Tabake des Südens – Bayou, Cajun und Louisiana

Dass ich den Süden im Blut habe, hat vermutlich schon jeder hier mitbekommen. Damit meine ich natürlich nicht nur meine bayerische Herkunft, meine Liebe zu meiner Heimat München und ihrer Weißwurst. Ich spreche in diesem Zusammenhang von den Tabaken des Südens der Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt aus den Sümpfen Louisianas und speziell vom einzigartigen Geschmack des Periques. (Vgl.: FrogMorton und Huber Louisiana)

Mein Freund Thomas – der mit dem Ferienhaus in Florida – hat durch meine grenzenlose Bestellwut bei Smoking-Pipes inzwischen einen neuen besten Freund in USA gefunden: den UPS-Fahrer. 150 grammweise schmuggelt der Ärmste und seine leidgeprüfte Familie nun ständig meine Tabaksdosen nach Deutschland. In diesem Monat steht das Handgepäck von Thomas Familie unter dem Motto „Bayou und Cajun“. Schon allein um die Mühe meiner ehrenamtlichen Schmuggler- und Schleuserbande zu würdigen, werde ich Ihnen hier diese Tabake alle einzeln vorstellen.

Dies ist die Liste meiner Auswahl des feuchten Südens …

Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake
BriarWorks – Back Down South
Cornell & Diehl – Bayou Morning
Cornell & Diehl – Bourbon Bleu
McClelland – Royal Cajun: Dark

Bleiben Sie dran, es geht bald weiter … wie immer in diesem Theater Blog …




McClelland | FrogMorton on the Bayou

Hängematte„Der beste Zeitpunkt zwei Bäume für eine Hängematte zu pflanzen, war vor 100 Jahren, der zweitbeste ist jetzt“, sagt eine alte Weisheit. Hängematten waren früher entweder kürzer, weil ja auch die Menschen kleiner waren, oder aber die Bäume haben sich selbst „gepflanzt“, jedenfalls stehen diese beiden Buchen eindeutig zu nah beieinander. Kein Grund zu jammern, man kann damit leben und auch trotz der etwas bauchigen Lage ganz vortrefflich zwischen diesen Bäumen liegen, sanft schaukeln und rauchen.
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, früher sprach man vom „Altweiber-Sommer“ oder dem „Indian-Summer“. Jetzt heisst er glaube ich „SeniorInnen-Sommer“ oder entsprechend „Amerikaner-ohne-Migrationshintergrund-Sommer“. Egal, feilschen wir nicht um Worte, dazu sind diese Tage einfach zu kostbar. Ich geniesse eine der wenigen Mußestunden, die man als Künstler seinem hektischen Alltag entreissen kann im Schatten der Bäume. In meiner Hand wende ich eine entzückend niedlich gestaltete Dose amerikanischen Tabaks mit dem wunderbaren Namen: „FrogMorton on the Bayou“. Ein liebevoll gezeichneter und kolorierter Frosch mit Pfeife im Mund stakt auf einem Seerosenblatt stehend, durch einen sumpfigen Mangrovenwald.
Als Bayou bezeichnet man die langsam fliessenden Gewässer des Mississippi-Mündungsdeltas in Louisiana und der genau der Geruch entströmt dieser frisch geöffneten kleinen Blechdose. Ein wenig säuerlich, modrig, fast brackig riecht der Tabak und natürlich auch rauchig, denn es ist eindeutig eine kräftige Latakia-Mischung, allerdings mit einer riesigen Portion Perique, wie könnte es bei einem Louisiana-Bayou auch anders sein.

Frog Morton on the BayouSo liege ich mit geschlossenen Augen die Nase ins Doserl gesteckt und versetze mich gedanklich hinein ins Delta. Auch ich lebe in einer Auenlandschaft und hoffe auf Froschgeräusch-Untermalung aus der träge vorbeifliessenden Pegnitz oder Ihren Altwassern, höre allerdings nur Schafsgeblöke. Der Pegnitzgrund wird mal wieder gemäht. Kein Augenblick ist je perfekt.

Frog Morton on the BayouWer sich jetzt – wie ich selbst aber nur für einen kurzen Augenblick – Paolas Blue Bayou als Soundtrack für diese Szene und diesen Tabak vorgestellt hat, lasse sich von mir gesagt sein, es gibt auch von keinem anderen Intepreten eine auch nur annähernd erträgliche Version des Songs. Nein, auch nicht die von Norah Jones.

