Peterson 2017 Christmas Blend – es weihnachtet sehr …

PETERSON CHRISTMAS BLEND 2017Bei mir im Atelier, im Arbeitszimmer, überall weihnachtet es schon sehr und das schon seit ein paar Wochen. Also nicht so wie im Discounter, wo schon seit September die Zucker-Nikoläuse und Backtriebmittel-Spekulatien vor sich hin rotten, während andere noch den Polyester-Badehandtuch-Sale plündern, sondern so, wie es hier in der Stadt der Lebkuchen bei Westwind duftet, wenn die Lebkuchen Fabriken Weissella, Schmidt und Co, ihre Öfen anwerfen. Bei mir duftet es nach Früchten, Mandeln und Vanille.

Wie meine liebsten Freunde, Familienmitglieder und Kunstsammler wissen, beginnt für mich die Weihnachtszeit ja auch weit vor dem Dezember, denn ich arbeite auch dieses Jahr wieder viele Wochen an der jährlichen Holzschnitt-Weihnachtskarte.

Auch in diesem Jahr verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, unser Heiland ist auch diesmal in den verschneiten, heimischen Alpen zur Welt gekommen. Anders ist allerdings, dass meine Pfeifen einen ungeheuer weihnachtlichen Duft verströmen, während ich zeichne, hoble, schleife und schnitze. Nicht gerade Weihrauch und Myrrhe, aber doch so ein bisserl in die Richtung.

Eigentlich rauche ich keine Aromaten und Weihnachtsmischungen erst recht nicht. Allesamt sind sie zu teuer, nikotinlose Black Cavendish Rauchpappen in kitschigen Dosen. Warum ist das diesmal anders? Zunächst einmal muss ich anführen, dass ich als Mitbetreiber dieses Pfeifenblogs hin und wieder mit Testtabaken bedacht werde. Über manche hülle ich wohlwollend den Mantel des Schweigens, manche werden verschenkt und andere probiere ich und ab und zu lohnt sich der Aufwand des Herstellers und ich blogge darüber.

Atelier Alexande BroyAls ich das Packerl, welches unverhofft bei mir hereinschneit öffne, finde ich darin eine weihnachtliche Blechdose in rot, weiss und grün gehalten, wie auch sonst. Nach etwas Gerubbel und Gefummel und dem großzügigen Einsatz von Waschbenzin erkenne ich, diese Dose ist wirklich gelungen, blindgeprägt kein verblödeter Weihnachtsmann oder doofe Rentiere darauf. Schnee, Bäume, eine Schleife, sehr geschmackvoll, finde ich. Ich goutiere auch, dass es „Peterson Christmas Blend“ heisst und nicht etwa politisch verblödet „Holiday Blend“ oder „Jahresend-Blend“.

Ich öffne die Dose, innen ist ein Cellophan-Tütchen mit Goldsiegel. Auch sehr hübsch, ich breche das Siegel und auf einmal bereue ich, dies getan zu haben. All der wundervolle Geruch von frischem Holz, Farben, Latakia und Perique wird durch die Fensterritzen meines Ateliers nach aussen gepresst und eine Aromawolke süss und fruchtig übernimmt mein Hütterl bis in die letzte Ritze. Es schüttelt mich leicht. Dann wandert mein Blick über die Tabakfasern, die fest gepresst vor mir liegen. Sie sind rötlich, gelb mit braunen Flakestreifchen durchsetzt. Nichts ist schwarz, also kein Black Cavendish, vermute ich. Black Cavendish ist für mich der Schienenersatzverkehr des Pfeifenrauchers. Ich suche eine Meerschaumpfeife heraus – ich will keinesfalls ein gutes Holz mit diesen Weihnachtsaromen verderben – und fange an zu stopfen.

Peterson 2017 Christmas BlendIch zünde und bin erneut überrascht. Also weihnachtlich ist das streng genommen nicht. Leicht fruchtig, mandelig. Ich schmecke Honig, etwas Vanille, aber keine Lebkuchengewürze und vor allem der Rauch schmeckt satt und überhaupt nicht so schrecklich intensiv, wie die Dose, die ich sofort wieder verschliesse. Eigentlich sehr lecker. Ich rauche die erste Pfeife, arbeite weiter und stopfe mir die nächste. Wieder weiche ich vor dem Dosen-Geruchs-Flash zurück, aber auch die nächste Füllung schmeckt mir. Ich verlasse irgendwann mein Atelier und als ich wiederkomme, riecht es so wundervoll dort, dass ich betört an der Tür stehend verweile.

Peterson 2017 Christmas BlendAls ich mit angehaltenem Atem den Tabak genauer inspiziere, erkenne ich ordentlich viele Flake-Stückchen, lockeren Burley und Virgina loose-cut, welcher perfekt konditioniert ist. Auch hat der Tabak durchaus eine sättigende Stärke, er ist bei weitem keine Rauchpappe.

Was soll ich lange herumreden, ich mag ihn sehr und freue mich, mal etwas anderes in meinen Pfeifen zu haben und widmete diesem Tabak eine eigene alte Oldenkott. Aber auch in anderen Hölzern ist er schon gewesen und hat sie keinesfalls verdorben.

Ich werde ihn bestimmt die Weihnachtszeit über rauchen und ihn bei meinem nächsten Besuch in München bei Pfeifen Huber nachkaufen. 23 Euro für 100 Gramm erstklassigen Tabak, das ist nicht geschenkt, aber auch nicht überzogen und ausserdem ist doch nur einmal im Jahr Weihnachten.

Ach ja, danke, für diese Probedose.

 




Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake

Cornell & Diehl - Bayou Morning FlakeDen ersten Tabak, den ich aus meiner letzten USA-Lieferung geöffnet habe, war der Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake. Ihn habe ich in zwei verschiedenen Größen. Einmal die normale zwei Unzen und dann die Familienpackung mit acht Unzen. Die Große ist noch ungeöffnet, die nehme ich einmal in den Münchner Pfeifenclub mit. Dann bleibt mir vielleicht auch noch ein kleines Bröserl Tabak, nachdem die Pfeifen-Freunde sich in ihrer typischen Bescheidenheit die Probier-Giants gefüllt haben werden.

Bayou Morning Flake – A strictly VA/Perique blend with stoved VA presented in a broken flake.

Das steht auf der sehr schmucken Dose. Wir sehen einen Mann in einer Latzhose mit Strohhut und Pfeife, der auf einem kleinen Boot durch den nebligen Bayou stakt. Eine sehr hübsche Grafik, die mich auch ein bisschen an den FrogMorton von McClelland erinnert, da stagt auch einer wie ein Gondoliere für Arme durch den Sumpf. Die Dose ist wie viele amerikanische Tabake mit einem Vakuum Deckel mit Lasche verschlossen. Ängstlich nehme ich den Kopf zur Seite, ich erwarte eine Überdosis Ketchup-Geruch, wenn sich die Dose fauchend mit Luft füllt und ihr beissendes Aroma entlässt. Dieses spezielle Aroma, kann ich nicht ausstehen. Das ist fast so schlimm, wie Ketchup statt Preiselbeer-Marmelade ans Schnitzel gepresst. Meine Sorge war allerdings glücklicherweise unbegründet. Vorsichtig schnuppere ich am Tabak. Ein wenig dieser Prolo-Tomaten-Suppe kann ich vernehmen, aber auf keinen Fall sehr aufdringlich. Ich rieche Säure, aber die kommt eindeutig vom Perique und ich rieche Süße, vermutlich der Virginia, der aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen auf der Dose mit „VA“ abgekürzt wird.
Da mir bewusst war, dass ich eine Tabak-Rezension über den Bayou Morning Flake schreiben würde, versuchte ich eine Analogie zu finden, die genau diesem süss/sauer-Gemisch entspricht. Am ehesten würde ich ein Glas „Schlesische Gurkenhappen“ vorschlagen.

