Samuel Gawith | Golden Glow

Wir Pfeifen-Blogger sind schon ein bienenfleissiges* Volk, wir sammeln, rauchen und schreiben unermüdlich. (*Für die jüngeren Leser unter euch „bienenfleissig“ ist eine altertümliche Metapher aus der Zeit als noch gestreifte Insekten von Blüte zu Blüte geflogen sind, um Honig zu sammeln. Die wurden von Julia Klöckner und dem Bauernverband mit Glyphosat ausgerottet).

Kein noch so seltener, exotischer oder mauerblümchiger Tabak wird ausgelassen. (mauerblümchig ist gar keine richtige Adjektivbildung, ich wollte nur mal wieder was mit Blumen und so … wegen den Bienen … ist halt etwas verunglück…)
Golden Glow
was für ein faszinierender Name, er klingt nach Sonnenaufgang, nach gleissendem Licht nach Leucht- und Strahlkraft. Mal wieder ließ ich mich von dieser Attitüde blenden und erklärte mich für ein Tabak-Review zu diesem, mir bis dato unbekanntem Tabak von Samuel Gawith, bereit. „Broken Virginia Flake“ klingt nämlich gar nicht so verkehrt, dachte ich.

Öffnet man die rechteckige Dose mit der angedeuteten gelben Sonne, dann fällt wie bei allen neuen Samuel Gawith Tabaken die hochproffessionelle Verpackung auf. Ein schwerer Pappendeckel mit Eingriffslöchern presst den Inhalt der Dose fest zusammen. Mit etwas Kraft kann man ihn entfernen und entdeckt einen perfekt konditionierten und bretthart gepressten Tabak.

Wenn ich ein Tabakreview schreibe, dann bereite ich mich streng nach der Lee-Strasberg-Methode darauf vor. Das ist eine Art Method-Smoking. Ich vertiefe mich so sehr in den Tabak, dass alles Sein um mich herum ausgeblendet wird. Ich lebe nur noch in der Idee dieses Tabaks, dass ich selbst quasi dieser Tabak werde. So glühte es in meinem Leben gülden wie auch ich selbst. Ich lief im goldenen Herbst unter einer goldenen Herbstsonne durch einen golden glühenden Wald. „Golden Glow“ rauchend stand ich vor meiner Staffelei und malte von einem inneren Glühen erfüllt diese Herbststimmung. Ich wählte sogar einen goldenen Rahmen für mein Bild.

Als ich die Dose öffnete hatte ich noch den Geruch des trockenen Grases im Herbstlicht in der Nase und roch auch genau das:
Trockenes Gras!
Wenn man sich ein wenig Mühe gibt, kann man auch das eine oder andere Wildkräutlein erahnen. Ein winziges kleines Aromamolekül von einem verdorrten Blütenkelch.

Kommt mir jetzt bloß nicht mit den „heuigen Noten des Virginias“. Ich treibe mich ständig auf Almen herum, habe lange in der Landwirtschaft gearbeitet, ich habe Tonnen von Heu gemäht und mit der Mistgabel an Kühe verfüttert. Heu riecht wundervoll aromatisch. Unzählige Aromen aus tausenden Kräutern und Almblumen. Ein frischer Heuballen ist eine Aromabombe.
Das hier ist trockenes Gras!
Der Tabak ist in einem perfekten rauchbaren Zustand. Ich reisse ein paar Stränge aus der hochverdichteten Dose, fülle meine Pfeife, zünde (natürlich mit einem  goldenen Dunhillfeuerzeug) und schmecke, taste den Rauch mit der Zunge ab, lasse ihn ein und ausströmen durch mein golden glühendes Wesen und schmecke: trockenes Gras!

Inzwischen habe ich die halbe Dose geraucht, meine goldene Aura hat sich zurückgebildet und das gewohnte schwarze Gewitterwölkchen über meinem Haupt ist wieder da. Qualitativ ist dieser Tabak sicher hervorragend, er schmeckt vom ersten bis zum letzten Zug nach trockenem Gras, verliert auch niemals diesen Geschmack (nach trockenem Gras) und bleibt bis zum letzten Zug – langweilig.

Irgendwann habe ich begonnen ihn nur in Pfeifen mit sehr starkem „Gosting“ zu rauchen. Pfeifen, die ich mir mit fragwürdigen Aromabomben versaut habe. Dunhills aus denen seit Jahrzehnten nur Balkan geraucht wurde. Flohmarktpfeifen, die nach feuchtem Keller stanken. Und immer habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, wenn ich irgendetwas von diesen Geistern schmecken konnte. Irgendwann hatte ich sogar in einem Anfall von Hypochondrie die fixe Idee ich könnte mit Covid infiziert sein und hätte meinen Geschmacksinn verloren. Aber ein Schluck Marille, überzeugte mich vom Gegenteil. Meinem Geschmack geht es gut, nur der Tabak hat keinen.

All die Pfeifen in denen ich den Golden Glow geraucht habe, sind übrigens jetzt völlig frei von jeder Form von „Crossover“ oder „Gosting“. Dieser Tabak ist die perfekte Reinigung. Ist man früher mit Salz/Alkohol, Whisky oder 99% Ethanol diesen stinkenden Rauchhölzern zu Leibe gerückt, so ist das jetzt mit einer Füllung dieses Broken Virginia Flakes getan.

Fazit: Der perfekte Tabak zur Pfeifenreinigung oder für Liebhaber von Trockenem-Gras-Geschmack, denn die soll es ja angeblich auch geben.


 

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