The Peterson Pipe – The Story of Kapp & Peterson

Wie verhindere ich, dass diese Buchbesprechung allzu schwärmerisch wird? Ja, ich bin eindeutig bibliophil, ein schönes Buch, interessant geschrieben, hochwertig layoutet und aufwändig gedruckt und gebunden kann mich in den einen Status der Verzückung bringen. Ja, auch ich habe schon ein Buch geschrieben, einige verlegt und auch nicht wenige gesetzt, gelayoutet, illustriert us.w. also bin ich irgendwie auch eine Art „Profi“. Aber niemand wird mir glauben, dass ich bei einem Buch so sehr aus dem Häuschen gerate wie bei diesem.
Ich habe mir das Buch „The Peterson Pipe – The Story of Kapp & Peterson“ vor ein paar Tagen in England selbst gekauft, werde für diese Rezension nicht bezahlt und habe auch sonst keinerlei Vorteile davon, wenn ich es hier über den grünen Klee lobe – Das war jetzt ein Wahnsinns Wortspiel, haben Sie es gemerkt? Peterson – Irland – grüner Klee? … Entschuldigung, ich werde mich jetzt zusammenreissen, ich verspreche es.

Ich bleibe jetzt sachlich: 345 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Blindprägung, teilverchromte Prägung, festes reinweißes Photopapier mit unzähligen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen. Geschrieben von Mark Irwin und Gary Malmberg, erschienen im Verlag Briar Books Press.

In diesem Buch steht alles, was man über Peterson Pfeifen wissen und sehen muss und ich glaube auch wissen kann. Die Fülle an Informationen scheint einen schier zu erschlagen. Zurückgehend bis 1865, alte Dokumente, Fotos, Zeitzeugenberichte, Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern, Anekdoten und Histörchen zurückgehend bis zu den Brüdern Kapp und Charles Peterson, Shape-Charts, alte Werbeanzeigen, Patentschriften, Tafeln mit Stempeln und Hallmarks. Fotos aus den wechselnden Produktionsstätten und Läden. Es ist unvorstellbar. Die Autoren geben sogar fundierte Tipps zu Aufarbeitung der Pfeifen und ein umfassendes Kompendium zur Bestimmung von Alter und Art der Pfeifen. Hatte ich bisher gedacht das Buch „100 Years and more of Dunhill“ sei der Maßstab eines hochwertigen Pfeifenalmanachs, so lassen Sie Sich von mir sagen, gegen „The Peterson Pipes“ wirkt es wie ein schmalbrüstiges Pixi-Buch.

Ich habe das ganze Wochendende mit diesem Wälzer auf meinem Deckchair im Garten verbracht und habe dabei meine gesamte – nicht gerade kleine – Peterson-Sammlung zu Schanden geraucht. Das ganze hat mir einen veritablen Sonnenbrand, sowie eine Beinaheeinweisung (durch meine besorgte Familie) in die Psychiatrie eingebracht und ich habe immer noch nur einen Bruchteil des Buches durchgeschmökert.

Wussten Sie übrigens, das die Brüder Kapp ursprünglich aus Nürnberg kamen? „Allmächd, des sind eindeudich frängische Pfeif’n“. Von Dunhill sprach noch niemand, da war Peterson schon ein absoluter Big-Player im Pfeifengeschäft. Haben Sie das mit diesen Patentpfeifen je wirklich verstanden? Nein, ich jetzt schon. Endlich kann ich die Silberpunzen auf meinen Bling-Bling-Pfeifen lesen und meine Pfeifen an Hand der Stempel datieren, das wäre noch nützlicher, hätte ich sie nicht gerade vor lauter Begeisterung beim Lesen bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Der geneigte Leser mag es mir nachsehen, wenn ich jetzt nicht – wie sonst – fundiert und sachlich (Ha Ha) über Peterson, die Geschichte, die Pfeifen und Tabake referiere. In meinem Kopf schwirrt noch alles ganz wirr umher und ich könnte das gerade Erfahrene niemals vernünftig zusammenfassen. (Vielleicht ist es auch nur der Sonnenstich). Lesen Sie das Buch selber, ich würde Ihnen nur die Freude nehmen indem ich irgendetwas – neudeutsch – spoilere …

Das Buch kann man in Europa meines Wissens nach nur bei Smokingpipes.eu bestellen, es kostet 67 Euro und es ist wirklich jeden Cent wert, glauben Sie mir. Ich habe gleich zwei Stück bestellt und die kamen nach nur drei Tagen unversehrt und portofrei bei mir an.

 




Corncob | Dagner Sitting Poker

An Maiskolbenpfeifen scheiden sich die Geister. Für die einen ist es pure Südstaaten-Huckleberry Finn-Romantik, die anderen rümpfen die Nase ob der primitiven Bauweise und des billigen Materials. Ein ausgehöhlter Maiskolben, ein abgeschnittenes Röherl als Holm und Mundstück zugleich, mehr braucht es nicht für diese Art der Tabakspfeife. Ein Eigengeschmack ist zudem bei diesen Pfeifen durchaus zu bemerken. Anders als Pfeifen aus „richtigem türkischen Meerschaum“, welche durch echte Geschmacksneutralität glänzen, hat die Missouri-Meerschaum-Pfeife immer einen leicht süßlichen Geschmack, welchen sie über ihre Lebenszeit nie ganz verlieren wird. Den mögen die einen, die anderen eben nicht, wie immer und bei allem.

