Port Latakia – Everybodies Darling

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HU Tobacco Port LatakiaDieser Tabak von HU-Tobacco kam irgendwann um das Jahr 2010/11 herum auf den Markt. Ein Hersteller, dessen Kundschaft damals im Wesentlichen noch aus den Mitgliedern der gängigen Foren zum Thema Tabak und Pfeife bestand. Das sollte sich jedoch sehr bald ändern, und heutzutage ist dieses Unternehmen ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Marktes für qualitativ hochwertige Tabake, hinter denen Hans Wiedemann und zum Teil auch Peter Hemmer mit ihrem schier unerschöpflichen Ideenreichtum stehen.

Der Tabak kam seinerzeit unter dem Namen „Sweet Latakia“ in die Versand-Päckchen, Einzelhändler, die diese Tabake führten, gab es damals noch nicht.
Der Herstellertext versprach und verspricht dem Adepten der mittelorientalischen Richtung ein großes Vergnügen:

Sweet Latakia Port Latakia ist eine englische Mischung mit einem fünfzig-prozentigem Latakia – Anteil. Die verwendeten Virginia und Orientgrades verleihen dieser Mischung eine prägnante Süße, die den hohen Latakiaanteil anfänglich in den Hintergrund drückt. Erst beim fortschreitenden Genuss gewinnen die rauchigen Noten des Latakias die Oberhand und dominieren. Dieses geschmackliche Wechselspiel macht den Charme dieser englischen Mischung aus. Süß, luftig und würzig, das sind die Attribute des „Sweet Latakia“ und machen ihn deshalb sowohl für eingeschworene Latakiafans, wie auch für Raucher, die es noch werden wollen, interessant. …Latakia – sweet and spicy.

Ich habe den Tabak erstmalig im Jahre 2011 versucht und seit dem zwischendurch immer wieder geraucht. 

Der Tabak gehört zur „Original Warehouseblend“ Reihe, eine Erklärung für die jeweiligen Serien habe ich nicht, jedenfalls sind die Tabake dieser Reihe nur in 100gr. Dosen erhältlich, von manchen auch liebevoll „Malereimer“ getauft. Sei es drum, in ist, was drin ist, versprach die Werbung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Mittlerweile haben sich zumindest die Dosen zum Negativen gewandelt, gilt doch auch hier die Kennzeichnungsrichtlinie, derzufolge die Dosen hinsichtlich des mörderischen Potentials ihres Inhaltes zu kennzeichnen sind. Hat früher der Kleber auf dem Deckel gereicht, muss es nun ein nicht zu entfernender Aufdruck sein.

Jedenfalls spielt die Aufmachung der Dose somit nur noch eine untergeordnete Rolle, sodass man sich jegliche Betrachtung der selbigen ersparen kann.  

Hat man denn den satt sitzenden Deckel geöffnet, entströmt der Dose ein feiner Duft, würzig, kräftig, leicht ätherisch vielleicht, ein bisschen süß. Trotz dieser Süße kam bei mir unterschwellig die Erinnerung an Dunhills „Early Morning Pipe“ auf.  

HU Tobacco - Port Latakia Tabakbild

Das Tabakbild ist, wie nicht anders zu erwarten, viel schwarzer Tabak, einige hell- und dunkelbraune Sprenkel lassen sich ausmachen, sind jedoch erkennbar in der Minderheit. Bei ausgelobten 50% Latakia wäre alles andere verwunderlich gewesen.

Ein Griff in den nicht gepressten, recht fein geschnittenen Tabak lässt Gutes erahnen: der Tabak ist perfekt konditioniert, nicht zu feucht, ein angenehmes Griffgefühl zwischen den Fingern.

Das soll es zu den Äußerlichkeiten auch schon gewesen sein, denn letztlich ist entscheidend, was in der Pfeife passiert, und nicht in den rhetorischen Ergüssen des Rezensenten.

Da mir jegliche Vorgaben und vermeintlichen „Anleitungen“ zuwider sind, hänge ich der Theorie an, dass man die Dinge einfach so machen sollte, wie sie sich am besten ergeben, also stopfe ich so, wie ich das bei meinem Vater noch beobachtet habe. Unten leicht und oben so fest, dass gut „Zug drauf“ ist. Damit fährt man bei diesem Tabak nicht schlecht, er klebt nicht, läßt sich gleichmäßig stopfen.

