DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

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Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …

Alexander Broy

Alexander Broy ist Künstler, Flaneur und Blogger mehr von ihm gibt es in seinem Künstlertagebuch unter: http://broy.de zu lesen.

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2 Antworten

  1. Du hast den „Kleinen Uhu“ vergessen, der für seinerzeit 4,95 DM die Kreativität aller 4-8-Jährigen beeinflußt hat. Kam gleich nach dem mittels Zeitungspapier und Kartoffelleim gefertigten Drachen oder, wie es damals am Niederrhein hieß, Luftvogel.

    Ansonsten kenn ich nicht die Beweggründe, die zu einem solchen Artikel geführt haben könnten. Allerdings habe ich einige Zeitgenossen im Sinn, die -Deinen Artikel mißverstehend- gleich eine ganze Pfeife aus Balsa schnitzen würden und nach anzünden derselben für ein spektakuläres Selfie sorgen könnten: Arthur Brown und seine verrückte Welt lassen grüßen.

    Na ja, gehen wir zur Tagesordnung über….. nicht ohne den Mantel des Schweigens usw.

  2. Karl Hirsch sagt:

    Oho, so schnell gehen wir nicht zum Mantel des Schweigens über und breiten die gnädige Tagesordnung aus.

    Zumindest nicht, ohne vorher den Versuch gemacht zu haben, dies schlichte Ritual der Kleinkreativität zu verwissenschaftlichen oder zu kommerzialisieren.

    Zum ersten fällt mir nur die vielleicht allzu schnell verbrauchte Frage: Mit oder gegen die Faser schnitzen? ein. Da die Wissenschaft seit geraumer Zeit als Opfer der science soap (oder fast schon science porn) nicht mehr mit Beweisen, sondern mit dem Mittel der Verblüffung punktet, vermute ich einmal „gegen die Faser“ als Antwort.Die Gruppen „MiBaFiGeFa“ und „MiBaFiMiFa“ werden die letzten noch verbliebenen Foren in feindliche Lager spalten.

    Die kommerzielle Seite ist da schon dankbarer. Da gäbe es zunächst das um ein Balsaholzmesser erweiterte Messerset, eventuell zusätzlich einer Querfaserfeinsäge, dann natürlich das Rohmaterial selber. Von der schlichten Großpackung 5+1 gratis! bei Edeka über den Dallmayr-Klotz für chinesische Touristen bis zur feinsten Manufactum-Ware ist alles möglich. Manufactum glänzt mit Anpreisungen wie „Wer kennt sie noch, die guten alten Balsaklötze…Manufactum hat die letzten Restposten aus dem Nachlaß von Thor Heyerdahl sichergestellt. Darüber hinaus hat es den letzten Tiroler Balsaholzfäller, Balthasar Kluibenschädel („Dös ischt wurscht wann so a Baam aufn Schädel fliag!“), ausfindig gemacht, der behutsam im Einklang mit der Natur die federleichten Bäume eigenhändig ins Tal trägt.

    Für die Bobos, die Tiroler Ware verschmähen werden, gibt es noch die letzten Klötze des wakakkinesischen Riesenbalsabaums balsa balsa imperatoris sowie diamantbesetzte Querfaserfeinsägen. Vom Dallmayr. Oder bei Manufactum vom letzten noch lebenden Sägefisch.

    __ Off topic: „Der Kleine Uhu“ war kein Spielzeug, sondern ein richtiges Modellsegelflugzeug mit aerodynamisch korrekt geformten Flügelspanten. Ein fachkundig gebauter Uhu konnte sich durchaus für Minuten in der Luft halten.

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