Bodo Mauk | Projekt Nr. 2

Ja, es gab noch ein Projekt – nicht nur das BM II Jörgen Larsen Projekt. Und um es vorweg zu nehmen, es war ein Alptraum für einen Pfeifenmacher.
Wenn ich mich recht erinnere, ist auch hierüber bereits an anderer Stelle berichtet worden. Bodo I. hatte eine Pfeife gesehen, die er unbedingt seiner Sammlung einverleiben wollte. Es war eine Peterson Spigot, die allerdings einem passionierten Pfeifensammler gehörte. Der wollte sie auch gegen Gewaltanwendung nicht hergeben. Besonders hatte ihm das außergewöhnliche Cumberland-Spigot Mundstück angetan, wenigstens das hat er dann käuflich erworben. Eines Tages kam er auf mich zu und fragte: „kannst Du mir hierfür eine Pfeife bauen“?

Normalerweise entwirft man eine Pfeife einschließlich eines passenden Mundstücks. Der umgekehrte Weg – die Pfeife dem Mundstück entsprechend zu bauen – ist allerdings sehr ungewöhnlich. Außerdem sollte sie eine recht helle Beizung erhalten, um das wunderschöne Cumberland-Mundstück besser hervorzuheben. Letztendlich ließ ich mich überreden und fing an, einen passenden Kopf zu fertigen.


Nachdem sie fertig und wunschgemäß hell gebeizt war, war sofort klar, dass ich die Pfeife so nicht abgeben würde.

Also sprach ich mit Bodo und sagte ihm, dass die Pfeife unmöglich aussieht und ich sie nur abgeben werde, wenn wir sie dunkel beizen. Einsichtig stimmte er zu und so habe ich eine meiner schönsten Pfeifen gemacht, wenn auch nur zur Hälfte. Na ja, eigentlich insgesamt !



Es ist schon erstaunlich, wie so eine Farbänderung das gesamte Pfeifenbild verändert. Ganz so schlimm, wie anfangs geschildert, war die Umsetzung des Projekts natürlich nicht.
Aber es war einfach eine Herausforderung, die mir am Ende viel Spaß gemacht hat.




Mit Edelweiss, Kuh und Deckel | BBK Pfeife aus der Schweiz

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Nicht immer ist das Wetter in den Bergen ideal zum Pfeifenrauchen.

Irgendwo in einem Forum tauchte neulich die Frage auf, ob man eine Pfeife auch bei schlechtem und kalten Wetter draussen rauchen dürfe. Das ist so eine typische Anfängerfrage, wie sie im Winter im Wochentakt im Netz auftaucht. Einige alte Hasen beruhigten den ängstlichen Pipen-Novizen, dozierten etwas von Brenntemperaturen im Innenraum von mehreren hundert Grad und einem dagegen nur marginal erscheinenden Unterschied zwischen plus/minus zehn Grad Aussentemperatur.

Wenn sich aber einer berufen fühlt, ein Statement zum Pfeifenrauchen bei kältestem Dreckswetter abzugeben, dann bin das natürlich ich. Als enthusiastischer Bergwanderer, manischer Freiluft-Maler und Pfeifenraucher kenne ich den ewigen Kampf der Elemente nur zu gut. Auf dem Berg heisst es immer alle gegen einen und zwar alle gegen das Feuer in meiner Pfeife.

Die Diskussion in besagtem Pfeifenforum nahm dann eine andere Richtung und zwar die des möglichen Erwerbes einer Pfeife mit Deckel. Alfred Dunhill war, glaube ich der erste, der sich mit asymmetrischen Rauchkammern des Kampfes gegen den Fahrtwinde im offenen Automobil annahm. Peterson stellt einige sehr hübsche und klassische „Silver Cap“ Pfeifen her, die mit einem klappbaren Silberdeckel ausgestattet sind. Forscht man dann ein wenig weiter, findet man auch Deckelpfeifen von anderen Herstellern, wie Vauen und Jean Claude van Damme. Das Grundkonzept des Deckels auf der Pfeife ist allerdings schon sehr viel älter. Im Alpenland waren früher alle Gesteckpfeifen mit Klappdeckel versehen, sowie auch die sogenannten Jägerpfeifen. Ist ja auch einleuchtend, wer außer einem verrückten Landschaftsmaler, ist so viel bei Wind und Wetter auf den Bergen, wie der Jager und natürlich auch der Schütz.

Auch wenn man bei mir nicht von einer Sammlung sprechen kann, besitze ich doch so manch ein Pfeifchen. Auch einige mit viel Bling-Bling, Silberrand, Goldringerl, Army-Mounts und Spigots, allerdings kein einziges mit einem Deckerl. Fast schon eine Schand, stellte ich bei der Lektüre jenes Forenstranges fest. Mein erster Gedanke war, dass ich unbedingt so eine schöne Peterson Silver Cap Bent brauche, die kann man beim Malen schön zwischen den Zähnen hängen lassen und sie würde Wind und Wetter trotzen. Die Ernüchterung kam, als ich sah, dass es auch auf dem Estate-Markt kein Stück unter zweihundert Euro gab. Für einen armen Künstler natürlich unerschwinglich, also suchte ich weiter. Eine Jäger- oder Gesteckpfeife ist selbst mir zu unmodern und sperrig und eine billige Pipe aus Frankreich oder Polen mag ich auch keine haben.

Wie es oft im Leben kommt, taucht in den Momenten tiefster Schwärze und Niedergeschlagenheit dann doch wieder von irgendwoher ein Lichtlein auf. In meinem Falle stieß ich auf einen Hersteller aus der Schweiz, dessen Pfeifen wie geschaffen für mich schienen. Nicht nur, dass sie einen Deckel hatten, nein sie waren auch über und über mit silbernen Ornamenten verziert. Es waren Kühe, Edelweiße und Gamsen, es war einen Pracht an alpenländischem Kitsch, ich war sofort verliebt. In der Pipedia fand ich einen Eintrag zu dem Hersteller B.B.K Brunner-Buhofer, kurz auch Bru-Bu genannt. Ich lege Ihnen diesen Artikel sehr ans Herz, will hier nicht alles wiederholen, sondern nur kurz zusammenfassen.