Ein, zwei Hölzer reichen, um den Tabak anzubrennen, er nimmt willig die Glut an, und sofort kommt der Latakia mit Riesenschritten durch die Tür und schon neigt der Schreiberling zum Widerspruch: die Süße ist zwar klar auszumachen, aber keineswegs überpräsent und es kann keine Rede davon sein, dass diese den Latakia in den Hintergrund drücken würde. Im Gegenteil, vom ersten Zug an schmeckt man den Latakia deutlich, eher darunter würde ich die leichte angenehm weiche Süße ansiedeln, gestützt vom Orient, der in dieser Mischung ein gutes Fundament bietet. Allerdings würde ich sagen, dass er das so dezent macht, dass man anfangs nicht unbedingt drauf kommen muss, dass Orient drin ist, der sich erst gegen Ende zu Wort meldet, wogegen die Süße mehr und mehr zurückgeht.

Im Laufe der Füllung, die in einem durchschnittlichen Kopf von 21 mal 40 mm doch gute 90 Minuten gedauert hat, hat sich der Tabak wenig geändert, gleichmäßig, ohne Überraschungen brennt er, die nötige Gelassenheit trocken runter, bis zu einem Häufchen grauer Asche, trocken und ohne merkliches Kondensat abzusondern.

Gegen Ende lässt sich eine ganz leichte Schärfe, ausmachen, nicht unangenehm, aber doch deutlich darauf hinweisend, dass sich der Genuss dem Ende neigt.

HU Tobacco Port Latakia - Katalogbild

HU Tobacco: Port Latakia – Katalogbild

Da sich vielerorts immer noch die Meinung hält, Latakia sei stark, was eben oft mit kräftig verwechselt wird, sei auch hinsichtlich dieses Irrtums eine Anmerkung gemacht. Der Tabak ist nicht stark, er macht nicht satt im Sinne, von „danke, mir reicht’s jetzt“. Dieser Tabak lässt sich problemlos auch aus großen Köpfen rauchen, bei denen durchaus mal 2 bis 3 Stunden Rauchvergnügen anstehen. Und hier vereint sich des einen Freud mit des anderen Leid. Der Tabak ist latakiatypisch aromatisch, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Es fehlt ihm so ein bisschen der Körper, das Volumen. Aber auch hier gilt, chacun à son gôut, was dem Rezensenten zu wenig ist, ist dem Neugierigen vielleicht schon zu viel. Dieser Einwand möge niemanden vom Versuchen abhalten, gut ist er allemal.

Die Raumnote ist, wie nicht anders zu erwarten sicher nicht jedermanns Sache, der Pferdestall ist nicht weit, eine tolerante Ehefrau kann hier von großem Nutzen sein. Jedoch ist die vorherrschende Note eben nicht nur das Rauchige, auch eine leichte Süße liegt in der Luft und hält die Erinnerung an das eben Erlebte wach.

Handwerklich gibt es an dem Tabak nichts auszusetzen. Keine „Bäume“ und keine Fetzchen stören das Bild, fast uniform liegen die Fasern in der Dose.

Um das Geschriebene zusammenfassend in einem Fazit zu bündeln und den Bogen zum einleitend Geschriebenen zu schlagen, lässt sich die Aussage treffen, dass dieser Tabak sowohl dem bereits mit Latakia vertrauten Raucher viel Freude bereiten wird, sich aber gleichwohl als Lockmittel für Überläufer eignet, die, von eher süßen Richtungen kommend, dem Einstieg in die Welt des Latakias nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber stehen.

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1 Antwort

  1. So ein Bericht bringt mich stets in die Bedroullie. Denn ich möchte mich direkt aufs Radl schwingen (in meinem Fall zum Bosch in Fürstenfeldbruck), um das Geschilderte mit einem eigenen Rauchopfer nachzuvollziehen. Heute leider zu spät. Eine sehr schöne und fundierte Schilderung, die Lust auf das „Mehr“ macht. Bin sehr gespannt und werde Laut geben, sobald ich mich „geopfert“ habe.
    Noch einmal zur leidlichen Bedruckung der „Malerdosen“: sind unsere (ehemaligen) amerikanischen Freunde in diesen Zeiten nur gelegentlich gute Beispiele, so gilt das nicht für Tabakdosen. Soeben erreichte mich eine schöne Bestellung von Drucquer Tabaken, das sind die mit dem herrlich antiquierten Label, nur im Wilden Westen erhältlich. Und siehe da, der Todeshinweis ist kaum zu entdecken. So geht es auch, aber nicht in einen EUBS hinein.

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