Tabac Benden | The Eagle

Von Bodo habe ich eine Dose Tabak geschenkt bekommen. Er wollte ihn probieren, aber er sei „nicht seines“, hat er gemeint. Da er weiß, dass ich solche Sachen, die er für völlig verzichtbar hält, manchmal ganz gerne rauche, bin ich also in den Besitz dieser Dose „The Eagle“ gekommen. „The Eagle“ ist die neue Mischung aus dem Hause Tabac Benden (Cigarworld) und es ist ein Tabak, der es in sich hat. „Es“ ist in diesem Fall eine satte Portion Aromatisierung! Ein „Hocharomat“ also ganz ohne Zweifel.

Und es ist ein Tabak, der auf dem deutschen Markt in dieser Ausprägung durchaus etwas besonderes darstellt und weit weg von jeder Beliebigkeit ist. Deshalb ist mir der „The Eagle“ unter den Tabaken von Tabac Benden, die ich bisher geraucht habe, auch der mit Abstand liebste. Das sei schonmal vorweg gesagt.

The Eagle

Dabei ist der Tabak eigentlich gar keine bahnbrechende Neuerfindung sondern eher eine recht gut gemachte Adaption von Altbekanntem: Hier grüßen die Lakeland-Aromaten laut über den Ärmelkanal herüber und das ist allein schon ein Verdienst, da die „Originale“ nie auf dem deutschen Markt greifbar waren.

Welche Originale? Das ist eine gute Frage, denn der „The Eagle“ setzt sich hier ganz attraktiv ein bisschen zwischen die Stühle. Riecht man an der geöffneten Dose, dann kommt einem sofort die komplexe und blumige Aromatik des G&H Ennerdale in den Sinn. Und das Ganze auch noch ziemlich authentisch, also nicht ein bisschen als eine eingeschlagene Richtung, sondern wirklich direkt, satt, fast überbordend! Und absolut überzeugend!

The EagleEntzündet man den „The Eagle“, was vollkommen problemlos ist, denn im Gegensatz zu den Originalen ist der Tabak eine klassische Ready Rubbed Mixture mit optimaler Feuchtigkeit und nicht ein Flake oder Plug, dann sieht die Sache schon nicht mehr so eindeutig aus. Denn zu dem Aromenpotpourri des Ennerdale gesellen sich die Backwerk- und vor allem die Patchoulinoten von S.Gawiths RB-Plug. Man könnte es also auch ganz kurz auf den Nenner bringen: aus zwei mach‘ eins! Das funktioniert erstaunlich gut, auch weil es perfekt balanciert ist. Hier hat man bei Kohlhase & Kopp, wo der Tabak gemacht wird, einmal mehr herausragend gute Arbeit geleistet.

Nun muss man anmerken, dass – neben der einzigartigen Aromatisierung – die große Stärke der Lakeland-Aromaten immer die Tatsache ist, dass man konsistent schmeckbar eine herausragende Virginia-Basis hat, die nie vom hohen Mass an Aromatisierung erschlagen wird. Das ist immer die Achillesferse deutscher Hocharomaten (gewesen) und es stellt sich natürlich die Frage, wie das beim „The Eagle“ umgesetzt ist?

The Eagle

The Eagle mit einer seltenen sandgestrahlten Baldo Baldi Liverpool, eine meiner „Ennerdale-Pfeifen“

Ganz offensichtlich hat man bei der Komposition der Mixture auch daran gedacht, was man sofort schmeckt, wenn der Tabak so vor sich hin glimmt. Allerdings funktioniert das nicht ganz so gut wie beim Ennerdale oder RB-Plug. Merkt man am Anfang keinerlei qualitativen Unterschied hinsichtlich der Tabakbasis, so finde ich doch, dass sich nach der ersten Hälfte der Füllung hier – in Maßen – ein gewisser Leerlauf einstellt, der die Tabakbasis bei immer präsenter Aromatisierung zwar nicht verschwinden, aber doch etwas matt werden lässt. Ich glaube aber, dass dies nicht der offensichtlichen Qualität der verwendeten Tabake geschuldet ist, sondern der Tatsache, dass es sich beim „The Eagle“ eben um eine Mixture handelt, die einfach andere Abbrandeigenschaften hat als ein Flake oder Plug und sich gerade an diesem Punkt die Vorteile der „originalen“ Darreichungsform bemerkbar machen.

