Shanghai – Dunhill desaströs

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Sind fast 50 Jahre treue Dunhill-Gefolgschaft als Kunde genug? Denn was sich der Konzern heute an einigen Orten an Unfreundlichkeit und Unverschämtheit herausnimmt, muss nicht hingenommen werden. Vielleicht hat Alfred Henry Dunhill das vorausgeahnt und schaut deshalb in der Titelcollage so betreten zu Boden. Nicht vorstellen hätte er sich aber können, das in einem seiner Geschäfte jemals seriöse Kunden – nein, nicht hinaus komplementiert, sondern hinausgedrängt werden könnten. Es fehlte nur der Tritt des ungebildeten und manierenlosen Angestellten. So geschehen vor kurzem in Shanghai.

Dr. Mike Loh, Kopf und Seele des Singapore Pipe & Cigar Smokers Club, gab mir den Tipp für Shanghai: dort gäbe es einen feinen Dunhill Shop, der ein gutes Sortiment Pfeifen und darüber hinaus sogar einen Raucherraum böte. Der Fahrer vom St.Regis Hotel brachte uns in die Huaihai Road, immerhin eine 30 minütige Fahrt. Noch war ich voller Vorfreude und an der Hausnummer 796 gelangt der (noch) geneigte Besucher durch einen breiten Durchgang in einen geräumigen, schön bepflanzten Innenhof. Neo-Klassizistische Gebäude in erstklassig gepflegtem Zustand, dazu ein asiatisch-englisches Ambiente – der Samstagvormittag schien ein interessanter zu werden. Er wurde es.

Ich betrat den Shop, grosszügig und elegant eingerichtet, allerdings stand auch hier wie bei allen anderen Dunhill Shops, die ich bereits kenne, Mode und deren Accessoirs im Vordergrund. Auf die Frage nach Pfeife und Tabak führte uns der sichtlich unfreundliche – ja, was eigentlich, Verkäufer ?, kann ja wohl nicht sein – in einen hellen Hinterraum, der im Stil eines englischen Gentlemanclubs eingerichtet war: Ledercouch, Ledersessel, dunkles Mobiliar – herrlich. Das musste der Raucherraum sein. Und ab da ging`s vehement bergab. Pfeifen: sage und schreibe 5 Stück dümpelten lieblos festgeklemmt in 2 Wandvitrinen, die wesentlich mehr aufnehmen können. Verstaubte, matte Mundstücke – unglaublich. Die Frage, ob man gerade auf eine Lieferung neuer Pfeifen warte, wurde mit denkbar frech-arroganter Miene verneint.

Die an sich überflüssige Frage nach Tabak wurde so gestenreich verneint, als ob ich nach dem Teufel gefragt hätte. Das Tabakgeschäft hätte man längst seit langem verkauft. Er drängte mich aus dem Raum, was mich nun doch sehr verwunderte. Chinesen in Shanghai sind berühmt-berüchtigt für ihren rüden Umgang im Fussgängerverkehr, allerortens wird grob und rücksichtslos gerempelt. Aber in einem vermeintlichen Luxusshop? Als potentieller Kunde? Das bin ich nicht gewohnt.

Meine abschliessende Frage, ob ich ich fotografieren dürfe, wurde so unhöflich abgelehnt, dass ich diesen „Kundentempel“ schnellstens und maßlos enttäuscht verlassen habe: nicht ohne das die grosse Glastür hinter mir kräftig zugeworfen wurde. Das entspricht einem bayerischen “ schleich di, Du Grattler“. Und nun weiss ich wieder, warum ich alle meine Dunhills der letzten 40 Jahre – und das sind wahrlich nicht wenige – nur bei Pfeifen Huber in München gekauft habe. Aus Erfahrung gut, hiess mal ein alter Werbespruch zu Deutschlands güldenen Nachkriegszeiten. Ich habe dem Portier im St. Regis die Geschichte erzählt und ihn gebeten, Gäste, die die Frage nach dem Dunhill Shop stellen, von einem Besuch abzuhalten.Was ist aus dem einst grossen Namen geworden.

Ob sich irgend jemand bei Dunhill wohl noch daran erinnert, was diesen Namen groß gemacht hat?

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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