Bayou Morning Flake

Der Broken Flake ist so broken, wie man ihn sich vorstellt. Ein bisserl Platten und ein bisserl zerbröselt. Die Kondition ist perfekt, nicht trocken und nicht zu feucht. Ich habe die Dose inzwischen komplett geraucht. Mit Filter, ohne Filter und vor allem mit meinen selbst geschnitzten 6mm Balsafiltern, welche mir eindeutig das beste Raucherlebnis beschert haben. Keine Feuchtigkeit, kein Sottern, aber auch kein Aromaverlust. Die Flake-Scheiben lassen sich einfach in die Pfeife drücken, kein Falten, kein Stopfen kein Knicken, einfach rein.

Aber nun zum Geschmack. Sie werden es nicht glauben, es ist nahezu unvorstellbar gewesen, aber dieser Tabak hat meinen Lieblings-Virginia-Perique-Flake, den Huber Louisiana  von seinem Thron geschubst. Der Bayou ist noch cremiger, noch süsser und dabei noch prickelnder säuerlicher auf der Zunge. Wenn der Louisiana-Flake ein sehr guter Prosecco ist, dann ist der Bayou ein frischer, prickelnder fränkischer Winzer-Riesling-Sekt. Beinahe hätte ich behauptet in diesem Tabak ist Kohlensäure, aber tatsächlich, so fühlt es sich an. Temperamentvoll und doch dann so mild und wunderbar cremig (hier verlässt mich mein bescheuertes Schaumwein-Bild). Dieser Tabak ist wirklich ein Gedicht. Ich würde ihn insgesamt als mittelstark bezeichnen und er bleibt das von Anfang bis Ende.

Ich bin sehr froh, dass ich noch die große Dose habe und mein Freund Thomas, hat noch eine weitere im Gepäck, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt. Wenn Sie auch ein Liebhaber dieser Virginia-Perique-Mischungen sind und die Möglichkeit haben, diesen Tabak einzuführen, oder mitbringen zu lassen, tun Sie es, lieber Leser, Sie werden es sicher nicht bereuen.

Ob ich die anderen Tabake aus dem Süden, bereut habe, oder vielleicht noch besser fand, lesen Sie bald, hier in diesem Blog.

 




Tabake des Südens – Bayou, Cajun und Louisiana

Dass ich den Süden im Blut habe, hat vermutlich schon jeder hier mitbekommen. Damit meine ich natürlich nicht nur meine bayerische Herkunft, meine Liebe zu meiner Heimat München und ihrer Weißwurst. Ich spreche in diesem Zusammenhang von den Tabaken des Südens der Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt aus den Sümpfen Louisianas und speziell vom einzigartigen Geschmack des Periques. (Vgl.: FrogMorton und Huber Louisiana)

Mein Freund Thomas – der mit dem Ferienhaus in Florida – hat durch meine grenzenlose Bestellwut bei Smoking-Pipes inzwischen einen neuen besten Freund in USA gefunden: den UPS-Fahrer. 150 grammweise schmuggelt der Ärmste und seine leidgeprüfte Familie nun ständig meine Tabaksdosen nach Deutschland. In diesem Monat steht das Handgepäck von Thomas Familie unter dem Motto „Bayou und Cajun“. Schon allein um die Mühe meiner ehrenamtlichen Schmuggler- und Schleuserbande zu würdigen, werde ich Ihnen hier diese Tabake alle einzeln vorstellen.

Dies ist die Liste meiner Auswahl des feuchten Südens …

Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake
BriarWorks – Back Down South
Cornell & Diehl – Bayou Morning
Cornell & Diehl – Bourbon Bleu
McClelland – Royal Cajun: Dark

Bleiben Sie dran, es geht bald weiter … wie immer in diesem Theater Blog …




Fayyum Special Cake – so wertvoll wie ein kleiner Penzance ….

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-Tobacco

Reden wir zunächst Klartext. Zu diesem Tabak-Hersteller stehe ich in einer Geschäftsverbindung. Ich habe Etiketten entworfen, erstelle Katalog und Website, bin also befangen.
Diesen Tabak habe ich allerdings nicht zum Testen überlassen bekommen (das hat der Fayyum Cake gar nicht nötig), ich habe ihn auch nicht käuflich erworben (es gibt ihn ja so gut wie nie zu kaufen), Hans hat ihn mir auch nicht auf Grund besonderer Leistungen geschenkt (dazu müsste ich erstmal besondere Leis…)
Ich habe ihn einfach entwendet, geklaut, gestohlen, geplündert.
Und das kam so: Ich habe bei mir im Atelier eine große Kiste stehen. Darin ist von jedem HU-Tabak eine Dose. Die soll ich allerdings nicht rauchen, sondern für den Katalog fotografieren. Zu treuen Händen hat Hans Wiedemann von HU-Tobacco mir diesen Schatz anvertraut und ich verkommenes Subjekt habe nichts anderes im Sinn, als …Aber ich konnte ja praktisch gar nichts dafür! Niemals wäre mir eingefallen, dieses Vertrauen zu mißbrauchen. Aber ich musste doch diese Dose öffnen, um die Crumble Cake Riegel ablichten zu können. Und als ich den Deckel dann vorsichtig anhob, fand ich darin einen kleinen Zip-Lock-Beutel und den hätte ich ja schlecht fotografieren können, wie hätte das denn ausgesehen. Also musste ich den Beutel öffnen und die Crumble-Cakes heraus nehmen. Können Sie Sich diese Versuchung vorstellen, Euer Ehren lieber Leser? Dieser Duft! Dieses wunderbar fest gepresstes Stück Tabak in Händen zu halten, daran zu schnuppern und zu wissen, dass es leichter ist an eine Dose Penzance zu kommen, als an diese Kostbarkeit? Seien Sie ehrlich, wären Sie da nicht auch schwach geworden? Ich drapiere also diese hübschen kleinen Briketts adrett neben der Dose, richte das Licht ein und knipse ein paar Bilder. Würde es irgendwer merken, wenn ich mir eine winzige Scheibe abschneide? Auf meinen Schultern befinden sich plötzlich zwei kleine, leicht durchsichtige Gestalten, eine hellere mit Flügeln und eine rötliche mit einer Mistgabel und reden ununterbrochen auf mich ein. „Los, komm schon, das merkt kein Mensch!“, „Nein, das würdest du dir nie verzeihen …“ Sie kennen das?

