HAVANNAS und BIER – das rat‘ ich Dir!

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Welches Mineralwasser passt am besten zur Montecristo No.1? Um diese existenzielle Frage ein für alle Mal verbindlich zu klären hat unser 35-köpfiges Verkostungsteam, bestehend aus einigen reichen Zigarrenrauchern, der Crème de la Crème internationaler Wassersommeliers und verstärkt durch die Bademeister der burgenländischen Freibäder, keinen Aufwand gescheut und zu einem exklusiven Tasting-Wochenende auf den Berg Athos geladen. Das überraschende Ergebnis: keines der getesteten 437 Mineralwasser passt zur Montecristo No.1. Noch nicht mal lauwarm und ohne Kohlensäure! Die höchste Punktzahl im „Pairing“ erhielt eigentlich ein eigens eilig eingeflogenes Heilwasser aus Kasachstan, das aber wegen des ungesunden Images der Partnerzigarre und unseres Blogs im Allgemeinen aus rechtlichen Gründen leider ungenannt bleiben muss. Wir bedauern dies zutiefst. Dafür gehen wir in der nächsten Ausgabe unserer so beliebten Reihe „Legends of Mastertasting“ dem Phänomen nach, das derzeit in aller Munde ist: „Sumatra-Fehlfarben mit kaltem Kamillentee oder ist Alzheimer nicht doch heilbar?“

OK, war ein Scherz – wir machen alles anders, ne Nummer kleiner und seriös: Ich habe ein Bier probiert. Also ich probiere öfters Biere. Manchmal trinke ich sie auch nur, aber dieses Mal habe ich eines probiert bzw. degustiert. Erst habe ich mir nichts dabei gedacht, schon gar nicht, dass ich da mal was drüber schreiben würde, aber je mehr ich von diesem Bier degustiert habe, inzwischen ein paar Flaschen (also natürlich nicht auf einmal und schon gar nicht jetzt!), desto deutlicher wurde mir, dass ich genau über dieses Bier hier etwas schreiben muss: schließlich heißt unser Blog „Das Pfeifenblog“ und hier gehts um Zigarren und Bier! Es geht auch ein bisschen um Pfeifentabak, aber das nur sehr sekundär, quasi als sensorischer Kollateralschaden.

Flaschen Mikes Wanderlust„Mia ham‘ ma ma a Bier gfund’n, aber mia wiss’ma neda, woher’s kimmt.“ Diese Frage führt uns in die Heimat niederbayerischer Biere – nach Niederbayern! Als Marke gleich lesbar auf der Flasche steht nämlich nur „Mikes Wanderlust“ und spätestens jetzt wissen die meisten geneigten Leser, dass es nicht um irgendein Bier geht, sondern um Craftsbier! Streng genommen eigentlich nur zum Teil. Denn der andere Teil wird klar, wenn man das Kleingedruckte, also das ganze Etikett, bis zum Ende liest:  Wilhelm Krieger GmbH & Co.KG, Hauptstraße 88, 94405 Landau. Die Brauerei Krieger in Landau an der Isar, seit über hundert Jahren im Familienbesitz, ist eine der zahlreichen unabhängigen Privatbrauereien, die es in Bayern noch gibt und die ganz maßgeblich zum hohem Niveau der Bierkultur hierzulande beitragen. Drei Krieger-Biere sind’s, die unter Bierliebhabern auch weit außerhalb Landaus den hervorragenden Ruf der Brauerei begründen: Das Zwickl, das Märzen und der Floriani-Bock, ein dunkler Doppelbock, der keinen Vergleich mit berühmteren Verwandten scheuen müßte. Tradition wird groß geschrieben, dabei sind die drei genannten Biere relativ jung und allesamt Kreationen von Michael Sturm, dem Braumeister und Mitgeschäftsführer seit 2009. Und just im Traditionalisten Michael Sturm lebt noch eine andere Seele: der Mike, der Lust hat zu wandern! Und der seine hochprofessionelle Brauer-Kreativität mit seiner Craftsbier-Marke in Biere umsetzt, die trotz IPA, Pale Ale, Porter oder Cask-Finishs ihre Herkunft nicht verleugnen. Es sind allesamt Biere, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, weit weg vom exaltiert-egozentrischen Experiment und die trotzdem voller klug gesetzter Nuancen ihre Eigenheit entwickeln. Zu keinem Moment hat man den Eindruck von einem Garagen-Start-Up, wo ein Großteil des Budgets in Graphikdesign und Bartpflege fließt und vom Rest nur noch allerexotischster Hopfen gekauft wurde. Im positivsten Sinn sind die Biere von Mikes Wanderlust bodenständige Craftsbiere, die auch nach dem dritten Schluck noch ein großes Vergnügen sind. Darin liegt das Erlebnis, in einer sehr raffinierten Geradlinigkeit. Mir persönlich ist das mehr Wert als zur Schau gestellte Raffinesse, die Gefahr läuft, über den Aha-Effekt hinaus bald zu langweilen.

