Dvorak | Klaviertrios 3 & 4 – Tetzlaff/Tetzlaff/Vogt

Die beiden Klaviertrios op.65 und op. 90 sind Dvoraks Spätwerken (1883 und 1891) zuzuordnen und unterliegen im Gegensatz zu anderen kammermusikalischen Werken des tschechischen Komponisten einer durchgehenden, vielleicht noch romantischen Melancholie. Sie zählen mit zu seinen letzten Werken dieser Gattung, bevor er in den wenig noch verbliebenen Lebensjahren (†1904) nur noch Opern schrieb. Das Trio um Geiger Christian Tetzlaff, am Violincello seine Schwester Tanja Tetzlaff und der erfahrene Klavierbegleiter Lars Vogt, spielt beide Trios mit großer Leidenschaft und dennoch der Moll-Stimmung entsprechend einfühlsam. Die Harmonie und Perfektion der Musiker fördert den Genuß und dominiert diese inspirierte Einspielung nicht als prägendes Kriterium.

Im f-moll Trio reflektiert Dvorak auf den Tod der Mutter Anna Dvořáková (1820-1882) und läßt in der Komposition die Trauer zur beherrschenden Stimmung werden, dennoch führt das Trio immer wieder zu dramatischen Höhepunkten und zu lichtvolleren Momenten, als sie die Moll-Tonart vorgibt.

Im Gegensatz dazu finden wir im im Klaviertrio Nr.4 mit dem Untertitel „Dumky“ eine energiegeladene Melancholie, die den Hörer in die tschechische Folklore und deren Lieder und Melodien mitnimmt. Diese Komposition mit ungewöhnlichen 6 Sätzen hat zwar die Tonart e-moll angegeben, wechselt aber in den Sätzen zwischen Moll und Dur. Ausnahme ist der zweite Satz (Poco Adagio – Vivace non troppo in cis-moll) und der Fünfte in Es-Dur.

Das Dumky-Trio folgt den früheren Slawischen Tänze op. 46 (1878) und op. 72 (1886), die eindeutig von den Ungarischen Tänzen seines Lebensfreundes Brahms inspiriert waren. Während die ersten 3 Sätze durchaus eine Gesamthandlung bilden, sind die Sätze vier bis sechs eigentlich eigenständige, zusammenhanglose Kompositionen Lieder oder Tänze gleicher „Natur“.


In der Gesamtheit sind beide Trios sehr schöne Beispiele für die Wandlungen in der Endzeit der klassisch-romantischen Literatur. Das Hören erfordert Aufmerksamkeit, wenn es denn genußvoll sein soll, insbesondere durch diese leidenschaftliche, stimmungsvolle Interpretation der außergewöhnlichen Musiker. Nehmen Sie sich die Zeit und lassen Sie sich auf ein gut siebzigminütiges Konzert ein, dessen Zugaben Sie daheim selbst bestimmen können.

Die Aufführung wurde als live-Aufnahme im April 2018 im Sendesaal Bremen aufgezeichnet und ist von erstklassiger Aufnahme- und Wiedergabequalität.

Christian Tetzlaff – Violine
Tanja Tetzlaff – Violoncello
Lars Vogt – Piano

Antonin Dvorak -1841-1904:
Klaviertrio Nr. 3 f-moll op. 65
Klaviertrio Nr. 4 e-Moll, op.90 (Dumky Trio)


 




Brixtonboogie | Urban Blues

Ja – das ist wieder mal so eine Sache, diese deutsche Band kennt kaum jemand. Der Prophet im eigenen…. und so. Im spannenden 5-Teiler „Die Protokollantin“ war der Song „Love will do“ ein richtiger Earcatcher. Die gesamte CD ist alles andere als ein dumpfes Bluesgegrummel-Album. Geschickte Samples mit der Stimme von John Lee Hooker und viele andere, moderne Samples machen aus der CD ein tolles Hörerlebnis. So geht Blues auch, endlich mal jemand außer Seasick Steve (tritt übrigens am 28.10. in München auf – bereits ausverkauft), der keine Langeweile aufkommen läßt und bei dem man nicht jeden Titel in 100.000 Versionen gefiddelt im Ohr hat. Wer mehr über Brixtonboogie wissen möchte, muß lesen.

Alle anderen können jetzt hören.