Die Missouri Meerschaum Company in Washington, Missouri ist der älteste und zugleich größte Hersteller von Maiskolben-Pfeifen. 1869 – genau 100 Jahre vor der Geburt des Autors – begann der holländische Einwanderer Henry Tibbe mit der Herstellung von Pfeifen aus Maiskolben. Der Legende nach, bat damals ein benachbarter Farmer den Schreiner einen Maiskolben an seiner Drehbank zu bearbeiten. Bis dato hatte der Bauer seine Pfeifen wohl selbst gebastelt. Anscheinend gelang Tibbe das Werk zur Zufriedenheit seines Kunden, die Pfeife schmeckte und er begann immer mehr von diesen gedrechselten Stücken zu produzieren und tat bald in seiner Werkstatt nichts anderes mehr. 1887 meldete er sein Verfahren, die Maiskolben mit Gips zu imprägnieren zum Patent an. Die Zugabe von Gips ließ die Pfeifen feuerbeständiger und haltbarer machen. Bis heute werden die Corncobs genau so hergestellt. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Franklin County, Missouri dutzende von Herstellern, aber nur die Missouri Meerschaum Company konnte bis heute überleben.

Wie wir aus dem 1876 erschienen berühmten Roman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von Mark Twain, der ebenfalls in Missouri spielt, wissen, rauchten Huck, Joe und Tom auch schon Pfeifen aus Maiskolben. Diese schnitzten diese allerdings vermutlich selbst. Einen Beleg dafür fand ich auf Seite 151 der deutschen Erstausgabe.

„Nach einem feinen Diner von Eiern und Fischen sagte Tom, er wolle jetzt das Rauchen lernen. Joe nahm die Idee auf und sagte er wolle es gleichfalls lernen. So machte Huck denn Pfeifen und füllte Sie. Diese Novizen hatten bis dahin nichts Anderes als Cigarren von Waldrebenblättern geraucht, und die „bissen auf der Zunge“ und wurden nicht als männlicher Genuß betrachtet.

Natürlich habe auch ich in meiner Jugend mehrfach versucht mir einen solche Pfeife zu basteln. Aus dem mir sonst so verhassten oberbayrischen Futtermais, der unsers schöne Landschaft immer mehr veröden lässt, schnitzte ich so manch ein untaugliches Rauchgerät. Ob dies an falschem Werkzeug (Schweizer Taschenmesser), fehlendem Können, oder aber am falschen Mais lag, vermag ich nicht mehr zu sagen. Inzwischen weiß ich aber, in Missouri wird einen ganz spezielle Maissorte mit riesigen Früchten extra für den Pfeifenbau gezüchtet und angebaut.

Ich habe inzwischen die Basteleien aufgegeben und ein paar Missouri Meerschaum Pfeifen käuflich erworben. Ich persönlich mag den Eigengeschmack von verbranntem Maiskolben, vor allem aber schätze ich die Leichtigkeit und Unempfindlichkeit dieser Pfeifen. Sie kosten nur ein paar Euro und deswegen habe ich überhaupt keine Skrupel sie beim Malen mit farbverschmierten Händen zu rauchen, sie irgendwo auf der Palette abzustellen oder sie sonst wie zu misshandeln. Sie haben für mich nur einen wirklich entscheidenden Nachteil: Die Mundstücke sind einfach SCHEISSE!. Tut mir leid, aber es gibt kein anderes Wort dafür. Nach drei mal Rauchen komplett durchgebissen, eine Kunststoffqualität wie eine fünf mal recycelte chinesische Blisterverpackung von Klosteinen. Wie kann man ernsthaft so einen Plastikmüll an eine Pfeife stecken und dann auch noch in Bernsteinoptik? 15 Euro hin oder her, das ist bodenlos und bestimmt gesundheitsschädlicher als die Pfeife auf Lunge zu rauchen. (kann ich nicht beweisen).

 

Missouri Meerschaum

Eine Corncob mit vernünftigem Mundstück habe ich allerdings. Eine uralte Hickory Hill „Millennium“ mit Acrylmundstück (Monogramm M), Messingring und einen Hartholzeinsatz im Boden. Hickory Hill ist einer der vielen Hersteller, die irgendwann einmal an der übermächtigen Konkurrenz Missouri Meerschaum Company gescheitert sind. So sehr gescheitert, dass sogar das allwissende, niemals vergessende Internet nichts über sie gespeichert hat. Vielleicht waren die Mundstücke den amerikanischen Farmern zu „Schicki-Micki“ und irgendwer hat sich ein rotes Kapperl aufgesetzt und „Make PET-Flaschen-Mouthpieces Great again“ gebrüllt.

Aber gerade aus der von mir unbeholfen karikierten Redneck-Community kommt jetzt die Lösung für das Mundstück-Desaster: Jayson und Jay Dagner, zwei Pfeifenenthusiasten aus den USA, Vater und Sohn. Die beiden sind eine Mischung aus Hillbilly-Redneck Holzfäller-Hipster und Biker-Lebowski und sind durch einen Youtube-Kanal bekannt geworden. Diese beiden haben mit einem italienischen Pfeifenhersteller eine Dagner-Pfeifen-Linie kreiert. Diese wäre keinesfalls irgendwie erwähnenswert – so wenig wie die Youtube-Videos – wenn diese Zusammenarbeit nicht eine Corncob Poker mit einem astreinen italienischen Acrylmundstück hervorgebracht hätte.

Dagner Poker Missouri MeerschaumDiese Poker ist eine wirklich schöne Pfeife – für dieses Shape habe ich ohnehin eine Schwäche. Sie ist für einen Corncob ziemlich gross, hat einen Holm aus Birkenholz, ein Nickelband und vor allem ein wunderbares, filterloses Acrylmundstück in einer guten Qualität. Kein Dunhill Fishtail, aber doch ein grundsolides stabiles Stück Kunststoff, was sich im Mund angenehm anfühlt. Die Pfeife ist in Deutschland nicht ganz so einfach zu besorgen, es gibt aber ein paar wenige Händler, die sie führen. Sie kostet um die 25 Euro und die ist sie absolut wert.

