Samuel Gawith | Navy Flake

„Fifteen men on the dead man’s chest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum! Drink and the devil had done for the rest — Yo-ho-ho, and a bottle of rum!“ Das war mein erster Gedanke, als ich vor vielen Jahren diesen Flake zum ersten Mal gekauft habe. Virginia, Latakia und Rum! Als ich ihn dann geraucht habe, musste ich schnell feststellen, dass wir hier weder im „Admiral Benbow“ noch mit Long John Silver auf hoher See sind, sondern, wie der Name schon sagt, bei der Navy und da geht’s deutlich gesitteter zu als bei den Piraten. Der Navy Flake von Samuel Gawith ist weit weg von einer maßlos überbordenden Rauch- und Rum-Orgie, er ist so ausgeklügelt und fein balanciert, dass er auch in einen englischen Oberklasse-Club passen könnte. Und da durchaus auch zu einem angeregten Gespräch über die Schatzinsel, denn eine solche stellt der Tabak in meinen Augen dar.

Der Reihe nach! Der deutsche Importeur Kohlhase&Kopp charakterisiert den Tabak kurz, prägnant und treffend wie folgt: „Traditionell gepresste Virginia-Tabake mit einer Prise Latakia und köstlichem Rum, der dem Navy Flake einen mittelstarken aromatischen Geschmack verleiht.“ Im Prinzip hat der Navy Flake die gleiche Basis wie der Balkan Flake von Samuel Gawith, nur dass der Latakia Anteil deutlich reduziert ist, was logischerweise zur Folge hat, dass den Virginias hier viel mehr Platz eingeräumt wird. Dass Samuel Gawith „Virginia“ ausnehmend gut kann, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, es ist fast schon ein Garant für die hohe Qualität eines S.Gawith Blends! Im Fall des Navy Flakes ist das aber besonders, weil hier mit Rum aromatisiert wurde, was den Virginias eine sehr dezente Fruchtigkeit im Sinne eingelegter Rosinen verleiht. Bei diesem Satz müsste man jetzt „sehr dezente“ in Majuskeln schreiben!

Das Tabakbild des Samuel Gawith Navy Flakes ist erstmal unspektakulär: es sind dunkelbraune Flakescheiben mit ein paar fast schwarzen und hellbraunen Spitzen, eher von der etwas dickeren Sorte und diese sind auch nicht ganz so biegsam und elastisch wie etwa die Scheiben des Best Brown Flakes oder des Full Virigina Flakes, was vielleicht auch dem Latakia geschuldet ist, dessen Anteil bei geschätzt 10-15% liegen dürfte.

Das Stopfen der Pfeife ist hier eine Kombination zwischen Falten und Zerbröckeln der Flakescheiben. Man muss ein bisschen aufpassen und darauf achten, dass man den Tabak gleichmäßig in die Brennkammer einfüllt. Das ist nicht ganz so einfach wie bei homogeneren Flakescheiben, stellt aber letztlich auch kein Problem dar. Aufpassen sollte man auch hinsichtlich der Feuchtigkeit des Tabaks, denn er ist relativ feucht in der frisch geöffneten Dose, was vor allem das Entzünden nicht ganz einfach gestalten kann. Ein bis zwei Stunden trocknen lassen vor dem Stopfen ist hier hilfreich! Das Entzünden das Tabaks erfordert schon mal drei bis vier Anläufe bis der Tabak gleichmäßig glimmt, aber dann lässt er sich gleichmäßig langsam und kühl rauchen. Man braucht also ein bisschen Aufmerksamkeit und Erfahrung beim Stopfen, aber dann glimmt der Navy Flake sehr gutmütig und vor allem sehr langsam vor sich hin. So kann man eine Füllung Navy Flake durchaus als sehr ergiebig bezeichnen.

In Geschmack offeriert uns der Navy Flake einen breiten Teppich eher schwerer süßer Virignianoten, die zwischen Malzsüsse, Erdigkeit und feuchtem Unterholz wechseln und von einer dezenten Rauchigkeit durch den Latakia begleitet werden. Um den Navy Flake zu mögen, muss man nicht unbedingt ein einfleischter Latakia-Raucher sein, aber man sollte Latakia auch nicht verabscheuen. Er ist deutlich spürbar aber nicht dominant, das sind hier die Virginias! Das Rumcasing dagegen verleiht nur einen Hauch von Rum-Rosinen-Fruchtigkeit, das geschmacklich wunderbar ergänzt, aber wirklich im letzten Winkel des Navy Flakes angesiedelt ist und alles Alkoholische weglässt. Der Navy Flake ist geschmacklich ein ausnehmend voller Tabak, aber hinsichtlich seines Nikotingehaltes leichter als man denkt: „Medium“ trifft hier am ehesten zu! Die Geschmackskomponenten halten sich über die ganze Füllung konstant, nur die Latakia-Rauchigkeit nimmt im letzten Drittel der Füllung etwas zu ohne den Tabak aber zu dominieren. Für mich persönlich ist der Samuel Gawith Navy Flake kein Alltagstabak, aber ich rauche ihn zwischendurch immer sehr gerne. Absolut eine Empfehlung wert!


