HU-Tobacco | Der neue Flanagan

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Flanagan HU Tobacco

Flanagan HU Tobacco

Kaum grantelt man im Blog ein paar Jahre wegen hässlicher Tabaksdosen herum, schon kommt einer daher und trägt einem auf, dass man es doch selber besser machen soll. So wird aus dem Besserwisser – in Bayern „G’scheidhaferl“ genannt – einer der beweisen muss, dass er auch ein Besserkönner ist. So ist es mir letztens passiert und gar nicht feig, stelle ich mich jetzt Ihrem Urteil, geneigter Leser, werter Pfeifenfreund und Tabak-Aficionado. Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass mich nicht etwa einer angesprochen hat, der ein recht’s Unkraut in seine Tabaksdosen presst. Ihr wisst was ich meine, keine aromatisierten Rauchpappen, die schon nach zehn Minuten nicht mehr nach der Parfumabteilung vom Hertie, sondern nach Nieren-Blasen-Tee schmecken. Mein Kunde ist was die Tabakqualität angeht über jeden Zweifel erhaben. Kein geringerer als der Tabak-Blender aus dem Ries, Hans Wiedemann von HU-Tobacco war es, der Ende letzten Jahres auf mich zu kam und um Hilfe bei der Dosengestaltung bat.

Die neue EU-Tabakverpackungsverordnung hat auch ihn gezwungen, alle seine Dosen neu zu gestalten. Was man den Bürokraten in Brüssel und Straßburg aber nicht vorwerfen kann, ist, dass sie einen mit der Gestaltung im Stich lassen.

HU-Tobacco Flanagan Flake

HU-Tobacco Flanagan Flake -EU Druckbogen

Nein, ganz im Gegenteil haben sie großzügig – dass ich als Steuerzahler schon fast wieder die Stirn runzeln muss – wunderschöne Gestaltungselemente beigesteuert. Es sind lichte weiße Flächen, die sich mit einem kräftigen schwarzen Rand vom übrigen Dosendesign abgrenzen. Klare Formen, die in ihrer eleganten Schlichtheit sofort zu überzeugen wissen. Die Kurzprosa, welche die europäische Genussmittelbehörde beisteuert, ist kongenial klar, unmissverständlich und postmodern. Deutliche Botschaften, die wenig Interpretationsspielraum lassen. Und doch erinnern sie ein weinig an die dichte Kurzheit der japanischen Haiku-Dichtung. Wenn sie leider auch deren Regeln nur in sehr geringen Maße einhalten. So erwähnen Sie zum Beispiel äußerst selten die Jahreszeit (Kigo). Da gilt es vielleicht noch etwas nachzubessern. In etwa so:

Das glühende Tabakblatt,
im Winter wärmend,
wird dich töten.

Aber ich schweife schon wieder ab, denn ich wollte ja von der Dosengestaltung und nicht von Dichtkunst sprechen. Einer der meist verkauften und auch bei mir sehr beliebten HU Tabake, ist der Flanagan. Ein schöner Virginia/Orient/Kentucky Flake im Stil vom Huber Virginia, Dunhill Flake oder Danpipe St. Bernard. Dieser war ausverkauft und aufgrund fehlender Etiketten nicht mehr lieferbar. Er war der erste, welcher ein neues Dosendesign bekommen sollte. Dabei fiel auf, dass vielleicht auch ein Firmenlogo bei der Vermarktung von Tabakprodukten von Nutzen sein könnte. Flugs wurde ein Logo designed und es konnte losgehen. Ich hatte mir für den Auftakt der Zusammenarbeit mit Hans einiges vorgenommen. Der Flanagan sollte der erste Tabak werden, zu dem es eine Schmuckdose als Künstleredition geben sollte. Solange die EU-Kommission die Haikuregeln so rüde missachtet, wollte ich so gut es geht, auf sie verzichten auch wenn das oben beschriebene schwarz weiße Etikettenelement noch so sehr durch klarer Formensprache besticht.

Die Klippen von Moher - 2017 Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Die Klippen von Moher – 2017 | Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Flanagan ist jetzt kein typisch alpenländischer Name, eine meiner unzähligen Almhütten, Bergpanoramen oder Schneelandschaften, konnte ich wohl nicht verwenden. Auch dänische Dünenlandschaften schienen unpassend, außer Hans würde den Flake in Flænegån oder Flønnegøn umbenennen.
Vor zwei Jahren war ich das letzte mal in Irland und zwar an der West und Nordküste. Da ich mit meinem halbstarken Sohn unterwegs war, verzichtete ich auf das Malen vor Ort. Es hätte seine Geduld bestimmt überstrapaziert, sondern fotografierte viel mit einer geliehenen Leica M8 und fertigte ein paar feucht, wellige Skizzen an. Die Leica würde schon irgendetwas brauchbares eingefangen haben und wenn ich mir die künstlerische Freiheit, ein bisschen Sonne dazuzumogeln, nehmen würde, wären die Klippen von Moher bestimmt ein passendes Motiv für den Flanagan.

