Excalibur – nichts weniger

Die -gepflegte – deutsche Sprache stirbt aus. Das wissen wir längst, seit sich jüngere bis mitteljunge Lemminge den SmartXXXL-Stammellauten hirnblind ergeben haben. Zusammenhängende Sätze, ausschmückende Einlassungen, verbindliche Höflichkeiten in der Rede und damit zwangsläufig im Umgang miteinander, sind ein belächelter Anachronismus wie der dreiteilige Tweedanzug.

Hinterfragt man verballhornte, sinnentleerte Anglizismen, die mittlerweile dominieren, so wird die Antwort mangels Wissen einfach durch ein Schulterzucken oder mit „ist doch cool“  oder „ist hip“ erteilt. Der Lauf der ultramodernen Zeit. Wobei ich die letzte Antwort eher mit John Lee Hooker und This is Hip in Verbindung bringe. Das macht Sinn.

Alte Münze München

Ich bin eifriger Stadtgänger (City Walker or Strolling Guy), kenne fast jeden Quadratzentimeter meiner Stadt. Entdecke immer noch ständig Neues oder werde, wie erst am Freitag geschehen (siehe Foto), von noch erfahrernen Stadtgängern aufmerksam gemacht.

Nun haben sich bei mir so manche Einrichtungen und ihre Namensgebung zu Objekten des Widersinns und der vollständigen Ablehnung entwickelt, sie sind heutzutage Legion. Im Zentrum steht für mich der Back Shop oder in der Steigerung Self Service Back Shop gefolgt von allem, was mit dem Partikelverb „to go“ zusammenspielt. Was da alles im Laufen genossen oder zum Überleben benötigt hineingeschlungen und in sich hineingeschüttet wird, liefert schier unglaubliche Ansichten und Einblicke. Der die vollbesetzte Ubahn verpestende Grimassen darbietende Dönerfresser oder die Dame, die -immerhin im Sitzen – eine große Plastikschüssel mit essigsaurem Subway-Salat in sich hineingabelt, sind mittlerweile Volksniveau, sieht man von den Gerüchen ab. Herrgott, bitte genehmige mir jetzt und hier eine Havanna ausgestoßen, selbstredend vergeblich. Dann beame mich wenigstens nach Singapore, wo in der MRT Rauchen, Essen und Trinken bei hohen Geldtrafen verboten ist. Zum Glück bleiben das Momenterfahrungen, wenn auch täglich mehrfache. Der nächste Ausstieg befreit, temporär. Aber zurück zum Back Shop, diese nahezu backwarenfachverkäuferinfreie Ödnis in den Innenstädten. Gäbe es nicht die Bäckerliesl auf dem Viktualienmarkt (Bauernkrusten, Aprikosenbrot), den allgegenwärtigen Hofpfister, die Fritz Mühlenbäckerei und wenige andere, engagierte Bäcker, würde ich womöglich Körner vom Feld essen. Aber auch von den Guten sind schon längst einige keine schnöden Bäcker mehr, sondern sind zu Brotmanufakturen oder Brotdesignern mutiert, eine ähnlich inflationäre Benamsung wie bei den Frisörstuben.

Back Shop Brote und Semmel haben neben der Qualität aber noch eine ganz andere Bewandnis: man benötigt keine gescheiten Messer zum aufschneiden, beileibe nicht. Das wäre gar ein Sakrileg. Da kann man die ganz billigen Einwegmesser nehmen, die beim Discounter erhältlich sind. Und jetzt bin ich endlich dorten angelangt, wo ich hinwollte: beim BROTMESSER. Neulich, in der Münchener Runde, gelangten wir von der Diskussion über das geeignete Pfeifenbesteck, über Tabakmesser und alle möglichen Schneidewerkzeuge letztlich hin zum Brotmesser.

Es da gibt nur eines, das erwähnenswert ist: das Güde Brotmesser Alpha Olive 7431/32. Egal ob Brote mit festem oder weichem Innenleben, mit beinhartiger Kruste wie das legendenhafte 64bit-Körner Brot vom neofränkischen Brotstylisten BROY oder gar ein Croissant, das Güde fällt ohne großen Druck einfach durch den Teig. Ist vor allem optisch super cool und das handling einfach mega. Ein küchenüberlebensnotwendiges Giga-Tool zu einem Preis, zu dem gerade mal eine Untere-Mittelklasse Pfeife angeboten wird.

 

Allerdings bleibt zu beachten: es muß die 32 cm lange Klinge sein, nicht die kleinere Variante, die es auch gibt. Die ist recht lächerlich, wenn auch ein lieber pfeifenmachender Tabaksfreund aus der Münchner Runde behauptet, er käme seit Jahren mit der kürzeren Klinge sehr gut hin. Aber B….`s Pfeifen haben ja auch eine Bohrung <12 mm.

Den Holzgriff hin und wieder ölen, ich allerdings nehme Carnauba Wachs, wie auch für meine Pfeifen. Keine Spülmaschine !


König Arthur besaß das Excalibur – der moderne Tabak & Pfeifensammler das Güde 7431/32.