Wer also ein wenig Südstaatenromantik mit dem gewissen Extra erleben möchte, dem sei die Dagner Poker ausdrücklich empfohlen. Ich rauche sie am liebsten südstaatlich mit einem FrogMorton oder einem Bayou Morning Flake, dazu ein Glas leicht süßlicher Bourbon mit viel Mais- und Eichensüße.

Leider bin ich abermit diesem Pfeiferl nicht mehr ganz so sorglos, ich ertappe mich dabei, die Hände vorher am Kittel abzuwischen, bevor ich sie in die Hand nehme. Aber wer fasst eine Pfeife mit so einem Mundstück schon an, die bleibt zwischen den Zähnen, bis das Bild fertig ist.




Samuel Gawith | CF Flake – Wo bitte ist die Schokolade?

Samuel Gawith CF FlakeWie unsere stets bestens informierten Leser wissen, ist es laut Gesetz nicht mehr erlaubt gesundheitsschädlichen Tabak namentlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. So kann man zum Beispiel einen Pfeifentabak nicht mehr „Schweineschmalz-Zucker Flake“ nennen, weil der Verbraucher dadurch suggeriert bekäme, dass es sich nicht um eine giftige Substanz, sondern um so etwas gesundes, wie Schweineschmalz oder Zucker, handeln könnte. Deshalb heisst Rum&Maple jetzt R&M, der Honey-Dew Flake jetzt Golden Flake. Ob jetzt mehr Menschen durch Pfeifenrauch, oder durch Rum, Gold oder Zucker gestorben sind, weiss ich nicht; auch nicht, wie ein Tabak mit Schweineschmalz-Casing schmeckt oder ob es gesünder ist dieses zu essen, denn zu rauchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Tatsache ist, dass der Samuel Gawith Chocolate Flake, jetzt CF Flake heisst.
Warum Chocolate mit „CF“ abgekürzt wird und man den Tabak nicht „C Flake“ nennt, ist ein weiteres Mysterium.
Ich habe durch den HU Tobacco „Raiko InBeTween“ meine Leidenschaft für Schokoladen-Tabak für mich entdeckt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an mein hymnenhaftes Review? Wenn nicht, hier ist der Link.
Da wir ja gerade versuchen sämtliche Samuel Gawith Tabake zu besprechen, fiel meine Wahl deshalb auf ein „Stückerl Schoklad“ (süddeutsch für „eine Rippe Schokolade“)

Samuel Gawith CF FlakeJens Meyer von Pfeifen Huber, bei dem ich die Dose CF Flake erwerben wollte, stellte meine Wahl mit heftigen Worten in Frage und wollte ihn mir gar nicht erst aushändigen. Roland schüttelte den Kopf wie ein Metaller auf Wacken. Mein geschätzter Blog-Kollege Peter Hemmer, meinte hingegen, das sei durchaus ein schöner, schokoladiger Tabak, den man sehr wohl gut rauchen könne. Bevor es zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, hatte ich die Dose aufgehebelt und damit Tatsachen geschaffen. Nach einem deftigen Weisswurstfrühstück hatte einfach Lust auf Schokolade.
Deckel auf, Papier zur Seite gebogen, Rüssel reingehalten und tief inhaliert …
Eine atemlose Stille senkte sich über das altehrwürdige Ladengeschäft in der Münchner Innenstadt. Draussen im Tal hörten die fön-gestressten Porschefahrer auf ihre Cayenne-Hupen zu malträtieren, die japanischen Touristen senkten andächtig die Kameras und die sonnenbebrillten Damen schlossen ihre Schlauchbootlippen und sahen von ihrem Soja-Latte auf … Ich dagegen schnüffelte, wie ein hyperaktives Trüffelschwein in der eckigen Metalldose herum.
„Und?“, hielt es Bodo nicht mehr aus und sah mich fragend an?
„I woas ned“, antwortete ich unsicher.
„Lass amal riecha“, schwupp war die Dose meinen Händen entrissen und wurde ungeduldig unter sämtliche Nasen des Münchner Pfeifenclubs gehalten.
Betretenes Schweigen, Kopfschütteln, Ratlosigkeit.
Durch die geöffnete Tür hörte man einen Polizeibeamten, der die Passanten zum Weitergehen aufforderte. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu riechen …“

„Nix!“ kein noch so kleines Schokoladenaroma Molekül war im Raum. Ein regelrechtes Schokoladen-Vakuum hatte sich in der Landeshauptstadt gebildet.
Dann von einer Sekunde zur anderen, ging man wieder zur Tagesordnung über, es wurde geschwatzt, getrunken, geraucht und auch wieder gehupt. Ich war froh mit meiner Tabakdose nicht mehr ganz so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und stopfte den CF Flake in meine Peterson Spigot.

Samuel Gawith CF FlakeDer Flake ist ordentlich geschnitten, dünne bestens konditionierte Scheiben von einer satten braunen Farbe, helle und dunkle Streifen durchziehen diesen Flake, der aus Virginia und Burley besteht. Das Tabakbild ist außerordentlich appetitlich anzusehen. Ich knicke und falte den Flake und stopfe ihn in die Pfeife. Leider hat niemand ein goldenes Dupont zur Hand, ein silbernes Unique tut es aber zur Not auch. Der Tabak brennt sofort, ich lasse ihn nach ein paar Zügen ausgehen, stopfe nach und zünde ihn erneut an. Danach ist kein weiteres Nachfeuern nötig. Der Tabak brennt sehr gut und gleichmäßig und schmeckt nach Virginia und Burley.
Nach Virginia und Burley … und? …und noch? … sonst nach nichts, gar nichts!

Der Tabakblender hat anscheinend in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Schokolade nicht nur aus dem Namen entfernt.

