Leuchttürme statt Trump Towers

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Deutsche Kabarettisten der Jetztzeit – ebenso wenig treffend als Comedians benannt – sind ja weder das Eine noch das Andere, sondern eher ein gesamttrauriges Kapitel. Da steht eine stetig zunehmende Flut von schlechstgekleideten Hampelmännern auf einer leergeräumten Bühne, gewandet in T-shirt (gerne auch zur Pudelmütze), Turnschuhe und schwarzgefärbtes übriges Utensil. Noch nicht ernhaft erforscht,  soll das vermutlich eine Abkehr und Losgelöstheit des Vorplappernden von gutem Geschmack und Ansehnlichkeit erzeugen und dem Zuhörer signalisieren: erwarte nichts, allemal billigen Klamauk und schale Witze à la Kommt ein Mann zum Arzt oder treffen sich zwei Blondinen. Gute Nacht, Frei- und Feingeister. Wenn ein Jan Blö(h)dermann, der bisher kaum intellektuell aufgefallen war, bis er sein ziegengleiches Angesicht zur Vorlage einer völlig aus der Luft gegriffenden Schilderung von angeblichen Praktiken meines derzeitigen Lieblingssultans Erdogan I. machte, durch das Staatsfernsehen ZDF einen vorbehaltslosen Rechtsschutz für sein unflätiges Benehmen zugesichert bekommt, wendet sich der bevorzugt Gerndenkende mit Grausen ab. Intellexeram, si tacuisses ……. um Boethius einmal richtig zu zitieren, wobei Blö(h)dermann vermutlich nicht einmal die diesem Dialog vorausgegangene Frage hätte formulieren können. Wie andere Blödelbarden eben auch. Einige wenige Scharfsinnige wie Bruno Jonas, Urban Priol und Jürgen Becker (Mitternachtsspitzen) sind mittlerweile einsame Heroen des intelligent pointierten Wortes und labsalige Spender zeitgenössischer Kommentare.

In der letzten Aufzählung fehlt allerdings noch ein Leuchtturm: Barwasser aka Erwin Pelzig

Nun hat dieser fränkische Leuchtturm eine prophetische Gabe, die bei mir heute morgen für großes Erstaunen gesorgt hat. Es war im Jahre 2012, kurz nach der Wiederwahl von Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten. Da hat Pelzig eindrucksvoll aufgezeigt, wer wirklich die Welt regiert und –bei aller Ironie und allem Sarkasmus- eine Gänsehaut bei mir erzeugt, in dem er Goldman Sachs demaskierte.

Erschreckend aktuell und hellseherisch: Pelzig`s Aufklärung

Und heute morgen verschaffte mir der Bayerische Rundfunk in seinem ebenfalls als Leuchtturm in der Senderwelt stehenden Programm „ Radiowelt“ (allmorgentlich von 6:00 bis 08:30) ein Déjà-vu der besonderen Art. Der zukünftige Politprolet auf dem amerikanischen Thron, Donald Dump, hat mögliche weitere Kabinettsmitglieder ins Spiel gebracht und damit den eigentlichen Gewinner dieser Wahl ins Tageslicht gezerrt:  Goldman Sachs. Die Wall Street – Luftblasen Investment-Banker, Verursacher für fast alle ökonomischen Zusammenbrüche der jüngsten Zeit, sind damit zurückgekehrt in Washington. Profiteure der besonders ehrlosen Art, als da sind – allesamt aktuelle oder frühere Goldman Sachs Manager –

Steven Mnuchin soll neuer Finanzminister werden, Teil des unethischen Wall Street Gebarens

Steven Bannon wird Trumps Chefstratege im Weißen Haus

Anthony Scaramucci arbeitet für Trump in dem Team, das den Machtwechsel organisiert

Gary Cohn, derzeit Päsident und COO von Goldman Sachs, für das wichtige Office of Management and Budget im Weißen Haus

Lew Eisenherz ist Finanzchef der Republikanischen Partei.

 

Noch Fragen, Kienzle ?