Ich stopfe mir eine kleine Corn Cob mit dem, nur von wenigen braunen Fasern durchzogenen, schwarzen Kraut, brösle mir dabei in meiner Durchhängematte den Hosenlatz voll und entzünde die Mischung. Der erste Zug schmeckt, als hätte ich eine Handvoll Torfmoor angezündet. Die nächsten Zügen zwingen dann den Latakia langsam in den Hintergrund und eine ordentliche Portion Perique schiebt sich aufdringlich wie eine angetrunkene, vollschlanke Südstaatenschönheit in den Vordergrund.
Was für ein Tabak! „Son of a gun, we’ll have big fun on the bayou
Jambalaya! Der Frosch-Gondoliere auf seinem Seerosenblatt, beginnt auf einmal zu singen wie Hank Williams (Spotify-Link).

Frog Morton on the BayouWer bei diesem Tabak den Süden nicht schmeckt, dem ist nicht zu helfen. In der folgenden halben Stunde wird die Pfeife zunehmend sanfter und ich weiss genau, dass ich diese besondere Erfahrung mit Ihnen, geneigter Leser, teilen werde. Aber wie kann ich dieses Geschmackserlebnis beschreiben? Ich versuche die Aromen, die sich in meinem Mund entfalten, während ich träge in der Hitze vor mich hin schaukle, mit irgend etwas zu vergleichen. Neben mir fällt ein Zapferl von der grossen, Schatten spendenden Kiefer auf dem Boden auf. Eine Butzel, wie die Franken hier sagen. Und dann fällt es mir ein: Am ehesten würde ich über Kieferzapfen gegrillte Auberginen in schwerem französischem Rotwein und Balsamico eingelegt, kräftig gepfeffert mit einer Prise Chili vorschlagen. Ja, das trifft es wohl am ehesten.

Smooth and dark and calming, like the waters of the Bayou„, steht auf der Dose und einige filterlose Pfeifen später, erkenne ich, dass ich nie eine treffendere Beschreibung auf einer Tabaksdose gelesen habe, welche ja oftmals klingen, als wären sie von einem digitalen Marketing-Generator ausgespuckt worden.

Für mich ein ganz besonderer und nach der ersten Geschmacksexplosion ein wirklich sanfter Rauch. Trotzdem bleibe ich aber bei meinem Huber Louisiana nicht nur, weil ich den ganz einfach Freitags bei Jens Meyer erwerben kann und nicht umständlich aus USA schmuggeln muss, sondern weil ich dann doch die Süsse der Virginias bevorzuge. Eine Süsse, die diesem Tabak gänzlich abgeht.




Huber Virgina Flake | Isarland statt Lakeland

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Seeleute und britische Soldaten konnten bereits im ausgehenden 18ten Jahrhundert die platzsparenden Vorzüge von gepressten Tabaken nutzen. Nicht von ungefähr wird heute noch oftmals der Zusatz Navy Cut auf die Dosen gedruckt. Jedenfalls noch so lange, wie die völlig sinnlosen Abschreckungsbilder und auf den Raucher gleichermaßen wirkungslose Textaufrufe nicht den Platz beanspruchen.  Die durch den Druck einsetzende Fermentierung und weitere, unterschiedliche Prozeduren, die direkten Einfluß auf den Geschmack und die Ausprägung der Plugs, Flakes und Curly Cuts haben, schaffen die Vielfalt im Angebot, die der Connoisseur sucht. Das Traditionshaus Pfeifen Huber, in München immerhin seit 1863 ein Tempel der glimmenden Genüsse, hat mit Tennesse, Louisiana, St.Louis, Virginia und Maryland fünf Flakes geschaffen, die sämtlich ihre Besonderheiten, aber auch Eigenarten aufweisen. Wie auch der Virginia Flake.

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Der Genuß beginnt mit dem öffnen der kleinen Rechteckdose. Die Flakes liegen so fein und akkurat geschichtet, wie es sonst typisch für MacBaren ist. Obwohl der Tabak den erwarteten Virginia-Grundton verströmt, so ist doch eine unaufdringliche Süße zu riechen. Nicht unangenehm, sondern fein abrundend. Es macht keinen Sinn, immer Vergleiche anzustellen, denn diese können nie das persönliche Geruchs- und Geschmacksempfinden des Rauchers berücksichtigen.

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Mit Knick&Falt befülle ich eine kleine handmade Poul Winslow Black Bamboo straight grain.

Obenauf einige wenige Brösel, damit das Zündeln leichter gelingt, was beim Huber Virginia Flake ohnehin unproblematisch ist. Der Tabak ist perfekt konditioniert und glimmt vorzüglich. Er schmeckt absolut naturrein und hat die üblichen Virginianoten nach Heu und Wiese, obwohl sich ein ganz feines, angenehmes Top Flavour bemerkbar macht.. Durch den dreimonatigen Press-/Lagervorgang entsteht mittels Fermentierung eine natürliche Süße, die niemals schwer oder unangenehm wird und somit ausgezeichnet zum Grundgeschmack passt. Dieser sanfte Virginia brennt nicht auf der Zunge, wird nicht hitzig und ich denke, daß auch Beginner mit ihm sehr gut auskommen werden. Ein richtiger Klassiker, der in jede „Virginia Bar“ gehört, und das zu einem fairen Preis.