Die Münchner Stehrunde schnüffelt ein wenig an meinem Rauch herum und wendet sich desinteressiert ab. Herr Falkenried empfiehlt mir noch einen kleinen Schokoladenladen eine Strasse weiter, für den Fall, dass ich immer noch Lust auf eine Stück Schokolade hätte. Auf dem Weg zum Pfeifenclub gehe ich tatsächlich dort noch schnell vorbei und kaufe eine handgefertigte Tafel 85%iger Bocatorena aus Panama, welche fast so teuer ist wie der Tabak.

Der CF Flake wird im Club dann noch von einigen weiteren Herren geraucht, aber niemand kann auch nur homöopathische Dosen von Schokolade erschmecken, oder erriechen. Ich verteile daraufhin ein paar Stücke meiner Bocatorena und empfehle sie während des Rauchgenusses an den Gaumen zu kleben. Das funktioniert, ist aber bescheuert und nicht Sinn der Sache.

Der Tabak an sich schmeckt ganz okay, ohne Höhen und Tiefen, es ist einfach ein x-beliebiger Flake, der niemanden vom Hocker hauen wird und kann auch von Allergikern geraucht werden, er enthält nicht einmal kleinste Spuren von Kakao.

 

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Three Nuns – Die grüne Nonne

Ich weiß, früher waren die Maler mit der grünen Fee unterwegs, ich hingegen bin mit einer grünen Nonne auf die Berge gestiegen und bevor jemand fragt, nein es war nicht die Jungfrau, es waren die Berge rund um die Seiseralm auf denen ich mit der Feldstaffelei unterwegs war.

Bevor es jetzt schon wieder ausschweifend bizarr zu werden droht, versuche ich mich in Sachlichkeit. Ich spreche von dem neuen Pfeifentabak Three Nuns GREEN. Letztes Mal hatte ich von meiner Enttäuschung über die gelbe Version des neuen Three Nuns von Mac Baren berichtet, die ich leider als eher belanglos empfunden habe. Vielleicht lag es diesmal auch an der wundervollen Umgegebung, die mich überaus positiv gestimmt hatte, aber der „grüne“ Tabak hat mir ausgesprochen gut gemundet. Wie fast jedes Jahr weile ich um Fasching herum eine Woche in Südtirol auf der Seiseralm, einer der schönsten Orte auf diesem Erdenrund. Berge rundherum, ein Panorama zum Niederknien und wenn man, wie ich die Gegend und die Wege gut kennt, kann man stundenlang einsam durch eine gezuckerte Landschaft wandern, ohne von blöden Plastik-Menschen auf Ihren Carving-Ski belästigt zu werden, die sich von dieselgetriebenen Paternostern mit sitzgeheizten Sesseln nach oben tragen zu lassen, nur um dann wieder dichtgedrängt auf festgewalzten Almwiesen herunter zu rasen. Ich bin meist mit Schneeschuhen unterwegs und gelange so auch an Flecken völliger Einsamkeit.

Kaum schöner kann ich mir mein Leben vorstellen, als wenn ich auf meinem Klappstuhl im Schnee sitze, einsame Berghütten und schneebedeckte Gipfel male und dabei ein Pfeiferl rauche. Dazu geniesse ich je nach Tageszeit heißen schwarzen Tee aus einer Thermoskanne oder auch ein Schlückerl Marille aus dem Flachmann. Da mein Tagesgepäck mit Stuhl, warmer Kleidung und den Malsachen, ohnehin schon recht schwer ist, nahm ich diesmal nur eine einzige Pfeife mit, über die ich an anderer Stelle schon berichtet habe: meine Caminetto mit Deckel. Sie hat das absolut gut vertragen, vermutlich weil ich selten mehr als eine Füllung pro Tag daraus geraucht habe.

Insgesamt ist das ein schöner Virgina/Perique Tabak, der sich problemlos auf über 2000 Meter (und auch darunter) rauchen lässt und wirklich gut schmeckt. Auch wenn es wieder heissen wird: das Geld sei bei Genuss egal, mir persönlich ist er mit 17,20 Euro für 50g zu teuer, aber mir ist natürlich auch klar, dass ein Rope-Tabak in der Herstellung eben deutlich teurer ist, als ein einfacher Flake.

Fazit: Die Grüne Nonne ist nach meiner Ansicht, die beste „zeitgenössische“ Nonne und insgesamt eine klare Empfehlung, für den der nicht auf den Preis schauen muss und gerne Curly Flakes raucht.

 




Three Nuns – Die gelbe Nonne

Armand_Gautier – Three Nuns in the Portal of a Church (Quelle Wikipedia)

Lange Vorreden kann ich Ihnen ersparen, lieber Leser, denn über den original Three Nuns ist bereits alles gesagt. Über die bewegte Geschichte des Tabaks, der wie ein Wanderpokal von Bells, zu Imperial, zu Ogden, Orlik und jetzt bei MacBaren gelandet ist, hat Bodo Falkenried hier schon berichtet. Aber es gibt auch etwas neues aus der Tabakwelt zu berichten: Endlich sind es wirklich 3 in Worten DREI Nonnen. MacBaren hat den beliebten Curly in zwei weiteren Variationen auf dem Markt gebracht. Neben der traditionell roten Dose finden sich im gutsortierten Fachhandel nun auch eine gelbe und eine grüne. Wir als wichtige „Influenza“ der Tabakbranche, sind mit zwei Testdosen bedacht worden und dieser schweren Aufgabe, sie gründlich zu rauchen, habe ich mich angenommen. Einer muss es tun. Da ich bei Pfeifen Huber schon mal eine Füllung des Grünen geschnorrt hatte, interessierte ich mich am zuerst für die gelbe Nonne. Was beim Öffnen der Dose – wie eigentlich bei MacBaren immer – sofort auffällt, ist das gefällige Tabakbild. Sehr ordentlich haben die Dänen die kleinen Curlys in die Dosen gelegt. Sie sind kaum zerbröselt und bieten einen sehr appetitlichen Anblick. Leider habe ich gerade kein rotes „Original“ vorliegen, deshalb kann ich nicht direkt vergleichen. Ich meine aber zu wissen, dass der Rote etwas dunkler ist, aber ich kann mich auch täuschen.