 

 
 

 
 

Dieser Text steht unter Umständen nicht im Einklang mit Meinung oder Gedankengut anderer Autoren des Pfeifenblogs und ist ausschließlich Ausdruck der Geisteshaltung des Verfassers, nicht des Pfeifenblogs im Allgemeinen. Alter, Erkenntnis und Weisheit sind nicht immer Widerpart von Renitenz! 😉

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

10 Antworten

  1. Hans sagt:

    Hallo Bodo, wenn´s nicht so traurig wäre, wär es fast schon wieder Komödie.

  2. bemi sagt:

    ja, Hauser! Wie geht der Witz mit dem Arzt und den Blondinen weiter?

    Und: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass alle in Ihrer Branche es lieben zu scheinen mit schwarzen lumpigen Sachen rumzulaufen, inkl. meiner selbst? 😉

    • Hallo Kienzle,
      daran habe ich jetzt nicht gedacht, aber die mit Vorliebe Schwarzgewandeten in unserer Branche sind ja keine Kabarettisten, sondern ernsthafte Zeitgenossen.😜

      Und ich bin eine der wenigen Ausnahmen, da ich nix schwarzes besitze, nicht einmal das berühmte Kleine Schwarze.

      PS: schon in Superheavy reingehört? Nicht gerade Adventsmusik aus Bolsternang ….. aber!

  3. Hans sagt:

    Hallo Bodo, Humor ist wenn man trotzdem lacht. Bei diesen Aussichten bleibt mir das Lachen im Hals stecken.

  4. Karl KJH Hirsch sagt:

    Solche Kabarettszenen wecken in mir die Überzeugung, daß man in den von ihnen angeprangerten Kreisen absolut sicher ist, daß nichts, aber auch rein garnichts passieren wird. Lassen wir sie doch brav lachen, die Leut, Dann klatschen sie und gehen nach Hause. Vielleicht noch vor dem zu Bette gehen die Fehleinschätzung im Small Talk zwischen Nägelschneiden und Zähneputzen „War ganz lustig, der..wie heißt er?“.

    Der Auftritt von – wie heißt er gleich – war ja recht fulminant und die Heulszene eine perfekte Erinnerung an die Zeit, in der ich mit MSDOS zu tun hatte. Aber im Prinzip war es Show ohne Fundament. Goldman&Sachs zählt zusammen mit Kernkraftwerken, Flughafenpisten, Pelzmänteln, Batteriehennen und eisbärenfeindliche Eisschollenschmelze zu den Standardbeißhölzern der europäischen Empörungspflege. Wobei man ganz geschickt die Erinnerung an einen kapitalen Crash der Lehman Brothers als Assoziation mit G&S dem Bürgerhirn als Crash von L&M einprägt.
    Von Geldfüchsen wie Morgan Stanley, die am Vorabend der Finanzkrise mit einer einzigen absichtlichen Indiskretion ausscherten und einen Milliardengewinn machten, aber trotzdem erfolgreich um Finanzhilfe baten, spricht niemand. Weil nicht Beissholz.
    Wer spricht jemals über die öffentlich vor aller Welt angebotenen Vernetzungsdienste von Bloomberg, die vor Ausstreuung unter die Öffentlichkeit unter Garantie Dinge grade biegen, die eigentlich auf den Schreibtisch der Staatsanwaltschat gehören. Ein geradezu diametraler Gegensatz zu den Aufdecker-Kabarettisten. Niemand spricht darüber. Weil nicht Beißholz. Ich mag jetzt nicht googeln, um mein Gedächtnis aufzufrischen, aber da gibts noch hundert andere, und sicher mehr als ein Dutzend landläufig Unbekannte in der G&S Referenzklasse.

    Ich bin nicht der Überzeugung, daß hier die Welt regiert wird. Eher ist es so, daß die „Marktbeherrscher“ die Regierungen elegant ausgekurvt haben. DIe Welt der Politik und Demokratie geht an diesem Parallelplaneten völlig spurlos vorbei. Sicher, wenn sich, so wie jetzt die beileibe nicht konspirativ geschaffene, sondern zufällig sich ergebende Gelegenheit ergibt, wieder ein paar Außenposten im Dunstfeld eines willkommenen Tölpelchens, das es überraschend zum Mr. President geschafft hat – ironischerweise mit reichlicher Bereithaltung von Beißhölzern für Sitzengebliebene aller Art – na, dann nimmt man doch an. Ja, man hat, als die Zeichen sich zu mehren begannen, gehörig Geld in die Kampagne gesteckt (und damit wieder ein Beißholz gedrechselt), aber man hätte im Fall einer Hillary mit Sicherheit einen Plan B gehabt. Wer Emails lesen kann, weiß auch noch anderes.