Nun aber zum Bier der Wahl! Das Bier der Wahl ist genauer gesagt eine Reihe von vier Bieren, die sich „World Barrel Tour“ nennt und die aus dem oben schon genannten traditionellen Floriani-Bock besteht, der noch für jeweils 10 Monate in vorbelegte Fässer gefüllt wurde: in ein Pedro Ximenez Sherry Fass, in ein Single Malt Fass, in ein Bourbon Fass und in ein Rum Fass. Und um die letztere Version geht es im Speziellen. Spätestens jetzt wissen die Zigarrenraucher unter den Lesern, warum ich dieses Bier vorstellen muss: Die Kombination zwischen Zigarren und Bier im Allgemeinen ist eine recht schwierige Liaison. Im positiven Fall von leichten blumigeren Zigarren mit malzig-süßlichen Bieren ein pragmatisches Zweckbündnis, im negativen Fall von schweren erdigen Havannas mit hopfen-bitteren Bieren ein veritables Beziehungsdesaster geprägt von unüberwindlichen Differenzen. Das Zusammentreffen der Rum/Karibik Edition der „World Barrel Tour“ mit schweren kräftigen Havannas wie etwa Ramon Allones, Bolivar oder mancher Partagas dagegen ist Liebe auf den ersten Blick, eine Liebesheirat und eine lange glückliche Ehe folgen unausweichlich: Will man eine solche Zigarre mit etwas anderem als Hochprozentigem oder einem schweren Süsswein kombinieren, gar mit etwas, was durch die dezente Kohlensäure mit einer gewissen Frische aufwarten kann, dann wird man mit dieser Rum/Karibik Edition glückselig! Flasche Rum/Karibik Edition und ZigarrenBegründet ist dies im extremen Charakter des Cask-Finishs: Im Gegensatz zu den anderen drei Editionen, bei denen die Vorbelegung des Fasses relativ dezent geschmacklich in den Floriani-Bock eingebunden ist, hat das Rum Fass schier eine Bombe gezündet: Alles, was man von einem guten Rum erwartet, den süßen Zuckerrohrton gepaart mit getrockneten Feigen, Kräuternoten von Thymian und etwas Eukalyptus, vanillige weiche Holznoten und letztlich im Anflug das Alkoholische des Fasses, alles das kombiniert sich mit den malzigen süßen Noten des dunklen Doppelbocks und den raffinierten Hopfennoten, die geschmacklich noch präsent sind, aber die ihre Bitterkeit längst an die Rum-Süße des Fasses eingebüßt haben. Hier hat Mike offenbar auch großes Glück mit dem Fass gehabt, denn der Rum der Vorbelegung war schmeckbar erstklassig! Flasche Rum/Karibik EditionDass die Rum/Karibik Edition der „World Barrel Tour“ auch mit cremigeren, weniger „kantigeren“ Zigarren gut geht, versteht sich von selbst, aber für mich ist es gerade die Kombination mit Partagas 8-9-8, D4 oder den dickeren Formaten von Bolivar oder Ramon Allones, die hier so reizvoll ist. Würde ich ausschließlich als Biertrinker die Serie bewerten wollen, wären mir vielleicht die anderen, dezenteren Versionen der Cask-Finishes lieber, aber in Kombination mit einer Zigarre ist diese Rum/Karibik Edition schlicht und zwingend hinreißend! Das erste Mal, dass ich ein Bier gefunden habe, das zur Zigarre nicht nur mehr oder weniger „geht“, sondern das eine ideale Paarung darstellt und dabei neben jedem anständigen Rum bestehen kann. Und für ein Bier will das was heißen! Das Lustige ist, dass das Bier gar nicht für diese zwingende Kobination vermarktet wird. Und nun noch kurz der Kollateralschaden: die Single Malt Version passt erstklassig zum Full Virginia Plug/Flake und Konsorten, aber von der habe ich nur eine einzige Flasche ergattert, was mir für ein seriöses Review unseriös wenig wäre… Will man zu Michael Sturm mehr erfahren, dann empfiehlt sich der wundervolle und immer lesenswerte Bierblog „Hopfenhelden„! Weitere Infos auf der Homepage von Mikes Wanderlust oder der Brauerei Krieger.