 





Eleni Karaindrou – Concert in Athens 2010

Eleni Karaindrou zählt zu den bekanntesten Komponisten von Theater – und Filmmusik in Griechenland und ist längst international eine Berühmtheit. Die heute 79-jährige hat mit ihren Filmmusiken entscheidend zur Prägung der Filme des 2012 verstorbenen Theodoros Angelopoulos (u.a. Ulysses Gaze, Die Bienenzüchterin) beigetragen. Immer wieder arbeitet sie mit Stars wie Kim Kashkashian (Viola), Jan Garbarek (Saxophon) und Vangelis Christopoulos (Oboe) zusammen, unterstützt vom Camerata Friends of Music Orchestra unter Alexandros Myrat.

 

Herausragend: das denkwürdige dreitägige Konzert mit Sängerin Maria Farantouri aus dem Jahre 2005, veröffentlich bei ECM auf CD Elegy Of The Uprooting.
2010 kehrte sie mit den Stargästen Kim Kashkashian, Jan Garbarek, Vangelis Christopoulos und dem Camerata Orchester zurück in die Athener Megaron Konzerthalle, die Aufführung war ein grandioser Erfolg, der auf der ECM CD aus dem Jahre 2013 nachvollziehbar ist. Hier nun anzuhören.

Auch das ein Highlight von Eleni Karaindrou, gespielt von Kim Kashkashian





The Comet Is Coming – Trust in the Life of ……

Auf ihrem vierten Album nach Prophecy (EP,2015), Channel the Spirits (2016) und Death to the Planet (EP,2017) meldet sich das britische Trio The Comet is Coming mit dem Album Trust In The Life Force Of The Deep Mystery zurück aus dem Studio und im April auch auf die Bühnen. Es ist einfach atemberaubend, wie unter der Mitwirkung von Spiritual Jazz-Mastermind und Saxofonist Shabaka Hutchings (Sons of Kemet) eine weiterentwickelte zeitgenössische Variante des Jazz dargeboten wird. Drum- und Synthy und das manchmal fast altmodisch klingende Saxophon gehen eine kraftvolle und pulsierende Verquickung ein. Das ist richtig spannende Musik, ich bezeichne die einzelnen Stücke als sogenannte „Entwicklungsmusik“, da sie so wandelbar im Verlauf dargebracht werden, daß man einfach hineingesogen wird. Ebenfalls partiell zu hören ist die britische Poetin und Rapperin Kate Tempest.

Das Trio

Dan Leavers aka Danalogue
Max Hallet aka Betamax – Drums
Shabaka Hutchings – Saxophon

 

 

 

 

 

 


Was erwartet Sie?

Elektronische Grooves, melodische Passagen, treibende Drums, Collagen und Experimente à la Jimi Hendrix, langanhaltende Basisklänge wie von Alice Coltrane, allesamt miteinander verwoben, allesamt reiner Jazz. Allerdings in einer sehr futuristischen Komposition. Das meine Töchter (18+23) mich auf das Album aufmerksam gemacht haben, stimmte mich erst ein wenig verwundert. Aber dann wurde ich „hellhörig“. Sollten Sie auch werden.

Konzerte

08.04.2019 Berlin – Bi Nuu
09.04.2019 Frankfurt – Zoom
10.04.2019 Köln – Stadtgarten
12.04.2019 München – Strom – Münchner Runde: wer geht mit ?
13.04.2019 Wien – Grelle Forelle





Dexter Gordon – Gettin`around

Wenn ich Ihnen in diesem Monat eine Aufnahme des Tenor-Saxophonisten Dexter Gordon (1923-1990) aus dem Jahre 1965 vorstelle, dann nicht, weil es derzeit keine aktuell interessante Musik gibt. Aber das bei Blue Note erschienene Album Getting Around ist nicht nur zeitlos, sondern ein Paradebeispiel für Swing und Groove in den 1970ern und für den Hard Bop Spezialisten Gordon ungewöhnlich lyrisch und einfühlsam, ja vielleicht sogar atypisch. Und von herausragender Abspielqualität.

Dexter Gordon konnte auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken, wenn diese auch von zahlreichen Brüchen in der Lebenslinie geprägt wurde. Nicht nur die Liste der Musiker, mit denen er zusammen spielte, sondern auch sein Einfluß in der internationalen Jazz Szene war groß. Bitte mehr dazu hier lesen.

Gettin Around wurde 1984 von Blue Note als CD neu veröffentlicht, diese Pressung enthielt mit Very Saxily Yours und Flick of The Trick zwei Titel aus den 1965er Aufnahmessions, die auf der LP fehlten.