1871 wurde der schweizer Bauernsohn Joseph Brunner aus Kleinlützel zu einem Pfeifen-Dreher in die Lehre geschickt. Er soll nach der Lehre dann in Staint Claude gearbeitet haben. Zurück in der Heimat machte er sich 1878 im Haus seines Vaters selbstständig. Das Geschäft florierte und wuchs zu einem ansehnlichen Familienbetrieb mit ca. 200 Mitarbeitern heran. In den 1930er Jahren kam die Fabrik dann ins Straucheln, was wohl an der billigen Massenproduktion der Franzosen aus Staint Claude lag, die den schweizer Markt überschwemmte. 1932 stieg dann ein Herr Buhofer in den Betrieb ein und Bru-Bu erweiterte seine Produktion um geschnitzte Souvenirartikel. Bis in die 1970 Jahre funktionierte das wohl auch ganz gut, dann musste die Fabrik endgültig schliessen.

Wer sich die typischen BBK Pfeifen einmal ansieht, wird feststellen, dass die Grenze zum Kitsch schon sehr oft und das auch nicht unerheblich überschritten wurde. Zum Teil in der Tradition alpenländischer Jägerpfeifen mit diesen mit „Beiss-Tellern“ ausgestatteten Mundstücken, die mit einem dünnen Silberketterl am Holm befestigt wurden. An den silbernen Almblumen und – viechern, die in die Pfeifenköpfe genagelt wurden scheiden sich bestimmt auch die Geister. Und sie haben fast immer einen Klapp-Deckel und um den ging es mir ja schliesslich.

Das gute Stück, welches ich bei Ebay für fünfzehn Euro ersteigerte hatte allerdings weder Mundstück noch Ketterl. Es war nur ein Billard-Pfeifenkopf. Mehr wollte ich eigentlich auch gar nicht. Die Pfeife wurde geputzt und gewienert. Mit Alkohol und Silberpolitur rückte ich ihr zu Leibe, dann bürstete ich das Holz mit Öl ein, bestellte mir ein langes, schlankes Ebonit-Mundstück bei der Firma Janzen. Nach ein paar Stunden Schleifen und Polieren, strahlte die Pfeife eine Eleganz aus, die sie in ihrem früheren Leben bestimmt nie gekannt hatte. Sie raucht sich ganz wundervoll, sowohl mit offenem, als auch mit geschlossenem Deckerl. Nur auf dem Berg habe ich sie noch nicht dabei gehabt, das kommt aber bestimmt noch, versprochen. Angezündet wird sie dann selbstverständlich mit einem Pfeifen-Benzin-Sturmfeuerzeug an dem sich sicher auch die Geister scheiden werden, aber das ist eine andere Geschichte, die hier sicher auch bald erzählt werden wird.

 

 




Lars Ivarsson 1944-2018

Lars IvarssonEr war der Sohn eines der größten Pfeifenmacher aller Zeiten, er war der Vater der größten Pfeifenmacherin und er war selbst einer der größten Pfeifenmacher unserer Zeit, in den Augen nicht weniger war er der beste Pfeifenmacher. Gestern ist Lars Ivarsson nach schwerer Krankheit gestorben.

Der Pfeifenwelt wird er immer präsent sein in seinen wundervollen Pfeifen und seinen Formen, die für viele andere Pfeifenmacher so stilbildend wirken, die bleiben werden, und die immer an ihn erinnern werden. Er hat uns wirklich sehr viel hinterlassen! Die Faszination der Perfektion, den großen Einfallsreichtum, dem er mit allergrößter Akribie zu einem ganz bescheidenen wie großartigen Understatement verholfen hat. Das Ergebnis war pure Schönheit. Wir müssen dankbar sein! Mit dieser Dankbarkeit im Rücken sind unsere Gedanken bei seiner trauernden Familie. Möge er in Frieden ruhen! Obwohl ich ihn nicht persönlich gekannt habe, tut es mir unendlich Leid.




Rustizierte Pfeifen

Nachdem Peter hier im Pfeifenblog sehr ausführlich und hoch interessant über Sandgestrahlte Pfeifen berichtet hat, möchte ich mal die Aufmerksamkeit auf rustizierte Pfeifen lenken. Zum geschichtlichen Hintergrund und den Ursprüngen kann ich nichts beitragen, da ich mich nicht so intensiv damit beschäftigt habe.

Ich habe nur gelesen, dass Carlo Scotti unter dem Markennamen Castello die ersten hochwertigen rustizierten Pfeifen auf den Markt gebracht hat.

So sind auch für mich die Sea Rocks das Non plus Ultra dieser Pfeifenvariation.

 

Am weitläufigsten ist allerdings die Meinung verbreitet, dass hier nur minderwertiges Holz verwendet oder Einschlüsse kaschiert werden.
Da ich aber diese extrem aufgeraute Oberfläche sehr interessant finde, habe ich mal versucht solche Pfeifen zu bauen.
Ich lasse mich nicht besonders von der Maserung beeinflussen, sondern plane von vornherein eine rustizierte Pfeife. Sollte sich allerdings zeigen, dass der Kopf eine extrem schöne Maserung aufweist würde ich sie natürlich in glatt vollenden.

 

Leider habe ich keine Bilder vom Entstehungsprozess gemacht, was ich aber vielleicht später noch mal nachreichen kann.

 

 

Nur so viel, die Fertigung ist recht aufwendig. Nach dem fertigstellen des Pfeifenkopfes schlägt man mit einem Stechbeitel Löcher bzw. Kerben in das Holz und bearbeitet dann die Oberfläche mit einem mörderischen Instrument.

 

 

 


 
 
 
Oft wird der Kopf dann schwarz gebeizt und wie bei den sandgestrahlten Pfeifen weiter behandelt. Es gibt allerdings auch helle oder Naturbelassene Versionen.

 

Die teilweisen recht scharfkantigen Erhebungen lassen sich auch mit einer harten Bürste, mit starken Kunststoffborsten bearbeiten und so das Ganze etwas glätten.

Neben dem optischen Effekt gibt es noch einen anderen Aspekt.

Durch die künstlich vergrößerte Oberfläche wird der Kopf mehr gekühlt und wird dadurch nicht so leicht heiß. Routinierte Pfeifenraucher werden natürlich einwenden, dass dies auch bei glatten nicht passiert wenn man sie denn richtig raucht.

Frauen kann man allerdings mit dieser Stilrichtung nicht imponieren. Meine Frau findet diese Pfeifen grässlich und wie ich von Fachhändlern gehört habe, scheint die überwiegende Mehrheit der Frauen das ebenso zu sehen.

Ich muss zugeben, dass dies meine Meinung allerdings nicht beeinflusst.

