitglieder und Kunstsammler wissen, beginnt für mich die Weihnachtszeit ja auch weit vor dem Dezember, denn ich arbeite auch dieses Jahr wieder viele Wochen an der jährlichen Holzschnitt-Weihnachtskarte.

Auch in diesem Jahr verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, unser Heiland ist auch diesmal in den verschneiten, heimischen Alpen zur Welt gekommen. Anders ist allerdings, dass meine Pfeifen einen ungeheuer weihnachtlichen Duft verströmen, während ich zeichne, hoble, schleife und schnitze. Nicht gerade Weihrauch und Myrrhe, aber doch so ein bisserl in die Richtung.

Eigentlich rauche ich keine Aromaten und Weihnachtsmischungen erst recht nicht. Allesamt sind sie zu teuer, nikotinlose Black Cavendish Rauchpappen in kitschigen Dosen. Warum ist das diesmal anders? Zunächst einmal muss ich anführen, dass ich als Mitbetreiber dieses Pfeifenblogs hin und wieder mit Testtabaken bedacht werde. Über manche hülle ich wohlwollend den Mantel des Schweigens, manche werden verschenkt und andere probiere ich und ab und zu lohnt sich der Aufwand des Herstellers und ich blogge darüber.

Atelier Alexande BroyAls ich das Packerl, welches unverhofft bei mir hereinschneit öffne, finde ich darin eine weihnachtliche Blechdose in rot, weiss und grün gehalten, wie auch sonst. Nach etwas Gerubbel und Gefummel und dem großzügigen Einsatz von Waschbenzin erkenne ich, diese Dose ist wirklich gelungen, blindgeprägt kein verblödeter Weihnachtsmann oder doofe Rentiere darauf. Schnee, Bäume, eine Schleife, sehr geschmackvoll, finde ich. Ich goutiere auch, dass es „Peterson Christmas Blend“ heisst und nicht etwa politisch verblödet „Holiday Blend“ oder „Jahresend-Blend“.

Ich öffne die Dose, innen ist ein Cellophan-Tütchen mit Goldsiegel. Auch sehr hübsch, ich breche das Siegel und auf einmal bereue ich, dies getan zu haben. All der wundervolle Geruch von frischem Holz, Farben, Latakia und Perique wird durch die Fensterritzen meines Ateliers nach aussen gepresst und eine Aromawolke süss und fruchtig übernimmt mein Hütterl bis in die letzte Ritze. Es schüttelt mich leicht. Dann wandert mein Blick über die Tabakfasern, die fest gepresst vor mir liegen. Sie sind rötlich, gelb mit braunen Flakestreifchen durchsetzt. Nichts ist schwarz, also kein Black Cavendish, vermute ich. Black Cavendish ist für mich der Schienenersatzverkehr des Pfeifenrauchers. Ich suche eine Meerschaumpfeife heraus – ich will keinesfalls ein gutes Holz mit diesen Weihnachtsaromen verderben – und fange an zu stopfen.

Peterson 2017 Christmas BlendIch zünde und bin erneut überrascht. Also weihnachtlich ist das streng genommen nicht. Leicht fruchtig, mandelig. Ich schmecke Honig, etwas Vanille, aber keine Lebkuchengewürze und vor allem der Rauch schmeckt satt und überhaupt nicht so schrecklich intensiv, wie die Dose, die ich sofort wieder verschliesse. Eigentlich sehr lecker. Ich rauche die erste Pfeife, arbeite weiter und stopfe mir die nächste. Wieder weiche ich vor dem Dosen-Geruchs-Flash zurück, aber auch die nächste Füllung schmeckt mir. Ich verlasse irgendwann mein Atelier und als ich wiederkomme, riecht es so wundervoll dort, dass ich betört an der Tür stehend verweile.

Peterson 2017 Christmas BlendAls ich mit angehaltenem Atem den Tabak genauer inspiziere, erkenne ich ordentlich viele Flake-Stückchen, lockeren Burley und Virgina loose-cut, welcher perfekt konditioniert ist. Auch hat der Tabak durchaus eine sättigende Stärke, er ist bei weitem keine Rauchpappe.

Was soll ich lange herumreden, ich mag ihn sehr und freue mich, mal etwas anderes in meinen Pfeifen zu haben und widmete diesem Tabak eine eigene alte Oldenkott. Aber auch in anderen Hölzern ist er schon gewesen und hat sie keinesfalls verdorben.

Ich werde ihn bestimmt die Weihnachtszeit über rauchen und ihn bei meinem nächsten Besuch in München bei Pfeifen Huber nachkaufen. 23 Euro für 100 Gramm erstklassigen Tabak, das ist nicht geschenkt, aber auch nicht überzogen und ausserdem ist doch nur einmal im Jahr Weihnachten.

Ach ja, danke, für diese Probedose.