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10 Antworten

  1. Lieber Peter, vielen Dank für den Tipp. Ich wollte mir natürlich auch gleich so ein Bier besorgen, nur gibt es das anscheinend hier in Nürnberg nicht. Bei 278 fränkischen Brauereien im Umkreis von 80km ist man wohl auf ein niederbayrisches Bier hier nicht angewiesen. Schade. Was die oftmals unglückliche Kombination von Bier und Zigarre angeht, kann man sich stets sehr einfach mit einem Weissbier behelfen. Weißbiere – ausser das völlig untrinkbare Erdinger – lassen sich durch ihre mehr oder weniger weiche bananigkeit sehr schön kombinieren.
    Sollte man irgendwo sein, wo es nur dieses völlig ungeniessbare Erdinger Weißbier gibt, dann empfehle ich eine schöne Virginia gerade oder krumm zum Hellen, Export oder Kellerbier. Passt auch immer und ist viel günstiger als einen Havanna.

    • Peter Hemmer sagt:

      Hallo Alex, dass das Bier nicht so einfach zu kriegen ist, kann ich mir vorstellen! Da habe ich’s mit dem Biervana am Kurfürstenplatz ganz gut. Und zu Zigarre mit Weißbier: das ist so eine Kombination, die „geht“, die vor allem besser geht als die meisten untergärigen Biere, gerade wenn’s vielleicht ein Weißbierbock ist… Und das Weißbier – im Idealfall ein Gutmann-Bock – wäre auch mein Bier der Wahl. Aber von der Genialität der Kombination Havanna-Rum/Karibik Edition ist das sehr weit weg. Ich hätte mir nicht die Mühe des Artikels gemacht, wenn ich diese Kombination nicht für sehr besonders halten würde!

      • RolandH sagt:

        Servus Peter,
        sehr schönes Review. Kannst Du uns von dem Bier mal eine Flasche in den Club mitbringen, ich besorg dann ein paar Havannas für ein Tasting.
        Die Kombination Zigarre/Weizenbock, vor allem dem Gutmann kann ich mir gut vorstellen.

  2. Karl KJH Hirsch sagt:

    Endlich ein Bierbrauer, der zwar Zraftbier (meine persönliche Aussprache, wobei ich eine eventuelle Lautverschiebung auf Tschraftbier überlege) braut, dieses aber, soweit ich sehen konnte, dieses nicht auf die noch dazu gefällig geformte Bierflasche schreibt.