 




Calabash – einmal ohne Kürbis

Vor einigen Jahren habe ich mir eine Calabash des italienischen Herstellers Brebbia zugelegt. im Unterschied zum Original allerdings vollständig aus Bruyere, mit schöner Silber Olive. Mir gefällt die etwas gedrungere (kürzere) Form von Brebbia fast besser als ein Kürbis-Orginal. Einige Jahre war ich dann auf der Suche nach dem gestrahlten oder rustizierten Pendant zu meiner Glatten, nie fand sich eine Gelegenheit. Entweder gefiel mir die Rustizierung nicht, mal war die Pfeife wieder ausverkauft, mal hatte ich das Vorhaben schon nicht mehr auf dem Schirm.

Aber ich glaube daran: wenn etwas für mich bestimmt ist, so gelangt es früher oder später zu mir. Und irgendwann war es dann soweit, dem Geduldigen, dem Ausdauernden gehört die Welt. Freitags, Münchner Runde, unerwartet: eine ganze Reihe dieses Modells war soeben bei Pfeifen Huber eingetroffen und ich konnte mir eine, die mir in allen Einzelheiten gefiel, auswählen, hier ist sie:

 

Brebbia Calabash First Selected – rustiziert



Brebbia Calabash First Selected – glatt




BM-II Jörgen Larsen Projekt

Mit dieser Pfeife, vor einiger Zeit schon einmal in einer anderen Welt vorgestellt, verbindet mich eine besondere Erinnerung. Sie geht zurück ins Jahr 1970. Und ohne einen Zufall und die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten meines Pfeifenfreundes und Namensvetters Bodo Mauk, Mitglied der Münchner Runde und Hausherr unseres Münchner Clubs, hätte alles nicht eine so schöne Wendung genommen. Aber zunächst zurück in die frühen 1980er Jahre.
1970 war ich schon eifriger Sammler. Das Nachrechnen erspare ich Euch: im Alter von 20 Jahren und seit 2 Jahren Student in München. Jörgen Larsen, meinen damals bevorzugten Pfeifenmacher, hatte ich bereits persönlich bei Pfeifen Hille in Duisburg kennen und schätzen gelernt. Eine meiner JL – Lieblingspfeifen nannte ich den „Kinderwagen“, da die Form ihres Kopfes den früher so populären Korbkinderwagen ähnelte.

Irgendwann – ich glaube es war 1972 – ist mir der Kinderwagen zu Boden gefallen und der Kopf entzweigesprungen, regelrecht zerplatzt. Auch Jörgen Larsen, den ich in Odense besuchte, konnte nicht helfen. Der Kinderwagen war unwiderruflich perdu.


 
Ein Jahr später versuchte ich, eine Kopie aus Meerschaum herzustellen, was mir nur leidlich gelang. Da es ein vorgefertigter Block war, konnte ich zwar die Kopfform annähernd hinbekommen, allerdings entsprachen Holm und Mundstück nicht dem Original. Freude hat die Pfeife mir bis heute gemacht und tut es noch. Im Laufe der Jahre geriet der Kinderwagen in Vergessenheit und da ich früher keine Fotos von meinen Pfeifen angefertigt habe, auch das genaue Bild der Form. Und nun kommt der Zufall ins Spiel.



1972 Villa Hügel, Essen – Minuten später erfolgte der Crash.

Vor einiger Zeit fand ich in einer längst vergessenen Schachtel tatsächlich ein Foto von mir, auf dem ich den Original Kinderwagen rauche. Allerdings war die Qualität des Schwarzweißbildes so schlecht, das nur ich die Form der Pfeife erkennen konnte.

Ich zeigte das Foto Bodo II, der mich zunächst ratlos ansah und trocken bemerkte: „….schönes Hemd, beeindruckende Krawatte, toller Trench…“. Dem wundervollen Stück Holz und Ebonit zwischen meinen Zähnen – kaum zu erkennen, wie Ihr Euch überzeugen könnt – galt nicht gerade seine Aufmerksamkeit.

In den folgenden Wochen habe ich auf ihn eingeredet. Bodo besitzt nicht meine unnachgiebige Härte, die -gepaart mit bewußt eingesetzter Unverschämtheit – durchaus überzeugend wirken kann. Schließlich erhielt ich die Antwort, auf die ich gehofft hatte: „Mmmh, jahh, da müßte man ein Projekt daraus machen“. Wir machten ein Projekt.


Der „Fehlversuch“, der eigentlich keiner ist – Bodo II raucht ihn.

Die erste Phase bestand aus Zeichnungen, die zweite aus einem Prototyp, die dritte dann aus einem Fehlversuch, der eigentlich keiner war. Die Kopfform und der Holm wurden nicht exakt getroffen, aber ansonsten entstand eine wunderschöne, elegante und sehr schlanke Pfeife. Bodo II raucht sie seitdem selbst.

Bald hatte ich das Projekt wegen einer überraschend anzutretenden Auslandsreise fast vergessen, der leidige geschäftliche Alltag meldete Ansprüche an. Um so überraschter war ich, als Bodo II mir nach Rückkehr ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk überreichte: das fertiggestellte Projekt. Ich war sprachlos – die Vergangenheit hatte mich nach über 40 Jahren eingeholt – seht selbst: ohne Spots, ohne Kitt, eine sehr schöne Maserung und ein Traumfinish. Und sie raucht sich perfekt und wird auch häufig gefordert. Mittlerweile hat sie eine wunderschöne Patina angesetzt und ich bilde mir ein, in ihr schmecken Flakes einfach besser. Na ja, glaubt es oder nicht.


Und wie sieht der „Kinderwagen“ heute, nach gut 5-jährigem Rauch-Marathon aus? Fortsetzung folgt.



Eine Pfeife von: CO-Pipes

Will man mit dem Pfeifenbauen beginnen, dann hat man in den Extremen zwei Wege zur Wahl um zu einem Ergebnis zu kommen: einen einfachen und einen schwierigen. Der schwierige, steil und steinig, man könnte auch sagen langwierig und mühsam, führt uns entlang an den Wegweisern der „großen Meister“, jene skrupulös beachtet, zu einer eigenen Sprache des Pfeifenbaus auf der Basis einer gemeinsamen Grammatik. Ein geschultes Auge und hohes handwerkliches Können sind Voraussetzung für diese Art des „traditionellen“ Pfeifendesigns. Diesem haben sich die zwei Macher von CO-Pipes seit ein paar Jahren verschrieben. Das Resultat? Formen, die das Zeug zu Klassikern haben, ohne dass es sich um kopierte Klassiker handelt. Ich verfolge den Weg der beiden Freunde nun schon seit ein paar Jahren und dieser Weg hat mir von ganz zu Beginn an schon sehr imponiert. Um so schöner finde ich, jetzt sehen zu können, dass dieser Weg von Erfolg gekrönt ist und die Pfeifen von CO-Pipes inzwischen auch die Beachtung finden, die ihnen gebührt. Nicht mehr nur auf den Tischen von Lohmar oder Speyer.

