Drucquer & Sons – Blairgowrie, Scottish Blend

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Über die dem Mythenreich entronnen Tabake von Drucquer & Sons haben wir bereits hier berichtet. Zwischenzeitlich sind weitere Lieferungen bei mir eingetroffen, so daß ich endlich das gesamte Sortiment horte. Das versetzt mich in die komfortable Lage, meine Raucherlebnisse mit den einzelnen Tabaken sukzessive zu schildern. Sicherlich wird unsere kompetente Leserschaft das große Opfer und den Σίσυφος-anten Aufwand erkennen und durch möglichst gewogene Kommentare belohnen. Ich beginne mit dem Blairgowrie.

Der Blairgowrie ist ein typischer, kräftiger Scottish Blend. Die Komponenten sind ein reifer und gealterter Virgina, abgemischt mit Perique, verschiedenen Orient Tabaken und einer „Prise“ cypriotischem Latakia. Ein casing oder flavouring wird nicht verwendet, ergo liegt uns eine naturreine Mischung vor. Der so zusammengestellte Blend wird zunächst zu K(c)akes gepresst und zwecks weiterer Reife einige Monate gelagert. Anschliessend in Scheiben geschnitten und diese dann vollständig aufgerieben (fully rubbed). Dieses Format sorgt für den kräftigen Geschmack, aber auch für einen hervorragenden gleichmäßigen Brand.

große Bulldog von Former (Hans Nielsen), gefertigt 1985, Erstbesitz

Die Schnittbreite der Tabakkomponenten ist nahezu gleich, das gilt auch für die Schnittlänge, der Schnitt selbst ist kaum feststellbar feiner als z.b. beim Dunhill Ready Rubbed. Dadurch läßt sich die Start-Pfeife – hier eine Former Bulldog aus dem Jahre 1985 – einfach und perfekt befüllen. Das Anzünden ist ein Kinderspiel. Ich habe die Dose eine Nacht lang geöffnet stehen lassen, um eine optimale Konditionierung der Mischung zu erhalten, die mir nach öffnen des Pull-Deckels ein wenig zu feucht erschienen ist.

Ein sehr schönes, ausgewogenes Tabakbild

Nach wenigen Minuten gleichmäßigen Rauchens kann ich feststellen, dass sich um einen leicht- bis mittelstarken Blend handelt, der ein hervorragendes, breites Geschmacksbild erzeugt. Eine leichte Virginiasüße ist die Grundnote, der Perique sorgt für Kraft und Tiefe, lediglich der Latakia ist ein wenig schwach auf der Brust. Aber schliesslich ist der Blairgowrie ein Scottish- und kein Latakia Blend. Raucht der Geniesser langsam, so glimmt  der Tabak sehr gleichmäßig. Auffallend – auch das ein Gütezeichen für das außergewöhnlich gelungene Blending von Altmeister GL Pease – ist das Ausbleiben von Geschmacksspitzen. Der Blairgowrie verhält sich von Anfang bis zum kondensatarmen Ende wohltuend angenehm, aber es ist beiliebe kein beliebiger, sondern ein charaktervoller, eigenständiger Tabak, der den Beschaffungsaufwand unbedingt lohnt.

Fazit: ein Tabak, wie aus dem „Bilderbuch“. Mittelkräftig, mit vollem, naturreinen Geschmack, der Liebhabern von Virginias und Orientals gleichermassen munden wird. Die augenscheinlich sorgfältige Bearbeitung über den gesamten Herstellungsprozeß schafft eine Qualität, die für den geneigten Raucher den angestrebten zurfriedenstellenden Genuß verschafft. Jedenfalls ist das mein Eindruck.

 

Druquer & Sons Ltd “ Blairgowrie“
Blender: GL Pease
Hersteller: Cornell & Diehl, USA
100g oder 200 g (großer Preisvorteil)
erhältlich nur in den USA bei Smokingpipes.com
Bestellungen online, Lieferung unproblematisch auch nach DACH.

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit über 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Unternehmer, Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer an Feuer & Herd.

