Peko Hamamotu – einmal hin und zurück

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Das ich mir keine handelsüblichen, auf einfachen Wegen und für Hinz & Kunz ebenso einfach beschaffbare Pfeifen mehr zulege, dürfte hinreichend und unwidersprochen bekannt sein. Das Volk der Dunhillianer, Bo Nordhs, Mickes, Moritzens, Nonnenbroichs und Axmachers habe ich längst in ihren Niederungen hinter mich gelassen und bewege mich in überhöhten Sphären.

Zur Taschengeldverminderung habe ich überlegt, in welchem Lande, in das nur wenige meiner Tabak&Pfeifen Freunde reisen, mal wieder eine interessante Pfeife zu erwerben wäre. Die Arktis schied aus, derzeit schlichtweg zu kalt und ausserdem schmecken die dort von den Inuit angefertigen Walpfeifen alle tranig, der letzte Pfeifenmacher auf Kiribati ist im vergangenen Dezember verstorben und seine pipologische Hinterlassenschaft im Bestattungsfeuer gen Himmel gefahren, der (einzige?) Sauerländische Macher soll sich seit Jahren in München versteckt haben, ist quasi abgetaucht. Also alles öde, öde, öde……

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Die Rettung kam aus dem Lande der aufgehenden Sonne. Der hochehrwürdige, in den 80ern stehende Hamamotu-San musste herhalten. Ergo flugs den Kulturbeutel gepackt und auf nach Kyushu. Wie bereits an anderer Stelle berichtet, ist es extrem schwierig, Zutritt zu ihm zu erhalten, nicht zu reden davon, ein Exemplar aus

seiner höchstens 5 Pfeifen umfassenden Jahresproduktion zu ergattern.

Peko Hamamotu war wie zuvor sehr angetan von der Tatsache, dass ich einige Tausend Flugmeilen hinter mich gebracht habe, um ein – nur absoluten Insidern bekanntes – Objekt zu erwerben. Er liess sich erweichen, mir eines seiner kostbaren und kostspieligen Artefakte zu übereignen. Nicht ohne die erbetene erneute Dreingabe des ebenso raren wir köstlichen Kyushu Plugs zu verweigern, den ich Anfang des Jahres noch erhalten hatte. Er murmelte etwas von Fukushima, Mazda und ähnlichen Katastrophen und davon, das die armen japanischen Familien bald keine wissenschaftlichen Studien mehr an Walfischen betreiben können, weil das Staatsziel der Ausrottung dieser Meeresschädlinge in Kürze erreicht sei und dererlei Widerwärtigkeiten mehr. Sei`s drum, dachte ich mir, dann nehme ich eben frischen Kyushu Wasabi mit…..

Nun bin ich wieder daheim und bewundere nicht nur mich selbst, sondern auch meine neue Hamamotu. Lapidarer Kommentar meiner Familie nach 4-tägiger Abwesenheit: ganz schön viel Holz für knappe 24 g Gesamtgewicht. Wie man`s auch nimmt – stimmt irgendwie.

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Nachsatz Oktober 2016: wie ich soeben erfahren habe, hat Peko Hamamotu sich völlig auf sein Altenteil zurückgezogen und stellt keine Pfeifen mehr her. Somit gehöre ich zu den weltweit letzten 5 Pfeifensammlern, die noch eine Hamamotu erwerben konnten.

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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6 Antworten

  1. Karl KJH Hirsch sagt:

    Zitat: „…ist es extrem schwierig, Zutritt zu ihm zu erhalten, nicht zu reden davon, ein Exemplar aus seiner höchstens 5 Pfeifen umfassenden Jahresproduktion zu ergattern.“

    Das erinnert mich stark an den Schmäh (business trick auf deutsch) Südtiroler Weinbauern, die ahnungslose Touristen spontan zu den seltenen wirklich sympathischen (sag Karele zu mir) erklären, um sie dann gaaanz ganz ausnahmsweise in ein Sonderabteil des Weinkellers zu locken, wo einige der letzten Flaschen Eigenenabfillung Jahrgang heuer minus fünf (der immer der beste ist, semm) herumstehen. Ohne Etiketten natürlich, denn das sind die teuersten. In Wirklichkeit im Eurospin gekauft und das Etikett entfernt.

    Trau ich mich natürlich nur, weil ich im gesamten Blog-Beitrag unverhohlene Selbstironie mitlesen zu können glaube.

    Die Pfeife gefällt. Nicht zuletzt, weil ich eine ähnliche von Vauen habe, allerdings glatt und richtig satte schwer, nicht so ein Lüfterl wie Deine, lieber Bodo. Außerdem haben die Nürnberger Kopierroboter die Sache richtig symmetrisch hinbekommen, der alte Hamamotu hat da gehörig gepatzt. Aber in dem Alter sieht man halt nimmer so gut. Deshalb hast Du die Pfeife auch bekommen, er hat Dich für seine japanische Tante gehalten.

  2. Jens sagt:

    Lieber Karl,
    zur Ehrenrettung des greisen Hamamotu muss ich allerdings anmerken, dass Bodo der Tante wirklich erstaunlich ähnlich sieht.
    Ergebenst
    Jens

    • Servus Jens,
      das merke ich mir. Unsere nächste Begegnung im nächtlichen Istanbul wird für Dich nicht mehr so angenehm und glimpflich abgehen. Obwohl: es hat mir immerhin meine derzeitige Lieblingskamera beschert………

        • Sony @6000 mit Zeiss Touit 32 mm + Zeiss Sonnar 55mm. Mittlerweile führt die Sony ein Rentnerdasein, da ich nur noch für den Blog fotografiere, Reisen dokumentiere ich nicht länger. Und da leisten iPadPro + iPhone 6s gleichwertiges und einfacher.

          • Ja, Ja – auch im hohen Alter lernt man weiterhin, sofern dieser Antrieb besteht. Bin wieder zurück zur Sony und setzte iPhone + iPad nur noch sporadisch ein. Es stellte sich halt kein Fotografiererlebnis ein. Im April war ich mal wieder an der Swedagon in Yangon/Myanmar und habe im Gegensatz zum Vorjahr nur mit der Sony fotografiert, fast die identischen 1000 Motive, wie auch bei den Gelegenheiten davor. Jetzt konnte ich vergleichen zwischen Fotostrecken von der Leica M7 (Summilux 1,4:50, iPad (12 MP, ff 1,8) und Sony @6000 (Leitz Touit + Sonnar). Vielleicht liegt es neben der herausragenden Technik von Kamera und den Objektiven vor allem an der sehr bequemen Handhabung, die der Leica haushoch überlegen ist: die kleine Sony ist wieder mein Favorit, vor allem auf Reisen. Myanmar Bericht kommt in Kürze, die Sommerpause ist (fast) vorbei.

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