Die Klippen von Moher - 2017 Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Flanagan Cliffs of Moher

Nun stelle sich der geneigte Leser den Künstler in dicken Filzschaftstiefeln und Lodenjacke in seinem nur bis knapp über den Gefrierpunkt beheiztem Atelier vor, der versucht die Stimmung der irischen Westküste einzufangen. Frieren ist schon mal ein guter Anfang, ein paar Gläschen „Writer’s Tears“ dem definitiv besten irischen Whiskys und die wundervolle Platte „Now“ von Patsy Watchorn mussten es richten. „Dublin in the rare auld Times“ und vor allem das unvergleichliche „The Ferryman“ sind so wunderbare irische Songs, dass einem die Luft wegbleiben möchte. Das letztgenannte haben wir einige Male live im „Real Inn“ in Donegal gehört. Ich hole mir eine Dose Guinness aus dem Kühlschrank und ein paar Stunden später sind die Cliffs of Moher auf 40 cm im Quadrat – Öl auf Leinwand gebannt und ich leicht trunken, natürlich nur von der Erhabenheit der Kunst.

HU-Tobacco Flanagan Flake

HU-Tobacco Flanagan Flake | nur für Export ausserhalb EU

Die weitere Vorgehensweise beim Dosendesign ist unprosaisch und langweilig. Die Typographie ist das einzig Spannende, ansonsten ist es Pixel schubsen und Vektoren schieben, bis die fertige Druckdatei vorliegt.

Der wahre Lohn der Arbeit lässt nun auf sich warten. Ich schreibe schon einmal diesen Artikel, während die Druckerei unterdessen die alten Heidelberger rattern lässt und ich träume von meiner ersten Peterson mit dem neuen Flanagan die Cliffs of Moher in der Hand … und während Sie – geneigter Leser – diese Zeilen zu lesen bekommen, bin ich schon bei den nächsten Dosen, denn auch die Warehouse-Serie, The Blender’s Pride, sowie Peter Hemmers legendäre Foundation-Tabake brauchen neue Dosen, aber dazu bald mehr in diesem Blog.

Alexander Broy

Alexander Broy ist Künstler, Flaneur und Blogger mehr von ihm gibt es in seinem Künstlertagebuch unter: http://broy.de zu lesen.

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19 Antworten

  1. Wunderschönes Dosenlabel , würde sich schon alleine dafür lohnen die Dose als Re-Import ohne Warnhinweis zu bestellen

  2. Marc Lan sagt:

    Ist tatsächlich gefälliger, erst Assoziation war allerdings Helgoland, Lange Anna, in grau. 😉

  3. An den Künstler: ist die Dose lackiert, wie es sich gehört? Statt Weißblech vielleicht sogar aus Silber?
    Das wär`s – kaufe ich sofort, egal ob da jetzt Flanagan drin ist oder Rum&Maple, der ja auch nur noch R and M heissen darf (kein Witz!)

    • Lieber Bodo, ich werde für dich selbstverständlich eine handbemalte Silberdose anfertigen, ich fürchte nur, dass du dir dann tatsächlich nur noch R&M als Tabak leisten können wirst … ausser du trennst dich von deiner alten Dunhill-Dosen Sammlung, darüber könnten wir reden 🙂

      Nein, im Ernst. Leider ist der Siebdruck, der für die Dosen früher verwendet wurde, bei den Auflagen zu teuer. Wer würde schon einen Aufpreis von 1-2 Euro hinnehmen, damit die Dose nicht mit einem Aufkleber versehen ist?

      Wenn man wie Dunhill zum Beispiel, früher nicht für jedes Land eigene Dosen herstellen musste, kam man locker auf ein paar zehntausend Stück und dann lohnt sich die Herstellung von ein paar Sieben. Ja, genau man braucht für jede Farbe ein belichtetes Sieb, durch welches dann Druckvorgang für Druckvorgang Farbe hindurch gerakelt werden musste.

      • bemi sagt:

        Bei den so kleinen Auflagen wäre doch ein Vorschlag, komplett auf den Druck zu verzichten. Jede Dose handbemalt … Da würde ich den Aufpreis von 1-2 EUR hinnehmen 😛

        Oder du fragst jemanden, der dir „Stempel“ schnitzt. Ich kenne da jemanden, der das mal für Whisky Etiketten gemacht hat. Praktisch kein Aufwand und schaut super aus 😀

        Super Sache, auf jeden Fall. Jetzt muss ich warten, bis es neue Dosen gibt und hoffen, dass es den HU Tobaccos nicht so geht wie den excellenten Tasting Fellow Whiskys. Immer gefährlich, mit Künstlern zusammen zu arbeiten!!!

      • Lieber Herr Broy, für lackierte Dosen – gerne auch die üblichen aus Weißblech- würde ich 2 € mehr zahlen, viele andere auch. Diese Dose würde man eh öfter verwenden. Na, ja – es muß auch unerfüllte Wünsche geben ….. Bemi`s Befürchtung teile ich im übrigen.
        Ein ausreichendes Depot an Rum & Maple und Clan (alte Versionen) habe ich bereits angelegt :)).

