Schubert Piano Trios | Staier, Sepec, Dieltiens

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Aufnahmen von Schubert`s Piano Trios – op.99 und 100, gibt es „wie Sand am Meer“. Ich habe gut 30 verschiedene Aufnahmen aus gefühlten 100 Jahren. Ähnlich inflationär wie seine Winterreise oder die Jahreszeiten von Vivaldi. Der in das beginnende, kleinbürgerliche Wiener Biedermeier Milieu hineingeborene Schubert hat in den letzten weniger als 20 Jahren seines kurzen Lebens ein Werk von annähernd tausend Kompositionen geschaffen. Als Liedkomponist, der sich mit den großen Zyklen der Schönen Müllerin und der Winterreise eigenständig etablieren konnte, blieb ihm zeitlebens der ganz große Durchbruch bei seinem symphonischen Schaffen verwehrt.

Keines seiner symphonischen Werke ist zu seinen Lebzeiten zur Aufführung gelangt. Während die ersten sechs Symphonien in der Tradition von Mozart, Haydn und Beethoven verwurzelt sind, gelingt ihm nur die achte (neunte) C-Dur Symphonie D944 so, wie er sich sein Ideal vorstellt. Eine weite, romantisierte Landschaft öffnet sich vor Augen des Hörers, der von einer sehnsuchtsvollen Wanderung fortgetragen wird, bei der die Suche nach Ruhe, nach Geborgenheit und Loslösung von den Problemen des beschwerlichen Alltags ziellos bleibt.  Eine Tragik steht in seinem Wirken, das wohl gut in die Zeit der Romantik eingepasst ist. Von Moritz von Schwind gibt es eine bekannte Zeichnung, die Schubert im Kreise von entrückten, ja beseelten Zuhörern bei einem seiner zahlreichen Hauskonzerte zeigt, seinen fast ausschließlichen musikalischen Wirkungsstätten. Vielleicht ist diese fühlbare Stimmung ein wenig typisch für den Geist jener Zeit, in der politisch und kulturell ein relativer Stillstand vorherrschte und sich die Menschen „verprivatisiert“ weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben und in der die biedermeierliche Wirtshauskultur entstanden ist.

 

Franz Schubert, Portrait Gábor Melegh, Öl auf Holz, 1827, Ungarische Nationalgalerie

Wie auch das Forellenquintett D 667 gehören die beiden Klaviertrios D898 und 929 zu Schubert`s Spätwerken. Waren bisher die Einspielunges des Beauxs Art Trios aus dem Jahre 1986 (Deutsche Grammophon) oder die Harmonia Mundi Aufnahme vom Trio Wanderer meine Favoriten, so reiht sich die hier vorgestellte Einspielung von Andreas Staier (Hammerklavier), Daniel Sepec (Violine) und  Roel Dieltiens (Violoncello), ebenfalls bei Harmonia Mundi, aus dem Jahre 2016 wundervoll ein. Insbesondere, da sie auf historischen Instrumenten eingespielt wurden und so eine gänzlich  andere Klangfärbung mitbringen. Ich könnte noch endlos über diese Aufnahme schwärmen und mich detaillierter über das sozio-kulturelle Umfeld der Schubertschen Zeit verschwadronieren, so etwas gerät aber leicht zur Aufgesetztheit. Deshalb jetzt einfach den Plattenteller anwerfen und die Augen schließen:



Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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3 Antworten

  1. Liebe Hörer & Leser,

    wie gefällt Ihnen dieses „Album des Monats“ ? Ihr Vorhörer freut sich über Kommentare jeglicher Art. Hören sie auch wieder einmal in früher vorgestellte Musik hinein. Drücken Sie einfach eine der drei Schaltflächen am Ende des Artikels. Dann sehen Sie, was wir bisher in den Musikpools anbieten.

  2. Karl Hirsch sagt:

    Das bissl, was man hört, wenn man sich weigert, Spotify herunterzuladen (denke nicht im Traum daran, das jemals zu tun), klingt ja nicht schlecht.

    • Wie ist das noch einmal mit diesen (tyrolischen) Renegaten? Die haben jetzt mehr vom Leben oder weniger?
      Andreas Staier: höre Dir auch mal bei Gelegenheit seine Diabelli Variationen an oder die Bachschen Cembalokonzerte BWV 1052-1058 (2012, mit dem Freiburger Barockorchester).

      Ich habe eine perfide Technik zur Verfügung, die Deine Traumata auflösen kann. Warrts app.

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