Conchita Supervia

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Womit beginnen? Quasi als „Schnellstart“ der Rubrik Schellack Souvenirs die Vorstellung eines Superstars der 20er und 30er Jahre: die katalanische Mezzosopranistin Conchita Supervia.

1895 geboren und im Alter von nicht mal 41 Jahren auf der Höhe ihres künstlerischen Schaffens 1936 im Kindbett verstorben. Bereits ein Jahr nach ihrem Bühnendebüt 1910(!) gelang dem jungen Mädchen der große Durchbruch: Als Oktavian bei der römischen Erstaufführung des Rosenkavaliers am Teatro Costanzi im November 1911. Richard Strauss, der die Aufführung gehört hatte, war von seiner 16 jährigen Hauptdarstellerin begeistert. Supervia hat 17 Jahre später anläßlich einer Aufführungsserie des Rosenkavaliers 1928 an der Mailänder Scala zusammen mit der Sopranistin Ines Maria Ferraris, die schon bei der italienischen Erstaufführung des Stücks im März 1911 an der Scala die Sophie sang, auf jeweils einer Platte sowohl die Rosenüberreichung wie auch das Schlussduett eingespielt. Wie damals üblich in der Landessprache, also italienisch.

Wirklich berühmt wurde sie aber als Spezialistin für Rossinis Opern, ja sie verursachte geradezu eine regelrechte Rossini-Renaissance im Opernbetrieb der Zeit, die über den unverwüstlichen Barbier von Sevilla weit hinausreichte. Hier kamen ihre stimmlichen Fähigkeiten am eindrucksvollsten zum tragen: eine unglaubliche technische Flexibiltät gepaart mit der Fähigkeit, ihrer Stimme verschiedenste Klangfarben zu verleihen. Der Umfang reichte bis zum Koloraturalt. Sehr charakteristisch und für heutige Verhältnisse ungewöhnlich ist das extrem schnelle und ausgeprägte Vibrato der Stimme. Für das frühe 20. Jahrhundert war das kein seltenes „Phänomen“, da viele Tenöre im Belcantofach bedingt durch die Atemtechnik der Belcantoschule des 19. Jahrhunderts mit solch einem schnellen Vibrato sangen. Auch hört man dieses schnelle Vibrato in der Aufnahme sehr viel deutlicher als es im Opernhaus zu hören war/ist. Für unsere Verhältnisse ist dies aber vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig? Wenn man Supervia hört, versteht man schnell, warum sie das große erklärte Vorbild von Cecilia Bartoli ist.

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Gebrochene Herzen enden in der Oper nicht selten tödlich. So auch in Carmen, nur daß es hier nicht das gebrochene Herz trifft, sondern letztlich die Herzensbrecherin selbst, die quasi ein frühes Stalking-Opfer wird. Leider hat Conchita Supervia keine Gesamtaufnahme einer Oper gemacht. Das ist deshalb so schade, da in Supervias Glanzzeit parallel drei Gesamtaufnahmen der Carmen eingespielt wurden, sich Supervia aber mit einer großen Szenenfolge begnügte. Diese aber ist aussagekräftig genug um zu hören, daß wir es in Supervia mit der verführerischten Carmen der Aufnahmegeschichte zu tun haben. Daß Supervia keineswegs eine dickliche Primadonna war, sondern eine ausgesprochen gut aussehende, attraktive Frau, tat das übrige.

Die letzte Aufnahme, die ich vorstellen möchte, ist auch vielleicht für diejenigen interessant, die Oper nicht leiden mögen? Die strenge Trennung von U- und E-Musik ist ein Phänomen der letzten 50 Jahre und wird von Künstlern des E-Bereichs meist erst aufgeweicht, wenn deren stimmliche Mittel nachlassen und sich das Geld weniger strapaziös mit großen Medienevents verdienen lässt. Peter Hofmann und die berühmt berüchtigten „Drei Tenöre“ machten den Anfang, „Pavarotti and Friends“ etc. stehen exemplarisch dafür. Früher war das anders, da haben auch große Opernsänger keine Hemmungen gezeigt, Filmschlager oder Tangos einzuspielen. Auch Conchita Supervia machte da keine Ausnahme: Neben vielen Volksliedern ist ihre Aufnahme von Yradiers „La Paloma“ hier zu nennen. Trotz Rosita Serrano, Beniamino Gigli, Bing Crosby oder Hans Albers gehört ihre Einspielung zu den schönsten, beseeltesten Darbietungen des Stückes. Aufgenommen in der Originalsprache Spanisch. Viel Vergnügen!

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