Samuel Gawith Brown No. 4 – delikater Dreh

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Wer -wie ich – gelangweilt ist von den bei vielen Rauchern just wieder aufkeimenden Frühlingsgefühlen für die nächste „Versuchsanordnung“ der vermurksten K&K Nachfolge für die derzeit eingestellten Dunhill-Legenden, findet genügend interessantere Tabake bei unseren deutschen Fachhändlern. Allen voran bietet neben HU-Tobacco und Pfeifen Huber der Traditionshersteller Samuel Gawith mit seinen Lakeland Tabaken eine fantastische Palette von Plugs, Flakes,Twists und Blends, deren intensive „Durchforschung“ mehr Sinn macht, als sich drögen Vergleichen von Substituten zu widmen.

Samuel Gawith (SG) feiert in kleines Revival, da viele Tabake, die es bisher nicht in Deutschland gegeben hat, offensichtlich nach der Wiedervereinigung der cumbrischen Ur-Tobacconisten Samuel Gawith und Gawith & Hoggarth plötzlich erhältlich sind. Nach dem kürzlich hier vorgestellten KC Flake nun eine weitere Besonderheit, der Brown No. 4, einer der seltenen Ropes oder Twists. Ein naturreiner Schmackofatz von außerordentlicher Beschaffenheit.

Im Untertitel nennt SG den Brown No. 4 „ Kendal Twist„, Ausdruck seines besonderen Formats. Wie ein Seil werden verschiedene Tabake in Handarbeit zu einem gar nicht so streng geflochtenem Strang gesponnen und dann bis zu vier Wochen in der Presse gelagert. Der Druck allerdings ist nicht mit dem für Flakes zu vergleichen, denn der Twist bleibt – einer Zigarre ähnlich – relativ weich. SG verwendet für den Kendal Twist – klingt das nicht anregender als das profane Brown No. 4 ? – einen mittelbraunen dark fired Virginia, dem nussiger Burley hinzugefügt ist.

Obwohl ich mich von Zigarren fern halte, erinnert mich der Twist an ein solches „Rauchgebilde“, das mir zunehmend an den freitäglichen Clubtagen der Münchner Runde begegnet. Nur tritt er nicht so akkurat auf. Und was immer man an anderer Stelle lesen kann: nein, nein und nochmals NEIN, er hat bis auf das Format aber auch gar nichts mit diesem fürchterlichen Twist gemein, dessen Name nicht genannt werden darf, wie mein Freund Harry sagen würde. Stark allerdings ist er wie dieser und damit, sowie auch durch das Format, nicht gerade ein Tabak für Raucheleven.

Der Doseninhalt soll 50g betragen und das ist wohl nicht immer genau von der „Prinzenrolle“ herunter zu schneiden, deshalb liegen ein ein paar wenige lockere Abschnitte bei. Geschnitten wird der Twist mit dem bekannten Vintage Forum Cutter, einem Opinel oder scharfem Taschenmesser. Die Stärke der Scheiben sollte denen eines Navy Rolls oder Escudo entsprechen.

Mit Knick&Falt die Pfeife befüllen. Der Twist glimmt sofort und verbreitet einen erdigen, nussigen mit ganz leichter Virginiasüße versehenen Geschmack und Duft. Wenn man von einem naturreinen Erlebnis sprechen will, dann jetzt. Ein Tabak wie aus dem Bilderbuch, optisch und geschmacklich. Da stört nichts an irgendwelchen zusätzlich hinzugefügten flavours oder casings, das ist überwältigend.

Der Brown No.4 brennt sehr gleichmäßig, erfordert aber Ruhe und Gelassenheit. Seine Stärke nimmt ab der Hälfte erheblich merklich zu und das ist auch das einzige Manko. Also beileibe kein Alltagstabak oder einer für Einsorten-Raucher. Für den Virginia Liebhaber aber ein Highlight und sei es als Sonntagstabak.

 

Samuel Gawith Brown No.4
Kendal Twist
50 g Rechteckdose

im gut sortierten deutschen Fachhandel und hier.


 

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Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Unternehmer, Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer an Feuer & Herd. Email an den Autor

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2 Antworten

  1. Avatar Erno Menzel sagt:

    Tja, ich mag sie beide, den Kendal Twist aber auch den, dessen Name nicht laut ausgesprochen werden darf. Beruhigend, dass heute noch jemand das schöne Wort „Schmackofatz“ kennt und auch benutzt. Potzblitz!

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