Mit Edelweiss, Kuh und Deckel | BBK Pfeife aus der Schweiz

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Irgendwo in einem Forum tauchte neulich die Frage auf, ob man eine Pfeife auch bei schlechtem und kalten Wetter draussen rauchen dürfe. Das ist so eine typische Anfängerfrage, wie sie im Winter im Wochentakt im Netz auftaucht. Einige alte Hasen beruhigten den ängstlichen Pipen-Novizen, dozierten etwas von Brenntemperaturen im Innenraum von mehreren hundert Grad und einem dagegen nur marginal erscheinenden Unterschied zwischen plus/minus zehn Grad Aussentemperatur.

Wenn sich aber einer berufen fühlt, ein Statement zum Pfeifenrauchen bei kältestem Dreckswetter abzugeben, dann bin das natürlich ich. Als enthusiastischer Bergwanderer, manischer Freiluft-Maler und Pfeifenraucher kenne ich den ewigen Kampf der Elemente nur zu gut. Auf dem Berg heisst es immer alle gegen einen und zwar alle gegen das Feuer in meiner Pfeife.

Die Diskussion in besagtem Pfeifenforum nahm dann eine andere Richtung und zwar die des möglichen Erwerbes einer Pfeife mit Deckel. Alfred Dunhill war, glaube ich der erste, der sich mit asymmetrischen Rauchkammern des Kampfes gegen den Fahrtwinde im offenen Automobil annahm. Peterson stellt einige sehr hübsche und klassische „Silver Cap“ Pfeifen her, die mit einem klappbaren Silberdeckel ausgestattet sind. Forscht man dann ein wenig weiter, findet man auch Deckelpfeifen von anderen Herstellern, wie Vauen und Jean Claude van Damme. Das Grundkonzept des Deckels auf der Pfeife ist allerdings schon sehr viel älter. Im Alpenland waren früher alle Gesteckpfeifen mit Klappdeckel versehen, sowie auch die sogenannten Jägerpfeifen. Ist ja auch einleuchtend, wer außer einem verrückten Landschaftsmaler, ist so viel bei Wind und Wetter auf den Bergen, wie der Jager und natürlich auch der Schütz.

Auch wenn man bei mir nicht von einer Sammlung sprechen kann, besitze ich doch so manch ein Pfeifchen. Auch einige mit viel Bling-Bling, Silberrand, Goldringerl, Army-Mounts und Spigots, allerdings kein einziges mit einem Deckerl. Fast schon eine Schand, stellte ich bei der Lektüre jenes Forenstranges fest. Mein erster Gedanke war, dass ich unbedingt so eine schöne Peterson Silver Cap Bent brauche, die kann man beim Malen schön zwischen den Zähnen hängen lassen und sie würde Wind und Wetter trotzen. Die Ernüchterung kam, als ich sah, dass es auch auf dem Estate-Markt kein Stück unter zweihundert Euro gab. Für einen armen Künstler natürlich unerschwinglich, also suchte ich weiter. Eine Jäger- oder Gesteckpfeife ist selbst mir zu unmodern und sperrig und eine billige Pipe aus Frankreich oder Polen mag ich auch keine haben.

Wie es oft im Leben kommt, taucht in den Momenten tiefster Schwärze und Niedergeschlagenheit dann doch wieder von irgendwoher ein Lichtlein auf. In meinem Falle stieß ich auf einen Hersteller aus der Schweiz, dessen Pfeifen wie geschaffen für mich schienen. Nicht nur, dass sie einen Deckel hatten, nein sie waren auch über und über mit silbernen Ornamenten verziert. Es waren Kühe, Edelweiße und Gamsen, es war einen Pracht an alpenländischem Kitsch, ich war sofort verliebt. In der Pipedia fand ich einen Eintrag zu dem Hersteller B.B.K Brunner-Buhofer, kurz auch Bru-Bu genannt. Ich lege Ihnen diesen Artikel sehr ans Herz, will hier nicht alles wiederholen, sondern nur kurz zusammenfassen.

1871 wurde der schweizer Bauernsohn Joseph Brunner aus Kleinlützel zu einem Pfeifen-Dreher in die Lehre geschickt. Er soll nach der Lehre dann in Staint Claude gearbeitet haben. Zurück in der Heimat machte er sich 1878 im Haus seines Vaters selbstständig. Das Geschäft florierte und wuchs zu einem ansehnlichen Familienbetrieb mit ca. 200 Mitarbeitern heran. In den 1930er Jahren kam die Fabrik dann ins Straucheln, was wohl an der billigen Massenproduktion der Franzosen aus Staint Claude lag, die den schweizer Markt überschwemmte. 1932 stieg dann ein Herr Buhofer in den Betrieb ein und Bru-Bu erweiterte seine Produktion um geschnitzte Souvenirartikel. Bis in die 1970 Jahre funktionierte das wohl auch ganz gut, dann musste die Fabrik endgültig schliessen.

Wer sich die typischen BBK Pfeifen einmal ansieht, wird feststellen, dass die Grenze zum Kitsch schon sehr oft und das auch nicht unerheblich überschritten wurde. Zum Teil in der Tradition alpenländischer Jägerpfeifen mit diesen mit „Beiss-Tellern“ ausgestatteten Mundstücken, die mit einem dünnen Silberketterl am Holm befestigt wurden. An den silbernen Almblumen und – viechern, die in die Pfeifenköpfe genagelt wurden scheiden sich bestimmt auch die Geister. Und sie haben fast immer einen Klapp-Deckel und um den ging es mir ja schliesslich.

Das gute Stück, welches ich bei Ebay für fünfzehn Euro ersteigerte hatte allerdings weder Mundstück noch Ketterl. Es war nur ein Billard-Pfeifenkopf. Mehr wollte ich eigentlich auch gar nicht. Die Pfeife wurde geputzt und gewienert. Mit Alkohol und Silberpolitur rückte ich ihr zu Leibe, dann bürstete ich das Holz mit Öl ein, bestellte mir ein langes, schlankes Ebonit-Mundstück bei der Firma Janzen. Nach ein paar Stunden Schleifen und Polieren, strahlte die Pfeife eine Eleganz aus, die sie in ihrem früheren Leben bestimmt nie gekannt hatte. Sie raucht sich ganz wundervoll, sowohl mit offenem, als auch mit geschlossenem Deckerl. Nur auf dem Berg habe ich sie noch nicht dabei gehabt, das kommt aber bestimmt noch, versprochen. Angezündet wird sie dann selbstverständlich mit einem Pfeifen-Benzin-Sturmfeuerzeug an dem sich sicher auch die Geister scheiden werden, aber das ist eine andere Geschichte, die hier sicher auch bald erzählt werden wird.