  • Technische Daten

Chrom-Molybdän-Vanadium Stahl – aus einem Stück geschmiedet, eisgehärtet, Wellenschliff, Handpolitur
Gewicht: ausbalancierte 380 g mit Olivenholzgriff, dreifach genietet
Länge über allles: 45 cm
Klingenlänge: 32 cm

 

Bitte aufgemerkt: das Güde Brotmesser ersetzt nicht das Laguiole Pfeifenbesteck, das sich einige vermögende, münchenabtrünnige Pfeifenraucher aus Mittelfranken geleistet haben.

 

 




Lampe Berger | Duft für die Sinne & häuslicher Friedenstifter

Das die Lampe Berger für Pfeifenraucher, die nicht als Einsiedler leben, nahezu unverzichtbar ist, hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen. Und unsere Tabakreviews zeigen es: der Raumnote (manche sprechen gar von Verpestungsgrad) kommt erhebliche Bedeutung zu. Welche Duftspuren ein Tabak während des Genusses und danach hinterläßt, entscheidet vielfach über seine Benotung. Doch es gibt Hilfe, u.a. um auch den Familien- oder Beziehungsfrieden zu erhalten. Die Lampe Berger, ein französisches Erzeugnis, das auch so ausgesprochen werden will: Lomp Bärgeee.

Die Lampe Berger besteht aus einem Glasbehälter (besonders formschön und unauffällig die rechteckige, hier abgebildete Form, es gibt zahlreiche andere, von hypermodern bis plüschig-kitschig), einem Aufsatz-Keramikbrenner, Docht und einer Abdeckung.

Während herkömmliche Duftlampen und Zerstäuber unangenehme Gerüche bestenfalls überlagern, so neutralisiert die „Lampe Berger“ sie durch flammenlose, katalytische Oxidation fast vollständig. Nicht nur Tabakrauch sondern auch hartnäckige Küchendünste.
Der katalytische Brenner entwickelt an seiner Außenseite bis zu 450 °C, durch diese Hitze zirkuliert die Luft um den Bren­ner. Dabei werden die geruchstragenden Moleküle aufgespalten und neutralisiert – und gleichzeitig die in der Raumluft vorhandenen Bak­terien weitgehend abgetötet. Der innere, 200 °C heiße Teil des Bren­ners setzt die Duftstoffe frei, sofern keine neutrales Brennflüssigkeit verwendet wird.

Gebrauch
Brennflüssigkeit einfüllen, den Brenner anzünden und für ca. 2 Minuten brennen lassen. Danach wird die Flamme gelöscht, der Bren­ner arbeitet ohne offenes Feu­er und man kann „Lampe Berger“ bedenkenlos unbeaufsichtigt lassen. Schon 45 Minuten genügen, um einen Raum von ca. 30 m² komplett zu neutralisieren und ggfs. angenehm zu beduften.

Herkunft
1898 meldete der Pariser Apotheker Maurice Berger eine ungewöhnliche Lampe zum Patent an: auf der Suche nach einem Verfahren zur Reinigung der Luft hatte er die antibakterielle Wirkung der katalytischen Verbrennung von Alkohol entdeckt. Nach und nach trat seine revolutionäre und stetig verbesserte „Lampe Berger“ den Siegeszug an: zuerst in Krankenhäusern, dann auch im Privatbereich, zuerst in Frankreich, dann auch bis Amerika und Asien. Trotz dieser Vita war ich höchst mißtrauisch ob des Erfolges und vermutete Roßtäuscherei. Nachdem ich beim Händler meines Vertrauens das Gerät aber in Betrieb erleben konnte, war ich überzeugt.

 

Die Anzahl der Düfte wird langsam unübersichtlich und vielleicht ist das hier ja eine Empfehlung: MEKONG.
Für Fernostlieber dürfte das Parfüm Mekong nicht nur von der Namensgebung her trefflich duften. Es weckt in der Tat Erinnerungen an die Länder, die der große Fluß durchfliesst oder für die er die Grenze bildet: Tibet, Thailand, Myanmar, Laos, Cambodia und Vietnam.

Ein dezentes, unaufdringliches und doch spürbares Aroma, das für mich zum Favoriten geworden ist. Auch über einen längeren Zeitraum bleibt es leicht und angenehm. Höre ich das sanfte Rauschen von Palmwedeln? Eindeutig ja. Wink




Seife aus Aleppo – eine Konstante im Chaos

Aleppo ist (war?) die zweitgrößte Stadt nach Damaskus in Syrien und scheint -so unfassbar es ist – in unseren Tagen nicht mehr als die fast dreitausendjährige akkadische Polis bekannt zu sein. Die geballte Kraft (Last) unserer heutigen Medien bringt uns das  Desaster und die menschliche Tragödie der ehemals über zwei Millionen Einwohner tagtäglich ins Wohnzimmer und stumpft uns ab. Jeden Tag Chaos heißt jeden Tag weniger Anteilnahme. Ein troglodyter Diktator, menschenverachtend, entmenschtlicht und nur auf seinen Machterhalt und die Rettung seines Clans bedacht, morded ein Volk unter unseren Augen. Wir schreiben das Jahr 2016, A.D., wohlgemerkt, nicht AC.