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-TobaccoNun, was soll ich sagen, ich habe es getan und tue es gerade in diesem Moment wieder … Der Geist, das Fleisch, bei mir ist alles schwach. Sehen sie diesen Artikel als eine Art Selbstanzeige. Bereue ich? Nein, keinesfalls und ich würde es wieder tun, denn dieser Tabak hat mit dem Penzance mehr gemein, als nur die Nichtverfügbarkeit. Ich kenne keine Engländer der so sanft und cremig sind, wie diese Beiden. Nie habe ich Latakia so lieblich geraucht und dabei sind Unmengen davon in diesem Tabak. Kentucky, Black Cavendish, sowie eine Prise Fire Cured Kentucky sind noch enthalten. Ich bin nicht Peter Hemmer, ich kann das nicht herausschmecken, ich musste das nachlesen. Rauche ich den Penzance daneben, stelle ich schon Unterschiede fest, das ist nicht der selbe Tabak (zumal mein wie ein Augapfel gehüteter Rest, schon ziemlich trocken ist) aber sie sind sich in der Art ähnlich.

Es sind sanfte und ein wenig liebliche, englische Crumble-Cakes. Während der Penzance in einem winzigen Döschen kleine Scheiben enthält, die als Mottled Flake beschrieben werden, sind beim Fayyum-Cake wie vorhin schon erwähnt, zwei kleinen Riegel in eine Malerdose verpackt. Zu rauchen sind solche Tabake absolut problemlos, wie ein Flake, oder Plug nur nicht so dicht bzw. fest, werden sie locker in die Pfeife gestopft.

Esoterica PenzanceDass diese beiden Tabake so schwer zu bekommen sind, macht natürlich auch ihren Reiz aus. Gäbe es sie an jeder Tankstelle, wären sie uns dann so teuer? Bestimmt nicht. Warum Esoterica so wenige dieses Tabaks – und wenn dann auch nur in Übersee – verkauft, weiss ich nicht. Böse Zungen behaupten, die Verknappung sei Methode. Wenn bei einem der internationalen Tabakhändler ein paar Dosen auftauchen, dann sind sie innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Bei Hans Wiedemann bin ich mir jedoch ganz sicher, dass ihm solch ein hinterlistig, merkantiles Taktieren fremd ist. Der Grund für seine Lieferschwierigkeiten sind ganz anderer Natur. Er presst die Tabake selbst und in seine Presse passen einfach nur wenige Kilo Tabak hinein. Vier bis sechs Wochen muss der Tabak unter Druck reifen und das ist der Grund für die Knappheit dieses wunderbaren Engländers aus dem Ries. Wer keine Geduld hat, kann sich ja in DIY-Manier eine eigene Presse basteln und den normalen Fayyum selber unter Druck setzen …




Gawith & Hoggarth | Ennerdale Flake

Ennerdale Water, Ennerdale Lake, Ennerdale Bridge – der Name Ennerdale allein führt uns in den Lake District, ins Lakeland im Nordwesten Englands. Seen, Berge, Fichtenwälder – und zwei Tabakmanufakturen, die sich jüngst wieder unter einem Dach eingefunden haben. Unter dem Dach von Gawith Hoggarth & Co Ltd., einem Tabakproduzenten, der immerhin schon seit dem 19. Jahrhundert Tabak verarbeitet. Während die Produkte der älteren der beiden Marken, S.Gawith, in Deutschland erhältlich sind, muß man die Tabake von Gawith Hoggarth mühsam im Ausland organisieren. Schade eigentlich, denn im Portfolio von Gawith Hoggarth befinden sich so einige Preziosen, die einen näheren Blick – und einen Import durchaus wert wären.

Dose EnnerdaleEine dieser Preziosen ist der Tabak, um den es hier geht: der Ennerdale Flake. Ich glaube, es gibt wenige Tabake, über die ähnlich viel geschrieben wurde wie über den Ennerdale, den es übrigens nicht nur als Flake sondern auch als Mixture gibt. Selbst eine Plug-Version soll existieren… Dieser Ennerdale Flake ist sowas wie der Inbegriff des englischen Hocharomaten und als solcher legendär: legendär geliebt wie legendär verabscheut. Ein Tabak, der niemanden kalt lässt und der so extrem ausfällt, dass er wie nur ganz wenige Tabake extrem polarisiert. Man hasst ihn oder man liebt ihn – was dazwischen gibt es nicht. Ich liebe ihn. Aber das war keine Liebe auf den ersten Blick, ganz und gar nicht, sondern ein mühsames, langsam skeptisch beäugendes Anfreunden über Umwege, das letztlich in einer langjährigen und andauernden Affäre endete. So ein bis zweimal die Woche werde ich meinen Latakia-lastigen Alltags-Engländern und den Virginia/Periques untreu und genehmige mir eine Füllung Ennerdale Flake. Mit Hingabe und Begeisterung. Mehr wäre mir allerdings zuviel. Zuviel der Exotik, die dann keine mehr wäre.

Meine erste Begegnung mit dem Ennerdale Flake hatte ich vor gut 15 Jahren, als mir Cornelius Mänz ein Päckchen mit Tabakproben nach Rom geschickt hatte. Darin waren nahezu die gesamten englischen Aromaten von S.Gawith und Gawith Hoggarth in kleinen Plastiktütchen – das Aroma, das mir beim Öffnen aus dem Päckchen entgegenschlug habe ich noch heute in der Nase. Überwältigend. Unvorstellbar. Wie ein Pennäler in einem orientalischen Bordell fühlte ich mich damals. Und auch wenn ich schnell gemerkt habe, dass mir die meisten Flakes damals zu dicke Hintern hatten oder zu stark parfümiert waren, so habe ich mir doch diesen ersten wunderbaren Eindruck bewahren können. Und das, obwohl meine erste Begegnung mit dem Ennerdale Flake schnell beendet war: nach knapp einer Minute hatte ich fast panisch die Pfeife geräumt und die Flucht ergriffen. Sowas soll man rauchen können? Um Himmels Willen! Ich nicht. Fall erledigt! Pennäler halt…

Dose Ennerdale Packung EnnerdaleUnd jetzt kommen wir zu den Umwegen: Ich hatte mir einige Monate später eine Balleby-Bamboo Estate gekauft, die, wie sich kurze Zeit später herausstellte, aus der Sammlung eines lieben Pfeifenfreundes und Sammlers aus Ulm stammte, der damals fast nur Ennerdale rauchte. Der Verkäufer der Pfeife hatte entweder versäumt, die Pfeife komplett zu neutralisieren oder aber, was wesentlich wahrscheinlicher war, es war ihm schlichtweg nicht gelungen. Hier kommen wir zu einem entscheidenden Punkt: Ennerdale fordert eigene Pfeifen. Er „markiert“ geradezu die Pfeifen aus denen er geraucht wurde. Wenn mehrmals, dann unwiederbringlich. Die Folge ist ein deutliches Crossover mit allen anderen Tabaken, die daraus später geraucht werden. So war das auch bei meiner Balleby-Bamboo. Das Komische daran war nur, dass mir meine Latakias mit dem Ennerdale-Hintergrund recht interessant vorkamen. Ob sich da nun die orientalische Schönheit in ein schlichtes Schwarzes kleidete oder die schöne Alltagsbegleiterin ein orientalisches Parfüm auflegte, war einerlei: das Ergebnis war attraktiv und interessant. Und als mir der Ulmer Sammler, dem ich davon erzählt hatte, anläßlich seines Besuchs in Rom, einen Ziegel selbstgepressten Krumblekakes aus Latakia und Ennerdale mitbrachte, war ich glücklich. Von dem Tabak habe ich noch heute, er wird so einmal im Quartal geraucht. Mit allergrößtem Vergnügen. Nicht zuletzt war es dieser Tabak, der mir den Weg zum Ennerdale eröffnet hat. Das ist nun über zehn Jahre her und seitdem rauche ich Ennerdale als Seitensprung…

