Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Denke ich an Covent Garden, dann denke ich nicht an Tabak. Unter all meinen Leidenschaften, derer es wirklich viele gibt, ist die Oper die größte. Die einzige, von der ich vielleicht ein bisschen was verstehe. Und deshalb ist es das Royal Opera House Covent Garden, woran ich bei diesem Namen denke. Nicht nur an viele lang vergangene legendäre Aufführungen, die uns dokumentiert sind, sondern auch an einen lieben Bekannten, einen Schotten, der in London lebt und der diese Opernleidenschaft teilt. Mit ihm saß ich vor vielen Jahren mal nach einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper in einem Wirtshaus und wir unterhielten uns beim Bier über Sängerinnen. Der Name einer damals zumindest stimmlich eher unerfreulichen Sopranistin fiel und er antwortete vollendet british: „Ich habe sie vor ein paar Jahren im Royal Opera House gehört. Es war einer dieser seltenen und denkwürdigen Momente, wo Debut und Abschiedsvorstellung auf denselben Abend fielen.“

Aber wie komme ich jetzt zum Tabak? Von gleichzeitigem Debut und Abschiedsvorstellung kann hier keine Rede sein, schon allein, weil ich vor diesem Review eine ganze Dose von Robert McConnells Covent Garden geraucht habe und das ist auch beim besten Willen nicht an einem Abend zu schaffen.

Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, bei diesem Tabak und seiner Qualität, die Dose nach der ersten Füllung zu entsorgen oder zu hoffen, dass sich irgendwer anderes daran erfreut. Man kann den Covent Garden, sofern man englische Mischungen mag, problemlos und durchaus auch mit Genuss rauchen. Das ist ein sehr solider Tabak. Und das ist ja schon mal was. Allerdings hat dieser Tabak eine Vorgeschichte und damit kommen wir dann doch zu einem Problem und vielleicht sogar zur erwähnten Abschiedsvorstellung. Aber der Reihe nach:

Der Covent Garden ist eine mittel-kräftige englische Mischung aus einer anständigen Portion Latakia, die recht gut mit Orient, Virginia und Perique balanciert ist. Das Tabakbild ist eher dunkel, aus der geöffneten Dose riecht er verführerisch rauchig ohne fordernd zu wirken. Er schmeckt rauchig mit ein paar recht dezenten Trockenfruchtnoten durch den Perique und das ganze auf einem schönen Teppich aus Orientals und Virginia. Das, was diesem Tabak fehlt, ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Ein solcher Tabak könnte auch als kräftigere englische Hausmischung in einem Händlersortiment stehen. Einem Anfänger würde man sie vermutlich dort nicht empfehlen, obwohl der Covent Garden durchaus als Einstieg in die vollere englische Richtung auch für den Anfänger gut geeignet wäre, weil ihm große Kanten oder gar eine größere Keule, die er auspacken könnte, völlig fehlen.

Der Hersteller Kohlhase & Kopp hat den Covent Garden vorher kurzfristig unter dem Namen „Night Club“ auf den Markt gebracht und jetzt sind wir bei der Vorgeschichte: Der Night Club und damit auch der Covent Garden ist als Ersatz für die eingestellten Dunhill Tabake aus der STG Produktion gedacht gewesen. Der Dunhill Tabak, dem der Covent Garden (Night Club) nachempfunden wurde, ist die STG Version von Dunhills Night Cap. Diese Nachbildung ist, bis auf ein paar Nuancen, bei denen der Covent Garden meiner Meinung nach sogar besser abschneidet, weil er akzentuierter wirkt, recht gut gelungen. Allerdings kommen wir hier zu einem schier grotesken Sündenfall, an dem Kohlhase und Kopp erstmal vollkommen unschuldig ist.

Der Dunhill Night Cap, ob aus der originalen Dunhill Produktion (also vor 1981) oder der Murray’s Produktion, war ein Monument an Tabak! Ein fast endloses Geschmacksvolumen im Wechsel zwischen Latakia und Perique, kraftvoll und auch durchaus stark! Auch stark polarisierend, aber für diejenigen, denen der Night Cap zuviel war, gab es im Dunhill Portfolio ja reichlich Alternativen! Und just dieses beeindruckende Monument Night Cap wurde beim Produktionswechsel von Murray’s zu STG zu einer schier lächerlichen Karikatur geschrumpft! Alles, was den alten Night Cap ausgezeichnet hat, wurde bis zur Unkenntlichkeit glattgebürstet. Mehrheitstaugliche Beliebigkeit war das Resultat – und just dem ist der Covent Garden nachempfunden! Und dabei schneidet er sogar geringfügig besser ab als die STG Version des Night Caps!