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Erstmals hörte ich den Namen Aleppo durch Karl May. Als zehnjähriger begann ich mich für dessen Orientzyklus zu begeistern (Band 1-6). Einer der Protagonisten der grandiosen, abenteuerlichen, aber leider ach so fiktiven Reisebeschreibungen, Sir David Lindsay, litt eine ganze Zeit an der Aleppo-Beule, eine Infektion, die es auch heute noch gibt, verursacht durch den Stich der Sandmücke. In den 1970er Jahren besuchte ich dann Aleppo, aus dem Libanon anreisend, da mich die wundervollen Altertümer anlockten, nun teilweise zerstört durch die Bürgerkriegsparteien und deren Alliierte.

Trotz des heutigen, täglichen Horrors gibt eszheno1 in Aleppo ganz kleine menschliche Lichtblicke, die auch uns beeindrucken und berühren sollten. Vor einigen Wochen saß ich in meinem Büro in Singapore, die morgentliche Lektüre ist die digitale Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Im SZ Magazin, Teil der Freitagsausgabe, entdeckte ich einen elektrisierenden Bericht über die Seifenherstellung in Aleppo. Jawohl, in Aleppo, einem der modernen Sinnbilder für Chaos, Leid und Zerstörung. Seife aus Aleppo ? Du meine Güte, wer braucht so etwas? Der Autor hat wohl eine Themenlähmung, so dachte ich. Am Ende des Artikels saß ich sprachlos da. Zurück im immer noch sicheren München, scheint mir Ghaleb Chite nicht nur ein Held, ein Unternehmender im gleichen Geiste, mit gleichem Antrieb zu sein, nein, fast ein Bekannter. Was war passiert?

Während Bomben und Raketen auf die syrische Stadt Aleppo niedergehen, produziert Ghaleb Chite dort weiter eines der ältesten Naturprodukte der Welt: Aleppo-Seife. Und auch in Deutschland steigt die Nachfrage. Bitte lesen Sie den mitreißenden Artikel in der SZ von Xifan Yan hier. 

Nun hatte Aleppo plötzliches ein anderes Gesicht für mich und noch aus Singapore bestellte ich mir die Alepposeife von Ghaleb Chite beim Stuttgarter Onlineshop Zhenobya (auch Ladengeschäft in 70176 Stutgart-West, Johannesstrasse 60 ), den der ebenfalls aus Syrien stammende Nawras Al Machout betreibt. Mit großer Freundlichkeit und außerordentlich gutem Service. Was macht nun die Alepposeife so einzigartig? Zunächst einmal ist es eine Kombination aus erlesenen, völlig naturreinen Bestandteilen: Olivenöl und z.B. Lorbeeröl (20%). Vergegenwärtig man sich die Historie und die heutigen Umstände, unter denen die Seifenhersteller aus Aleppo dieses hervorragende Produkt herstellen, hat man das Gefühl, nicht nur für sich selbst etwas Gutes zu tun.

Etwas zur Geschichte der Seife, mit freundlicher Genehmigung von Zhenobya aus der Webseite entnommen, die auch viele weitere, kulturelle Informationen aus Syrien bietet: Aleppo Seife war die erste feste Seife, die jemals hergestellt wurde. Die Seifensiedereien in Aleppo werden oftmals in Familientradition geführt. Die Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse haben sich seit dem 8. Jahrhundert wenig oder nicht geändert und werden bis zum heutigen Tag von Generation zu Generation weitergegeben. Aleppo Seife ist ein einzigartiges Produkt aufgrund der Tatsache, dass es die ältesten möglichen Herstellungsmethoden (hauptsächlich Handarbeit) mit den natürlichsten Inhaltsstoffen kombiniert. Farbstoffe, künstliche Aromen, Schaumstabilisatoren sind den Seifensiedern in Aleppo fremd: Sie können diese Segnungen der modernen Chemie in ihren mittelalterlich anmutenden Siedereien gar nicht verarbeiten und sie arbeiten nach überlieferten Rezepten. Diese Kombination aus „Geschichte“, Inhaltsstoffe und Herstellungsmethode macht Alepposeife zu einer einzigartigen Seife, verglichen mit allen anderen Seifen, die weltweit hergestellt werden. Die Seifenherstellung ist zurückzuverfolgen bis in die Zeit der Phönezier Diese entwickelten Seife wahrscheinlich im Nordwesten Syriens. Zu dieser Zeit war es nur eine einfache seifige Emulsion in einem halbflüssigen Zustand. Durch die Kreuzzüge wurde die Seife im ganzen Mittelmeerraum berühmt. Die erste Seife in Europa wurde im 12. Jahrhundert in Spanien, sowie in Italien und dann, in der Mitte des 15. Jahrhunderts, in Marseille – die Marseiller Seife – eine „Kopie“ der Seife aus Aleppo hergestellt. Zhenobya Link