Was aber hat es denn nun mit dem Ennerdale auf sich? Wir neigen dazu, Tabake in ihren stilistischen Ausformungen gerne in Schubladen zu stecken, sie zu kategorisieren. Die Schublade, in die der Ennerdale gehört, nennt sich „englisch-seifig“. Ganz profan und deutsch nüchtern. Nur wirklich treffend ist das nicht, denn wenn man den Ennerdale raucht und versucht, ihn mit allen seinen Schattierungen wahrzunehmen, dann ist es eher ein gestandenes Parfüm, das man da so rauchend schwelgend vor sich hat. Der Ennerdale ist erstmal ein Virginia-Flake mit einem kleinen Burley-Anteil. Die Komplexität wird für den Tabak dadurch erreicht, dass hier verschiedene süße, mittelkräftige und volle Virginiasorten miteinander kombiniert worden sind. Diese liefern eine ausreichend charaktervolle Basis für das „Parfüm“, ein Aromenfeuerwerk, das seinesgleichen sucht. Der Ennerdale ist ein Hocharomat. Seine Aromatisierung ist heftig, keine Frage. Aber gerade in der Kombination von herausragender Tabakbasis und komplexester Aromatisierung ist er schlicht das archetypische Gegenmodell zu manchen hiesigen „erlesenen“ „Black-Cavendish-Rauchpappen“ und ihrer eindimensionalen Brachial-Aromatisierungen, die den Filter zu einem sensorischen Rettungsring machen, ohne den man unweigerlich untergehen müsste. Ausnahmen gibt es, auch unter den hiesigen Hocharomaten, aber sie sind eher dünn gesät. Selbst aromatisierte Tabake deutscher Provenienz, die diesen englischen Tabakstil adaptiert haben, vornehmlich aus Lauenburg, gibt es. Und gar nicht mal schlechte, aber die Komplexität etwa des Ennerdale Flakes erreicht meiner Meinung nach keiner.

Ennerdale FlakeDer Ennerdale Flake ist ein Tabak zum Rauchen ohne Filter. Dafür ist er gemacht worden. In einem Land, in dem man immer schon ohne Filter geraucht hat, und vermutlich in einer Zeit, in der es den klassischen 9mm Filter nicht gab. Auch das unterscheidet ihn von den meisten hiesigen Aromaten und das ist sicherlich kein Nachteil. Dieser Tabak ist kreiert worden um raffiniert zu sein trotz seines eindrucksvollen Aromenvolumens. Die Aromen, die beim Ennerdale zum Einsatz kommen, sind sehr vielschichtig, was es letztlich auch so schwierig macht, ihn zu beschreiben, denn er ist kein geradliniger Aromat mit ein oder zwei primären Aromatisierungen, sondern eher eine Komposition verschiedener Aromen aus diversen Ecken des Aromenspektrums. Und diese wiederum funktionieren in Kombination mit der eindrucksvollen Tabakgrundlage, die sich nicht in dem Hintergrund drängen lässt, sondern immer präsent bleibt: man hat nie das Gefühl, Aromatisierung mit einem Geschmacksträger zu rauchen sondern man raucht einen erstklassigen Tabak mit ebenso erstklassiger Aromatisierung! Tabak und Aromatisierung treffen sich hier auf Augenhöhe.

Ennerdale FlakeDas Tabakbild entspricht einem mittelstarken Virginia-Flake mit seinen hell-, mittel- und dunkelbraunen Farbschattierungen, wobei das dunkelbraune Blattgut deutlich in der Überzahl ist, was uns schon optisch zeigt, dass der Ennerale kein leichter Pfiffikus ist. In der Stärke würde ich ihn zwischem den hier erhältlichen Best Brown Flake und Full Virginia Flake (beide aus dem Hause S.Gawith) einordnen. Vielleicht näher am Full Virginia Flake als an ersterem? Im Gegensatz zu den Flakes von S.Gawith ist der Ennerdale aber immer vollkommen gleichmäßig in etwa zwei Millimeter dicke Flake-Scheiben geschnitten, was das Stopfen der Pfeife natürlich sehr erleichtert – man muß sich keine weiteren Gedanken über das Aufbereiten machen und auch der Abbrand ist völlig unkompliziert. Zumal die Feuchtigkeit, mit der der Ennerdale Flake ausgeliefert wird, unabhängig davon, ob er in der rechteckigen 50g-Dose oder in der 500g Triebtäterpackung konfektioniert ist, schlicht und ergreifend als optimal bezeichnet werden kann. Also einfach Stopfen und anzünden, ein Abtrocknen-Lassen braucht es nicht.

Öffnet man nun die Verpackung strömt einem schier eine Wundertüte an Aromen entgegen: erstmal etwas Vanille mit deutlichem Mandel-Marzipan, das wiederum mit einer Überdosis persischen Rosenwassers verfeinert wurde. Hinzu gesellen sich florale Töne, Duftgeranien mit ihren leisen Zitrusnoten nach Zitronen und Orangen und schließlich ein Hauch Gewürze, wie Zimt, Koriander und leicht pfeffriger Piment. Mit diesen Gewürzen ist das Quittenkompott eingekocht, das für einen Akkord Fruchtigkeit sorgt. Diese Duftnoten, die gleichzeitig auch Geschmacksnoten sind, verbinden sich nun mit der leicht malzigen und ebenfalls süßlichen Brotkruste der verschiedenen Virginias. Der kleine Anteil Malawi-Burley mit seinen schokoladig-nussigen Tönen geht allerdings vollkommen unter. Vielleicht unterstützt er etwas die Komplexität der Tabaksbasis, aber in erster Linie dürfte er hier seine Rolle als „Trägertabak“ spielen, für die er, neben Black Cavendish, berühmt wie berüchtigt ist. Letztlich ist der Eindruck, den der Ennerdale Flake vermittelt, ein bisschen, als ob sich ein raffiniertes, süßes arabisch/persisches Gebäck in ein rauchbares Parfüm überträgt und just dieses „Floral-Parfümige“ ist es, was mit „englisch-seifig“ beschrieben wird. Die Assoziation „Old Spice“, die man beim Ennerdale Flake oft lesen kann, trifft den Stil meiner Meinung nach nicht wirklich, obwohl die Richtung vollkommen zutreffend ist…

Was nun erstaunlich ist, das ist die Tatsache, dass der Ennerdale Flake all die Aromen, die er im Geruch ausbreitet, auch beim Rauchen des Tabaks in Geschmack umsetzen kann. Ich kenne keinen anderen Tabak, der sein Geruchsbild 1:1 in ein Geschmacksbild übersetzen kann. Der Ennerdale Flake schmeckt so, wie er riecht. Im Geschmack ist die Virginia-Basis immer präsent, nie wird sie von der Aromatisierung verdrängt, die ihren Geschmack auch wiederum bis zum Ende der Pfeifenfüllung konstant beibehalten kann. Der Tabak ist beim Rauchen sehr kontinuierlich im Geschmack, er verändert sich geschmacklich kaum. Lediglich ein wenig kräftiger wird der Ennerdale Flake zum Ende hin. In dieser Hinsicht verhält er sich so, wie sich ein klassischer Virginia Flake eben meistens verhält.