Alles in allem ist das aber ein Jammern auf hohem Niveau, denn der „The Eagle“ von Tabac Benden ist ein Tabak, der dem Liebhaber von Lakeland-Aromaten absolut Freude machen dürfte und dieser Stilrichtung aufgrund der jetzt einfachen Verfügbarkeit hoffentlich zu mehr Verbreitung unter den Freunden von Aromaten verhilft…

5 Antworten

  1. Paul Kirbis sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Beitrag!

    Ich habe dem nichts hinzuzufügen, außer, dass ich ebenfalls eine Flake Variante interessanter fände. Nun hat ja K&K die Pressen von Planta erworben und restauriert – somit stünde dem nichts mehr im Wege…wäre mal einen Tipp an Benden wert, sofern sie darauf noch nicht selbst gekommen sind….

  2. Falkenried sagt:

    Das mit der kritischen Einstellung zu aromatisierten Tabaken hat wohl mit der Tabak-Sozialisierung durch meinen Großvater zu tun, für den die Latakia-Orient Dunhills das Maß aller Dinge waren und der Rest „holländische Süßkrammelange à la Niemeyer und Douwe Egberts.“. Für ihn gab es auch in den 1960er Jahren noch Flandern und Brabant und Belgien kam nicht vor. Lag wohl alles an der unmittelbaren Nähe zur Grenze und viele Verwandte somit Flamen waren, heute natürlich Niederländer.

    Ich weiß, dass mir sicherlich einiges an wohlschmeckenden Tabaken entgeht, aber die konstante Weigerung, alles was „süß“ riecht zu meiden, hat mich auch vom Eagle ferngehalten. Es gibt immer wieder äußere Bestrebungen, mich mit eigentlich überzeugenden Argumenten zum gelegentlichen Genuß von RB Plug und Ennerdale zu bringen, allein – ich kann mich nicht überwinden. Und so erging es dem Eagle, ein kurzes Öffnen der Dose (ein sehr ansprechendes Tabakbild) und zack, Deckel wieder zu.
    Eine so tiefgründige und wissensbasierte Betrachtung wie die des Autors der Rezension hatte ich mir sogleich erspart und wußte: diesen Tabak kann ich gar nicht testen und beschreiben, da kommt nur dummes Geschwurbel heraus, ich sage nur Apelles und Schuster.

    Ergo habe ich mit Genuß dieses Review gelesen, das wieder einmal aufzeigt, was mir bei sorgsam gepflegter Sturheit vielleicht doch entgehen könnte. Na ja, es naht in zwei Tagen der Freitags-Club der Münchner Runde ….
    Zwar besitze ich keine Ennerdale-Pfeife, aber ich nehme eine alte Lincoln mit (Werbung aus den 1970ern: „Der Mann, der Lincoln raucht“), die wohl für nichts anderes taugt.

  3. Günter sagt:

    Hallo

    Ich habe mal vor Jahren einen Tabak erstanden dessen Namen ich leider vergessen habe.
    Auf der Verpackung war ein mann im weißen anzug mit strohut und banjo.
    Ich glaube es war ein reiner Virginia.

    • Falkenried sagt:

      Und die Frage ist?

      http://pfeifenblog.de/wp-content/uploads/2023/01/JBR-Adventure-1.jpg

      Womöglich meinst Du diesen Tabak von John Brumfit & Radford (JBR), die stellen vorrangig Virginia-Zigarettentabake und Schnupftabake her. Habe den Adventure (Burley, Oriental, Virginia, wenn ich richtig erinnere, stellte sich auch als eines heraus) vor Jahren mal in der Bretagne in einer Proviant-Bar gefunden, aber wegen völliger Untauglichkeit nach ein zwei Pfeifen gleich im Meer versenkt. Kann sogar noch die Positionsdaten aus dem Logbuch wiedergeben:

      ♁48° 51′ N, 3° 0′ W

    • SM sagt:

      Ich denke der hieß ‚adventure‘ oder ‚jbr adventure‘; interessanter weise findet man dazu gar nichts im Netz.
      Aber du hast in deinem Post keine Frage gestellt 😉

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