Robert McConnell Heritage | Piccadilly Circus

Piccadilly Circus heißt also die neue „London Mixture“ in der Robert McConnell Heritage Reihe! Und so wird dieser Artikel nicht nur eine Beschreibung des neuen Tabaks beinhalten, man muss sich eigentlich auch ein paar Gedanken zum Werdegang der London Mixture machen, um dem Thema gerecht zu werden. London > City of London > Piccadilly Circus > ? Wir dürfen gespannt sein, wohin die Namensgebung eines großen Tabaks uns in Zukunft noch lokal hinschrumpft, sollte es nochmals einen Produktionswechsel geben, von denen die gute alte London Mixture schon einige hinter sich hat. Andererseits ist es nur allzu logisch, einen Namen zu wählen, den man sofort mit London assoziiert. Also „Piccadilly Circus“ nachdem der „City of London“ zu nah am Original angelehnt war und umgehend umbenannt wurde.

Alfred Dunhill „About Smoke“ Catalogue 1923 London Mixture

Der Referenztabak für Kohlhase & Kopps McConnell Heritage Piccadilly Circus war die STG Version von Dunhills „London Mixture“. Die London Mixture, ein Allzeit-Klassiker seit etwa 110 Jahren, war ein Tabak, der uns in vier verschiedenen Versionen vorliegt: dem „Original“ von Dunhill, produziert in England bis 1981, eine sehr seltene deutsche Lizenzproduktion von Van Eicken, über die man hier einen sehr schönen und klugen Artikel lesen kann, die uns in unserem Zusammenhang aber nicht weiter interessiert, die Version, die von Murray’s in Nordirland produziert wurde und schließlich die letzte Version, die von STG produziert wurde und im Jahr 2018 vom Markt verschwand.

Als „delightfully harmonious blend of Matured Virginia and Oriental Tobaccos. Soft and mellow, cool and fragrant“ wurde die London Mixture in Dunhills „About Smoke“ von 1923 angepriesen. In der Tat war die London Mixture im damaligen Tabak-Portfolio Dunhills eher rund, mild und ausgewogen im Vergleich zum „My Mixture 965“ oder dem „Durbar“, der ein größerer Bruder der London Mixture war, etwas akzentuierter mit einem höheren Latakia-Anteil. Das perfekte Wechselspiel zwischen den Virginias, den Orientals und dem Latakia zeichnete alle Versionen der London Mixture aus, obwohl sich diese Versionen stilistisch durchaus voneinander unterschieden haben. Allen war gemeinsam, dass die London Mixture immer ein perfekter Alldays Tabak war, sehr rund und trotzdem nicht langweilig. Unter den weniger extrovertierten Mixtures von Dunhill war sie immer mein Lieblingstabak und eine der Dunhill Mixtures, von denen ich, abgesehen von der deutschen Lizenzproduktion, alle Versionen geraucht habe. Und ich habe sie alle mit Genuss geraucht, auch die STG Version!

London Mixture und Derivate 1981 – 2019

Was nun interessiert, ist die Frage, wie der Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus im Vergleich zum Vorbild abschneidet? Antwort: Gut, aber mit einigen Unterschieden, die wir gleich sehen können, wenn wir das Tabakbild des Piccadilly Circus mit dem der STG London Mixture vergleichen! Die London Mixture wartet hier mit einem gleichmäßigeren dunkelbraunen Bild mit nur wenigen helleren Highlights auf, während der Piccadilly Circus zwar im Endeffekt auch eher dunkelbraun daherkommt, aber nicht nur etwas heller als die London Mixture wirkt sondern auch viel kontrastreicher mit schwarzen und hellbraunen Höhen und deutlich sichtbarem grünlichem Oriental. Geschmacklich zeigen sich beide Tabake anfangs trotz der optischen Unterschiede erstaunlich ähnlich: Es sind die Virginias, die hier eine sehr solide Grundlage bilden und mit ihrer malzigen Süsse gepaart mit genügend Kraft den sofort wahrnehmbaren Latakia ausbalancieren. Die ätherischen Orientals verweben diese beiden geschmacklichen Pole sanft zu einem dezent farbigen Vorhang, bei dem das Grün und das Gelb, wie wir es von einer Herbstwiese her kennen, im Vordergrund stehen. Nichts drängt sich in den Vordergrund: weder die Rauchigkeit des Latakias, noch die geschmackliche Breite der Virginias noch die feine süssliche Heuigkeit der Orientals. Alles wirkt rund und harmonisch in sich geschlossen. Zumindest vom Entzünden der Füllung bis etwa zum Ende des ersten Drittels.