Zum Schluss nur eines noch und damit wären wir wieder am Anfang: So eine extreme Wundertüte muss man rauchen mögen. Viele mögen das nicht. Der Tabak ist extrem und polarisiert. Nichtsdestotrotz ist der Ennerdale der meistverkaufte Tabak von Gawith Hoggarth und einer der berühmtesten Aromaten der Pfeifenwelt. Zurecht wie ich denke. Kurios ist, dass ich etliche Raucher kenne, die eigentlich wie ich auch vorwiegend „englisch“ mit Latakia rauchen, nur beim Ennerdale hin und wieder eine Ausnahme machen… Erhältlich ist er innerhalb der EU in UK und seit kurzem auch in Italien, dort allerdings exorbitant teuer, ansonsten in der Schweiz und in den USA.




DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …




HU Tobacco | Foundation by Musicò NYALA

(AD) Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass die „Foundation by Musicò“-Reihe von HU Tobacco zum letzten Mal Zuwachs bekommen haben. Darum dachten wir, es ist mal wieder Zeit für was Neues, zumal wir seit längerem schon eine konkrete Idee für einen etwas ungewöhnlichen Blend im Kopf hatten: Havanna sollte es sein und nicht mit Latakia, wie dieser im Pfeifentabak seltene Würztabak meist kombiniert wird. Und ein Pfeifentabak sollte es werden – keine „Zigarre“ in der Pfeife. Trotzdem sollte der Charakter einer guten, würzig-erdigen und auch cremig-süßen Havanna noch ein bisschen mitspielen dürfen. Das war unsere Ausgangslage.

Angefangen hat es für mich konkret in Stuttgart, bei Schäubles „Rauchzeit“ im Weinberg, wo man von einem Mischmeister von K&K sich eine individuelle Mischung machen lassen kann. Genau das habe ich dort gemacht, nur um zu sehen, ob die Idee so grundsätzlich überhaupt funktionieren kann. Sie konnte. Und dann kamen die Telefonate mit Hans und die Beschreibung dessen, was ich da probiert hatte. Hans hat sich die Idee sofort zu eigen gemacht und angefangen, in gewohnt bewundernswerter Weise, seiner Kreativität Lauf zu lassen. Was ich dann zum Testen bekommen habe, schmeckte anders als das, was ich mir habe nach meinen Angaben mischen lassen: es war viel raffinierter und besser. Nach einigen Prototypen waren wir uns schnell einig, wie der neue Tabak sein sollte und jetzt, gerade noch rechtzeitig zur diesjährigen Pfeifenshow in Lohmar, können wir nun den „Nyala“ präsentieren.

Nyala DoseWie fast immer in der „Foundation by Musicò“-Reihe kommen auch im Nyala Tabake aus Afrika zum Einsatz, weshalb wir der „afrikanischen“ Namensgebung treu geblieben sind. Insbesondere die Burleys aus Südostafrika wären hier zu nennen, die dem Tabak eine schöne, leicht schokoladige Note verleihen. Red Virginia bildet die Basis, liefert Körper und Süsse. Die Würztabake sind Perique, der schon genannte Havanna und als kleines „i“-Tüpfelchen etwas Brasil.

Nyala TabakbildDie Struktur des Nyala ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit, was sich schon allein optisch niederschlägt: Das mittel- bis dunkelbraune Tabakbild besteht aus klassischen Ribbon Cuts, aus Ready Rubbed Flakes und aus Cube Cut. Der Nyala lässt sich leicht anzünden, brennt relativ langsam und lässt sich problemlos und kühl rauchen. Obwohl der Tabak komplex ist und einen voluminösen Geschmackseindruck hinterlässt, ist er nicht übermäßig stark, eher mittelkräftig, was den Nyala auch zu einem guten Allday-Tabak macht. Ich würde denken, es ist ein Tabak, der sich eher an die erfahreneren Raucher wendet, aber ich würde ihn ohne zu zögern auch einem Anfänger empfehlen, der einen vollen, naturbelassenen Tabak probieren will.

Geschmacklich dominieren breite, malzige Süße, dezente Bitterschokolade, die die Malawi-Burleys liefern, ein Hauch Pflaumenmus-Fruchtigkeit des Periques. Und dazu gesellen sich nun der Havanna und der Brasil, die dem Tabak eine stilistisch ähnliche Würzigkeit und Erdigkeit verleihen, wie es der Kentucky in Dunhills 221b Baker Street tut. Stilistisch – nicht geschmacklich! Das relativiert die große Süße und bringt im Hintergrund einen winzigen Hauch Karibik-Zigarre ins Spiel. Aber so wenig, dass sich auch Nicht-Zigarrenraucher ruhig an den Nyala herantrauen dürfen.

Der Nyala hält seinen Geschmack in all seinen Nuancen kontinuierlich bis zum Ende der Füllung, lediglich an Kraft legt er zum Ende hin noch etwas zu, während die Süße zugunsten der Würzigkeit in die zweite Reihe wechselt, aber ohne sich gänzlich zu verabschieden. Der Nyala raucht sich in allen Brennkammerformen gut, ich bevorzuge ihn aus Flakepfannen. Er wird zum Preis von Euro 20,60 (Stand Mai 2017) über die Seite von HU Tobacco zu beziehen sein.

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Hans, vielen Dank!




Blogger Relations? Neue Pfeifentabake rezensieren?

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeIch bin ja sehr gespannt, wie Sie – liebe Leser dieses Blogs – auf diesen, meinen neuen Beitrag reagieren werden. Ich könnte mir vorstellen – und ein Bisserl wünsche ich mir das insgeheim auch – , dass dieses Thema so sehr polarisieren wird, wie die Fragen: „filtern oder nicht“, „Zippo oder Streichhölzchen“ und ob Dunhills preiswerte Pfeifen sind.

Heute erreichte mich ein dicker Briefumschlag mit zwei Tabakpouches. Absender eine Kommunikationsagentur im Auftrag von MacBaren. Ein kleines Kärtchen lag dabei „Viel Spaß beim Probieren“

Na, bekommen die ersten schon Schnappatmung?
Werbung im Blog? Bezahlte Rezensionen? Redaktionelle Werbung! Gar Schleichwerbung!!!!