Für mich ist das eine wunderschöne Musik für einen entspannten Sonntag-Spätnachmittag, bei dem man allmählich mit einem gepflegten Geist im Glas in den Abend übergeht. In der vergangenen Woche habe mir dazu den wohlschmeckenden, süffigen Manyara von HU-Tobacco gegönnt. A perfect Match, um einmal wieder auf das gleichlautende Album von Ernestine Anderson und George Shearing hinzuweisen, das sehr gut nach Getting around aufgelegt werden kann, um in der Stimmung zu bleiben.

Wohl bekomm`s und danke für ein gelegentliches Echo.

Personel

  • Dexter Gordon †1990- tenor saxophone
  • Bobby Hutcherson †2016 – vibes
  • Barry Harris geb. 1929 – piano
  • Bob Cranshaw †2016 – bass
  • Billy Higgins †2001- drums

Wer die nicht hat, dem fehlt etwas ………..





Alexander Melnikov | Four Pianos – Four Pieces

Alexander Melnikov gilt als Pianist, der sich insbesondere durch eine tiefe intellektuelle Durchdringung der Werke auszeichnet, für die er als spezialisiert gilt. Der 45 jährige russische „Pianostar ohne Starallüren“ ist heute  sicherlich einer der besten, wenn nicht gar der Schostakowitsch-Interpret schlechthin und überzeugt den Hörer durch eine herausragende, perfekte und vor allem subtile Spieltechnik.  Darüber ist sich die hehre Kritik fast ausnahmslos einig, was uns als Musikliebhaber aber egal sein kann. Ich lasse sie meistens unbeachtet und verlasse mich auf meinen Geschmack und mein Hör- und Einfühlungsvermögen. Und auf manche Empfehlung aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, die mich zum Glück oftmals von allzu eingefahrenen Gleisen abbringt.

Vermutlich wäre ich auf die Veröffentlichung bei Harmonia Mundi von vier zentralen Werken von Schubert (Wanderer Fantasie), Chopin (Etüden op.10), Liszt (Réminiscences de Don Juan) und Strawinsky (Petruschka) auf vier historischen Flügeln, die aus der Zeit der Komponisten stammen, nicht ohne meinen Freund in „Pfeife, Tabak & Kunst (-geschichte), PH -aka Peko Hamamotu–  gekommen. Allein die verschiedenen Rezensionen, die in einschlägigen Kreisen die Runde machen, hatten mich auf eine zu akademische Aufführung schliessen lassen. Dies allerdings war ein vorschneller Trugschluß. Wie so oft.


Schubert, Wanderer:  gespielt auf einem Wiener Graff-Flügel, dessen Hammerköpfe, mit Leder umwickelt, einen heute eher ungewohnten Klang erzeugen. In der Biedermeierzeit des Komponisten aber ein typisches Klangbild.

Chopin, Etüden op. 10 :  der Flügel von Pierre Erard aus der Mitte des 19ten Jahrhundert schafft ein besonderes Paradebild von Chopins Kompositionen. Im Gegensatz zum Biedermeier-Graff entsteht durch die parallelsaitige Bespannung des Instrumentes eine unglaubliche Durchsichtigkeit und eine besondere Betonung der Basstöne, was zu einem gewissen „majestätischen“ klanglichen Fundament führt. Chopin selbst erwähnte einmal, dass seine Kompositionen auf einem Erard viel leichter umzusetzen seien. Melnikow führt nun die Riege meiner bisherigen Referenzeinspielungen der Etudes – Claudio Arrau, Pollini und Michelangeli – an.

Liszts, Réminiscences de Don Juan: ist das ein typischer Bösendorfer-Klang, mächtig, durchdringend, aber auch ein wenig verwaschen? Sehr passend zum Opernthema Don Juan, dennoch würde mir vermutlich der Erard-Flügel mit seiner Klarheit besser gefallen. Für mich ist hier weniger die meisterhafte Leistung von Melnikov als der Vergleich der beiden Instrumente das Besondere an den Aufnahmen.

Strawinsky, Petruschka:  Melnikov spielt nun drei Sätze aus dem Ballet auf einem Steinway, der dem bekannten, gegenwartlichen Klangbild des Instrumentes entspricht. Die durchgängige Virtuosität Melnikovs ist hier wiederum beeindruckend, aussergewöhnlich.

