Peter Scholl-Latour – Der Fluch der bösen Tat

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Als Peter Scholl-Latour, der gewandte, der erfahrene, denkende Journalist und große investigativ Reisende, am 12. August 2014 91jährig von Bord seines Weltendampfers gegangen ist, da hat sich einer der letzten fähigen, fundierten geopolitischen Lehrer unseres Globus`verabschiedet. Bewundert, umstritten, viele seiner Schilderungen, Analysen und Schlussfolgerungen als dogmatisch oder gar eindimensional beurteilt, hinterläßt er eine Lücke, vor der sich vermutlich nun viele oberflächliche „allweil-unterwegs“ Schmalspur-Schreiberlinge drängen werden.
Wem das zu provokant ist, der möge sich unseren mittlerweile völlig gleichgeschaltenden Magazin-Journalismus anlesen, dem auch die meisten Tageszeitungen immer zügiger folgen. Süddeutsche, FAZ, NRZ, Welt, zusammen mit Spiegel und Focus, schaffen eine Nachrichten- und Informationsmelange, die noch von den verlangweilten Tagesschau und Heute Wortmeldungen kräftig weichgezeichnet wird. Eine wohltuende Insel im Meer der berichterstattenden Belanglosigkeit ist unter wenigen anderen Sendungen die tägliche Radiowelt des Bayerischen Rundfunks (Bayern2, 06.00h – 08.30h, 13h und 17h).

1979 hat sich Scholl-Latour mit dem Bestseller Tod im Reisfeld in die breite Öffentlichkeit und damit zwangsläufig in die Berichterstatterelite geschrieben. Fast 1,5 Millionen Lesern erklärte er die Historie und damalige Entwicklung des geschundenen Indochinas. Wie heute in den Krisengebieten im Vorderen und Mittleren Orient, in Nordafrika, so fand seit den 1950ern (bis in die heutige Zeit) eine gezielte Desinformation von Regierungen und deren Diensten statt. Da zerrten Reporter wie Peter Scholl-Latour unbeirrbar Unglaubliches hervor, durch eigene Recherche vor Ort. Authentisch, wahrhaft und unabhängig.

Tipp Ergänzend zu diesem Thema sei auf die brillante Biographie von Joshua Kurlantzick „The Ideal Mann – The Tragedy of Jim Thompson and the American Way of War“ hingewiesen.

Scholl-Latour`s 2014 posthum erschienener Fluch entspricht genau den Erwartungen, die man an den Autor hat. Die seinen fundierten Schilderungen folgenden Analysen werden den uns Steuernden und ihren journalistischen Steigbügelhaltern nicht gefallen. Und so sind denn schon Kritiken zu lesen, die von oberflächlicher oder schlechter Recherche sprechen und ähnliches. Wer an den Problemen, die vor unserer Haustür liegen, mehr interessiert ist, als uns die Repetitoren von Tagesschau und Heute bruchstückhaft, auszensiert und schön-gemildert allabendlich vorsetzen, dem wird der Fluch der bösen Tat einige Erkenntnisse in Echtzeit liefern. Absolut lesenswerte, fesselnde Berichterstatterlektüre.

Peter Scholl-Latour
Der Fluch der bösen Tat
368 Seiten, ISBN-13 9783549074121
ePub
368 Seiten, ISBN-13 9783843709491
beide Versionen erschienen: 12.09.2014

 

Darüber hinaus:

RADIOFEATURE | P.Scholl-Latour, „Der Tod im Reisfeld“, 30.3.1980
62:14 Min. | Quelle: SR 2 Kultur
Peter Scholl-Latour, „Der Tod im Reisfeld. 30 Jahre Krieg in Indochina“. Vietnam, Laos, Kambodscha – wie kam es zum Krieg? Hat sich der Westen falsch verhalten? Wie soll und warum der Kommunismus bekämpft werden?

 

 

 

 

 

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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1 Antwort

  1. Hans Rucker sagt:

    Jedes Buch von Scholl-Latour ist auch nach seinem Tod aktuell, aber leider mit dem „Mainstream“ der Berichterstattung unvereinbar. Kritik am Westen, speziell an der amerikanischen Politik, darf nicht sein.

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