Also zunächst einmal haben die Herrschaften von Mac Baren und ihr Distributor Arnold André mit ihrer Agentur alles richtig gemacht. Sie haben mich als Impressums-Kontakt dieses Blogs freundlich und sehr zurückhaltend kontaktiert und höflich gefragt, ob sie mir Pressemitteilungen zu Produktneuheiten zusenden dürfen. Ich habe jahrelang selber Social Media Relations gemacht und bin offen für solche Anfragen, warum auch nicht, ich musste mich ja zu nichts verpflichten.
Nach längerer Pause kam dann die erste Pressemitteilung und ein paar Tage später sogar zwei Pouches zum Verkosten. Da stand jetzt NICHT: „Sehr geehrter Multiplikator, wir würden uns über eine sehr positive Rezension in Ihrem überaus reichweitenstarken Pfeifenblog freuen“, sondern lediglich und das auch noch mit Hand geschrieben: „Viel Spaß beim Probieren“

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeMir hat das Vorgehen gefallen. PR ist wichtig, Werbung nötig und der Umgangston war aus meiner Sicht genau getroffen. Blogger sind Zicken, dass wissen auch die Kollegen von der Agentur Headware.
Man könnte vielleicht sogar geschmeichelt reagieren, zeigt es doch, dass der Pfeifenblog im Mainstream angekommen ist, dass uns die „Industrie“ ernst nimmt. Ich nicht, ich kenne unsere Zugriffszahlen, ich weiss dass wir ein wichtiges Medium geworden sind. Wir sind der „Longtail“ der lange Schwanz der Nischenkommunikation. Wir haben keine Streuverluste, alle unsere Leser rauchen Pfeife, wir sind wichtig: Ist so, basta!

Also was ist nun zu tun? Ich finde wir sollten die Tabake rauchen, verkosten und auch eine Rezension über sie schreiben. Wir schreiben dauernd Rezensionen, das sind unsere wichtigsten Themen. Bisher haben wir allerdings alle Tabake, die wir besprochen haben, käuflich erworben. Wir haben das immer so gemacht, auch wenn uns Pfeifen Huber in München zum Beispiel, die eigenen Tabake auch jederzeit zur Rezension kostenlos überlassen würde. Wir bezahlen dort schon seit Jahren für unsere Rauchwaren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten. Warum sollte sich das ändern, nur weil wir jetzt Pfeifen-Blogger sind?

Aber das ist jetzt etwas anderes, diese „Verbindung“ entstand neu und auf einer anderen Basis.
Trotzdem haben wir jetzt ein Problem, denn anders als bei den Tabaken, die ich mir beim Huber im Tal oder anderswo kaufe und hier dann bespreche, habe ich mir diese beiden nicht selber ausgesucht.
Jetzt lese ich folgende Beschreibungen aus der Presseinformation:

Während bei der Amphora Special Reserve No. 2 feine Noten erlesener Kirschen Duft und Geschmack verfeinern, stehen bei der Amphora Special Reserve No. 8 exotische Früchte im Vordergrund.

Kirschen? exotische Früchte?“ da steht jetzt leider nicht: „kräftige englische Mischung mit rassigem Latakia“ oder „starker Virginiaflake mit einer tüchtigen Portion Louisiana Perique“ …

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeJetzt weiss ich natürlich, dass ungefähr 90% aller Pfeifenraucher aromatisierte Tabake bevorzugen, aber bei uns drei Autoren, ist keiner dabei. Weder Bodo, noch Peter, werde ich zu einer Rezension bewegen können, trotzdem hätte ich gerne, dass hier eine erscheint.

Ist das nicht eine tollte Gelegenheit, neue Autoren hier im Blog zu akquirieren?

Wer möchte eine Rezension über die beiden neuen Tabake von Mac Baren schreiben?

Ich wünsche mir eine faire und überparteiliche Rezension. Sie sollte von jemandem geschrieben werden, der gerne „Aromaten“ raucht, denn nur so, bekommen unsere Leser einen vernünftigen Eindruck diese beiden neuen Tabake.

Was meinen Sie lieber Leser? Haben Sie Lust die beiden Tabake zu rezensieren, oder sind Sie der Meinung, dass solche von Tabakherstellern angestossenen Beiträge, hier nichts zu suchen haben?

Bewerbungen, Zustimmung und wüste Beschimpfungen, wie immer in den Kommentaren …




Tabakdosen sind nur leere Hüllen …..

Mit zunehmender Tendenz werden Tabakdosen zu einem wichtigen Stichwort in zahlreichen Artikeln des Pfeifenblogs. Von vielen Tabakliebhabern beklagt, haben die Amtsschimmel in Brüssel, unterstützt vom Gewieher der bundesrepublikanischen, wieder einen Saustall erzeugt, dem des Augias nicht unähnlich. Nur kommt kein Herakles und sorgt für Ordnung, schwappt all diesen Bevormundungsunsinn durch einen von Wut angreicherten Strom davon. Das der Konsum von Tabak nur in Ausnahmefällen lebenserhaltend und gesundheitsfördernd ist, zählt heute zum Grundwissen. Auch die üblichen Halb- oder Viertelwissenden können sich nicht auf einen Mangel an Information berufen. Ähnliches aber gilt für das weitgehend volksverdummende Fernsehen, das den ungezügelten Verbrauch von Zucker, Placebo-Medikamenten, von Coca Cola und Junk Food und … und ….. staatlich subventioniert allabendlich unterstützt. Da hält sich der Staat mit Hinweisen auf mentale oder physische Bedrohung zurück, ist ja vielleicht auch schon zu spät. Für den überbordenenden, blindwütig staatlichen Regulierungsaktionismus ist die Tabaksdose ein einfaches Ziel, das per Dekret versenkt werden konnte. Überzeugend, wo es doch ansonsten keine anderen wichtigen Themen gibt, in denen sich Politik und Exekutive austoben könnten.

Nahezu die Hälfte der Fläche eines Etiketts ist ab 01.05.2017 für Hinweise auf die Gesundheitsrisiken durch Takakkonsum vorgesehen. Merkmale über die Geschmacksrichtung des Tabaks oder verwendete Komponenten dürfen nicht mehr aufgeführt werden, auch nicht beim Tabaknamen. Hersteller müssen reagieren. So heißt der allseitsbekannte Rum and Maple bereits R & M, Begriffe wie Cherry, Rum, Honey etc. sind gleichsam verboten. Ob dann bald meine bevorzugte Kirschmarmelade zukünftig nicht mehr so heißen darf und wegen des hohen Zuckeranteils als gesundheitsgefährend gekennzeichnet wird, bedarf zunächst der Einberufung einer parlamentarischen Expertengruppe unter der Leitung von Katrin Drönig-Eckwart, ein Widerspruch per se.

Zwar nicht mein Favorit, aber das hat er nicht verdient!

… es könnt so schein…..