Die gesamte Aufnahme schafft einen nachhaltigen, befriedigenden Eindruck, der bleibt. Und wann immer ich andere Einspielungen der vier Stücke hören werde,  habe ich nun einen „Benchmark“. Insbesondere, da es Melnikov nicht um eine historische Aufführungspraxis geht, sondern darum, auszuloten, in wie weit die technischen und klanglichen Möglichkeiten des Instruments Einfluss auf die kompositorische Sprache des Komponisten ausübt. Übrigens ist das auch das aktuelle Programm von Melnikovs Konzerten, nur dass es da nicht immer dieselben Instrumente sind wie auf der CD.

 

Abhörinstrumentarium.

Player: Accuphase DP700

Vorverstärker: McIntosh C2600 2-Channel Vacuum Tube

Verstärker: 2 x  McIntosh MC2301 1-Channel Vacuum Tube

Kopfhörer: ULTRASONE Edition 8 EX

Der Ultrasone löst ab sofort meinen Stax Lambda SR-207 ab. Ich werde diesen Hörer demnächst ausführlich und im Vergleich vorstellen, er hat mich völlig begeistert. Ich habe auf den Einsatz eines Kopfhörerverstärkers verzichtet.  Die S-Logic® Technologie der Ultrasone AG, einem oberbayerischen High End Entwickler und Hersteller aus Wielenbach, zwischen Starnberg und Weilheim gelegen, ist das Besondere:  [Zitat Hersteller]…..im Gegensatz zu anderen Kopfhörern sind bei ULTRASONE die Schallwandler nicht direkt auf den Gehörgang gerichtet, sondern nutzen durch ihre dezentrale Anordnung die natürlichen Reflexionen des Innenohrs. So entsteht nicht nur eine größere Klangbühne, die Musik gewinnt mehr Räumlichkeit und Dimensionalität. Auch die Tiefenstaffelung, die Anordnung der verschiedenen Instrumente eines Musikstücks, gewinnt an Kontur. [Zitat Ende]





Bobo Stenson Trio | Contra La indecisión

Eines der bedeutendsten amerikanischen Labels für den Modern Jazz war sicherlich Blue Note Records (1939-1979 und wieder ab 1985). Kaum eine andere Record Company hatte so eine starke Verbindung zu ihren Künstlern und mit Rudy Van Gelder von 1953 bis in die späten 1960er einen kongenialen Tontechniker.
Ich weiß nicht, ob die Gründer von ECM Blue Note im Hinterkopf hatten, als sie das Label 1969 gründeten. Tatsache aber ist, das Mitbegründer und Produzent Manfred Eicher ECM seit langem an die Weltspitze geführt hat. Kein Label hat es verstanden, über einen so langen Zeitraum unabhängig zu bleiben und einen so eigenständigen Katalog aufzubauen. Die Liste der Künstler ist Legion und darunter finden sich auch Giganten des New (Avantgarde) Jazz wie Keith Jarrett, Chick Corea, Pat Metheny, Paul Motian, Jack DeJohnette und Jan Gabarek, um nur einige wenige zu nennen. Zu den Musikern, die von Beginn an bei ECM erschienen, gehört der heute 71jährige, schwedische Pianist Bobo Stenson und sein Trio.

Auf dem neuen Album »Contra La indecisión« zeigt sich das Bobo Stenson Trio vielseitig und grenzüberschreitend was die Musikrichtungen angeht: der kubanische Komponist Silvio Rodriguez, ein Stück aus Federico Mompous Sammlung »Cançons I Danses«, Bela Bartóks Bearbeitung eines slowakischen Volksliedes, Erik Saties »Elégie«, dazu Titel von Stenson, dem Trio-Bassisten Anders Jormin und vom gesamten Trio selbst. Harmonisch ist der wohl treffendste Begriff für das, was uns das Trio vorlegt. Und unentschlossen, wie der Titel glauben machen will, ist es keineswegs. Ein Genuß und ein erneutes Beispiel für den typischen ECM Kanon.

Das Album wurde im Mai 2017 im renommierten Konzertsaal des schweizerischen Fernsehsenders RSI Radiotelevisione svizzera, dem Auditorio Stelio Molo in Lugano, aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.