Piccadilly Circus mit einer 1930/40er Comoy’s Grand Slam Patent, Shape 158 Small Apple

Dann entwickeln sich die beiden Tabake etwas unterschiedlich, allerdings in Nuancen um das gleich vorweg deutlich zu machen! Und zwar so, wie es der optische Eindruck der beiden Tabakbilder bereits vermuten ließ. Der Piccadilly Circus schlägt sich jetzt auf die blumigere, leichtere Seite. Die Orientals wirken frischer, unsere Herbstwiese hat noch nicht ganz soviel Sonne und Trockenheit abbekommen, weshalb die grünen Gräser noch die Oberhand behalten und im Duft die Kräutrigkeit noch wesentlich präsenter ist. Auch die Virginias scheinen mit ihrer Süsse letztlich etwas schmalbrüstiger auszufallen als Anfangs gedacht. Der Geschackseindruck ist sehr harmonisch, die Rauchigkeit des Latakias wirkt grüner eingefangen.

STG London Mixture mit Pre-WWII Dunhill Shell Briar Shape 36 Liverpool

Im kleinen Gegensatz zum Piccadilly Circus entwickelt sich die STG London Mixture etwas anders: sie wirkt geringfügig stärker und kräftiger, legt zum Ende hin etwas mehr zu als der Piccadilly Circus, allerdings nicht unbedingt was ihre Stärke angeht, der Eindruck ist eher dem etwas anderen Stil geschuldet, denn wo sich der Piccadilly Circus geschmacklich frischer und grüner entwickelt, da herrscht bei der London Mixture der Spätherbst mit seiner veränderten Aromatik! Dunkler, trockener, mit dem Duft von nassem Laub und Erde. Die Süsse des Tabaks wirkt schwerer und breiter, seine Rauchigkeit, wenngleich auch hier perfekt eingebunden, lastet harmonisch über der Frische. Blickt der Herbst des Piccadilly Circus noch auf den Spätsommer, so weist uns die London Mixture den Blick auf den Frühnebel, den ersten Schnee und das Wärmende eines Kaminfeuers. Aber wie schon weiter oben gesagt: es handelt sich hier um Nuancen, um die sich die beiden Tabake während der letzten beiden Drittel einer Füllung unterschiedlich entwickeln! In der Quintessenz ist der Piccadilly Circus als Nachempfindung der STG London Mixture ausgezeichnet gelungen und die beiden Tabake zeigen doch sehr ähnliche Charakterzüge, zumindest so ähnlich, dass man den Robert McConnell Piccadilly Circus problemlos als Nachfolger der STG Dunhill London Mixture rauchen kann!

Interessant wird es allerdings, wenn wir den Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus und die STG Version der London Mixture in ihren unterschiedlichen Nuancen mit den beiden vorhergehenden Versionen der Dunhill London Mixture vergleichen, also der Murray’s Version nach 1981 und der originalen Dunhill Version von vor 1981! Nicht dass jetzt falsche Hoffnungen geweckt werden: keine der beiden Vorgängerversionen wird in irgendeiner Weise von der STG London Mixture oder dem Piccadilly Circus im Sinne einer möglichst nahen Kopie erreicht. Etwas, was allerdings auch die Murray’s Version im Vergleich zum Dunhill’schen Original überhaupt nicht geschafft hat! Das darf man ja nicht vergessen bei all den Fragen um die Authenzität der jeweiligen Neuauflagen und Produktionsverlagerungen. Viel sinnvoller scheint es mir, die Tabake für sich zu begreifen und Überschneidungen und Unterschiede deutlich zu machen.

