Deutscher Kolonialismus – (fast) vergessen

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Deutscher Kolonialsmus war eine halbgare Geschichte. Das Deutsche Reich, mit Kaiser Wilhelm I. und vor allem unter dem Reichskanzler Bismarck – nahm vor 1880 eine ablehnende Haltung zu diesem Thema ein. War doch der Grundgedanke zunächst der Schutz privater, deutscher Handelsniederlassungen gegenüber den etablierten Kolonialmächten wie z.B. das Britische Empire, Frankreich, Rußland und die Niederlande, worin die Politik ein für das Reich zu großes -vor allem finanzielles – Risko sah. Der Sinneswandel wurde mit eingeleitet durch einen Bremer Großkaufmann, den Tabakhändler Adolf Lüderitz, der um Schutz seiner Handelsniederlassung und den geplanten Erweiterungen in Südwestafrika nachsuchte, dem heutigen Namibia. Damit steht der Beginn des Zeitpunktes für den Deutschen Kolonialismus mit dem Jahr 1882 einigermaßen fest, aber ebenso die erzwungene Aufgabe nach  etwas über 35 Jahren. Denn mit dem Ende des 1. Weltkieges und den Bedingungen des Versailler Vertrages gingen mit Ausnahme von Deutsch-Südwest (bis 1919) sämtliche Kolonien  verloren.

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Tropenhelm für Reichsbeamte ©Deutsches Historisches Museum

Bestrebungen der Politik in der Weimarer Republik und folgend des nationalsozialistischen Deutschlands zur Rückgewinnung der ehemaligen sogenannten Schutzgebiete blieben erfolglos. Obwohl das Deutsche Reich flächenmäßig immerhin die viertgrößte Kolonialmacht gewesen ist, verschwand seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland das Thema aus dem öffentlichen Interesse und, schlimm genug, aus dem Geschichtsunterricht in deutschen Schulen. Und damit abseits des akademischen Wissenschaftsbetriebes weitgehend aus dem allgemeinen deutschen Vergangenheitsinteresse.

Seit einigen Jahren allerdings rückt die koloniale Periode zunehmend in das öffentliche Bewußsein zurück. Die aktuellen Debatten über die längst fällige Anerkennung der Völkermorde an den Herrero und Nama zeigt, das wir uns der Vergangenheit stellen müßen, so wenig ruhmreich sie auch seien mag. Aber da haben wir Deutschen ja bereits hinreichende Erfahrungen gewinnen können.

Deutscher Kolonialsmus – Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart

Unter diesem Titel nähert sich das Deutsche Historische Museum in Berlin in einer ersten, umfassenden großen Ausstellung den verschiedenen Aspekten dieses Themas. (14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017). Exponate aus zahlreichen historischen, ethnologischen und naturkundlichen Sammlungen sowie viele Gemälde, Grafiken, Plakate, Dokumente, Fotografien und Alltagsgegenstände sind ausgestellt.

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Deutsche Kolonien bis 1918

Sie geben Einblick in den Verlauf der deutschen Kolonialgeschichte und die zugrundeliegende Ideologie des Kolonialismus, die weltpolitische Rivalität mit anderen Kolonialmächten und das wirtschaftliche Machtstreben im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Deutsche Herrschaftspraxis mitr der Ausübung alltäglicher Gewalt, der Niederschlagung von Aufständen bis hin zum erwähnten Genozid sind herausgestellt. Interessant auch die Perspektive der Kolonisierten, deren Interessen und das Agieren.

Die Ausstellung zeigt darüber hinaus, dass die Kolonien und das Deutsche Reich in einem Verhältnis wechselseitiger Beeinflussung standen. In Deutschland durchdrangen sogenannte Völkerschauen, Kolonial- und Spielwaren, Reiseberichte und koloniale Abenteuerromane den Alltag von Millionen Deutschen unterschiedlichen Alters. Und schließlich wird das Spektrum von Erinnerungspraktiken und strukturellen Folgen des Kolonialismus aufgezeigt …….

schreibt die Wissentschaftliche Buchgesellschaft in ihrem Mitgliedermagazin und bietet ihren Mitgliedern einen ermäßigten Eintritt an. (6€ statt 8€, Gutschein im Beiheft des Magazins). Dazu gibt es einen wichtigen Ausstellungsband, den ich besonders empfehlen möchte und der für WBG Mitglieder zu einem Mitgliederpreis und ansonsten im Buchhandel erhältlich ist. (24,95€ bzw. 29,95€).

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Deutscher Kolonialismus Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart, Theiss Verlag, ISBN: 9783806233698

 

Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Mo-So 10-18 Uhr

 

 

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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