Wer steckt aber denn nun hinter CO-Pipes? Kelvin Pohler und Thorsten „Toto“ Klemme heißen die beiden, die sich entschlossen haben, aus ihrer gemeinsamen Passion für schöne hochwertige Pfeifen einen Nebenerwerbs-Job zu machen und mit ihren Pfeifenkreationen auch auf den Markt zu gehen. Das Besondere daran: ihre Pfeifen entstehen in Gemeinschaftsarbeit. Also nicht: der eine macht diese Pfeife und der andere jene, sondern beide machen eigentlich alles, abwechselnd und zusammen. Das ist bemerkenswert, schon allein deshalb, weil die Formensprache bei vielen ihrer Stücke sehr stringent ist und man hier nicht unbedingt zwei Macher vermuten würde. Ebensowenig bei Ausführungsdetails wie Bisssteegen, Rauchkanalfächer etc. Das sieht alles aus, als wäre es aus einem Guss. Und das finde ich wirklich sehr bemerkenswert. Ich hatte nochmals nachgefragt, weil ich’s kaum glauben konnte. Pfeife CO-Pipes

Ihre Werkstatt befindet sich in Hamm in Westfalen, die Marke CO-Pipes gibt es seit gut zwei Jahren, allerdings haben beide zuvor schon ihre Erfahrungen im Pfeifenbau gemacht. Ich würde aber doch denken, dass es just diese letzten zwei Jahre Zusammenarbeit waren, die einen unglaublichen Qualitätssprung zur Folge hatten und zumindest für mich ihren Tisch in Lohmar zu einem der interessantesten der Show gemacht haben.

Dass die formalen Vorbilder für die Pfeifen von CO-Pipes, für ihren Stil insgesamt, in Dänemark zu suchen sind, das erschließt sich auf den ersten Blick und das Pfeifenbauen mit diesen Vorbildern auf einem solchen Niveau umzusetzen, zeugt von ebenso großem Können wie von großen Ambitionen. Wie schon zu Anfangs gesagt, viele machen es sich hier viel einfacher, indem sie sich mit rudimentären Annäherungen an die Formen der meist dänischen Klassiker zufrieden geben ohne die Qualität, die in den Details steckt, zu erkennen. Bei Kelvin und Toto ist das anders, denn ihre Pfeifen erfüllen die formalen Ansprüche auch im Detail und können so einerseits den Vergleich bestehen und andererseits formale Alternativen und Kommentare auf Augenhöhe bieten.

Die Pfeife, die ich mir gekauft habe, schreit auf den ersten Blick ganz laut „Tom Eltang“, was vor allem an der Kopfform in Verbindung mit dem dunklen kastanienbraunen Kontrastfinish liegt. Wie eine leicht gestauchte Version des Eltang’schen Devil Anse Shapes zeigt sich der ausgestellte Kopf – um aber in der Gestaltung des Holmes in Kombination mit dem Mundstück sogleich eine Richtung einzuschlagen, die uns in die Formgebung eines anderen großen dänisch-deutschen Pfeifenmachers führt, der mit Eltang so gar nichts gemein hat: Ingo Garbe. Für ihn sind der leicht geschwungene längere Quarterbent-Holm in Kombination mit einem kürzeren Mundstück typisch, das in der unteren Silhouette den gekurvten Schwung durchzieht, in der oberen Linie aber durch einen Mundstücksattel unterbrochen ist. Dieser obere Sattel ist ganz Garbe-typisch klar und scharf, nicht durch eine eingeschliffene Kurve aufgeweicht – er trennt und unterbricht. Diese Unterbrechung wird noch verstärkt, indem das Mundstück stilistisch recht eigenständig nach dem Sattel auch seitlich leicht nach innen eingezogen ist. Pfeife CO-PipesDer Übergang vom Kopf zum Holm ist mit seinem weit angesetzten Schwung ebenfalls weit entfernt von beiden Vorbildern. Und letzlich sind es die beiden seitlichen Kanten, die nicht nur den Schwung des Holmes verstärken sondern auch folgerichtig genau zum Sattel führen. Wieder recht eigenständig.

Es ist just dieses Wechselspiel zwischen Vorbildern und dem Modifizieren der mehr oder minder großen Details, die hier zu einer CO-Pipes eigenen Identität führen und uns dabei die Klaviatur dieser Vorbilder sehr schön vor Augen führen. Gerade weil deren Formen unkonventionell miteinander kombiniert werden und die Details sie auch schon wieder hinter sich lassen. So bleibt ein geradezu klassischer Gesamteindruck zurück, ohne dass sich die Form plump an einen Klassiker dranhängen würde. Für Liebhaber des skandinavischen Pfeifenstils sind die Pfeifen von CO-Pipes spannende Neuheiten, die es gar nicht nötig haben, sich als solche zu outen: gestalterisches Understatement pur mit einer gehörigen Portion handwerklicher Qualität, ohne die das alles gar nicht zu realisieren wäre. Und dass sie auch die eine oder andere kleinere Pfeife im Programm haben, die noch mit einer Extraportion Eleganz punkten kann, hat mich besonders gefreut – wie man hier unschwer sehen kann. Ich habe die Pfeife sehr liebgewonnen und mich deshalb entschlossen, sie hier vorzustellen und selbstverständlich die Marke CO-Pipes allen Interessierten zu empfehlen!  Weitere Infos findet man auf der Homepage von CO-Pipes und die aktuellsten Fotos auf ihrer Facebook Präsenz!




SPCSC | 2. Pfeifenausstellung in Singapore

Wie so oft berichtet, besteht eine enge Verbundenheit mit dem SPCSC – dem Singapore Pipe & Cigar Smokers Club. Im jetzt ruhenden Forum Pfeifen und mehr haben wir zahlreiche Artikel über diese Liaison veröffentlicht. Zum Gründer und dem „Heart & Soul“ des Clubs, Dr. Michael Loh, besteht eine fast 20 jährige, enge Freundschaft und noch heute treffen wir uns einige Male im Jahr in Singapore. Die bisherigen samstäglichen Zusammenkünfte der zahlreichen Clubmitglieder sind zwischenzeitlich legendär und werden durch zahlreiche Lunch- oder Dinnerveranstaltungen und gemeinsame Besuche in Zigarren- und Whisky Bars abgerundet. Erfreulicherweise haben einige Mitglieder von PUM und Pfeifenblog in den vergangenen Jahren dem SPCSC Besuche abgestattet.