Der Geruch ist gefällig, Virginia eben, allerdings mit einer leicht zigarettigen Note – Burley? Ich rieche keine Zusätze, Aromen oder Casings, es scheint sich wirklich um einen naturnahen Virginia zu handeln, der allerdings auch kaum Süße zu haben scheint. Ich knicke und zerbrösle die Curleys leicht und stopfe sie in die Pfeife. Der Tabak ist perfekt konditioniert und brennt sofort und gleichmäßig, es gibt nichts zu beanstanden, die Qualität ist einwandfrei. Es ist tatsächlich ein Virginiatabak ohne erkennbare Süße, aber das will ich keinesfalls kritisieren, nur erwähnen. Ich habe ungefähr fünf Füllungen geraucht und bringe meinen Freunden vom Münchner Pfeifenclub die Dose zum freitäglichen Clubabend mit, damit auch sie sich ein Bild von der gelben Nonne machen können.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Herr Falkenried ein paar Dosen Three Nuns aus den Vorgängergenerationen dabei hat und so komme ich zu einer Pfeife mit der Orlik Version der Three Nuns. Das war für dieses Review leider fatal. Der Three Nuns Yellow ist ein angenehmer Tabak, schöne Virginia-Curleys, geschmacklich aber leider auch etwas nichtssagend. Der Orlik ist dagegen kräftig und vollmundig, voller Aromen und einer unglaublichen Geschmacklichkeit, wie ein Louisiana auf Amphetaminen.

Vergleiche ich die beiden Tabake mit Brot, so habe ich nach dem Genuss einer Scheibe „Golden Toast – Vollkorn“, von einem fränkischen Natursauerteig-Roggenbrot abgebissen. Danach kann man den Toast leider nur noch mit „ja, war ganz okay“ beschreiben, tut mir leid.

Vermutlich war das jetzt furchtbar unfair, dass ich Äpfel mit Birnen, Toastbrot mit Nonnen und auch sonst was verglichen habe, aber so ist es nunmal.

Den Three Nuns Yellow kann man durchaus rauchen, aber wenn man den Preis von 17,20 Euro für 50g bedenkt, kann man tatsächlich nur noch mit dem Kopf schütteln, wie ein bayrischer Gastwirt bei dem man ein „kleines Pilseken“ bestellt hat. Für nicht mal die Hälfte bekommt man zum Beispiel einen Huber Virginia Flake, der deutlich mehr her macht.

Als nächstes werde ich die „grüne Nonne“ in Ruhe rauchen und verkosten und hoffe, etwas mehr Positives berichten zu können …

 




Soraya | Ihre kaiserliche Hoheit von HU Tobacco

Zunächst einmal muss ich mich für das lächerlich magere Fotomaterial bei Ihnen entschuldigen. Ausgerechnet, derjenige, der ständig die Tabaksdose als den heiligen Gral der Rauchwarenverpackung predigt, rezensiert die neueste HU Tobacco Kreation in einem Plastiksackerl. Dieser Umstand ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass ich diesmal nicht für das Dosendesign verantwortlich war und sich deshalb, weder Foto noch Dose in meinem Besitz befinden. Hans Wiedemann von HU hat mir den Soraya zum Probieren in diesem kleinen Plastiktüterl zugeschickt.

Das wird „ihrer kaiserlichen Hoheit, Soraya“ natürlich überhaupt nicht gerecht, vielmehr sollte der Tabak vielleicht in einem Fabergé Ei oder einem goldverzierten Ebenholzschachterl aufbewahrt werden, denn so viel möchte ich schon verraten, beim Soraya handelt es sich um eine wunderbar anmutige Orientalin.

Kaiserin Soraya Esfandiary Bakhtiary Bild: Wikipedia

Ich wollte den letzten Satz bewusst zweideutig halten, denn der Name dieses Tabaks könnte treffender nicht gewählt sein. Diejenigen, die sich noch an die Regenbogenpresse der 1950er bis 70er erinnern, sind mit dem Namen Soraya Esfandiary Bakhtiary vertraut. Soraya war die geheimnisvolle „deutsche“ Kaiserin auf dem persischen Thron. Naja, sie war nur halb Deutsche und halb Perserin und die erste Frau des letzten persischen Schahs (ja, genau der mit den Jubelpersern). Weil die Ehe kinderlos blieb, wurden sie jedoch geschieden und Soraya, die orientalische Schönheit, verbrachte ihre weiteren Jahre in der europäischen Jetset und war ein ständiger Gast in den Gazetten. Keine Ausgabe des Goldenen Blatts, der Bunte und Freizeit Revue ohne Fotos und Lügenmärchen journalistische Artikel über ihr glamouröses Leben an der Seite von Playboys Herren, wie Maximilian Schell und Gunther Sachs.

Und jetzt ist ihr eine sanfte und samtige Orient-Mischungen gewidmet (das ist eine absolut haltlose und dreiste Behauptung), die mir sehr gut gefällt und ich hatte ich schon einige Male das Glück den einen oder anderen Tabak aus Bodos Orientsammlung zu verkosten.

