Waldemar Augustiny – Die große Flut

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Immer nur Atlantis, Rennes-le-Chateau oder Neues von Adolf Hitler und Konsorten – in Zeiten, in denen zunehmend Doku-Soaps ernsthafte und in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen verankerte Berichte verdrängen, Terra X 10 mal in der Woche vielfach lediglich zusammengekaufte Themen als „neueste Erkenntnisse“ oder als „reine Wahrheiten oder Tatsachen“ ans TV Volk bringen, Guido Knopp pestilenzartig alles, in dem Historie oder Politik verbraten ist, besetzt hat und Maximilian Schell – zugegeben sehr schön- geschichtliches und kulturelles Wissen plakativ vorgetragen hat, bleiben vielfach der Blick auf unsere „nächste Nähe“ verstellt. Allenfalls wird Nebra, Vineta oder irgendeine heilige Lanze pseudorecherchiert gesendet, reine Spekulation und vogelwilde Vermutungen zum Aufbau eines telegenen Volkswissen eingesetzt.

Ein kleiner Satz in dem Geographie-Sachbuch Die Nordsee des Geologen Jürgen Ehlers (der ältere Bruder des Kapitäns der Küstenwache-Streifenkorvette BP 23 Bad Düben aka Albatross 2, Holger Ehlers Very Happy) weckte meine Neugier. Im Abschnitt Eindeichungen und Landgewinne (Seite 102-104) erwähnt der Autor den Schriftsteller Waldemar Augustiny (1897-1979) und dessen 1923 verfassten Roman Die große Flut, der den tatsächlichen Untergang der nordfriesischen Insel Strand behandelt, von der heute nur noch die Inseln Pellworm, Nordstrand und einige Halligen existieren.

In dieser breit angelegten Chronik wird von dem grausamen Schicksal der großen und reichen Insel Strand erzählt, von ihren Bewohnern, einem mit alten Rechtsgebräuchen und Sitten verwachsenen Volksstamm, einig im Kampf gegen den Urfeind, das ewig anstürmende Meer, uneinig in der Auffassung der Bedeichung. Und so stellt sich durch fesselnde Erzählkunst dem Leser das Schicksal der Insel noch einmal dar, das sich 1634 in einer einzigen Nacht ereignete: Dörfer, Häfen, Kirchen versanken und mit ihnen ihre Bewohner. Heute bestehen nur noch Reste der Insel – als Pellworm, Nordstrand und einigen Halligen. Der Unterhang des einst so volkreichen Eilandes, eingegangen in die Geschichte als Burchardiflut , ist keine Fiktion wie Atlantis oder Vineta, sondern schreckliche Realität, in der immerhin fast 15.000 Insulaner den Tod fanden.


Der Stoff ist packend, ein richtiges Pfeife / Tabak /Whisky/Tee – Buch, wenn auch die Sprache des Autors – gottlob! – nicht der heute etablierten Stakkato-Fraktion zugeordnet werden muß. Wenn es draußen stürmt und regnet – dann läßt sich trefflich eintauchen in die längst vergangene Welt von Strand.






Die große Flut
Chronik der Insel Strand
Waldemar Augustiny
Verlag Husum; Auflage: N.-A., Nachdr. 2005. (April 2005)
419 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN-10: 3880421250
ISBN-13: 978-3880421257


Die Zufallsquelle:
Die Nordsee
Vom Wattenmeer zum Nordatlantik
Jürgen Ehlers
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008
ISBN 978-3-534-20112-9


Über den Autor
Waldemar Augustiny wurde am 19. Mai 1897 in Schleswig geboren und entstammte einer alten schleswigschen Pastorenfamilie. Er besuchte die Schulen in Schleswig und zog siebzehnjährig in den ersten Weltkrieg. Nach Rückkehr studierte er Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an den Universitäten Kiel, Hamburg und Berlin. Nachdem er als Arbeiter und Angestellter versucht hatte, sein Brot zu verdienen, wurde er 1925 Verlagsredakteur, Buchhändler und Journalist. 1932 zog er sich aus angestellter Berufstätigkeit zurück und lebte seither als freier Schriftsteller in Worpswede bei Bremen bis zu seinem Tode am 26. Januar 1979. In seinen heimatverbundenen Erzählungen schildert er das einfache, harte Leben der Küstenbewohner Norddeutschlands.Als erste Erzählung erschien 1934 „Die Fischer von Jarsholm“, 1935 „Dronning Marie“, 1937 „Der Ring aus Jade“, 1938 „Die Tochter Tromsees“, 1941 „Die schwarze Gret“,1942 „Die Braut des Admirals, 1942 dann der hier vorgestellte zweibändige Roman „Die große Flut“. Sein Nachkriegswerk begann 1946 mit der Erzählung „Bei Nacht erzählt“, gefolgt vom Roman „Die Wiederkehr des Novalis“.

Ergänzungsthemen (Links)

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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