Und bei diesen oben genannten etwas unterschiedlich verlaufenden letzten beiden Dritteln der STG Dunhill Mixture und des Piccadilly Circus nähern sich diese beiden Tabake dann doch auf ihre Art den Vorläuferversionen an: die STG London Mixture lässt mit ihrem dunkleren, kräftigeren und erdigeren Finish die Murray’s Version zumindest als ein Schatten nochmal durchblitzen – es war ja auch diese Version, welche durch die STG London Mixture ersetzt wurde. Aber wie gesagt „als Schatten“, denn von der erdigen Kraft der Murray’s Version ist die STG London Mixture sehr weit weg. Beim Piccadilly Circus dagegen ist es die leichtfüßigere Eleganz, die einen – wenn auch sehr sehr weiten – Blick auf das Dunhill Original wirft. Um einem Vergleich mit der Original Dunhill Mixture aber überhaupt standhalten zu können, ist der Piccadilly Circus viel zu schmalbrüstig. So ein Vergleich verbietet sich! Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass wir dann sehr alte Tabake mit sehr jungen vergleichen müssten. Nur bleibt uns keine andere Wahl, als genau das zu tun, wenn wir wissen wollen, worin sich ein bestimmter Stil eines Tabaks zeigt.

Es war Anfang 2007 als ein amerikanischer Bekannter von mir geschäftlich in München war und ich ihn bat, mir ein paar Dosen des gerade neu erschienenen Westminster von Greg Pease mitzubringen. Der war explizit von Pease als eine Nachempfindung der originalen Dunhill London Mixture kreiert worden. Zu meiner großen Freude und Überraschung brachte jener Bekannte damals nicht nur den georderten Westminster mit, sondern auch eine Dose der originalen Dunhill London Mixture. Einem direkten Vergleich stand nichts mehr im Wege und ich öffnete auch noch eine Dose Murray’s Dunhill London Mixture, die auch schon vom Markt verschwunden war, damit wir alle Versionen am selben Nachmittag gegeneinander rauchen konnten. Die STG Version der London Mixture gab es damals noch nicht.

Wir begannen mit der Dunhill Version, die ein mittelkräftiger, geschmacklich voller Tabak von unfassbarer Eleganz war: natürlich waren die rauchigen Primäraromen des Latakias altersbedingt fast vollkommen in das komplexe Geschmacksbild eingebunden, was eine frische Latakia-Mischung bei einem nennenswerten Latakia Anteil so gar nicht leisten kann, aber das Fantastische an diesem Tabak war, wie sich die Orientals in den Vordergrund gespielt haben und mit ihrer blumigen Art die durchaus vollen Virginias mühelos in Schach gehalten haben. Der Latakia lieferte nur einen dezent rauchigen und doch ätherischen Schleier.

Und just diese Raffinesse des Tabaks, dieses Wechselspiel von Orientals und Virginia, die geschmacklich sehr akzentuiert auftreten ohne in irgendeiner Weise schwer oder stark zu wirken, die hat Pease mit seinem Westminster perfekt erwischt, allerdings mit einem Latakiaanteil, der sich notgedrungen frisch viel prägnanter präsentiert als in einem sehr gereiften alten Tabak! Wir waren uns sicher, dass der Westminster sich da bewegt, wo die Original Dunhill Mixture frisch gewesen ist. Im Gegensatz dazu war die Murray’s Version mit ihrer erdigen Kraft so reizvoll wie ein gealterter Catcher. Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich rauche auch die Murray’s Version gerne, nur liegen deren Qualitäten in einer kraftvollen Direktheit. Im Vergleich wirkt sie schwerfällig, fast plump und sehr weit weg von der Raffinesse des Originals.

