McClelland | Bombay Court – Latakia par excellence

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Mike und Mary McNeil – die Inhaber der McClelland Tobacco Company in Kansas City und Bombay Court Blender– haben sich wie ehedem G.L. Pease hochqualitativen Tabaken verschrieben. Was aus ihrer Tabakschmiede kommt, sind schon recht typische, eigenständige Kompositionen, von denen bereits zwei zu meinen Allzeit-Favoriten zählen: der Yenidje Highlander und der Arcadia Der letztere hat auch noch einen gewissen Charme durch die Behauptung, er sei Dr. Watsons Lieblingstabak gewesen und nichts lieber mag man glauben.

Aus der McClelland Personal Reserve habe ich mir den Bombay Court bestellt, als Einzeldose in einer größeren US-Bestellung. Ich oute mich: in erster Linie wegen des wunderschönen Etiketts. Wieder einmal bin ich richtig froh, dass ich für so etwas ein ausgeprägtes Faible habe. Denn als ich die vakuumverschlossene 100 gr Dose öffnete und mich ein unglaublich herrlicher Duft von orientalischen Tabaken umströmte, wähnte ich mich in der Bagdadbahn sitzend, in angeregter Konversation mit levantinischen und arabischen Mitreisenden, den Mokka nippend. Heinrich August Meißner sei Dank.

Zurück unter den blauen Münchner Spätnachmittaghimmel. Das „Bild“ dieser Oriental Latakia Mischung in der geöffneten Dose zeigt eine gelungene Ausgewogenheit, wie man sie recht selten antrifft, wenn feiner, breiter geschnittener Xanthi Tabak, Latakia und dünn geschnittene Flakes aus vollreifem Virginia komponiert wurden. Nach dem Dufterlebnis also folgt der Augenschmauß.

bombayFlugs die Dunhill Prince befüllt. Unmittelbar mit dem Anbrand zeigt sich eine hellgraue, fast weiße Tabakoberfläche. Bereits die ersten Züge sind köstlich, mild ist er, sehr mild, keine unrunde Schärfe trübt den Genuß. Die Virginiasüße ist kaum spürbar und wirklich nur eine perfekte Nuance. Kühles Glimmen bestimmt die Richtung bis zum Schluß, der sich in feinster, weißer Asche präsentiert. Was für ein Raucherlebnis ! Der Bombay Court ist außergewöhnlich, hat sich sofort an die Spitze meiner Orientallieblinge gesetzt. Vielleicht etwas weniger blumig beschrieben: ich bin hin und weg. Was für ein Tag.

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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6 Antworten

  1. Hallo Bodo, liebe Blog-Freunde!

    Ein guter Freund von mir (leider kein Pfeifenraucher) hatte vor Weihnachten beruflich in Chicago zu tun und ich hatte ihn ersucht bei Iwan Ries vorbeizuschauen – leider konnte er keinen Penzance ergattern (angeblich nur mehr über eine Internetseite vorbestellbar?) – dafür hat er mir einen Bombay Court mitgebracht – am Stefanitag letzten Jahres lag er vor mir auf dem (verspäteten) Gabentisch und ich kann, lieber Bodo, deiner obigen Rezension nicht bedeutendes mehr hinzufügen. Genau das ist er! – Was mir besonders gut schmeckt ist, dass der Oriental eindeutig die Hauptkomponente ist und Virginia und Latakia die Mischung vollenden. Leider werden die vielen mittelmäßigen englischen Mischungen, die am europäischen Markt erhältlich sind, nach dem Motto gemacht: Man nehme etwas Virginia (beste Qualität nicht notwendig – der Latakia erschlägt sowieso alles) ein bisschen Cavendish aus der hauseigenen Hexenküche und jede Menge Latakia – das Ergebnis ist dann dementsprechend. Will man viel Latakia dann gibt es nur den English Balkan von Huber, aber ordentliche Oriental Mischungen sind sehr rar. Mir fällt nur der Oriental von Robert Mc Connell ein, der aber anscheinend Chargenschwankungen erheblichen Ausmaßes unterliegt – eine geöffnete Dose trocknet in meinem Tabak Depot vor sich hin, weil sie einfach nicht mehr so schmeckt wie früher – oder hat irgendwer einen Tip für einen ordentlichen Oriental der aber in Mitteleuropa erhältlich ist? (Die amerikanischen Import Abenteuer sind mir eindeutig zu anstrengend – besonders wenn es ein Tabak ist der öfters geraucht wird und daher auch schnell zur Neige geht)

    Manfred Ernst Postlmair

    • bemi sagt:

      Schon bei den HUs umgeschaut?

      • Stephan sagt:

        Servus Manfred,
        Der Oriental der mich momentan begeistert ist der Durbar. Ich kann ihn nicht mit dem Bombay Court vergleichen, da der bei mir noch ungeöffnet im Schrank steht, ebenso wie der Oriental Sunrise von HU. Definitiv bekommst Du von HU nicht die lieblos zusammengebastelten Tabake, die Du beschrieben hast. Im übrigen kann ich Deine negative Bewertung der hier erhältlichen englischen Mixtures so nicht bestätigen. aber das würde wohl hier zu weit führen.
        Gruß
        Stephan

  2. Manfred Ernst sagt:

    Vielen Dank für den Tip – der Durbar ist für die nächste Order vorgemerkt. Vielleicht war meine Kritik an den englischen Mischungen etwas harsch – das kommt davon, wenn einem beim Schreiben der Frust im Nacken sitzt……

  3. …. und nicht vergessen: Rattray`s Red Rapparee, Orient mit Virginia+Latakia

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