BoBo Stenson Trio
BoBo Stenson,Piano
Anders Jormin, Bass
Jon Fläts, Schlagzeug



Bobo Stenson Web

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ECM home





Marcus Miller | Afrodeezia

Musiker-Ikonen gibt es wie Sand am Meer. Insbesondere gefühlte 1 Million Super-Mega-Hyper und Überstars aus der jüngsten U-Musik lassen sich finden. Kaum ein Newcomer, der nicht nach dem erstem Geräusch-Ausstoß als solcher gelisted ist. Erschreckend, was sich meine Kinder – eigentlich Jugendliche mit immensem Musikkonsum- alles so anhören und was ich davon verächtlich in die Plastikmüllkiste wegdrücke. Generationenproblem? Wahrscheinlich. Für Musikbesessene, wie ich es bin, gibt es aber zum Glück diese grandiosen musikalischen Rückzugsorte, ohne die mein Tag nicht auskommt. Also einmal mehr: Marcus Miller.
Marcus Miller ist in erster Linie Musiker, Multiinstrumentalist, Komponist, Arrangeur und Produzent, einer der Einflußreichen bei Jazz, Fusion und vielseitiger populärer Musik. Darüber hinaus zählt er zu der Riege der stilprägenden Bassisten wie Stanley Clarke, Viktor Bailey† oder Billy Sheehan , die es fabulös geschafft haben, das Erbe von Ray Brown, Ron Carter, Charles Mingus und Jaco Pastorius (um nur einige zu nennen) in unsere modernen Zeiten zu übersetzen. Avantgarde? Aber sicher. Und immer gut zu hören, nie abgehoben.

Marcus Miller war 21 Jahre alt, als man ihn als wichtigen Begleiter von Miles Davis erstmals wahrgenommen hat, das ist fast 40 Jahre und gute 20 Solo-Alben her. Seine Mitwirkungen an den Veröffentlichungen anderer Künstler sind Legion.

Die nun vorgestellte CD Afrodeezia stammt bereits aus dem Jahre 2015 und ist wieder einmal etwas Besonderes vom Bassisten: „Was mir am meisten am Herzen lag“, sagt Miller, „war zu den Quellen der Rhythmen, die unser musikalisches Erbe so reich machen, zurückzugehen, ihnen wie Fußspuren zu folgen, von ihren Ursprüngen in Afrika den ganzen Weg bis in die USA. Die Reise führte uns von Mali nach Paris, von New Orleans nach São Paulo und durch die Karibik. Ich hatte großes Glück, dabei mit Musikern aus u.a. Mali, Burkina Faso, Brasilien und Trinidad zusammenzuarbeiten… [Zitat aus JazzEcho].

Und so swingt, grooved und pulsiert es in den 11 Titeln so mächtig, dass der (hoffentlich!) kompetente Amp der „Heimstereoanlage“ ganz schön zu werkeln hat, wenn er die Schwingungen authentisch reproduzieren will. Mein Office-Accuphase E-650 hat da Kern genug, aber noch besser gefällt mir das Album daheim in der McIntosh MC452/C2600 Kombination. Aber für Hörer mit geringeren Ansprüchen (z.b. notorische iPhone-User) erlaube ich mir auf ein unverzichtbares kleines, aber sehr feines und machtvolles Helferlein hinzuweisen, das sich Leser und Hörer unseres Blogs unbedingt zulegen müssen: ohne Ultrasone NAOS geht man nimmer vor die Tür! Und diejenigen, die ohnehin schon nicht mehr vor die Tür gehen (Altersgründe, Feinstaub, Metropolgeschädigte, allgemeine Griesgrame) und trotzdem nur noch über Smart-Equipment hören, bleibt als hochwertiger Ausgleich ebenfalls notwendig der Ultrasone Sirius möglichst an einem Kopfhörer der Ultrasone Performance Serie. In Kürze werden wir uns in der Blog-Rubrik Musik & Technik näher mit den wunderbaren Produkten dieses innovativen Unternehmens aus dem bayerischen Pfaffenwinkel mit Informationen aus weiteren Praxistests melden.


Nun aber zurück zum Hörgenuß und zur Bitte um gelegentliche Kommentare.

 


Aus dem legendären Montreux Auftritt 1997 mit Eric Clapton, Joe Sample (Crusaders), David Sanborn und Steve Gadd an den Drums: der Übergang zwischen „In a sentimental mood“ und dem Beginn von „Layla“ ( bei 1:43) zeigt, was Marcus Miller so einmalig macht ……. diesmal an der Bass Clarinet.


… und noch eins draufgesetzt, muß sein.