    Und so bleiben uns halt die Politiker mit ihren hilflosen Gesten, die so ausfallen, wie sie meinen, daß sie uns gefielen. Und die Bürger, großräumig durch falsche Bildungspolitik bereits wissensbefreit, kennen schon lange nimmer die Zusammenhänge in einer Demokratie und meinen, sie wählen den Kaiser. Und beide, Politiker wie Bürger, haben das Kunststück geschaffen, in eigenen Sphären zu leben, die noch ein paar Beißholznormen als Schnittstellen aufweisen.

    O.k., der Herr mit dem grauenvollen Hütchen (warum punktet man unter intelligenten Wesen, wenn man sich als Depp drapiert?) war ja recht nett und temperamentvoll, aber verirrt. Und nicht ganz exakt.

    Ich seh nicht so schwarz. Laßt denen ihre Geldspiele und verbrennen wir unsere Beißhölzer, die gerne auch kleidsam als Brett vor dem Kopf getragen werden, und beide Parallelwelten drehen sich synchron.

    Ich mag micheinfach nimmer fremdempören lassen. Wie kommt jemand dazu, mir zu sagen, was man hassen soll. Mache jeder wo es geht den Menschen statt dessen eine Freude, dann ist genug getan. Auch wenn das jetzt einwenig nach Sonntagspredigt klingt.

    Entempört euch. Denkt alle nach, wer hat mir jetzt gesagt, daß das schlimm ist? Bin ich wirklich selber draufgekommen, oder weiß ich nur zu wenig.

    Nichts ist so wie es scheint.

    • Das die Zuständ in unserer besten aller Welten dem Publikum nur als Allgemeinpätze nahegebracht werden können und dabei auch nicht allumfassend, sondern aktuelle Rosinen herauspickend, liegt auf der Hand. Empörung ohne Folgerungen, ohne Weiterungen und damit an den Betroffenden, den Planern und den Auslösern wirkungslos verpuffernd, ist systemimmanent. Natürlich wird die Menschheit damit gefüttert, um die richtigen „Granaten“ so abzufeuern, dass sie weitgehend unbeachtet bleiben.
      Planungen und Strategien der Finanzamarktbetreiber sind nur für den aufmerksamen Zeitgenossen durchschaubar und – wenn es schief für ihn geht- zu erfahren. Deshalb schadet es nicht, wenn jemand wie Kleinkariert-Pelzig mal ein ebensolches Kerzenlicht auf ein Partikel der herrschenden Finanzimperien richtet. Damit wird gerade mal ein atomarer Teil dessen, was so um uns herum geschieht, berührt. Und vom Publikum nach kurzer Amüsierphase ohnehin vergessen, ausgeblendet.

      Informationen, seien sie nun methodisch und inhaltlich seriös übermittelt oder über den Umweg über Satire (und damit durch den Spaßeffekt schon wieder entkräftet), müssen nicht unbedingt zu einer fremdinitialisierten Empörung des Individuums führen. Aber solche Gschichterl unter den Scheffel zu kehren, weil eh alles unveränderbar sei, was da so alles betrieben wird und den Kölnern folgend mit “ et hätt noch emmer joot jejange“, sein Haupt darniederlegen, erscheint mir nun auch nicht gerade probat zu sein.

      Deiner Ansicht, „hier werde nicht die Welt regiert“, mag ich nicht folgen. Denn genau das ist eben der Fall. Natürlich gehören noch ein paar andere Spezln dazu wie der weltweite Interessenverband Energie&Wasser, die Schießgewehrhersteller, Lebensmittel-, Pharma-, Aromen-, Saatgut- und zig weitere „Heinzen“ mehr, um wieder auf Pelzig zurückzukommen. All das ist ja nicht mehr so verschwiegen und unbekannt, wie noch vor 10 Jahren, dennoch überwiegt die Einstellung „kannst eh nix ändern, ergo lachen wir kurz darüber“. Empörung findet doch gar nicht mehr statt.