Also: wenn jemand den Versuch wagen will und sich auf die Spuren der Original Dunhill London Mixture begeben möchte, so sei ihm der Westminster von Greg Pease wärmstens ans Herz gelegt! Will man aber die Mühen einer Tabakbestellung in den USA meiden und nur zum nächsten Tabakladen gehen und einen Tabak, der in diese Richtung geht, kaufen, dann hat man mit dem Robert McConnell Heritage Piccadilly Circus einen ebenso soliden wie brauchbaren Vertreter zur Verfügung!




Robert McConnell Heritage | Covent Garden

Denke ich an Covent Garden, dann denke ich nicht an Tabak. Unter all meinen Leidenschaften, derer es wirklich viele gibt, ist die Oper die größte. Die einzige, von der ich vielleicht ein bisschen was verstehe. Und deshalb ist es das Royal Opera House Covent Garden, woran ich bei diesem Namen denke. Nicht nur an viele lang vergangene legendäre Aufführungen, die uns dokumentiert sind, sondern auch an einen lieben Bekannten, einen Schotten, der in London lebt und der diese Opernleidenschaft teilt. Mit ihm saß ich vor vielen Jahren mal nach einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper in einem Wirtshaus und wir unterhielten uns beim Bier über Sängerinnen. Der Name einer damals zumindest stimmlich eher unerfreulichen Sopranistin fiel und er antwortete vollendet british: „Ich habe sie vor ein paar Jahren im Royal Opera House gehört. Es war einer dieser seltenen und denkwürdigen Momente, wo Debut und Abschiedsvorstellung auf denselben Abend fielen.“

Aber wie komme ich jetzt zum Tabak? Von gleichzeitigem Debut und Abschiedsvorstellung kann hier keine Rede sein, schon allein, weil ich vor diesem Review eine ganze Dose von Robert McConnells Covent Garden geraucht habe und das ist auch beim besten Willen nicht an einem Abend zu schaffen.

Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, bei diesem Tabak und seiner Qualität, die Dose nach der ersten Füllung zu entsorgen oder zu hoffen, dass sich irgendwer anderes daran erfreut. Man kann den Covent Garden, sofern man englische Mischungen mag, problemlos und durchaus auch mit Genuss rauchen. Das ist ein sehr solider Tabak. Und das ist ja schon mal was. Allerdings hat dieser Tabak eine Vorgeschichte und damit kommen wir dann doch zu einem Problem und vielleicht sogar zur erwähnten Abschiedsvorstellung. Aber der Reihe nach:

Der Covent Garden ist eine mittel-kräftige englische Mischung aus einer anständigen Portion Latakia, die recht gut mit Orient, Virginia und Perique balanciert ist. Das Tabakbild ist eher dunkel, aus der geöffneten Dose riecht er verführerisch rauchig ohne fordernd zu wirken. Er schmeckt rauchig mit ein paar recht dezenten Trockenfruchtnoten durch den Perique und das ganze auf einem schönen Teppich aus Orientals und Virginia. Das, was diesem Tabak fehlt, ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Ein solcher Tabak könnte auch als kräftigere englische Hausmischung in einem Händlersortiment stehen. Einem Anfänger würde man sie vermutlich dort nicht empfehlen, obwohl der Covent Garden durchaus als Einstieg in die vollere englische Richtung auch für den Anfänger gut geeignet wäre, weil ihm große Kanten oder gar eine größere Keule, die er auspacken könnte, völlig fehlen.

Der Hersteller Kohlhase & Kopp hat den Covent Garden vorher kurzfristig unter dem Namen „Night Club“ auf den Markt gebracht und jetzt sind wir bei der Vorgeschichte: Der Night Club und damit auch der Covent Garden ist als Ersatz für die eingestellten Dunhill Tabake aus der STG Produktion gedacht gewesen. Der Dunhill Tabak, dem der Covent Garden (Night Club) nachempfunden wurde, ist die STG Version von Dunhills Night Cap. Diese Nachbildung ist, bis auf ein paar Nuancen, bei denen der Covent Garden meiner Meinung nach sogar besser abschneidet, weil er akzentuierter wirkt, recht gut gelungen. Allerdings kommen wir hier zu einem schier grotesken Sündenfall, an dem Kohlhase und Kopp erstmal vollkommen unschuldig ist.