Aber warum Kohlhase & Kopp bei dieser großen Fülle „neuer“ Tabake, die man da unter der McConnell Heritage Reihe auf einmal auf den Markt geworfen hat und die in dieser Fülle ja auch erstmal verkauft werden müssen, die Gelegenheit ausgelassen hat, diesen STG Sündenfall rückgängig zu machen und sich beim Covent Garden (Night Club) am Dunhill Original oder der Murray’s Version zu orientieren, das verstehe ich nicht. Nicht nur, dass man den eingefleischten Dunhill Fans ein Monument zumindest ansatzweise hätte zurückgeben können, es wäre auch ein Marketing Coup für die ganze Serie geworden, wenn man auf das „Original“ zurückgegriffen hätte. Was wir jetzt letztlich haben, ist dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Das ist in meinen Augen kein Gewinn.

 




Robert McDunhill : Nachlassverwaltung

Was in der Welt des Pfeifentabaks undenkbar schien, ist eingetreten: die Tabake mit dem weltweit wohl höchsten Bekanntheitsgrad sind abrupt Geschichte geworden. Selbst unbelehrbare Nostalgiker, für die Tabake von Dunhill bis vor wenigen Monaten immer noch von Sir Alfred ersonnen, handgemischt und von Gentlemen in der St.James Street probiert und erworben werden konnten, stehen vor dem emotionalen AUS. British American Tobacco (BAT), Inhaber der Markenrechte von Nightcap, Early Morning Pipe und Co., hat die Lizenzherstellung durch die Scandinavian Tobacco Group mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Beweggründe sind nicht wirklich erklärbar, liegen im Dunkeln und bieten Anlaß für zahlreiche Verschwörungstheorien. Schliesslich spülten die Tabake nicht unerheblichen Profit in die BAT Kassen (und nur ein geringer verblieb im Vergleich zu anderen Tabaken beim Fachhandel!) Warum aber nun dieser Schritt? Darüber haben wir uns mit Jens Meyer, Geschäftsleiter beim Münchner Branchenurgestein Pfeifen Huber, ausgiebig ausgetauscht. Er bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Pfeifenblog (PB): Herr Meyer, auf der soben beendeten Intertabac offiziell geworden, liegen nun die ersten Robert McConnell „Dunhills“ in den Regalen. Wie kam es zu dieser doch etwas überraschenden Entwicklung?

Jens Meyer (JM): Scheinbar passt der – gemessen an modernen Rauchwelten wie den hippen e-Zigaretten – „altbackene“ Pfeifentabak mit seiner Suggestion von britischem Landedelmann-Understatement nicht mehr so recht in die Wunsch-Life Styles der eifrig herbei-gemarketingten jungen und dynamischen Märkte. BAT will sich wohl auf neue Produkte konzentrieren und auf ein verändertes Kundenverhalten einstellen. Sicherlich spielen aber auch die vielen, neuen gesetzgeberischen Anforderungen beim Verbraucherschutz eine Rolle, die bei der kommerziellen Betrachtung eine Rolle gespielt haben könnten. Aber so richtig kennt niemand die tatsächlichen Entscheidungsgünde der BAT.

Jens Meyer

PB: Wäre es denn nicht naheliegend gewesen, dass STG als aktuell letzter Hersteller der Dunhill-Tabake das Geschäft übernommen hätte?

JM: Ja, sicher, aber die zwei Giganten konnten sich vermutlich nicht über einen Preis einigen. Also: Dunhill Tobacco ade. Wobei zu beachten ist, dass die Markenrechte für Dunhill Tabake nach wie vor bei der BAT liegen, aber derzeit nicht mehr vermarktet werden.