Obwohl der Tabak wenn überhaupt, nur homöopathische Mengen Latakia enthält, rauche ich ihn am liebsten aus einer Latakia-Pfeife ohne Filter. (Vielleicht deshalb, weil eine Spur Latakia im gut getan hätte?) Eine schöne, dunkle und geräumige Peter Hemmer Pfeife passt am besten zu dieser sanften Orientalin. Feingeschnittenes helles, gelbliches Tabakbild mit vereinzelten schwarzen Sprengseln. Mir ist nicht bekannt, welche Tabake im einzelnen in die Komposition eingeflossenstreuselt wurden, jedenfalls harmonieren sie perfekt. Hans Wiedemann hat diese Kreation mit Mitgliedern des Forums Pipe Dreams geschaffen. Drei verschiedene Orienttabake, etwas Virgina, Perique, Burley und einen Spur Black Cavendish sollen sich in der feinen Mischung befinden, heisst es, aber wir alle wissen: der gute Hans lässt sich nie ganz in die Karten blicken.

Alle Freunde des Orients, welche die großartigen Orient-Tabake von McClelland jetzt schon vermissen, sollten den Soraya unbedingt einmal probieren und auch denjenigen, welche einmal Orienttabake ohne Latakia probieren möchten, sei dieser Pfeifentabak empfohlen.

Ich schreibe diese Zeilen im ICE nach München – wo Soraya im Übrigen auf dem Westfriedhof begraben liegt – und freue mich sowohl auf die lieben Freunde im Pfeifenclub, als auch das letzte Restchen Soraya-Tabak dort geniessen zu können. Ich werde definitiv ein paar Dosen davon bei HU-Tobacco bestellen.




Eine Caminetto mit Deckel

Der Herbst hat Einzug gehalten und mit ihm kommt nach diesem extrem trockenen und sonnigen Sommer, die kalte und feuchte Jahreszeit. Die bunten Blätter fallen, die Eichkatzerl und die Eichelhäher werfen Kastanien und Eicheln nach unten, da konnte ich gerade noch rechtzeitig eine neue Pfeife mit Deckel erwerben. Meine allererste Caminetto. Meine Faszination für Deckelpfeifen habe ich ja hier schon einmal beschrieben. Nicht auszudenken, dass mir einmal beim Malen nebliger Auen und prächtiger, bunt belaubter Bäume, Flora und Fauna in den „Kamin“ fallen, welcher ja auf italienisch „Camino“ heisst und in seiner Verniedlichungsform „Caminetto“ genannt wird. Die Legende besagt, dass die drei Gründer dieser italienischen Pfeifenmanufaktur eines langen Abends bei Pfeife und Wein am offenen Kamin saßen und dabei auf diesem Firmennamen kamen. „Caminetto – La Pipa del Baffo“, Die Pfeife mit dem Schnauzbart. Die drei besagten Herren, trugen alle einen Schnauzer und kamen so auch gleich auf ihr Logo. Ich gehe davon aus, dass das ein sehr kreativer und vor allem sehr weinseliger Abend war, den sie vor dem Kamin verbrachten.

Giuseppe Ascorti arbeitete seit 1959 als Pfeifenmacher bei Castello, bis er sich 1968 selbstständig machte und mit dem Pfeifenmacher Luigi Radice eine kleine Pfeifenmanufaktur in ihrer Heimatstadt Cucciago gründete. Mit Gianni Davoli, der einen Tabakladen in Mailand betrieb, fanden die beiden einen Partner für eine weltweiten Distribution ihrer Pfeifen. Im Kielwasser des großen Castello-Booms vor allem in den USA erzielten die drei mit Ihren hochwertigen, handgemachten Pfeifen schon bald rasenden Absatz. Das Konzept war einfach und wirkungsvoll, sie boten die gleiche Qualität wie Castello und das zur Hälfte des Preises. Schon bald hatte die kleine Firma Caminetto mehr Aufträge, als sie bewältigen konnte und sie wuchs und wuchs. Moderne Maschinen wurden eingesetzt und die Produktion gesteigert. Aber wie es manchmal so kommt, waren die drei sich immer mehr uneins, gerade was die maschinelle Produktion der Pfeifen und die darunter leidende Qualität anging. Ende der Siebziger verließ Radice das Unternehmen und auch Ascorti gründete bald darauf mit seinem Sohn Roberto eine neue Firma unter ihrem Familiennamen Ascorti. Kurz darauf zerstörte ein verheerender Brand die gesamten Werkstätten von Caminetto, die zu dieser Zeit nur noch von Davoli geführt wurde. Was auch immer damals genau geschah, wir werden es vermutlich nie erfahren.

Jedenfalls kaufte sich Giuseppe Ascortis Sohn, Roberto Ascorti den Namen Caminetto zurück und die Firma erhob sich unter seinem Regiment wie Phoenix aus der Asche, nur sind die Preise der Caminettos inzwischen schon lange nicht mehr nur halb so hoch, wie die der Castellos.

Meine Caminetto ist eine rustizierte Pot, die folgendermaßen gemarkt ist: Caminetto HAND MADE CUCCIAGO-ITALY 8L10
Meine Recherchen haben ergeben, dass sie 2010 (10) gemacht wurde und sie das sogenannte Business-Finish (8) hat – rustiziert und rot, was das L bedeutet, weiss ich leider nicht.

Der Deckel, auf dem sich eine Gravur des Schnauzbartes und der Zahl 800 – Silber? befindet, ist seitlich aufschiebbar und sehr schön gearbeitet. eine kleine Nut in der Unterseite der Mechanik verhindert, dass man den Deckel über die Mitte hinausschiebt. Wirklich raffiniert gelöst und funktional.

Geraucht habe ich die Pfeife noch nicht, da warte ich immer noch auf den richtigen Moment, aber ich wollte sie als Anlass nehmen, einmal etwas über Caminetto zu schreiben.