Volle Besetzung: Der Singapore Pipe & Cigar Smokers Club, eine wichtige soziale Institution, ohne Nachwuchsprobleme und mit ständigem Neuzugang von Mitgliedern.

Das Interesse an Pfeifen aus Europa ist sehr groß. Und wer vermutet, Singapore sei eine Brachlandschaft, was Tabak betrifft, der irrt. Denn die Clubmitglieder bestellen regelmäßig Tabak aus aller Welt. Und da viele Mitglieder beruflich, geschäftlich oder in der Freizeit nach Übersee reisen, ist die Versorgungslage gut. So unterscheidet sich denn auch das Sortiment keineswegs von unserem. Besonders beliebt sind die HU-Tabake und Balkan, Epikur und Diablo Nero von Pfeifen Huber. McClelland, Cornel & Diehl, Gawith, Dunhill, MacBaren und die STG Tabake sind gängig im Club vorzufinden. Eine große Leidenschaft und das damit verbundene Wissen gibt es für Whisky, Rum und andere Geiststärker und die vielen Clubs, Bars und Lounges, in denen auch geraucht werden darf, sind die geeigneten Genußtempel in Singapore. Einem Stadtstaat, in dem ansonsten ein rigoroses Rauchverbot gilt.

Ab sofort gilt in Singapore für Personen unter 20 Jahren, daß sie sich nur noch mit aufgesetzter Gasmaske in der Nähe von Rauchern aufhalten dürfen.

Die Erste im November 2011

Der SPCSC hat die 1. Singapore Pipe Show im Jahre 2011 veranstaltet. Pfeifensammler wie Jörg Wittkamp, Heinz Schwarzkopf und ich hatten Gelegenheit, neben anderen eine Auswahl ihrer Exponate auszustellen. Ein interessantes Rahmenprogramm und ausgezeichnete Verpflegung ermöglichten einen wundervollen Tag unter Gleichgesinnten, der allen in Erinnerung geblieben ist.

Ein ehemaliges Offizierskasino mit Küstenblick bot 2011 ein ansprechendes Ambiente.

Und nun: Oktober 2017

Zwei Jahre hat das Organisationsteam um Dr. Mike Loh, Avril Gun und Landrick Tan benötigt, um die 2. Singapore Pipe Exhibition am 7. Oktober 2017 vorzubereiten. Die Schwierigkeit bestand vor allem darin, eine geeignete Lokalität zu finden. Denn die meisten Anbieter winkten ab, wenn sie „Tabak & Zigarren hörten. So ist das nun mal in einer weitgehend globalisierten Welt, in der Gleichmacherei und weitführende Angleichung zum Primat geworden sind.

Die Organisatoren waren dann auch sehr froh, mit dem am Marina South Pier vertäuten Steword Riverboat einen außergewöhnlichen Ort für die Pfeifenausstellung gefunden zu haben. Und die internationalen Aussteller und VIP-Gäste konnten sich sehen lassen: Kyozanuro Tsuge, Präsident der Tsuge Pipe Company und Barnabas Suzuki, Vice President of the Comité International of Pipesmokers Clubs, beide aus Japan, Carlos P. Fuente Jr, Präsident des renommierten Zigarrenherstellers Arturo Fuente aus der Dominikanischen Republik. Die Pfeifenmacher Lee von Erck aus den USA, Li Zhesong aus China und Jerry Zenn aus Taiwan, Satoshi Kosaka aus Japan,  Peter Hemmer (Foundation Pipes, Rom), Maurizio Fraternale von Ser Jacobo aus Italien, Charly Brown von Tabac101, sowie einer der Sponsoren, die Grande Vida Cigars aus Singapore und die deutschen Sammler Jörg Wittkamp, Heinz Schwarzkopf und Bodo Falkenried. Allein die drei Letztgenannten legten den über 100 geladenen, sachverständigen Gästen Exponate in einem schwindelerregendem Wert vor: zum Betrachten, aber auch zum (sorgfältigen) Anfassen.

Die Location

Unterdeck mit Aussenbereich, ideal für den Lunch der Ausstellungsgäste

Die Ausstellung im Zwischendeck

…. aufmerksame Zuhörer bei der Eröffnungsrede ….

Dieses Foto birgt eine gewisse Tragik: Pfeifenfreund Daniel Yeo verstarb nur wenige Wochen nach unserem Fest überraschend und viel zu früh an einem Herzversagen. Er war mit Mitglied im SPCSC von Anbeginn an.

Maurizio Fraternale, Ser Jacobo aus Italien, weiter oben im Bild Tsuge

Pretiosen von Jörg Wittkamp, aus seiner außergewöhnlichen Sammlung: darunter Bo Nordh, Jess Chonowitsch, Jörn Mikke, Björn of Sweden, Lars Ivarsson und andere Ausnahmepfeifen mehr.

Pfeifenmacher Satoshi Kosaka aus Jaan

Erstaunliche Pfeifen aus China und Taiwan

… aus einer Sammlung aus München ……

Charly Brown, Inhaber von Tabac101, Singapore

Charly Browns Shop in bester Lage in Singapores Orchard Road bietet zunehmend eine große Auswahl von europäischen Pfeifen, darunter Castello.

Grande Vida aus Singapore, bekannt für eine große Auswahl an Zigarren und Accessoirs und einer der Sponsoren der Veranstaltung

Eine wichtige Zeremonie in Singapore, die nur wenigen Auserwählten zuteil wird: die Ernennung zum „Uncle“, eine respektvolle Bezeichnung und Anrede. Unerlässliche Utensilien sind die namentliche ausgestellte Urkunde und der seidene Hut. Ernannt wurden in diesem Jahr Peter Hemmer und Jörg Wittkamp, Bodo Falkenried und Heinz Schwarzkopf sind bereits seit einigen Jahren „Uncles“.

Ein sichtlich erfreuter „Uncle Peter“ Hemmer, mit einer Auswahl von römischen Foundation Pfeifen.