PB: Jetzt ist Hoffnung aufgekommen durch den deutschen Tabakhersteller und Importeur Kohlhase & Kopp. Bringen die wirklich die „Fortsetzung der Legende“ und hat sie Marktchancen?

JM: Das Image von Dunhill war von jeher ein zwiegespaltenes. Es gab die 100prozentigen Liebhaber, die -wenn nicht die meisten, so zumindest aber 2-3 Tabake als ihre unerreichbaren Allzeit-Lieblinge verinnerlicht haben und jene, für die Dunhill lediglich ein falsch verstandener Nimbus war, der seine herausragende Position bei den ambitionierten Pfeifenrauchern auch durch nichts rechtfertigen konnte. In ihren Augen am wenigsten durch Qualität und Geschmack. Liest man sich die Reviews der letzten Jahre in den digitalen Medien durch, so kann man fast von einem Dunhill-Bashing reden, dem die überzeugte, unbeirrbare Front der Fans gegenüber stand. Tatsache aber bleibt, dass Dunhill Tabake mit ihrer wechselvollen Geschichte und ihren unterschiedlichen Produzenten bis in unsere Zeit der Inbegriff des Pfeifentabaks sind und dabei einem nostalgischen Environment gehuldigt haben, in dem sich die Dunhillianer wohlfühlten. Kohlhase & Kopp sind durchaus in der Lage, mit ihrer neuen Robert McConnell „Heritage“ Reihe die durch den BAT Rückzug entstandene Lücke zu schliessen. Zumal die Rechte an der gut eingeführten Marke Robert McConnell ohnehin bei Kohlhase & Kopp liegen. Und ja, ich kann mir sogar eine Belebung des Umsatzes für diese Tabake vorstellen, da viele Raucher neugierig auf die „Nachfolger“ sind und sicher den einen oder anderen Tabak wieder entdecken werden.

Jens Meyer, Pfeifen Huber –  mit Alexander Broy und Peter Hemmer

PB: Wir erinnern noch an die erst vor zwei Jahren aufgekommene Beliebtheit der neu aufgelegten „Vintage Dunhills“, über die hier im Blog ausführlich berichtet wurde. Auch diese sind jetzt bereits Geschichte, Schnee von gestern. Was deckt die Heritage Reihe davon ab und wer stellt die Tabake überhaupt her, die dann unter der Marke Robert McConnell erscheinen?

JM: Lassen Sie es mich so sagen: alle 18 aufgegebenen Dunhill Tabake leben unter Robert McConnell weiter. Unter anderen Bezeichnungen, mit veränderten Etiketten, aber nahezu unveränderter Rezeptur. Denn der Hersteller ist wieder STG.


Jens Meyer: natürlich werden die Mischungen nicht 100% den Dunhills entsprechen, da geht es vermutlich auch um Rechte an den Rezepturen. Einige Mischungen werden komplett von STG hergestellt, einige mischt Kohlhase & Kopp aus den STG Grundtabaken. Also können wir leichte Unterschiede erwarten, die aber sicherlich nicht signifikant sein werden.

Ausnahme sind die ehemaligen Dunhill DeLuxe Navy Rolls (aka Escudo), deren Marken- und Rezepturrechte nicht bei Dunhill, sondern stets bei STG lagen. Diese werden von STG völlig unverändert als „Eclipse“ erstellt, so wie auch der Nachfolger des Dunhill Flake, der jetzt einfach nur Flake heißt.

PB: Also bleibt es spannend, oder besser, es wird spannend. Denn in den nächsten Wochen testen wir die einzelnen Tabake im Detail und stellen sie im Blog vor. Ihnen, Herr Meyer, danken wir für die profunden Informationen.


Review-Plan

Bodo: Eclipse, Flake, City of London

Peter: My Mixture Barking Road, Black Flake, Majesty Elizabeth, The Old Sign, Durbar Square

Alexander: 5 Years Matured, Ready Rubbed

Blogger + Reviewer: Bodo, Alexander und Peter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Legende

Sag beim Abschied

Das Ende Teil 2

Trauer & Gram

Vintage Rallye

Aus für McClelland

Review: Baker Street

Review: Dark Flake

Review: Elizabethan

Review: Ye Olde Sign

Review: Durbar

Review: Dunhill Flake

Review: Ready Rubbed

Review: Three Years Matured