    Zu den dazupassenden Zigarren halte ich , weil Laie, zumindest was den Geruch/Geschmack derselben anlangt, besser die Klappe, da ich trotz früherer Zigarrenrauchereien den Anschluß an diese Materie komplett verloren habe. Optisch verbinde ich mit Bier und dazugehörigem Wänstlein sowieso die lange österreichische Regie-Virginier mit ihrem eingebauten Herz- und Magentest. Den Virginier wohnt darüber hinaus auch ein dem miFi-oFi-Streit ebenbürtiger Diskussionsstoff inne: Mit Stroh“halm“ rauchen oder ohne, miStro oder oStro also.

    Mangels echter Teilnahmemöglichkeit am „test on the bottle“ bin ich jetzt schon wieder am Ende meines Geschwätzes, schlüge aber auch noch den gerade nebenan erwähnten Penzance trotz Wegfalls einer zigarrigen Duftkomponente desselben als rauchende Begleiterin vor. Allerdings komme ich eher an das Globalbier als an eine der drei im lokalen Galaxienhaufen versteckten Priratendosen.

    Apropos Niederbayern: Wo ist den Hochbayern? Die versehentlich über die Grenze gerutschten Zugspitzen und Watzmänner lasse ich als Tiroler nicht gelten. Selbst bei einer emanzipatorisch durchgeboxten Watzfrau würde ich ausnahmsweise nicht schwach werden. Das Pendant zum in meinen Augen auch richtig bezeichneten Oberbayern wäre doch Unterbayern. Aufschrei, Androhung des Titels „Tiroler saupreißischer“ lassen aber weitere Ungnadephrasen in dieser Richtung wohlweislich ruhen.

    • Kaum sind d`Östreicher den Freiheitlichen für´s erste entgangen, kommt schon wieder latent das Thema Gebietsansprüche ans Tageslicht….. Und nur, weil der Ambros den Watzmann hat rufen hören, angeblich. Dabei hat unser Michl Willy längst zuvor die Wettersteiner Gipfel besungen und ist durch die Höllentalklamm gewandert. Da hat er keinen Tiroler angetroffen.

      • Peter Hemmer sagt:

        Dabei gibt es vermutlich keinen passenderen Ort um einen Tiroler zu treffen als die Höllentalklamm…?

        • Karl KJH Hirsch sagt:

          Die meisten Tiroler besiedeln das große Gebiet hinterm Mond. Deshalb stellen wir auch keine Gebietsansprüche, wir haben genug. Straftäter oder sonstwie in Ungnade gefallene müssen im Inntal zu den Piefkes freundlich sein. Wir haben deshalb fast keine Kriminalität im Land.

  3. Als gelegentlicher Biertrinker bevorzuge ich Pils und Alt. Zigarren habe ich noch nie geraucht. Nicht einmal probiert.Und der vielfache Craft Bier
    Hype um mich herum nötigt mir gerade mal ein nachsichtiges, feines Lächeln ab. Ergo könnte ich den Artikel einfach „überblattern“. Wenn….. ja wenn der Autor nicht so profund und hinterlistig über diese merkwûrdige Geschmacksliaison berichtet hätte. Das beunruhigt mein so gefestigtes Geschmacksgebaeude. Soll ich jetzt wirklich mal so einen kleinen Baumstumpf zwischen die Lippen nehmen und dazu dieses merkwürdige STRANGE BREW trinken ? Ich hoere mir jetzt doch erst einmal Cream an, rauche dazu eine Restmenge Fayyum Kake und denke weiter darüber nach…..

    Immerhin , das Lesen war sehr anregend.

    Und was unsere sich selbst hinter den Mond verortende Lieblingsnachbarn betrifft, so lebe ich scheinbar ebenfalls dort. Was das Thema Craft Beer und Zigarren angeht,

  4. Jetzt wird`s vorn höher wie hinten: endlich gibt es die Zigarre zum Steak oder das Steak zur Zigarre. Gefunden hier.

  1. 18. Februar 2017

    […] Hemmer hat jüngst in seinem anregenden Beitrag über Bier und Havanas eine schöne, sinnvolle Verbindung von unterschiedlichen Genußarten hergestellt. Ich will ihm […]

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