Uncle Peter, nicht zum ersten Mal in Singapore, in anregender, natürlich italienisch geführter Unterhaltung mit Maurizio Fraternale von Ser Jacobo.

„Uncle“ Jörg Wittkamp und der Laudator, Dr. Micheal Loh

Keine „Uncles“, aber VIPs aus Japan: Kyozanuro Tsuge und Barnabas T. Suzuki mit Dr. Michael Loh

 

Pfeifen von Foundation, Rom und Peter Hemmer, München

Schnell noch einige Fotos fürs Album, bevor die schönen Stücke den Besitzer wechseln: Steffi & Peter Hemmer, München

Und nach dem Finale der gelungenen Ausstellung ging es dann auf das überdachte Oberdeck. Ein feiner Ort, um im Freundeskreis zu rauchen und zu fachsimpeln. Das kurzfristige Tropengewitter mit gigantischen Regenstürzen liess die Raucher unbeeindruckt.




Über sandgestrahlte Pfeifen | Ein paar Gedanken

Glatt, sandgestrahlt, rustiziert – von der Spitzenqualität bis zur mühsamen Resteverwertung, so haben wir’s alle früher gelesen und gelernt, so wird’s uns heute noch in den allermeisten Fachgeschäften vermittelt. Eine Grundregel scheinbar. Preislich fest zementiert im Gefüge wenig individueller Massenproduktion. So, als ob ein Stück Holz, das irgendwelchen Kriterien nicht entsprechen kann, einfach nach unten durchgereicht wird in der Produktionshierarchie um dann als vermeintliches Aschenputtel in einem Lottoannahmentabakwarenhändlerswühlkorb neben lauter anderen rustizierten No-Name-Aschenputtels auf einen schnäppchenjagenden Traumprinzen zu warten. So ist es natürlich nicht. Nicht mehr. Immer weniger, seit die Hersteller von Tabakspfeifen in kleineren Manufakturen oder als individuell arbeitende Pfeifenmacher Alternativen zur Massenproduktion bieten, die das Erscheinungsbild der Pfeife bis in die 70er und 80er Jahre dominiert hat. Aus dieser Zeit stammt unsere „Grundregel“. Die Entwicklung der letzten ein bis  zwei Jahrzehnte relativiert sie, ja widerlegt sie sogar teilweise. Aber der Reihe nach.

Was ist eigentlich Sandstrahlen? Man bestrahlt einen fertig geformten Pfeifenkopf mit einem geeigneten Strahlgut und schafft so ein Relief, indem die weicheren Teile des Holzes weggestrahlt werden und die härteren stehenbleiben. Je nach Beschaffenheit des Holzes, des Strahlgutes, des Strahldrucks und der Größe der Düse entstehen verschiedenartige Reliefoberflächen. Das Ergebnis ist eine Folge der Kombination der genannten Parameter, wobei der Faktor Natur immer der letztendlich entscheidende bleibt. Die Fotos der gestrahlten Köpfe zeigen das deutlich, denn alle Köpfe sind mit demselben Korundsand, demselben Druck und derselben Düse gestrahlt worden. Trotzdem gibt es Köpfe, deren Refief sehr fein und detailliert ist, andere dagegen sind deutlich tiefer, dafür manchmal nicht ganz so detailliert, manchmal schon. Die Technik des Strahlens ist immer dieselbe gewesen. Und auch, wenn es ein paar Tricks gibt, hier auszugleichen, wird man der Natur letztlich ihren Charakter lassen. Im Idealfall in einem Rahmen, den ein bestimmter Strahlstil definiert. Dieser Strahlstil konveniert mit dem formalen Stil des Pfeifenmachers oder Herstellers. Soll heißen, Pfeifenformen mit vielen feinen Details wird man versuchen möglichst wenig tief zu strahlen um zu vermeiden, dass ein tiefes Relief die feine Form relativiert.

Wann wird ein Pfeifenkopf gestrahlt? Auf diese Frage gibt es einige sehr verschiedene und ebenso richtige Antworten. Eine feste Regel gibt es nicht. Zunächst sind das Holz, der Fertigungsprozess und die Form entscheidend. Das Holz, weil es eine gewisse Maserungsqualität haben sollte, die eine einigermaßen schöne Reliefzeichnung ergeben kann und gleichzeitig aber meist kleinere optische Makel wie Sandpits oder winzige Risse aufweist, die einer glatten Ausführung entgegenstehen. Kleinere Sandpits lassen sich ganz gut in dunklem glatten Kontrastfinish verstecken, kleinere Risse nicht. Größere Defekte werden gekittet. Was davon gestrahlt werden soll, muß der Hersteller entscheiden. Ein Pfeifenmacher, der in einem höheren Preissegment vermarktet, wird keine gekitteten Pfeifen verkaufen, ein Serienhersteller kann das problemlos machen. Ein Pfeifenmacher kauft bestes Holz, ein Serienhersteller kauft bestes Holz für seine Spitzenstücke und normales etwa für die sandgestrahlten Pfeifen. Beim Pfeifenmacher ist die Entscheidung, eine Pfeife zu strahlen, meist eine während des Fertigungsprozesses getroffene Entscheidung, beim Serienhersteller normalerweise eine bereits vor dem Fertigungsprozess getroffene. Damit keine Missverständnisse entstehen: es geht immer um Plateauholz! Für’s Rauchen macht das alles keinerlei Unterschied. Will man eine kanonisch strenge klassische Form machen, wird man sich schneller für eine Strahlung entscheiden als bei einer sehr freien, wo man immer mal noch versuchen kann, den Einschluß auszuschleifen. Vor allem, wenn man die Bohrungen nicht am Anfang gesetzt hat, sondern erst am Schluss des Formens bohrt. Ein Serienhersteller, der die Köpfe über Kopierfräsen macht oder so gemachte zukauft, wird diese Entscheidung sofort am Anfang des Fertigungprozesses treffen.