Der Dunhill Night Cap, ob aus der originalen Dunhill Produktion (also vor 1981) oder der Murray’s Produktion, war ein Monument an Tabak! Ein fast endloses Geschmacksvolumen im Wechsel zwischen Latakia und Perique, kraftvoll und auch durchaus stark! Auch stark polarisierend, aber für diejenigen, denen der Night Cap zuviel war, gab es im Dunhill Portfolio ja reichlich Alternativen! Und just dieses beeindruckende Monument Night Cap wurde beim Produktionswechsel von Murray’s zu STG zu einer schier lächerlichen Karikatur geschrumpft! Alles, was den alten Night Cap ausgezeichnet hat, wurde bis zur Unkenntlichkeit glattgebürstet. Mehrheitstaugliche Beliebigkeit war das Resultat – und just dem ist der Covent Garden nachempfunden! Und dabei schneidet er sogar geringfügig besser ab als die STG Version des Night Caps!

Aber warum Kohlhase & Kopp bei dieser großen Fülle „neuer“ Tabake, die man da unter der McConnell Heritage Reihe auf einmal auf den Markt geworfen hat und die in dieser Fülle ja auch erstmal verkauft werden müssen, die Gelegenheit ausgelassen hat, diesen STG Sündenfall rückgängig zu machen und sich beim Covent Garden (Night Club) am Dunhill Original oder der Murray’s Version zu orientieren, das verstehe ich nicht. Nicht nur, dass man den eingefleischten Dunhill Fans ein Monument zumindest ansatzweise hätte zurückgeben können, es wäre auch ein Marketing Coup für die ganze Serie geworden, wenn man auf das „Original“ zurückgegriffen hätte. Was wir jetzt letztlich haben, ist dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Das ist in meinen Augen kein Gewinn.

 




Samuel Gawith | Navy Flake

„Fifteen men on the dead man’s chest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum! Drink and the devil had done for the rest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum!“ Das war mein erster Gedanke, als ich vor vielen Jahren diesen Flake zum ersten Mal gekauft habe. Virginia, Latakia und Rum! Als ich ihn dann geraucht habe, musste ich schnell feststellen, dass wir hier weder im „Admiral Benbow“ noch mit Long John Silver auf hoher See sind, sondern, wie der Name schon sagt, bei der Navy und da geht’s deutlich gesitteter zu als bei den Piraten. Der Navy Flake von Samuel Gawith ist weit weg von einer maßlos überbordenden Rauch- und Rum-Orgie, er ist so ausgeklügelt und fein balanciert, dass er auch in einen englischen Oberklasse-Club passen könnte. Und da durchaus auch zu einem angeregten Gespräch über die Schatzinsel, denn eine solche stellt der Tabak in meinen Augen dar.

Der Reihe nach! Der deutsche Importeur Kohlhase&Kopp charakterisiert den Tabak kurz, prägnant und treffend wie folgt: „Traditionell gepresste Virginia-Tabake mit einer Prise Latakia und köstlichem Rum, der dem Navy Flake einen mittelstarken aromatischen Geschmack verleiht.“ Im Prinzip hat der Navy Flake die gleiche Basis wie der Balkan Flake von Samuel Gawith, nur dass der Latakia Anteil deutlich reduziert ist, was logischerweise zur Folge hat, dass den Virginias hier viel mehr Platz eingeräumt wird. Dass Samuel Gawith „Virginia“ ausnehmend gut kann, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, es ist fast schon ein Garant für die hohe Qualität eines S.Gawith Blends! Im Fall des Navy Flakes ist das aber besonders, weil hier mit Rum aromatisiert wurde, was den Virginias eine sehr dezente Fruchtigkeit im Sinne eingelegter Rosinen verleiht. Bei diesem Satz müsste man jetzt „sehr dezente“ in Majuskeln schreiben!