Lassen wir das alles unbeachtet, denn bis heute hat wohl kaum ein Tabakliebhaber die bisherigen „Todesbanderolen“ je gelesen und den Zweck verstanden. Sie werden schlichtweg ausgeblendet und sind nur ein optischer Störfaktor, dessen inhaltliche Wirkung verpufft. Der wichtige, wenn auch meistens ohnmächtige staatsbürgerliche Widerstand rührt sich bereits durch intelligente, kreative Aktion, die unsere Bürokraten wieder einmal richtig vorführt.

Schmuckdose heißt das Medium und bald wird wohl jeder Tobacconist so etwas im Angebot haben. Rund- oder Viereckdosen mit schönen Etiketten, die – da der Todesaufkleber fehlt – das Auge des Geniessers zusätzlich erfreuen. Diese Behältnisse werden ohne Inhalt angeboten. Pfeifen Huber hat es bereits vor einiger Zeit mit den schönen München-Motiv Dosen vorgemacht und setzt jetzt noch eins drauf. Da z.B. zukünftig  die Huber Flakes in Runddosen verpackt werden, was den Gepreßten kaum zuträglich ist, gibt es ab sofort eine Rechteckdose mit einem schön gestalteten Aufkleber, frei von Hirnrissigkeit. Aber nicht nur bei Pfeifen Huber ist man kreativ. Allseits bekannte Künstler lassen es sich nicht nehmen, in die umwälzenden Geschehnisse einzugreifen. Da seine Stärken eindeutig in der Landschaftsmalerei zu finden sind, hat sich Pfeifenblog-Chef Alexander B. selbstlos in den Dienst der Sache gestellt und den delikaten Flanagan von HU Tobacco kurzerhand nach Helgoland verortet. Die kurze restliche Lebenszeit der Langen Anna wohl einkalkulierend, hofft er, das bald nur noch eine irische Küstenlandschaft beim Flanagan-Label vermutet wird.

50 g Flake Dose

100 g Runddose


Es gibt bereits postfaktische Berichte, die von einer neutralen Dose aus Silber von Sillems sprechen, die über eine APP-gesteuerte alphanumerische Digitalanzeige mit dem Namen der jeweiligen Befüllung, dem Feuchtigsgrad, der aktuellen Menge und des Preises (und mit alternative Bezugsquellen) aufwarten  soll. Programmtechnisch kein Problem, werden auch Zolltarife und Zolltarifnummern für die beliebten, preiswerten Eigenimporte zukünftig von der Sillemsdose berechnet.

 




Grand Orientals – Yenidje Highlander, Yenidje Supreme

McClelland schafft es, das 8. Weltwunder in der Tabakwelt zu bewerkstelligen. Fast allen Tabaken dieses namhaften US-Herstellers haftet ein unglaubliches Ketchup Aroma an, das den Raucher nach öffnen der Dose schier umhaut. Was bei Cornell & Diehl, dem anderen bedeutenden US-Hersteller,  z.B. beim GL Pease Unity Square als schierer Essigduft daherkommt, ist bei McClelland eine schwere Tomatensüße. Ich vermute, es ist Heinz Ketchup pur. Aber nun zum Weltwunder: ist die Dose ein paar Stunden geöffnet, hat sich der Ketchup ins Nirvana verflüchtigt und – das ist das Erstaunliche- überhaupt nicht im Tabak niedergeschlagen. Vom Prinzip her wie bei einer Geheimschrift, die sich nach kurzer Zeit verflüchtigt und unleserlich wird. Welcher chemische Prozeß bei McClelland da abläuft, bleibt wohl ein Geheimnis. Das gilt auch für die Grand Oriental Reihe von McClelland, die derzeit aus acht verschiedenen Mischungen besteht und meines Erachtens zu den besten Orientals zählen, unter denen Yenidje Highlander und Yenidje Supreme noch einmal herausragen. Allerdings gibt es für den geneigten Raucher außerhalb des Trump Anderwelt-Country die Hürden eines Imports zu überwinden. Ein lohnenswertes Vorhaben, ohne Zweifel. Irgendwo im Web habe ich vor einigen Jahren die Beschreibung eines englischen Reisenden über eine Fahrt mit der Bagdadbahn von Konya nach Aleppo gelesen, in der er ausführlich und anregend erzählt, wie er in einem bequemen Abteil den herrlichen Genüssen von Orienttabaken frönte. Leider finde ich den Text nicht mehr, aber den Yenidje Highlander verbinde ich seitdem mit diesem Bericht.

Heute stelle ich Ihnen den Yenidje Highlander (kleiner Anteil Latakia) und den Yenidje Supreme vor. Es macht Sinn, sich zuächst einmal die Tabaksorten der McClelland Orientmischungen und die geographischen Verhältnisse anzuschauen. Das gibt ein besseres Gefühl für diese (Orient)-Tabake, zumal seit der Blütezeit des Anbaus durch zahlreiche Kriege und politische Einwirkungen große Veränderungen -bis in unsere aktuelle Gegenwart – stattgefunden haben. Gravierende sehen wir nach dem Ende des osmanischen Reiches zum Ende des ersten Weltkrieges, als zahlreiche türkische Gebiete verlorengingen, die heute z.B. zu Griechenland  gehören. Das führte u.a. dazu, dass sich Begrifflichkeiten in ihrer Bedeutung zwar änderten, namentlich aber beibehalten wurden. Was wir heute vielfach als „Orienttabak“ benennen, war früher schlichtweg unter dem Sammelbegriff „Türkischer Tabak“ verzeichnet, dessen einzelne Tabake die Namen der Dörfer tragen, in denen sie angebaut wurden. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn es viele Orte nicht mehr gibt oder verschiedene Orte gleichen Namens existieren.  Als Orienttabak wurden u.a. Latakia (Syrien, Libanon, Anbau heute nennenswert nur noch in Zypern) oder persische Tabake betrachtet. Diese Verhältnisse machen es ein wenig schwierig, eine Terminologie zu verwenden, die unmißverständlich ist. So finde ich auf einer noch ungeöffneten 8 oz Dose der Balkan Sobranie Mixture den zwar richtigen, aber nur unpräzisen Hinweis „Blended with the finest Yenidje Tobacco“.

Dennoch kann man türkische Tabake in 4 grobe Gruppe einteilen, in die fast alle Sortenvarianten aufgenommen sind:

Basma
Sirdily – eine Variante des Basma
Basibali
Kabakolak – eine variante des Basibali

Da ist zunächst einmal die Region West-Thrakien in Nordgriechenland mit dem Anbaugebiet um die Stadt Xanthi und die Ortschaft Genisea, letztere ist Tabakfreunden bekannt unter ihrem türkischen Namen Yenice. Mit wechselhafter Geschichte und unter wirtschaftlich guter Entwicklung im Osmanischen Reich fiel die Region letztlich 1923 an Griechenland. Das berühmte Tabakblatt ist das Xanthi Basma, von dem es 2 Sorten gibt.: Basma Yaka als absolutes Spitzenblatt und als Variation das Basma Djebel. Beide Blattsorten haben einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, Yaka allerdings gilt als das höherwertigere Blatt.  Diese Blattsorten sind Bestandteil von Yenidje Highlander und Yenidje Supreme.