  4. Jetzt haben wir ein sehr schönes Etikett, die Dose ist rund und der Name des Tabaks klingt vielversprechend. Da ich zu den Rauchern gehöre, die statt Metall und Papier Tabak rauchen, wüßte ich gerne mehr über den Inhalt dieser Pretiose. Wann gibt es ein Review über den Flanagan? Oder habe ich da etwas übersehen?

  5. Steffen Helbing sagt:

    Die Labels der HU-Tabake sind die, bei denen mich dank ihrem Neun-Nadel-Drucker-mäßigen Aussehen, die gesundheitsorientierten Verbraucherhinweise noch am wenigsten stören.

    • Aber das wird sich zwangsläufig ändern, denn die Größe der Todesanzeiges ist nun vorgeschrieben und nimmt wesentlichen Platz auf den Dosen ein. Deshalb verschwinden ja auch nach und nach die Rechteckdosen …..

  6. Jürgen Gradenegger sagt:

    Man könnte das unverfälschte Label als Beigabe (gegen einen kleinen Aufpreis) ja einfach beilegen. Drauf geklebt und man hat eine schöne Dose, ganz ohne EU-Haiku. 😉

  7. Ulrich sagt:

    Wir alle ärgern uns über die EU-Warnhinweise. Wäre es möglich, Labels von bereits länger auf dem Markt befindlichen Tabaken, die noch nicht diese Hinweise haben, auf Originalgröße zu kopieren? Anschließend auf den Deckel kleben und diesen immer weiterverwenden. Und ich bin mir sicher, Bodo hat in seinem Tabaklager viele schöne Originale schlummern… 🙂

  8. Preusse sagt:

    Hochverehrter Herr Broy,
    es beschleicht mich ja schon länger das Gefühl, dass das fränkische Umfeld ein wenig dazu beiträgt, dass ein bisschen der Zug verloren gegangen ist. Ich habe sogar gehört, dass hier Urlaub gemacht wird. Angesichts der noch ausstehenden Aufgaben im Hinblick auf die Wiedemann’sche Produktpalette muss ich hier doch eine gewisse, den anstehenden Herausforderungen unangemesse, Entspanntheit feststellen.
    Was will ich damit sagen?
    Kurz gesasgt: mach‘ mal hinne!

    In etwas längerer Form und auch höflicher ausgedrückt: wie sieht es denn nun hinischtlich weiterer Etiketten aus? Beschränkt sich das Engagement nur auf die 50gr. Dosen oder wird hinsichtlich der schönen wochenendtauglichen 100gr. Gebinde auch noch eine neue Form der Gestaltung erfolgen?

    Gruß Jens

    • Lieber Jens,
      es kostet mich ja eine unglaubliche Überwindung, jemandem mit diesem Nickname zu antworten. Sind doch die Wunden aus dem Deutschen Krieg noch zu frisch und gerade hier in Franken immer noch schmerzlich zu spüren.
      Ich will das aber für einen geschätzten Leser aus Forum und Blog natürlich trotzdem tun.
      Mitnichten, lag ich auf der faulen Haut und habe nur ein paar 50 Gramm Döschen bemalt, wie das dein Kommentar suggeriert.
      Selbstverständlich hat jedes auch noch so kleine Tabakbröserl aus dem Hause Wiedemann von mir einen neuen Anstrich bekommen. Aus lauter Bescheidenheit, habe ich hier allerdings nur den Flanagen vorgestellt. Auf meinem Blog, habe ich etwas ausführlicher berichtet: http://broy.de/pfeifentabak-kuenstler-edition/

      Dummerweise hast du recht, wenn du meine allgemeine Blogmüdigkeit kritisierst. Ich bin müssig, faul und bequem, aber ich gelobe Besserung.
      Sollte dich das eine oder andere Thema in den Fingern jucken, können wir über eine (Gast) Autorenschaft hier im Blog gerne sprechen. Selbstverständlich unter einem anderen, etwas angemesseneren Pseudonym. 😉

  9. Preusse sagt:

    Hallo Alexander,
    der deutschen Zwietracht mitten ins Herz.
    Ich dachte mir schon, dass irgendwann mein Migrationshintergrund auffällt, aber zu meiner Entlastung möchte ich angemerkt haben, dass ich mich um Einbürgerung bemüht habe. Zwei Jahre Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen sind doch zumindest mal ein Anfang 🙂 Ich bitte, mir das anzurechnen und mich nicht pauschal in die fundamentalistisch-protestantische Ecke zu stellen.
    So, und jetzt werde ich mal sehen, was Du so mit den anderen Dosen zuwege gebracht hast.

    Gruß Jens

  1. 8. März 2017

    […] hat sich Pfeifenblog-Chef Alexander B. selbstlos in den Dienst der Sache gestellt und den delikaten Flanagan von HU Tobacco kurzerhand nach Helgoland verortet. Die kurze restliche Lebenszeit der Langen Anna wohl […]

  2. 7. Juli 2017

    […] unterwegs und habe die Vorlage für dieses Gemälde mitgebracht. (Über den haben ich schon im Pfeifenblog […]

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