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Für mich ist der Huber Virginia Flake völlig eigenständig und ich sehe ihn als gute Ergänzung zum Dunhill Flake oder Orlik Golden Sliced. Aus den anderen 4 Huber Virginia Flakes – Maryland, St. Louis, Tennessee und Louisiana Flake – ragt er deutlich hervor, obwohl auch diese exzellente Verteter der Virginia Flakes sind.

Bezugsquelle
Pfeifen Huber, München
Virginia Flake
50g Rechteckdose




Pfeifen Huber | Louisiana Flake Tobacco

Pfeifen Huber: Louisiana Flake Tobacco

Pfeifen Huber: Louisiana Flake Tobacco

Mit Louisiana verbinden manche Voodoo, Sümpfe, schwüle von Mücken bevölkerte zum schneiden dicke Luft, für andere ist es die Wiege des Jazz, des Blues und der Country Musik. Louis Armstrong kommt von dort, Kris Kristofferson ließ seine „Bobby McGee“ mit ihm von Baton Rouge nach New Orleans trampen. Wer sich über den merkwürdigen Namen für einen Bundesstaat der USA wundert, muss wissen, dass es nicht nur angelsächsische Einwanderer gab, sondern auch einige französische Kolonien. Diese wurde zu Ehren des französischen Sonnenkönig Louis XIV auf den Namen Louisiana getauft, die Hauptstadt war damals noch Nouvelle Orléans. Präsident Thomas Jefferson kaufte den Staat von Napoleon zu einem Preis zu dem man heutzutage gerade mal ein Haus im Münchner Glockenbachviertel bekommt. Es gibt neben dem legendären Saczerac (Cognac (später Rye-Whiskey), Peychaud’s Bitters, Absinth) noch eine weitere Spezialität dieser Gegend, den Perique. Perique ist ein Tabak, der in Saint James (Louisiana) viele Monate manchmal sogar Jahre zusammen mit Rum und Gewürzen in Fässern reift und fermentiert wird. Angeblich ist das Verfahren von den amerikanischen Ureinwohnern entlehnt worden, die ihren Tabak auf diese Weise herstellten. Sie wissen schon, die mit den Federn auf dem Kopf, die man jetzt irgendwie Inuit, Roma oder so nennen muss.

Einige grosse Pfeifentabake enthalten eine Prise Perique. Reinen Perique hätten nur Winntetou und sein weisser Bruder Charly in ihrem Kalumet des Friedens verkraftet. Das moderne Bleichgesicht begnügt sich mit fünf bis zehn Prozent in seiner Pfeife. Der Rest ist meistens Virginia. Berühmte Pfeifentabake gehören zu den Virginia-Perique Mischungen, wie z.B. Der Escudo, der St. James Flake und Dunhills Elizabethan Mixture.

Pfeifen Huber: Louisiana Flake Tobacco

Pfeifen Huber: Louisiana Flake Tobacco

Mein absoluter Liebling dieser Kategorie kommt – und diesmal ist es nicht reiner Patriotismus – vom Pfeifen Huber aus München: Der Lousiana Flake Tobacco. Hergestellt von Kohlhase und Kopp ist diese zu Flakescheiben gepresste Virginia-Perique Haus-Mischung von vollendeter Harmonie. Recht stark, würzig und doch ein klein bißchen „virginia-süß“. Mehr Perique wäre unangenehm, weniger langweilig. Der Tabak in der einfallslosen äh… schlichten Rechteckdose ist perfekt konditioniert und auch für den unerfahrenen Flake-Raucher einfach zu stopfen und zu entzünden. Knicken, falten, reinwursteln und nach dem zweiten Anzünden entfaltet sich ein Aroma, welches sich bis zum letzten Krümel niemals verliert. Im Gegenteil es wird mit jedem Zug intensiver und ein wenig lieblicher. Dieser Flake ist neben dem Indaba mein All-Time Favorit, mein Allday-Smoke, wie der Lateiner sagt.

Ich empfehle zum Huber Lousiana eine Tasse Earl Grey, weil er wunderbar mit der Bergamotte harmoniert oder aber natürlich einen Saczerac.. Wer dann noch eine Scheibe von Alison Krauss & Union Station auflegt, bekommt die volle Dosis des Südens. (Tipp: Lonely Runs Both Ways)

Siehe auch aus der Huber Flake Serie: Virginia Flake