RinggrainWill ich nun einen Kopf strahlen und vorher wissen, ob das Ergebnis attraktiv sein könnte, dann muß ich mir die Maserung anschauen und zwar nicht in erster Linie die sich klar abzeichnenden Kontraste im Grain, also das, was man gemeinhin unter Maserungsqualität versteht, sondern die Jahresringe des Holzes, denn diese sind letztlich im Relief sichtbar. Die Jahresringe stehen in einem 90° Winkel zum Kontrastgrain. Das heißt, wo man etwa absolut strenges vertikales Straight Grain hat, wird man horizontales Ringgrain nach dem Strahlen erhalten. Ken Dederichs SandblastEine Faustregel lautet immer, dass gut gemasertes Holz auch eine gut gemaserte Pfeife ergibt, nicht nur glatt, sondern eben auch gestrahlt. Manchmal überspielen die Jahresringe sogar Zeichnungsverläufe, die flächiger werden, wie etwa das Flame Grain. Was bei einer glatten Oberfläche als optischer Nachteil gelten würde, kann nach dem Strahlen verschwunden sein, weil die Ringe gleichmäßig oder zumindest fast gleichmäßig weiterlaufen. In solchen Fällen würde man sich vielleicht auch ohne Sandpits oder Einschlüsse für eine sandgestrahlte Oberfläche entscheiden. Vor allem, weil gestrahltes fehlerfreies Holz fast immer eine Oberfläche schafft, die so gleichmäßig ist, dass man sie bei wenig tiefem Relief hell beizen kann.

Dunhill Shell LB 1923Erfunden hat das Sandstrahlen bekanntlich Alfred Dunhill in den Zehnerjahren des letzten Jahrhunderts. Inklusive „Begründungslegende“ wie dem verspäteten Boten für die Geburt der Spätlese im Rheingau und diverse Patente, die als Nummern auf die Pfeifen gestempelt wurden und heute Sammlerherzen höher schlagen lassen! Und das geheimnisumrankte Oil-Curing, das allein seligmachende  und ebenso unvergleichliche Latakia-Pfeifen gewährleisten konnte! Legenden! Was will man mehr? Der unverwechselbare Stil dieser Strahlung, also sehr tiefes Relief bei wenig detaillierter Holzzeichnung, war viele Jahre lang stilbildend. Hier im Foto eine Dunhill Shell Briar, Shape „LB“ (Large Billiard) von 1923. Schnell wird das Problem dieser tiefen Strahlung deutlich: die Shapequalität leidet unter dem tiefen Relief. Nicht selten wurde in den 20er Jahren deshalb die Shapenummer nicht mehr gestempelt, weil das eigentliche Shape nicht  mehr präzise getroffen war. Es brauchte offenbar etwas Zeit, die Technik vollkommen und zuverlässig zu beherrschen? Der Attraktivität tat das keinen Abbruch, denn die Reliefs waren einzigartig, solche Pfeifen üben bis heute eine große Faszination aus. Anfang der 50er Jahre folgte der nächste Streich: das Tanshell Finish, die erste Sandstrahlung, die hell gebeizt wurde. Hier ein Set von zwei Dunhill „LBs“ von 1953, eine Shell Briar, die andere Tanshell.Dunhill Set LB 1954

Foundation SandDiesen alten Dunhill-Stil findet man heutzutage sehr selten und wenn, dann eher zufällig, wie etwa bei dieser Canadian aus einer Werkstatt in Rom. Das rötlich braune Finish mit seiner leichten „Höhung“ des Reliefs mit Hilfe der Polierscheibe trifft das recht gut. Bei dieser Pfeife funktioniert das sehr gut, denn das Shape ist gut definiert und wird trotz der tiefen Strahlung nicht verrissen. Die Pfeife ist klein und grazil und geht mit der Kraft dieser tiefen Strahlung eine ganz gute und interessante Symbiose ein, die das Erscheinungsbild kraftvoll bereichert. Aber wie gesagt, solche Strahlungen sind eher „Zufallstreffer“, die hin und wieder vorkommen, aber nicht zu 100% reproduzierbar wären. Der aktuelle Dunhill-Stil ist von seiner gloriosen Vergangenheit aber sehr sehr weit entfernt. Leider. Nicht, dass mir diese aktuellen Pfeifen nicht gefallen würden, aber es fehlt ihnen das Einzigartige, das, was Dunhill mit seiner ursprünglichen Strahlung so verdammt gut gemacht hat… Und das so viele alte englische Pfeifenhersteller nie nachmachen konnten!

Heute prägen eher Pfeifenmacher stilistisch die Welt der Sandstrahlungen: die einen, weil sie neue Techniken erfunden haben wie der Amerikaner J.T.Cooke, der die Mikrostrahlung begründet hat, die anderen, wie etwa Paolo Becker, der mit dem Erdbeerbaumholz, einem dem Bruyere zum Verwechseln ähnlichen Holz, einen neuen Werkstoff gefunden hat, der spektakuläre Sandstrahlungen ermöglicht. Beides ist allerdings für die Serienproduktion uninteressant, ersteres, weil der Zeitaufwand viel zu hoch wäre, zweiteres, weil das Material nicht in entsprechender Quantität verfügbar ist.

Cooke MicrostrahlungDie Pfeifen von J.T.Cooke haben einen unglaublich hohen Wiedererkennungswert, weil seine Mikrostrahlung trotz inzwischen verschiedener Kopien ziemlich einzigartig ist. Das Prinzip ist dabei allerdings ein eher künstliches, das die Natur zwar nicht übertüncht, aber in gewisser Weise übertölpelt: gestrahlt wir hier mit einer sehr kleinen Pistole und einer winzigen Düse, vergleichbar mit der Airbrush-Technik. So wird die Oberfläche mit einem sehr kleinen punktuellen Strahl in mühsamer Handarbeit „strahlend“ rustiziert. Man folgt der Maserung des Holzes, aber man nivelliert so die natürlichen Unterschiede in der Härte des Holzes. Das Relief ist immer gleichmäßig tief, weil dieses Relief punktuell hergestellt wird und somit die Hand alle Unregelmäßigkeiten der Natur beseitig. Das Ergebnis ist absolut faszinierend. Nur wenn man zehn Stück nebeneinander sieht, verliert diese Technik doch sehr an Reiz, weil die Pfeifen viel zu uniform und regelrecht künstlich wirken. Streng genommen handelt es sich um eine Rustizierung mit einer winzigen Strahleinheit, die der Natur Nachhilfe erteilt…