 

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Robert McDunhill – Umwege scheinbar notwendig

Die Welt der Pfeifentabake könnte so schön sein, so einfach. Wenn da nicht ständig widrig agierende „Marktbeteiligte“ Unordnung durch oftmals unbedachte Machenschaften – um nicht von dilettantischen zu sprechen – schafften oder wenn schlichtweg vorgeblich „politisch korrekt“ zusammengeführte Produktwelten von Multi-Konzernen mit drakonischen Aktionen seit Jahren Tabake, Pfeifen und Accessoires als mißliebig ins Aus manövrieren. Das deprimierendste Beispiel ist die Tabak & Pfeifen Sparte von Dunhill. Was da der schweizerische Richemont Konzern, Eigentümer von Dunhill, in den vergangenen Jahren angestellt hat, ist einem verqueren, aber sehr erfolgreichem Lifestyle Primat geschuldet. Neben Lederwaren, Bekleidung, Schuhe, Brillen, Parfüm, Schreibgeräte und Uhren, sämtlich in Top Preisgmenten angesiedelt, werden unverändert Feuerzeuge angeboten. Niemand scheint bei Richmonte daran zu denken, das irgend etwas anderes als Wälder, Papierkörbe oder Gebäude damit angezündet werden könnten, auf keinen Fall so schmuddeliges wie Tabakwaren. Das Dunhill Tabak Problem wurde eh vor Jahren an BAT übergeben und die Alfred Dunhill Manufacturing Limited hat längst die Pfeifenvermarktung in die blödsinnige White Spot ausgelagert, die allerdings frecherweise auf ein Gründungsdatum 1912 verweist. Wir Pfeifenraucher müssen in deren Augen irgendwie verblödete Consumer sein…….

Der neueste Aufreger, die Aufgabe der Dunhill Tabake (wir haben ausgiebig in verschiedenen Artikeln berichtet), führte anscheinend in den letzten Wochen zu einer Belebung für den Brand: fast alle Bestände im deutschen Fachhandel sind in Windeseile abverkauft worden, gibt es doch einen großen Markt von Liebhabern, die die aussterbenden Dunhills lagern werden.

Hoffnung kam auf, das der deutsche Hersteller und Distributor Kohlhase & Kopp, ein sehr renommiertes Unternehmen, mit seiner neuen Robert McConnell Heritage Reihe die Legende fortführen wird. Hat man doch mit der starken Scandinavian Tobacco Group (Orlik) einen der mächtigsten Partner in dieser Industrie an Bord. So gut wie es angelaufen ist, so schnell ist das Vorhaben ab sofort gestoppt. Nach Aussagen von K&K wird derzeit das Branding – also Namen und Etiketten – neu überarbeitet und die Tabake werden zur Zeit nicht an den Fachhandel geliefert. Das wirft einige Fragen auf: werden die von uns bereits durchgeführten Tabakreviews unverändert gültig sein? Laut K&K sind die Rezepturen von den vorzunehmenden Änderungen nicht betroffen. Hat man sich denn nicht mit der BAT (weiterhin Inhaber der Markenrechte) und STG abgesprochen, welches Layout mit welchen Bestandteilen der Dunhill Etiketten verwendet werden dürfen?

Weniger als wir ambitionierte Afficionadas dürfte der Fachhandel von diesem Tohuwabohu betroffen sein. Dosen rein, Dosen raus. Als ich gestern in der wundervollen Umgebung meines Tobacconisten des unbeirrbaren Vertrauens eine Pfeife so vor mich hin rauchte, unbelästigt von irgendwelchen verkäuferischen Ansprachen und meinen Gedanken freien Lauf ließ, schweifte mein Blick über die ausladende Tabakpräsentation. Und siehe da, ich wähnte mich in zurückliegenden Zeiten. Das Regal mit den Dunhill Tabaken war wieder vollbestückt und von RMcC Heritage nichts in Sicht …….

Da sag mir einer, Zeitreisen seien nicht möglich. Dazu braucht man lediglich ein paar Gramm vorzüglichen Tabaks. Und muß dieser Buchempfehlung unbedingt nachkommen.

Wir werden in dieser Causa weiter berichten, bleiben Sie uns gewogen.

 

 


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