Robert Plant | Crazy Fire

Das mit Soloprojekten von Bandmitgliedern einstmals großer Acts hat so seine Krux, meistens jedenfalls. Sieht man von Künstlern wie Mark Knopfler, David Gilmore, Robbie Williams, Peter Gabriel oder allenfalls noch Sting (dieser bis vor wenigen Jahren), einmal ab, bleibt kaum jemand, der erwähnenwert ist. Der einstmalige Led Zeppelin Frontmann Robert Plant gehört zu den Ausnahmen. Seit seiner ersten Soloveröffentlichung im Jahre 1982 (Pictures at Eleven) hat er bisher sieben respektable Alben und ein weiteres sensationelles mit Alison Krauss im Jahre 2007 veröffentlicht.

Anders als sein ehemaliger Mitspieler Jimmy Page, dem außer ständigen Remakes der alten Led Zeppelin CDs nichts mehr eingefallen ist und der nur musikalische Langeweile verbreitet, hat Robert Plant seit langem einen unverkennbaren Stil gefunden, dessen Quellen in allen erdenklichen Musikrichtungen zu finden sind. Der geneigte Hörer muß nur einmal in das Project „Ambiances du Sahara – Desert Blues“ hineinhören.

In diesem Monat ist das neueste Plant Werk herausgekommen, Crazy Fire. Mir gefällt es so gut, dass es als Album des Monats geeignet erscheint, um den zu erwartenden grauen November ein wenig zu „erleuchten“.  Ein gelegentliches Echo von Hörerseite würde mich freuen.



Album vollständig und unbegrenzt anhören:
 

 

  • Audio CD (13. Oktober 2017)
  • Label: Nonesuch (Warner)
  • ASIN: B074QD4L7P für CD – ca. 17€
  • ASIN: B074QC6S5N für Vinyl – ca. 27€

 



Das alles gehört ins „Plattenregal“




Joep Beving | Prehension

Als mich 1996 die Welle des italienischen Komponisten und Pianisten Ludovico Einaudi erwischte, vereinnahmte mich seine Musik sofort. Le Onde  – die Welle – war etwas neues, so ruhiges, nicht Klassik, nicht Jazz, nicht Mainstream. Das setzte sich mit den nächsten zwei bis drei Alben so fort und dann glitt Einaudi ab in einen banalen, langweiligen und völlig beliebigen kommerziellen Pop, in dessen Kompositions-Loop er bis heute verharrt. Der Erfolg sei ihm gegönnt, zuhören kann ich ihm nimmer. Im vergangenen Jahr traf ich auf den niederländischen Komponisten und Pianisten Joep Beving. Mit seinen über 2 Metern lichter Höhe, der Haartracht und dem wirren Bart erinnert er mich stark an Herrn Tur Tur, den sanften Scheinriesen. Und ich war wieder in der Le Onde – Zeit angekommen.

© Rahi Rezvani 2016

In Cannes auf dem Lions Festival, auf dem die Oscars der Werbebranche vergeben werden, erlebte er wohl seine vorerst finale musikalische Erweckung. Als er auf dem Flügel im Hotel eine seiner Kompositionen spielte, hatten die Leute Tränen in den Augen. „Es war das erste Mal, dass ich sah, welche emotionale Wirkung meine Musik auf die Zuhörer haben kann,“ so der Musiker. Und so endet Joep Beving`s musikalischer „Bildungsroman“ nach einigen Irrungen und Wirrungen schliesslich bei Spotify und ab da in den Erfolg bei der Deutschen Grammophon, immerhin das bedeutendste Klassiklabel der Welt. Dort ist im April sein zweites Album Prehension erschienen, Nachfolger des im Jahre 2015 noch im Selbstverlag aufgelegten Werkes Solipsism. Und reflektiert man auf diesen Titel, so scheint sich Joep Bening tatsächlich der Philosophie des Solipsismus verschrieben zu haben. Vielleicht aber ist das in Zukunft ein Hemmschuh, der in die Einaudische Langeweile und Copy & Paste Knopfdruckproduktion führt. Also – geniessen wir, was uns die Kompositionen und der Vortrag des Niederländers heute bieten. Visuell im übrigen unterstützt durch wundervoll ästhetische Fotos und Videos des gebürtigen Iraners Rahi Rezvani.


Prehension, Deutsche Grammophon, erschienen im April 2017

Das erste Album aus dem Jahre 2015, noch im Selbstverlag
















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