Siedler-Tabak | Mac Baren HH Rustica

Unsere Altvorderen wußten warum und MacBaren erwähnt es in der kurzgefassten Inhaltsbeschreibung auf der Dosenrückseite: Nicotiana Tabacum und Nicotiana Rustica wurden in den Amerikas im 17. Jahrhundert nur selten geraucht und seit dem so gut wie gar nicht mehr verwendet. Die Frage nach dem Grund beantwortet sich selbst, wenn die kleine Rechteckdose geöffnet wird: delikat geht anders.
Und für die berühmte, unsinnige Frage, welches eine Buch, welche einzige Flasche Wein / Whisky / Rum / Mineralwasser / Milch und welche Langspielplatte man für die einsame Insel auswählt, auf der man sein restliches Leben verbringen muß, ist dieser Flake auch nicht zu berücksichtigen. Da würde ich eher Palmwedel rauchen oder zum Nichtraucher werden. Kurzum, wieder einmal ein Tabak, den kein Mensch braucht.

Nun gehöre ich keineswegs zu den notorischen MacBaren Verächtern, obwohl diese Tabake im Generellen nicht zu meinen Vorlieben zählen. Dennoch genehmige ich mir gerne den hervorragenden Stockton und -trotz des bekannten Topflavours- auch ab und zu eine Pfeife mit Navy-, Burley– oder Mixture Flake, ohne daß ich anschließend zur Beichte gehe. Diese drei sind mir einmal, zweimal im Jahr genug des typischen MacBaren Haut Gôuts.

Und der genau fehlt dem Rustica, zum Glück, wird jetzt so mancher sagen. Aber wenn dieses das einzige hervorstechende Merkmal sein sollte, reicht es wohl kaum aus, eine Pfeife damit zu füllen. Per Jensen, der Masterblender bei MacBaren, ist ein respektierter und nachgewiesener Fachmann. Vielleicht war ihm ein wenig fad und er hat den HH Rustica nach der Maxime entwickelt: mal sehen, was noch so geht. Aber bekanntlich leben wir (noch) in einem Tabak-Paradies, die Auswahl an nahezu unüberschaubaren Provenienzen ist riesig und sollte Anlaß sein, auf Geschmacksmasochismus zu verzichten.

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Aus der geöffneten Dose riecht es schlichtweg nur muffig, wie ein lieber Pfeifen-, Tabak- und und Sonstnochwasfreund soeben treffend bemerkte. Und so schmeckt der Tabak auch. Untypisch für die von MacBaren bekannte perfekte Konfektionierung von gepressten Tabaken liegt der Rustica relativ „unordentlich“ in der Dose, allerdings ist die Qualität des wunderschönen, goldfarbenen Einlagepapiers hervorragend und MacBaren hat dieses mit einem hochwertigen Prägedruck versehen.

 

Sie sehen, es fällt mir außerordentlich schwer, Ihnen etwas Substantielles vorzutragen.

Die Flakes sind feucht, aber sofort rauchbar, sofern man sich trotz des Geruchs überwindet. Dem Nicotiana Rustica, jenem Indianertabak, der den Hauptbestandteil des Flakes bildet, sind Dark Virignia und Burley hinzugefügt, damit man eine später halbwegs rauchbare Pressung erhält. Diese wird unter Zuführung von Hitze bewerkstelligt und ist mit einem leichten Casing versehen.


Mit Knick&Falt befüllt, glimmt der Tabak in der Pfeife nach ein, zwei Zündvorgängen leidlich gleichmäßig unter Vermeidung von jeglicher Geschmacksabgabe vor sich hin. Die bereits erwähnte „Muffigkeit“ bleibt für mich als einziges Merkmal feststellbar. Und seine nikotinbedingte Stärke, die allerdings deutlich hervorsticht. All das ist mir viel zu wenig, um auch nur eine Spur von Genuß zu erzeugen.

Im Web lese ich, der HH Rustica sei wahrscheinlich der außergewöhnlichste Tabak der letzten Jahre und ein absolutes Genusserlebnis. Ja, dem stimme ich zu, letztlich haben wir uns ja auch an Negativzinsen für Guthaben bei Banken gewöhnt. Warum nicht auch an einen Minuswert beim Geschmack?

Bevor jetzt eingefleischte MacBaren Liebhaber wie das sprichwörtliche HB-Männchen (Sie erinnern sich?) in die Luft gehen, bitte ich zu bedenken: wie alle Geschmacks- und Erlebnisbeschreibungen sind diese subjektiv. Es ist durchaus denkbar, daß es Raucher gibt, die sich beim Genuß von HH Rustica vor Verzücken im Kreis drehen. Das bleibt ihnen selbstverständlich unbenommen und Gegenreden sind uns willkommen. Allerdings möchte ich mit Albert Vigoleis Thelen vorbeugen: AM ENDE ENTSCHEIDET DIE WAHRHEIT.