NACHTRAG: Während ich diese Pfeife gerade mit zwei wunderbaren Dunhill Navy Rolls Scheiben rauche, ist mir aufgefallen, dass der Deckel – wie es sonst nämlich immer der Fall ist – gar nicht heiß wird, sondern höchstens lauwarm. Das liegt daran, dass unter dem Silberdeckel noch eine ungefähr ein bis zwei Millimeter dicke Bruyereschicht angebracht ist. Das schützt davor sich beim Rauchen die Finger zu verbrennen. Schlau gelöst.




Das Ende der Peterson Tabake? – Die inoffizielle Streichliste der STG

Großmundig hat die Scandinavian Tobacco Group in Ihrer Pressemeldung vom 20. Juli 2018 verkündet, mit dem Kauf der Peterson Tabak Lizenzen von der Kapp & Peterson Limited in Irland, noch weiter wachsen zu wollen. Im „important premium pipe tobacco segment“ wollen sie mit diesen Tabaken höchster Reputation weiter noch mehr Umsatz in den „important tobacco markets“ machen. Weil die so einen „solid reputation“ haben und überhaupt so toll ins Portfolio passen und sich so tolle Synergien finden lassen (bla, bla, fasel, schwätz …)

Namentlich erwähnt werden in der Pressemeldung die Tabake „Sherlock Holmes“, „Old Dublin“ und „Connoisseur’s Choice“.

Am 23. Oktober gibt es eine neue Pressemeldung mit noch großartigeren Neuigkeiten. Sie haben ein tolles Programm gelauncht, was den „mid-term EBITA Growth“ supportet. Damit werden sie 3-5% „organic“ Wachsen.
Erst habe ich ja gedacht, sie wollen nur noch Organic-Tobacco anbauen und mein „innerer Öko-Hippie“ begann schon in seinen Jesuslatschen zu tanzen, aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken.

Es folgen noch einige Absätze langweiliger Speichelleckereien und Arschkriechereien bei den Shareholdern, leider bin ich bei der Lektüre immer wieder eingenickt. Behalten habe ich nur, dass 100-120 „White-Collar Positions“ redundant geworden sind. Das ist eine tolle Nachricht, denn dann können sie die ja entlassen und dann und machen noch mehr „organic groth“, was die Shareholder wieder jubeln lassen wird.

Das blöde an der Geschichte ist nur, dass mit den 100-120 Weiss-Krägen auch zehn Peterson-Tabake entlassen werden. Das hat die Scandinavian Tobacco Group (noch) nicht per Presseinformation verkündet – ich vermute mal sie feilen noch an schmeichelnden Euphemismen und enthusiastischen Jubelrufen – das hat Cigarworld auf Facebook geleakt. Leider konnte ich keinen weiteren Quellen finden, die Nachricht ist noch ganz frisch …

Das ist die inoffizielle Streichliste der Peterson Tabake, laut Cigarworld

3P
De Luxe Mixture
Founders Choice
Hyde Park
Irish Mixture
Irish Oak
Killarney
Luxury Blend
Original 1865
Sunset Breeze

Wir werden sofort berichten, wenn es Konkreteres zu berichten gibt.
Wir haben unsere rasenden Reporter, verdeckten Ermittler und Whistle Blower schon aktiviert.

Sollten Sie, lieber Leser, auch zu den „üblich gut unterrichteten Kreisen“ zählen, nutzen sie bitte die Kommentarfunktion.
Um welchen Tabak tut es Ihnen am meisten leid, werden sie neben Ihrer Europalette Nightcap auch noch eine Palette 3P in den Keller stellen?

Ich werde jedenfalls erstmal ein paar irische „Writers Tears“ weinen und mich fragen, wie das alles weitergehen soll …

///// NACHTRAG 8.11.2018

Wir haben gerade eine Bestätigung von STG bekommen. Es ist tatsächlich so, von siebzehn Peterson Tabaken wird auf sieben reduziert werden.
Die verbliebenen Sieben werden nicht mehr, wie bisher von Mac Baren, sondern mit gleicher Rezeptur von STG produziert werden.
Wir sind gespannt, wie sich das auf den Geschmack und die Qualität der Mischungen auswirken wird. Ich persönlich denke, dass sich das eher positiv, denn negativ auswirken wird.

Zudem wird es 2018 keinen Weihnachtstabak geben. STG bricht damit mit einer jahrelangen Tradition, vermutlich aus logistischen Gründen.

Vielen Dank an Jens Meyer fürs Nachhaken bei der STG.




Noch ein Heritage Tabak?

Es ist ja scheinbar Mode geworden, Tabake, die es nicht mehr zu kaufen gibt, unter sehr ähnlicher Bezeichnung und Dosengestaltung wieder auf dem Markt zu bringen.
Aus einer „Night Cap“ wurde kurzerhand ein „Night Club“, aus einer „Early Morning Pipe“ wurde ein „Early Bird“, was die Bedeutung der beiden Namen im Grunde ad absurdum führt, aber egal.
Ein ähnlicher Name, unterstützt durch geschickte Farbcodierung des Labels, soll dem verzweifelten Dunhill-Raucher den Weg zum gewohnten Tabak weisen. Das dies nicht immer gelingt und manchmal sogar zu bizarren Verwechslungen führt, wissen wir inzwischen.

Keinesfalls würde ich behaupten, dass dies eine plumpe Bauernfängerei ist. Niemals würde ich einem Tabakonisten unterstellen, dass er aus der Not verzweifelter Dunhillisten Kapital schlagen wolle oder gar, dass er irgendwelche Provinz-Hausmischungen als Dunhill Heritage Tabake zu horrenden Preisen verscheuern will.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Hersteller dieser – im übrigen wie tschechische Fußballtrikot-Fälschungen wirkenden – Tabaksdosen nur das beste im Sinn hatte. Er wollte die Lücke stopfen, die durch den Rückzug Dunhills aus dem Tabakgeschäft entstanden ist und dies aus reiner Menschenfreundlichkeit. Uns Pfeifenrauchern sollten diese wunderbaren Tabake erhalten bleiben.