Der Kabakolak (Basibali) , Hauptbestandteil für den  Yenice Agonya wird heute am Marmara Meer in der Region Kanakhale angebaut, die wiederum zu Ost-Thrakien und damit zur Türkei gehört.

Die Sorte Drama, eine Variante des Kabakolak, Hauptbestandteil des Drama Reserve, stammt aus der griechischen Region Ost-Makedonien, (nicht zu verwechseln mit der eigenständigen Republik Makedonien,  als Abgrenzung  zu Griechenland auch als „ehemalige jugoslawische Republik Makedonien“ bezeichnet). Drama Reserve enthält keinen Latakia, sondern einen großen Anteil an Mahalla, eine Basma Variante, die hervorragende Brenneigenschaften hat und eine feine Süße in den Drama Reserve einbringt, ansonsten aber nahezu aromafrei ist. Mahalla wird angebaut oberhalb der Hafenstadt Kavalla, ungefähr 35 Km von Drama entfernt.

Aus dem Hinterland der Schwarzmeerregion in der Osttürkei stammen die Tabake für den Classic Samsun. Die Blätter des Samsun Maden-Canek sind schmal und dünn und zeichnen sich durch eine nußartige Süße aus. Wie bei allen türkischen Sorten, ist die Ernte zum besten Reifegrad enorm wichtig. Gerade in dieser Region haben sich die Tabakbauern zu absoluten Perfektionisten entwickelt, und das immerhin seit über 300 Jahren.

Um diesen Artikel nicht noch mehr zu überfrachten, lasse ich  Katerini Classic (Griechenland), Black Sea Sokhum (Georgien!) und Smyrna No.1 (nicht zu verwechseln mit diesem hervorragenden  Smyrna) außen vor. Die folgende Landkarte unterstützt meine Ausführungen.

Quelle: Google Earth

Yenidje Highlander – Latakia, Maryland, Oriental/Turkish, Virginia

Der McClelland Yenidje Highlander  ist eine mittelkräftige Oriental Mixture, die mit 2 verschiedenen Latakiasorten (Zypern und Syrien) sowie rotgoldenem Virginia und hellem Maryland abgerundet wurde. Die einzelnen Tabake haben unterschiedliche Schnittbreiten, die aber dem gleichmäßigen Abbrand nicht abträglich sind. Es dominiert der hochqualitative Xanthi Basma, der schon zu Zeiten der legendären Balkan Sobranies aus der Vor-Gallaher Zeit als der Oriental schlechthin galt. Das Format ist der Ribbon Cut.

Der Tabak riecht wundervoll samtweich und so schmeckt er auch, bis gut Zweidrittel der Füllung geraucht sind, dann flacht er -anders wie z.B. der Butera Pelican, mein bevorzugter Oriental, von dem leider nur noch „private“ Bestände erreichbar sind- deutlich durch das nachlassende Aroma ab und schmeckt dann ein wenig limonen-säuerlich. Erstaunlich ist, daß der im Geruch ohnehin verschwundene Ketchupduft nicht durch eine gesteigerte Säure bemerkbar ist. Ein grauer, feiner Ascherest verbleibt in der absolut trockenen Pfeife. Die Raumnote ist deutlich, aber angenehm feststellbar. Ein hervorragender Tabak, nicht zu kräftig, wenig Nikotin, bevorzugt zur nachmittäglichen Teestunde zu geniessen.

 

Tabak – (und Musik) Freund Robert [bertland], dem ich vor fast 10 Jahren die erste Bekanntschaft mit diesem Tabak verdanke:

[…..] der Sinn der Grand Oriental Serie ist es verschiedenes Orient-Blattgut vorzustellen. Das schmeckt dann eben auch nicht nach dem typischen „Latakia Engländer mit etwas Oriental“ sondern exotisch, süßlich. Vielleicht schon etwas für den experimentierfreudigen Raucher – aber wirklich einen Versuch wert.

Yenidje Supreme – Maryland, Oriental/Turkish, Virginia

McClelland nennt den Yenidje Highlander ohne Latakia Yenidje Supreme und gibt ihm das Prädikat “ The Queen of Tobaccos“. Das Format wird mit „Coarse Cut“ angegeben und soll im Vergleich mit dem Ribbon Cut einen etwas gröberen, kürzeren Schnitt bedeuten. In der Tat ist der Yenidje Highlander langfaseriger und feiner geschnitten. Der Verzicht auf Latakia bringt eine schöne Variante zustande und so ist denn der Supreme auch noch eine stärkere Hinwendung zur Zielsetzung der Grand Orientals, also noch mehr „reiner Orient“. Des Sultan`s Liebling? Wir wissen nicht, was der letzte ottomanische Sultan Mehmet VI. dazu gesagt hätte, der über weniger Angetraute gebot (7) als die Grand Oriental Serie an Tabaken hat (8).  Aber meiner ist er mitnichten.

Wie beim Highlander ist der milde Maryland nahezu neutral und fungiert lediglich als Geschmacksträger für den türkischen Hauptanteil und den Virginia. Die feine Milde ist denn auch das, was den Tabak so besonders macht. Mild, zurückhaltend und dadurch ein wenig zu flach. Leider hat McClelland sich zu wenig Mühe gegeben, um die Inthronisierung der angeblichen Queen of Tobacco zu rechtfertigen. Es stimmt zwar alles mit der Komposition, sie ist delikat ganz leicht süßlich und cremig, aber der fantastische „reine Orientduft“ im Raum scheint von einem anderen Tabak herzurühren. Ich vermute, das der Virginiaanteil zu hoch ist, dringt dieser doch im Geschmack stärker durch als der Xanthi.


Der Supreme brennt gleichmäßig, er bleibt kühl, verliert aber den Orientweg zunehmend, wenn er zum Ende kommt. Da ist der kräftigere Highlander doch zu favorisieren. Allerdings bleibt anzumerken, dass die Kritik sich auf einen wahrlichen Qualitätstabak bezieht und die Beurteilung nur im Vergleich zu anderen Tabaken der Grand Oriental Reihe zu werten ist. Im freien Feld der Mitbewerber spielt der Supreme -wie auch der Highlander- in der Oberliga.



Wer sich für das Ergänzungsthema über die Entwicklung des Libanon/Syrien interessiert und einiges über Handel, Gewerbe und Industrie (auch Tabakanbau) zum Ende des osmanischen Imperiums erfahren möchte, der sollte versuchen, das Sachbuch „The Long Peace, Ottoman Lebanon 1861-1920“ von Engin Deniz Akarli, University of California Press, 1993, aufzutun.
Ebenso: „A House of Many Mansions, The History of Lebanon reconsidered“ von Kamal Salibi, erschienen im gleichen Verlag.


Als weitere Quelle habe ich eine sehr aufschlußreiche Publikation aus dem Jahre 1912 benutzt, die auch Jens G. weiter unten in seinem Kommentar erwähnt. Sie wurde immerhin 11 Jahre vor dem Ende des Osmanischen Reiches (1923) verfasst und ist somit ein wichtiges Zeitzeugnis [click ins Titelbild]:

Turkish Tobacco – A Manual for Planters, Dealers & Manufacturers C.L. Constantinides, 1912