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5 Antworten

  1. Ulrich Wengeler sagt:

    Hallo Bodo,

    mit Deinem Review hast Du bestimmt nicht nur mir wieder mal den Mund wässrig gemacht. Leider gibt es diesen Tabak ausschließlich in den USA, die strengen Zollbestimmungen sind ja bekannt – wo bei mir in der letzten Zeile Deines Reviews das Wort „unproblematisch“ auffiel….

    Gibt es denn einen hier erhältlichen Tabak, der ähnlich schmeckt? Ich meine, auf einer amerikanischen Website (GL-Pease, Cornell&Diehl) mal so eine Vergleichsliste gesehen zu haben.

    • Servus Ulrich, danke für Deine Nachricht. Sicherlich gibt es ähnliche Tabake, allerdings möchte ich etwas anmerken. Für mich haben Drucquer Tabake ein ganz besonderes, nostalgisches Moment, was wohl mit meinen ersten Drucquer Erfahrungen „vor Ort“ in Marty Pulvers „Sherlock`s Haven“ zu tun hat. Hinzukommt das für mich sehr schöne, altbackene Label auf den Dosen, die die gleichen Abmessungen haben wie weiland die Originale, dazu noch ohne breitflächige „Todeshinweise“. Alles das zusammen sind die neuen Drucquer, auch wenn ich nicht mehr exakt abrufen kann, ob sie genau so schmecken. Ich bin aber innerlich bereit, das „einfach so feststellen zu wollen“. :)) Und somit werde ich nicht auf die Suche nach in D erhältlichen Derivaten gehen, um meine Illusion nicht zu zerstören.

      USA Bezug: da tue ich mich leicht, denn ich bestelle versandkostenfrei an meine Adresse in den USA, meistens bei http://www.smokingpipes.com. Da nahezu monatlich irgend jemand nach München kommt, können bis zu 250g pro Person über 18 Jahre anmeldefrei mitgebracht werden. Klar, über diese Möglichkeit verfügt nicht jeder. Auch ich bestelle nur Tabake, die es bei uns nicht gibt. Wer jetzt aber unbedingt solche Tabake besitzen möchte, muß -und wird das auch tun- online bestellen. Wie das kostenseitig aussieht, werde ich im Laufe des Tages anhand eines realen Beispiels hier an dieser Stelle aufzeigen. Also bis später ……
      So, später ist jetzt:

      Ich überlasse es jedem Afficionado, ob eine solche Beschaffung Sinn macht …… oder ob man sich nicht lieber andere Möglchkeiten sucht, an den Tabak zu gelangen, ist doch eine spannende Aufgabe.

      Derzeit steigen im übrigen die Preise für McClelland Tabake ins Horrende. So werden für 50g Yenidje Highlander 75 US$ und mehr verlangt, andere beginnen bei 50 $. Das wird sich weiter nach oben bewegen, bis nix mehr da ist.

      Update
      Dank Heinz B gibt es neue Informationen, die mir nicht bekannt waren und deren Auswirkungen seit Juli 2018 spürbar sind: um mich nicht mit fremden Federn zu schmücken, füge ich die Nachricht von Heinz einfach hier ein und bedanke mich für seine Aufmerksamkeit:

      Servus Bodo,
      im Blog führst Du beispielhaft eine Berechnung für die Einfuhr von Pfeifentabak aus den Staaten auf.
      Die ist leider mit kleinen Fehlern behaftet:

      – Zusätzlich fällt auf dem Zollwert (Warenwert+Porto) seit Juli noch 25 Prozent Trumpsteuer an.
      – Die Einfuhrumsatzsteuer wird auf der Summe aus
      Zollwert+Zoll+Tabaksteuer+25 Prozent Trumpsteuer gebildet.
      So komme ich bei der Berechnung wie aufgeführt auf über 200 Euro Abgaben beim Zoll, dementsprechend über 55 Euro je 100 g.

      Da sage ich nur: wow…….

  2. Ulrich Wengeler sagt:

    Moin Bodo,

    danke für Deine ausführliche Antwort – in Hinblick auf die Gesamtkosten erwäge ich, mal dort zu bestellen. Auf der HomePage von Smokingpipes ist als Zahlungsart PayPal angegeben. Ist eine Zahlung darüber möglich? Ich meine, PayPal könne man bei Käufen von Alkohol und Tabak nicht nutzen. Herzlichen Gruß ! Uli

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