Dass dies bei den Navy Rolls nicht wirklich gelang, lag bestimmt daran, dass der Schülerpraktikant die falschen Röllchen in die Eclipse-Dosen gepackt hat, die sehen sich aber auch alle verflucht ähnlich diese blöden Medaillons, Escudos, Rollcakes … runde Scheiben halt. Auch dass in die Robert McDunhill Flake-Dose die Hausmischung 246 von Tabak Hüttensköller aus Castrop-Rauxel gewandert ist, ist bestimmt auf den eifrigen aber nicht gleichermaßen aufmerksamen jungen Mann zurückzuführen. Die nächsten Chargen werden bestimmt wieder richtig sortiert im Handel sein und der Praktikant wieder zurück in den wohlmeinenden Händen seiner Steiner-Pädagogen.

Gänzlich verblüfft war ich allerdings, als mir ein Tabak mit dem merkwürdigen Namen „Penzayyum“ in die Hände fiel. Der Name kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Er erinnert mich an irgendetwas ich komme nur leider nicht drauf …
Auch das ungewöhnliche Dosendesign habe ich schon einmal irgendwo gesehen. Auch dieser mir bisher unbekannte Tabak scheint ein so genannter „Heritage-Tabak“ zu sein. Wenn Sie lieber Leser mir auf die Sprünge helfen könnten, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Der Tabak schmeckt jedenfalls großartig, satt nach Latakia und hat dabei eine solche Weichheit, dass er Mund zu schmelzen scheint, ich bin überwältigt.

Und so verbleibe ich, endlich doch versöhnt mit der Heritage-Mode, Ihr Alexander

 

 




C&D Bluegrass | Er brennt

Bei diesem Namen schwingt ja bei mir so viel an Gefühlen und Assoziationen mit. Ich halte die kleine blau, weiss, schwarze Blechdose in Händen auf der eine stilisierte Mandoline und der Name in schwarz in einem klassischen Saloon-Font abgebildet sind und lasse meine Gedanken schweifen.

Für die erste Füllung habe ich eine zarte, filterlose Poker von Foundation by Musico vorgesehen. Da ich weder Mandoline noch Banjo besitze, erscheint mir eine Westerngitarre noch am geeignetsten für ein gemeinsames Foto. Ich knipse mit dem Handy wild herum, alle Fotos werden irgendwie schief, ich sollte mir etwas mehr Mühe geben und eine Kamera und ein Stativ verwenden, ausserdem wäre eine Fotoleuchte eine Bereicherung. Aber ich will den Tabak probieren und habe keine Lust.

„Wieso erwähnt er jetzt eigentlich schon wieder diese bescheuerte Mandoline?“, denkt sich vielleicht der eine oder andere Leser. „Was ist überhaupt eine Mandarine Mandoline und was hat die mit einem Tabak zu tun, der blaues Gras heisst.“ 

Nein, natürlich fragen sich unsere Leser so etwas nicht, schliesslich sind sie umfassend gebildet, weltoffen und in sämtlichen Musikstilen der Welt zuhause.

Ich erkläre es trotzdem, nur um mich wichtig zu machen und mit meinem Wissen zu prahlen. „Bluegrass“ nennt man eine Musikrichtung aus der amerikanischen Volksmusik – Country-Music. Benannt ist diese Mischung aus Hillbilly-Country, Blues und Swing nach der ersten Band, welche sich nach ihrem Heimatstaat Kentucky – dem Bluegrass State – „Bill Monroe and his Blue Grass Boys“ nannten.

Wikipedia erklärt mir, dass mit Bluegrass das von den nährstoffreichen Böden Kentuckys gesättigte, bläulich wirkende Gras gemeint ist. Soviel zum blauen Gras. Die vorherrschenden Instrumente des Bluegrass sind die Mandoline, die Fidel und das Banjo. Interessanterweise wird meist auf das Schlagzeug verzichtet, dafür schlagen die Begleitinstrumente einen sehr eingängigen und typischen Rhythmus.

Jetzt stürmen die Assoziationen oder? Das Kopfkino beginnt: Die Soggy-Botton-Boys singen in eine Blechdose, die Smokey-Mountains, der Appalachian Trail, selbstgebrannter Rye-Whiskey, Landwirte in karierten Hemden ohne nennenswerte Schulbildung, Allison Krauss, Earl Scruggs und die Grand Ole Opry … Na, also geht doch und jetzt schnell die Dose öffnen:

„Ketchup und Grass!“ 

Na ja, der Ketchup Geruch wird wieder vergehen, der ist halt typisch für die amerikanische Tabak Einweck-Methode, der Grasgeruch wird bleiben. Virginias hell und rot, eine kräftige Prise Perique und Dark Fired Kentucky verspricht der Hersteller Cornell & Diehl.

Ich höre etwas Alison Krauss, den Soundtrack von „Brother where are thou“, Dolly Partons legendäre Live-Show „Heartsongs“ aus ihrer Smokey Mountain Heimat und rauche dabei.

Ich geniesse diese Stunde der Muße und die gedanklichen Reise durch den Bluegrass State, aber der Tabak, ich bin etwas ratlos, nach was hat er noch gleich geschmeckt? Ich weiss es nicht.

Am nächsten Tag trifft sich wieder der Münchner Pfeifenclub in den Räumen am Gollierplatz, dorthin werde ich ihn mitnehmen, sollen sich doch die anderen mal dazu äussern.

Und das haben sie dann auch. Vier weitere Herren fanden sich neugierig auf diesen, nur in den USA erhältlichen Tabak, und wir kamen zu einem einstimmigen und eindeutigen Ergebnis:  „Er brennt“.