Das Tabakbild des Samuel Gawith Navy Flakes ist erstmal unspektakulär: es sind dunkelbraune Flakescheiben mit ein paar fast schwarzen und hellbraunen Spitzen, eher von der etwas dickeren Sorte und diese sind auch nicht ganz so biegsam und elastisch wie etwa die Scheiben des Best Brown Flakes oder des Full Virigina Flakes, was vielleicht auch dem Latakia geschuldet ist, dessen Anteil bei geschätzt 10-15% liegen dürfte.

Das Stopfen der Pfeife ist hier eine Kombination zwischen Falten und Zerbröckeln der Flakescheiben. Man muss ein bisschen aufpassen und darauf achten, dass man den Tabak gleichmäßig in die Brennkammer einfüllt. Das ist nicht ganz so einfach wie bei homogeneren Flakescheiben, stellt aber letztlich auch kein Problem dar. Aufpassen sollte man auch hinsichtlich der Feuchtigkeit des Tabaks, denn er ist relativ feucht in der frisch geöffneten Dose, was vor allem das Entzünden nicht ganz einfach gestalten kann. Ein bis zwei Stunden trocknen lassen vor dem Stopfen ist hier hilfreich! Das Entzünden das Tabaks erfordert schon mal drei bis vier Anläufe bis der Tabak gleichmäßig glimmt, aber dann lässt er sich gleichmäßig langsam und kühl rauchen. Man braucht also ein bisschen Aufmerksamkeit und Erfahrung beim Stopfen, aber dann glimmt der Navy Flake sehr gutmütig und vor allem sehr langsam vor sich hin. So kann man eine Füllung Navy Flake durchaus als sehr ergiebig bezeichnen.

In Geschmack offeriert uns der Navy Flake einen breiten Teppich eher schwerer süßer Virignianoten, die zwischen Malzsüsse, Erdigkeit und feuchtem Unterholz wechseln und von einer dezenten Rauchigkeit durch den Latakia begleitet werden. Um den Navy Flake zu mögen, muss man nicht unbedingt ein einfleischter Latakia-Raucher sein, aber man sollte Latakia auch nicht verabscheuen. Er ist deutlich spürbar aber nicht dominant, das sind hier die Virginias! Das Rumcasing dagegen verleiht nur einen Hauch von Rum-Rosinen-Fruchtigkeit, das geschmacklich wunderbar ergänzt, aber wirklich im letzten Winkel des Navy Flakes angesiedelt ist und alles Alkoholische weglässt. Der Navy Flake ist geschmacklich ein ausnehmend voller Tabak, aber hinsichtlich seines Nikotingehaltes leichter als man denkt: „Medium“ trifft hier am ehesten zu! Die Geschmackskomponenten halten sich über die ganze Füllung konstant, nur die Latakia-Rauchigkeit nimmt im letzten Drittel der Füllung etwas zu ohne den Tabak aber zu dominieren. Für mich persönlich ist der Samuel Gawith Navy Flake kein Alltagstabak, aber ich rauche ihn zwischendurch immer sehr gerne. Absolut eine Empfehlung wert!


 

Für weitere Reviews von SG Tabaken klick ins Bild

 

 