  5. Karl KJH Hirsch sagt:

    Verschrieben: .
    Wobei man ganz geschickt die Erinnerung an einen kapitalen Crash der Lehman Brothers als Assoziation mit G&S dem Bürgerhirn als Crash von L&M einprägt.
    soll heißen
    .Wobei man ganz geschickt die Erinnerung an einen kapitalen Crash der Lehman Brothers als Assoziation mit G&S dem Bürgerhirn als Crash von Goldman Sachs einprägt.
    sonst machts keinen Sinn. Oder noch weniger Sinn :-).

  6. Kurt sagt:

    Bei so viel(en) Weisheit(en), sollte man nicht unbedingt für den zum fränkischen Leuchtturm geadelten pelzigen Erzähler gerade diesen Leuchtturm vorne aufs Bild setzen. Ich werde mich bei meinem Lieblingsleuchtturm entschuldigen müssen….
    Tja, und das mit den „Verschwörungs“theorien, – , eher fester Glaube denn Theorie? So nach dem Motto: wer lenkt die Welt aus dem Hintergrund, Gott oder das Kapital? Die Antwort könnte immerhin auch sein: Keiner, denn sie wird nicht gelenkt (die Welt). Oder doch? Wenn ja, dann jedenfalls von …. na, ja, man sollte niemanden beleidigen.
    Und ob die Feststellung, dass Empörung gar nicht mehr stattfinde richtig ist? Woher kommt die Erkenntnis??

    • Servus Kurt,
      Profanes vorweg: ich hatte erst einen bretonischen, gischtumtosten Leuchtturm verwendet. Meine mich stets bremsende und und ständig überwachende Medien-Eule, der künstlerische Oberblogger Alexander, hatte sofort sein Veto eingelegt (zu Recht) und steuerte ein von ihm erstelltes Leuchtturmfoto bei. Was mich wohl vor dem Gefängnis bewahrt hat, so meint er.
      Verschwörungstheorien: ich glaube daran, das ein Aufzeigen von wie auch immer gearteten Beziehungsmechanismen, die – bekannt, vermutet, befürchtet oder am Ende zwar bewiesen, aber als solche vom Publikum nicht wahrgenommen werden (wollen), nicht unbedingt als Verschwörungstheorien zu verorten sind. In der heutigen Zeit mit ihrer unglaublichen Verbreitungsgeschwindigkeit von Informationen aller Art bleibt vielfach festzustellen, daß die meisten Medienkonsumenten sogannte „Headline Collectors“ sind, bei denen nicht die Inhalte und ggfs. deren kritische Wahrnehmung eine Rolle spielen, sondern nur noch die Überschrift. Reicht den meisten, um mitreden zu können, sofern sie überhaupt außerhalb von Unsocial Media noch reden können.
      Insofern habe ich den fränkischen Thyl Ulenspiegel (de Coster: denn den Narren gehört das Reich der guten Zeit. Und Ulenspiegel lachte) Erwin Pelzig zu Wort kommen lassen. Und Empörung, wie will man die klassifizieren? Wichtig ist für mich die Frage, wenn sie denn stattfindet, mit welcher Bewandnis, welcher Zielsetzung? Empörung sehe ich bei der Goldman Sachs Geschichte gar nicht im Vordergrund, die nutzt eh nichts. Aber vielleicht ein kurzes aufmerken?

      • Kurt sagt:

        ja. Bodo, aufmerken. Wer merkt schon auf? Ist nicht mehr „in“, das Aufmerken. Ausserdem führt es häufig zu Kopfschmerzen, steigendem Blutdruck und sonstigen Gebrechen (jedenfalls bei mir). Bisweilen hilft Schiller, Adorno oder auch (ein etwas abgewandelter) Honecker.
        „Headline Collectors“ gefällt mir! Frage mich nur, woher die vielen blöden Headlines kommen….

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