Etwas anders sieht es beim Erdbeerbaumholz aus: dieses ist ganz eng mit dem Bruyère verwandt und lässt sich nur sehr schwer von diesem unterscheiden. Es ist ein Holz, das eine relativ dezente Kontrast-Maserung aufweist und anfälliger als Bruyère für Einschlüsse und Sandpits ist. Dabei eignet es sich hervorragend zum Strahlen, wenn man akzeptiert, dass die Maserungsverläufe der Jahresringe hin und wieder seltsam verwirbeln. Hier ist es deutlich ungleichmäßiger als Bruyère und hat fast etwas „Wildes“ an sich. Man muß aber schon wissen, wie man strahlt, will man aus diesem Holz das Einzigartige herausholen. Für flache Strahlungen ist es weniger geeignet als für tiefe, nur liefert es gleichzeitig und regelmäßig auch sehr detailreiche Oberflächen, was in einer solchen Kombination bei Bruyère nicht so selbstverständlich ist.Becker Ballerina Corbezzolo Hier im Bild eine Ballerina aus Corbezzolo/Erdbeerbaumholz von Paolo Becker im Detail. An diesen manchmal recht ausgeprägten tiefen Wirbeln und Wellen sieht man die Natur und stellt sie heraus. Ich finde sowas sehr reizvoll, aber es gibt viele, die gerade solche ungleichmäßigen Unabwägbarkeiten meiden. Geschmacklich ist dieses Holz wie auch in seiner Hitzeresistenz nicht im Geringsten von Bruyère zu unterscheiden. Dieses Holz zu verbauen lohnt nur, wenn man richtig gut strahlen kann, dann zeigt es seine Stärken, ansonsten ist „richtiges“ Bruyère vorzuziehen.

S.Bang SandDie nächste Frage, die sich stellt, nachdem der Kopf nun gestrahlt ist, das ist die nach den Finishes: So, wie es bei glatten Pfeifen verschiedenste Möglichkeiten von Färbungen und Versiegelungen gibt, so ist das auch bei Reliefoberflächen der Fall. Vor allem die Frage der Versiegelung ist hier von großer Bedeutung. Während bei glatten Oberflächen überschüssige Farbe schnell und problemlos wegpoliert ist, so gestaltet sich das in all den kleinen und kleinsten Rillen und Birdseye-Löchlein gar nicht so einfach, sodass die Farbe gebunden bzw. fixiert werden muss, wenn man vermeiden will, dass der Raucher dunkle Hände bekommt. Dazu gibt es verschiedenste Lacke, die sehr unterschiedliche Wirkungen haben, je nach Typ und Verdünnung. Von matt über seidenmatten Glanz bis zu Hochglanz reicht das Spektrum, die stilistischen Konzepte sind sehr unterschiedlich. Die einen bevorzugen nur sehr dezent glänzende Oberflächen, andere, wie etwa Bang, extremen Hochglanz, der auch nach Jahren des Gebrauchs immer noch wie am ersten Tag „steht“. Siehe Foto rechts. Highlight SandblastDie einen mögen scharfe präzise Ecken und Kanten, die anderen mit der Polierscheibe „gehöhte“ Spitzen und Grate, die quasi abgerundet werden und einen farblichen Kontrast hinterlassen. Ähnliche Effekte lassen sich auch durch sehr dünnen, schnellen und quasi lasierenden, leicht transparenten Farbauftrag erreichen. In diesem Fall bleibt das präzise Relief erhalten. Andere wiederum wollen den Kontrast des Holzes zeigen und strahlen zwischen verschiedenen Färbeschritten das Holz mehrmals nur sehr dezent. Das Ergebnis eines solchen Prozesses, der aber viel Erfahrung beim Strahlen erfordert, sind mehrfarbige Reliefflächen. Möglichkeiten gibt es gar viele, viele sind interessant, manche unterstützen die Wirkung der Pfeife, manche sind Effekthascherei. Letztlich muß da jeder für sich entscheiden, wo die Grenzen zu ziehen sind. Mir persönlich sind klassische Sandstrahlungen mit einem „natürlichen“ Relief am liebsten und zwar am besten noch, wenn sie präzise sind und farblich eher monochron gehalten sind. Denn, wenn die Oberfläche durch ein ausgeprägtes Relief ohnehin schon unruhig wirkt, würden große farbliche Kontraste diese Unruhe noch verstärken. Bei sehr klaren Shapes geht das vielleicht noch gut, bei feinen komplizierten mit leichten Graten und Kanten etc. ist das in meinen Augen kontraproduktiv.

Was nun wiederum allen Pfeifen mit einem Relief als Oberfläche gemeinsam ist, das ist die Frage nach der optimalen Pflege. Das Relief ist der natürliche Feind der Polierscheibe mit ihren verschieden abrasiven Polierpasten – was bei glatten Pfeifen Wunder wirken kann, gerät beim Relief schnell mal zu einem veritablen Desaster, wenn man etwa gezwungen ist, weiche Polierpasten aus den Rillen und Löchlein zu pfriemeln, nur weil man zu spät mit dem Denken angefangen hat… BürstenAuf Polierpasten kann man hier generell verzichten, reines Carnaubawachs ist das Mittel der Wahl und wenn man mehr will als nur einen schnellen oberflächlichen Glanz, dann trägt man es nicht wie bei glatten Pfeifen mit einer weichen Plüschmulle auf, sondern nimmt eine Rundbürste mit Wildschweinborsten. Die Borsten erreichen problemlos die Rillen und Vertiefungen des Reliefs, können so am Ende des Herstellungsprozesses etwa überschüssige Farbe wegnehmen, das Wachs bindet Farbe und genauso reinigt es die Rillen, befreit sie beim Aufarbeiten von Staub und Rußresten und liefert so einen gleichmäßigen schönen Glanz. Die Prozedur ist allerdings im Vergleich zur Behandlung glatter Pfeifen mit der Polierscheibe deutlich komplizierter und zeitaufwändiger, weil man das Relief von allen Seiten reinigen und Wachs aufbringen muß, das heißt die komplette Pfeife wird im Prinzip mehrere Male hintereinander gebürstet nur immer aus anderen Winkeln. Braucht ein bisschen Erfahrung, funktioniert aber perfekt! Handbürsten sind ein Ersatz, aber beileibe kein gleichwertiger oder befriedigender.

So, das waren jetzt einfach mal ein paar Gedanken zum Sandstrahlen, ohne dass das Thema annähernd erschöpfend behandelt worden wäre. Vielleicht folgt noch irgendwann einmal ein Teil 2 mit anderen Hölzern und verschiedenen Strahlstilen etc…. Für heute wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr 2017, ohne Angst, voll Zuversicht und guten Mutes – möge das Pfeiferauchen ein imaginärer Rückzugsort bleiben, bei dem man Nachdenken, zur Ruhe kommen und die Kraft schöpfen kann, die es braucht, um den vermutlich großen Herausforderungen und Unabwägbarkeiten des neuen Jahres gut gewappnet zu begegnen!

Ihnen/Euch Alles Gute!




DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …