Tennessee Flake Tobacco

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1964 hörte ich zum erstenmal den Namen Tennessee, er wurde so schön besungen. Im BritPop Song (so wurde man ihn heute nennen) Tennessee Waltz der 1966 im Alter von nur 34 Jahren so früh verstorbenen Sängerin Alma Cogan. Ihre leicht rauhe, etwas kieksige Stimme machte aus dem Liedchen ein ganz schön aufreizendes Hörerlebnis. Das blieb selbst so, als man es ihr auch noch in deutscher Sprache verordnete. Somit wurde es sowohl auf der Insel wie auf dem Kontinent ein Hit. Mittlerweile weiß ich natürlich, das dieser Name nicht  eine der törichten, sinnbefreiten Schlagernamen ist, die für viel Nonsens in den 1950er und 1960er Jahren am deutschen Schlagerhimmel gesorgt haben: der Mond von Maratonga, die Fischerboote von Chichichabo oder der weisse Strand von Cachacarama und viele, viele mehr.

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Huber`s Amerika Linie -Virginia Flakes in vielen Geschmacksrichtungen

Als später dann der Tennessee Whiskey Jack Daniels -zwar nur kurzzeitig- die Neugierde des Älterwerden begleitete, bevor ihn die Islay, Joura und Orkney Single Malts Whiskies verdrängten, konnte ich Tennessee schon richtig verorten. Und so bereitet mir heute der Tennessee Flake Tobacco von Pfeifen Huber in München kein geopolitisches Fragezeichen mehr und es fällt mir auch relativ leicht, seine Zugehörigkeit zur Amerika Linie des Tobacconisten aus dem Münchner Tal zu erkennen.

Der Tennessee Flake gehört unverkennbar zur Familie. Allerdings wurde ihm die etwas stärkere Position verordnet und das stellt sich nach wenigen Zügen heraus: ein richtiges Schwergewicht unter den sogenannten English Virginia Flakes. Also nichts für den frühen Morgen.

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Wie auch bei den übrigen Flakes der Reihe wird zunächst einmal ein perfektes Tabakbild geboten. Die Flakescheiben, geschnitten auf die halbe Dosenbreite, liegen perfekt geordnet vor dem Raucher und ein erdiger Tabakgeruch -ohne jegliche Aromatisierung – strömt förmlich heraus. Die gepressten Scheiben, die eine ganz besonders feine Textur aufweisen, bestehen aus luftgetrockneten (air cured) und geräucherten (fire cured) Virginia Tabaken, denen ein dark-fired Kentucky hinzugegeben wurde. (siehe Methodik am Ende des Artikel).

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Die „Stangerl“ reichen für eine kleine Flake-Pfeife – hier die Jahrespfeife PUM 2010 von Poul Winslow

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Pfeife mit Flake Tabak zu füllen. Dem nicht ganz so geübten  Flakeraucher sei empfohlen,  1 bis 1½ Scheiben (je nach Pfeifenkopfgröße) in der hohlen Handfläche aufzudröseln und dann wie eine lose Mischung (Ready Rubbed) schichtweise in den Kopf zu geben, dabei leicht andrücken – unten lockerer als oben. Ich selbst verwende die ach so umstrittene und manchmal zu pipologischen Glaubenskämpfen führende Knick & Falt Methode, von der ich überzeugt bin, dass sie bei Flakes und Curlies den Tabakgenuß am besten zur Geltung bringt. Denn es glimmt immer die gesamte Tabakkomposition gleichzeitig und gibt so ihren ureigenen Geschmack ab. Ist der Tabak aufgedröselt und nicht wieder gut vermischt, brennen vielfach die einzelnen Komponenten. Und das schmeckt logischerweise anders. Eine Flakescheibe wird gefaltet und geknickt und einfach mit einer Drehbewegung in den Pfeifenkopf  „gewunden“. Obenauf einige wenige Brösel, damit die Füllung sauber und gleichmäßig angezündet werden kann. Zudem verwende ich kleine bis höchstens mittlere Pfeifengrößen für gepressten Tabak. So läßt sich der Rauchprozess besser kontrollieren (Hitze!) und man gelangt zu vernünftigen Rauchzeiten. Denn Flakes und Curly Cuts brennen um einiges länger, wenn der Raucher nicht gerade auf Durchzug steht. Zurück zum Tennessee Flake.

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Wie schon erwähnt, legt der Tennessee gleich so richtig los, man spürt die Stärke, die in ihm steckt. Das ist keineswegs unangenehm, gehen doch damit gleichermaßen beeindruckende Geschmacksnoten einher. Erdig-strohiger Virgina, eine leichte, natürliche Süße, ein ebenso leichter Anflug von Burley. Der erfahrende Flakeraucher wird langsam und damit relativ kühl rauchen, mehr atmen als ziehen (natürlich nicht einatmen!). Verglichen mit den anderen Mitgliedern der Amerika Linie sei die Bezeichnung „naturrein-dunkel in Rauch und Geschmack“ versucht, anders kann ich das Raucherlebnis nicht vermitteln. Dieses aber ist grandios. Für mich ein Sonntagstabak, den ich lagern und damit altern werde. Bin gespannt, wie er sich in 3-5 Jahren entwickelt hat. Vorab muß ich ein, zwei Dosen backen, dann erhalte  ich vermutlich eine Vorstellung davon, was mich später erwartet. Immerhin: Geduld ist eine Tugend und Hast dem Pfeifenfreund ohnehin ein Greuel.

Ein Hinweis ist notwendig: wer soeben beginnt, sich mit gepressten Tabaken, insbesondere Virginias, zu befassen, sollte den starken Tennessee Flake zwar lagern (altern!), aber zum sofortigen Genuß erst einmal den Dunhill Flake, Huber`s Virginia Flake, den Louisiana oder Honeydew Flake oder vielleicht etwas aus der großen Flake und Curly Auswahl bei MacBaren versuchen.


Methodik |  air-cured · fire-cured · flue-cured · dark-fired

Geernteter Tabak muß getrocknet werden. Es gibt verschiedene Verfahren, die zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen führen und somit dem Blender die Möglichkeit zu Varianten in den Mischungen verhelfen.

http://www.virginiaplaces.org/agriculture/graphics/burley.png

Air-Curing

Da ist zunächst einmal der “luftgetrocknete”, der air-cured, der in einem gut belüfteten Raum oder einer Halle, vor Sonne und Wind geschützt, in sechs bis 10 Wochen in die richtige Weiterverarbeitungskonsistenz trocknet. Dieser air-cured Tabak hat nur einen geringen, natürlichen Zuckergehalt und sein natursüßes Aroma ist sehr leicht, feststellbar in Geschmack und Duft. Allerdings ist damit ein relativ hoher Nikotingehalt verbunden.

Fire Cured Tobacco

Fire-curing

Bei der Anwendung des fire curing, genauer der “Beräucherung” des Tabaks, durchdringt der Rauch eines auf dem Scheunenboden nur ganz leicht glimmenden Feuers aus Hickory- oder Eichenholz die aufgehängten Tabakblätter. Auch hier ist der Zuckergehalt gering und ebenso wie beim air-curing entsteht hoher Nikotingehalt. Die Räucherzeit beträgt zwichen 3 und 10 Wochen.

Flue Tobacco

Flue Curing

Der flue-cured Tabak befindet sich in einem beheizten, geschlossenen Raum, in dem die Temperatur der Heizung allmählich erhöht wird, bis der Tabak völlig getrocknet ist und seine Farbe vom Ursprungsgrün in ein Gelb, Goldgelb, oder in Orange übergegangen ist. Der Vorgang dauert ungefähr 1 Woche. Ein hoher natürlicher Zuckergehalt und ein geringerer Nikotinanteil sind die wichtigen Ergebnisse dieser Methode.

 

 

Dark-fired Kentucky- oder Virginia-Tabake werden gleichzeitig einer Trocknung durch offenes Feuer und einer Beräucherung (fired cured) unterzogen.

 

 

Fotoquellen: Die 3 Fotos für die Methoden der Tabakaufbereitung sind der Webseite cigarettesreporters.com entnommen. Alle anderen Fotos © Bodo Falkenried · München

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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11 Antworten

  1. Von Alma Cogan hatte ich bisher noch nie etwas gehört und nachdem ich in Ihren Tennessee Waltz hineingehört hatte, wusste ich auch sofort, warum …
    Darf ich dem Autor und seinen Lesern bitte die Versionen von Eva Cassidy oder Otis Redding ans Herz legen!