Robert McDunhill – Umwege scheinbar notwendig

Die Welt der Pfeifentabake könnte so schön sein, so einfach. Wenn da nicht ständig widrig agierende „Marktbeteiligte“ Unordnung durch oftmals unbedachte Machenschaften – um nicht von dilettantischen zu sprechen – schafften oder wenn schlichtweg vorgeblich „politisch korrekt“ zusammengeführte Produktwelten von Multi-Konzernen mit drakonischen Aktionen seit Jahren Tabake, Pfeifen und Accessoires als mißliebig ins Aus manövrieren. Das deprimierendste Beispiel ist die Tabak & Pfeifen Sparte von Dunhill. Was da der schweizerische Richemont Konzern, Eigentümer von Dunhill, in den vergangenen Jahren angestellt hat, ist einem verqueren, aber sehr erfolgreichem Lifestyle Primat geschuldet. Neben Lederwaren, Bekleidung, Schuhe, Brillen, Parfüm, Schreibgeräte und Uhren, sämtlich in Top Preisgmenten angesiedelt, werden unverändert Feuerzeuge angeboten. Niemand scheint bei Richmonte daran zu denken, das irgend etwas anderes als Wälder, Papierkörbe oder Gebäude damit angezündet werden könnten, auf keinen Fall so schmuddeliges wie Tabakwaren. Das Dunhill Tabak Problem wurde eh vor Jahren an BAT übergeben und die Alfred Dunhill Manufacturing Limited hat längst die Pfeifenvermarktung in die blödsinnige White Spot ausgelagert, die allerdings frecherweise auf ein Gründungsdatum 1912 verweist. Wir Pfeifenraucher müssen in deren Augen irgendwie verblödete Consumer sein…….

Der neueste Aufreger, die Aufgabe der Dunhill Tabake (wir haben ausgiebig in verschiedenen Artikeln berichtet), führte anscheinend in den letzten Wochen zu einer Belebung für den Brand: fast alle Bestände im deutschen Fachhandel sind in Windeseile abverkauft worden, gibt es doch einen großen Markt von Liebhabern, die die aussterbenden Dunhills lagern werden.

Hoffnung kam auf, das der deutsche Hersteller und Distributor Kohlhase & Kopp, ein sehr renommiertes Unternehmen, mit seiner neuen Robert McConnell Heritage Reihe die Legende fortführen wird. Hat man doch mit der starken Scandinavian Tobacco Group (Orlik) einen der mächtigsten Partner in dieser Industrie an Bord. So gut wie es angelaufen ist, so schnell ist das Vorhaben ab sofort gestoppt. Nach Aussagen von K&K wird derzeit das Branding – also Namen und Etiketten – neu überarbeitet und die Tabake werden zur Zeit nicht an den Fachhandel geliefert. Das wirft einige Fragen auf: werden die von uns bereits durchgeführten Tabakreviews unverändert gültig sein? Laut K&K sind die Rezepturen von den vorzunehmenden Änderungen nicht betroffen. Hat man sich denn nicht mit der BAT (weiterhin Inhaber der Markenrechte) und STG abgesprochen, welches Layout mit welchen Bestandteilen der Dunhill Etiketten verwendet werden dürfen?

Weniger als wir ambitionierte Afficionadas dürfte der Fachhandel von diesem Tohuwabohu betroffen sein. Dosen rein, Dosen raus. Als ich gestern in der wundervollen Umgebung meines Tobacconisten des unbeirrbaren Vertrauens eine Pfeife so vor mich hin rauchte, unbelästigt von irgendwelchen verkäuferischen Ansprachen und meinen Gedanken freien Lauf ließ, schweifte mein Blick über die ausladende Tabakpräsentation. Und siehe da, ich wähnte mich in zurückliegenden Zeiten. Das Regal mit den Dunhill Tabaken war wieder vollbestückt und von RMcC Heritage nichts in Sicht …….

Da sag mir einer, Zeitreisen seien nicht möglich. Dazu braucht man lediglich ein paar Gramm vorzüglichen Tabaks. Und muß dieser Buchempfehlung unbedingt nachkommen.

Wir werden in dieser Causa weiter berichten, bleiben Sie uns gewogen.

 

 


ARTIKEL LEGENDE zur Thematik

Sag beim Abschied

Das Ende Teil 2

Trauer & Gram

Vintage Rallye

Aus für McClelland

Review: Baker Street

Review: Dark Flake

Review: Elizabethan

Review: Ye Olde Sign

Review: Durbar

Review: Dunhill Flake

Review: Ready Rubbed

Review: Three Years Matured

Robert McConnell Heritage

Review: Robert McConnell Heritage Majesty Elizabeth

Review: Robert McConnell Heritage Eclipse

Review: Robert McConnell Heritage Flake

Review: Robert McConnell Heritage Durbar Square

Review: Robert McConnell Heritage My Mixture Barking Road