    Noch besser gefällt mir allerdings der Tennessee Blues von Kris Kristofferson mit Rita Coolidge, aber dazu müsste man sich schon antiquarisch die Vinyl LP Full Moon besorgen, die aber insgesamt eine phänomenale Platte ist … und den Aufwand lohnt.

    • Das Dir der Tennessee Waltz von Alma Coogan nicht gefällt, liegt an Deinem allzu spätem Geburtsjahr …… und vermutlich an dem kratzigen Norweger, der Dir die Leichtigkeit beim genußvollen Hören des Liedes nimmt……

  2. Jetzt haben wir schon 3 von 4 Tabake der Huber-Flakes besprochen … mal schauen, wer sich an den St. Louis wagt … also ich bin raus!!

  3. …… verstehe ich nicht, wo Du doch seinerzeit so begeistert vom St.Louis gewesen bist. Aber in der Tat, das wäre mal ein Thema für einen furchtlosen, aufstrebenden, jungen Autor…….

  4. Stephan sagt:

    Servus Bodo,

    nachdem Du mir den Mund wässrig gemacht hast mit dem Review – leider habe ich es zu spät gelesen- mußte ich heute bei Huber ohne den Tabak wieder gehen. „Ist aus – kommt auch nicht mehr“ war die knappe Antwort. Als Trost hab ich mir den Louisiana Flake mitgenommen, den ich allerdings schon kenne.
    Von den anderen beiden USA Flakes (Maryland und St. Louis) nahm ich nach einer Geruchsprobe Abstand.

    Gruß
    Stephan

  5. Bodo Mauk sagt:

    Hallo Stephan,
    die letzte Dose habe ich vorige Woche mitgenommen. Der Louisiana Flake gehört zu meinen Lieblingstabaken. Nachdem du aus verständlichen Gründen die anderen beiden abgelehnt hast, bleibt nur noch der Virginia Flake, den ich ab und zu auch mal rauche.
    Gruß
    Bodo

  6. Kaum ist man ausnahmsweise mal nicht da, schon werden reihenweise Tabake „gehimmelt“. Was ist denn da los? Hat hier das schnoede Umsatzdenken zugeschlagen? Oder das Gesundheitsamt? Oder die Gruenen, einen Wahlschlager waehnend? Ach was, die anonyme Krake EU war es vermutlich.

    • Karl KJH Hirsch sagt:

      Also mehr kann ich wirklich nicht für Dich tun, Bodo F.

      Das Ende des Tennessee Flake war schon lange geplant, bei meinem letzten Besuch in München, und das ist schon ein Zeitl her, hat mich Jens Meyer auf meine Befundung, daß mir dieser Tabak zusagt, drauf aufmerksam gemacht, daß ich mir vielleicht besser eine zweite Dose dazukaufe, weil…tja, siehe oben.

      Meine Antwort fiel dann so aus, daß mir jegliches Hamsterdenken ein proletenhaftes Greuel bedeutet und ich mehr Freude am Gedanken habe, daß auch noch mindest ein anderer Raucher in den Genuß der letzten Dose kömmt.

      Nochmals „Tja..!“ :-D.

      • Edel sei der Mensch, hilfreich und gut ………

        Als ich den Artikel verfasst habe, war es der August 2016, da wußte ich nixen vom Ende dieses Tabaks und bin auch heute noch überrascht, welches Herrschaftswissen hier aufgebaut wird. Alle wissen es, keiner sagt mir was. Dann bleibe ich eben noch einige Wochen in Singapore, ätsch.

  1. 11. September 2016

    […] Pfeifen Huber, in München immerhin seit 1863 ein Tempel der glimmenden Genüsse, hat mit Tennesse, Louisiana, St.Louis, Virginia und Maryland fünf Flakes geschaffen, die sämtlich ihre […]

  2. 13. September 2016

    […] Capstan ist ein Virginia Flake, der aus verschiedenen flue-cured Virginias besteht, die bis zu 3 Monate gepresst und so fermentiert werden. Orlik und jetzt MacBaren verwenden […]

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